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Als er zwar altershalber, aber dennoch überraschend im Gefängnis stirbt, hat er den Verbleib der Beute nach wie vor nicht preisgegeben. Vergebens haben die Behörden, Ermittler und Staatsanwaltschaft, aber auch noch andere, darauf gehofft, er würde das Geheimnis doch noch lüften. Die Hoffnung war vergebens - bis bei seinen Sachen unerwartet neue Informationen auftauchen und die Jagd von vorne beginnt. Wer macht sich auf die Suche? Wer verfolgt welche Agenda? Und findet jemand die Beute tatsächlich? Oder etwas anderes? Hier wird weder gemordet noch geballert, es gibt bloss ahnungslose, (relativ) normale Menschen die in ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang gezogen werden, was an sich verkraftbar wäre, kämen nicht noch persönliche Turbulenzen hinzu.
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Seitenzahl: 738
Veröffentlichungsjahr: 2023
Frank Schindel
Uphill Story
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Inhaltsverzeichnis
Titel
1.Der Brief
2.Der Auftrag
3.Der Kontakt
4.Der Besuch
5.Die Geschichte
6.Die Tatsachen
7.Der Versuch
8.Der Aufbruch
9.Das Foul
10.Das Timeout
11.Die Wanderung
12.Das Wochenende
13.Die Erholung
14.Der Ausbruch
15.Die Freiheit
16.Das Verschwinden
17.Das Leuchtfeuer
18.Der Spass
19.Die Sorte
20.Das Jäten
21.Das Erbe
22.Die Befreiung
23.Das Reptil
24.Das Loch
25.Der Kreis
26.Die Nacht
27.Die Arroganz
28.Die Melodie
29.Der Berg
30.Das Quietschen
31.Das Ei
32.Der See
33.Die Pfütze
34.Das Schwein
35.Das Zucken
36.Epilog
Widmung
Impressum neobooks
Nichts deutete auf eine Veränderung hin. Warum auch. Tat es das jemals? Er lenkte den Wagen durch die Einfahrt in die Garage und parkte auf dem angemieteten Abstellplatz. Der Tag war lang und die Arbeit mühsam und wenig erbaulich gewesen, nun freute er sich auf einen hoffentlich gemütlichen und erholsamen Feierabend. Auf dem Weg zum Haus machte er Halt beim Briefkasten, dem er schon von weitem ansah wie voll er war. Darin fand er das Übliche wie Rechnungen, Werbung und Gratiszeitungen, dazu einen Brief, den er nicht zuordnen konnte. Kein Absender. Auch ohne einen solchen konnte er bei den meisten Briefen erahnen, anhand der Frankatur zum Beispiel, von wem sie stammten, nicht so bei diesem. Wie er es sich zur Gewohnheit gemacht hatte, öffnete er ihn auf der Treppe nach oben. Er wollte nicht, dass Kitty ihn zuerst las. Der Brief könnte etwas enthalten, das zumindest unerfreulich oder auch lästig war. Vor solchen Überraschungen versuchte er sie zu schützen indem er ihr die Neuigkeiten in einem geeigneten Moment behutsam selbst beibrachte. Sie war zwar nicht gerade zart besaitet, aber sein Beschützerinstinkt fand das halt richtig so. Nicht, dass sie regelmässig solche Briefe erhalten hätten, aber eine vergessene Rechnung oder ähnlich unangenehmes konnte schon mal vorkommen. 'Clearwater Correctional Facility' lautete der Absender. Eine Strafanstalt? Merkwürdig. Er hatte in seiner Jugend ein-, zweimal Kontakt mit der Polizei gehabt, es waren keine gröberen Entgleisungen dabei gewesen, normaler Teenager-Unfug, aber der Schreck der ihn bei diesen Begegnungen jeweils durchzuckt hatte, war immer noch da. Ihm wurde ein wenig warm. War irgendetwas in letzter Zeit vorgefallen? Vielleicht etwas, woran er sich nicht erinnern konnte? Schon seit frühester Kindheit konnte er so in Gedanken versinken, dass er seine Umgebung kaum mehr wahr nahm. Kitty konnte ein Lied davon singen! Wie oft hatte sie mit ihm gesprochen, erwartet dass er ihr folgte und dann festgestellt, dass er nichts mehr davon wusste? Vielleicht hatte er eine rote Ampel missachtet, was leider tatsächlich schon mal vor kam. Oder etwas noch schlimmeres? Oder hatte der Brief am Ende gar nichts mit ihm zu tun? Die Adresse stimmte zwar. 'Mr. Otis Raines, Fullers Barn 11, 66971 Wildwood', las er. Kein Zweifel. Nicht an seine Frau, nicht an seinen Sohn. Nicht an sonst jemanden. Bereits begann er sich auszumalen, was für schlimme Dinge drin stehen könnten: ' ... erwarten Sie zu Ihrem Haftantritt ... ', ' ... wurden vom Zeugen XY belastet ... ' aber Moment! Hätte es vorgängig nicht eine Gerichtsverhandlung geben müssen? Also daran hätte er sich bestimmt erinnert. Seltsam, vielleicht war es eine Einladung zu irgendetwas? Quatsch, wozu konnte man in ein Gefängnis schon eingeladen werden? Tag der offenen Tür? 'Das freundliche Gefängnis in Ihrer Nähe lädt Sie zu einem gemeinsamen Bastelkurs mit den Insassen ein ... ', wohl kaum! Am Ende nahmen dies die Insassen noch wörtlich, 'offene Tür'! Bestimmt ein Versehen. Seiner Erfahrung nach gab es derartige Versehen aber leider eher selten. Es nutzte nichts. Er zwang sich weiter zu lesen: ' … bedauern sehr Ihnen mitteilen zu müssen, dass Ihr Vater während der Verbüssung seiner Haftstrafe in unserer Einrichtung verstorben ist.' Alles klar, dachte er. Also doch ein Versehen. Er hatte gar keinen Vater, also schon länger nicht mehr. Sein Schwiegervater konnte auch nicht gemeint sein, der verbrachte einen geruhsamen Lebensabend umsorgt von allerlei Bediensteten. Der hatte mit Strafvollzug jedweder Art bestimmt nichts zu tun. Eine weitere Möglichkeit fiel ihm aber auch nicht ein. Sein Name war nicht gerade selten, eine Verwechslung war noch wahrscheinlich. Also das hiess, so schnell wie möglich ans Telefon und da anrufen, die Sache klarstellen. Die Kontaktdaten waren fein säuberlich notiert, wie von einer staatlichen Stelle nicht anders zu erwarten. Wann waren die denn anzutreffen? 'Unsere Bürozeiten sind Montags bis Freitags von 9:00 bis 17:00 Uhr'. Ein rascher Blick auf sein Smartphone bestätigte, dass es für heute leider bereits zu spät war. Ärgerlich aber gut, dann würde es halt morgen sein müssen. Er öffnete die Wohnungstür und schickte ein fröhliches 'Hallo' hinein, so wie er es immer tat. Das 'Hallo' kam zweistimmig zurück und während er es zufrieden zur Kenntnis nahm, überlegte er schon, ob und wie er Kitty von diesem Brief erzählen sollte. Sagen würde er es ihr auf jeden Fall. Er musste daran denken, wie sehr es ihn ärgerte, wenn Menschen aus nichtigen Gründen nicht ehrlich zueinander waren oder gewisse Dinge einfach verschwiegen. Um dem anderen nicht weh zu tun? Ihn nicht zu beunruhigen? Na ja! Beim Abendessen würde er es vielleicht erzählen. Allerdings musste Hank, sein Sohn, es nicht unbedingt mitbekommen, das führte bloss wieder zu einem unangenehmen Anruf aus seiner Schule. Also lieber später. Oder doch bereits vorher? Es betraf ja ziemlich sicher keinen von ihnen und war so gesehen eine harmlose Angelegenheit. Dann konnte er es genauso gut gleich sagen. Er streifte sich die Schuhe ab und stellte sie ins Regal, hängte seine Jacke auf einen Bügel in die Garderobe und packte seine Utensilien aus der Umhängetasche aus. Als alles verstaut war, ging er ins Wohnzimmer, streichelte Hank, der in ein Videospiel vertieft auf dem Sofa lag, über den Kopf und wandte sich Kitty zu, die gerade die Katzen striegelte. Diese Katzen. Verloren Haare ohne Ende. Wenn sie nicht regelmässig ausgebürstet wurden, verteilten sie sich in den hintersten Winkel. Sie wurden mit Haare aufsaugen gar nicht fertig! Kitty schaute auf und er sagte:
»Hi Darling, du glaubst nicht was heute in der Post gewesen ist.«
In wenigen Worten und mit gedämpfter Stimme hatte er ihr das merkwürdige Schreiben geschildert und sie reagierte wie sie dies immer tat.
»Gib her, ich rufe da an.«
Sie liebte es, irgendwo anzurufen und Dinge in Ordnung zu bringen. Sie war sehr talentiert darin. Manchmal konnte er mit ihr über eine Idee sprechen, ganz unverbindlich, und am nächsten Tag teilte sie ihm strahlend mit, dass sie schon alles in die Wege geleitet oder besorgt hatte. Er musste vorsichtig sein mit dem was er vor sich her plapperte! Diesmal musste sie jedoch enttäuscht zur Kenntnis nehmen, dass es bereits zu spät war.
