Unruhiges Leben - Klaus-Peter Rösler - E-Book

Unruhiges Leben E-Book

Klaus-Peter Rösler

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Beschreibung

Ein Gesamtlebensweg. Von Hirschberg im Riesengebirge, heute Jelenia Gora (Polen), nach Breuberg im Odenwald. Das Buch schildert ein wechselvolles, unruhiges Leben, beginnend 1945 mit der Odyssee einer Flucht vor der heranrückenden russischen Armee. Es ist ein Rückblick auf besondere Ereignisse und Erlebnisse während vieler "Reisen" durch die ganze Welt - auch die Flucht mag als besondere "Weltreise" gesehen werden. Ob privat oder geschäftlich, der Autor hat das Erinnerte sehr anschaulich in Wort und Bild festgehalten. Die Kamera war dabei sein ständiger Begleiter. Durch die Begegnung mit besonderen Menschen in Deutschland und weltweit wurden sein Sinn für Gerechtigkeit, humanes Denken und Handeln geprägt - als Europäer und Weltbürger.

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Seitenzahl: 248

Veröffentlichungsjahr: 2016

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INHALTSVERZEICHNIS

Vorwort

I.     

Entwicklung, Prägung, Erfahrungen

Flucht, Kindheit und Heranwachsen

Lehrjahre und Weiterbildungszeit

Gründung einer Familie 1965 und deren Entwicklung

Einsatz für eine humane und gerechtere Welt

Aufstand gegen Manipulation und Betrug 1981

Mein 2. Geburtstag - Götter in Weiß…

Studienreise nach Krakau und Auschwitz 2010

Besuch im KZ Buchenwald 1971 und 2014

Eine Reise zu meinen Wurzeln nach Hirschberg 2011

II.    

Reisen unter verschiedenen Perspektiven

Studienreisen in die Türkei 1987 und 1989

Australien 1990, ein Reisebericht

Besuche in Singapur ab 1990

Hongkong 1990 – 2003

Israel 1992 – 2001

Südkorea 1992 – 2003

China 2000 – 2004

Thailand 2002 / 2003, Urlaub an der Andamanen-See

Außergewöhnliche Natur Erlebnisse 1993 – 2013

Beeindruckende Unterschiede von Staaten & Städten

Erlebte Gewaltbereitschaft in "Krisen"-Ländern

Eine Betrachtung aus heutiger Sicht

Fazit: Naturerkenntnis

Vorwort

Ich habe in meinem bisherigen Leben sehr viel erlebt. Angefangen von der Flucht vor den Russen am Ende des Zweiten Weltkrieges aus meinem Geburtsort Hirschberg im Riesengebirge/Niederschlesien, bis zum Ankommen in einem zweiten Zuhause in Rohrsen, Kreis Nienburg/ Weser in Niedersachsen.

Da ich seit früher Jugend immer interessiert an neuen Dingen und Aufgaben war, nahm ich an vielen Weiterbildungen teil und wechselte auch einige Male die Firma. Dadurch habe ich viel gesehen, neue, interessante Menschen kennengelernt, und mein Wissen erweitert.

So wurde auch meine Neugierde an fremden Ländern und deren Menschen und Lebensart geweckt, sodass ich alleine auf Geschäftsreisen viel erlebt habe. Aber auch mit Elke, meiner Frau, auf mancher Urlaubs-und Studienreise.

Ich war in Ländern auf allen Kontinenten unseres blauen Planeten, außer dem Subkontinent Indien, wobei die Besuche dieser Länder meist nur ein geringer Aspekt sein konnten. Es würde zu weit führen, von allen Reisen im Detail zu berichten.

Ich möchte alle dabei gemachten Erfahrungen und Erlebnisse nicht missen, auch wenn schwierige Zeiten dabei waren. Sie haben mein Leben reich gemacht und meine Denkweise oft bestätigt. Daraus hat sich auch meine Philosophie entwickelt - Motto: "Leben, gemeinsam in Frieden und Achtung vor Mensch und Natur“…

Ich kann nur jedem Menschen, ob jung oder alt, empfehlen, sich in unserer Welt umzusehen, um zu lernen und ein besseres Verständnis für einander zu bekommen. Nur so können letztlich Vorurteile abgebaut und eventuelle kriegerische Auseinandersetzungen vermieden werden.

Ich möchte an dieser Stelle meiner Frau danken, dass sie viel Verständnis für meine oft langen Geschäftsreisen, speziell ins außereuropäische Ausland, aufgebracht hat. Meine Erinnerungen schreibe ich für sie, unsere Söhne und unsere Enkelkinder, aber auch für andere interessierte Menschen.

Klaus-Peter Rösler

I. Entwicklung, Prägung, Erfahrungen

Flucht, Kindheit und Heranwachsen

Etwas mehr als drei Jahre nach meiner Geburt am 31.12.1941 in Hirschberg im Riesengebirge, begann die Flucht vor den heranrückenden Russen mit meinen Geschwistern und der Mutter. Die Aufzeichnungen hierüber hat großteils mein zehn Jahre älterer Bruder Gerhard gemacht und diese im Buch „Geschichte der Gemeinde Rohrsen“ in 2007 veröffentlicht.

