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Flora ist siebzehn Jahre alt und seit einem Jahr Vollwaise. Vom Bundesstaat Connecticut verschlug es sie in das kleine Städtchen Pleasanton in der Nähe von San Francisco. Hier in Kalifornien wuchs ihr Vater einst auf. Dessen Schwester, Tante Pam, bei der sie nun lebt, führt dort eine Buchhandlung. Flora liebt Bücher, aber weniger Pleasanton. Hier scheint immer alles gleichbleibend makellos, selbst das Wetter. Aber dies ist unbedeutend im Vergleich zu dem, was sie noch immer durchsteht: Den Verlust ihrer Eltern zu überwinden. Doch das Leben in Pleasanton verändert sich von einem Tag auf den anderen mit der Ankunft von Adam. Dieser ist in der kleinen Stadt kein Unbekannter. Seine Vorgeschichte kennt jeder. Zumindest jeder, der im letzten Jahr aktiv am Leben teilgenommen hat. Flora hört zum ersten Mal von der Tragödie, die sich letztes Jahr an Halloween zugetragen hat, und ist sofort in den Bann des mysteriösen Adam und dieser Geschichte gezogen. Und prompt steckt sie viel tiefer drin, als sie sich jemals hätte vorstellen können. Eines wird Flora klar: Pleasanton und seine Einwohner sind längst nicht so gewöhnlich, wie es scheint. Einige, selbst ihre eigene Tante, verbergen Geheimnisse. Geheimnisse, die das ganze Weltbild von Leben und Tod in Frage zu stellen vermögen und sie in große Gefahr bringen.
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Seitenzahl: 605
Veröffentlichungsjahr: 2018
© 2018 Sarah Stone
Verlag und Druck: tredition GmbH, Hamburg
ISBN
Paperback:
978-3-7482-0154-0
Hardcover:
978-3-7482-0155-7
e-Book:
978-3-7482-0156-4
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Sarah Stone
Unsterbliche Seele
Die ganze Vielfalt, der ganze Reiz, die ganze Schönheit des Lebens besteht aus Schatten und Licht.
Leo N. Tolstoi
Ein Jahr
Die Cafeteria war wie immer brechend voll, als ich an diesem Mittwochmittag mein Tablett auf dem Tisch abstellte. In dem großen Raum roch es nach einer Mischung aller Tagesgerichte, die am heutigen Mittag serviert wurden. Da alle gleichermaßen unappetitlich waren, hatte ich kaum wahrgenommen, welches davon auf meinem Teller gelandet war.
Ich würde mich heute mit dem Apfel und dem Saftpäckchen begnügen. Mein Blick schweifte über die vielen Tische, an denen sich meine Mitschüler tummelten. Ihr lautes Stimmengewirr dröhnte in meinen Ohren.
»Kann doch keiner runterbekommen, diesen Fraß.« David nahm mir gegenüber Platz und musterte angewidert sein Tablett.
»Möchtest du meinen Pudding?«
Ohne Umschweife nahm er sich den kleinen Plastikbecher von meinem Tablett.
»Bist eine gute Freundin.« Er hatte bereits den Deckel aufgerissen und steckte seinen Löffel gierig hinein.
»Sieh mal an, die Schwuchtel und seine kleine Freundin«, sagte Henry Clark als er an unserem Tisch vorbeikam. Solche Anfeindungen seinerseits kamen nur allzu oft vor. Er zwinkerte mir überheblich zu. Als ich meinen Mund öffnete, um dem Idioten die Meinung zu geigen, stoppte mich David.
»Ist der Dreckskerl nicht wert, Flora. Da spricht wohl noch immer gekränkte Eitelkeit aus ihm, weil du mit mir zusammen isst«, sagte er extra laut, doch der Dreckskerl war ohnehin schon außer Hörweite. Er steuerte wie üblich den Tisch an, der sich zwei Reihen hinter unserem befand.
In meinen ersten Monaten hier hatte er mich auch an seinen Tisch eingeladen, was ich unmittelbar ablehnte. Damals weniger, weil ich ihn wie heute unsympathisch fand, sondern eher, weil ich zu dieser Zeit überhaupt kein Interesse an irgendwelchen sozialen Kontakten hatte.
An Henrys Tisch saßen wie immer Rebecca Price und die üblichen Verdächtigen aus unserem Jahrgang. Als Henry neben ihr Platz nahm, warf sie ihm ein keckes Lächeln zu und spielte mit den langen blonden Locken. Sie war eines der Mädchen, das ich seit ich hier lebte am wenigsten verstehen konnte.
»Sieh dir Miss Perfekt an«, sagte David und musterte sie ebenfalls. Mich störte nicht, wie hübsch Rebecca war oder dass ihr Wille hier, selbst bei den Lehrern, Gesetz zu sein schien, viel mehr hatte sie etwas so Unterkühltes an sich, das mich regelrecht wahnsinnig machte. Zum Glück hatte ich nicht viel mit ihr zu tun und die paar Stunden, die ich im Mathekurs der zwölften Klasse mit ihr in einem Raum verbringen musste, waren zählbar.
»Ich kann es ziemlich schlecht beurteilen, aber was ist es, das die Typen an ihr finden?«
Ich überlegte einen Moment.
»Möglicherweise das Offensichtliche«, murmelte ich und packte den Strohhalm aus der Verpackung. Selbst der Saft schmeckte nicht richtig gut.
»Schon in der Grundschule war sie solch ein Biest«, kommentierte David weiter.
Was ich nur schlecht beurteilen konnte, da ich erst knapp ein Jahr hier lebte. Die Einwohner von Pleasanton, der Stadt im Alameda County im Bundesstaat Kalifornien, waren vor allem eines: Wohlhabend. Wozu man mich und meine Familie nicht zählen konnte. Wenn man überhaupt noch von einer Familie sprechen konnte. Eigentlich waren es nur meine Tante Pam und ich.
Ihr gehörte eine kleine Buchhandlung im Zentrum der Stadt. Gleichzeitig war es auch unser Zuhause. Wir bewohnten die Etagen, die oberhalb der Buchhandlung lagen. Das Haus hatte früher meinen Großeltern gehört. Seit sie vor vielen Jahren gestorben waren, kümmerte sich meine Tante um das Haus. Die Buchhandlung oder »Winter´s Wonderland«, wie sie hieß, hatte sie eröffnet als ich noch klein, vielleicht fünf oder sechs Jahre alt, gewesen war. Ich konnte mich noch gut an diesen Tag erinnern, weil die Anreise so lange gedauert hatte.
Damals hatte ich noch nicht hier gewohnt, sondern im weit entfernten Bundesstaat Connecticut, der sich praktisch auf der anderen Seite des Landes befindet. Nachdem der Unfall letztes Jahr passierte, war ich gezwungen zu meiner Tante an die Westküste zu ziehen. Sie war meine einzige noch lebende Verwandte und mein Vormund, bis ich achtzehn wurde. Weil meine Eltern beide nicht mehr lebten. Als ihr Auto gegen die Leitplanke des Highways, auf dem sie unterwegs waren, geschleudert wurde, waren beide sofort tot. Was der Auslöser für den Unfall war, konnte sich niemand wirklich erklären. Die Polizei tippte auf ein Tier oder Sonstiges, das die Fahrbahn gekreuzt haben musste, weshalb meine Mom die Kontrolle über das Fahrzeug verlor. Noch immer hoffte ich, dass sie keine allzu großen Schmerzen gehabt hatten, als sie dieses Leben verließen.
»Sieh dir an, wie Henry an Rebecca rumbaggert.« Ich warf einen erneut flüchtigen Blick zu dem Tisch und sah die beeindruckten Blicke, die er ihr widmete. »Warum müssen die Arschlöcher nur immer so verdammt gut aussehen«, seufzte David schwermütig. Seine offene Art, in der fast immer ein Hauch Theatralik mitschwang, hatte mich dazu bewogen mich ihm gegenüber zu öffnen.
Allerdings war er bis jetzt die einzige Person, mit der ich kommunizierte. Was Henry betraf konnte ich seine Meinung nur schwer teilen. Mochte sein, dass er mit dem dunklen Haar und den blauen Augen auf den ersten Blick attraktiv wirkte. Sobald Henry den Mund öffnete empfand ich es aber als regelrechte Herausforderung, noch etwas Schönes in ihm zu erkennen.
»Sein Äußeres sollte seinem Inneren wirklich angepasst werden. Als abschreckendes Beispiel.« Ich nahm mir den Apfel vom Tablett und biss davon ab.
Nach dem Mittagessen war Geschichte an der Reihe. Was nicht unbedingt das Schlimmste aller Fächer war. Schlimm war lediglich Mr. Colemans monotone Stimme, die einen selbst dann zum Einnicken brachte, wenn man zuvor einen Liter Kaffee getrunken hatte. Auch an diesem Nachmittag drohten mir schon nach wenigen Minuten die Augen zuzufallen. Und auch den meisten meiner Mitschüler erging es wie mir.
Tiffany Sanders zum Beispiel fiel ihr Schädel fast auf das Geschichtsbuch, das vor ihr ausgebreitet lag. Einige der Jungen machten sich einen Spaß daraus, sie mit kleinen Papierkügelchen zu bewerfen. Ich schenkte ihnen kaum Beachtung, genau wie Mr. Coleman, der wie immer in seinen Monolog vertieft war. Für solch jugendliche Streiche war ich noch nie zu haben gewesen und das hatte nichts damit zu tun, dass ich trauerte, wie alle gerne behaupteten.
