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Das Buch berichtet von lustigen Situationen, die mir bei meinen Reisen passiert sind. Dies sollte im Bestfall nicht nur zu einem Schmunzeln führen, sondern vielmehr möchte ich allen Leuten beim lesen Mut machen, sich die Welt anzuschauen. Mit Garantie ist es nicht mehr schlimm, wenn man alleine verreist, denn nur so passiert etwas in der Welt. Und diese ist sehr schön. Nur Mut - auf geht's. Du bist nur noch wenige Mausklicks von deiner Buchung in ein fremdes Land/fremde Stadt entfernt. Trau Dich, aber bereite dich vor. Egal ob Nord, Süd, West und/oder Ost die Richtung des nächsten Urlaubes sein wird. Mit Höflichkeit wird es keine Schwierigkeiten geben. Europa ist es wert, bereist zu werden. Schließlich kann ich das nach allen bereisten Hauptstädten auch behaupten. Glaubt mir. In der Hoffnung, dass auch bei Dir ein imaginärer Clown seine Späße treibt, wünsche ich gute Unterhaltung.
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Seitenzahl: 267
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Vorwort
Skopje – Pristina – Tirana: der Ruf des Balkans
La Dolce Vita in Mailand, Bologna und San Marino
Zum Singen nach Riga/Lettland
KKK – Köln, Kiew, Kischinau (Cologne, Kiew, Chişinău)
Sauna und Mittelalter – Metropolen am Finnischen Meerbusen
Mein Name ist Frank Hollweg und ich bin 39 Jahre jung. Nachdem ich in meiner Kindheit eher weniger aus meiner Heimat kam, holte ich dies als junger Erwachsener nach. Als meine ersten Ziele habe ich mir die bekannten und westlichen Hauptstädte Europas angeschaut. Meist im Beisein von Mitgliedern der Familie und später dann mit Freunden. Die letzten Reisen jedoch unternahm ich alleine. Die Ziele wurden exotischer und bevor ich lange fragte, habe ich meinen Mut zusammengenommen und brach dazu auf. Rom, die ewige Stadt, war die erste Hauptstadt, die ich zusammen mit Geschwistern bereisen durfte. Darauf folgten Athen, Amsterdam, Stockholm, Budapest, Prag, Ljubljana und nicht nur die Hauptstadt Nikosia, sondern die »halbe« Insel von Zypern. Großartiges durfte ich dann mit Freunden mir anschauen. Nämlich Moskau, Warschau, Sofia, Bukarest, Skopje, sowie Madrid, Wien, Oslo und Paris. Erst nach einigen bereisten Hauptstädten und Metropolen dachte ich mir, warum nicht alle. Mehr und mehr fand ich Geschmack an Europas Zentren, die alle unterschiedlich geprägt sind und das auch hoffentlich beibehalten wird.
Im Alleingang konnte ich dann noch viele weitere mir anschauen. Das beinhaltete den gesamten Balkan, aber auch Metropolen in Osteuropa, wie Kiew, Minsk, Chişinău. In Osteuropa darf ich Kiew empfehlen, was in einer der folgenden Geschichten mit auftaucht. Rom glänzt im Süden Europas nicht nur mit Geschichte, sondern auch mit dem La Dolce Vita. Neben Paris im Westen, was schon eine separate Geschichte wäre, darf ich hier die Beneluxländer empfehlen, die ebenfalls einen tollen way of life haben. Im Norden ist es eher ruhig, aber dennoch nicht unspektakulär. In Island gibt die Natur den Ton an. Somit bin ich nicht geographisch geordnet in alle Himmelsrichtungen gestartet, aber dennoch waren Nord, Ost, Süd und West dabei. Meine Reiseberichte »Unterwegs mit einem Clown, meine Erlebnisse auf dem Weg durch Europa« beschreiben meiner Meinung nach lustige Situationen, die mir bei diesen Reisen widerfahren sind. Dies sollte im Idealfall nicht nur zu einem Schmunzeln führen, vielmehr möchte ich allen Leuten beim Lesen Mut machen, sich die Welt anzuschauen. Garantiert ist es heutzutage auch nicht mehr schlimm, wenn man alleine verreist, denn nur so erlebt man etwas und kann sich die Welt ansehen. Und diese ist sehr schön. Aber ich müsste schon sehr, sehr alt werden, um mir wirklich alles ansehen zu können.
Nein, ich habe mich nicht als Clown verkleidet und damit das Geld für meine Reisen verdient. Dieser Clown ist imaginär und nicht wirklich vorhanden. Aber er ist anscheinend bei immer mit im Gepäck.
Mithilfe des Internets, Einträgen aus diversen Zeitschriften und Fachliteratur oder Reiseführer kann sich jede/r auf Reisen in fremde Länder und Städte vorbereiten und einstimmen. Dies ist mir bei all meinen Reisen gelungen. Mit Tipps, Anregungen und letzten Endes meinen Erfahrungen möchte ich junge und junggebliebene Erwachsene dazu animieren, mehr zu reisen.
Einfach für ein paar Tage mit wenig Geld mal raus aus dem Alltag. Hier ist es egal, ob man auf Party aus ist, oder doch eher intellektuell interessiert man geprägt ist. Es war keine Stadt dabei, wo bei mir Langeweile aufgekommen ist. Im Gegenteil, meist hat die Zeit nie gereicht, um alles zu besuchen und/oder zu sehen.