»Ich werde es gleich morgen Nachmittag erledigen, wenn ich frei habe.«, hörte er sich sagen. Erst gestern, ganz kurzfristig, hatte er sich Frei genommen, um sich auf sein Motorrad schwingen und eine kleine Runde drehen zu können. Seit Wochen hatte er darauf gewartet. Die letzten Monate über war er damit beschäftigt gewesen, kleine Dinge zu reparieren, neue Teile zu montieren und ein bisschen Tuning zu betreiben. Das Wetter hatte sich endlich gebessert, nach wochenlanger Kälte und Regen gingen die Temperaturen stetig nach oben und etwas Sonne war ebenfalls vorausgesagt worden. Der Winter war schlimm gewesen. Zwar kalt, aber nicht kalt genug, dass es mal richtig geschneit hätte. Trocken war es allerdings auch nicht geblieben. Hank war kaum einmal zum Spielen draussen gewesen. Aber in den letzten Tagen ging es bergauf.
Auf eine unruhige Nacht folgte ein ebensolcher Morgen. Er hielt die Sache mit dem Brief nach wie vor für einen schlechten Witz, oder was ähnlich abstruses und doch hatte es ihn merklich verunsichert und ihm grösstenteils bei der Arbeit die Konzentration geraubt. Zum Glück hatte er die wenigen dringenden Aufgaben auf der Arbeit aber rasch erledigen, endlich Feierabend machen und nach Hause gehen können, wo ihn Kitty mit dem Mittagessen empfing, aber prompt auch gleich an den Brief erinnerte.
»Rufst du da an, oder soll ich es tun?«, versuchte sie erneut, die Sache an sich zu reissen. Er wusste wie gerne sie es getan hätte, und obwohl er ihr Anrufe sonst mit Freuden überliess, wusste er auch, dass er diesen selbst erledigen musste.
»Nein, geht schon, ich werde selbst anrufen.«, sagte er bestimmt.
Dieser Anruf ... machte ihn nervös. Äusserst sogar. Nicht dass dies ungewöhnlich gewesen wäre, aber das Mass war schon enorm. Er hatte den Gedanken daran während des Morgens versucht zu verscheuchen, indem er etwa an die bevorstehende Spritztour dachte. Das ging nun nicht mehr, die Frist war abgelaufen, jetzt wurde es ernst. Da lauerte etwas, wovon er nichts wusste, weder beurteilen noch einordnen konnte, schlicht keine Ahnung hatte, ob es ihn nun betreffen würde oder nicht. Was steckte dahinter? Hatte er wirklich alle Aspekte seines Daseins so unter Kontrolle, dass es keine Überraschungen geben konnte? Er hoffte es inständig, die Wahrheit aber war, wohl eher nicht. Er war zuvor schon zum Spielball des Lebens geworden, ohne nachhaltigen Einfluss in welcher Form auch immer darauf nehmen zu können. Warum sollte ihm dies nicht wieder passieren? Nachdem Sie zusammen das Geschirr und die Küche in Ordnung gebracht hatten, verabschiedete sich Kitty um zur Arbeit zu gehen. Hank war wie gewohnt in der Schule geblieben, sodass er nun alleine war und in Ruhe seinen Anruf tätigen konnte. Nach längerem, mehrminütigem Zögern, angespannt und unsicher wählte er die Nummer, hin und hergerissen, ob er sich wünschen sollte, niemand nähme ab und gleichzeitig fast platzend vor Neugier. Kaum dass es angefangen hatte zu klingeln, kam die Verbindung zustande.
»Clearwater Correctional, was kann ich für sie tun?«, meldete sich eine Frauenstimme. Nach kurzem Zögern nannte er seinen Namen, grüsste knapp und verlangte jemanden zu sprechen, der über den Brief Bescheid wusste.
»Einen Augenblick, ich verbinde sie mit Sally Hutton, sie ist für derartiges zuständig. Aufwiederhören.«
Damit war sie aus der Leitung verschwunden. Das unvermeidliche 'Für Elise' in einer furchtbaren Synthesizer-Version erklang aus dem Hörer. Warum nicht mal 'Jailhouse Rock', dachte er sich. Es knackte in der Leitung und eine recht unwirsch klingende Stimme sagte kurz angebunden:
»Hutton.«
Mit einem Schlag traf ihn die Nervosität mit voller Wucht. Menschen mit forschem Auftreten hatten ihn schon immer verunsichert. Es brauchte bisweilen wenig, um ihm den Schneid abzukaufen, wenngleich er sich in dieser Hinsicht verbessert hatte, wie er glaubte. Trotzdem kostete es ihn einige Anstrengung, nun sein Begehren ruhig und sachlich vorzubringen. Er begrüsste sie, stellte sich vor und legte los:
»Bei ihrem Schreiben muss es sich um ein Versehen handeln, mein Vater ist vor 15 Jahren gestorben und in Haft war er schon gar nie.«
So, das war 's, die Dinge waren geregelt. Aber leider konnte er hören, wovor er sich insgeheim gefürchtet hatte, nämlich wie sie tief Luft holte. In diesem Moment wurde ihm klar, dass die nächsten Worte sein Leben auf den Kopf stellen würden. Nichts würde wie vorher sein, gar nichts. Er war sich sicher, das Leben wie er es bis dahin gekannt hatte, war vorbei. Was ging hier vor? Nichts was er bisher getan oder erlebt hatte war interessant genug gewesen, um daraus eine interesssante Geschichte zu erzählen, geschweige denn einen spannenden Film zu machen. Einen Lehrfilm für Psychologiestudenten vielleicht, oder allenfalls ein Streifen, der in muffigen Hinterzimmer-Kinos von Oberhipstern geschaut wurde. Er ahnte, nein wusste, dass sich dies gleich ändern würde.
»Ihr Vater hat erwähnt, dass sie das sagen würden.«
'Jetzt geht's los.', schoss es ihm durch den Kopf. 'Die bindet dir jetzt einen richtigen Bären auf.' Aber sie fing damit an, ihm persönliche Fragen zu stellen:
»Ihr vollständiger Name ist Otis Ezekiel Raines?«
»Äm, Ja.«
»Sie wurden am 18. Mai 73 geboren?«
»Ja ... schon.«
»Geburtsort ist Willoughby, im dortigen Medical Center?«
»Ja, verdammt!«
Hier unterbrach er sie. Was passierte da gerade? Er war in keiner Weise bereit, das Gehörte zu glauben. Das musste sich doch irgendwie aufklären lassen. Von Natur aus eher skeptisch, war ihm klar, dass Jedermann ganz leicht an diese Informationen kommen konnte. Das bewies gar nichts! Und er hatte nicht vor, sich noch mehr davon anzuhören.
»Gibt es irgendeinen Beweis für Ihre Behauptung?«, hörte er sich sagen. Seine anfängliche Unsicherheit war komplett verflogen. An ihre Stelle trat ärgerliche Ungeduld. Unverblümt antwortete sie mit:
»Eigentlich nicht, das heisst, noch nicht. Mit einem simplen Vaterschaftstest liesse sich dies ändern.«
Das hatte diese Person nicht wirklich gesagt! Das wäre ja noch schöner! Das ganze wurde ihm nun zu bunt.
»Hören sie, mir ist sch ... egal, wer der Mann war. Warum haben sie mich kontaktiert?«
»Wir haben hier noch ein paar persönliche Gegenstände von ihm.«
»Ja, und?«
»Ausserdem hat es hier noch einen Brief an sie.«
Okay, das war es also. Er musste sich entscheiden, entweder er erklärte ihr nun so anständig wie es ihm im Augenblick möglich war, dass sie sich ihren Brief sonst wohin stecken konnte, oder er spielte mit und fand heraus, wohin das führte. Da sein Leben nicht gerade von Aufregungen und Ausschweifungen geprägt war, und soweit er es beurteilen konnte nichts illegales vorgefallen war, das man ihm hätte anlasten können, entschloss er sich zu letzterem. Er war sich sicher, was auch immer da noch kam, er würde da schon wieder raus kommen.
»Wann kann ich vorbeikommen?«, fragte er.
»Wenn es ihnen passt, jetzt gleich.«
Mist, das passte ihm. Und eine Ausrede, so spontan, wollte ihm auch nicht einfallen. Also lag vor ihm eine Motorradspritztour ins Staatsgefängnis. Mal was anderes.
»Ich brauche etwa eine Stunde.«, hörte er sich sagen.
Damit verabschiedete er sich. So lange würde er zwar bestimmt nicht brauchen, aber einerseits musste er sich zuerst beruhigen, und andererseits wollte er unbedingt vorher Kitty noch Bescheid sagen, wie der Anruf gelaufen war. Ihre Unterhaltung war kurz. Sie war komplett auf seiner Seite. Bei wichtigen Dingen gab es ein Einverständnis zwischen ihnen, das ihre Beziehung gleichzeitig vereinfachte und bereicherte. Sie war mit dem weiteren Vorgehen einverstanden.