Schon bevor ich eine Waise geworden war, hatte ich dafür keinerlei Interesse gehabt. All die Dinge, für die sich meine Mitschüler interessierten, waren mir gleichgültig. Das perfekte Profilbild zu finden war nichts, das ich für erstrebenswert erachtete. Ich wählte Personen, die ich mochte, nicht nach ihrem Äußeren oder daran, wie beliebt sie waren. An meiner alten High-School waren diese Faktoren auch nicht so wichtig wie hier in Kalifornien gewesen.
»Können sie mir noch folgen, Miss Winter?«, fragte Mr. Coleman. Verdattert hob ich meinen Blick von dem Block, auf den ich abwesend kleine Kreise gezeichnet hatte. Er warf mir einen ermahnenden Blick zu und fuhr dann wieder fort.
Den Rest der Stunde versuchte ich dem Unterricht besser zu folgen, was nur mäßig gelang. Das Schuljahr hatte erst vor wenigen Wochen begonnen und ich hinkte jetzt schon etwas hinterher. Auch während Spanisch war ich mehr abwesend als dass ich Mrs. Millers Unterricht gefolgt war. Ich nahm mir deshalb vor, mir extra viel Zeit für die aufgetragenen Hausaufgaben zu nehmen, um nicht völlig den Anschluss zu verlieren.
Meine Noten waren nicht schlecht, aber auch nicht so gut, dass ich es mir leisten konnte, nichts dafür zu tun. Nachdem der Schultag, der genauso verlief wie jeder andere, vorbei war, stapfte ich neben David zum Parkplatz. Dort tummelten sich wie immer die protzigsten Schlitten, die man sich vorstellen konnte. In meiner Anfangszeit hier hatten mich diese noch beeindruckt, doch nun verschmolzen sie einfach mit dem Gesamtbild.
Auch David fuhr einen neuen VW Golf, der hier noch zu der untersten Liga von Kleinwagen zählte. Seinem Vater, Mr. Havering, gehörte ein hiesiges Möbelhaus. Die Familie lebte, wie unzählige meiner Mitschüler, in einem großen Haus mit Pool im Garten und waren ebenfalls Mitglieder in einem der hiesigen Golfklubs. Diese gab es hier wie Sand am Meer.
Ich selbst besaß kein eigenes Auto, sondern benutzte nur hin und wieder den alten Toyota meiner Tante. Wenn sie ihn nicht gerade selbst brauchte. Anfangs hatte ich fast täglich den Schulbus nehmen müssen.
Als David anbot mich mitzunehmen, denn unser Haus lag ohnehin auf seinem Weg zur Schule, wie er stets beteuerte, hatte ich nur zu gerne zugestimmt. Noch heute wunderte mich weshalb er überhaupt mein Freund sein wollte. Ich war nicht gerade das, was man sich unter einer Spaßkanone vorstellte. Vielleicht, weil ich als Mädchen von der Ostküste genauso eine Seltenheit war wie er. Obwohl er hier aufgewachsen war. Wie jeden Tag setzte er mich vor dem alten Backsteinhaus ab, in dessen unterem Stockwerk sich die Buchhandlung befand. Durch die heruntergelassenen Fenster winkte er mir zum Abschied und trat auf das Gaspedal. Ich warf einen letzten Blick auf sein Gesicht mit den treuen braunen Augen, das von ebenso dunklem Haar umrahmt wurde, bevor er mit quietschenden Reifen in die nächste Querstraße verschwand. Das Haus meiner Tante stach in unserer Straße heraus wie ein bunter Hund. Mit dem braunroten Gemäuer, das im Vergleich zu den anderen Häusern im Zentrum der Stadt kärglich wirkte. In Pleasanton, der kleinen Stadt, meiner Meinung nach eher ein Vorort, die etwas mehr als sechzigtausend Einwohner zählte, war gutes Aussehen Pflichtprogramm. Was nicht nur für die Menschen, die hier lebten galt, sondern auch für die Gebäude.
Die nächste Großstadt war San Francisco. Wie jeden Tag, wenn ich die Buchhandlung betrat, erhaschte ich einen kurzen Blick auf das große Schild, das über dem Eingang angebracht war. Es hing dort schon so lange, dass sich dunkle Ränder von den Autoabgasen um die dunkelgrünen Buchstaben gebildet hatten. Was dem Haus eine noch verwegenere Ausstrahlung verlieh.
Nur meiner Tante konnte es einfallen, eine Buchhandlung, die sich in einem der sonnigsten Bundesstaaten befand, nach der kältesten aller Jahreszeiten zu benennen. Einer Jahreszeit, die für die Altansässigen hier ein regelrechtes Schimpfwort war. Doch eigentlich sollte der Name nur eine simple Anspielung auf unseren Nachnamen »Winter« sein. Die offensichtliche Ironie dabei war ihr erst viel später aufgefallen.
Außerdem war »Alice im Wunderland« genau wie bei mir eines ihrer Lieblingsbücher. Mir gefiel der ungewöhnliche Name sowie diese mystische etwas altbackene Erscheinung sehr gut. Es war zumindest eine willkommene Abwechslung zu den immer gleichen makellosen Fassaden mit getrimmten Vorgärten.
Das Innere der Buchhandlung hielt, was das Äußere versprach. Es war ein kleines verwinkeltes Geschäft mit wuchtigen Holzregalen wohin man blickte, die bis zum kleinsten Winkel mit Büchern bestückt waren.
Sofort vernahm ich einen meiner liebsten Gerüche der Welt, den von Papier und Tinte. Der Tresen mit der nostalgischen Kasse im Eingangsbereich war unbesetzt. Ich entdeckte Pam im hinteren Teil des Ladens.
»Oh, Flora«, bemerkte sie meine Anwesenheit und blickte sofort auf ihre Armbanduhr. »Schon wieder so spät«, stellte sie kopfschüttelnd fest und sortierte das Buch, das sie in der Hand hielt, in das Regal vor ihr ein.
»Hattest du wieder viel zu tun?«, fragte ich ohne wirklich an ihrer Antwort interessiert zu sein. Denn ich kannte diese bereits.
»War hier je wenig zu tun?«, fragte sie mit gerunzelter Stirn und entlockte mir ein kleines Lächeln. »Wie war die Schule?«, wollte sie wissen.
»Wie immer«, entgegnete ich knapp mit meiner üblichen Antwort. Dies war unser täglicher Dialog, wenn ich von der Schule kam. Pam nickte und nahm sich den nächsten Stapel Bücher zu Hand. Sie sah müde aus, doch auch die dunklen Ringe unter ihren blauen Augen taten ihrer Schönheit keinen Abbruch. Das rote Haar hatte sie zu einem Knoten am Hinterkopf zusammengebunden, doch einige Haarsträhnen hatten sich daraus gelöst und fielen ihr wirr ins Gesicht. Geschäftig schürzte sie die Lippen und blies eine Haarsträhne zur Seite. Ich machte einen Schritt auf sie zu und nahm ihr den Bücherstapel aus den Händen.
»Danke«, stöhnte sie erleichtert. Pam war noch recht jung, keine siebenunddreißig, voller Lebensenergie und trotzdem war die Arbeit meist zu viel für eine einzige Person. Doch eine Aushilfe konnte sie sich nicht leisten.
»Möchtest du eine Pause machen, dann übernehme ich für eine Weile?«
Sie schüttelte sofort energisch ihren Kopf, worauf die nächste Haarsträhne sich aus dem Knoten an ihrem Hinterkopf löste. Dieses Mal benutze sie eine Hand, um diese wieder an ihren Platz zu befördern.
»Du hilfst hier sowieso schon viel zu viel aus. Geh einfach nach oben und sei ein normaler Teenager.« Sie zwinkerte mir zu. Manchmal konnte ich fast vergessen, wie viel Glück ich mit ihr hatte. Dass sie mich ohne zu zögern bei sich aufgenommen hatte, trotz der vielen Arbeit, die sie mit der Buchhandlung hatte und trotz ihrem geringen Einkommen.
»Aber es macht mir wirklich nichts aus«, versuchte ich sie umzustimmen. Es stimmte, ich half ihr wirklich gerne im Laden. Viel lieber als Schularbeiten zu erledigen.
Wieder runzelte sie die Stirn und nahm das oberste Buch von dem Stapel, den ich noch immer fest umklammerte.
»Ja, das weiß ich sehr wohl und ich finde es unnatürlich für ein siebzehnjähriges Mädchen. Arbeit wirst du noch genug haben, wenn du erwachsen bist.«
Sie musterte mich gespielt streng, denn Autorität war so gar nicht ihre Stärke, und schob das Buch auf seinen Platz im Regal daneben.
»Also gut, wie du möchtest«, seufzte ich und gab ihr den Stapel mit den Büchern zurück. Sie war mit ihren ein Meter und fünfundsiebzig fast einen Kopf größer als ich und ich musste mich weit strecken. Dann machte ich kehrt und erreichte schon fast die Wendeltreppe, die in die Wohnung führte, als ihre Stimme wieder erklang.
»Ein normaler Teenager, der trotzdem seine Hausaufgaben erledigt«, schickte sie nach und grinste noch einmal fröhlich. Ich nickte gehorsam, dann erklomm ich die wenigen Treppenstufen, die wie bei einem Haus dieses Alters üblich, bei jedem Schritt ein knarrendes Geräusch von sich gaben.