Nicht nur das Wetter ist oft nicht wirklich vorhersehbar, sondern auch die Situationskomik, die sich gelegentlich ergibt, wenn man alleine verreist. Natürlich kann dies auch als Paar oder in einer Gruppe passieren. Als Alleinreisender wird man jedoch viel häufiger angesprochen oder man kommt mit anderen leichter ins Gespräch. Auch die Sinne werden durch das Reisen ohne Begleitung im Hinblick auf eventuelle Gefahren geschärft. Habe/habt Mut, überlegt bei den Vorbereitungen manche Dinge! Und mit der Vorfreude im Gepäck kann gar nicht mehr viel schiefgehen. »Mut zur Lücke« und eine gesunde Neugierde auf fremde Kulturen, neue Städte, anderen Sprachen sollten hier inbegriffen sein.
Im Laufe der Jahre und meiner bis dato angesammelten Reiseerfahrungen setzte ich mir dann schließlich ein Ziel und dieses beinhaltete, alle Hauptstädte Europas zu bereisen. 25 Jahre habe ich für dieses mir selbst auferlegtes Programm benötigt. Am Anfang besuchte ich eine Metropole pro Jahr. Mit abzeichnen, dass ich das Programm durchaus schaffen kann, wurden dann mehrere Städte und Regionen im Jahr daraus. Im September 2016 gelang es mir dann erfolgreich; und mit ein bisschen Stolz kann ich hiermit behaupten, dass Europa wunderschön und interessant ist. Wir Europäer haben eine große Chance und sollten uns diese von all den Kritikern und/oder Neidern nicht zerstören lassen. Ganz klar ist, dass es in Europa immer Probleme gab und es diese auch in Zukunft weiterhin geben wird. Es ist nicht alles Gold, was glänzt, aber im Hinblick auf die architektonischen Highlights, die unterschiedlichsten Sprachen und die große Vielfalt der verschiedensten Kulturen ist Europa großartig und sollte somit unbedingt entdeckt und bereist werden.
Nur Mut, auf geht’s! Du bist nur noch wenige Mausklicks von deiner Buchung einer Reise in ein fremdes Land/eine fremde Stadt entfernt. Trau dich, aber bereite dich vor! Ganz egal, ob deine nächste Reise dich in Richtung Norden, Süden, Osten und/oder Westen führen mag, mit der Höflichkeit deiner Gastgeber wird es nirgendwo Schwierigkeiten geben. Europa ist es wert, bereist zu werden. Schließlich kann ich das nach allen besichtigten europäischen Hauptstädten auch guten Gewissens behaupten.
Mit diesem Buch möchte ich Einblick nur in gewisse Regionen und Städte geben. Um von allen Städten, die ich bereist habe, zu erzählen, würde hier den Rahmen sprengen. Daher gibt es Geschichten vorerst zu Metropolen in Italien, wobei hier Rom absichtlich weggelassen wurde. Helsinki und Tallinn teilen sich eine Geschichte, genauso wie Kiew und Chişinău. Riga, die Hauptstadt Lettlands ist mit von der Partie und auch der Balkan lässt grüßen.
Glaubt mir! In der Hoffnung, dass auch bei dir ein imaginärer Clown seine Späße treibt, wünsche ich zumindest schon einmal an dieser Stelle viel Spaß beim Reisen und gute Unterhaltung bei der Lektüre.
Gute Reise - Have a nice trip - Bon Voyage!
Es war mal wieder so weit: Drei Hauptstädte warteten auf mich, wovon ich eine schon zuvor bereist hatte. Aber zunächst begann alles mit einem Brief. In einem Newsletter vom Flughafen Nürnberg, meinem Heimatflughafen, werde ich regelmäßig über alle Neuigkeiten per E-Mail informiert. Sobald dieser Newsletter in meinem digitalen Briefkasten ankommt, bin ich in der Regel schon über alle neuen Flüge im Bilde. Der Flughafen Nürnberg tut sich hier etwas schwer, weil er geografisch fast in der Mitte zwischen den Großflughäfen in Frankfurt/Main und dem Franz-Josef-Strauß-Flughafen in München liegt. Die Flughäfen in Frankfurt/Main und München sind die beiden größten Flughäfen Deutschlands und daher ist es für Nürnberg nicht leicht, die z. T. selbst gesteckten Ziele einzuhalten. Auch mit Blick auf die Flugtarife hat der Albrecht-Dürer-Flughafen in Nürnberg noch Nachholbedarf.
