0,00 €
Die heiße Amazone trifft auf die kalte Apokalypse.
Valeria hat sich den Drachenreitern der Barbaren in der Eiswüste angeschlossen, um mit dem Gott des Chaos abzurechnen. Lanzen wie auch Lacher stoßen auf seine untoten Dämonen, recycelten Orks und eine sexsüchtige Hohepriesterin der Dunkelelfen.
Unterstützt werden die Barbaren von den Zwergen des Nordens mit Erz und Herz. Hinzu kommen Valerias geliebte Freunde. Doch der böse Gott will den Chaosdrachen Tiamat mit fünf Köpfen erwecken. So viele? Nun, seine politische Fraktion ist wahrlich ein Albtraum.
Episch. Erotisch. Entgleist.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2026
Tom Knocker
VALERIA
Die Drachenreiterin
Dark Fantasy Parodie VI © 2026
Inhaltsverzeichnis
Karte
Vorbemerkung
Prolog
Wyrmstein
Bjarnek und Milaya
Ertüchtigungen
Der Stýrimaðr
Ein seltsames Küstendorf
Überraschungen
Zusammenkunft
Der Knöchlihügel
Empfang bei Rakasha
Tischgespräche zur Nacht
Dreier
Ansturm der Finsternis
Sondierung nach dem Kampf
Seth in der Eiswüste
Bulkstadt
Gastmahl bei Arno Sturmbart
In den Minen
Die Troglodyten
Rechenschaft
Zeraphyne
Krawall
Ein Massaker
Tote und ein Vermisster
Spurensuche
Bei dem mystischen Iglu
Göttlicher Schmerz
Zurück in der Militärbasis
Männlichkeitskrise
Generationenkonflikt
Aufbruch ins Ende
Rasende Nacht
Die Vulkaninsel
Ein Hinterhalt
Todestanz mit den Dunkelelfen
Flucht aus der Flammenhölle
Der Chaosdrache
Kopf hoch, Kopf runter
Dämmung der Sintflut
Göttliche Blutsbande
Opfertod
Epilog
Nachbemerkung
In der babylonischen Religion war Tiamat die Göttin des Salzwassers, die mit ihrem Gatten durch Lärm und Ruhestörung erweckt wurde. Vier moderne Schweden haben dagegen eine lautstarke Musikband nach dem Urwesen benannt. Doch die Fantasy-Welt von Dungeons and Dragons stilisiert Tiamat zu einem fünfköpfigen Drachenmit einem Aggressionsbewältigungsproblem, und als solcher emigriert er auch in diesen satirischen Roman.
Wenn es darum geht, alles nur Erdenkliche zu entstellen, so beherrschen wirMenschen das schöpferische Chaos.Wir warnen vor dem Weltende, vertagen es aber mit politischen Debatten, führen kalte Kriege und kriechen paarweise in warme Betten. Komischerweise wurde über die Jahrhunderte ausgerechnet dieser Akt der Wärme als Sünde gebrandmarkt.
Allerdings hat Valeria in der Eishölle der Endzeit noch ein Wörtchen mitzureden, und ich verspreche euch: Die Amazone ist härter, höhnischer, heißer denn je.
Es brenne das Fleisch! Es schmelze der Pol! Es spritze dasBlut! Das war schon immer für die Unterhaltung gut.
Valeria lehnte sich im eisigen Wind vor und fand es höchst angenehm, dass sie ihren ofenwarmen Drachen mit Sattelung zwischen den gespreizten Beinen hatte. Er war mittlerweile erwachsen und übertraf in seiner Flügelspannweite jeden Saurier vom Nullachtfünfzehn-Typ. Obwohl der Dracheein gereiftes Übungsniveau vorweisen konnte, wirkte er hinsichtlich seiner Farb- wie auch Wesensart noch immer goldig und hörte selbstverständlich auf den Namen Goldarius.
Als Valeria ihren Kopf schwenkte, flatterte ihr blonder Zopf kaum. Das lag ausnahmsweise nicht an verrenkten Naturgesetzen, sondern daran, dass ihreHaare gefrorenwaren.Genauso erging es dem Hünen,der neben ihr auf seinerDrachin diesen Kontrollflug über der Eiswüste von Nøregod machte.
