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Ei, Büblein, glaub's schon, daß es schmeckt, So auf die Bank zu klettern Und da, behaglich ausgestreckt, Im Bilderbuch zu blättern! Gefällt dir jede Seite, gelt? Sind lauter schöne Sachen! Wer solchen Schatz im Arme hält, Der kann wahrhaftig lachen. Da weiß man nichts von Einsamkeit und nichts von Langeweile, Erst schaut mans an; und mit der Zeit Liest man auch manche Zeile. – Und bringt das liebe Christkind heut Dies Buch für eins der Kleinen, So wünsch' ich, daß sich's dran erfreut, Wie 's Büblein hier am seinen!
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Seitenzahl: 65
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Bilderbuch
Bilder
Text
idb
ISBN 9783961507399
Zuerst erschienen: 1906
Ei, Büblein, glaub's schon, daß es schmeckt, So auf die Bank zu klettern Und da, behaglich ausgestreckt, Im Bilderbuch zu blättern!
Gefällt dir jede Seite, gelt? Sind lauter schöne Sachen! Wer solchen Schatz im Arme hält, Der kann wahrhaftig lachen.
Da weiß man nichts von Einsamkeit und nichts von Langeweile, Erst schaut mans an; und mit der Zeit Liest man auch manche Zeile. –
Und bringt das liebe Christkind heut Dies Buch für eins der Kleinen, So wünsch' ich, daß sich's dran erfreut, Wie 's Büblein hier am seinen!
Warum nur alle Kinder jubeln, wenn die ersten Schneeflocken gegen die Scheiben tanzen? So freudig begrüßen sie doch nicht einmal im Frühling die ersten weißen Gänseblümchen auf der Wiese oder die lieben blauen Veilchen, freilich sieht sich's lustig mit an, wenn die zarten Sternlein dicht und dichter fallen, der Zaunpfahl allmählich eine weiße Kappe bekommt und das Hausdach einen dicken Pelzmantel. »Frau Holle schüttelt die Betten tüchtig!« sagt die Mutter, und die Kinder jubeln in Erwartung der kommenden Winterfreuden. Sie denken an Schlittenfahren und Schlittschuhlaufen, an Schneeballgefechte und an das Bauen eines riesigen Schneemanns.
»Hu, wie kalt!«
Wie schön ist's nun gar, wenn der heilige Christ großen und kleinen Leuten draußen die blitzende Winterherrlichkeit aufbaut und den kleinen dazu drinnen im Stübchen unter dem Lichterbaum beschert, was sie zu rechter Winterlust brauchen und schon lange ersehnten: den kleinen Schlitten und die blanken Schlittschuhe. O welche herrlichen Festtage gibt das! Die Wolken haben genug Schnee herabgeschüttelt, weiß und weich liegt die weite Fläche um das Haus her, und Maxi zieht die Pelzmütze über die Ohren und Fausthandschuhe an die Hände, um mit dem neuen Weihnachtsschlitten die erste Fahrt zu versuchen. Freilich will auch das Dahinsausen über die weiche Schneedecke erst gelernt sein, aber der Bub kann's schnell. Er ist sein eigenes Rößlein und sein eigener Kutscher; mit geschickten, kräftigen Fußstößen treibt er sein Fahrzeug vorwärts.
Das Mariele aber, sein dreijähriges Schwesterchen, das vom Fenster aus zuschaut, bekommt auch Lust aufs Schlittenfahren: »Is will auch!« sagt es und bettelt so lange, bis der gute Bruder es in ein warmes Tuch wickelt und in seinen Schlitten setzt. Das Kunststück aber, sich selbst zu fahren, bringt das Mädele noch nicht fertig, deshalb bindet Maxl einen Strick ums Fußbrett und spannt sich als Pferd davor. Hurra, welche lustige Schlittenfahrt! Erst ist's wonnig, und Mariele jauchzt vor Freude, bald aber wird's still, und wie der Bub sich nach ihm umschaut, sieht er ein paar helle Tränen in den Augen der Kleinen.
»Was ist denn, Mariele?« fragt er, sich zu ihr niederkauernd.
Aller Anfang ist schwer.
»Hu, is so kalt!« antwortet ein klägliches Stimmchen. Maxl lacht: »Bist eben noch zu klein, Schwesterl! Da, schau mich mal an, mir ist so warm, so warm!« Dabei leuchten seine Augen in heller Winterluft auf dem rosigen Gesicht. »So sind die Mädeles!« denkt der Sechsjährige überlegen, sein Schwesterchen in die warme Stube zurückbringend. Und: »Wir Buben sind doch ganz anders!« denkt er weiter, als er hinter dem Hause auf dem Teich sein vierjähriges Brüderchen sieht, das die ersten Versuche in der Kunst des Eislaufs macht. Es hat die Schlittschuhe angeschnallt, die ihm das Christkind gebracht, und die Maxl wohl kennt, denn es sind seine alten, die ihm zu klein wurden. Das Christkind hat sie mit seinem Freudenglanz so blank geputzt, daß sie dem Loisl funkelnagelneu in die Augen strahlten. Nun versucht er damit sein Glück auf der blanken Eisfläche. Es steht sich schlecht, es geht sich schlecht auf den schmalen Eisen, – mit dem schnellen Dahinfliegen, das er an den andern Buben bewundert, ist's noch nichts, aber – aller Anfang ist schwer und:
Jeder tapfre kleine Mann Versucht's so lange, bis er's kann!