Last, but not least wurde ich in diesem Fall per Newsletter darüber informiert, dass eine neue Low-Cost-Airline, eine sogenannte Billigfluggesellschaft, gefunden wurde, die zukünftig den Flughafen Nürnberg mit Skopje verbinden könnte. Skopje ist die Hauptstadt von Mazedonien, eine Stadt, in der ich bereits mit Freunden gewesen war. Von Sofia, der Hauptstadt Bulgariens, fährt man mit einem Auto in ca. zweieinhalb bis drei Stunden nach Skopje. Somit war das Angebot für mich persönlich hinfällig. Es war auf meiner Liste bereits abgehakt und somit eigentlich uninteressant. Skopje liegt jedoch geografisch im Norden von Mazedonien und somit fast unmittelbar an der Grenze zum Kosovo. Na, wenn das mal kein gutes Angebot ist! Ich las mir daraufhin nicht nur die Nachricht vom Flughafen Nürnberg mehrmals aufmerksam durch, sondern versuchte vergeblich, nähere Informationen bzgl. dieser Reiseoption zu recherchieren. Schließlich wollte ich ja den Namen der Billigfluggesellschaft herausfinden und erfahren, ab wann diese im Flugdienst für die Strecke Nürnberg – Skopje und umgekehrt tätig würde, ab wann diese Reise dann buchbar wäre und was diese kosten würde. Anscheinend war ich jedoch der einzige E-Mail-Empfänger, der mit all diesem »Blabla« nicht viel anfangen konnte.
Im Internet wurde ich nicht weiter fündig, sodass ich schließlich direkt eine E-Mail an den Flughafen Nürnberg schrieb. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten und der Inhalt war sehr ernüchternd. Man ging überhaupt nicht auf meine Fragen ein und speiste mich einfach mit dem Inhalt des Newsletters ab. Toll! Vielen lieben Dank, Flughafen Nürnberg! Aber nicht mit mir …Wenn man so einfach auf meine E-Mail antworten konnte, dann musste ich wohl zu anderen Mitteln greifen. Ich schrieb also einen Brief an den Flughafenchef, Herrn Dr. Ralf Schmidt. In diesem habe ich mich über die Antwort auf meine E-Mail-Anfrage beschwert und letztendlich noch einmal dieselben Fragen gestellt. Und es funktionierte. Nach circa drei bis vier Tagen erhielt ich bereits eine Antwort per E-Mail. Man konnte am Flughafen Nürnberg offensichtlich eins und eins zusammenzählen und somit direkt zuordnen, dass es sich sowohl bei der E-Mail-Anfrage als auch beim Brief um ein und denselben Absender handelte.
Die Assistentin von Herrn Dr. Ralf Schmidt entschuldigte sich daraufhin für diesen Fauxpas bzgl. der Antwort auf meine erste E-Mail und beantwortete mir alle meine Fragen.
Bei der Fluggesellschaft handele es sich um die ungarische Low-Cost-Airline »Wizz Air« und der Buchungszeitraum werde in den folgenden Wochen freigeschaltet, so die sinngemäße Antwort des Flughafenpersonals. »Warum nicht gleich so!«, dachte ich mir. Mit diesen Details konnte ich schon einmal arbeiten und meine Reiseroute austüfteln. Das besänftigte zwar meine Ungeduld, obgleich die genaue Reiseplanung, d. h. wie ich genau was und wann machen könnte, noch etwas Zeit in Anspruch nahm. Schließlich war der Moment endlich da und der Flug wurde zur Buchung freigegeben. Übrigens geschah dies, ohne eine weitere Ankündigungs-E-Mail vom Flughafen Nürnberg, was ich etwas schade fand, zumal dies aus meiner Sicht eine gute Werbung gewesen wäre. Doch die Sachbearbeiter bzw. die Werbefachleute werden sich schon etwas dabei gedacht haben. Ich sollte das vielleicht weniger kritisch hinterfragen.
Obwohl die Flugbuchung online bereits möglich gewesen wäre, wartete ich noch ab. Ich haderte noch, weil ich es mir noch nicht zutraute, diesen Flug alleine anzutreten. Schließlich war ich schon einmal in Skopje gewesen und müsste nicht noch einmal dort hinreisen, obwohl es mir damals sehr gut gefallen hatte. Auch wenn die Hauptstadt Mazedoniens einen guten Ausgangspunkt zum Bereisen des Kosovo geboten hätte, wusste ich nicht, ob ich das machen sollte. Kosovo – das klingt nach Krieg, nach Minengebieten, eingefallenen Häusern; Not und Elend bestimmten die Bilder, die sich mittels Nachrichten damals in meinen Kopf eingebrannt hatten. »Was willst du da eigentlich?« Nach mehreren Überlegungen dachte ich mir dann aber, dass Pristina, die Hauptstadt des Kosovo, schließlich auch zu den europäischen Hauptstädten gehört. Dieser Ort konnte nicht einfach ausgelassen werden. Ich kannte niemanden, der bereits dort gewesen war und den ich zum damaligen Zeitpunkt hätte fragen können.
»Was mache ich nun?«, dachte ich verzweifelt. »Mach es!« – bläute ich mir immer wieder ein. Notfalls würde ich nach Skopje zurückkehren, falls alles schiefginge und ich mich unsicher fühlen würde. Diese Art von Entscheidungen fällt mir grundsätzlich meist nicht leicht, aber nach einigen Überlegungen musste dann einfach eine Entscheidung her. Lieber eine falsche Entscheidung treffen als gar keine. Somit war der Groschen gefallen und ich entschied mich, mir das unbekannte Land bzw. die Hauptstadt genauer anzuschauen. Mehr noch, ein Blick auf die Landkarte und auch das Internet halfen mir dabei, eine Reise zu planen, die noch mehr Unbekanntes beinhaltete. Die Reiseplanung schaute jetzt folgendermaßen aus: Nürnberg (Deutschland) – Skopje (Mazedonien) – Pristina (Kosovo) – Tirana/ (Albanien) – Skopje (Mazedonien) – Nürnberg (Deutschland). »Wenn das mal gut geht?«, dachte ich sichtlich angespannt.