Der Schlüssel lag wie gewöhnlich unter der Fußmatte. In der Wohnung hängte ich die dünne Jacke, die ich unnötigerweise mitgenommen hatte, an die Garderobe. Ich betrachtete sie noch einen kurzen wehmütigen Moment. Es war schon Oktober, doch von Herbst war keine Spur. Ich vermisste die Jahreszeiten. Und damit meinte ich nicht, dass es einfach nur kühler wurde. Mir fehlte ein richtiger Wetterumbruch, mit Regen und Schnee im Winter.
Letztes Jahr um diese Jahreszeit war mir das überhaupt nicht aufgefallen. Ich ließ meine Hand über den Ärmel der Jacke streifen und machte mich auf den Weg in mein Zimmer. Es befand sich ein weiteres Stockwerk über der Wohnung. Eigentlich war es mal der Dachboden gewesen, doch die Wohnung über der Buchhandlung umfasste nur zwei Zimmer plus Küche. Das eine war das Wohnzimmer und das andere Pams Schlafzimmer. Und mir hatte es nichts ausgemacht auf den Dachboden zu ziehen, obwohl Pam mir großzügig das Wohnzimmer überlassen wollte. Sie hatte meinetwegen schon genug Kompromisse gemacht, wie ich fand, und ich lehnte ihr Angebot vehement ab.
Ich fand mein Zimmer mittlerweile sogar ganz gemütlich, nachdem ich es ein wenig herausgeputzt hatte. Zumindest passte es nun endlich zum Rest der Wohnung. Pam hatte ein Händchen für Dekoration, mit einem kleinen Hang zum Esoterischen. Sie stand auf Räucherstäbchen, Yoga und hegte liebevoll die kleinen Kräutertöpfe, die sie in der Küche bepflanzt hatte. Die Wände, oder eigentlich die rohen Holzbalken, in meinem Zimmer, hatte ich in den Sommerferien mit Davids Hilfe in einem zarten Seegrün gestrichen. Seitdem wirkte der Raum viel freundlicher. Sogar ein kleines rundes Fenster ermöglichte etwas Tageslicht in dem sonst düsteren Raum. Ich öffnete es, um etwas frische Luft hineinzulassen.
Oft hatte ich hier im letzten Jahr gestanden, wenn ich einmal nicht im Buchladen half, und das Treiben auf der Straße beobachtet. Das Fenster lag auf der Vorderseite des Hauses. Auf der Rückseite befanden sich nur weitere Häuser.
Einen Garten gab es nicht. Aber dafür eine große Terrasse, die an die Küche angrenzte. In unserem alten Haus hatte es einen Garten gegeben. Er war groß und schön gewesen. Sofort dachte ich an die Sommer, in denen meine Mutter Stunden damit verbracht hatte sich um die Pflanzen und Beete zu kümmern, während ich auf der Schaukel unter dem großen Kastanienbaum saß und ein Buch las. Sie liebte den Sommer. Oder wie ich im Winter, als ich noch klein war, Schneemänner mit meinem Vater baute. Meine Mutter hatte die Kälte nicht sonderlich zu schätzen gewusst und sich damit begnügt, uns die Karotte, die zur Nase des Schneemannes wurde, hinauszubringen. Später hatte sie uns immer mit einer Tasse heißer Schokolade im Haus empfangen. Ich erinnerte mich noch genau an die Küche. Daran, wie sie aussah und an den Geruch. Sogar an die Tapete mit dem Blütenmuster, an jedes noch so kleine Detail.
Schnell verwarf ich den Gedanken wieder, denn er stimmte mich traurig und sehnsüchtig. Ich wandte mich vom Fenster ab und betrachtete mein Zimmer. Es gab nicht viel, was man hier sehen konnte. Auf der einen Seite stand das Bett mit dem fliederfarbenen Bettbezug und auf der anderen Seite der Kleiderschrank und der Schreibtisch, auf dem der Laptop lag. Daneben die kleine alte Kommode, die noch aus der Zeit stammte, als meinen Großeltern dieses Haus gehörte. Das Haus war schon seit wer weiß wie vielen Jahrzehnten in Familienbesitz.
Ich hatte sie entdeckt, als ich hier oben eingezogen war und einfach an Ort und Stelle stehen gelassen. Erst aus Faulheit, doch nun gefiel sie mir irgendwie, so wie fast alles, das alt war und eine Geschichte versprach. Und davon gab es in diesem Haus mehr als genug. Pam berichtete mir, dass die Kommode schon meiner Urgroßmutter gehört hatte. Der Großmutter von Pam und meines Vaters, Urgroßmutter Edith.
Ich hatte sie ebenso wie meine Großeltern nie kennengelernt, wusste aber aus Erzählungen, dass sie eine sehr bestimmende Frau gewesen war.
»Die Frau hatte Haare auf den Zähnen«, hatte mein Vater stets behauptete, wenn wir Pam besuchten. Wie unter Geschwistern üblich, hatte sie ihm darauf einen tadelnden Blick zugeworfen. Mein Vater und Pam waren beide in Pleasanton aufgewachsen. Er war der ältere von beiden gewesen.
Nach dem High-School- Abschluss war er an die Ostküste abgehauen, um zu studieren. Insgeheim glaubte ich immer, er wollte einfach Pleasanton entkommen. Pam blieb. Bis heute. Sie erinnerte mich in vielerlei Hinsicht, manchmal vielleicht zu viel, an meinen Dad. Sie hatte dasselbe melodische Lachen und dieselben blauen Augen. Nur, dass mein Vater keine roten, sondern tiefbraune, Haare gehabt hatte. Genau wie ich. Es war noch immer so seltsam, an ihn in der Vergangenheitsform zu denken.
Um die düsteren Gedanken zu vertreiben, nahm ich mir die Schultasche und setzte mich an den Schreibtisch. Mit den Geschichtshausaufgaben, einen Aufsatz über Napoleon den Großen, begann ich in völligem Bewusstsein, dass ich nur daran arbeitete, um mich um die Mathe Aufgaben zu drücken. Da der Aufsatz erst nächste Woche fällig wurde und außerdem schon so gut wie fertig war, machte ich mich schließlich doch an Mathe. Eine Stunde versuchte ich, die Aufgaben zu lösen, bis mir der Kopf von den ganzen Zahlen schwirrte.
Seufzend klappte ich das Mathebuch zu und packte es wieder in die Tasche. Um die letzten beiden Aufgaben würde ich mich später kümmern, oder sie morgen von David abschreiben. Er war im Gegensatz zu mir gut mit Zahlen. Als ich mich gerade wieder an den Aufsatz machen wollte, ertönte Pams Stimme von unten. Sie wartete vor der Treppe auf mich.
»Ich bin ein ganz miserabler Vormund, Flora«, sagte sie als ich auf einer der letzten Stufen zum Stehen kam. Ich sah den entschuldigenden Ausdruck auf ihrem Gesicht.
»Nein, Tante Pam, das bist du nicht«, wollte ich sie sofort beschwichtigen, obwohl ich keine Ahnung hatte weshalb sie dieses Mal an ihren erzieherischen Fähigkeiten zweifelte.
»Doch, das bin ich«, ließ sie sich nicht umstimmen. »Es ist Abendessenzeit und ich habe wie immer nichts für dich gekocht. Geschweige denn eingekauft.« Ich war erleichtert.
»Ach so«, murmelte ich. »Ist schon okay, ich kann schnell in den Laden fahren.«
»Ich dachte eher du könntest schnell zu Marinos rübergehen und uns etwas Pasta holen. Ich habe schon bestellt.« Sie winkte mit ihrem Handy in der Hand. Ganz plötzlich bekam ich gute Laune.
»Bin schon unterwegs.« Als sie meinen freudigen Ausdruck erblickte, schien sie zufrieden mit sich. So sehr ich meine Tante auch schätzte, ihre Fähigkeiten in der Küche waren nicht gerade ihre Stärke.
Sie war mehr der kreative Freigeist, dem es nicht lag, sich an die Angaben in einem Rezept zu halten. Was oft dazu führte, dass sie improvisierte und wir am Ende doch Sandwiches aßen. Oder wie heute Pasta orderten. Insgeheim glaubte ich, Pam hatte vor meiner Zeit, fast täglich außerhalb gegessen. Jedenfalls wüsste ich nicht, wie sie sonst überlebt hätte. Nur um meinetwillen versuchte sie überhaupt die Hausfrau zu spielen. Sie glaubte ein Kind in meinem Alter, obwohl man mit siebzehn längst kein Kind mehr war, bräuchte jeden Tag eine vernünftige Mahlzeit. Meinetwegen hätten wir ihren ursprünglichen Ernährungsplan wiedereinführen können. Was ich aber für mich behielt, um sie nicht zu kränken.
Ich schnappte mir die Handtasche, in der sich das Portmonee befand, und begab mich in Windeseile nach draußen. Es dämmerte bereits.
Das kleine italienische Restaurant befand sich nur zwei Querstraßen von der Buchhandlung entfernt. Erst jetzt bemerkte ich, wie hungrig ich eigentlich war. Mein Magen knurrte vorwurfsvoll, weshalb ich meine Schritte noch etwas beschleunigte. Nach wenigen Metern erreichte ich schon den Eingang.
Der Besitzer, Mr. Marino, begrüßte mich freundlich, fast überschwänglich. In Pleasanton kannten sich die Leute und waren ganz zu meinem Bedauern nie um ein Gespräch verlegen.
»Ah, Miss Winter. Ich erwarte sie schon.«
Ich lächelte und nickte.
»Wie geht es der Tante?«
»Wie immer viel zu tun«, antwortete ich höflich.
