Unser Kater Jerry - Olaf Mittkus - E-Book

Unser Kater Jerry E-Book

Olaf Mittkus

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Beschreibung

Das Leben und die Abenteuer unseres Katers Jerry zu Wasser und auf dem Lande. Manchmal lustig, manchmal beängstigend, manchmal traurig aber immer spannend und voller Liebe. Ein Leben ohne Zwang, das hatte er sich immer gewünscht. Würde es immer gut gehen, wenn er unbefangen seiner Wege ging?

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Seitenzahl: 113

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Olaf Mittkus

Unser Kater Jerry

Eine wahre Katzengeschichte

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Prolog

Erinnerungen

Jerrys Revier

Der Unfall

Ein nicht einfacher Arztbesuch

Eine traurige Gestalt auf vier Pfoten

Revierkämpfe

Die Reise in den warmen Süden

Reiseziel Andalusien

Ein leidender Kater

Am blauen Meer

Die Wüste von Tabernas

Granada

Córdoba

Die Heimfahrt

Mit dem Boot nach Amsterdam

Die Such nach Jerry

Als wäre nichts gewesen

Amsterdam

Jerry über Bord

Der große schwarze Hund in Heeg

Der Abschied

Impressum neobooks

Prolog

Das Gedicht vom Ostzaun

Ich baute mein Haus inmitten der Menschen Bezirk;

Aber von ihren Wagen ist hier kein Hallen.

Und wenn du fragst, woher das kommen mag:

Mein Herz weilt fern ‒ ist an sich selbst verfallen.

Am Ostzaun pflück´ ich müßig Chrysanthemen,

Sehe den Südberg von meinem stillen Ort:

Des Berges Hauch so schön im letzten Licht;

Schweifende Vögel fliegen in Paaren fort.

Und in dem allen liegt ein tiefer Sinn.

Ich will ihn sagen ‒ ich habe vergessen das Wort.

T՚ao Yüan-ming (365-427)

Erinnerungen

Tief in unseren Herzen ruht ein einzigartiger Schatz. Es ist die schöne Erinnerung an unseren lieben Kater Jerry, ein kleines, wertvolles Wesen voller Lebensfreude, dem es beschieden war, eine viel zu kurze Zeit mit uns durchs Leben zu gehen.

Im Nachhinein, also, wenn wir an längst vergangene Zeiten zurückdenken, erscheinen uns manche Zusammenhänge viel klarer, und wir fragen uns, warum uns das alles nicht schon damals deutlich geworden ist. Rechtzeitig hätte man hier und da mit etwas Weitblick anders entscheiden können. Heute wissen wir, dass Einsicht und Verständnis manchmal sehr viel Zeit brauchen, und man versteht oftmals leider erst, wenn die Ereignisse längst unwiederbringlich vergangen sind.

Im wahren Leben, im Alltag der Gegenwart, waren wir damals überzeugt, nach bestem Wissen zu handeln. Es reichte uns, wenn wir Probleme irgendwie lösen oder zumindest verschieben konnten. Je nachdem, welche Mittel zur Verfügung standen, wählten wir eine einigermaßen professionelle Lösung oder eine antiquierte Methode, mit der wir kostengünstig funktionsfähige Provisorien schaffen konnten, die ewig zu halten schienen.

Als Eigentümer eines kleinen Anwesens, das in einem Biosphärenreservat lag und das aus einem Bungalow und einem Nebengebäude bestand, waren wir immer darauf bedacht, behutsam zu wirtschaften, wenn es um dessen Erhalt ging.

Das Nebengebäude, in dem die Garage, die Waschküche und die Sauna untergebracht waren, stand etwa anderthalb Meter von einem zwei Meter tiefen Wassergraben entfernt. Der schmale Steinplattenweg, der zwischen dem Gebäude und dem Wassergraben entlangführte, war zum Graben hin schon teilweise beängstigend weit abgesackt. Die Grabenböschung war destabilisiert. Sie sah beinahe aus wie ein Sieb. Ein Loch reihte sich an das andere. Es müsse sofort etwas geschehen, dachte ich.

Auf dem Lande sei das nun mal so, und in einem Biosphärenreservat ganz besonders, dass Mäuse, Maulwürfe, Füchse und anderes Getier unsere Welt der Flurkarten und Grundstücksgrenzen nicht respektieren würden, meinte Anneliese lächelnd, die vieles entspannter sah als ich.

„Ja, das ist wahr“, sagte ich. „Es könnte aber einen Verbündeten geben, den die ungebetenen Baumeister mit Sicherheit respektieren und der ihnen am Tag und in der Nacht ihre Grenzen unmissverständlich klar macht.“

Anneliese musste lachen.