Nach den Anfangsschwierigkeiten ging es dann zu Punkt zwei in meiner imaginären Liste. Die Buchung des Fluges. Ein einfacher Punkt. Man benötigt einen Kalender und einen internetfähigen Computer. Man sollte sicher sein, dass auch das Bankkonto über mindestens 150 Euro verfügt. Dann kann es auch schon losgehen. Somit setzte ich mich vor den Computer und arbeitete mich Schritt für Schritt durch. Mit jeder weiteren Flugbuchung, die ich selbst online zu Hause machte, wurde ich sicherer. Somit war dies kein schwieriges Unterfangen und das Buchen war nicht besonders kompliziert. Für meine Wunschreisedaten waren noch Plätze frei, der Preis war mit 46 Euro für Hin- und Rückreise äußerst günstig, was auch den Geldbeutel freute; die Buchung erfolgte ohne Komplikationen. Der Preis beinhaltete keine Mitnahme von größerem Gepäck, was keine Überraschung für mich war. Für meine geplanten drei Übernachtungen reichte mir ein Handgepäckstück. »Das wird mein Rucksack werden«, dachte ich mir. Als Bestätigung wurde mir eine E-Mail zugesandt.
Der nächste Schritt war dann schon nicht mehr so einfach. Nein, hier ist nicht die Suche nach einem geeigneten Hotel gemeint, denn hiervon gab es viele. In meiner Vorgehensweise musste ich mich nun vielmehr mit der Frage auseinandersetzen, wie ich denn von A nach B käme, genauer gesagt, von Skopje nach Pristina. Das war nicht so einfach, wie ich dachte, und meine Internetrecherchen stießen hier an eine Grenze. Schließlich gelangte ich auf die Website des Busbahnhofs in Skopje, jedoch standen die Details alle in kyrillischer Sprache geschrieben und die englische Übersetzung befand sich »still under construction«, was ein Schild mit einem Ausrufezeichen neben einer Baustelle zu untermauern schien. Hier kam ich somit einfach nicht weiter. Weitere Seiten zeigten mir zwar, dass es prinzipiell Busverbindungen gab, aber ich wollte ja dann noch zusätzlich wissen, ob es auch am Abend noch eine Verbindung gäbe. Da ich hierzu keinerlei Informationen finden konnte, übersprang ich diesen Punkt, schrieb einige E-Mails an Touristen-informationen und diverse Reisebüros, aber die Antworten waren spärlich oder blieben einfach gänzlich aus.
Das letzte Puzzleteilchen, das mir nun noch fehlte und welches ich mir noch aussuchen musste, war ein Hotel. Ich buchte ein Zimmer in einem Hotel in Pristina, mit der Option, dieses kostenlos stornieren zu können, und fragte dort nach. Es funktionierte. Als Referenz für meine Anfrage konnte ich meine Buchungsnummer für das Hotelzimmer angeben und bekam eine anständige Auskunft. Für meinen Flug mit der Ankunft in Skopje am Abend gab es noch eine Nachtverbindung per Bus. Prima! Ich freute mich. Mit diesem einfachen Trick habe ich mir alle Informationen bezüglich der Busverbindungen einholen können. Diese Methode habe ich dann auch für die Weiterreise angewandt und alle Hotels standen mir Rede und Antwort. Bis ich verreisen konnte, hatte ich somit jede Menge Papierkram zu erledigen und anschließend in meinem Rucksack zu verstauen. Schließlich könnte ja etwas schiefgehen und ich müsste zu Plan B greifen, um in die nächste Stadt bzw. an das nächste Ziel zu gelangen.
Ein nicht einmal voller Rucksack wartete nun in meinem Schlafzimmer darauf, am darauffolgenden Tag mit mir zu verreisen. Wenn dieser Rucksack sprechen könnte, hätte ich viele Seiten auszudrucken. Der war auf fast jeder Reise dabei und hat dabei schon die halbe Welt gesehen. Ein letztmaliger Check sowohl am Computer als auch am/im Rucksack wurde von mir vorgenommen. Während viele Passagiere oder Verreisende sich hier beschweren, dass man doch mit Handgepäck nicht reisen könne, sehe ich hierin eigentlich nur Vorteile. Man kommt nicht in Verlegenheit, nicht noch das ein oder andere unnötige Teil mitzuschleppen, das man dann am Ende doch nicht benötigt. Das Fotoalbum mit den Lieben zu Hause, das dicke Stephen-King-Buch und das Reisebügeleisen konnten somit getrost in der Heimat zurückgelassen werden. Das ist letztendlich alles nur unnötiger Ballast. Sind der Reisepass, ein Geldbeutel mit etwas Inhalt, die Kreditkarte, ein Smartphone mit Ladekabel sowie alle Ausdrucke vorhanden? Dann kann es losgehen!