Eigentlich wollte ich das Restaurant so schnell wie möglich verlassen. Es war gerappelt voll um diese Tageszeit. Auf den Holzstühlen und Bänken reihten sich eine Vielzahl von hungrigen Gästen. Die Kellner schwebten förmlich durch die schmalen Gänge, einer blieb kurz an einer der rot karierten Tischdecken hängen und hätte um Haaresbreite die Kerze vom Tisch geworfen. Ich kannte ihn, er war eine Klassenstufe unter mir, doch sein Name fiel mir beim besten Willen nicht ein.
»Sagen Sie Ihrer Tante meine besten Wünsche und ich habe ihr noch etwas Pizzabrot einpacken lassen.« Mr. Marino zwinkerte wild gestikulierend. Dann kam ein Kellner und reichte mir unser Essen in einer Papiertüte.
Ich bezahlte an der Kasse und wollte mir gerade einen Weg zum Ausgang bahnen, als eine hochgewachsene Gestalt mir den Weg versperrte. Ich überlegte kurz, ob ich mich einfach an dieser vorbeischieben sollte. Der Platz in dem schmalen Gang schien mir aber viel zu eng.
»Entschuldigung«, murmelte ich in der Hoffnung nicht schon wieder jemandem zu begegnen, den ich kannte. Doch ich hätte mich nicht zu sorgen brauchen.
Der Junge, der sich zu mir umdrehte, war mir gänzlich unbekannt. Ich war mir absolut sicher, da ich mich an sein Gesicht ganz bestimmt erinnert hätte. Er musste ungefähr in meinem Alter sein, vielleicht etwas älter. Sein Haar war kastanienbraun und die Iris seiner Augen war grau mit kleinen Einschlüssen. Fast wie zarte Linien in Sanddünen, nur dass die Farbe eher an silberglänzenden Schnee als an Sand erinnerte. Seine Pupillen weiteten sich ein wenig als er mich erblickte. Der Ausdruck in seinen Augen war ernst und zugleich wach.
Auch er schien mich heute zum ersten Mal zu sehen, das verriet mir der Ausdruck in seinem Gesicht. Zu oft war es schon passiert, dass mich einer meiner Mitschüler außerhalb der Schule angesprochen hatte und ich nur peinlich berührt grinsen konnte, weil ich ihn oder sie nicht erkannte. Heute war ich mir ganz sicher. Ich hatte dieses schöne Gesicht noch nie zuvor gesehen. Es war reichlich eindrucksvoll.
So eindrucksvoll, dass das lange Schweigen mir unangenehm wurde. Er machte keine Anstalten sich zu bewegen. Also schob ich mir mit der freien Hand unsicher eine Haarsträhne hinter das Ohr und schob mich nun doch an ihm vorbei. Wortlos machte er einen Schritt zur Seite. Als ich die Tür erreichte, konnte ich seinen Blick noch immer auf meiner Kehrseite spüren. Was mich dazu verleitete das Restaurant noch eiliger zu verlassen.
Wieder auf der Straße beschleunigte ich meine Schritte und machte mich auf den Heimweg. Pam hatte die Buchhandlung inzwischen geschlossen. Als ich die Wohnung betrat, warf ich einen flüchtigen Blick in den kleinen Spiegel im Flur. Ich hatte mein Haar vorhin, während ich die Hausaufgaben erledigt hatte, unsauber im Nacken zusammengebunden und auch der Rest meines Gesichtes wirkte unauffällig. Die leichte Bräune, die meine Haut im Sommer bekommen hatte, begann schon wieder zu verblassen und die grünen Augen wirkten ausdruckslos mit den darunterliegenden Schatten.
Vor einiger Zeit schienen sie noch mehr Glanz innegehabt zu haben. Jedenfalls erinnerte ich mich vage daran. Aus irgendeinem Grund verärgerte mich mein glanzloses Äußeres mehr als es dies sonst tat. Seufzend zog ich den Haargummi aus dem Haar und es fiel mir in weichen Wellen über die Schultern, bis zur Mitte meines Rückens. Wieso hatte mir das nicht schon früher einfallen können, fragte ich mich, als ich mich in die Küche begab. Pam wartete am gedeckten Küchentisch auf mich. Als ich den Raum betrat, nahm sie mir die Papiertüte ab und verteilte die Pasta mit Meeresfrüchten, wie ich erkannte, auf die Teller.
Als Dekoration drapierte sie jeweils zwei Blätter Basilikum kunstvoll auf dem Nudelberg, die sie von einem der Kräutertöpfe gezupft hatte. Dann stellte sie einen der Teller vor mir ab.
»Sieht gut aus«, sagte ich betont heiter, um ihr schlechtes Gewissen noch einmal zu beruhigen. Es schien zu funktionieren. Zufrieden begann sie die langen Nudeln auf ihre Gabel zu wickeln. Ich tat es ihr gleich.
Während ich kaute, betrachtete ich die kleine Küche. Die Küchenschränke waren vor Jahrzehnten in einem Mint-Ton gestrichen worden. Hier und da begann die Farbe schon abzublättern. In der Mitte des Raumes stand der dunkle Holztisch, an dem wir auf wahllos zusammengewürfelten Stühlen saßen. Vier an der Zahl. Die Kräutertöpfe standen auf dem Fensterbrett, das zur Südseite gerichtet war. Auch der Parkettboden hatte schon bessere Zeiten erlebt. Die Tapete war eierschalenfarben und schlicht.
»War viel los bei Marinos?«, durchbrach Pam die Stille.
»Mhm«, machte ich zur Bestätigung. Mit ihrer Frage hatte sie mich sofort wieder an den unbekannten Jungen erinnert. Ich fragte mich, ob er hier zu Besuch war. Oder doch neu in der Stadt. Erstes hielt ich für unwahrscheinlich, da keine Ferien waren. Ich war mir sicher, dass ein Neuankömmling wie er in der Schule für Gesprächsstoff sorgen würde. Zumindest bei den weiblichen Mitschülern.
»Du bist heute nicht sehr gesprächig oder?« Sie sah mich prüfend an.
»Das liegt an den Mathehausaufgaben. Die haben mich geschafft. « Ich schob mir eine weitere Gabel mit Nudeln in den Mund. Es schmeckte gut.
»Du weißt, bei Mathe kann ich dir nicht helfen.«
»Keine Sorge, David hilft mir, wenn nötig.« Als hätte ich sie jemals um Hilfe bei den Hausaufgaben gebeten. Nach dem Essen leistete ich Pam im Wohnzimmer Gesellschaft. Sie hatte uns einen Kräutertee gekocht, und jetzt flackerte irgendeine Sendung über den Bildschirm des Fernsehers, die ich mir halbherzig anschaute, während sie die Zeitung las. Eigentlich hätte ich mich lieber in mein Zimmer verzogen, doch ich wollte ihr nicht noch weiter zusetzen, in dem ich ihr ein schlechtes Gewissen machte, weil sie zu wenig Zeit mit mir verbrachte. Ich fand die viele Zeit, die wir im Buchladen miteinander verbrachten, zählte auch, doch sie würde wohl anderer Meinung sein. Als die Sendung vorbei war und es endlich früh genug war, um schlafen zu gehen, verabschiedete ich mich ins Badezimmer. Es lag neben Pams Schlafzimmer. Nachdem das Gesicht gewaschen und die Zähne geputzt waren, verzog ich mich endlich in mein Zimmer. Nicht ohne Pam zuvor noch eine gute Nacht zu wünschen.
Oben angekommen, schlüpfte ich in die Shorts und das Spaghettiträger- Top, in denen ich zurzeit schlief, und ließ mich erschöpft auf das Bett fallen. Endlich hatte ich Zeit für meine Lieblingsbeschäftigung. Ich nahm mir Anna Karenina vom Nachttisch und schlug das Buch auf der Seite auf, bei der ich gestern Abend aufgehört hatte. Natürlich hatte ich es schon unzählige Male verschlungen. Der Einband sah schon ganz schön mitgenommen aus.
Ich mochte die ganze russische Weltliteratur und hatte es mir neuerdings zur Aufgabe gemacht, Tolstoi Werke zu lesen. Mit Krieg und Frieden hatte ich angefangen, obwohl ich zugeben musste, dass die Geschichte der glücklos verheirateten Anna Karenina wohl immer meine liebste bleiben würde. Ich war gerade bei dem Teil angekommen, als die bezaubernde und sanftmütige Anna dem jungen Graf Wronskij zum ersten Mal auf dem Bahnsteig von Moskau begegnet. Liebe auf den ersten Blick.
Zwangsläufig fragte ich mich, wie es sein konnte, dass zwei völlig fremde Menschen sich nur ansehen mussten und augenblicklich verloren waren. Die grauen Augen des Unbekannten, den ich vielleicht nie wiedersehen würde, tauchten wieder in meinem Gedächtnis auf. Nur Augenblicke später musste ich eingeschlafen sein.
In dieser Nacht schlief ich ganze sechs Stunden ohne aufzuwachen, was für meine Verhältnisse rekordverdächtig war. Seit dem Unfall hatte ich ständig mit Schlafproblemen zu kämpfen. Doch ich vermied es die Schlaftabletten zu nehmen, die mir der Arzt verschrieben hatte. Diese Dinger benebelten mich furchtbar und machten es unmöglich, einen klaren Gedanken zu fassen.