»Geh da hin und hör dir das mal an. Wenn dir das plausibel erscheint, können wir immer noch einen Test verlangen um sicher zu sein.«
Genau, bis jetzt war nichts verbindlich und er konnte jederzeit aus dieser Geschichte aussteigen. Während er sich seine Motorradsachen anzog, fing er an sich zu fragen, ob da vielleicht etwas dran war. Sein Vater wäre demnach nicht sein Vater. Kein Gedanke der ihn sonderlich durcheinander brachte. Er hatte sich vor allem in Kindheit und Jugend gelegentlich, also eigentlich öfter, gefragt, ob er nicht adoptiert worden war. Seine Eltern hatten fundamental andere Interessen, sie lebten einen Rhythmus der ihm suspekt war und hatten Ansichten und Meinungen die er einfach nicht nachvollziehen konnte, geschweige denn teilte. Aber dass sie tatsächlich nicht seine Eltern sein sollten, zumindest sein Vater nicht, kam ihm falsch vor. Hatte er sich das manchmal gewünscht? Ja, wahrscheinlich so wie die meisten Kinder. Aber hätte er dies tatsächlich gewollt? Diesen Gedanken verscheuchte er und dachte statt dessen an die bevorstehende Konfrontation mit dieser Dame. Wie hiess die noch gleich? Sally Hutton. Er hatte es versäumt zu fragen, in welcher Funktion sie tätig war. Überhaupt hatte er einige Fragen, die ihm während des Gesprächs nicht in den Sinn gekommen waren. Warum hatte der Mann eingesessen? Hoffentlich kein Gewaltverbrecher. Oder schlimmeres. Er mochte gar nicht daran denken. Er war vielleicht der Sohn eines irren Massenmörders. Bloss nicht! Und, woran war der Mann gestorben? An einer natürlichen Todesursache? Ein Unfall? Oder etwa ... ? Er dachte nicht weiter. Falls der Mann sein richtiger Vater war, hätte er schon in fortgeschrittenem Alter sein müssen. Also war eine natürliche Ursache wahrscheinlich, redete er sich ein. Er würde es herausfinden. Er schnappte sich seine restliche Ausrüstung, Helm, Handschuhe und Nierengurt und machte sich auf den Weg in die Garage. Den ganzen Winter hatte er sich vorgestellt, wie die erste Ausfahrt im Frühling sein würde, aber auf die jetzigen Umstände wäre er jedenfalls niemals gekommen! Seine kleine einzylindrige Maschine brauchte wie erwartet ein Weilchen, bis sie ansprang, rund lief und das monotone Knattern von sich gab, das er so sehr schätzte. Als er aus der Einfahrt auf die Strasse bog ging ihm durch den Kopf, wie sehr er sich normalerweise beim Motorradfahren entspannen konnte und wusste zugleich, wie sehr dies heute nicht der Fall sein würde.
Clearwater lag nur wenige Kilometer entfernt, zu nah, um direkt hin zu fahren, er wäre viel zu früh da gewesen. Weswegen er sich entschloss einen kleinen, zeitlich angemessenen, Umweg durch umliegende Dörfer zu nehmen. Die Topographie war ideal um gemütlich Motorrad zu fahren. Es gab viele kleine Erhebungen, durchzogen von ausgedehnten, flacheren Abschnitten. Die Strassen waren mehrheitlich sanft geschwungen und recht übersichtlich, gelegentlich kam ein Waldstück mit teilweise engen Kurven. Der Strassenbelag war vor allem ausserhalb von Ortschaften von guter Qualität. Insgesamt konnte man in dieser Gegend ordentlich Gas geben, auch ohne gleich zu rasen. Er nutzte dies gerne um seinen Kopf frei zu bekommen. Je näher er allerdings dem Ende der Fahrt und somit der Strafanstalt kam, desto mehr begannen unangenehme Fragen sich in sein Bewusstsein zu drängen. Gab es noch andere Verwandte? Waren diese ebenfalls aufgefordert worden, sich zu melden? Würde er sie treffen? Gab es für jeden einen persönlichen Brief, wie für ihn? Er schüttelte die Gedanken ab, als er in Clearwater eintraf. Die Strafanstalt lag am anderen, am westlichen Ende der Stadt, ein wenig ausserhalb. Er rollte mit der vorgeschriebenen Geschwindigkeit durch die Siedlung, betrachtete die provinzielle Bebauung und die kleinen Geschäfte, die die Hauptstrasse säumten. Er wohnte gerne in dieser eher ruralen Gegend. Zwar legte er Wert auf ein gewisses Mass an Infrastruktur, wie Krankenhäuser oder Schulen, aber die Enge einer Stadt hielt er einfach nicht aus. Er brauchte Weite, um atmen zu können. Er hatte lange in Willoughby, einer Stadt wenige Kilometer nördlich, gelebt, bis er es da nicht mehr ausgehalten hatte. Es schmerzte ihn noch heute, denn er hatte fast sein ganzes Leben dort gewohnt, die meisten Mitglieder seiner Familie lebten da, er war Fan der örtlichen Football- und Hockey-Franchises, und fühlte sich mit den lokalen Traditionen, von denen es nicht wenige gab, verbunden. Zudem hatte die Stadt einige nationale und internationale Bedeutung, sowohl im sportlichen, wirtschaftlichen wie auch im kulturellen Bereich. Insgeheim hoffte er, eines Tages einen Ort in dieser Stadt zu finden, an dem er es aushalten konnte.
Inzwischen hatte er das westliche Ende von Clearwater erreicht. Die Strasse stieg leicht an, beschrieb eine langgezogene Rechtskurve durch ein kurzes Waldstück und führte zu einer übersichtlichen Ebene, in deren Mitte die Strafanstalt thronte. Sie war von weitherum einsehbar. Er war noch nie da gewesen. Hatte sich zum Glück noch nie ergeben! Nachdem er am Ortsausgang nochmals richtig den Motor hatte hochdrehen lassen können, verlangsamte er nun um auf den Parkplatz einzubiegen. Die Besucherparkplätze waren gut ausgeschildert, es gab mehrere markierte Buchten an der Längsseite des schmucklosen, zweckmässig wirkenden Gebäudes. Er lenkte die Maschine in eines der markierten Felder, denn es gab keine ausgewiesenen Motorradparkplätze. Mehrere Fahrzeuge waren bereits auf dem Parkplatz abgestellt. Er zog seinen Helm und die Handschuhe aus, öffnete die Jacke einen Spalt breit, vergewisserte sich, dass er den Schlüssel abgezogen hatte, was er häufiger vergass als er zugeben mochte, und wandte sich in Richtung der Vorderseite des Gebäudes, wo er den Eingang vermutete. Rund um diesen Bereich und zur Strasse hin gab es gepflegte Rabatten mit den ersten bunten Blumen und einigen mittelgrossen Sträuchern. Auf der anderen Strassenseite lag ein Rastplatz mit weiteren Parkmöglichkeiten und einem kleinen Shop. Er dachte daran, anschliessend an den Besuch ein Eis zu holen, so wie er es häufig auf Ausfahrten tat. Leichte Übelkeit stieg nun allerdings in ihm hoch, als er sich dem Eingang näherte, die er begrüsste wie einen alten Freund, denn eigentlich hatte er schon viel früher damit gerechnet. Seit er vor ein paar Jahren ein Burnout erlitten hatte, gaben sich verschiedene psychosomatische Beschwerden die Klinke in die Hand. Ihm war klar, dem musste etwas zu Grunde liegen, das aber bisher, trotz seiner diesbezüglichen Bemühungen, nicht sauber abgeklärt worden war. Soweit war also alles normal. Ein rascher Blick auf die Uhr bestätigte ihm, dass es an der Zeit war hinein zu gehen. Er rief sich nochmals den Namen des Verstorbenen in Erinnerung: 'Walter Larson'. Er konnte den Namen nirgendwo einordnen. Noch nie gehört? War möglich. Schon mal gehört und wieder vergessen? Ebenso. Er wusste es nicht. Die Eingangstür an der er nun zog, liess sich trotz ihrer ausladenden Ausmasse erstaunlich leicht öffnen. Sie führte in einen im vorderen Bereich gut ausgeleuchteten Korridor, an dessen linker Seite die Öffnung eines Empfangstresens mit einer Glasscheibe in die Wand eingelassen war. Davor blieb er stehen. Eine uniformierte Frau schaute kurz von ihrem Schreibtisch auf, nickte ihm ohne weitere Regung zu und setzte sich anschliessend in seine Richtung in Bewegung. Ihre Begrüssung bestand aus einem fragenden Gesichtsausdruck.
»Ich möchte zu Sally Hutton, sie erwartet mich.«, versuchte Otis ihre Anforderungen zu erfüllen. Sie langte nach einem Klemmbrett und erwiderte:
»Sie müssen sich hier eintragen.«, womit sie es ohne weitere Worte praktisch in sein Gesicht schob. Das hatte also geklappt. Allerlei Fragen wurden ihm im darauf befestigten Formular gestellt, die er ein wenig verärgert aber wahrheitsgetreu beantwortete. Während dessen sprach die Frau kurz in ihr Telefon. Als er mit dem Fragebogen fertig war, näherte sich vom hinteren Ende des Korridors ein Mann, der er zuvor nicht bemerkt hatte. Er trug die gleiche Uniform wie die Dame vom Empfang. Grusslos und im Befehlston legte er los:
»Ich muss sie abtasten. Strecken sie die Arme aus, Beine auseinander.«
Otis gehorchte. Dann wurde ihm bewusst, dass er Motorradkleidung trug, mit allerlei eingenähten Protektoren und Sicherheitsfeatures die der arme Wärter nun abtasten musste. Dieser schenkte ihm einen eindeutigen Blick. Er hatte es also auch realisiert. Nach dieser scheinbar ewig dauernden Prozedur wurde er von dem Mann in das Gebäude hinein geleitet. Sie überwanden mehrere Stockwerke und Korridore bis Otis die Orientierung verloren hatte und sie vor einer unauffälligen Bürotüre ankamen. 'Counselor at Law – Sally Hutton' war darauf zu lesen.