Er trug zu seinerRüstung das traditionelle Bärenfell der einheimischen Barbaren und war mit Ende dreißig, Anfang vierzig nicht mehr so jung wie die hergereiste Kampfblondine. Ganz genau wusste er sein Alter nicht, da er nur noch neuneinhalbFinger hatte und beim Zählen durcheinanderkam. Im Vergleich zu seiner maskulinen Rauheit war seine pinksilberne Drachin regelrecht eine Grazie.
Sie zwinkerte Goldarius zu, worauf ihmdie Zunge aus dem Hals baumelte und seine Atemwolken eine Herzform annahmen. In gewisserWeise brachte Valeria sogar Verständnis dafür auf, dass er sich wieder mal nur schlecht konzentrierte.
Trotzdem hätte sie selber nie für den Hünen schwärmen können, der schlichtweg ihr Kamerad und Ausbilder im Drachenreiten war. Was bedeutete hier eigentlich noch ›Ausbildung‹?
Ihnen war bewusst, dass längst der kosmische Ernst- und Katastrophenfall drohte. Gleichwohl tat sich das Barbarenvolk schwer mit so einem Kram wie Abschlusszeugnissen und Abgrenzungen von Phasen, was man diesen Menschen angesichts ihrer uferlosen Schneelandschaften nicht verübeln durfte.
Valeria hielt einarmig ihre Drachenlanze, zeigte mit einem behandschuhten Finger nach unten und rief durch den Schal vor ihremMund: „Was sind denn das für Kreaturen? Ich habe in Nøregod schon viele befremdliche Sitten kennengelernt und mich daran gewöhnt, dass ihr Männer euch zur Begrüßung auf die Schultern haut, als möchtet ihr euch freundschaftlich die Gelenke auskugeln, Bjarnek. Aber …“
„Aber was?“, fragte der angesprochene Hüne.
„Siehst du den grotesken Ringelreigen nicht?“
„Ich sehe diese Kreaturen durchaus, auch wenn ich nicht wie du mit magischen Kontaktlinsen gepimpt bin.“ Bjarnek erblickte schwarzpelzigeGestalten mit Hörnern und Schweif. Indem sie sich an den Klauenhänden fassten,hüpften sie zwischen vereinzeltenBirken mitten im Wintergefilde. Der Hüne glaubte ihre wippenden Schwengel zu erspähen. „Wirklich absonderlich! DieseScheusale müssen aus dem Ausland kommen.“
„Etwa so wie ich?“, erwiderte die Amazone.
„Ähm, ich dachte vielmehr an Höllendrittstaaten und so. Was meinst du dazu, Sylvana?“, fragte Bjarnek seine Drachin.
Sie blieb mit ihrem Reiter im Gleitflug und ließ taktvoll ihre Stimme erklingen: „Ich kann diese Kreaturen auch nicht benennen, aber ihr Treiben erinnert an einen chaotischen Tanz.“
„Fast an ein Balzverhalten“, steuerte Goldarius bei.
„Ach, mein Junge“, seufzte Valeria. „Das sagst du nur, weil dir selber der Sinn danach steht.“
Goldarius verzog peinlich berührt seine Schnauze. Dannbemerkte er, dass die Scheusale innehielten und nach obenglupschten. „Sie haben uns entdeckt. Sollen wir sie angreifen?“
Allerdings lieferten sich die Kreaturen schon ihrerseits ein Grunz- und Wortgefecht über den Umgang mit dieser Situation. Ein Scheusal knetete einen fiesen Schneeball und warf ihn einem Genossen mitten in die Hoden. Entsprechend ihrem niedrigen Bildungsgrad ließen bald alle die Fäuste sprechen und verdroschen sich tüchtig.