„Gut, in diesem Punkt sind wir uns einig“, sagte sie. „Ich wollte schon immer ein Kätzchen haben“, wobei sie natürlich an eine Schmusekatze dachte, was mir erst später klar werden sollte.

In unserem kleinen Dorf war schnell bekannt, dass wir in Erwägung gezogen hatten, ein Kätzchen bei uns aufzunehmen.

Eines Tages erschien die Tochter eines Nachbarn mit einem kleinen Korb, in dem sich drei Kätzchen tummelten, die nicht älter als zwölf Wochen waren. Anneliese durfte sich eines davon aussuchen. Ein besonders lebhafter, kleiner Kater mit einer charakteristischen schwarzen Schwanzspitze blinzelte sie neugierig an und reckte sich ihr entgegen – schon hatte sie ihr Herz verloren, und die Entscheidung war getroffen. Er hatte sich sozusagen selbst seine neue Gefährtin gewählt.

Nun blieb nur noch, dem neuen Familienmitglied einen passenden Namen zu geben. Unsere Nachbarin hatte ihm den ein wenig hochtrabenden Namen „Shaitan“ gegeben, aber ein Teufel war er nun wirklich nicht. Mir fiel eine alte Fernsehserie ein, „Jeremiah, der auszog, ein Mann der Berge zu werden“, und in Anlehnung daran meinte ich, dass wir hier „Jeremiah“, einen Kater, vor uns hätten, der ebenfalls frei entscheiden sollte, ob er mehr in der Wildnis, direkt hinter dem Haus, wo ihm Fuchs und Igel begegnen können, zu Hause sein möchte oder bei uns auf der Couch.

Anneliese war der Name „Jeremiah“ allerdings viel zu lang und zu umständlich. So machte sie dann schnell „Jerry“ daraus, und in zärtlichen Momenten nannte sie unseren Kater in Anlehnung an „Tom und Jerry“ auch schon mal „Jerry-Maus“.

Jerrys Revier

Unser Grundstück, dass mit einer dichten, hohen Hecke an eine mäßig befahrene Landstraße angrenzte, stellte in unserer Vorstellung plötzlich eine Quelle höchst gefährlicher Bedrohungen für den unerfahrenen Kater dar.

Anneliese beschloss daher, ihn an die lange Leine zu nehmen, um mit diesem Wirbelwind dessen künftiges Revier abzugehen. Sie ließ auch das lautstarke, polternde Nahen der großen Lkw-Ungetüme auf ihn einwirken, um mit dem dadurch verunsicherten Wesen die Flucht in die richtige Richtung anzutreten, nämlich auf die sicheren Büsche unseres Grundstückes zu, wo das Getöse nicht mehr so bedrohlich wirkte und Deckung vor diesen gewaltigen Ungeheuern der Straße gegeben war.

Lange sorgten wir uns, ob wir ihn trotz aller Warnungen vor Gefahren schon ohne Leine laufen lassen könnten, ob die Straße für ihn auch dann bedrohlich erscheinen würde, wenn sich auf ihr augenblicklich keine polternden Ungetüme näherten.

Aber das Alles hatte natürlich auch eine spielerische Seite: Beim letzten Sturm war ein großer Ast abgebrochen, der auf unserer Terrasse lange Zeit liegen blieb. Durch die vielen Zweige turnte Jerry zu gerne herum, wobei er die lange Leine, an der Anneliese ihn immer noch festgebunden hatte, einfach ignorierte.

Das war auch richtig so, denn er durfte diesen plumpen Strick, den er da hinter sich herzog, nicht als Fessel empfinden, was Anneliese aber erst noch gelingen musste, denn es war für sie eine echte Herausforderung, die Leine durchs Geäst schnell genug nachzuführen, so, dass sie sich nicht hoffnungslos verhedderte.

Alle Gegenstände, die klein genug waren und sich bewegten, schienen für ihn Beute zu sein. Selbst ein Knoten von der Größe eines Tischtennisballs, der sich am Ende einer Leine befand, erregte seine Angriffslust, sobald ich an der Leine zog.

Bei der wilden Verfolgung auf unserem Flur geriet die „Beute“ auch schon mal unter den Teppich und war nicht mehr zu sehen. Mit großen Augen blickte Jerry mich dann erwartungsvoll an, als wollte er des Rätsels Lösung. Er fand sie selbst, als er äußerst angespannt eine Beule im Teppich wandern sah. Das wurde zu seinem größten Vergnügen, unter den Teppich zu tauchen, um dort in der Finsternis die Verfolgung der „Beute“ aufzunehmen, die ihm natürlich nie entkommen konnte.