»Sie können reingehen.«, sagte der Mann, drehte sich um und war auch schon verschwunden wie er gekommen war. Otis verharrte kurz, seine Übelkeit hatte noch eine Schippe drauf gelegt. Aber er holte tief Luft, klopfte an und trat ein.
Der Raum hatte etwas beengendes, betrübliches, geschuldet den altbackenen Regalen die zu beiden Seiten bis an die Decke reichten und gefüllt waren mit Büchern, Ordnern und allerlei Aufbewahrungsfächern die mit Papieren vollgestopft waren. Die Jalousie war halb heruntergezogen, wodurch eine schummrige Atmosphäre entstand. Hier müsste dringend mal gelüftet werden, dachte er sich. Vor dem Fenster stand ein ausladender, antiquiert wirkender Schreibtisch aus dunklem Holz, an dem eine Frau mittleren Alters sass. Ohne aufzuschauen sagte sie etwas unwirsch:
»Ja?«
Derselbe Ton wie am Telefon, hier war er richtig. Er antwortete mit:
»Ich bin Otis Raines.«
Er meinte gesehen zu haben, wie sie leicht zusammenzuckte, es kam ihm vor, wie wenn er eben das geheime Passwort genannt hätte. Jedenfalls stand sie ziemlich schnell auf, umrundete den Schreibtisch und streckte ihm ihre Hand entgegen.
»Schön, dass sie es einrichten konnten, ich bin Sally Hutton.«
Nachdem sie sich begrüsst hatten rückte sie einen einfachen Stuhl zurecht und forderte ihn auf:
»Bitte setzen sie sich.«
Während er dem nachkam, begann er mit:
»Also, warum bin ich hier?«
»Zuerst möchte ich ihnen nochmals unser Beileid aussprechen ... «, fing sie ihren Vortrag, dem Protokoll folgend, an. Er fiel ihr aber gleich ins Wort:
»Sparen sie sich das, ich kannte den Mann nicht. Sein Tod ist wahrscheinlich bedauerlich, aber er berührt mich nicht.«
Seine Anspannung in Verbindung mit dem Unwohlsein löste dieses unhöfliche Verhalten aus. Er wollte das Treffen so zügig wie es eben ging hinter sich bringen und hatte kein Verlangen, lange um den heissen Brei zu reden. Sie liess sich davon keineswegs irritieren, oder liess es sich zumindest nicht anmerken.
»Zum einen haben wir hier noch verschiedene Gegenstände aus dem Besitz Ihres Vaters, zum anderen ist da noch der an sie gerichtete Brief.«, machte sie ungerührt weiter.
»Können sie mir ein paar Informationen zum Verstorbenen geben?«, antwortete er und fuhr fort:
»Warum war er hier, wie lange hat er eingesessen, woran ist er gestorben? Was war er für ein Mensch?«
Zu seinem Leidwesen wurde ihm bewusst, dass diese Unterhaltung doch etwas dauern würde. Geduldig begann sie zu erzählen:
»Er kam vor rund acht Jahren zu uns. Wegen eines Raubüberfalls. Er hat zusammen mit drei Komplizen einen Geldtransporter ausgeraubt.«
Na toll, ein Dieb, dachte Otis.
»Es war am Tag nach dem Black Friday, die Geschäfte hatten grosse Mengen Bargeld eingenommen, die transportiert werden mussten. Über die Einzelheiten ist mir im weiteren nichts bekannt.«
Das war okay für ihn, er wollte es auch nicht wissen.
»Er war ein ruhiger Insasse, hat keinen Ärger gemacht und wusste sich zu wehren, falls es nötig war. Insgesamt ein angenehmer, netter, älterer Mann.«
Wieso raubt so einer einen Geldtransporter aus? Er wunderte sich schon länger nicht mehr darüber, warum Menschen taten was sie taten.
»Er war in fortgeschrittenem Alter, fünfundsiebzig Jahre alt. Er hatte eine Lungenentzündung, die er unseren Ärzten verheimlichte. Wir vermuten, er nahm an, hier eh nicht mehr raus zukommen.«
Arme Sau, ging es ihm durch den Kopf.
»Als es zu Ende war, haben wir bei seinen Sachen einen Brief an sie und dazu detaillierte Anweisungen gefunden.«
»Was für Anweisungen?«, rutschte es ihm heraus.
»Wir sollten unbedingt dafür sorgen, dass sie den Brief persönlich erhalten. Wir sollten uns vergewissern, dass sie der richtige Mr. Raines sind. Er hat jede Menge Details aus ihrem Leben aufgeschrieben, die Namen ihres Sohnes, ihrer Frau, die Geburtstagsdaten, Hochzeitstag, wann sie Ihren Abschluss gemacht haben und noch vieles mehr.«
Nun war er ziemlich beeindruckt. Wer zum Teufel war der Mann? Wie konnte das sein? Er begann die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, aber noch nicht zu akzeptieren, dass seine Familiengeschichte eventuell ein paar dunkle Flecken aufwies, was er insgeheim schon länger vermutete. Er überlegte, anschliessend seine Mutter anzurufen. Was sollte er sagen? 'Du, Mom, kann 's sein, dass du uns etwas verschwiegen hast?' Uns. Genau. Was war mit seinen Geschwistern? Warum sass er alleine hier? Dieser Frage wollte er unbedingt noch nachgehen. Ihm fiel auf, dass Sally weitersprach.
»Entschuldigen sie, können sie das wiederholen.«, fiel er ihr notgedrungen ins Wort.
»Selbstverständlich.«, antwortete sie.
»Die Staatsanwaltschaft hat angeordnet, den Brief zu öffnen. Da Ihr Vater als letzter der Bande verstorben ist, und keiner der Beteiligten über den Verbleib der Beute ausgesagt hat, erhofften die sich Antworten aus dem Brief.«
Er begann augenblicklich zu schwitzen. Das Geld wurde also nie gefunden. Das war 's also. Natürlich hatten jede Menge Leute Interesse daran, dieses Geld zu finden, angefangen bei den Versicherungen, die damals den Schaden ersetzen mussten, über die Strafverfolgungsbehörden, die mit der Peinlichkeit umgehen mussten, nichts aus den Verurteilten heraus bekommen zu haben, bis hin zu jedem Drecksack der je von dieser Geschichte gehört hatte, mit Geld konnte schliesslich jeder was anfangen. Mit dem Tod seines 'Vaters' war nun also die letzte Spur zu dem Geld erloschen. Sein, Otis', Besuch in Clearwater bedeutete demnach für alle Interessierten die Rückkehr der Hoffnung. Er war nichtsahnend in den grössten Schlamassel seines bisherigen Lebens gelatscht! Schon begann er sich auszumalen, zu welchen Mitteln die einzelnen Parteien greifen könnten. Ob er bedroht werden würde? Ob seine Familie in Gefahr geraten könnte? Bei so viel Geld! Wie viel war es eigentlich? Er sah Sally an, fragte sich, was er als nächstes sagen sollte und fing ihren Blick auf. Ihm war augenblicklich klar, dass sie seine Gedanken vollumfänglich erraten hatte. Auch offensichtlich war, dass sie sehr interessiert an möglichen Information von ihm war. Sie also auch. Er hatte von dieser ganzen Geschichte keine Ahnung. Er konnte sich nicht mal erinnern, je davon in einer Zeitung gelesen zu haben. Er wusste nichts! Und nun durfte er mit ziemlicher Sicherheit eine ganze Menge Leute genau davon überzeugen. Er sparte sich die Frage nach der Höhe der Beute, eine Sache mehr, die er nicht wissen wollte. Er wäre jetzt gerne gegangen. Der Brief interessierte ihn überhaupt nicht mehr. Vielleicht würde er darin die eine oder andere persönliche Information finden. Okay, was war da noch? Persönliche Gegenstände? Gut, etwas worauf er sich konzentrieren konnte. Ihm war mittlerweile richtig schlecht geworden.
»Welche persönlichen Gegenstände haben sie noch?«, rang er sich, bemüht zu einem raschen Ende zu finden, zu sagen durch.
»Hauptsächlich die Kleidung, die er bei Haftantritt getragen hatte und die Wertsachen, die er dabei hatte wie Geldbörse und Schmuck.«
All diese Dinge waren bestimmt schon unzählige Male durch- und untersucht worden und allem Anschein nach gaben sie keinerlei Hinweis auf den Verbleib der Beute. Ihm fiel nun zum ersten Mal die Tasche auf, die auf ihrem Schreibtisch stand und der sie sich eben zuwandte.
»Erst mal der Brief.«
Sie überreichte ihm einen quadratischen Umschlag der sich anfühlte, als ob eine Glückwunschkarte darin wäre. Ohne ihn genauer anzuschauen schob er ihn in seine Umhängetasche, die er beim Verlassen seiner Wohnung beinahe vergessen hätte mitzunehmen.
»Seine Kleidung, ein T-Shirt, ... «
Sie zog ein schwarzes Shirt hervor mit irgendeinem bunten Aufdruck.
» ... eine Hose, ... «
Eine Cargohose in einer von militärischen Einheiten bevorzugten Färbung.
» ... ein Paar Freizeitschuhe, ... «
Eine Art gesunder Turnschuhe für ältere Menschen.
» ... ein Gürtel, ... «
Stoff mit Schnalle, nichts besonderes.
» ... eine Geldbörse mit etwas Kleingeld, ein Ausweis und eine ... Mitgliedskarte in einem Billardclub, ... «
Die Börse war klobig, speckig und hatte eine verchromte Kette, die man am Hosenbund befestigen konnte. Otis mochte Billard und hasste den Anflug von Sympathie der in ihm hochstieg.