„Diese bekloppte Meute wird sich selber abmurksen“, urteilte Bjarnek. Derweil er und Valeria mit ihren beiden Drachen über dieKreaturen hinwegsegelten, versuchte er sie zu zählen – erfolglos. „Pah, ein kluger Mann schützt auf jeden Fall seine zwei, drei Eier.“
„Weißt du nicht, wie viele du hast?“, fragte Valeria.
„Einen ganzen Sack voll! HAHAHA!“
Die Amazone verdrehte ihre Augen. „Bestimmt hängt dieser Zwischenfall wieder mit Seth zusammen, dem Gott des Chaos. Er hat bekanntlich auch in anderen Regionen des Archelands extradimensionale Löcher geöffnet und solche verdammten Knalltüten hereingelassen.“
„Ich kann gar nicht mehr unterscheiden, ob er uns verfolgt oder wir ihn“, sagte der goldene Drache von Valeria. „Ohne Seth würde ich laut Prophezeiung nicht mal existieren, aber wir müssen ihn vernichten.“
Sylvana schenkte Goldarius einen nachdenklichen Drachenblick, als weiße Flocken auf ihre Nüstern rieselten und sie feststellte: „Es beginnt zu schneien. Wollen wir unseren Flug noch fortsetzen?“
„Na klar“, brüstete sich Bjarnek und zeigte mit seiner Lanze geradeaus. „Seit wann sind ein paar läppische Weißröckchen denn eine neue Entdeckung für uns gute Vernichter im Norden? Wir werden schon nicht gleich in ein Schneegestöber kommen. Vorwärts!“
Sie kamen in ein Schneegestöber.
Unter ihnen wölbten sich Hügel und die Mineneingänge der Zwerge. Wie Valeria mal gehört hatte, bauten sie tief im Bauch der Erde wertvolle Erze für Waffen und Gebrauchsgegenstände ab. Die stählernenKochpfannen derZwerge waren angeblich härter als jeder Monsterschädel.
Plötzlich stürmten die stämmigenKerlchen mit ihren Fellstiefeln und Werkzeugen aus denMinen. Die Amazone blinzelte und wischte sich die durcheinanderwirbelnden Flocken von den Wimpern, aber der Schnee wurde immer dichter.
Goldarius hielt trotz einer Böe die Balance und fragte: „Was geht da vor sich?“
„In diesem Gestöber kann selbst ich mit meinen magischenKontaktlinsendas nicht mehrerkennen“, riefValeria.
Sylvana hingegen war anatomisch am besten für diesesKlima geschaffen und meinte: „Die Zwerge stapfen aufgeregt zu ihrer nahegelegenen Ortschaft, Bulkstadt. Es sieht ihnen gar nicht ähnlich, dass sie vor irgendwas die Flucht ergreifen. Vermutlich holen sie Verstärkung.“
„Dann ist etwas passiert“, sagte der Hüne.
„Eine scharfsinnige Schlussfolgerung“, spöttelte Valeria. „Ich wünschte, wir könnten den Zwergen helfen. Aber mit unseren Drachen passen wir nicht so ganz in ihre Minenschächte.“
„Vielleicht ist nur ein Stützbalken gebrochen und einZwerg unter einem netten Goldhaufen verschüttet worden. Edelmetalle wiegen nicht sehr viel“, beschwichtigte Bjarnek. „Außerdem haben die Zwerge meinem Barbarenvolk oft bewiesen, dass sie solidarisch und tatkräftig handeln. Sie dürften also ohne uns zurechtkommen.“
Sylvana war sich gewiss, dassBjarnek die Widersprüchlichkeit in seinen markigen Worten gar nicht beabsichtigte und ein Herz voller Einfalt hatte. Inwieweit die Drachin klüger war, zeigte sie ihrem Reiter aus Respekt nur indirekt, so dass er es nicht mitkriegte. „Wirkönnten auf südwestlichem Kurs tiefer fliegen, um mehr herauszufinden.“
„Hm, schwenk mal so rum“, übermittelte Bjarnek mit spürbaren Klopfzeichen auf Sylvanas Schuppen. Denn die Drachenreiter benutzten natürlich keine Zügel, mit denen man sprachlich unbegabte Gäule und anderes Vieh versklavte.
