Unser Leben mit Hunden - Elke Schmidt - E-Book

Unser Leben mit Hunden E-Book

Elke Schmidt

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Beschreibung

Nachdem wir in einem Tierheim so viel Hoffnung und Enttäuschung in den vielen Hundeaugen sahen, dass uns die Tränen in den Augen standen, stand für uns fest, einen Hund aus dem Tierschutz zu übernehmen. Heute, viele Jahre später, möchten wir keinen Tag mit unseren eigenen und den mit ihnen und uns befreundeten anderen Hunden missen und von unseren vielen Erlebnisse mit unseren Hunden erzählen. Diese Geschichten erinnern an all die schönen Erlebnisse mit unseren Hunden von denen jeder seinen eigenen Charakter hatte und hat. Elke Schmidt

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Seitenzahl: 237

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Vorwort

Nachdem unsere Tochter Silke uns davon überzeugt hatte, dass in dem Lebensabschnitt nach der Berufstätigkeit ein Hund für uns eine Bereicherung sein werde, besuchte ich ein Tierheim, um mich zu informieren. Dort sah ich so viel Hunde-Hoffnung und -Enttäuschung, dass mir die Tränen in den Augen standen, als ich den Ort verließ. Nach diesem Erlebnis stand für mich fest, dass es richtig ist, einen Hund aus dem Tierschutz zu übernehmen. Ich habe diese Geschichten aufgeschrieben, um all die schönen Erlebnisse mit unseren Hunden nicht zu vergessen. Jeder hatte einen eigenen, seinen, Charakter, und so entstand die inhaltliche Fülle der Geschichten.

ELKE SCHMIDT

Nach rund dreißig Jahren engagierten Katzenpapa-Daseins war für mich der Gedanke eines neuen Hausgenossen so fremd nicht. Silkes Argument für einen Hund überzeugte mich, denn mit einer Katze kann man nicht gut spazieren gehen. Und unsere zweite Tochter, Anke, damals seit einem halben Jahr zusammen mit Ihrem Mann Halterin einer Hündin, hatte berichtet, dass man beim Hunde-Ausführen jede Menge Möglichkeiten habe, mit Gleichgesinnten Kontakte zu knüpfen. Also ein Hund! Heute, viele Jahre später, möchte ich keinen Tag mit unseren eigenen und den mit ihnen und mir befreundeten anderen Hunden missen und bin meiner Frau dankbar, dass sie es unternommen hat, die vielen Erlebnisse mit unseren Hunden zu Papier zu bringen und mich dabei helfen zu lassen.

KLAUS SCHMIDT

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

BOBBY Steckbrief

Wie wir "auf den Hund" kamen

Erste Erfahrungen mit BOBBY

Wohin mit dem Ball?

Bobby und das junge Gemüse

Regel Nummer eins

Die lästigen Kleinen

Die holde Weiblichkeit

Hundeängste

Bella Figura

Vom Urlaub zurück

Immer hilfsbereit

Inselleben

Wie BOBBY die Welt sah - und sie ihn

Winterspiele

Beobachtungen

FIFIE Steckbrief

Douce France

Aller Anfang ist schwer

Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Learning by doing

Einigkeit macht stark

Oldies but Goldies

BOBBY und sein französisches Luder

Von wegen Leinenzwang

Erste Begegnung mit dem Meer

Vergebliche Jagd

Schrecksekunde

Die Heilsbringerin

Wenn's dem Hund zu wohl wird...

Rossapfeleis

Bei Verwandten

Kein Jägerlatein

Was Hund so alles erlebt

Schlingel

Erinnerungen

Wie der Herr,

Wenn Hunde zum Arzt müssen

Wandertag

Hundeängste II

Staatze Kääls

Beute machen

Ressourcen sichern

Komm, spiel mit mir!

Empathie

Überraschung mit Nachspiel

Zarte Bande

BRATYO Steckbrief

Neuanfang

Endlich angekommen

Er hat mich gebissen!

Verschollen

Täuschungsmanöver

Organisation ist alles

Am Marienfeld

BRATYO entwickelt sich

So ein Schlitzohr

Keine Regel ohne Ausnahme

Urlaub auf dem Lande

Hilferuf

Facetten des Zusammenlebens

Was zu viel ist,

Wiedersehen mit LADY

Wanderfreuden

Übermut tut selten gut

Mitten im Leben

Übergang

JAZZ Steckbrief

Ankunft

JAZZ richtet sich ein

Rivalitäten

Hund und Katz'

JAZZ findet einen Freund

Abschied

Selbstfindung

TESSI Steckbrief

Frischer Wind

Urlaub auf Fehmarn

Weihnachtsgrüße an die Tierschützerin Frau M.