»Frau Muhme,« sagt Krämers Lisbeth, »ich bitt'. Man spielt heut Komödie, kommen Sie mit?«
»Freilich,« meint Nachbars Kathrinchen,»ei, Beim Theatergehn bin ich gleich dabei!
Nur muß es in Mantel und Kappe sein, fürs Theater machen sich alle Leut' fein.« –
»Frau Nachbar, ich denke, das Publikum Guckt sich nicht viel nach uns beiden um,
Doch ich nehme mein neues Tuch um den Kopf. Dann sieht man nicht meinen verwirrten Zopf!« –
Und die beiden eilen zur »Goldenen Kron'«, Dort wartet das Kasperltheater schon.
Zwei Leut' sitzen da im »ersten Rang« Gemächlich auf der vordersten Bank,
Der Schorsch und die Traud mit dem Puppenkind; Sie rücken ein wenig zusammen geschwind.
»Ei, liebe Bekannte, das hat man gern!« Und die drei Damen umringen den Herrn.
Nun kommt's Julchen auch noch, und der herzige Schatz Schleppt sich selber heran seinen Logenplatz,
Denn je weiter nach vorn man sein Stühlchen zieht, Umsomehr man vom ganzen Spektakel sieht. –
So, jetzt kann's losgehn! – »Herr Nachbar, seht an, Das Kasperle ist doch ein närrischer Mann!
Den Riesenmund schaut nur! – Und wie er lacht! So herrlich hab' ich mir's kaum gedacht.
Wer ist denn der andere wohl? Ach so, Das ist der König Salomo!« –
Da kommt, bepackt mit der Bücherlast, von der Gasse herauf noch ein später Gast.
Es fehlen nur fünf Minuten an Zwei, Doch die Schule mag warten, ganz einerlei!
»So was sieht man selten!« denkt der Fritz Und nimmt sich auch einen Zuschauersitz.
Grad' tritt der bunte Hanswurstl auf, Und der gehörnte Teufel darauf.
Wie sie lachen und zanken und schwatzen! nicht, Man meint's kaum, daß nur das Hannchen spricht?
O, wenn nur nicht gar so schnell ein End' Die lustige Puppenkomödie fänd'!
Doch jetzt kriegt das Kasperl noch Schläge zum Schluß, Dann ist wirklich vorbei der Hochgenuß.
»Ihr Kinderleut', das Theater ist aus, Sagt schönen Dank und trollt euch nach Haus!«
Da schleicht sich der Fritz als erster davon, – Wär er doch nur erst in der Klasse schon,
Und des Herrn Lehrers Schelten vorbei! – O weh! die Turmuhr schlägt dröhnend halb Drei!
Nun wird es ihm wie dem Kasperl ergehn, Es gibt Schläg' und er muß an der Türe stehn.
Kasperltheater.
So ein rechter, klitschnasser Regensonntag ist's draußen, wo alle Dachrinnen zu tun haben und die Arbeit kaum schaffen können, wo selbst die Spatzen mit ihrem wasserdichten Röcklein am liebsten im Nest bleiben, und doch ein Tag, den eigentlich alle Kinder einmal ganz gern haben. Denn es ist ein heimlich behagliches Gefühl, nicht fort zu müssen zur Schule und innerhalb der vier Wände vornehmen zu können, was man gern tut. Die Mädels kramen ihre Puppenwirtschaft aus und bei den Buben kommen die Bilder- und Geschichtenbücher an die Reihe, die bei gutem Wetter unbeachtet im Schrank stehen. Und wenn man sich satt gespielt hat, hört man ein Weilchen zu, was Vater und Mutter reden, oder stellt sich eine Zeitlang ans Fenster und schaut in den Regen hinaus. Das macht nachdenklich. Merkwürdig, auf was die Kinder dabei manchmal verfallen!
Da sagt zum Beispiel an solchem Regensonntag des Bachmüllers Älteste zum Florian, ihrem Bruder: »Weißt, der Mühlknecht ist fortgegangen zu seinen Leuten, ich hol' seine Harmonika und versuch' drauf zu spielen!« Der Florian ist gern dabei; die Harmonika, die auf dem Schrank in der Knechtskammer steht, wird herabgeholt, und die Kinder suchen sich damit in der Küche einen behaglichen Platz am Herd. Auch das kleinste verspricht sich ein Vergnügen von dem Sonntagnachmittagskonzert, läuft herzu und hockt sich neben die Schwester.