Goldarius und Valeria glichen ihren Luftakt freiwillig an. Das Schneegewirbel ließ nach, aber aus einer anderen Himmelsrichtung erschienen Flugobjekte mit roten Augen und kohlrabenschwarzen Seelen.
„Dämonendrachen“, entfuhr es Goldarius.
Valeria knirschte. „Nicht schon wieder!“
„Wir müssen sie vonBulkstadt und den Zwergen weglocken“, sagte Bjarnek.Er blickte sich hastig um und klopftederart auf den Nacken seinerDrachin, als möchte ermit Mörserzeichen eine gesamteNavigationslehre durchpauken. „Wie viele von diesem Pack hast du auf deinem Drachenradar?“
„Sieben – unbemannt“, antwortete Sylvana.
„Das sind fast mehr, als du Eier hast, Bjarnek. Wenn wirjedoch meine Eierstöcke und die Superorgane unsererDrachen hinzurechnen, dann können wir’s überleben“, schätzte Valeria. Sie hatte obendrein eine mentale Fähigkeit entwickelt, die für den Hünen unerreichbar blieb, obgleich er das nicht gerne zugab.
Valeria setzte die Telesynchronisation ein. Dadurch konnte sie ihre Absichten und Bewegungen in eine vollkommene Harmonie mit ihrem Drachen bringen, so dass beide wie eine vereinte Doppelseele kämpften.
Um den Hüftbereich war die Amazone nicht anders als Bjarnek mit einem Gurt an der knappen Rückenlehne des Sattels festgeschnallt. Diese altbekannte Konstruktion bot keine maximale Sicherheit, aber sie gewährte die nötige Bewegungsfreiheit für den Oberkörper.
Valeria lehnte sich mit Goldarius in die Kurve undspürte die bitterkalte Luft, während dieDämonendrachen hinter ihnen Schattenstrahlen spien.Im Fall eines Treffers hätten sie gemäß der Fachterminologie einen nekrotischen Schaden verursacht.Die Gelehrten veranschaulichten dies gerne so, als würde ein Gespenst seine furchtbaren Hände durch einen Körper aus Fleisch und Blut strecken.Doch wie viele Menschen bitte hatten diese Erfahrung schon gemacht? Am allerwenigsten die Gelehrten! Die Wirkung der Schattenstrahlen ließ sich besser damit vergleichen, dass man infolge eines Schreckens bis in die tiefsten Fasern erschauderte. Unbestreitbar konnte das bei einem schwachen Kreislauf sofort zum Herzkasper führen.
Aus der Kurve heraus flog Goldarius zum Konterangriff. Er spie klassisches Feuer ohne Firlefanz. Die Nachteile lagen darin, dass Valeria die Flammen im Gegenwind abbekommen konnte und die Spuckweite begrenzt war. Dennoch unterschätztenFeinde nicht selten die Fontänen, die Goldarius mit einer Drehung seines Halses seitwärts ausstieß.
Ein Dämonendrache kreischte, weil er an einem Flügel zu brennen anfing. Unweigerlich geriet er ins Trudeln und entfernte sich von seiner Schar, die sowieso zur Desorganisation neigte.
Goldarius näherte sich ihm ungemein schnell, wobeiValeria alle Muskeln anspannte und ihre Lanze in Position brachte. Wenngleich die Amazone auf den Schwertkämpf spezialisiert war, hatte sie den Umgang mit der überlangen Stangenwaffe rasch erlernt. Die Lanze bohrte sich in den Bauch des Dämonendrachens, so dass kübelweise dunkles Blut spritzte und er tot niederrauschte.
Währenddessen wich Sylvana im Zickzack den anderen Gegnern aus.Bjarnek schippte kriegerisch seine Unterlippe nach vorne.
„Hochziehen!“, befahl er seiner Drachin.
„Ich bin schon an der Wolkenkante.“
„Dann Wendung und Zielerfassung!“
Sylvana leistete Folge. „Feind im Visier.“
„Schuss!“, sagte Bjarnek.