Die Verabschiedung von den Lieben zu Hause möchte ich stets möglichst schnell und undramatisch gestalten, was aber nicht immer so einfach ist. Während mein Reiseziel Kosovo nur etwas Stirnrunzeln bei allen Personen auslöste, riefen die Destinationen Tirana und/oder Albanien weitaus dramatischere Reaktionen in meinem persönlichen Umfeld hervor. »Mach das nicht, dort gibt es noch Blutrache!« »Was willst du denn dort?« Das sei eine ganz fremde Kultur und bei allen Aktenzeichen-XY-Sendungen seien es stets die bösen Kosovo-Albaner, die keine Skrupel hätten, Leute umzubringen – solche und ähnlich klischeehafte Äußerungen musste ich mir häufiger anhören und mir wurde immer wieder ein schlechtes Gewissen eingeredet. Doch nicht nur das: auch Ängste wurden durch solche Aussagen geschürt.
Dabei ist die Angst letztlich ein schlechter Reisepartner. »Aber etwas ängstlich darf man schon sein!«, dachte ich mir. Schließlich bin ich nicht der erste Tourist dort und es sind ja auch noch andere Fremde vor Ort. Außerdem hatte ich doch schon alles durchgeplant, was ja nicht einfach gewesen war. Vor allem die Busverbindungen, die ich ja nicht online buchen konnte, waren sehr kompliziert herauszufinden gewesen. Meine Hoffnung lag darin, dass ich schon noch einen Platz in dem Bus ergattern könnte, den ich bräuchte. Wie hier in Deutschland auch, wäre hier der erste Gang somit der zum Busbahnhof.
Mit der Angst im Herzen fuhr ich dann mit meinem Auto nach Bayreuth. Dort traf ich mich mit Katrin. Sie hatte ein Angebot auf der Plattform einer Mitfahrzentrale namens »BlaBlaCar« eingestellt und wir hatten ausgemacht, dass wir uns um 14:00 Uhr am Bahnhof in Bayreuth treffen würden. Von dort könne ich mit ihr bis nach Nürnberg fahren. In unmittelbarer Nähe des Bahnhofes sind grundsätzlich alle Parkplätze kostenpflichtig und somit parkte ich in weiser Voraussicht etwas außerhalb. In einer Drogerie, die auf dem Weg lag, kaufte ich mir noch eine Sonnencreme, da ich zu Hause keine mehr gefunden hatte. Bereits an der Kasse vibrierte mein Handy. Da ich aber gerade beim Abkassieren an der Reihe war, konnte ich in diesem Moment nicht rangehen. Nur wenige Sekunden später hatte ich dann schon vier Nachrichten auf meinem Handy.
Nachricht 1: Hallo Frank, hier ist Katrin, deine Mitfahrgelegenheit. Ich bin just im Moment schon ein paar Minuten eher am Bahnhof. Bist du schon da?
Nachricht 2: Stehe am geöffneten Kofferraum und sortiere um.
Nachricht 3: Ich schüttele gerade mein Haar und mache kreisende Bewegungen mit meinem Kopf.
Nachricht 4: Ich setze meine Sonnenbrille auf. Bist du da?
Was sollte ich dazu sagen? Katrin schien sehr aufmerksam zu sein. Ich antwortete ihr Folgendes:
Huhu Katrin, bin in zwei bis drei Minuten da. Bitte warte noch so lange! Ich bin blond und verhalte mich meistens auch so. Und dann noch dazu ganz blau – jedoch nur die Kleidung
All die Beschreibungen von ihr machten es mir leichter, sie zu finden. Bei Buchung einer Mitfahrgelegenheit bekommt man meist die Marke des Autos und evtl. die Farbe und/ oder das Kennzeichen mitgeteilt. Das hätte mir auch gereicht, aber Katrin hatte mir ja jedes Detail kommuniziert. Katrin war 26 Jahre alt und hatte lange braune Haare. Sie trug ein grünes Top und eine weiße, nicht ganz knielange kurze Hose. Sie hatte eine sportliche Figur und lachte schon von weitem. Wir verstanden uns von der ersten Sekunde an super. Katrin stammte aus Nürnberg und hatte eine Freundin in Bayreuth besucht. Sie bat mich, ihr den Weg zur Autobahn zu beschreiben, da sie sich in Bayreuth nicht so gut auskenne. Wir standen noch am Auto und haben uns unterhalten. Sie hatte ihre Sonnenbrille vor der Begrüßung in die Haare gesteckt und rauchte eine Zigarette zu Ende; und wir waren bereits am Quatschen und Quatschen …
Die Zeit bis Nürnberg reichte überhaupt nicht aus, weil wir uns so gut verstanden. Ich erzählte ihr ein paar Geschichten von meinen vorherigen Reiseabenteuern und Katrin war es, die mir sagte, dass ich das aufschreiben solle. Da sie in einem Verlag arbeitete, konnte ich sie daraufhin noch einmal fragen, wie denn so etwas vonstattengehe. Ein eher zähflüssiger Verkehr auf der Autobahn 9 (A9) und noch dazu die Nachricht im Verkehrsfunk hatten uns beide dazu veranlasst, nicht bis der eigentlich angedachten Ausfahrt abzufahren, sondern bereits eine Ausfahrt früher zu nehmen. Es war wirklich viel los auf der Autobahn. Hier beichtete ich Katrin, dass ich mich nun aber nicht mehr auskenne, während sie mir antwortete, dass sie jetzt dafür aber Bescheid wisse. Da Katrin nur wenige Straßen vom Flughafen entfernt wohnte, fuhr sie mich direkt zum Flughafen. Es sei kein großer Umweg – so Katrin. Somit hatte ich mir die U-Bahn-Fahrt vom Hauptbahnhof Nürnberg bis zum Flughafen gespart.