Noch immer müde stand ich auf. Im Badezimmer putzte ich die Zähne und stellte mich unter die Dusche. Dabei ließ ich mir mehr als genug Zeit. Einer der Vorteile an Schlafmangel: Man musste sich nie beeilen. Der Duft des Shampoos hing mir noch immer wohlig in der Nase, als ich das Wasser abschaltete und aus der Badewanne stieg. Ich föhnte das Haar so lange, bis ich keine Lust mehr dazu hatte.
Die Haarspitzen würden trocknen bevor David mich abholte. Danach ging ich mit dem Handtuch um den Körper geschlungen zurück in mein Zimmer. Der Blick aus dem Fenster versprach wiedermal einen sonnigen Tag. Ich entschied mich für eine Bluse mit kurzen Ärmeln und dazu Jeans. Abschließend warf ich einen prüfenden Blick in den kleinen Spiegel über der Kommode. Was ich sonst eigentlich vermied. Die Schatten unter den Augen waren noch zu erahnen, doch blasser als am Vortag. Wodurch das Grün meiner Augen besser zur Geltung kam. Doch mein Gesicht sah noch immer furchtbar schlicht aus. Ich nahm den Lipgloss und ließ ihn einmal über meine Lippen gleiten. Gefolgt von Wimperntusche, um die Augenringe noch etwas mehr in den Hintergrund zu verdrängen. Es war eine Weile her seit ich mich zuletzt geschminkt hatte.
Ein letztes Mal fuhr ich mir durch das Haar, dann gab ich es auf. Pam saß schon am Küchentisch, ihr Haar war nass und sie trug noch ihren Morgenmantel.
»Tee?«, fragte sie, als sie mich erblickte. Ich sah sie ungläubig an. »Du weißt, wie schädlich Kaffee für dein Nervensystem ist?«
Ich überhörte ihren Einwand und befüllte die Kaffeemaschine mit Wasser. Als sie fröhlich zu gluckern begann, was wie Musik in meinen Ohren war, wandte ich mich wieder meiner Tante zu. Sie nippte an ihrem Kräutertee. »Was möchtest du frühstücken?«
»Bleib sitzen, ich mache uns etwas.« Noch bevor sie Einspruch erheben konnte, holte ich die Eierpackung aus dem Kühlschrank und begann ein Ei nach dem anderen in eine Schüssel zu schlagen. Ihre Rühreier waren ungenießbar. Irgendwie matschig und geschmacklos.
»Dann mache ich zumindest etwas Toast«, murmelte sie, und aus dem Augenwinkel sah ich wie sie zwei Scheiben Brot in den Toaster steckte, während ich die Eier mit der Gabel verquirlte.
Langsam gingen mir die Ausreden aus, um ihren Kochkünsten zu entgehen. Ich beschloss nach der Schule einkaufen zu gehen, damit ich einen Vorwand hatte und das Abendessen selbst zubereiten konnte. Die Eier brieten in der Pfanne und ich würzte sie mit etwas Salz.
Pam tauchte neben mir auf und präsentierte mir eine Handvoll frisch gepflückter Petersilie. Stirnrunzelnd sah sie mich an, und als ich nickte, ließ sie die Kräuter in die Pfanne fallen. Sie hatte mich längst durchschaut. Ich servierte ihr einen Teller mit duftendem Rührei und schenkte für mich eine große Tasse voll Kaffee ein.
»Danke Flora, sieht super aus.« Sie lächelte vielsagend und reichte mir eine Scheibe Toast. Als ich sie betrachtete, musste ich schmunzeln. Der Toast war ziemlich dunkel geraten. Pam räusperte sich und musste sich ein Grinsen verkneifen. »Also, was liegt heute an?«, lenkte sie vom Thema ab.
»Schule, wie jeden Tag.« Worauf ich nur wenig Lust hatte. Immerhin war heute Donnerstag. Noch zwei Tage, dann war endlich Wochenende.
»Ist es so schlimm für dich dort, ich meine du gehst schon ein ganzes Jahr auf diese Schule«, fragend blickte sie mich an. Um nicht gleich antworten zu müssen, biss ich vom Toast ab und kaute extra lange darauf rum. »Es ist nur so, ich frage mich einfach ob du…« Die Pause, die sie machte, verhieß nichts Gutes. »Ob du hier unglücklich bist«, rückte sie mit der Sprache heraus und Sorgenfalten bildeten sich auf ihrer Stirn. Sie hätte mir mehr leidtun sollen. Aber ich hatte es langsam satt, dass sie mich immer mit Samthandschuhen anfasste. Ich wollte einfach normal sein. Nicht immer nur das Mädchen, dessen Eltern gestorben waren. Doch Pam sah mich noch immer an, als wenn ich jede Sekunde zerbrechen könnte. »Daniel und Sophie hätten nicht gewollt, dass du so leidest«, sagte sie vorsichtig. Bei den Namen meiner Eltern verkrampfte sich der Teil in meinem Inneren, den ich vorsorglich mit einem Vorhängeschloss bedacht hatte.
»Es geht mir gut«, versicherte ich ihr, doch den genervten Seufzer am Ende des Satzes konnte ich mir nicht verkneifen.
»Du wirkst manchmal so abwesend. Ich meine das nicht als Vorwurf nur verhältst du dich nicht wie ein durchschnittlicher Teenager.«
Was erwartete sie? Dass ich mich abends aus dem Haus schlich, um auf irgendwelche Partys zu gehen?
»Tante Pam, es ist alles in Ordnung, du machst deine Sache wirklich mehr als gut. Ich bin einfach nicht dieser klassische Teenager. Ich bin zufrieden, so wie es jetzt läuft. Oder mache ich etwas, das dich stört?«, drehte ich den Spieß um.
»Nein, sei nicht albern, du bist vorbildlich. Nur, dass mir das gerade Angst einjagt«, gab sie kleinlaut zu.
»Verstehe«, sagte ich, obwohl ich noch immer nicht richtig wusste, was sie eigentlich damit hatte sagen wollen. Wir verspeisten den Rest des Frühstücks schweigend und erst als ich den letzten Rest Kaffee aus meiner Tasse hinuntergeschluckt hatte, sah ich sie wieder an. »Kann sein, dass es heute etwas später bei mir wird«, erklärte ich und stellte meinen Teller im Spülbecken ab. Pam wurde sofort hellhörig.
»Ach, ja?«, fragte sie etwas zu erstaunt und ruderte gleich wieder zurück. »Ich meine ich finde es gut, wenn du etwas außerhalb der Schule unternimmst. Was hast du denn geplant?«
»Ich gehe mit David einkaufen.« Dass ich eigentlich nur vorhatte Lebensmittel zu kaufen, ließ ich aus.
»Sehr schön«, erwiderte sie. »Und brauchst du etwas Geld?« Ich schüttelte den Kopf.
»Nicht nötig.« Ich war zwar knapp bei Kasse, aber durch die Arbeit im Buchladen hatte ich noch etwas Geld übrig. Pam bestand darauf, mich wenigstens etwas zu entlohnen.
»Sei nicht albern«, sagte sie und verschwand schon aus der Küche. Einen Moment später kam sie mit gezücktem Portmonee zurück.
»Kauf dir etwas Hübsches.« Sie drückte mir zwei Zwanziger in die Hand. Da jeder Wiederstand zwecklos war, steckte ich das Geld in die Hosentasche und warf einen Blick auf die Uhr. Ich musste los, David würde wohl schon auf mich warten. Ich behielt recht. Als ich auf die Straße trat, drückte er freudig auf die Hupe, um mich zu begrüßen. Eine Passantin drehte sich kopfschüttelnd in seine Richtung.
»Du wirst noch alle Nachbarn wecken«, sagte ich, als ich auf der Beifahrerseite Platz nahm.
»Wenn ich so früh aufstehen muss, können die es auch«, entgegnete er. David fuhr die gewohnte Strecke zur Schule. Eigentlich konnte ich mich überhaupt nicht über meine neue Heimat beschweren. Rein optisch war sie wunderschön anzusehen. Die nahezu immergrünen Bäume, die Sonne am wolkenlosen Himmel und die prächtigen Häuser mit den gepflegten Auffahrten. Hier schien alles perfekt zu sein. Zu perfekt für meinen Geschmack.
Mir fehlte trübes weißes Licht, Regen und wie gemütlich es war, sich an einem Wintertag mit einem Buch vor die Heizung zu setzten. Ich hatte fast vergessen, wie es sich anfühlte zu frieren. Es war wie mit allem Makellosen. Mit der Zeit wusste man es nicht mehr zu schätzen. Jedem, der nicht wusste, wie man sich am ersten sonnigen Frühlingstag nach einem langen Winter fühlte, entging etwas.
Die paar Regentage im Jahr oder der Nebel, der hin und wieder am Morgen aufzog, zählten nicht. Jedenfalls nicht für mich. Selbst David konnte meine Argumentation zu diesem Thema nicht verstehen. Und als wir in den Sommerferien den Großteil unserer Zeit an seinem Pool verbracht hatten, konnte ich ihn sogar ein klein wenig besser verstehen. Aber nicht genug, um von meiner Meinung abzurücken.
Wir erreichten die Schule. David parkte auf einem der freien Parkplätze auf dem hinteren Teil des Schulgeländes. Der vordere Teil wurde schon von zahlreichen BMW, Mercedes und Range Rovern besiedelt. Die noblen Karossen blitzen angeberisch im Sonnenlicht und machten das perfekte Bild der perfekten Stadt perfekt.
Selbst die meisten Menschen hier waren makellos. Sonnengebräunt, gepflegt und überdurchschnittlich gut gekleidet. Auch Davids Chinohose und das grüne Poloshirt, das er heute trug, waren offensichtliche Markenware. Womit ich nicht mithalten konnte. Ich war zwar gepflegt aber längst nicht so schick wie die meisten meiner Mitschüler.