Die Drachin feuerte nicht,sondern spie Eisstrahlen. Ein Gegner wurde voll getroffen, schockgefrostet und flugunfähig. Wie ein mordsmäßiger Eisklumpen fiel er in die Schneelandschaft.
„Ha, kalt erwischt“, kommentierte Bjarnek.
Im Jargon warnte Sylvana ihn vor: „Hecktornado!“
Sie klappte nämlich ihre Schwingen aus und legte sie mit einem abrupten Richtungswechsel wieder an. Ehe der nächste Dämonendrache reagieren konnte, rammte ihn Bjarnek mitder Lanze. Trotzdem fand die Waffenspitze nicht perfekt die Schwachstelle in den Schuppen. Der Dämonendrache wurde verletzt, aber nicht gänzlich ausgeschaltet.
Goldarius wand sich telesynchron mit seiner Reiterin durch zwei Attacken hindurch. Doch der dritte Schattenstrahl sauste auf Valerias Oberschenkel. Sie kniff ihre Lider unter einem gräulichen Taubheitsgefühl zusammen, das mit viel Schmerz und wenig Gelehrsamkeit gemischt war. Da der Schattenstrahl durch ihr Bein drang, traf er zudem Goldarius an der Körperseite. Der Drache schlingerte, fing sich jedoch wieder. Genau wie Valeria erlitt er keine bleibenden Schäden.
Doch was, wenn es erneut geschah?
Die Reiter hatten sich im Luftkampf weit von den Minen der Zwerge entfernt. Mit einem Mal erscholl eine machtvolle, vertraute Frauenstimme in Valerias Kopf.
Schaltet den Drachenantrieb höher und zieht euch weiter in den Norden zurück! Ich komme euch mit Verstärkung entgegen.
Dieser souveräne Befehlston gehörte Rakasha, der Drachenherrin des Barbarenvolks. Ihre übersinnlichen Künstewaren so ausgeprägt, dass sie damit auch den Dickschädel von Bjarnek und erst recht die zwei schlauen Reittiere erreichte.
Also brausten dieselben mitAusweichmanövern nordwärts. Was den verwundetenDämonendrachen betraf, so schüttelten sie ihn ab. Der restliche Schwarm konnte nur deshalb dranbleiben, weil keiner davon einen schwergerüsteten Passagier auf seinem Rücken hatte. Allerdings würden Goldarius und Sylvana dieses Tempo auch nicht lange durchhalten.
Der Schneefall erlahmte, hörte vollständig auf und legte den kristallklaren Himmel frei. Umso deutlicher zeichnete sich die entgegenkommende Staffel von Drachenreitern ab.
An der Spitze flogRakasha mit ihrem saurierähnlichenUrwesen von blauer Tönung. Die Drachenherrin war einen Kopf größer als ihre Begleiter im Sattel, hager und von einer exotischen Aura umgeben. Ungeachtet ihrerMenschengestalt mutete ihr Antlitz reptilienhaft an. Ihre Haut schimmerte in einem kühlenTürkis, aber ihre Augen so bernsteingelb wie die Wüstensonne. War sie ein Mischling? Niemand hätte sich je getraut, Rakasha so zu bezeichnen.
Das Häufchen der Dämonendrachen machte eine Vollbremsung und wollte flüchten. Doch die angerückte Staffel ließ das nicht zu.
Alle flatterten, fauchten, spien, schlugen und stachen drein. Die Dämonendrachen waren hoffnungslos unterlegen.
Bald war bloß noch einer von ihnen halb im Abseits übrig. Er tobte in seiner Verzweiflung und blähte den Hals auf. Valeria sah genau, dass er mit seinem Schattenstrahl einen bis zwei Barbaren auf ihren Reittieren nicht verfehlen würde. Oh, sie wünschte sich so sehr, dass dieser Dämonendrache würgen müsste wie ein Großkotz, der zu viel Kaviar in seinen Rachen gefüllt hatte! Die Gedanken der Amazone richteten sich unerbittlich auf ihn.
Und der Dämonendrache würgte jämmerlich.