Noch vor dem großen Eingangstor des Flughafens hatte ich bereits zwei von vier Zielen an diesem Tag erreicht. Das erste Ziel lautete, dass die Fahrt mit der unbekannten Katrin klappte. Das zweite Ziel war dann der Flughafen Nürnberg. Das dritte Ziel beinhaltete die Ankunft in Skopje und das vierte die Ankunft in Pristina.
Die Verweildauer am Flughafen in Nürnberg gestaltete sich für mich nicht als sehr langwierig. Ich hatte bereits von zu Hause aus online eingecheckt und an der Passkontrolle war auch nicht viel los, sodass ich mich danach direkt zum sog. »Duty Free & Travel Value Shop« begab. Hier begann quasi meine Arbeit als »Buchhalter«: Da ich ja nur Rucksacktourist war und aufgrund der Sicherheitsvorkehrungen nur eine bestimmte Menge an Parfüm usw. in meinem Handgepäck mitnehmen durfte, musste ich jetzt genau rechnen. Der Inhalt in meinem Minikulturbeutel war mit Zahnhygieneartikeln und der in Bayreuth gekauften Sonnencreme bereits ausgefüllt. Da ich aber Zeit hatte, prüfte ich in den Regalen nun alle Herrenparfüms danach, welches das teuerste war. Endlich fand ich heraus, welcher Duft nun am besten passen würde. So 15- bis 20-mal drückte ich schon auf die Testflasche und ließ den Flakon sprühenderweise praktisch von Kopf bis Fuß an mir herabwandern. Der Test auf den weißen Streifen wanderte schließlich auch noch in meinen Rucksack, damit dieser auch etwas vom guten und teuren, aber gratis erhaltenen Duft abbekam. Mein armer Nachbar, der auf dem Flug nach Skopje neben mir sitzen durfte/musste, bekäme von dem Duft bestimmt Kopfschmerzen. Aber das sollte nicht mehr meine Sorge sein. Schließlich war dieser Duft teuer und dann auch bestimmt gut; das könnte man notfalls schon ein paar Stunden aushalten. Mir persönlich wäre so ein Flugnachbar jedenfalls lieber, als ein Mann, der nach Achselschweiß riechen würde und verschütteten Tomatensaft auf seiner Kleidung, wohlgenährt und vielleicht gar noch Mundgeruch hätte. Es würde dann nur noch fehlen, dass Essensreste in seinem Oberlippenbart zu sehen wären und er mir die endlose Geschichte seiner Scheidung erzählen würde. Ich wollte jedoch nicht den Teufel an die Wand malen; zudem war der Flug ja auch kein Langstreckenflug und die kurze Zeit von ca. zwei Stunden würde ich schon irgendwie überbrücken können.
Bevor dann endlich das Boarding losging, musste ich noch einmal die Toilette aufsuchen, dieses Phänomen ist mir auch schleierhaft. Nach wirklich vielen Flügen bin ich hier routiniert, aber eine zweimalige Pinkelpause ist an den Flughäfen völlig normal für mich. So viel hatte ich doch gar nicht getrunken? Am Flughafen in Miami war es ja damals erklärbar, dass ich ca. 25-mal pinkeln musste, weil noch ca. fünf bis sechs Flaschen Wasser vernichtet bzw. ausgetrunken werden mussten, bevor wir den Zoll passierten. Wir hatten uns damals in Miami für das Austrinken entschieden. Als Franke kennt man ja das Sprichwort »Lieber den Magen verrenken, als dem Wirt etwas schenken«. Aber jetzt in Nürnberg – es wird mir auch weiterhin ein Rätsel bleiben, was aber auch eigentlich gar nicht so wichtig ist.
Die Damen und Herren am Boarding Gate wurden nervöser und immer betriebsamer, bis der Flug dann doch endlich aufgerufen wurde:
Passagiere, gebucht auf den Flug Nr. XY nach Skopje mit »Wizz Air« werden gebeten, sich zum Gate Nr. XY zu begeben.
Dies erfolgte auch in einem nuschelnden Englisch, ähnlich wie bei Pilotendurchsagen im Flugzeug, wo ich auch nur immer die Hälfte verstehe.
Passengers, booked on flight no. XY to Skopje with «Wizz Air” are requested to come to Gate XY.
Während bei einem »normalen” Flug der Gang durch eine Gangway ins eigentliche Flugzeuginnere führt, ist dies bei einer Billigfluggesellschaft oft nicht der Fall. Da die Gebühr für die Beförderung via Gangway hier häufig eingespart wird, darf man dann »ganz normal«, also fußläufig das Flughafengebäude verlassen. Dies geschieht dann unter Aufsicht der sog. Vorfeldkontrolle, deren Hauptaufgabe es ist, im Rahmen der Verordnungen einen sicheren, verzögerungsfreien und ordnungsgemäßen Rollverkehr der Luftfahrzeuge zu gewährleisten. Diese 40 bis 50 Meter sind jedem zuzumuten und waren somit auch kein Problem für mich. Als ich dann direkt vor der »Wizz Air«-Maschine stand, kam mir diese wirklich riesig vor, ganz anders, als wenn man so ein Flugzeug via Gangway betritt.