Da der Kater zumindest aus meiner Sicht auf keinen Fall gehindert werden sollte, seiner Natur nachzugehen, nämlich Mäuse zu fangen, sollte er dies bei freier Bewegungsfreiheit schwerpunktartig im Bereich der fragilen Teichböschung erledigen, womit er dann eine Win-win- Situation herbeigeführt hätte.

Für Anneliese, die schon Erfahrungen mit Katzen hatte, war es selbstverständlich, dass Jerry zusammen mit uns in unserem kleinen, ebenerdigen Haus leben sollte.

Ich war da anderer Ansicht. Tiere gehörten nicht ins Haus, war damals meine feste Überzeugung, eigentlich mehr ein Vorurteil, denn ich hatte bis dahin nie erfahren, wie stark die Bindung zwischen Menschen und Tieren sein kann.

Das sollte sich bald ändern, denn Jerry war mit der Zeit sozusagen zu einem Familienmitglied herangewachsen, das natürlich berechtigt war, sich auch in der Wohnung zu Hause zu fühlen. Nur das Schlafzimmer, das blieb für ihn zunächst tabu. Vorsichtig eroberte er sich mit der Zeit aber auch dieses Terrain, indem er sich zunächst manierlich mit den Fußenden unserer Betten begnügte.

Eines Nachts wachte ich auf, weil ich den buschigen Schwanz meines kuschligen Bettnachbaren im Gesicht spürte. Wir drohten dem Kater mit Ausweisung und ordneten an, dass er am Fußende zu verbleiben habe und unsere Nachtruhe nicht stören solle, denn unser Wecker klingelte um 04.45 Uhr, und wir hatten einen langen Arbeitstag vor uns.

Soweit die Theorie. Tatsächlich war es so, dass Jerry schon mal so gegen 02.00 Uhr das Bedürfnis hatte, in seinem Revier nach dem Rechten zu sehen. Vorsichtig tastete er sich dann vom Fußende des Bettes nach vorne, wo meistens nur Annelieses Kopf von der Decke nicht bedeckt war. Dort setzte er sich erstmal nieder und wartete darauf, bemerkt zu werden. Wenn Anneliese trotz seines Rumorens nicht reagierte, fing er an, leise zu miauen. Wenn das nicht half, weil Anneliese tief schlief, miaute er ihr so laut ins Ohr, dass sie davon schreckhaft erwachte. Sie stand dann auf und öffnete ihm die Haustür.

Erst zum Frühstück ließ er sich wieder blicken, denn er wollte es sich auf keinen Fall nehmen lassen, den Deckel des Joghurtbechers genüsslich abzulecken. Das hatte er immer schnell erledigt, und wenn er mich danach erwartungsvoll anblickte, gab es noch einmal einen gehäuften Teelöffel Joghurt dazu, sozusagen als Nachschlag.

Jerry durfte niemals auf den Tisch springen. Er sah also nie, was auf dem Frühstückstisch so vor sich ging, aber er wusste genau Bescheid, denn wenn Anneliese den Drahtbügelverschluss eines Einweckglases mit einem lauten Quietschen öffnete, schaute er uns gespannt an, und es war ihm klar, dass er einen Happen seiner Lieblingswurst, einer groben Mettwurst, erhalten sollte.

Wir teilten mittlerweile nicht nur die Mettwurst und den Joghurt mit unserem Jerry, sondern auch die Kamelhaardecke, die auf dem Wohnzimmersofa lag. Es machte ihm nämlich gar nichts aus, auf der Decke einzuschlafen, wenn Anneliese bereits schlafend darunter lag.

Regelmäßig unternahm er hellwach einen Kontrollgang in der Wohnung, die er wohl als Innenbereich seines Reviers wahrgenommen hatte. Das geschah natürlich auf allen Ebenen, das heißt, dass er auf Kommoden, dem Schreibtisch und auf den Schränken nach dem Rechten sah. Er sprang so zielgenau, dass es dabei niemals zu Schäden kam. Bis auf einmal. Da lag ein DIN-A4-Blatt auf dem Schreibtisch, das ich dort vergessen hatte.

Damals hatte ich gerade das Arbeitszimmer betreten, da sah ich erstaunt Jerry hoch oben auf dem Bücherschrank balancieren.