» ... und zum Schluss eine Halskette mit Anhänger.«
Dieses Stück liess seine Sympathie weiter steigen, ein kleiner Schädel der nach oben in den Kolben eines Verbrennungsmotors mündete. Genau die Art Schmuck, die er sich selbst auch kaufen würde. Dieses Teil sah sogar aus, wie wenn es schon Jahrzehnte getragen worden wäre. Insgesamt gefiel ihm die Kleiderwahl seines 'Vaters', alles schien ihm sehr vertraut. Aber bevor er noch rührselig wurde, wollte er ohne weitere Verzögerung gehen, durchatmen und sich in Ruhe durch den Kopf gehen lassen, was eben geschehen war, und wie das wohl weitergehen könnte. Während er Walters Sachen ohne viel Aufhebens in seiner Tasche verstaute schoss sie die obligate Frage ab:
»Ich muss sie das fragen, ... «, fing sie an. Ihm war schon klar, dass sie das musste, sie hatte nicht nur aus persönlichem Interesse die Verpflichtung.
» ... ob sie etwas über den Verbleib des Geldes wissen. Bevor sie antworten, mir ist bewusst, dass sie mit dem eigentlichen Verbrechen nichts zu tun haben und so wie es aussieht den Verstorbenen nicht einmal gekannt haben. Trotzdem, falls ihnen irgendetwas einfällt, was uns weiterhelfen könnte ... «
Er hatte sich bereits erhoben.
»Wenn ich nur die geringste Ahnung hätte, ich würde es ihnen sagen. Ich bin nicht an gestohlenem Geld interessiert, ganz egal wie viel es ist.«
»Es sind siebzehn -komma vier Millionen.«, sagte sie knapp. Kennt denn diese Frau überhaupt kein Erbarmen! Er wollte sich am Liebsten die Ohren zuhalten und anfangen zu singen, wenn es nicht zu infantil gewesen wäre! Er wollte das nicht wissen! Gar nichts davon! Er fühlte sich immer schuldiger, je mehr er über diesen Fall wusste. Er würde sich vermutlich wieder und wieder rechtfertigen müssen, wildfremden Menschen gegenüber. Mitleidlos hielt sie ihm inzwischen ihre Karte hin, mit der obligaten Ansage, er könne sie Tag und Nacht anrufen, wenn er auch nur auf den kleinsten Hinweis stossen würde. Sie fügte ein 'Bitte.' hinzu, was ihm reichlich merkwürdig erschien. Dass Sie ein persönliches Interesse an dem Fall hatte, meinte er, war ihm bereits aufgefallen. Dies klang jedoch, wie wenn sie sich Sorgen machen würde. Um ihn? Hoffentlich nicht! Um wen oder was sonst? Den Gedanken wollte er sich für später warm halten. Jetzt erst mal nichts wie raus! Er verabschiedete sich recht unbeholfen auf die höflichste Art die ihm gerade möglich war, ging rasch zur Tür und hörte sie gerade noch sagen:
»Ich muss sie begleiten bis zum Ausgang. Ist Vorschrift.«
Also gut, das Martyrium ging weiter. Widerwillig aber einsichtig fügte er sich. Er schlenderte mit ihr und seiner ganzen Anspannung durch die Gänge und hoffte, dass sie nicht noch Smalltalk machen wollte. Seine Befürchtung war glücklicherweise unbegründet, ihm fiel aber auf, dass sie ihn immer wieder verstohlen musterte. Er fühlte sich ausgestellt, ähnlich einem Tier im Zoo. Er wusste verdammt nochmal nichts! Das musste ihr doch klar sein. Was also sollten diese Blicke? Vielleicht steht sie ja auf dich, dachte er sich völlig unpassenderweise. Bei dem Gedanken musste er kurz lächeln, was ihr leider prompt auffiel. Sie schaute ihn direkt an und sagte fragend:
»Ja?«
Er vermutete, dass er rot wurde und er wusste auch sofort, dass er sich eben in die Nesseln gesetzt hatte. Er konnte ihr nicht sagen, weshalb er gelächelt hatte. Genau so wenig fiel ihm aber eine gute Ausrede ein. Und wenn er jetzt anfangen würde zu stottern, würde sie am Ende noch misstrauisch! 'Schnell, sag was! Etwas unverfängliches! Etwas harmloses!', schoss ihm durch den Kopf.
»Es hat mich bloss gefreut, sie kennen zu lernen.«, war das Beste, was ihm in den Sinn kam. Zum Glück hatten sie nun eben endlich den Ausgang erreicht. Er schlüpfte so rasch und geschmeidig durch die Tür wie er nur konnte. Ihre Entgegnung verstand er bereits nicht mehr. Draussen lehnte er sich erst mal gegen die Wand, wenige Meter neben der Tür, stützte sich mit beiden Händen auf seinen Knien auf und versuchte regelmässig zu atmen. Sein Plan hatte vorgesehen, sich hier kurz blicken zu lassen, mitzunehmen was sie ihm in die Hand drückten und anschliessend die ganze Geschichte zu vergessen. Sie als Anekdote behandeln, die man bei einem Nachtessen unter Freunden zum Besten geben konnte. Aber diese Entscheidung war ihm abgenommen worden. Da draussen lag irgendwo ein Berg Geld, in unnummerierten Scheinen, die nicht rückverfolgt werden konnten. Vermutete er zumindest. Wer immer ihn fand, konnte damit machen, was immer er oder sie wollte. Jede Menge Leute wussten darüber Bescheid und er, Otis, war anscheinend die letzte, übriggebliebene 'Spur'. Es war zum Heulen. Aber ihm war klar, dass er eine Entscheidung treffen musste, und er traf eine. Er konnte in nächster Zeit jedem sagen, dass er nichts weiss und hoffen, dass sie irgendwann aufhören würden zu fragen. Wahrscheinlicher war aber, dass es erst aufhören würde, wenn das Geld gefunden wurde. Also beschloss er, musste er beschliessen, sich an der Suche zu beteiligen. So unmöglich ihm die Sache auch vorkam. Das war aus seiner Sicht vermutlich die einzige Möglichkeit, so etwas wie die Kontrolle über sein Leben zu behalten.
Leichter Wind strich ihm um die Nase, die kühle, frische Luft hatte ihren Beitrag geleistet, dass er sich allmählich besser fühlte. Minutenlang hatte er nun so nachdenken können. Zuerst war er einfach nur froh gewesen, wieder draussen zu sein. Dann waren ihm aber immer mehr Dinge in den Sinn gekommen. Hätte er nach den sterblichen Überresten fragen sollen? Nach einem letzten Willen? Sollte er deswegen nochmals reingehen? Vielleicht, wenn es ihm nicht zu peinlich gewesen wäre. Das war keine Option. Er überlegte sich die unmittelbar nächsten Schritte. Zunächst, wenn er wieder daheim war, wollte er Kitty alles erzählen. Dann würden sie gemeinsam entscheiden, wie sie am Besten vorgehen sollten. Die Gegenstände, die er überreicht bekommen hatte, enthielten vielleicht Hinweise. Obwohl, er verwarf den Gedanken sogleich wieder. Die Sachen waren bestimmt schon dutzendfach überprüft worden, und hatten offensichtlich keinerlei Geheimnisse enthüllt. Sonst wären sie ihm nicht einfach so in die Hand gedrückt worden. Er konnte dieses Zeug genauso gut wegwerfen. Aber gut, zumindest hatte das Nachdenken, seine Überlegungen geholfen, ihn merklich ruhiger werden zu lassen und er fühlte neue Zuversicht in sich aufsteigen. Vielleicht fing er damit an herauszufinden, was an dieser Vater-Geschichte dran war. Er hätte es gerne als Mumpitz abgetan, konnte aber fühlen, wie es anfing an ihm zu nagen. Einen Test zu machen, kam für ihn erst mal nicht in Frage. Es musste noch andere Möglichkeiten geben, dem weiter auf den Grund zu gehen. Falls sich der Verdacht erhärtete, konnte er den Test später immer noch nachholen, sein 'Vater' würde schon nicht davonlaufen. Wieder musste er schmunzeln, und sich sofort unwillkürlich erschrocken umschauen. Nicht dass er erneut dabei beobachtet wurde und wieder in eine unangenehme Situation geriet! Er musste an Sally denken. Sie hatte, nach anfänglicher, unterschwelliger Ablehnung, freundlich und wohlwollend auf ihn gewirkt. Menschen einzuschätzen gehörte allerdings nicht zu seinen Stärken. Ihre Motive lagen für ihn für gewöhnlich völlig im Dunkeln. Ob sie aus beruflichen Gründen an ihm und dem Fall interessiert war, oder ob sie es vielleicht selbst auf das Geld abgesehen hatte, er konnte es nicht sagen. Genau so gut hätte es ihr egal sein können. Er wusste es nicht. Und würde es mit seiner Grübelei auch nicht herausfinden. Also wischte er diese Gedanken beiseite. Es war Zeit, nach Hause zu fahren. Er rappelte sich hoch, stellte sich aufrecht hin und streckte sich nach allen Seiten um die Anspannung, die sich unweigerlich eingeschlichen hatte, aus seinem Körper zu verscheuchen. Dabei blickte er um sich und betrachtete aufmerksam die Umgebung und den Rastplatz auf der gegenüberliegenden Strassenseite. Ein malerischer Ort, viel unberührte, im üppiger werden begriffene Natur, dahinter konnte er Spazierwege erkennen. Insgesamt sehr einladend, zum grillen etwa, wäre da das Gebäude in seinem Rücken nicht gewesen. Wer baut so was, und warum auf so einem Fleckchen? Für gewöhnlich vermutete er kapitalistische Motive dahinter. Clearwater durfte sich bestimmt mit einem stattlichen, staatlichen Schmerzensgeld über die Anwesenheit dieser Anlage hinwegtrösten. Das Eis kam ihm wieder in den Sinn. Er nestelte sein Smartphone aus der Hose, um auf die Uhr zu schauen. Spät war es noch nicht, bis Kitty und Hank nach Hause kamen würde es noch etwas dauern, und die Heimfahrt war auch nicht besonders lang. Das alles sprach für ein Eis. Er hielt Ausschau nach einer Markierung für Fussgänger die es nicht gab, wartete auf eine Lücke im Verkehr die alsbald kam, ging zügig über die Strasse und visierte den Shop an. Wie er es häufig tat, musterte er auch jetzt alles in seiner Nähe gründlich. Das zivile Polizeifahrzeug, das bereits bei seinem Eintreffen im hinteren Bereich des Parkplatzes gestanden hatte, war immer noch da. Dunkelblaue Farbe, Stahlfelgen und verchromte Radkappen, so gross wie Hundenäpfe. Nicht schwer zu erkennen. Es erschien ihm nicht ungewöhnlich, für einen Ort wie diesen war ein solches Fahrzeug vermutlich ganz normal. Er widmete sich dem Shop, dieser verfügte über einen schmalen Tresen der beiderseits gesäumt war mit einer umfangreichen Auswahl bunter Waren, Zeitschriften, Lottoscheine und jede Menge Süsskram. Dahinter hockte ein gelangweilt wirkender Angestellter der in einen kleinen Bildschirm vertieft schien. Otis blieb davor stehen, begrüsste den Mann freundlich, im Versuch ihn nicht zu erschrecken, und fragte nach kurzem Studium der Auslage nach der Auswahl an Eis. Unabsichtlich konnte er aus den Augenwinkeln erkennen, wie sich die Fahrertür des Polizeiwagens öffnete. Da er im Moment nicht annahm, dass ihn das etwas anging, widerstand er dem Reflex hinzusehen und konzentrierte sich stattdessen auf die Karte an der Seite des Tresens, auf die der Angestellte ihn aufmerksam gemacht hatte. Rasch hatte er sein Lieblingseis gefunden und wandte sich wieder dem Angestellten zu.