Wie um alles in der Welt hatte Valeria das gemacht? War es nur ein Zufall? Sie begriff es selber nicht.
So oder so, der Dämonendrache wurde umzingelt. Rakasha, Bjarnek und die anderen Reiter bohrten ihre Lanzen durch ihn.
„Da hast du es!“, sagte der Hüne zu dem herabfallendenKadaver. „Eben das widerfährt allem Pack, das unseren Luftraum verletzt.“
Die Drachenherrin jedoch nickte Valeria bedeutungsvoll zu. Gleich darauf hob Rakasha ihre blutige Lanze und sprach zu den Barbaren mitsamt Reittieren: „Heute hat der böseGott Seth ein paar Dämonendrachen verloren, aber das tut ihm nicht mehr weh als ein eingerissenerZehnagel. Wir kehren nach Wyrmstein zurück!“
Damit meinteRakasha die Festung und Militärbasisder Drachenreiter. Sylvana und Goldarius sehnten sich danach, ihre Flügel auszuruhen. Glücklicherweise dauerte es nurnoch eine Viertelstunde, bis sie das monumentale Gebilde in der Schneelandschaft erblickten.
Doch das Chaos sammelte seine Kräfte und würde mit einer nie dagewesenen Absurdität über die Welt hereinbrechen.
Die Festung der Drachenreiter war eindrucksvoll aus Gebirgsgestein herausgearbeitet worden. In der Mitte befandsich ein freier Platz, wo oft dasKlirren und Knurren von Übungskämpfen echote. Die Felsen ringsum hatten Kavernen für die Drachen, aber auch Treppengänge undWohngemächer.Menschen mit unterschiedlichen Aufgabenbereichen in der Hierarchie des Barbarenvolks lebten hier.
Lange Zeit rühmten sich dieReiter unter ihnen, dass es ihrer nur zwölf für ebenso viele Drachen gab.Doch Valeria war mit Goldarius, nun ja, die dreizehnte Kriegerin. FaustdickeStil- und Traditionsbrüche zählten offenbar zu ihrem Schicksal.
Der Luftkampf gegen die Dämonendrachen lag anderthalbTage zurück. Blutrot versank die Abendsonne hinter dem Horizont von Nøregod.
Valeria schlang ihren Pelz fester um die Schultern und stand mit Rakasha bei einem prasselnden Feuerchen am Rand des Zentralplatzes, der fast leer war. Dagegen trug die Drachenherrin lediglich ein besticktes Gewand.
Infolgedessen rang die Amazone mit philosophischen Überlegungen. Ich fröstle, also bin ich. Aber warum friert Rakasha bei dieser Schweinekälte nicht und existiert trotzdem? Wenn sie sich doppelt gemoppelte Fellknäuel unter ihr Hemdchen schieben würde, dann sähe sie wenigstens nicht so flachbrüstig aus.
„Danke, aber ich werde deinen Rat ausschlagen und kann angesichts der göttlichen Anteile in meinem Familienstammbaum nicht frieren“, sagte Rakasha unvermittelt. Sie hatte telepathisch Valerias Gedanken gelesen.Allzu menschlich war jedoch die Angewohnheit der Drachenherrin, ihren Schnodder altehrwürdig am Ärmel ihres Gewandes abzuwischen.
Valeria begegnete ihrem Seitenblick und geriet keineswegs in Verlegenheit. „Ich würde mir nie anmaßen, Euch unaufgefordert einen Rat zu erteilen, Eure Hoheit. Selbst dann nicht, wenn ich es unfein fände, dass Ihr Eure göttliche Rotznase in meine Hirngrütze steckt.“
„Mir war durch die Prophezeiungen und Mundpropaganda über deine Heldentaten schon bewusst, dass du unverschämt bist. Dennoch hast du meine Erwartungen übertroffen“, sagte Rakasha.