Auf meiner alten Schule war auch das irgendwie nicht so wichtig gewesen. Schweigend näherten wir uns dem Schulgebäude.
»Waren echt anstrengend, die Mathehausaufgaben. Ich habe fast eine halbe Stunde gebraucht.« Er fuhr sich mit der freien Hand, in der anderen trug er seinen Ordner, durch das satte braune Haar. Es glänzte rötlich in der Sonne. Auch David war fast makellos mit der gebräunten Haut und dem hübschen Gesicht.
»Oh Mist, die habe ich ja völlig vergessen«, stöhnte ich. Er grinste gönnerhaft.
»Keine Sorge, du kannst sie in der Mittagspause von mir abschreiben.«
»Danke. Aber nur die letzten beiden Aufgaben«, fügte ich hinzu, um mir nicht ganz so gedankenlos vorzukommen.
David begleitete mich bis zum Klassenraum, in dem der Spanischkurs stattfand, und verschwand zu seinem Unterricht. Nach Spanisch war wieder Geschichte an der Reihe. Ich klaubte meinen Kram zusammen und steckte ihn in die Tasche. Auf dem Weg in das Klassenzimmer lief mir Henry über den Weg, der jetzt ebenfalls Geschichte hatte.
»Soll ich dich begleiten?«, fragte er gespielt charmant.
»Nicht nötig«, entgegnete ich knapp und beschleunigte etwas. Doch er hielt locker mit mir Schritt. Er war mindestens einen Meter und achtzig groß. Ein Größenunterschied von fast fünfzehn Zentimetern, nicht gerade fair. Ich bedachte ihn mit einem verärgerten Blick, und erreichte damit nur, dass noch mehr Schalk in seinem Gesicht aufblitzte. Ich wusste, er wollte mir nur auf die Nerven gehen, was er auch schaffte.
Endlich erreichten wir das Klassenzimmer und ich trat erleichtert in den Raum. An der Türschwelle blieb ich wie vom Blitz getroffen stehen, so dass Henry gegen mich knallte.
»So hast du dir das also gedachte«, kommentierte er meinen Aussetzer und schob sich zwinkernd an mir vorbei. Doch dann blieb auch er nur einen Meter vor mir stehen und erstarrte zur Salzsäule. Auf einem der hinteren Plätze saß der unbekannte Junge von gestern und starrte abwesend aus dem Fenster auf der linken Seite des Raumes. Henry schien ihn ebenfalls zu mustern.
»Adam!«, sagte er schließlich laut. Der Junge, der allem Anschein nach zu urteilen Adam hieß, drehte seinen Kopf in seine Richtung. Einige meiner Mitschüler reckten neugierig ihre Köpfe. Henry ging auf ihn zu, und als Adam sich erhob, klopfte er ihm freundschaftlich auf die Schulter. »Mann, ich wusste gar nicht, dass du schon heute kommst.« Sein Tonfall war freudig, nahezu überschwänglich. Auch Adam wirkte nicht gerade unglücklich, Henry zu sehen.
»Ich habe einen früheren Flug bekommen«, hörte ich zum ersten Mal seine Stimme. Sie war tief und angenehm. Die beiden kannten sich. Ich bemerkte, dass ich noch immer wie ein Vollidiot im Eingang stand.
Die Schüler, die hinter mir den Raum betraten, warfen mir missbilligende Blicke zu. Dann trafen mich ohne Vorwarnung die grauen Augen und fixierten mich. Doch nur für einen kurzen Moment, dann galt ihre Aufmerksamkeit wieder Henry.
Eilig machte ich mich auf den Weg zu meinem Platz, der sich ganz zu meinem Verdruss genau vor dem des Unbekannten befand. Ohne den beiden Jungen Beachtung zu schenken, nahm ich hastig Platz und verschränkte die Arme vor der Brust. Doch die unmittelbare Nähe zu ihnen machte mich nervös. Eigentlich kein Gefühl, das ich in Henrys Nähe sonst hatte. Erleichtert sah ich Mr. Colemans unscheinbare, haarlose Gestalt den Raum betreten. Henry würde nun gezwungen sein, sich ebenfalls auf seinen Platz zu begeben.
Keine zehn Sekunden später verabschiedete er sich von Adam und ging. Doch der Neue saß noch immer unmittelbar hinter mir. Ich konnte, obwohl ich ihn nicht sah, seine Anwesenheit förmlich fühlen. Verlegen fuhr ich mir durch das Haar und ließ es über meinen Rücken fallen. Als ich mein Geschichtsbuch aus der Tasche holte, war ich darauf bedacht starr nach vorne zu blicken und keine hastigen Bewegungen zu machen. Mr. Coleman fuhr mit seinem Vortrag vom Vortag fort, ohne überhaupt zu merken, dass sich ein neuer Schüler in seinem Unterricht befand. Ganz im Gegensatz zu meinen Mitschülern, die alle tuschelten und dem Neuen verstohlene Blicke zuwarfen. Er tat mir leid, denn vor nicht allzu langer Zeit, war ich die Neue gewesen, die angestarrt wurde.
In den letzten zwanzig Minuten der Stunde sollten wir an unseren Aufsätzen über Napoleon weiterarbeiten. Ich zückte den Stift und schlug den Block auf. Ich musste nur noch hier und da an den Feinheiten arbeiten. Nachdem ich den letzten Abschnitt noch einmal gelesen hatte, legte ich den Stift abwesend auf der Tischplatte ab.
Prompt kullerte er zur Seite und fiel zu Boden. Er war unglücklich gelandet und ich musste mich nach hinten beugen, um an ihn ranzukommen. Doch der neue, oder Adam, wie ich nun wusste, kam mir zuvor. Mit einer geschmeidigen Bewegung sammelte er ihn vom Boden auf und streckte ihn mir entgegen.
»Das ist deiner oder?«, sagte er mit überheblichem Unterton in der Stimme.
»Danke«, murmelte ich verlegen und nahm den Stift. Wie gestern schwieg ich. Ich wusste nicht recht, ob ich ihn darauf ansprechen sollte, dass wir uns bereits begegnet waren. Oder mich einfach wieder verlegen zu meinem Tisch umdrehen sollte. Vielleicht erinnerte er sich überhaupt nicht mehr an mich, was mich nicht gewundert hätte, so wie ich gestern Abend ausgesehen hatte.
»Wir haben uns gestern schon einmal gesehen. Bei Marinos«, beantwortete er meine unausgesprochene Frage.
»Ähm, ja genau«, sagte ich. Mein unsicherer Tonfall verwunderte mich, sonst war ich nicht so schüchtern. Noch immer fixierten mich die schönen grauen Augen. Sein Blick schien freundlich doch zugleich lag darin auch vorsichtige Zurückhaltung. Jetzt bemerkte ich erst, wie gut er wirklich aussah. Sein Gesicht war einzigartig und makelloser als jedes, das ich bisher gesehen hatte. Er passte perfekt zu den hohen Ansprüchen die hier galten. Eher noch übertraf er sie sogar. Bevor ich mich wieder zu meinem Tisch drehen konnte, ertönte das Klingeln.
Sofort erschien Henry wieder an Adams Tisch, womit unsere kurze Unterhaltung beendet war. Adam ließ mich sofort wieder links liegen. Was mich zugegebenermaßen etwas wurmte. Ich packte meine Sachen zurück in die Tasche und verließ das Klassenzimmer, ohne mich noch einmal umzublicken.
Vor der Tür wartete David, um mich zu unserer nächsten Stunde zu begleiten. Neben ihm schritt ich durch die tristen Flure, hatte es dabei aber nicht sonderlich eilig. Ich hörte Davids Erzählungen nur halbherzig zu. Einmal blickte ich nach hinten, doch von Henry oder Adam war keine Spur mehr. Der Rest des Vormittags verlief langweilig und ereignislos. Das Essen war heute um einiges annehmbarer als das vom Vortag. Es gab Pizza, dazu nahm ich mir eine Flasche mit Wasser und setzte mich an unseren üblichen Tisch.
David saß neben mir und dann saßen noch Holly Lancaster, Clara Scott und Seth Abraham an unserem Tisch in der Cafeteria. Alle drei Freunde von David. Für mich waren sie eher so etwas wie nähere Bekannte. Man kannte sich, sprach hin und wieder miteinander, doch sonst gab es keine tiefergehenden Berührungspunkte. Was wahrscheinlich zum größten Teil an mir und nicht an den anderen lag. Auch an meiner alten Schule hatte ich nur eine Handvoll Freunde gehabt. Mit manchen davon stand ich noch in spärlichem Kontakt, der mittlerweile mehr aus Höflichkeit als aus wirklichem Interesse bestand. Obwohl wir uns seit Kindheitstagen kannten. Wie hieß es so schön, aus den Augen aus dem Sinn.
»Was meinst du, Flora?«, riss mich David aus meinen Gedanken. Verständnislos sah ich ihn an. »Halloween in zwei Wochen«, sagte er nachdrücklich. Noch immer konnte ich nicht wirklich folgen.
»Es finden einige Partys statt, die wir in Erwägung ziehen sollten«, meldete sich nun auch Seth zu Wort. Doch meine Aufmerksamkeit galt schon wieder etwas anderem. Ich hatte Henry am anderen Ende der Cafeteria entdeckt.