»Ich hätte gern das Stracciatella.«
»Ich nehme auch eines.«, sagte eine leicht rau klingende Stimme neben ihm. Etwas schneller als es ihm für seinen Geschmack angemessen erschien, wandte Otis sich ihr zu. Neben ihm stand ein drahtig wirkender älterer Mann mit grauen Haaren und kräftiger Statur, der gut einen halben Kopf grösser war.
»Gute Wahl.«, sagte Otis mit einem etwas skeptischen Lächeln in Richtung des Mannes und bemühte sich, entspannt zu klingen.
»Gleichfalls.«, kam es zurück. Sie warteten schweigend auf das Bestellte. Der Mann streckte eine Note Bargeld über den Tresen und sagte:
»Geht auf mich.«
Damit hatte Otis keine Mühe, ersparte ihm den Akt der Bezahlung, nicht etwa weil er knausrig oder so gewesen wäre, aber eine leise Furcht, seine Karte könne aus irgendeinem Grund nicht funktionieren, begleitete in dabei fast ständig. Und Bargeld hatte er sowieso meist keines dabei. Zum Bedanken kam er nicht, denn rasch folgte, was er bereits zuvor erwartet hatte.
»Auf Besuch gewesen bei jemandem?«, fing der Mann betont beiläufig an.
»Eigentlich nicht.«, antwortete Otis wahrheitsgetreu.
»Waren sie wegen Walter da?«, fuhr der Mann fort. 'Und schon geht 's los', durchzuckte es Otis.
»Entschuldigen sie, wer sind sie?«
Er war nicht gewillt, sich einfach so ausquetschen und zum Spielball machen zu lassen. Woher die Schlagfertigkeit kam hatte er keine Ahnung, aber das war ihm gerade völlig egal.
»Bitte entschuldigen sie, ich bin Luther Moody, ich war damals Mitglied der Einheit, die in dem Raubfall ermittelt hat.«
»Interessant, ... «, entgegnete Otis, und fuhr sofort fort: » ... was können sie mir denn dazu sagen?«
Er beschloss gleich Klartext zu reden und zur Sache zu kommen, das schien ja heute so sein Ding zu sein. Nun war der andere etwas überrumpelt, mit dieser Reaktion hatte er offenbar nicht gerechnet. Er versuchte, sich nichts anmerken zu lassen und entgegnete ungerührt, anstatt zu antworten:
»Sie sind also Otis Raines.«
Es war keine Frage sondern eine Feststellung. Der Kerl wusste genau, wen er vor sich hatte. Wenn er seine Hausaufgaben gemacht hatte, und dessen war Otis sich sicher, lag in seinem Wagen eine Mappe mit Fotos und Lebenslauf von Otis und allen die ihm nahe standen.
»Der bin ich, und ich muss sie enttäuschen. Bis vor kurzem wusste ich nicht mal, dass es Walter gibt.«
»Ich bin keineswegs enttäuscht, ich bin nicht davon ausgegangen, dass sie eine Ahnung haben.«, war die fast schon gelangweilte Antwort.
Gut. Wenn er das wusste, was wollte er dann? Aber er kam auch nicht dazu, das zu fragen, denn Luther lieferte bereits die Erklärung.
»Ich wollte sie nur warnen. Sie könnten zur Zielscheibe werden. Ausserdem möchte ich ihnen meine Hilfe anbieten.«
»Hilfe wobei?«, entgegnete Otis eher gereizt als besorgt.
»Ich gehe in den nächsten Tagen in den Ruhestand. Ich bin so lange dabei geblieben, wie der letzte der Gang am Leben war. Falls sich am Ende doch noch etwas tut. Da dies nicht geschehen ist, sollte der Fall offiziell geschlossen werden und das Geld wird als verschollen deklariert. Nun werden die Glücksritter aus ihren Löchern kommen und ich denke, sie könnten in nächster Zeit etwas Hilfe gebrauchen, am besten von Jemandem, der sich mit solchen Dingen auskennt. Ausserdem dürfte ihnen klar sein, dass sie diese Geschichte nicht einfach aussitzen können. Ihre Ruhe werden sie wahrscheinlich erst wieder haben, wenn das Geld gefunden wurde.«
Nette Ansprache, musste er anerkennen. Sie waren sich also einig, dass etwas unternommen werden musste. Da Otis aber auch über diesen Mann rein gar nichts wusste, geschweige denn über seine Motive, beschloss er, sich vor einer allfälligen Verbrüderung erst mal über ihn zu erkundigen. Doch das musste noch warten.
»Dann wussten sie also, dass Walter einen Sohn hat?«
»Ja, aber erst seit kurzem. Er hat 's geheim gehalten, vielleicht damit sie nicht in diese Sache hineingezogen werden.«
»Das hat ja jetzt nicht so gut geklappt.«
Zumindest seinen Humor hatte Otis wieder gefunden.
»Ja, stimmt. Sieht aus als wollte er, dass sie es erfahren, aber erst wenn er nicht mehr da ist. Ich denke, er hat sich wahrscheinlich schuldig gefühlt. Hat vielleicht den richtigen Zeitpunkt verpasst, um sich zu melden und irgendwann war 's halt zu spät.«
»Bei so was gibt 's doch keinen richtigen Zeitpunkt!«, platzte es aus Otis heraus. Die letzten Worte hatten ihn angepisst. Dieses Verhalten ergab für ihn überhaupt keinen Sinn. Dieser Mann soll sein Vater gewesen sein und behält das bis zuletzt für sich? Und seine vermeintlichen Eltern? Hatten all die Jahre nie eine Andeutung in diese Richtung gemacht, wenn es tatsächlich wahr wäre! Das konnte und wollte er sich nicht vorstellen. Warum die Geheimhaltung, er war schliesslich nicht der nächste Dalai Lama oder so! Oder? Aber ... wussten sie etwa gar nichts darüber? Wie war das möglich? Für die aufkeimende Verunsicherung war keine Zeit, er schüttelte sie rasch ab.
»Der Mann hatte über 40 Jahre Zeit sich zu melden und bringt es fertig vorher abzunippeln?«
Er wusste, dass Luther der falsche Gesprächspartner für diese Unterhaltung war. Der quittierte das Gesagte auch bloss mit einem Schulterzucken. Otis wäre jetzt gerne einfach gegangen. Wegen dem nur leicht angebissenen Eis konnte er sich aber nicht schnell verdrücken. Sein Anstand, obwohl in dieser Situation völlig unangebracht, meldete sich, es wegzuwerfen wäre unhöflich gewesen. Und einfach schweigend dastehen und essen empfand er als mehr als unangenehm. Anscheinend hatte Luther keine Meinung dazu, und auch keine Schwierigkeiten genau das zu tun. Er ass einfach schweigend weiter. Also tat Otis es ihm gleich und überlegte dabei, ob und welche Informationen er noch von ihm erhalten könnte.