„Ich fasse es als Kompliment auf“, erwiderte Valeria. „Immerhin habt Ihr Bjarnek und Sylvana weit über tausend Meilen zu mir in den Süden geschickt, damit ich mit Goldarius zu Euch stoße. Wie Ihr wisst, wollten meineFreunde nachkommen. Sie können natürlich nicht fliegen, aber es sind seitdem viele Monate vergangen. Mich beunruhigt das. Müssten sie nicht längst hier sein?“
Rakasha machte eine abwiegelnde Geste und putzte bei dieserGelegenheit nochmals ihre Rotznase am Ärmel ab. „Keine Sorge, deine Freunde dürften stärker als jedes buntscheckige Jahrmarktsgrüppchen sein und bald eintreffen.Wir brauchen harte Bodentruppen. Ich mag nordischeKühle ausstrahlen, aber ich bin im Urteil und Uterus nicht verklemmt.“
„Was heißt das bitte?“
„Das heißt, dass ich moralische Maßstäbe anlege“, erklärte Rakasha. „Meine Drachen und ich kämpfen für das Gute. Schon allein deshalb kann mich der Gott des Chaos nicht leiden.“
„Ach ja? Mich auch nicht“, sagte die Amazone.
„Dich hasst Seth am allermeisten.“
„Welch Ehre! Ich kann dem Drecksack versichern, dass die Gefühle aufGegenseitigkeit beruhen.“ Valeria starrte in die loderndenFlammen, die ihr Gesicht mit Licht und Schatten übergossen.
Dabei beobachtete Rakasha sie genau. „Du hast schon oft die Worte vernommen, dass Seth den fünfköpfigen Chaosdrachen Tiamat erwecken wird.Doch du fragst dich, warum es noch nicht geschehen ist. Ich sage dir: Es geschieht. Für einen Gott sind ein paarMonate vorwärtsoder rückwärts allenfalls einWimpernschlagin der Gegenwart und kein Anlass zum Hudeln. Seth holt Tiamat aus dem Abgrund der Welt, wo nicht einmal ich lebend hinabdringen kann, aber die Dämonendrachen als kleine Vorboten des Unheils heraufkommen.“
„Klein sehen sie für mich nicht aus“, entgegnete Valeria. Sie zog ihre Brauen zusammen. „Ist es möglich, dass ich einen Dämonendrachen irgendwie mental abgewürgt habe?“
„Ja, das kann man so sagen“, bestätigte Rakasha.
„Aber wie? Ich besaß solche Fähigkeiten früher nicht!“
„Du hast mir doch von der wölfischen Fee erzählt, die sichSchloss Goldspitz in Paramora aneignete. Sie brach ihrBündnis mit Seth und schied unter melodramatischen Umständen in deinen Armen dahin. Zweifellos war sie es, die dir zum Abschied diese Gaben geschenkt hat“, erläuterte die Drachenherrin. Der Kleister auf ihrem Ärmel glänzte weise. „Du hast die Telesynchronisation selber entdeckt, aber in dir schlummern weitere Telefähigkeiten.“
„Warum offenbart Ihr mir das erst jetzt?“
„Weil du erst die Grundausbildung im Drachenreiten absolvieren musstest und nicht gleich mit hochgeistigen Fähigkeiten jonglieren kannst“, erwiderte Rakasha. „Inmanchen Welten gibt man zwar schon denKnirpsen zehnBälle mit Aufschriften wie ›Geometrie‹, ›Arithmetik‹, ›Bilingualität‹ und ›Dingsbums‹. Doch die Ergebnisse sindunbefriedigend. Wenn man dieseMenschen später im Erwachsenenleben fragt, an welchen Verbannungsort ihre Arithmetik gekullert ist, so suchen sie mit ihrerLeibesfülle hinterm Schrank und finden nichts mehr. Ob du esglaubst oder nicht, aber die existenziellen Fertigkeiten wie das Kämpfen und Jagen sind ihnen fast völlig fremd. Diese Menschen enden so verwirrt und enttäuscht, dass sie ernsthaft behaupten, es gäbe Drachen nur in der Television.“
„Worin? Kann ich das auch erlernen?“, stutzte Valeria.