»Klar, Halloween«, murmelte ich ohne ihn anzusehen. Und dann erblickte ich, wonach ich Ausschau gehalten hatte. Adam, den neuen Schüler der Henry zu seinem Tisch folgte. An diesem saßen schon Rebecca Price und Aaron Hall. Außerdem noch ein paar andere aus unserem Jahrgang, die ich aber nur flüchtig kannte. Ich hätte mir denken können, dass solch ein Typ wie er sich zu ihnen gesellen würde.
»Was ist denn so interessant?« David folgte meinem Blick und machte große Augen als er Henry und den Neuen erblickte. »Das gibt es doch nicht.« Er starrte die beiden an, die nun ihren Tisch erreicht hatten. Auch Seth, Clara und Holly wandten ihre Köpfe staunend zu dem Geschehen zwei Tische hinter uns. Zu meiner Verwunderung schienen auch die anderen am Tisch Adam zu kennen. Rebecca fiel ihm begeistert um den Hals und umarmte ihn freudig, gefolgt von Aaron Hall, der ihm wie Henry vorhin freudig auf die Schulter klopfte.
»Wieso kennen die alle den Neuen?«, fragte ich an David gewandt. Den bissigen Unterton konnte ich nicht unterdrücken. Noch immer strahlte Rebecca bis über beide Ohren.
»Du meinst Adam Ward?«, mit noch immer geweiteten Augen sah er nun mich an.
Ich nickte.
»Du hast noch nie etwas von Adam gehört, seitdem du hierher gezogen bist?«, fragte er weiter und trieb mich damit langsam in den Wahnsinn.
Wieder schüttelte ich den Kopf in der Hoffnung, endlich ein paar Antworten zu bekommen. Auch die anderen an unserem Tisch schien meine Unwissenheit zu überraschen.
»Diese Geschichte kennt doch jeder«, sagte Holly missbilligend in meine Richtung. Sie konnte mich nicht besonders gut leiden.
»Kann mich mal jemand aufklären?«, forderte ich.
»Also gut, es ist folgendermaßen. Adam ist hier kein unbekanntes Gesicht. Er und seine Familie leben hier eigentlich schon immer. Genau wie Henry, Aaron und Rebecca. Bis vor einem Jahr ging Adam auch noch auf unsere Schule. Die vier waren sozusagen unzertrennlich. Bis zu dem Vorfall an Halloween vor einem Jahr.« Endlich hatte ich eine Antwort bekommen. Er war also überhaupt nicht neu hier. Doch Davids Antwort hatte nur noch mehr Fragen aufgeworfen.
»Was war an Halloween?«, fragte ich neugierig. So etwas Spannendes passierte hier nicht alle Tage.
»Also, es war eine neblige Nacht«, begann David zu erzählen und versuchte seine Stimme dabei besonders gruselig klingen zu lassen. So wie wenn man Kindern eine Geistergeschichte vorlas. »Auf den Straßen war wie jedes Jahr die Hölle los. Menschenmassen drängten sich durch die Straßen. Darunter auch Henry, Aaron, Rebecca und«, er machte eine theatralische Pause. »Adam.«
»Wer weiß, was sie da wollten«, mischte sich nun auch Seth ein. David warf ihm einen tadelnden Blick zu und sprach dann weiter.
»In einer abgelegenen Seitenstraße entstand wie aus dem Nichts ein Tumult. Es gab laut Zeugen laute Schreie und angeblich ein seltsames Geräusch. Manche wollten eine Schlägerei beobachtet haben. Jedenfalls lag am Ende ein achtjähriger Junge tot auf der Straße. Keiner hatte eine Erklärung dafür. Die einzigen, die unmittelbar in der Nähe standen, waren diese vier.« Er machte eine Kopfbewegung zu dem Tisch der anderen. Zuerst dachte ich daran, dass David mich aufs Kreuz legen wollte, doch der ernste Ton in seiner Stimme sagte mir, dass es stimmte.
»Und die Leute dachten, die vier waren das?«
»Immerhin ist er nicht von allein tot umgefallen, oder?«, entgegnete Holly. Mir war ihre offensichtliche Abneigung mir gegenüber egal. Ich war viel zu interessiert an dieser Geschichte.
»Aber, wie ist der Junge denn gestorben?« Andachtsvoll musterte ich David. Ich fand die Vorstellung von dem kleinen unschuldigen Jungen, der sich verkleidet hatte, um Süßigkeiten zu sammeln und plötzlich tot auf der Straße lag, grauenvoll.
»Das ist es ja, es gab keinen offensichtlichen Grund. Weder innere noch äußere Verletzungen. Es schien so, als sei das Leben einfach von jetzt auf gleich aus seinem Körper gewichen.«
Ich warf einen weiteren verstohlenen Blick auf Adam Ward. Er saß zwischen Henry und Rebecca als sei er nie fort gewesen. Ich wusste nicht weshalb, aber er gehörte zu ihnen. Und mir fiel noch etwas auf. Ein Dutzend Mädchen in der Cafeteria, die ihm beeindruckte Blicke zuwarfen. Die Geschichten, die man über ihn erzählte, schienen ihn für die meisten hier nur noch interessanter zu machen.
»Und weshalb sind die vier nicht verhaftet worden?« Meine Pizza musste mittlerweile kalt sein, so gefesselt war ich von der Geschichte.
»Für was willst du jemanden verhaften, wenn es eigentlich keinen Mord gibt? Es gab Untersuchungen, doch die wurden aus Mangel an Beweisen eingestellt. Adam galt bis zuletzt als der Hauptverdächtige.«
»Weshalb?« Ich sah ihn verständnislos an.
»Weil er, als man die Leiche fand angeblich sagte, dass alles seine Schuld sei.«
»Und Adam ist kurz danach von heute auf morgen verschwunden«, ergänzte Seth trotzig.
Ich war wie vor den Kopf gestoßen. Diese Geschichte wollte einfach nicht zu dem Pleasanton passen, das ich kennengelernt hatte. Und zu dem gutaussehenden Jungen, der zwei Tische hinter mir saß. Das Ganze hatte sich nur ganz kurz vor meiner Ankunft ereignet. Im September des letzten Jahres, war der Autounfall meiner Eltern gewesen und schon im November hatte ich meinen ersten Schultag hier angetreten. Unmittelbar nach dem Vorfall mit Adam Ward und seinen Freunden. Ich fragte mich wie es an mir hatte vorbeigehen können.
»Seltsam, dass er jetzt wieder kurz vor Halloween auftaucht«, stellte Holly fest. Doch auch sie warf Adam einen angetanen Blick zu.
Da die Geschichte für die anderen keinesfalls neu war, so wie für mich, fanden sie schnell wieder andere Gesprächsthemen. Doch mir lief es noch immer kalt den Rücken hinunter, wenn ich an den Jungen dachte, der gestorben war. Irgendwann legte David seine Mathehausaufgaben neben mir ab.
»Hier, die brauchst du doch noch, oder?«
Den Rest der Mittagspause verbrachte ich damit, die Mathehausaufgaben abzuschreiben und abwesend an der kalten Pizza zu knabbern. Auch am Nachmittag, während der Mathestunde, ließ mich die Geschichte einfach nicht los. Irgendetwas daran erschien mir so merkwürdig.
Als Rebecca aufgerufen wurde und ihre Stimme im Klassenzimmer ertönte, durchfuhr mich ein Zucken. Ich betrachtet sie und Aaron, der ebenfalls in meinem Mathekurs war. Rebecca die blonde, große Schönheit, die mühelos an jedem Schönheitswettbewerb hätte teilnehmen können und Aaron, der eher unauffällige Junge mit dem ebenfalls blonden Haar und den dunklen Augen. Ich hatte die beiden nie für besonders nett gehalten, doch schien mir die Vorstellung, sie könnten potenzielle Mörder sein absurd.
Nach der Mathestunde wollte ich nur noch, dass dieser Schultag endlich endete, doch Englisch stand noch auf dem Lehrplan. Ich schleppte mich zum letzten Mal an diesem Tag in das Klassenzimmer und ließ die Stunde über mich ergehen. Die Lektüre, die wir behandelten, hatte ich schon ein Dutzend Mal gelesen. Englisch war das einzige Fach, für das ich mich nie anstrengen musste. Vielleicht hatte Pam doch recht, wenn sie meinte, dass ich zu viel Zeit in der Buchhandlung verbrachte. Es war nicht ausreichend, immer nur in Englisch eine beständige Eins zu haben, wenn ich die anderen Fächer dabei vernachlässigte.
Als die Stunde endlich ein Ende fand, erhob ich mich zeitgleich mit David, der auf dem Platz neben mir saß. Plötzlich fiel mir wieder ein, dass ich ihn hatte fragen wollte, ob er mit mir einkaufen geht.
»Was hältst du davon, wenn wir noch einen Abstecher ins Einkaufszentrum unternehmen?«, warf ich ganz beiläufig auf dem Weg zum Parkplatz ein. Zum zweiten Mal an diesem Tag machte er große Augen.
»Sonst muss ich dich doch immer regelrecht dazu zwingen.« Doch an der Art, wie er es sagte erkannte ich, dass er für meine Idee längst Feuer und Flamme war. Dass ich eigentlich nur in den Supermarkt wollte, behielt ich lieber erstmal für mich. Wir erreichten den Parkplatz und mussten uns durch das wirre Treiben kämpfen. Es wimmelte nur so von Schülern, die schnellst möglich fliehen wollten.