»Gibt es eine letzte Wohnadresse? Irgendwelche Besitztümer ausserhalb dieses Gefängnisses?«
Ein mögliches Testament kam ihm wieder in den Sinn und dass er hätte Sally danach fragen sollen. Mist! Er würde sich in Ruhe Gedanken machen müssen, und anfangen, bestimmte Fragen und Informationen zu notieren. Gedanklich weiter kam er aber nicht, denn Luther begann nun zu erzählen:
»Er hat bei seiner Verhaftung in einer Mietwohnung gelebt, da war nichts zu holen. Wir haben sie damals gründlich auf den Kopf gestellt. Mehrmals sogar. Er hat auch kein Fahrzeug besessen, jedenfalls keines, das wir ermitteln konnten. Auch keine Immobilien, Grundbesitz oder ähnliches. Nicht einmal ein Bankkonto konnten wir finden. Ernsthaft, wir konnten gar nichts finden. Er war definitiv auf alles vorbereitet. Die Jungs haben den Transporter ausgeräumt und kaum war das Geld draussen, hat es sich in Luft aufgelöst. Sie zu ermitteln war vergleichsweise einfach. Sie trugen während des Überfalls keine Masken und versuchten erst gar nicht, unerkannt zu bleiben. Die drei Komplizen konnten wir anhand der Beschreibung der Fahrer ermitteln. Walter zu finden war ein bisschen schwieriger. Wir wussten von ihm und wer er war, aber er hat uns eine ganz schöne Zeit lang an der Nase herum geführt.«
Luther war in Fahrt gekommen. Otis sah ihm an, wie gerne er über den Fall sprach, wie viel Hochachtung er vor Walter und seiner Gang hatte. Offenbar hatte sich im Verlauf der Jahre ein freundschaftliches Verhältnis zwischen Ermittlern und Tätern entwickelt. Dieser Typ gefiel ihm. Er beschloss, ihm noch nicht zu sehr zu vertrauen, ihn aber in seiner Nähe zu behalten. Bei diesen ganzen Ermittlungen mussten doch Informationen angefallen sein, die in irgendeiner Form verwertbar waren.
»Bereicherung war offenbar nicht ihr Motiv. ... «, fuhr Luther fort.
» ... Keiner hatte sich mit dem Geld etwas angeschafft. Sie haben sich auch der Verhaftung nicht widersetzt, waren kooperativ, ruhig während der Verhandlung und haben alle das Strafmass ohne Aufhebens akzeptiert. Ihr gemeinsamer Anwalt hat keine überzogenen Forderungen gestellt oder ein lächerliches Strafmass verlangt. Sie schienen sich ihres Vergehens bewusst und bereit, die Strafe anzunehmen. Wir fanden später heraus, dass Walter die Jungs in Altenheimen rekrutiert hatte. Er suchte gezielt nach alleinstehenden, kinderlosen Männern, körperlich einigermassen fit, die noch eine Rechnung mit dem Leben offen hatten, mit ihrer Unterbringung nicht zufrieden waren, und denen es egal war, ob sie die nächste Mahlzeit von mürrischem Personal in einem Heim oder in einer Haftanstalt bekamen. Einfache Jungs die noch ein letztes Abenteuer erleben wollten. Der Überfall selbst war vollkommen gewaltfrei verlaufen. Sie hatten ein bisschen gebrüllt und ein wenig mit Waffen herumgefuchtelt. Allesamt Attrappen, die wir später sicherstellen konnten. Aber sie wussten die Namen der Fahrer und wo diese wohnten. Und auch die ihrer Frauen und Kinder. Das hat ausgereicht um die Fahrer zu überzeugen, schliesslich werden sie angehalten, nicht die Helden zu spielen.«
Luther hatte seine Redseligkeit sogar noch steigern können! Aus irgendeinem Grund passierte das Otis ständig. Leute erzählten ihm unaufgefordert ihre Geschichten. Natürlich hatte er Luther in diesem Fall etwas angestiftet. Aber er musste etwas Vertrauenswürdiges an sich haben, das andere motivierte, in seiner Gegenwart aus sich heraus zu kommen. Allerdings mochte er es nicht besonders, wenn andere ohne Punkt und Komma sprachen und ihn kaum zu Wort kommen liessen. Andererseits erfuhr er meist ziemlich viel und nützliches über die Leute, mit denen er zu tun hatte. Nicht dass es ihn jeweils sonderlich interessiert hätte, aber das gerade war nun definitiv eine Ausnahme.
»Also hat Walter das Geld gezielt gestohlen, weil er es für etwas bestimmtes brauchte?«
Die Frage schien für Otis auf der Hand zu liegen. Hoffentlich kam nun nicht wieder ein ausführlicher Sermon von Luther!
»Scheint so.«, war jedoch alles was dieser dazu zu sagen hatte. Otis konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Luther zwar ziemlich leutselig war, sich aber nicht zu sehr in die Karten schauen lassen wollte. Er schien ihn mit Informationen gefüttert zu haben und wartete nun ab, ob etwas zurück kam. Aber selbst wenn Otis gewollt hätte, er konnte ihm den Gefallen nicht tun. Die Unterhaltung, und auch der restliche Verlauf des bisherigen Tages, hatten ihn nun doch ein wenig geschlaucht, ausserdem hatte er endlich sein Eis aufgegessen. Der Zeitpunkt erschien ihm günstig, um sich zu verabschieden und vom Acker zu machen.
»Haben sie eine Karte?«, fiel ihm im letzten Moment noch ein und er fragte Luther danach. Dieser holte eine leicht zerknitterte Visitenkarte aus einer der Innentaschen seines Jacketts.
»Das Geschreibsel wird in den nächsten Tagen ungültig werden, die Nummer des Smartphones bleibt aber bestehen.«, war seine recht gelangweilte Erklärung dazu.
Damit streckte er sie in Otis Richtung. Dieser bedankte sich, verstaute sie achtlos, versprach noch sich zu melden wenn ihm etwas einfiele, murmelte bereits im Umdrehen begriffen einen Abschiedsgruss und wandte sich der Strasse zu.
»Übrigens, hübsche Maschine die sie da haben.«, hörte er Luther noch sagen.
Auf dem Weg über die Strasse zurück zu seinem Motorrad fühlte er sich merkwürdig beobachtet. Nicht von Luther, der hatte den Anstand besessen, ihn direkt anzusprechen. Andere hatten den vielleicht nicht. Er wollte sich erneut, diesmal allerdings unauffällig, umschauen, schaffte es aber nicht zu beurteilen, was unauffällig war und was nicht und liess es bleiben. Wenn er erst auf der Strasse wäre, könnte er zwischendurch die Rückspiegel kontrollieren, dann würde er schon merken, wenn ihm jemand folgte. Ihm fielen keine weiteren Fahrzeuge auf, die bei seiner Ankunft schon da waren. Nicht, dass er sich dies, ausser bei Luthers Wagen, der war einfach zu auffällig, gemerkt hätte. Da wusste er ja auch noch nicht, was er jetzt wusste. Er erreichte seine Maschine ohne in weitere Unterhaltungen verwickelt zu werden oder in sonstige Schwierigkeiten zu geraten. So rasch es eben ging montierte er seine Ausrüstung, startete das Motorrad und rollte es Richtung Strasse. Kurz durchzuckte ihn der Gedanke, ob jemand in der Zwischenzeit einen GPS-Tracker an seinem Bike befestigt haben könnte. Und wenn schon. Es gab vermutlich noch mehr Möglichkeiten, seine Bewegungen zu verfolgen. Er schüttelte auch den Gedanken ab, konzentrierte sich auf den Verkehr und wartete auf einen geeigneten Moment, um sich in diesen einzufädeln. Die Rückfahrt würde anstrengend werden. Sich auf den Verkehr zu fokussieren konnte er glatt vergessen, zu vieles ging ihm durch den Kopf. Wie würde Kitty auf all das reagieren? Er selbst neigte dazu, angesichts grosser Aufgaben durchzudrehen. Er sah das grosse Ganze, nicht aber den kleinen Anfang, den Punkt, an dem er den Faden aufnehmen konnte. Das führte zu Unentschlossenheit und dies wiederum zu völlig unangebrachter Passivität. Kitty war da ganz anders. Sie wusste meist sofort, wo sie beginnen sollte. Auch wenn sie manchmal damit falsch lag und ihm dies nicht immer sinnvoll erschien, ihre Methode sorgte für Fortschritt und führte schlussendlich zum Ziel. Das Wissen um genau diese Eigenschaft konnte er nun gut gebrauchen. Denn es half ihm, sich zu entspannen und den Verkehr zumindest soweit im Auge zu behalten, dass er möglichst heil zu Hause ankam.
Er spürte einen feinen Anflug von Euphorie. Etwas interessantes, spannendes war in sein Leben getreten. Unmöglich abzusehen, wo das alles hinführen würde, aber die Gleichförmigkeit seines Alltags war durchbrochen worden. Er führte insgesamt ein ruhiges Leben, eigentlich sogar sehr. Selbst gewählt, denn er hatte in der Vergangenheit die Erfahrung gemacht, dass Stress einen verheerenden Einfluss auf seine Gesundheit und sein Wohlbefinden haben konnte. Es hatte ihn regelrecht krank gemacht. Er hatte eine Reihe psychosomatischer Symptome entwickelt, mit denen sein Körper ihn darauf aufmerksam machte, wann er es gut sein lassen sollte. Anfangs hatte er Mühe gehabt, das alles richtig einzuordnen, mit der Zeit war es aber besser geworden. Er achtete auf sich, plante viel Erholungszeit in seinen Alltag ein und baute darauf, dass alles schon irgendwie gut gehen würde. Nun hatte er eine Aufgabe, die seine Bemühungen vermutlich auf eine harte Probe stellen würde. Aber was sollte er machen? Lapidarerweise was er immer tat, nämlich das beste daraus.