Zwei Episoden

Zweite Rückmeldung an Frau M. zu TESSI

Schönheitstest

Epilog

BOBBY Steckbrief

Husky-Schäferhund-Rüde

geboren

01.04.2001

bei uns seit

12.10.2005

gestorben

10.05.2011

übernommen von

Tierschutzverein Leverkusen (TSVL)

Vorgeschichte:

Abgabehund; nach Angaben des TSVL aufgewachsen mit einem Kleinkind in einer Etagenwohnung, abgegeben ohne weitere Erklärung, nachdem ein zweites Kind geboren worden war. Unser schwierigster Hund, mit Sicherheit, weil wir Hundeanfänger waren. Durch ihn lernten wir Hunde verstehen und lieben.

Wie wir "auf den Hund" kamen

Wie war das damals? Wir sollten uns einen Hund zulegen, sagten unsere Kinder. Allen voran die Älteste, Silke, die uns im Ruhestand fit halten wollte, durchsuchte das Internet nach Tierheimen in unserer Nähe. Und sie wurde fündig! Sie entdeckte BOBBY, Nachkomme einer Schäferhündin und eines Huskyrüden -oder auch umgekehrt-. Jedenfalls war er ein wunderschöner viereinhalb Jahre alter Rüde mit weiß-grauschwarzer Husky-Zeichnung und Schäferhundestatur mit geradem Rücken. "Er hat ein schönes Gebäude" hörten wir einmal von einem Hundekenner zu unserem Erstaunen. Wir waren ja absolut unerfahrene "Hundeeltern", auch wenn wir uns jede Menge Literatur über Hunde, Wölfe und insbesondere Huskys zu Gemüte geführt hatten.

BOBBY war in einer Etagenwohnung mit einem Kleinkind zusammen aufgewachsen; mehr wusste man im Tierheim nicht, vielleicht sagte man uns auch nicht mehr. Um ihn näher kennenzulernen, riet man uns im Tierheim, ihn erst mal öfter auszuführen. Wir nutzten die Gelegenheit -natürlich mit Leine- im nahe gelegenen Wäldchen. Eigentlich führte er uns spazieren, denn er zog uns permanent hinter sich her; da half alles angelesene Wissen nichts. Wir akzeptierten sein Verhalten, denn er war ja ein halber Husky; das Ziehen "lag ihm im Blut". Er zog immer in dieselbe Richtung; vielleicht wollte er nach Hause. BOBBY war erst ganz wenige Tage zuvor im Tierheim abgegeben worden, nachdem in seiner Familie ein zweites Kind zur Welt gekommen war, und vielleicht war für ihn kein Platz, keine Zeit oder kein Geld mehr übrig. Er verstand das alles nicht, er wollte nur wieder heim.

Nach einigen Spaziergängen durften wir ihn probeweise für ein paar Stunden mit in unser Haus nehmen. "Bitte nicht füttern und

spätestens um 18:00 Uhr wieder zurückbringen" gab man mir mit auf den Weg. Bei uns angekommen legte er sich wie selbstverständlich auf die rosa Teppichbrücke im Wohnzimmer und fühlte sich sichtlich wohl. "Zwei Mal dürfen Sie ihn probeweise mit zu sich nehmen, dann müssen Sie sich entscheiden. Die Enttäuschung, nicht bleiben zu dürfen, können Sie dem Hund nicht öfter antun!" Als ich ihn am Abend ins Tierheim zurückbrachte, würdigte er mich keines Blickes und begrüßte stürmisch den Herrn des Hauses. Ich verstand, dass er sich angesichts der Tatsache, offensichtlich keine neue Bleibe gefunden und keinen Menschenpartner von sich überzeugt zu haben, keine Blöße geben wollte.

Natürlich hatte er sich schon in unsere Herzen geschlichen, und wir wollten ihn nicht nochmals enttäuschen. Zwei Tage später holten wir zusammen mit unserem Enkel Luca BOBBY für immer vom Tierheim ab. Auf dem Heimweg in sein neues Zuhause saß er im Auto neben dem damals fünfjährigen Luca auf der Rückbank, und Luca legte ihm den Arm um den Hals. Das war ganz offensichtlich der Beginn einer tiefen Freundschaft. Er hatte seine Bezugspersonen und seine Heimat gefunden.

Erste Erfahrungen mit BOBBY

Luca war ja nur für kurze Zeit bei uns zu Besuch, und wir brachten ihn, zusammen mit BOBBY, der im Auto in seinem "Coupé" im Kofferraum untergebracht war, nach Hause nach Schriesheim bei Heidelberg. Unser Hund war angespannt, neugierig und wollte genau wissen, wo uns unsere Fahrt vorbeiführte. Irgendwann verstanden wir, dass er die vorbeiziehenden Landschaften nicht nur sehen wollte. Wir öffneten immer wieder mal ein Fenster im Fond für einen Spalt, damit er die Gerüche der wechselnden Umgebungen wahrnehmen und Luft schnappen konnte. Ganz offensichtlich hat sich BOBBY auf diese Weise die verschiedensten Reiserouten eingeprägt.

