Unser Leben - Stefan Schütz - E-Book

Unser Leben E-Book

Stefan Schütz

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Beschreibung

Niemand lebt ewig. Glücklich ist, wer seine letzten Jahre mit einem geliebten Menschen teilen kann. Stefan Schütz berichtet kraftvoll, poetisch und nicht ohne Sinn für Komik von dieser letzten Zeit, die viele alleine zu verbringen gezwungen sind. Er erzählt aus dem Pflegeheim, das er täglich besucht, vom Greis und der Greisin, vom Alltag der Gebrechlichkeit und Demenz, er lässt uns Begleiter des letzten Stück Wegs sein, und schafft mit Unser Leben ein virtuoses und in seiner Relevanz tief berührendes Buch über das Alter und über die Verbundenheit : Ein Lobgesang von ungeheurer poetischer Wucht auf die Liebe, die über den Tod hinausgeht. Aber auch die Abrechnung mit der Gegenwart und der Welt, mit dem zärtlichen und zugleich desillusionierten Blick eines Abschiednehmenden. Ein aus der Zeit gefallenes Buch über unsere Zeit und eines seiner drängendsten und doch tabuisierten Themen.

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Seitenzahl: 145

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Unser Leben

Stefan Schütz

Tempotaschentücher und Zahnpasta,
unser Leben, fiels ihm gerad so ein,
das ist gut, vermerkte die Greisin lachend,
den Titel mußt du dir merken.

Die flammende Potenz aus dem Funkenschlag der Feuersteine, die uns Kultur und Geschichte sind: mag sie nun als Strohfeuer taugen oder zum Flächenbrand führen, jedem Wesen ist sie eigen, und damit auch dem kollektiven Geist, der sie im Kerngehäuse seines Unterbewußten wohl zu hüten weiß. Es ist ein stilles, kaltes Flämmchen, gleich einem Hologramm, im Lichte ganzheitlicher Aufzeichnung von Raum, Zeit und Fügung, das uns aus der Nähe wie aus der Ferne zuweilen den Gedanken zuspielt, tief im Innern möchte etwas sein, wofür man geschaffen ist. In den dunklen Nächten ohne Mutter Mond, im fahlen Schein der den Schlaf wärmenden Lohe, lösen die Zeichnungen sich wie von Geisterhand von Gewölb und Wand, und wer sie schaut, spürt einen wohligen Schauder und das Fiebern der letzten Pirsch, Heimkino in der Felsenhöhle. Nicht sind es die besten Jäger, die die Bilder schaffen, sondern derjenige, der im Banne eines Meisters sie Ritz um Ritz entstehen sieht, Wissen über die Wahl der Erdfarben und ihre Bindemittel erlangt und darauf brennt, einst Werke in den Stein zu gravieren, die ihre ganz eigene Magie verströmen. Wir wissen nicht, wer den Frauentanz von Cogul schuf, stammt es gar, das kultische Kunstwerk, von einem androgynen Genius, dessen Schöpfungsakt aus Form, Linie und Bewegung Kopf und Hand einte, wir wissen rein gar nichts vom komplexen Ganzen unserer Ursprosse, ihrer Kultur-, Natur- und Allerfahrung, was uns haften blieb, war einzig der Dreisprung von Feuer, Wasser und Faustkeil. Dem, was unser Leben war, wurde und sein wird, ist nichts hinzuzufügen, als daß es ein Fluß ohne Ufer ist, der auf dem Weg in die ewige Nacht des Universums sich immerwährend selbst verschlingt und zugleich aus der Tiefe an die Oberfläche drängt.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!