Eine Flucht über sechs Monate

Unsere Mutter mit fünf Kindern (3–13 Jahre) tritt die Flucht aus Hirschberg in Niederschlesien Ende Februar 1945 an und erreicht erst im August 1945 in Rohrsen, Kreis Nienburg in Niedersachsen den rettenden „Hafen“. Mit einem Wehrmachtsbus erfolgt der Abtransport der Flüchtlinge nach Reichenberg (heute Tschechien), und anschließend im überfüllten Zug nach Prag, und Budweis sowie nach Neuhaus in Südböhmen. Hier ist kurze Station in einem Jugendheim mit Unterbringung auf Strohsäcken. Anfang Mai wird auf Empfehlung von Verwandten die Rückreise mit dem Zug nach Hirschberg angetreten, da dort noch keine Russen seien. Allerdings endet die Fahrt auf dem Hauptbahnhof in Prag, wegen des Aufstandes der Tschechen. Für uns Kinder sind das schlimme Erlebnisse, denn bei den Kämpfen gibt es viele Tote und Verletzte. In dem Durcheinander verliert die Familie den größten Teil des Gepäcks, das uns von deutschen Landsleuten gestohlen wird.

Nach der Kapitulation am 8. Mai 1945 ist der Abtransport im Lazarettzug mit vielen schwer verletzten deutschen Soldaten in Richtung Wien/Österreich angesagt. Nach tagelanger Fahrt ohne Halt sind Hunger, Durst und Läuse ständige Gäste. Hungerödeme lassen viele Körperteile anschwellen. Es soll aber noch schlimmer kommen, denn bei einem Zusammenstoß in der Nähe des KZ-Lagers Mauthausen verlieren die Fliehenden in dem Chaos auch noch den letzten Koffer. Nun ist eine Rast mit der Unterbringung in einer Feldscheune angesagt. Unsere Mutter muss sich vor den Russen im Stroh verstecken. Die offene Toilettenanlage, der sogenannte Donnerbalken, bewirkt, dass Seuchen auftreten, die sich bald mit Durchfall bemerkbar machen. Es gibt nichts zu essen. Das Betteln um Lebensmittel bei den Bauern ist vonnöten. Da die Gruppe noch in der russischen Zone ist, will man jetzt schnell in die amerikanische Zone nach Österreich gelangen, jedoch Passierscheine sind hier kaum zu bekommen.

Wir, die geschwächten Flüchtlinge, treten nun den Fußmarsch von rund 300km in Richtung Linz und Braunau an, um viele Tage später im Morgengrauen die Grenzbrücke von Österreich nach Deutschland zu passieren. Entweder sind die amerikanischen Posten schläfrig, oder sie haben Erbarmen mit uns Fliehenden. Und so gelangen wir ohne Passierschein bis nach Passau. Unterwegs stellt uns ein Bauer ein Kinderwagenuntergestell zur Verfügung, um so eine Transportkarre für Peter, den kleinen Sohn zu haben. Unterwegs ist ständig Nahrung bei den Bauern zu betteln, aber wir haben immer Hunger. Später halten wir uns eine Woche im Flüchtlingslager in Passau auf.

Dann erfolgt der Weitertransport auf dem offenen LKW bis nach Regensburg. Im überdachten Viehtransportwagen, der mit Pferdemist „ausgepolstert“ war, geht die Fahrt weiter nach Bamberg. Von dort aus ist der Umstieg in einen offenen Kohlegüterwagen, der noch mit einer dicken Kohlestaubschicht bedeckt ist, über Nürnberg, Fürth, Würzburg, Frankfurt und Mainz geht, befohlen. Nach der „Nachtruhe“ im Güterwagen sehen am Morgen alle wie Schornsteinfeger aus. Vielleicht ist das auch ein Grund dafür, dass niemand über das Kirschen pflücken am Bahnsteig schimpft. Bei der Weiterfahrt nach Köln und Aachen ruft der Heizer: „Wir fahren nach Belgien, also raus aus dem Zug!“

Wir haben anschließend das Glück einen Personenzug, auch ohne Geld und Fahrkarte, zu erwischen, der über Köln, Düsseldorf und Essen in Haltern in Westfalen Station macht. Hier wird uns als Quartier eine Schule zugewiesen. Die abgenommene Tafel, mit Decken gepolstert, dient uns als Schlafstelle. Der Hunger bleibt ein ständiger Gast, es muss weiter gebettelt werden und es müssen Kartoffeln und Äpfel bei passender Gelegenheit „organisiert“ werden. Das Elend will kein Ende nehmen, denn Mutter muss sich einer Blinddarmoperation unterziehen. Daher wird uns für zwei Wochen eine Aufenthaltsgenehmigung erteilt. Nach dem Krankenhausaufenthalt wird wieder der Zug bestiegen, der über Münster und Quakenbrück nach Oldenburg fährt, denn hier soll die Unterbringung leichter möglich sein. Eine Familie, mit der wir gemeinsam geflohen sind, fährt weiter zu Verwandten nach Nienburg.