Als wir uns nach dem Besuch bei Lucas Mama, unserer Tochter Silke, wieder auf den Heimweg machten, war das für BOBBY mit großem Trennungsschmerz verbunden. Er weinte eine gute halbe Stunde vor sich hin, bis er sich schließlich resignierend hinlegte und den Rest der Fahrt verschlief.

In Köln gibt es viele schöne Grünflächen und Parks mit Hunde-Freilauf-Flächen, die größten davon in unserer Nähe und somit gut fußläufig oder in wenigen Minuten mit dem Auto zu erreichen. Für die Freigänge mit BOBBY gab es also viel Abwechslung. Natürlich zog er uns zunächst immer an der Leine hinter sich her, bis er die Umgebung hinreichend erkundet hatte. Bei unseren Versuchen, ihn zu einem angemessenen Begleitmodus zu erziehen, erzielten wir nur langsame Fortschritte. Im Vertrauen darauf, dass er seinen "Brötchengebern" folgen würde, ließen wir ihn weitgehend frei laufen. Das hat einwandfrei funktioniert, zumal er sich ganz gut abrufen ließ.

Problematisch wurde es nur, wenn wir Familien mit kleinen Kindern begegneten. Hocherfreut kam er dann auf die Kleinen zu, er war ja mit einem Kleinkind groß geworden, und versuchte, ihnen einen "Hundekuss" zu geben und sie ein Stück des Weges zu begleiten.

Natürlich waren manche Eltern ungehalten, und nach einiger Zeit gelang es uns auch, ihn von solchen Aktionen zurück zu halten.

BOBBY war ein ausgesprochener Menschenfreund und begrüßte fast jeden Entgegenkommenden. Eines Tages war ich mit ihm am Nordfeld, dem größten der Kölner Hundefreilauf-Gelände, unterwegs. Dort begegneten wir einem Hundetrainer, der gerade seine Übungsstunde mit mehreren Vierbeinern beendet hatte. Unser selbstbewusster Rüde ließ sich trotz Rufens nicht zurückhalten und lief zu ihm hin. Dieser große, starke Mann mit der klaren Ansage hat ihn offenbar so sehr beeindruckt, dass er ihn sich wohl gerne als Chef ausgesucht hätte. Der Hundetrainer begleitete ihn zu mir zurück und lobte ihn dabei ausgiebig für seine Folgsamkeit. BOBBY war's zufrieden und blieb nun bei mir: dieser große Mann hatte ihm gezeigt, wohin er gehörte. Seit diesem Tag ist er nie wieder einer fremden Person gefolgt. Einige Zeit brauchte es allerdings schon, bis er unseren Führungsanspruch vollständig akzeptierte.

Wohin mit dem Ball?

Bei unseren vielen Ausflügen und Spaziergängen zeigte sich bald, welch ein Faible BOBBY für Bälle hatte. Ball spielende Kinder und Jugendliche übten auf ihn einen unwiderstehlichen Reiz aus. Er mischte sich unter die rennende Meute, versuchte auch große Bälle zu erjagen und fühlte sich offensichtlich als Teil der Mannschaft. Doch wehe, er bekam den Ball zu fassen. Dann lief er weg und schien es zu genießen, wenn alle hinter ihm her rannten und er seinen Verfolgern entwischen konnte. Wendig wie er war entkam er natürlich und fand stets einen versteckt liegenden Platz, an dem er sich genüsslich daran machte, seine Beute zu zerlegen.

Meist kam es aber nicht dazu, denn Klaus, der Chef, der sich ja an der Verfolgungsjagd nicht beteiligt hatte, konnte sich ihm nähern und mit ihm einen Tauschhandel abschließen: Ball gegen Leckerli! Klaus hatte stets die besten, und sobald er Bobby eines der verlockend riechenden Leckerlis anbot, ließ dieser den Ball fallen. Natürlich musste man den Ball schnell aufnehmen, denn BOBBY hatte das Pansen- oder Dörrfleischstück im Nu verschlungen und schnappte sofort wieder nach seiner „Beute“.