Ich betrat vom hinteren Eingang über eine lange Treppe die Maschine und suchte meinen Platz, der mir beim Online-Check-in zugeteilt worden war. Der Platz wäre am Gang auf der rechten Seite gewesen. Da ich aber anscheinend mitten zwischen einer balkanischen Familie gesessen, von der jemand etwas weiter vorne auf der linken Seite am Fenster hätte alleine sitzen müssen, hat man mich mehr oder weniger per Handzeichen gefragt, ob ich nicht tauschen würde. Dieses Angebot ließ ich mir nicht entgehen. Erstens konnte ich der Familie somit helfen, zusammenzusitzen, und zweitens konnte ich selbst am Fenster sitzen, was ich ohnehin bevorzuge. Hinzu kam der Vorteil, dass ich nur drei Reihen vom Notausgang entfernt saß. Eine Freundin sagte mir vor vielen Jahren, man dürfe in Flugzeugen maximal bis zu fünf Reihen vom Notausgang entfernt seinen Platz einnehmen, um bei einem wirklich eintretenden Notfall sicherzugehen, diesen noch erreichen zu können. Dieses nicht wirklich kritisch hinterfragte Argument hat sich in meinem Hirn festgesetzt, sodass ich meistens darauf achte. Ob es wirklich etwas bringt, möchte ich lieber gar nicht erst austesten.
Neben mir hatte ein junges Pärchen aus Nürnberg seinen Platz gefunden. Das bekam ich nur mit, weil die beiden ihre Hotelbestätigung in das Gepäcknetz vom Vordermann gezwängt hatten und ihre Adresse gut zu lesen war. Auch ein Naserümpfen aufgrund meines Parfüms konnte ich nicht bemerken, da die beiden damit beschäftigt waren, was man denn in Skopje so unternehmen könnte.
Leider sind in den Low-Cost-Airlines keine Bildschirme vorhanden, sodass ich mit dem Magazin und der dürftigen und auch etwas abgegriffenen Europakarte Vorlieb nehmen musste, um zu überprüfen, wie genau die Flugroute verlaufen würde. Der Flugkapitän sparte sich eine Ankündigung zum Streckenverlauf, sodass ich nur erahnen konnte, wie diese sich gestaltete. In Nürnberg gestartet, ging es zunächst in südöstlicher Richtung gen Graz (Österreich). Ab da flogen wir dann etwas südlicher über einen Korridor Ungarns, um von dort entlang der Grenze zwischen Bosnien-Herzegowina und Serbien den östlichen Teil des Kosovo zu überfliegen. Während ich am Anfang des Fluges noch über Österreich den herrlichen Ausblick auf die Alpen genießen konnte, war kurz vor der Ankunft die Landschaft ziemlich hügelig und wechselte zwischen grünen und ockerfarbenen Tönen, Berg und Tal. Ich konnte schon kleine Dörfer, aber auch Weinberge erkennen. Vielleicht handelte es sich hierbei schon um das sog. Amselfeld, das eine sehr fruchtbare Region im Kosovo sein sollte. Ich wusste im Vorfeld, dass dort Wein angebaut wird.
Die Ankunft in Skopje verlief reibungslos und ich muss dem Kapitän noch einmal nachträglich ein großes Lob aussprechen. Die Landung war sanft und angenehm. Die ersten Mobilfunktelefone surrten und klingelten in den verschiedensten Starttönen. Viele Passagiere klatschten auch, was mich verdutzt in die hinteren Reihen blicken ließ und worüber ich auch lachen musste. Bei mir klatscht schließlich auch niemand im Büro, wenn ich meine Arbeit korrekt erledige. Die Flugzeit von Nürnberg bis nach Skopje betrug insgesamt zwei Stunden und zehn Minuten. Nun war ich am Flughafen »Alexander der Große« und ich freute mich riesig, mein drittes Ziel an diesem Tag erreicht zu haben.
Diesmal durfte ich die Maschine über eine Gangway in das Flughafengebäude verlassen. Da ich ja ohne Gepäck reiste, konnte ich mir den Gang zur Gepäckausgabe sparen und begab mich direkt in Richtung Ausgang. Am Schalter der Grenzkontrolle wurde ich mit meinem deutschen Pass gleich durchgewunken und konnte mich gleich zur Touristeninformation im Eingangsbereich des Terminals begeben. Eine sehr freundliche Mitarbeiterin zeigte mir den Weg, wo ich den Bus finden könne, der mich zum Busbahnhof nach Skopje Innenstadt bringe. Bereits im Bus sagten vermutlich Mazedonier, die meinen Pass in der Hand sahen, »Merkel – very good« zu mir. Mit solchen Floskeln habe ich häufiger Schwierigkeiten. Antwortet man darauf oder wie reagiert man. Ich sagte lediglich »Thank you« und das war’s.