Wir, die Hirschberger Familie, bezieht als Quartier die Viehauktionshalle in Oldenburg. Doch auch weiterhin klebt uns das Pech an den Füßen, denn der neunjährige Bruder Eberhard stürzt beim Spielen vom Heuboden und muss mit einer schweren Gehirnerschütterung für zwei Wochen ins Krankenhaus eingeliefert werden. Zwischenzeitlich erfolgt die Umquartierung in ein teilweise zerstörtes Haus in der Stadt. Die Lage soll sich ein wenig verbessern, denn hier erhalten wir einen kleinen Kochherd, die sogenannte „Kochhexe“, sowie Geld und Lebensmittelkarten. Eine Aufenthaltsgenehmigung auf Dauer wird uns jedoch verweigert. Ein Lichtblick: Die nach Nienburg/Weser gereisten ehemaligen Mitflüchtenden schreiben uns, dass dort ein Unterkommen leichter möglich sei. Nach persönlicher Nachfrage und langem Bitten beim Landrat wird endlich im August in Rohrsen bei einem kleinen Landwirt eine Unterkunft zugewiesen. Hier stehen uns sechs Personen ein Zimmer mit Strohsäcken auf dem Fußboden zur Verfügung. Aber schon nach kurzer Zeit erfolgt der Umzug in ein Behelfsheim. Diese Gebäude waren zur Unterbringung von Evakuierten aus den Großstädten in den letzten Kriegstagen errichtet worden. In der Wohnung finden wir als Inventar vor: Zwei Doppelstockbetten im 8m² großen Schlafraum, ein breites Einzelbett im 15m² großen Wohnzimmer, einen Tisch, vier Stühle, zwei Hocker und einen kleinen Küchentisch in einer 4m² großen Küche. Immerhin jetzt haben wir wieder eine eigene Wohnung!

Spurensuche: Erstfoto mit Agfa Isoly im Februar 1958 - Erinnerung an die Flucht 1945

Unser Vater findet unsere Familie erst Weihnachten 1946. Er war Soldat an der Ostfront. Die Ehefrau hatte die letzte Nachricht Weihnachten 1944 aus Danzig erhalten. Sie und die Kinder hatten die Hoffnung auf ein Wiedersehen eigentlich schon aufgegeben! Vater hatte Glück, denn er war in Schleswig-Holstein in englische Gefangenschaft gekommen, wurde relativ schnell entlassen, und arbeitete bei einem Bauern im Kreis Uslar/Solling. Über den Suchdienst des DRK konnte schließlich der Kontakt hergestellt werden. Langsam kehrt in der Familie Ruhe ein und alle fühlen sich schon bald als Neubürger in Rohrsen wohl. Erst mit fünf Jahren lerne ich also meinen Vater kennen. Er hatte den Krieg überlebt und war glücklicherweise heil aus dem „Danziger Kessel“ per Schiff nach Schleswig Holstein entkommen. Und als ich 2002 das Buch „Danziger Bucht 1945“ von Egbert gelesen hatte, begann ich zu verstehen welches Glück er hatte, dort herauszukommen. Ich gewöhne mich allmählich an diesen mir fremden Mann, der sechs Jahre im Krieg, und anschließend in englischer Kriegsgefangenschaft war. Mein Vater hat nie viel vom Krieg erzählt, und ich habe es später leider versäumt ihn nach Details zu fragen. Im Russlandfeldzug war er bei den Pionieren eingesetzt und kam bis kurz vor Moskau. Genauso erzählte er kaum etwas von seinen Eltern, meinen Großeltern, die ich nie kennengelernt habe.

Die Geschichte der Großeltern hatte Tante Ida, die Schwester meines Großvaters, Karl Rösler, niedergeschrieben. Leider ist sie am Schluss des Krieges gestorben, und so sind keine Unterlagen vorhanden. Ich weiß nur, dass Großvater in Breslau Musiklehrer war, weshalb mein Vater und meine beiden ältesten Geschwister, Gerhard und Ruth, Geige, Klavier und Blockflöte spielten. Nachdem er fast erblindet war, zog die Familie mit den drei Kindern nach Reibnitz im Kreis Hirschberg. Hier lernte unser Vater auch seine Frau, unsere Mutter, kennen. In dem Behelfsheim, in dem wir ein neues Zuhause gefunden hatten, war es eng für fünf Personen in den drei Räumen plus Abstellkammer und einem Plumpsklo. Wasser wurde von der Pumpe im Hof geholt.