Wir lernten bald: unser Hund brauchte Spiel und Beschäftigung. Vor jedem größeren Spaziergang gab es nun eine Spielrunde mit Bälle-Schleudern. Zwei Bälle mussten es sein, denn er legte einen einmal "gefangenen" nur dann ab, wenn ihm eine Ersatzbeute angeboten wurde. Selbst wenn wir mal ohne Bälle unterwegs waren, bewies sich BOBBY als Meister im Aufspüren verloren gegangener Bälle anderer Hunde. Da er sie immer mit nach Hause tragen musste, brauchten wir bald einen Korb für seine Sammlung.

Als er wieder einmal einen schönen Tennisball gefunden hatte und ihn mit nach Hause nehmen wollte, beschlossen wir, der steten Vermehrung an Bällen ein Ende zu setzen. Am Ende unseres Spaziergangs um den Decksteiner Weiher, kurz vor dem Parkplatz, wollten wir ihm also mit List den Ball "abkaufen". Aber er ließ sich mit keinem Leckerli und keiner Spielandeutung dazu bringen, das Ding abzugeben. Er hielt Abstand zu uns und wollte auch nicht in den Kofferraum, seinen Reiseplatz, springen.

Während wir noch überlegten, wie wir ihn dazu bewegen konnten, unseren Vorstellungen zu folgen, hatte unser Hund eine für ihn akzeptable Lösung gefunden: Er legte das Bällchen einem kleinen Mädchen vor die Füße, das mit seinem Fahrrädchen am Wegrand stand. Überzeugt, das Richtige getan zu haben, sprang er ins Auto.

Wir standen fassungslos daneben: BOBBY -kinderlieb und ein Kinder-Versteher!

Bobby und das junge Gemüse

In Ermangelung seines geliebten Hütekindes Luca hat sich BOBBY schließlich den jungen Artgenossen zugewandt. Am Ende unserer Straße wohnte damals der noch kleine Labrador EFES mit seinem türkischen Frauchen, Frau C. Der Weg zur "Hundemeile", einer lang gezogenen Grünanlage durch das ganze Wohngebiet, führt an ihrem Haus vorbei. Und so trafen wir Frau C. mit EFES, damals nicht älter als ein paar Monate, fast jeden Morgen.

Unser „Kümmerer“ nahm ihn sofort unter seine Fittiche, und es war klar, dass er als der wesentlich Ältere und Erwachsene das Sagen hatte. EFES war immer hocherfreut, mit einem gestandenen Rüden -BOBBY war gut vier Jahre alt- kleine Ausflüge auf die Wiese und ins Randgebüsch vor den Gartenzäunen unternehmen zu können. Frau C. hat sehr schnell bemerkt, dass man sich auf BOBBY verlassen konnte. Er hat dem kleinen EFES nicht nur gezeigt, welches Bein man beim Markieren heben muss und auch an welchen Stellen. Sein Zögling sollte natürlich auch lernen, wie man älteren Hunden Respekt zollt, wie weit man sie zum Laufen und Raufen auffordern darf und was als Übergriff verstanden und geahndet wird.

Die beiden, der junge schwarze Labrador und der große schwarz-grauweiße Schäferhund-Husky-Rüde, verstanden sich prächtig. Frau C. meinte, das Verhältnis der zwei sei wie zwischen Vater und Sohn.

Regel Nummer eins

Wo immer wir mit BOBBY spazieren gingen oder wanderten, durfte er mit anderen Hunden Kontakt aufnehmen, sofern der Halter damit einverstanden war. Bei jedem Artgenossen, ob groß, ob klein, ob Welpe oder Senior/in, zeigte er sich als gut sozialisierter und friedlicher Rüde. Eines späten Abends, wir hatten unser neues Familienmitglied gerade einmal seit sechs oder sieben Wochen, ging Klaus mit ihm für eine kleine Runde zur "Hundemeile". Da der Vollmond schien und das Gelände sehr übersichtlich ist, durfte BOBBY ohne Leine gehen. Dort begegneten die Beiden BOLLE, einem etwa drei Monate alten Welpen. Naiv und verspielt, wie Hundekinder so sind, lief der auf BOBBY zu, stieg an ihm hoch, soweit die kurzen Beinchen reichten, zwickte ihn und wollte einfach beschäftigt werden.

Unser Hund nahm die Aufforderung an und spielte mit dem Wicht Fangen. Immer wieder versuchte der Welpe, ihn in den mit einem dichten Haarkleid geschützten Hals zu zwicken. Ab und zu wischte ihm BOBBY eine mit der Pfote, so dass der Kleine über das Gras kullerte, was dessen Eifer jedoch nur noch bestärkte. BOLLEs Halterin und Klaus beobachteten das Treiben mit Freude aber auch sehr aufmerksam. Als schließlich BOLLE im Spiel doch übermütig wurde, drückte ihn BOBBY mit der Pfote zu Boden und hielt ihn mit weit aufgerissenem Fang fest! Der Kleine -von ihm waren nur noch Kopf und Vorderläufe sowie die Hinterläufe und das Schwänzchen zu sehen- hielt ganz still. Und nichts passierte!