Die Heimfahrt verlief erfreulich ereignislos, er war bewusst nochmals ein paar Umwege gefahren um Zeit zu haben, seine Gedanken zu ordnen. Der Brief, die Habseligkeiten, die Unterhaltungen mit Sally und Luther. Wo sollte er anfangen? Als erstes wollte er den Brief lesen. Auch wenn darin keinerlei Hinweise zu finden waren, was das Geld anbelangte, so erhoffte er sich doch Antworten bezüglich der Vaterschaft. Wenig erstaunlich bescherte ihm der Gedanke, sein Vater könnte nicht sein Vater sein, kein Unbehagen. Er lebte in, nach seinem Empfinden, angenehmer emotionaler Distanz zu seiner übrigen Familie, insbesondere seiner Mutter, ausgenommen davon war bloss sein Bruder, sodass ihn in dieser Hinsicht diese neue Entwicklung nicht sonderlich beunruhigte. So lange keiner von ihnen in diese Sache mit hineingezogen würde, wovon er im Moment, ohne genau zu wissen weshalb, nicht ausging, würde es auch kein Aufhebens geben. Der Tod seines Vaters hatte damals aus seiner Sicht keine Lücke hinterlassen, die hätte gefüllt werden müssen. Genau genommen hatte es schon lange, eigentlich bereits vor seinem Ableben keine Vaterfigur mehr in seinem Leben gegeben, und er verspürte auch nicht das geringste Bedürfnis danach. Bisher hatte er sein Dasein mehr oder weniger auf eigene Faust, später zusammen mit Kitty gemeistert, und das hatte auch ausgereicht. Sie waren zwar gelegentlich in Schwierigkeiten geraten, aber nichts, aus dem sie nicht gemeinsam wieder herausgefunden hätten. Insofern stand er diesen neuen Tatsachen zwar neugierig und interessiert, aber auch nüchtern und distanziert gegenüber. Und empfand nichts davon als grossartig überraschend.
Nachdem er die ersten Häuser von Wildwood passiert hatte, hielt er sich nach dem Ortseingang nach rechts in Richtung Fullers Barn, einer langgezogenen, leicht gekrümmten Strasse, die am westlichen Ortsrand entlang führte und an der in unregelmässigen Abständen verteilt kleinere und grössere Häuser standen. Die Lücken dazwischen füllten Bäume und Buschwerk, teils mehr, teils weniger gepflegt, und gegenüber gen Westen folgte eine ausgedehnte Ebene, hauptsächlich Kulturland, durchzogen von Spazierwegen und schmalen, ausschliesslich landwirtschaftlich genutzten, asphaltierten Strässchen. Etwas, fiel ihm gleich auf, war anders als sonst. Zum einen war da der Verkehr. Es hatte ungewöhnlich viele Fahrzeuge für diese Tageszeit. Normalerweise konzentrierte sich der Verkehr auf die Hauptstrasse und die nahegelegene Schnellstrasse, ausser es gab eine Störung dieser Achsen in irgendeiner Form. Dann ergoss sich der Verkehr über die angrenzenden Quartiere und bewegte sich im Schritttempo vorwärts. Seltsamerweise, er war von der Hauptstrasse her gekommen, hatte da nichts auf ein aussergewöhnliches Ereignis hingedeutet. Beim Näherkommen wurde klar, dass sich die Fahrzeuge nicht etwa bewegten, sondern abgestellt worden waren. Und zwar nur teilweise auf regelkonforme Art. Das geschah hier häufiger. Am Rand der Ebene lag eine Sportanlage mit mehreren Feldern für Ballspiele, einer grossen Halle, Spielplätzen und weiteren Bereichen für allerlei Outdoor-Aktivitäten. Gelegentlich fand dort ein Event statt, ein Turnier in irgendeiner Sportart, ein Treffen von Motorradfreunden oder eine politische Versammlung. Meist wurden dabei die Verkehrsregeln bezüglich des Parkens mehr als grosszügig ausgelegt. Otis wusste nichts von einem Event, was noch nicht ungewöhnlich war. Hatte Kitty ihm davon erzählt und er hatte wieder mal nicht zugehört? Und ausserdem, fanden solche Events nicht für gewöhnlich an den Wochenenden statt? Fast am Ende der Strasse angelangt bremste er die Maschine ab um die abgestellten Fahrzeuge umkurven zu können und bog nach links, in die kleine Zufahrt zum Haus und der Garage ein. Auf dem angrenzenden Gehsteig zwischen Strasse und Haus standen Menschen in mehreren kleinen Gruppen beisammen und machten den Anschein, auf etwas zu warten. Teilweise konnte er Uniformen erkennen, jede Menge sogar, teilweise Anzüge. Und fast alle wandten sich in seine Richtung um als er um die Ecke bog. Er wäre beinahe gestürzt ob so viel Aufmerksamkeit. Entgegen seiner Gewohnheit fuhr er seine Maschine nicht in die Garage sondern stellte sie gleich neben die Einfahrt an den Rand des Gehsteigs. Was wollten diese Leute hier? Während er die Zündung unterbrach, den Ständer ausklappte und die Maschine langsam zur Seite neigte, konnte er sehen wie sich ein einzelner Mann aus seiner Gruppe löste und auf ihn zukam. Nach wenigen Sekunden war dieser bei ihm, sagte etwas und streckte ihm seine Hand entgegen. Da Otis noch seinen Helm auf hatte, konnte er kein einziges Wort verstehen. Er machte ein entsprechendes Zeichen, um den anderen darauf aufmerksam zu machen und begann, langsam seine Handschuhe auszuziehen. Er musste durchatmen und sich sammeln. Am besten, indem er jegliches Tempo aus seinem Handeln heraus nahm. Den Trick hatte er sich vor Jahren angeeignet, in einer Zeit, in der er häufiger unter Panikattacken gelitten hatte. Weil er vermutete, eine solche könne sich eben ankündigen, aktivierte er diesen Selbstschutz. Nach den Handschuhen streifte er sich den Helm ab, fuhr sich kurz mit der Hand durch die Haare, öffnete die Jacke um den Nierengurt hervor zu klauben und stopfte alles in den Helm. Dann erst sah er den Mann an. Jugendliches Äusseres, Anzug mit Krawatte. Ob billig oder nicht konnte er nicht beurteilen. Der Mann schien Dynamik und Zuversicht auszustrahlen.
»Entschuldigen sie, was haben sie gesagt?«
»Oh, tut mir leid.«, antwortete dieser.
»Ich bin Staatsanwalt Perry O'Conner. Sie sind Otis Raines?«
Es war mehr eine Feststellung als eine Frage. Schon wieder. Was wollte der Kerl? Und wozu hatte er eine Armee mitgebracht? Bevor Otis noch weitere Fragen in den Sinn kamen fuhr O'Conner fort:
»Es tut mir leid, dass wir ihnen diese Umstände bereiten müssen, aber ich habe hier einen Gerichtsbeschluss der uns die Durchsuchung Ihrer Wohnung erlaubt.« Und schon war die Übelkeit zurück.
»Äh ... «, fing Otis an, der Mann hatte ihn komplett überrumpelt. Wie sollte er sich verhalten? Kooperieren? Protestieren? Was bedeutete dieser Beschluss? Konnten sie ungeniert in seinen privatesten Sachen herumschnüffeln? Bevor ihm noch schlechter wurde beschloss er, dies nicht ohne weiteres hinzunehmen. Er hatte sich über weite Strecken seines Lebens zu vieles bieten lassen. Nicht dieses mal! Ohne ein Wort des Grusses legte Otis los:
» ... kann ich den Beschluss mal sehen.«
Auch dies war keine Frage. Fordernd streckte er O'Conner die Hand entgegen. Ohne auch nur eine Spur seiner Freundlichkeit zu verlieren nestelte O'Conner in seinem Jackett, zog einen Umschlag hervor und sagte:
»Selbstverständlich. Lassen sie sich ruhig Zeit. Wenn sie Fragen haben, werde ich sie ihnen gerne beantworten.«
Dieser Kerl war aalglatt und sich seiner Sache sehr sicher. Wahrscheinlich wusste er, dass Otis von diesem juristischen Kauderwelsch in dem Schreiben nicht all zu viel, wenn überhaupt etwas, verstehen würde. Ausserdem schien ihm klar zu sein, dass sich derzeit niemand in der Wohnung aufhielt und es deshalb keinen Grund zur Eile gab. Er würde die Durchsuchung durchführen können und vermutlich würde sie gründlich ausfallen. Otis gab sich die vergebliche Mühe zu verstehen, was in dem Wisch stand, aber eigentlich versuchte er nur Zeit zu gewinnen, um sich seinen nächsten Schritt sorgfältig überlegen zu können. Er hatte keinen Zweifel daran, dass mit diesem Beschluss alles rechtens war. Auch wusste er, dass es bei ihnen nichts zu finden gab. Trotzdem ärgerte ihn der Eingriff in seine Privatsphäre und in die seiner Familie gewaltig. Zudem konnte er es Kitty und Hank auch nicht ersparen, denn wenn sein Zeitgefühl ihn nicht täuschte, mussten beide demnächst nach Hause kommen. Zu leicht wollte er es diesem Staatsanwalt aber nicht machen. Bloss wie? Pragmatisch.
»Okay, warten sie kurz, ich stelle das Motorrad in die Garage dann können wir los.«