Vatel, so nennen wir ihn, ist streng, aber stets pflichtbewusst, was die Versorgung der großen Familie betrifft. Jedes der Kinder hat seine Aufgaben, unter anderem fürs Vieh (Ziegen, Schweine, Hühner, Gänse) mit zu sorgen. Es gibt auch schon mal eins auf die „Ohren“, wenn man den Anordnungen nicht nachkommt. Doch bei aller Kargheit ist es dennoch schön in der Geborgenheit der Großfamilie aufzuwachsen, und die großen Geschwister basteln auch Spielsachen für die Kleinen zu Weihnachten. 1947 kommt noch ein Bruder auf die Welt, Wolfgang, sodass wir nun sechs Kinder sind.

Am 14.4.1948 komme ich in die Volksschule in Rohrsen. Es ist nur ein Klassenraum vorhanden, in welchem die verschiedenen Klassen in Schichten, vor- und nachmittags, unterrichtet werden. Erst 1951 kommt durch einen Anbau ein zweiter Klassenraum dazu. Jetzt wird nur noch vormittags unterrichtet. Es ist eine schöne Zeit, in der zu Weihnachten Stücke einstudiert und gespielt werden auf der Bühne des Saales eines Gasthauses während der jährlichen Weihnachtsfeier. Eltern, Geschwister und Bekannte der Schülerinnen und Schüler sitzen dann im Publikum und freuen sich, wenn alles gut klappt.

Familie Rösler 1950 - Anlass Bruder Eberhards Konfirmation.

Auf Empfehlung des Klassenlehrers mache ich im Frühjahr 1952 die Aufnahmeprüfung für das Gymnasium an der Albert-Schweitzer-Schule, Nienburg/Weser, ein Gymnasium für Jungen. Ich bestehe die Prüfung, und werde aufgenommen, und ab April 1952 beginnt für mich ein neuer Lebensabschnitt. Meine Eltern müssen für mich zu dieser Zeit noch Schulgeld bezahlen, nicht einfach für eine Arbeiterfamilie. Ich bin der Einzige meiner Grundschulklasse, der das Glück hat auf das Gymnasium zu gehen. Dadurch schränkt sich der Kontakt zu den bisherigen Klassenkameraden ein. Ich sehe sie nur selten und bin deshalb nicht richtig in die Dorfgemeinschaft integriert. Nur der Konfirmandenunterricht führt uns einmal in der Woche wieder zusammen. Dafür haben wir im Gymnasium in der Klasse eine gute Gemeinschaft, obwohl die Mitschüler aus den verschiedensten Ortschaften des Kreises Nienburg kommen, per Zug oder Bus. Sehr schnell lerne ich die Stadtbücherei kennen, aus der man Bücher ausleihen kann. Eine tolle Sache, und es vergeht kaum eine Woche, in der ich kein Buch zum Lesen mit nach Hause nehme.

Die Lehrer sind in den Methoden des Lehrens sehr unterschiedlich. So bevorzugt der Französisch-Lehrer immer die Mitschüler aus den „besseren Kreisen“, wie zum Beispiel unseren Klassensprecher, dessen Vater Lehrer ist. Ich dagegen kann mich anstrengen wie ich will, er findet immer einen Grund, mich fertig zu machen. So etwas ist kein Pädagoge! Das Gegenteil ist unser Deutsch- und Klassenlehrer, der alle gerecht behandelt und bei dem man viel lernt. Andere, wie zum Beispiel „Mucki“ Dahms, sind gutmütig, was von uns Schülern ausgenutzt wird. Einer, an den ich mich gut und gerne erinnere, ist „Bobby“ Pöck, unser Kunstunterricht Lehrer. Natürlich wird auch das Leben und Wirken von Albert Schweitzer behandelt. Dessen selbstloser, humaner Einsatz ist beeindruckend und hinterlässt bei mir eine bleibende Prägung. Während dieser Zeit bin ich in der Kirchengemeinde aktiv beim CVJM, Christlicher Verein Junger Männer. Ich leite eine zeitlang die Jungschar. Wir unternehmen viel mit Fahrrädern an den Wochenenden, und zelten oft. Dabei bildet sich ein Trio heraus, das zusammenhält. Es sind Horst, Lothar und ich. Übrigens Fahrradtouren: Mein erstes Fahrrad verdiene ich mir mit Torf umsetzen in einem Hochmoor während der Sommerferien. Eine Knochenarbeit, aber ich bin von da an mobil. Mit dem CVJM nehme ich auch an Jugendfreizeiten teil, auch an Sylvester. Die Lagerfeuerromantik fasziniert, aber uns gefällt der Drill nicht.

Mit Horst und Lothar radle ich auch zu einem Pfingstreffen am Hermanns Denkmal, im Teutoburger Wald, und als „private“ Gruppe an die Ostsee zum Timmendorfer Strand. Eine ganz schöne Tour, und als wir ankommen, habe ich mir durch Zug ein steifes Genick geholt und kann den Kopf kaum noch bewegen. Dies bedeutet, dass ich beim Zeltaufbau wenig helfen kann. Die Rückfahrt geht über Bad Segeberg und Hamburg-Harburg, wo wir noch mal zelten. Wir fangen Weißfische, die wir an einer Weidenrute über dem Lagerfeuer braten. Als wir nach Hause kommen, stellen wir fest, dass wir uns um einen Tag vertan haben, d.h. zu früh zurückgekommen sind.