Plötzlich ließ BOBBY los und lief mit tapsigen Schritten ein kurzes Stück weg. BOLLE sauste hinterher und "stellte" ihn, als sich BOBBY auf den Rücken warf, indem er sein weit aufgerissenes "Fänglein" über BOBBYs dicke Halskrause hielt: "Hab' Dich!". BOBBY hielt ganz still. Und nichts passierte!

BOLLE hatte die wichtigste Hunderegel gelernt und erfolgreich getestet: Wenn dir ein Kontrahent den Hals zeigt und stillhält, dann NICHT zubeißen, der Kampf ist beendet!

Die lästigen Kleinen

Ein anderes Mal waren wir auf dem Nordfeld unterwegs, dem größten Kölner Freilaufgelände. Wieder kam uns ein Welpe entgegen, der freilaufend mit Herrchen und Frauchen unterwegs war. Hocherfreut stürzte sich der kleine Kerl auf BOBBY und nahm sofort Spielhaltung ein. Der hatte aber an diesem Tag offensichtlich keine Lust zum Spielen. Demonstrativ lief er schnell davon und blieb interessiert schnuppernd erst an der nächsten Ecke stehen, bis wir bei ihm waren. Wir nahmen den nächsten Querweg zwischen den Wiesen und begegneten prompt einem weiteren Welpen. Auch er forderte zum Spielen auf. Diesmal ging BOBBY darauf ein, lenkte aber das Laufspiel in die Richtung, aus der wir gekommen waren. Als die Zwei, wie offenbar beabsichtigt, auf den anderen Kleinen trafen, erkannten sich die beiden Winzlinge sofort als die passenderen Spielgefährten und BOBBY war aus dem Schneider!

Zufrieden kam er zu uns zurück und ging nun wieder seinen eigenen Interessen nach: Zeitung lesen (also schnüffeln, wer wann wo schon da gewesen war), durchs Unterholz streifen und natürlich markieren, was die Blase hergab.

Die holde Weiblichkeit

Klar ist, dass unser Hund auch mit ausgewachsenen Artgenossen in Kontakt kam. Insbesondere die holde Weiblichkeit fand an ihm Gefallen. Eine zierliche rothaarige Griechin, ELLENI, forderte ihn bei jedem Zusammentreffen zu Laufspielen heraus. Sie war sehr schnell und wendig, aber BOBBY konnte mithalten. Es blieb unentschieden.

Ein anderes Mal zeigte KIA, ein Hundemädchen aus der "Ridgeback-Bande", Interesse an ihm. Normalerweise hielt er sich von dieser Gruppe von vier miteinander befreundeten Ridgeback-Rüden (2) und -Hündinnen fern -man weiß ja nie! Als ihn aber KIA zum Wettlaufen aufforderte, machte er das Spiel mit Feuereifer mit und gewann. Das gefiel der stolzen Hundedame aber gar nicht und sie zwickte ihn unerwartet in den Po. Empört über so viel Unsportlichkeit verbellte er sie und die ganze restliche Bagage fortan immer, wenn er ihnen begegnete. Michael, einer der beiden Hundehalter und KIAs Chef, meinte einmal, er wolle gar nicht wissen, welche Schimpfwörter der aufgebrachte BOBBY dabei vom Stapel ließ.

Natürlich hat sich BOBBY auch mal mehr oder weniger aktiv für das andere Geschlecht erwärmen können. Auf unserer heimischen "Hundemeile" traf er eines Tages auf eine junge weiße Schäferhündin. Offensichtlich fanden die Beiden großen Gefallen aneinander, denn als sie sich minutenlang über die große Wiese jagten, schien dies kein Kräftemessen zu sein, sondern eher ein gemeinsames lustvolles sich austoben. Als sie dann etwas abgekämpft zu ihren zusammenstehenden Herrschaften zurückkehrten, tranken sie eng beieinanderstehend aus der nächsten Regenpfütze. Es war ein anrührendes Bild, wie sie so einträchtig dastanden und augenscheinlich die gegenseitige Nähe genossen. Der Chef der weißen Schäferhündin meinte schmunzelnd:" Bestimmt fragen sich jetzt die zwei: "Gehen wir zu Dir oder zu mir?"

Hundeängste

An einem wunderschönen frühsommerlichen Sonntag verabredeten wir uns mit Silke und Luca zu einer Wanderung im Pfälzer Wald. Ausgangs- und Treffpunkt war der Parkplatz am Ortsausgang von Erfenstein im Elmsteiner Tal. Von da aus ging es über die Burg Falkenstein zur Hellerhütte, einer der größten am Wochenende bewirtschafteten Wanderhütten in der Pfalz.

