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Der fünfjährige Valentin wollte sich im Jahre 1640 doch nur vorm Waschen drücken und sprach damit unfreiwillig sein Urteil. Ebendieses Urteil sorgt dafür, dass sich Katharina heute in iher eigenen Küche nicht mehr wohlfühlen kann. Oder doch? Was ist geschehen, dass sie von scharlachroten Flecken am Boden träumt? Wird sie jemals wieder im Dunkeln an den Kühlschrank schlurfen können?
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Seitenzahl: 24
Veröffentlichungsjahr: 2016
Titelseite
Osanna Stephan
Valentin
Erscheint im Frühjahr 2016:
„Das Erbe des Barbiers“
Leseprobe
Impressum
Kurzgeschichte
© 2015, Osanna Stephan
Autor: Osanna Stephan
Umschlaggestaltung, Illustration: Osanna Stephan
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig.
Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen sind rein zufällig.
Alte Häuser sind toll.
Vor allem, wenn das Haus der allerliebsten Menschen sich vertrauensvoll und alterskrumm an das eigene lehnt. Häuser erzählen Geschichten und meine Lieblingsmenschen nebenan und ich hatten im Laufe der Zeit schon so einige ausgegraben. Nach wie vor bekam ich eine Gänsehaut, wenn ich daran dachte, welch großes Leid aber ebenso welch unbezwingbare Liebe die alten Mauern schon im Laufe der Jahrhunderte erlebt hatten. Ellis Urgroßeltern hatten uns das beste Beispiel geliefert. Lottes schriftliche, zwischen Deckenbalken verborgene, Liebeserklärung an ihren Max hing heute gerahmt im Wohnzimmer und ließ mir auch Monate später immer noch die Tränen in die Augen steigen.
„Schau mal, was ich heute gefunden habe.“ Meine beste Freundin und Fastschwägerin Elli hielt mir eine Kopie unter die Nase. Ihre Mine war wie versteinert. Offensichtlich hatte ich es mit einem Gewaltverbrechen zu tun. Elli arbeitete im Stadtarchiv und brachte uns immer mal wieder kleine historische Kostbarkeiten mit nach Hause. Der Zettel zitterte in ihrer Hand.
„Ich dachte, wir hätten schon alles gefunden, aber das hier zählt unter einem echt perfiden Mord!“ Wie bitte? Sollte das einmal wieder einer der manchmal unterirdischen Scherze der Archivarin sein? Ich sah mit zusammengekniffenen Augen auf das Blatt Papier und mir fiel die Kinnlade nach unten.
Ein Mord!
Und auch noch ganz eindeutig in meinem Zuhause!
Das durfte doch nicht wahr sein. Wie sollte ich denn ab sofort noch ruhig schlafen können? Ich griff nach Ellis Hand und hielt diese fest, während ich den Text überflog. In einer altmodischen, aber gestochen klaren Handschrift stand es mit schwarzen Lettern auf weißem Papier.
Mord.
Wie es aussah, war in meiner gemütlichen, fröhlich gelb angetünchten Küche tatsächlich vor langer Zeit ein kleiner Junge auf grausame Art und Weise um sein noch junges Leben gekommen. Valentin war dabei offenbar einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen und das auch noch ausgerechnet in meinem Lieblingsraum, wo wir schon ungezählte fröhliche, auch hin und wieder weinselige Abende verbracht hatten. Mir lief eine Gänsehaut den Rücken hinab. Ich schaute auf.
So grausam dieses Verbrechen auch war, als Erstes galten im Hier und Jetzt offensichtlich andere Prioritäten.
Elli war leichenblass und zitterte. Auch sie nahm sich die alten Geschichten immer so fürchterlich zu Herzen. Und momentan sowieso. Denn sie trug ein Kind unter dem ihren. Sollte mein geliebter Bruder sie in diesem Zustand und noch dazu in meiner Gegenwart vorfinden, wäre mir ein schmerzhafter Tod gewiss.
Mindestens.
Mein eigentlich so sanfter und liebevoller Restauratorenbruder legte Wert darauf, sämtliche mittelalterliche Foltermethoden auswendig aufzählen zu können. Ob er einige davon auch anzuwenden in der Lage war, wollte ich lieber nicht herausfinden. Als Kind gab es für mein Brüderlein nichts Aufregenderes, als die Verließe aller umliegenden Burgen zu besichtigen und Jo brach angesichts einer Streckbank oder irgendwelcher Daumenschrauben regelmäßig in Verzückungsschreie aus.