Wie es im jugendlichen Alter ist, gefällt einem Schule und Unterricht nicht mehr so, und da der Druck der Eltern hinsichtlich des Lernens nicht vorhanden ist, verlasse ich nach der zehnten Klasse das Gymnasium, um einen Beruf zu erlernen. Die Entdeckung der Natur und Entwicklung meiner fotografischen „Sehenslust“ waren mir zu diesem Zeitpunkt wichtiger als die Paukerei. Schon früh lerne ich die Natur sehr nah kennen und lieben. Dies speziell dann, wenn ich unsere Ziegen an den Wegrändern, vom Frühjahr bis zum Herbst, hüten muss. Ich beobachte die tirilierende Lerche im Feld oder die Frösche und die Bisamratten in den Gräben der Wesermarsch. Oder die Spinne beim filigranen Weben ihres Netzes. Ebenso lerne ich schnell die Pflanzen, deren Eigenheiten und Nutzen kennen. Dieses sensibilisiert meinen Blick auf die Natur so, dass ich mir als Jugendlicher, während meiner Lehrzeit, einen Fotoapparat, Typ Agfa Isoly, kaufe, um Motive in der Natur festzuhalten. Es entwickelt sich meine fotografische „Sehenslust“, die mich in meinem künftigen Leben immer begleiten wird. Und auch heute noch ein Teil meines Lebens ist. Die Wunder der Natur erkennen und im Bild festhalten, das ist etwas sehr Schönes und sehr Wertvolles für mich.

Fotografisches Frühwerk als 16jähriger

Lehrjahre und Weiterbildungszeit, ein prägender Abschnitt

Da Vater bei der Kali-Chemie in Nienburg arbeitet, besorgt er mir eine Lehrstelle als technischer Zeichner, und nach dem Vorstellungsgespräch kann ich die Lehre am 1.4.1958 beginnen. Mein Ausbilder ist in Elbing/Ostpreußen geboren und hat bei der Tschichau-Werft in der Konstruktion gearbeitet, bevor er als U-Bootfahrer im Krieg eingesetzt war. Der Krieg und die Erlebnisse dabei haben sein nachfolgendes Leben maßgeblich bestimmt. Dreimal wurde sein U-Boot abgeschossen, und immer kam er lebend davon. Beim dritten Mal erlitt er eine Kopfverletzung - da schwor er sich, nicht noch einmal in diesen wahnsinnigen Krieg zurückzukehren. Deshalb traf er die Entscheidung zu desertieren und flüchtete. Details darüber erfahre ich nicht, aber dies war ein gefährliches Unterfangen, denn hätten die Nazis ihn erwischt, wäre er erschossen worden. Logischerweise ist er zum überzeugten Kriegsgegner geworden - aufgrund der gemachten Erfahrungen.

Links "Lehrling" Peter, rechts mein Ausbilder Rudi, der U-Boot-Fahrer.

Er beeinflusst mein Denken und schärft meine Sinne hinsichtlich des politischen Geschehens, und ich lerne, stets zu hinterschauen und zu hinterfragen. Es ist eine wertvolle Zeit für mich, die am Ende der Lehrzeit in eine bleibende Freundschaft mündet. Durch die Informationen ist für mich klar, dass ich mich gegen Krieg und Unrecht engagieren will, um nie wieder einen derartigen Wahnsinn entstehen zu lassen. Als zu dieser Zeit die DFU (Deutsche Friedens Union) gegründet wird, ist es für mich selbstverständlich, in diese Partei einzutreten. Doch bereits nach kurzer Zeit stelle ich fest, dass die Partei von der DDR gesteuert ist, und ich trete wieder aus.

Die fachliche Ausbildung ist hervorragend, da Rudi ein ausgezeichneter Konstruktionsleiter ist, und er versteht es, uns seine Kenntnisse weiter zu geben. Zur wöchentlichen Berufsschule muss ich mit dem Zug 60km nach Hannover fahren, da es in Nienburg keine Klasse für technische Zeichner gibt. Unser Lehrer, der auch Verfasser unseres Lehrbuches ist, bringt uns den Stoff sehr gut bei. Er zeigt mir auch auf, dass meine Mathekenntnisse vom Gymnasium nicht die besten sind, so dass ich begreife, mehr zu lernen, um den Ausbildungsstoff gut zu schaffen. Rudi fordert mich auf, mich fachlich weiterzubilden um bessere Chancen zu haben, und so beginne ich nach meiner Lehrzeit 1961 ein Fernstudium zum Maschinenbau-Techniker. Dieses schließe ich im Mai 1963 erfolgreich ab. Die Lehrjahre, mit den geschilderten Persönlichkeiten als Ausbilder, haben mein weiteres Leben sehr bestimmt. Nach meiner Zeit im Lehrbetrieb orientiere ich mich neu, und so bewerbe ich mich Anfang 1962 bei der Studiengesellschaft für Gasdynamik, welche Flugkörper entwickelt. Bei uns in der Nähe gibt es leider kaum Auswahl an Stellen. Da dieser Betrieb der Geheimhaltung unterliegt werde ich vor der Einstellung vom MAD (Militärischer Abschirmdienst) überprüft.