Wir waren nicht sicher, ob der kleine Luca den Weg durchhalten würde, aber Kind und Hund nahmen die wechselnden Steigungen mit Leichtigkeit. Luca sammelte Stöckchen und warf sie voraus. BOBBY, für den Luca wichtigstes Objekt seiner Hundeliebe war, nahm das Spiel begeistert auf und trug die von Luca geworfenen Gegenstände mit seinem Maul solange mit sich, bis die nächsten Stöcke geflogen kamen.

Beide, Kind und Hund, waren glücklich und kamen bestens voran. Silke meinte, kleine Jungs und zufriedene Hunde seien in ihren Interessen eigentlich kaum zu unterscheiden. Entgegen allen Vorschriften war BOBBY nicht angeleint; er durfte im Wald frei herumlaufen. Gott sei Dank begegnete uns kein Wildtier; bei einem Wildschwein hätten wir um unseren Hund gefürchtet und bei z.B. einem Reh hätten wir unseren Hund vielleicht auf ganz andere Weise verloren, denn er hatte, wie wir bei späteren Gelegenheiten feststellen mussten, einen ausgeprägten Jagdtrieb.

Im wahrsten Sinne spielend näherten wir uns dem Rastplatz Hellerhütte. Jetzt wurde BOBBY angeleint; man wusste ja nicht, was uns dort erwartete. Zu unserer Überraschung zeigte sich unser selbstbewusster Rüde extrem beunruhigt. Je näher wir den rastenden Menschen kamen, die an langen Holztischen sitzend aßen und tranken, desto deutlicher versuchte unser Hund, uns winselnd von diesem gefährlichen Platz weg zu ziehen. Zu guter Letzt fing er an, am ganzen Körper zu zittern, so dass ihn Silke zu einer abseits an einer Hauswand stehenden Bank zog, unter der er sich verkriechen konnte. Um ihm zusätzlichen Schutz zu geben, setzte sie sich über ihn auf die Bank, nahm vorsichtig seinen Kopf zwischen ihre Beine und kraulte ihn an Kopf und Hals. So fühlte er sich etwas geschützt und beruhigte sich ein wenig. Trotzdem schien er sich dort doch wie das heulende Elend zu fühlen, so dass wir auf die vorgesehene Vesper verzichteten und uns ohne langen Aufenthalt auf den Rückweg machten. Auf dem kürzesten Weg wanderten wir zurück ins Tal zu unserem Parkplatz. Selbst als wir am Auto angekommen waren, war er noch völlig konfus und bellte aufgeregt, bevor er endlich in den Kofferraum, sein Reisecoupé, sprang.

Was hatte ihn nur so irritiert? Ob ihn sein Wolfserbe gewarnt hatte, sich vor fremden Rudeln in Überzahl in Acht zu nehmen (zurück, wir sind zu wenige!)? Vielleicht hatte er auch den Eindruck, bei dieser Übermacht an Fremdlingen seiner Hüte-Verpflichtung (Schäferhundeerbe) nicht nachkommen zu können. Oder er hatte einfach nie gelernt, sich unter größeren Menschengruppen zu bewegen. Auf jeden Fall war sein Vertrauen in uns noch nicht stark genug, sich auch in solchen Situationen in unserer Gemeinschaft sicher zu fühlen.

Bella Figura

Bei unserem Urlaub in einer am Bolsena-See in Italien gelegenen Villa -wir hatten dort ein Appartement mit eingezäuntem kleinem Garten gemietet- fühlte sich BOBBY sofort sehr wohl. Da es dort keine Spazier- oder Wanderwege gab, fuhren wir täglich mit ihm zu einem breiten Feldweg, der zwischen Seeufer und Feldern entlangführte.

In kleinen Buchten mit flachem Zugang zum Wasser konnte er sich immer wieder erfrischen und Wasser trinken. Es war Hochsommer und die Sonne brannte vom Himmel. Wenn er durchs Wasser stapfte, scheuchte er manchmal Entenfamilien auf, die im Schilfrohr den Mittag verdösten. Die Welt der Wassertiere war ihm offenbar fremd, denn er entwickelte keinerlei Hang zur Entenjagd. Als bei leichtem Wellenschlag ein Entenküken nicht schnell genug seiner flüchtenden Mutter mit den Geschwistern folgen konnte, tanzte es direkt vor BOBBYs Schnauze mit dem Wellenschlag auf und ab. Das ans Ufer anlaufende Wasser machte es dem kleinen Entchen offenbar schwer, nach draußen auf den freien See zu kommen. Unser großer Hund mit dem gefährlichen Gebiss, der an Land allem hinterherjagte, was Beute darstellte, stand fasziniert da, hob und senkte den Kopf mit dem auf- und abwärts treibenden Küken und bestaunte das kleine flauschige Wesen. Mit letzter Kraft, den Warnrufen der Mutter folgend, kämpfte es sich schließlich doch durch die leichte "Brandung" in das offene Gewässer. Warum hatte sich BOBBY die leichte Beute nicht geschnappt? Kaum zu glauben, das Entenküken war für ihn offenbar einfach ein unbekanntes Wesen.