Neben einem niegelnagelneuen Mercedes Cabrio, dessen grauer Lack in der Sonne funkelte, musste ich kurz halt machen, um einer Horde Elftklässler auszuweichen. Erst als ich mich an dessen Frontseite quetschte und der Motor wie aus dem Nichts aufheulte, bemerkte ich Adam Ward auf der Fahrerseite. Hätte ich mir denken können, dass er so einen Schlitten fuhr. Das Verdeck des Wagens war geöffnet und abermals trafen sich unsere Blicke. Doch dieses Mal durchfuhr mich eine Eiseskälte. Seine Augen schienen mich förmlich zu durchbohren.
Schnell setzte ich mich wieder in Bewegung und holte schon nach wenigen Metern David ein.
»War das Adam in dem Cabrio?«, wollte er wissen.
»Ja«, sagte ich knapp.
»Hat dich diese Geschichte von vorhin so erschreckt? Du hast ihn angesehen, als sei er das Phantom.«
»Ich weiß einfach nicht recht, was ich davon halten soll.« Jetzt tat mir meine Reaktion von eben leid und ich hoffte, Adam hatte sie nicht bemerkt.
»Weißt du, auch wenn die Leute viel tratschen. Ich habe nie daran geglaubt, dass einer von den Vier etwas mit dem Tod des Jungen zu tun hatte.« Wir erreichten den dunkelblauen VW Golf.
»Was denkst du, wo Adam im letzten Jahr gewesen ist?«, überlegte ich laut.
David zuckte mit den Schultern.
»Keiner wusste es so genau. Es gab mal das Gerücht seine Eltern hätten ihn in ein Internat gesteckt.«
Die Fahrt zum Einkaufszentrum dauerte nur knappe zwanzig Minuten. Wie zu erwarten schleppte mich David in den ersten Klamottenladen, den wir sahen. Ich dachte an die Worte von Pam und versuchte zur Abwechslung mal, ein normaler Teenager zu sein. Einkaufsbummel zählten nicht unbedingt zu meiner liebsten Beschäftigung, auch wenn ich mich über neue Kleidungsstücke durchaus freute. Nur das Aussuchen war mir oft zu anstrengend. Doch dafür hatte ich jetzt David, der mich am liebsten in zwanzig verschiedene Outfits stecken wollte. Ich erinnerte ihn an mein schmales Budget. Schließlich landeten zwei T-Shirts, eine Bluse und eine Hose mit mir in der Umkleidekabine.
David fand, ich sehe in allem hübsch aus, weil er der Ansicht war ich könne mit meiner Größe sechsunddreißig alles tragen. Leisten konnte ich mir aber nur ein T-Shirt und die Bluse. Nachdem ich bezahlt hatte, kauften wir uns einen Kaffee, für dessen Einwegbecher Pam mich ganz sicher als Umweltsünder bezeichnet hätte.
Wir schlenderten durch das große Einkaufszentrum und tranken dabei das köstlich heiße Getränk. Hin und wieder machten wir halt und sahen uns ein Schaufenster an. Ich musste zugeben, dieses Teenagerdasein hatte etwas. Dennoch konnte ich mir nicht vorstellen, so etwas ständig zu machen. Insgeheim fragte ich mich schon, ob Pam wohl Hilfe im Laden brauchte. Ich folgte David noch in zwei weitere Geschäfte. Das eine war ein Musikgeschäft und führte CDs und alte Platten, das andere ein Laden für Männermode. David kaufte sich in zweitem einen Wollschal, und ich lachte herzlich darüber. Als ob er den hier jemals brauchen würde. Zum Schluss machten wir noch einen Abstecher beim Supermarkt, so wie ich es geplant hatte. David half mir an der Kasse, die Lebensmittel in die Papiertüten zu laden. Vollbepackt und mit guter Laune stiegen wir in den Wagen.
»Das heißt, du wirst ab jetzt bei euch zuhause den Kochlöffel schwingen?«, fragte David amüsiert. Er wusste, wie es um Pams Kochkünste bestellt war. Sie hatte ihn schon zu manch ungenießbarem Abendessen eingeladen. Aus Dankbarkeit, dass ich wenigstens einen Freund gefunden hatte.
»Ich werde es zumindest versuchen.«
»Kommst du morgen eigentlich zu dem Spiel?«
»Welches Spiel?«, wollte ich wissen.
»Das Basketball-Spiel morgen Abend in der Turnhalle. Alle reden seit Wochen davon. Ich könnte mal wieder deine Hilfe gebrauchen.« Er sprach von seinem Job bei der Schülerzeitung. Die einmal im Monat erschien und niemand wirklich lesen wollte. Ab und zu half ich David und machte Fotos bei den großen, wichtigen Ereignissen. Ein Basketballspiel zählte hier erstaunlicherweise dazu. An meiner alten Schule war ich auch bei der Schülerzeitung gewesen. Dort waren die Themen aber etwas anspruchsvoller gewesen als in Pleasanton. Der Drang, David abzusagen war groß. Mit Schulsport konnte ich überhaupt nichts anfangen. Doch immerhin hatte er mich heute auch begleitet und ich wollte mich revanchieren.
»Na gut, weil du es bist«, willigte ich ein. Davids Begeisterung war überschwänglich. Bis er mich vor Winter´s Wonderland absetzte, sprach er von nichts anderem mehr. Ich lud die Einkäufe aus dem Kofferraum und winkte David umständlich zum Abschied. Ich hatte beide Hände voller Tüten.
Als ich in die Buchhandlung kam, sahen mich einige der Kunden stirnrunzelnd an. Hatten die noch nie jemanden mit Einkäufen gesehen? Pam stand hinter der Kasse und musterte mich argwöhnisch.
»Das hast du alles für vierzig Dollar bekommen?« Es klang sarkastisch.
Doch schon war sie nach vorne geschnellt und nahm mir zwei der Tüten ab. Sie half mir, die Einkäufe nach oben in die Küche zu tragen und verschwand dann sofort wieder nach unten in den Laden.
Ich machte mich daran die Lebensmittel zu verstauen und nutzte die Zeit, bis Pam den Buchladen schloss, um Vorbereitungen für das Abendessen zu treffen. Ich glaubte kaum, dass sie noch auf die Idee kommen würde zu kochen, wenn auf sie ein leckeres Essen wartete. Also machte ich mich daran Gemüse kleinzuschneiden. Es briet in einer Pfanne und der Reis kochte im Topf daneben. Ein gesundes Essen ganz nach Pams Geschmack. Nur, dass es heute wirklich essbar war. Zufrieden legte ich den Löffel beiseite, mit dem ich probiert hatte, und bedeckte den Topf wieder mit dem Deckel. Meine Mom war eine wirklich gute Köchin gewesen. Jetzt zahlte sich aus, dass ich ihr so oft dabei zugesehen hatte.
Mir blieb noch eine Stunde, bis Pam kam. In meinem Zimmer warf ich als erstes die neuen Kleider in den Wäschekorb. Ich musste zugeben, dass mich deren Anblick fröhlicher stimmte als ich erwartet hatte. Am liebsten hätte ich mich aufs Bett gelegt und mit Anna Karenina weitergemacht, doch ich hatte furchtbar viele Mathehausaufgaben auf. Unwillig setzte ich mich an den Schreibtisch und kramte nach dem Mathebuch. Ich hasste es aus tiefster Seele. Die Aufgaben erledigte ich mal gewissenhaft und mal, wenn ich kurz vorm Verzweifeln war, so wie ich es für richtig hielt. Als ich die Tür ins Schloss fallen hörte, schlug ich das Mathebuch zu. Pam stand in der Küche vor dem Herd.
»Du hast gekocht?«, fragte sie erstaunt.
»Ja, wir waren im Einkaufszentrum und da dachte ich, kann ich auch gleich noch einkaufen gehen.« Ich versuchte meinen Ton beiläufig klingen zu lassen und holte zwei Teller aus dem Küchenschrank.
»Ein Glück.« Pam ließ sich stöhnend auf einen der Küchenstühle fallen. »Ich bin eine ganz miese Köchin. Ich kann es einfach nicht leiden, Essen zuzubereiten.«
Ich biss mir auf die Unterlippe. »Nein, so schlimm bist du wirklich nicht.« Sie sah mich an und begann schallend zu lachen. »Okay, du bist grauenvoll«, korrigierte ich.
Worauf sie noch lauter lachte. Wenn sie das tat, wirkte sie unglaublich jung, fast kindlich und erinnerte mich an meinen Dad. Sofort wurde meine gute Stimmung von eben wieder etwas getrübt.
Beim Essen erzählte ich Pam von meinem Tag, vor allem den Teil mit David im Einkaufszentrum erzählte ich detailreicher als den Rest. Dazu würde ich später noch kommen. Sie fragte mich über die Geschäfte aus, in denen wir gewesen waren, und erkundigte sich danach, ob wir etwas gegessen hatten.
Ich erzählte ihr von Davids neuem Schal und versprach ihr später, meine neuen Kleider zu zeigen. Den Kaffee im Einwegbecher ließ ich lieber weg. Dann wollte ich das Thema ansprechen, das ich mir bis jetzt aufgehoben hatte.
»Weißt du eigentlich etwas über diesen Unfall von letztem Halloween?« Während ich sprach räumte Pam gerade die Teller ab. Ich sah, wie sie kurz innehielt. Mit dieser Frage schien sie nicht gerechnet zu haben.
»Nicht mehr als jeder andere. Damals war ich so sehr mit dem Nachlass deiner Eltern und deinem Umzug beschäftigt.« Diese Zeit war in meinem Gedächtnis nur lückenhaft vorhanden.