Als dieser mir auf den Kopf zusagt, dass ich einmal bei der DFU Mitglied war, erfahre ich zum ersten Mal, wie man in der demokratischen Bundesrepublik Deutschland überwacht wird. Dieses Erlebnis bestärkt mich darin, politisch wachsam zu sein und mich für eine wirkliche Demokratie einzusetzen, da die alten Strukturen des Dritten Reiches noch gut funktionieren.

Während der Zeit in dieser Firma habe ich Gelegenheit an einem Seminar für Raketen-und Raumfahrttechnik, der DRG, in der Ingenieurschule Hannover teil zu nehmen. In dem einjährigen Seminar fahren wir jede Woche samstags nach Hannover, um Vorlesungen zu hören. Es sind hoch qualifizierte Dozenten die referieren, und so lerne ich auch einen der Väter der Raumfahrt, Professor Hermann Oberth, kennen.

Ein Erlebnis ist auch die Teilnahme an der Nachwuchstagung der deutschen Raketen Gesellschaft im September 1963 im Hamburger Rathaus, wo auch der amerikanische Weltraumpionier Beck, der den ersten Affen ins All geschickt hat, referiert. Während dieser Tage habe ich auch Gelegenheit mein erstes Musical „My Fair Lady“ im Operettenhaus zu sehen, es ist fantastisch. Zu dieser Zeit habe ich auch meine erste Freundin. Doch sie klammert derart, dass ich alles versuche wieder von ihr los zu kommen. Dies gelingt mir aber erst, als ich im Januar 1963 einen Firmenwechsel zu einer Maschinenfabrik in Wasseralfingen bei Aalen in Baden-Württemberg vornehme. Ein neues Kapitel beginnt.

Nach mehreren Jahren in der Konstruktion stelle ich fest, dass mit einer technischen Ausbildung allein dem Weiterkommen im beruflichen Leben Grenzen gesetzt sind. Dies wird mir während meiner Zeit bei Opel, wo ich für zu genehmigende Projekte an GM in England und die USA berichten muss, noch klarer.

Deshalb schreibe ich mich bei der Fernuniversität Hagen ein, und studiere Wirtschaftswissenschaft in verschiedenen Fachbereichen. Die Vorlesungen sind abends oder samstags an der Universität Frankfurt, und für die Klausuren fahre ich nach Hagen. Ebenso vervollständige ich meine Englischkenntnisse an der Volkshochschule, mit Abschluss der Fremdsprachen Prüfung. Diese Weiterbildungen eröffnen mir die Möglichkeit in technisch-kaufmännische Positionen einzusteigen, und diese auszuführen. Zum Beispiel als Kundendienstleiter Deutschland und als Abteilungsleiter im Export für Europa und Asien.

Auf Basis dieser Kenntnisse und meiner Erfahrungen, wage ich es im Alter von 54 Jahren mich 1994 selbständig zu machen und meine eigene Firma, MPT - Masterpiece-Technology, zu gründen, welche ich bis 2004 führe. Ich gebe die Firma auf, da ich mir bei einem Unfall im Stahlwerk in Saudi-Arabien die rechte Kniescheibe breche und die Patellasehne abreiße. Da Sohn Jörg nicht bereit ist, die Firma fort zu führen, verkaufe ich sie an ein Unternehmen bei Düsseldorf.

Gründung der Familie 1965 und deren Entwicklung

Ostern 1964 besuche ich meinen Bruder Eberhard in Idar-Oberstein/Rheinland-Pfalz. Am Ostersonntag ist geplant, Tanzen zu gehen, und man fragt mich, ob ich dabei sein will, da ein weiteres Ehepaar und eine junge Frau auch mitgehen. Ich willige ein, und so lerne ich Elke kennen, eine hübsche, dunkelhaarige junge Frau. Ich tanze sehr oft mit ihr an diesem Abend. Und die Zeit vergeht wie im Flug. Es ist sehr schön!… Ich habe mich verliebt.

Am Montag rufe ich meine Wirtsleute in Wasseralfingen an, und bitte Herrn Schmidt, der Meister bei meiner Firma ist, mich für Dienstag zu entschuldigen, da ich erst an diesem Tag zurückkomme. So beginnt unsere Zweisamkeit, und ich fahre öfter von Wasseralfingen nach Idar-Oberstein, und wir lernen uns näher kennen. An Sylvester 1964 verloben wir uns, und am 4. Juni 1965 heiraten wir. Ein Wunschkind ist unterwegs, und ich trete eine neue Arbeitsstelle in Darmstadt an. Wir finden eine Wohnung in Gundernhausen, nicht weit entfernt von Dieburg.