In dieser Gegend Italiens hält man Hunde hauptsächlich zum Bewachen von Anwesen und zum Vertreiben ungebetener Gäste. Entsprechend unfreundlich reagieren sie auf Fremde, zumal sie meist auch nicht sonderlich gut behandelt werden. Eines Tages besuchten uns Herr T., der Besitzer der Appartements, und seine Frau mit ihrem dreijährigen Sohn. Normalerweise vermietet man nicht gerne an Gäste mit Hund. Da wir aber in den Vorjahren -damals noch ohne Hund- schon mehrmals dort gewohnt hatten und man uns kannte, hatte man unserer Zusicherung vertraut, dass BOBBY verträglich sei.

BOBBY war allen gegenüber freundlich und ließ sich auch anfassen und streicheln. Ganz besonders angetan war er aber von dem kleinen Burschen. Trotz der Warnungen seiner Eltern -wir beruhigten sie sofortrupfte der kleine Mann einige Blätter vom Fliederbusch und hielt sie BOBBY direkt vor das Maul. Dieser nahm das Grünzeug ganz vorsichtig entgegen und schluckte es, ohne mit der Wimper zu zucken; er wollte das Kerlchen für sich gewinnen. Um Magen- und Darmbeschwerden bei unserem Hund vorzubeugen, holten wir etwas Trockenfutter hervor und zeigten unserem kleinen Gast, wie man einen Hund von der offenen Handfläche mit Futterbällchen versorgen kann, ohne einen versehentlichen Biss in die Fingerchen zu riskieren.

Von allen Seiten bekam unser prachtvoller Rüde großes Lob und Anerkennung; von unseren italienischen Gastgebern wurde er geradezu bestaunt. BOBBY hatte, auch in unseren Augen, eine "Bella Figura" abgegeben.

Vom Urlaub zurück

Die Autofahrten nach Bolsena und zurück hatten doch recht lang gedauert. BOBBY schien sich im Auto recht gut aufgehoben zu fühlen und gab sich mit kurzen Zwischenstopps zufrieden. Auch auf dem Rückweg übernachteten wir auf etwa halber Strecke, im Hotel Moevenpick in Chiasso. Dort war er ganz gelassen und blieb allein im Zimmer zurück, als wir ins Restaurant gingen. Nachdem er vorher -wie jeden Tag- ausgeführt worden war und seine Abendmahlzeit erhalten hatte, war ja alles in Ordnung, nämlich wie immer. Regelmäßigkeit ist ganz wichtig für Hunde; sie schafft Vertrauen in die "Chefs" und damit Sicherheit.

Am nächsten Tag, zu Hause angekommen, nahm BOBBY seine Riesenhundehütte (unser Haus) wie selbstverständlich wieder in seinen Besitz. Stolz legte er sich mitten im Wohnzimmer auf seine Lieblings-Teppichbrücke und musterte prüfend den Raum. Zufrieden stellte er fest: Alles ist wie vor der großen Reise. Auf meine Chefs kann ich mich verlassen, denn sie haben sich und mich heil wieder ins heimische Revier gebracht!

Wirklich: von diesem Tag an war der Umgang mit ihm einfacher. Das Vertrauensverhältnis war entscheidend gefestigt. Morgens begleitete er nun den Hausherrn zum Briefkasten und gab zu verstehen, dass sehr wohl auch er die Zeitung hereintragen kann. Dies wurde nun zum allmorgendlichen Ritual. Bald durfte er auch am Mittag nach dem großen Spaziergang die Briefpost hereintragen.

Auch wir achteten nun mehr als zuvor auf die Einhaltung fester Regeln, um unserem BOBBY Sicherheit zu vermitteln. Immer, wenn für uns Menschen Essenszeit war, bekam auch BOBBY je nach Tageszeit einen Frühstückssnack, einen kleinen Mittagsimbiss und ein ausgiebiges Abendessen. Er sollte satt und zufrieden die Nacht verbringen. Neben einem großen, bequemen Liegekorb hatte er noch eine flauschige Decke vor meinem Bett, die er aber nur in Anspruch nahm, wenn wir selbst ebenfalls Schlafen gingen.