Als ich ihn etwas wirsch anrief: „Was machst du denn da oben?“, erschrak er und sprang hinab auf das Papierblatt, mit dem er durch seinen Schwung über die Schreibtischoberfläche surfte.

Diese Art der Fortbewegung war ihm wohl nicht geheuer, so, dass er die Notbremse zog, indem er seine Krallen in den Lack schlug, wie der etwa fünf Zentimeter lange Bremsweg dokumentierte. Dieser Lackkratzer war der einzige Schaden, den wir beide in all den Jahren verursachten.

Anneliese ärgerte sich über mich, weil ich das Blatt Papier liegengelassen hatte und weil ich Jerry provoziert hatte zu springen.

Geblieben war mit der Zeit aber etwas Dauerhaftes, etwas, dass schöne Erinnerungen an unseren Kater wiederkehren ließ, sobald wir dem Schreibtisch nahekamen und das Andenken sehen und fühlen konnten, das uns Jerry einst tief im Holz hinterlassen hatte.

Geeignet für seinen zukünftigen Zweitwohnsitz erschien uns ein kleiner, beheizbarer Raum unseres Nebengebäudes zu sein, in dem sich die nicht benutzte Sauna befand, wo er sozusagen als Einlieger freie Hand bzw. freie Pfoten hatte, um unabhängig von uns bei Tag und Nacht seinen Geschäften nachgehen zu können.

Die Tür zu seinem Quartier versahen wir mit einer Katzenklappe, die sich mit einem Magnet entriegeln ließ, den Jerry sozusagen als Schlüssel am Halsband trug.

Da wir während des Studiums der Bedienungsanleitung herausfanden, wie so eine Katzenklappe funktionierte, bestand unser Problem nur noch darin, unser Wissen weiterzugeben, sozusagen zu übersetzen in eine Handlungsanweisung für unseren neuen Partner.

Schnell erkannten wir, wie clever unser Jerry war, denn als er mehrfach gesehen hatte, wie einfach eine Hand dieses transparente Hindernis, die Klappe, beiseiteschieben konnte, fand er nach wohl reiflicher Überlegung Mut, es auch einmal mit der Pfote zu versuchen.

Offensichtlich ging er nach der Methode „Versuch und Irrtum“ vor, denn als er feststellte, dass es bei ihm so nicht funktioniert hatte, unternahm er einen zweiten Versuch, indem er sich vor die Klappe stellte, vorsichtshalber die Augen fest zukniff und mit seinem kleinen Kopf zunächst vorsichtig und dann stärker gegen das Hindernis drückte, bis die Klappe unter seinem Druck nachgab, und er sich weiter voran bewegen konnte, bis er bald staunend mit den vorderen Pfoten in seinem neuen Quartier stand, wo er Anneliese sah, die Futter in ihren Händen hielt.

Auch das Zurückschlagen der geöffneten Klappe gegen seinen Rücken beeindruckte ihn bis auf ein kleines Zucken wenig. Als er die Hinterbeine nachgezogen hatte, schlug ihn die fallende Klappe auf sein Hinterteil, aber auch diese bösartige Attacke steckte er mutig weg.

Es hatte nicht lange gedauert, bis er erkannte, dass die Vorzüge der Klappe höher einzuschätzen waren, als deren hinterhältiges Nachschlagen, denn jedes Mal, wenn er das Hindernis in Richtung Quartier überwunden hatte, fand er dort eine nie versiegende Quelle an Leckereien in seinem immer glänzenden Napf.

Mit allen Mitteln, außer mit Gewalt und Aggression, versuchten wir ihm klarzumachen, dass er die Grenzen unseres Reviers niemals überschreiten durfte.

Übrigens, Gewaltanwendung und Aggression gegen den kleinen Kerl, zu welchem Zweck auch immer, gab es bei uns nicht, stuften wir ebenso gefährlich für ihn ein, wie direkt auf ihn einwirkende Gewalt, durch ein Unfallereignis beispielsweise.

Alle Vorsicht, alle Fürsorge ließen wir dem jungen Kater angedeihen, indem wir ihn von Zeit zu Zeit unter Beobachtung einige Augenblicke losgeleint agieren ließen. Zu unserer Freude und Verwunderung stellten wir bald fest, dass er die vorgegebenen Reviergrenzen respektierte, die nahe Straße also mied.

Der Unfall

Sepp, unser alter Nachbar und Tierfreund, dessen Grundstück auf der gegenüberliegenden Straßenseite lag, hatte sich mit unserem Jerry eines Tages angefreundet, wovon wir, die wir ja berufstätig waren, erst durch ein trauriges Ereignis erfuhren.