Am 16. Januar 1966 kommt Sohn Jörg in Darmstadt auf die Welt, rundum gesund und munter. Wir sind Eltern, und ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Nach und nach wird die Wohnung mit Möbeln eingerichtet. Da meine Firma eine feste Zusage kurzfristig abgesagt hat, entscheide ich mich im September 1966 zu wechseln, um nach Celle in Niedersachsen zu gehen. Dies auch, weil ich dann näher bei den meisten meiner Geschwister in Nienburg bin.

Im Februar 1969 wird unser zweiter Sohn Peter in Celle geboren. Wieder ein gesundes Kind. Celle ist zwar eine schöne Stadt mit dem ältesten Barocktheater Deutschlands im Celler Schloss, aber für das berufliche Weiterkommen doch nicht der richtige Ort. So entschließen wir uns wieder in das Rhein-Main-Gebiet zurück zu kehren. Dies geschieht im Juni 1969.

Ich habe eine Anstellung bei Opel in Rüsselsheim, und eine Neubauwohnung soll ein Vierteljahr später bezugsfertig sein. Deshalb geht Elke mit den Kindern zu ihren Eltern nach Nahbollenbach, und ich nehme mir ein Zimmer. Unsere Möbel lagern wir ein. Aus dem Vierteljahr wird ein ganzes Jahr, sodass sich die angedachte kurze Übergangszeit mit der Trennung der Familie als nicht so gute Lösung herausstellt. Endlich, nach einem Jahr können wir eine schöne, geräumige Wohnung im Stadtteil Dicker Busch in Rüsselsheim beziehen, und sind endlich wieder vereint.

Der Kindergarten ist direkt hinter unserem Haus neu gebaut worden, und alle Eltern helfen bei der Gestaltung der Außenanlage, wo unter anderem ein großes Fort entsteht. Ich engagiere mich im Elternbeirat. Wir fühlen uns wohl in unserem neuen Heim. Ein Einkaufszentrum ist nur ca. 500m entfernt, ebenso ein Ärztehaus. Wir gehen viel mit den Kindern an der nahe gelegenen Horlache und im Wald spazieren. Bald haben wir auch Kontakt zu Mitbewohnern unseres Häuserblocks. Die Kinder wachsen heran, und 1972 wird unser „Großer“ in der Grundschule eingeschult, und drei Jahre später 1975 unser „Jüngerer“, Peter. Auch hier in der Schule bin ich im Elternbeirat tätig.

Da wir auf Dauer nicht zur Miete wohnen wollen, entscheiden wir uns 1977 einen Bauplatz in der Nähe zu suchen. Diesen finden wir zu einem vertretbaren Preis in Büttelborn, Ortsteil Klein-Gerau, und nun wird die Planung des Hauses vorgenommen, und nach einem Architekten und einer Baufirma Ausschau gehalten. Nur der Rohbau komplett mit Fenstern und Türen wird vergeben, für alle anderen Gewerke werden von mir separat Aufträge an Handwerker erteilt. Die Bauphase ist anstrengend, da wir vieles in Eigenarbeit nach Feierabend und an den Wochenenden durchführen. Unsere Söhne wollen nicht immer mit zur Baustelle, da sie mit ihren Freunden spielen wollen. Diese Zeit ist auch für sie nicht ganz einfach. In der späteren Bauphase fahren sie dann doch mit, und streunen dann im nahe gelegenen Wald herum, um dort Buden zu bauen. Dabei wird manches Werkzeug vom Bau mitgenommen, welches ich später vermisse. Im Oktober 1978 ist es soweit, wir ziehen um von Rüsselsheim nach Büttelborn/Klein-Gerau in unser eigenes Haus. Nun ist genug Platz für unsere Familie.

Durch die einjährige Bauzeit haben wir in unserer Straße bereits Kontakt zu den neuen Nachbarn, die auch erst kurz vorher gebaut haben, bzw. zur gleichen Zeit bauen wie wir. Für unsere Kinder ist es ein neuer Lebensabschnitt, denn sie müssen neue Freundschaften knüpfen und kommen in eine andere Schule. Besonders Peter fällt es sehr schwer sich an die neue Klasse in der Grundschule zu gewöhnen, aber dann klappt auch das. Jörg geht in die Gesamtschule in Groß-Gerau, wo ich mich auch wieder im Elternbeirat engagiere.