Ein Element aus seinem "ersten Leben", bevor er über den Tierschutz zu uns gekommen war, sollte ihn aber doch noch eine Weile begleiten: Wann immer wir an Wohnhäusern mit einer Außen-Vortreppe vorbeikamen, wurde er davon magisch angezogen und wollte diese Treppe hinauf laufen. Wir vermuten, dass er nachschauen wollte, ob er am Ende der Treppe vielleicht doch sein altes Menschenrudel wiederfinden könnte. Erst nach langer Zeit hat er dieses Verhalten abgelegt.

Immer hilfsbereit

BOBBY "half", wo er konnte. Einmal nahm Klaus ihn mit ins Einkaufszentrum Weiden. BOBBY sollte nach dem Erlebnis bei der Hellerhütte im Pfälzer Wald die Gesellschaft vieler Menschen kennen lernen und sich daran gewöhnen. Im Zuge seiner Erledigungen musste Klaus auch zur dortigen Postfiliale. Da viele Kunden vor den Postschaltern warteten, setzte er sich auf eine dort stehende Bank.

BOBBY benahm sich erstaunlich gut, zog nicht an der Leine und setzte sich brav neben seinen Herrn, bis er vor sich einen in der Warteschlange stehenden Herrn entdeckte. Der hatte seine Hände im

Rücken verschränkt und hielt einen ganzen Packen Briefe. BOBBY zog ihm die Briefe gaaaanz vorsichtig aus den Fingern. Etwas erschrocken drehte der Mann sich um und lachte, als er den erwartungsvoll zu ihm aufschauenden Hund als Urheber erblickte. Klaus gab ihm mit einer Entschuldigung die unversehrten Briefe zurück, stand auf und reihte sich in die kürzer gewordene Warteschlange ein.

Ein anderes Mal befanden wir uns auf einem Spaziergang um den Otto-Maigler-See. Der Weg führte uns durch die bewaldeten Uferzonen, und BOBBY begann, herabgefallene Äste aufzunehmen und sie ein Stück Weges fortzutragen. Besonders angetan hatten es ihm die richtig schweren und dicken Prügel sowie diejenigen Äste, die, durch reiche Verästelung sperrig, sich nachdrücklich "wehrten". Das wäre doch gelacht, wenn ein so erfahrener und starker Waldarbeiter wie er damit nicht zurechtkäme! Zur Not zerbiss er die Zweige und ließ sie an einem geeigneten Platz liegen.

Auf dem Weg begegneten wir einem älteren Herrn. Wir kamen mit ihm ins Gespräch, wobei er sich leicht auf seinen Spazierstock stützte. Auch hier ging unser Hund gaaaanz vorsichtig zu Werke, indem er den Stock vorsichtig mittig fasste und ihn langsam zu sich zog. Zum Glück nahm es der alte Herr gelassen und lobte BOBBY sogar wegen seines Geschicks. Schließlich hatte dieser nur beim Tragen helfen wollen.

BOBBY war immer dankbar, wenn wir bei unseren Ausflügen an Wasserstellen vorbeikamen. Es zeichnete uns als Chefs ja auch aus, dass, wenn wir nichts zum Trinken dabeihatten, wir immer Wege fanden, wo es natürliche Trinkmöglichkeiten gab. Der Otto-Maigler-See gehörte daher zu seinen Lieblingsorten. Er stapfte, wenn es warm war, begeistert durch das flache Wasser der vielen kleinen Buchten, nur Schwimmen war nicht sein Ding! Wir hatten schon bei Regenwetter beobachtet, dass sein Fell sich schnell mit Wasser vollsog wie ein Wattebausch. Einmal aber, im Frühsommer, plantschten drei junge Damen in Ufernähe in "unserem" See. BOBBY überlegte nicht lange, sprang ins Wasser und umkreiste schwimmend die jungen Damen mehrmals. Es sah so aus, als wolle er die drei leichtsinnig Badenden langsam zum Ufer drängen. Er gab keine Ruhe, bis er, als es dem Trio zu kühl geworden war, alle zum Ufer begleiten konnte. Hochzufrieden entstieg er dem Wasser; er hatte drei junge Damen gerettet!

Inselleben

Unsere nächste Urlaubsreise führte uns nach Wittow, dem windigen Nordosten der Insel Rügen. Wir hatten dieses Urlaubsziel gewählt, weil auf Rügen bei den meisten Stränden auch ein Hundestrand benachbart ist, auf dem die Hunde ohne Leine laufen dürfen. Und selbstverständlich war BOBBY mit von der Partie. Während wir dort ein Ferienhaus gemietet hatten, waren unsere Tochter Silke und Enkel Luca mit dem Wohnmobil auf dem nahen Campingplatz.