Der Bus brachte mich zum Busbahnhof und dort stand ich dann in einer Warteschlange am nächsten Informationsschalter. Das Warten dauerte aber nicht lange und mir wurde der Schalter Nr. 4 zugeteilt. Die etwas genervte Dame fragte mich zweimal, ob ich wirklich nach Pristina reisen wolle. »This is the last Bus«, teilte sie mir mit, was ich ja schon wusste. »Genau deshalb möchte ich diesen ja noch erreichen!«, dachte ich mir. Ansonsten hätte ja mein Terminplan nicht mehr gepasst. Ich zahlte das Ticket in Euro, obwohl Mazedonien den sog. »mazedonischen Denar« als Währung hat. Vor dem Kleinbus stand bereits eine kleine Gruppe von Menschen, die darauf wartete, dass der Fahrer die Schiebetür öffnete. Schließlich war ich an der Reihe und zeigte dem Busfahrer mein Ticket.
Es war mittlerweile dunkel geworden und ich nahm meinen Platz im Bus ein. Eine junge Frau mit schwarzen Haaren setzte sich neben mich. Wir schwiegen uns einige Minuten an, bis sie mir sagte, dass ich ihr schon am Flughafen Nürnberg aufgefallen sei. »Hoffentlich nicht bei meinem Besuch bei ›Travel Value‹«, hoffte ich, war aber gleichzeitig froh, dass das Eis gebrochen war. Sie fragte mich gleich, was ich denn im Kosovo machen würde, weil sie sonst niemanden der Flugpassagiere im Bus wiedererkennen könne. Ich erzählte ihr die Geschichte, dass ich alle europäischen Hauptstädte besuchen wolle und Pristina nun einmal dazu gehöre, ob ich nun wolle oder nicht. Dieses Programm fand sie super und sie ermutigte mich noch einmal dazu, auf jeden Fall, selbst in der späten Nacht, noch einmal in die Stadt zu gehen. Sie war 20 Jahre alt, stammte aus Regensburg und machte dort eine Ausbildung zur Bankkauffrau. Evelyn, so ihr Name, hatte einen Elternteil aus dem Kosovo und somit war sie öfter im Jahr in Pristina, um ihre Verwandtschaft und auch Freunde zu besuchen. Ihr Aufenthalt dort sei dieses Mal auch anders, so Evelyn. Sie singe sehr gerne und wolle sich am Montag mit Freunden in einem Tonstudio treffen und gemeinsam singen. Evelyn war sehr nett und wir haben uns auch gut verstanden. Wir machten gleich aus, dass wir uns nach der Ankunft ein Taxi teilen würden. »Dies ist doch hoffnungsverheißend«, dachte ich mir. Pristina würde mir gefallen, so Evelyn. Inzwischen war es Sonntagnacht und selbst zu jener späten Stunde herrschte noch viel Betrieb in der Stadt. Wir erreichten die Grenze zwischen Mazedonien und dem Kosovo und waren ungefähr 40 Minuten unterwegs.
Der Busfahrer kam zu uns und sammelte von jedem Passagier den Reisepass ein, stieg aus und ging in Richtung Wärterhäuschen. Hierbei hatte ich ein ganz mulmiges Gefühl, weil ich meinen Reisepass nicht gerne abgebe. Aber da alle anderen dies auch anstandslos taten, verhielt ich mich ebenso. Es dauerte, mit ca. 20 Minuten, für meine Verhältnisse relativ lange, bis hier mal wieder etwas geschah. Der Busfahrer kam schließlich mit dem düster dreinschauenden Wärter in den Kleinbus zurück und rief alle Passagiere mit ihren Vornamen auf. Ich kam an vierter oder fünfter Stelle und aufgrund der Farbe meines Passes wurde dieser noch einmal genauer betrachtet. Der Wärter fragte dann in die Runde: »Frank – Frank Ribery?« Ich meldete mich, lachte und antwortete nur: »Frank, Yes, no Ribery.« »Ah … deutsch« war seine Antwort und der ganze Bus lachte, nur ich nicht. Wie hätte ich mich verhalten sollen? Ich weiß es nicht.
Nach dem Passieren der Grenze sind wir dann noch ungefähr eine Stunde lang gefahren, bis Evelyn zu mir sagte, wir seien jetzt da. Ich konnte es nicht glauben und daher habe ich noch zwei weitere Male nachgefragt, ob dies wirklich der Busbahnhof von Pristina sei. Der Kleinbus hielt nämlich an einer etwas breiteren Straße am Rand und der Platz, wo man aussteigen konnte oder musste, war weder asphaltiert noch gepflastert oder anderweitig befestigt. Das war also mein erster Schritt in einem neuen Land. Auf einem Acker unweit eines Grabens an einer viel befahrenen Straße. Die eigentliche Ankunft in Pristina hatte ich mir etwas anders vorgestellt, wie genau, ist schwer zu beschreiben. Anders, aber nicht so. Aber ich war dennoch beruhigt, da Evelyn ja bei mir war und sie sich noch von allen anderen Passagieren auf Albanisch verabschiedete. Sie winkte ein Taxi heran und besprach noch kurz etwas mit dem Fahrer. Wir hatten ausgemacht, dass wir uns die Taxifahrt teilten.