Die nachbarschaftliche Gemeinschaft im Wendehammer des Lerchenweges wächst, und wir haben zusammen manch schöne Stunde. Mit den Bekannten unseres Blocks in Rüsselsheim fahren wir des Öfteren zum Wandern in den Odenwald. Meistens sind sechs oder fünf Kinder dabei. Es wird nach Wanderkarte gelaufen, aber ab und zu sind wir trotzdem plötzlich auf einem anderen Weg, aber immer wieder finden wir zum Ausgangspunkt zurück. Den Kindern macht es immer Spaß, und sie laufen oft viel mehr Kilometer als wir Erwachsene - bedingt durch ihr wuseliges Hin und Hergelaufe. Auch die Urlaube mit den Kindern sind immer wieder schön, ob im Sommer oder Winter. So zum Beispiel am Schwarzen Meer in Bulgarien, wo es ihnen ein am Strand nachgebautes Piratenschiff angetan hat, und sie voll mit Piratenstempeln auf den Armen zurück aufs Zimmer kommen. Oder in Winsau am Vorarlberg, wo sie viel Spaß mit dem Kaninchenstall im Garten oder am Bach in der Schlucht neben unserem Privatquartier haben. Bei diesem Urlaub wird jedoch auch viel in den Bergen gewandert. Der Strandurlaub auf Föhr in der Ferienwohnung wird von allen genossen, auch wenn wir von hier ein gutes Stück nach Wyk zum Essen am Strand entlang laufen müssen. Beim ersten Schwarzwaldurlaub ist wieder überwiegend Wandern angesagt, und Elke meint, ich überfordere die Jungen. Auch die Winterurlaube im Bayerischen Wald werden beim Lang-oder Abfahrtslauf von Jörg am großen Arber immer als schön empfunden.

Peter ist aktiver Schüler-Handballspieler beim Sportverein in Büttelborn, und ich fahre ihn sehr oft zu den Auswärtsspielen. Auch sonst unternehmen wir viel mit unseren Jungs. So zum Beispiel eine Fahrradtour in den Osterferien von Klein-Gerau aus rund um den Odenwald, mit Übernachtung in Jugendherbergen. Sie sind mit Begeisterung dabei, und es geht über Zwingenberg nach Heidelberg bei schönem Wetter. Die Übernachtung in der riesigen Jugendherberge in Heidelberg ist ein Graus, es kehrt die ganze Nacht keine Ruhe ein. Weiter geht es nach Eberbach den Neckar entlang, wo wir wieder übernachten. Doch nun geht es aus dem Neckartal aufwärts in den Odenwald. Es steigt und steigt, und anteilig schieben wir die Fahrräder, die keinerlei Gangschaltung haben. Auf den höchsten Bergen liegt noch Schnee, sogar ein wenig auf der Straße. Doch dann endlich geht es in sausender Fahrt abwärts nach Amorbach. Wir sind ganz schön geschafft, doch wir müssen noch mal steil bergauf, um die oben gelegene Jugendherberge zu erreichen. Am nächsten Morgen, wir sind wieder fit, und es geht zur Etappe nach Aschaffenburg. Als Anreiz habe ich versprochen, dass wir unterwegs in Groß-Heubach zum Kloster Engelberg fahren, um dort eine Jause mit Schwarzbier zu haben. In Groß-Heubach angekommen, müssen wir natürlich den Berg hoch, doch die Jause lockt.

Herrlich, das frische Brot und ein Bier dazu, und die Jungs trinken natürlich auch etwas Schwarzbier. Als wir wieder aufbrechen, merken wir alle, dass das Bier seine Wirkung nicht verfehlt hat, und ich mahne, langsam den Berg hinunter zu fahren. Alles geht gut. Auf der Strecke drückt plötzlich das Bier, und wir müssen in die Büsche. Dann sind wir in der Jugendherberge Aschaffenburg, und wir besichtigen das Schloss. Am nächsten Tag geht es auf die letzte Etappe zurück nach Hause, wo wir nachmittags ankommen. Eine schöne erlebnisreiche Radtour ist zu Ende.

Die Jahre vergehen, und die Jungs werden konfirmiert. Beide wollen jedoch nicht weiter zur Schule in den gymnasialen Zweig gehen, sodass sie nach der zehnten Klasse abgehen. Jörg ergreift den Beruf des Drehers bei Opel in Rüsselsheim. Peter will Blechblas-Instrumentenmacher lernen. Nachdem er ein Schulpraktikum in einer Musikinstrumenten-Produktion gemacht hat, finden wir eine Lehrstelle bei einem renommierten Betrieb in Mainz. Es wird eine harte Zeit für ihn, da er morgens um 5:00 Uhr aufstehen und mit dem Zug nach Mainz fahren muss, um pünktlich zu Arbeitsbeginn da zu sein.

Wir verändern die erste Etage in unserem Haus durch einen separaten Eingang über eine Treppe, um eine abgeschlossene Wohnung zu haben. Nachdem wir nicht mehr vermieten, ziehen unsere Jungs in diese Wohnung und haben nun „sturmfreie Bude“. Natürlich gibt es nun auch Freundinnen, und wir wundern uns manchmal, wer da morgens das Haus verlässt.

Peter ist zwischenzeitlich in Büttelborn so integriert, dass er als „Kerweborsch“ mitmacht. In dieser Kampagne wird er einmal nachts stockbetrunken an unserer Haustür abgeliefert, das ist schon grenzwertig. Bei dem knallharten Einsatz während der Handballspiele hat er öfters Verletzungen an den Händen, was natürlich nicht so gut ist für seinen Beruf.