„Wohl kaum. Du solltest auch keineZeit mit der Entwicklung der Telepathie verschwenden. Es genügt, wennich den Gedankenaustausch beherrsche und du deinen Fokus auf andere Fähigkeiten legst.“
Sie hat bloßAngst, dass ich sie übertrumpfen könnte, dachte die Amazone.
Unverzüglich antwortete Rakasha in hörbarem Ton: „Ich habe keineAngst, und schon gar nicht vor dir, weil du trotz deiner Anmaßungen deinen Platz kennst.“
„Herrje, dass die Herrschenden grundsätzlich nicht mit der Meinungsfreiheit liebäugeln, weiß ich. Aber ich kann nicht auch noch meineGedanken zensieren. So bewandert und bejahrt, wie Ihr seid, kennt Ihr ohnehin längst alle perversen Fantasien der Leute.“
„Fast alle“, berichtigte Rakasha.
„Wollt Ihr mir nun mehr über mein Potential verraten?“
„Ich zähle die wichtigstenFähigkeiten auf, deren Erlernung für dich nützlich wäre.“Die Drachenherrin hob ihren mageren, spitzenZeigefinger. „Allem voran ist die Telekinese zu nennen. Du kannst durch sie gewisse Objekteaus der Ferne bewegen, solange die Gegenstände nicht zuschwer oder zu schnell sind. Darüber hinaus verstehst dudich bereits ein wenig auf die Telepsychose. Mit dieser Fähigkeit rufst du störende Sinneswahrnehmungenin anderen Wesen hervor – sogarWürgereflexe. Die Telefissur …“
„Auch noch eine Frisur?“, fragte Valeria entgeistert.
„Fissur! Gemeint ist das Erzeugen von feinen Rissen in Rüstungen undKörpergewebe, womit du deine Feinde schwächen kannst. Kapiert?“
„Na klar, das ist ein Kinderspiel verglichen mit Arithmetik und Geometrie“, erwiderte die Amazone.
Rakasha überging die Ironie und fuhr mit dem nächsten Punkt fort: „Die Teleposition bewirkt, dass man urplötzlich den Platz mit einem anderen Individuum tauscht. Falls du diesen übersinnlichenTrick jemals meisterst, so erlaube dir keine närrischen Späße. Unterbrich mich nichtgleich wieder und lass mich ausreden!Leichter kannst du die Telearomatisierung erlernen. DieseKunst ermöglichtZellveränderungen in einer Mahlzeit, so dass sie sich ohne Handgriffe von alleine zubereitet und du selberGefahr läufst, faul beziehungsweise gemütlich zu werden. Zu guter Letzt muss ich noch denTelesex erwähnen.“ Die Drachenherrin wischte sich ihre Rotznase ab und ließ keine weiteren Erklärungen folgen.
„Sex aus der Ferne ohne Körperkontakt? Wer will denn so was? Darauf verzichte ich“, sagte Valeria. „Alles andere möchte ich dafür zack, zack erlernen.“
„Dein Ehrgeiz ist löblich,aber dieser Tag neigt sich dem Ende. Ich werde mit dir morgen die Telefähigkeitenüben“, beteuerte Rakasha.
Obgleich dieSterne über Wyrmstein erschienen, leuchteten noch lilafarbene Schattierungen am Firmament. Valeria blickte hoch, senkte ihren Kopf wieder und schaute über die niederbrennende Glut hinweg. Auf dem Zentralplatz schippten zwei Barbaren routinemäßig Schnee, ob das nun einen Sinn geben mochte oder nicht.
Die Fütterung der Drachen vollzog sich absichtlich nicht so regelmäßig, weil sie laut Rakasha sonst hausbackene Fressgewohnheiten entwickelten und bei derkleinstenUnpünktlichkeit zuNervensägen wurden. Zum Teil mussten die Urtiere ihre Beute selber erlegen. Unvermutet schleppten jedoch Männer sowohl Säcke mit zusammenhaftenden Schrotbatzen als auch Eisfleisch am Knochenstiel über den Zentralplatz.
Ganz vorne schritt eine neunzehnjährige Schönheit mit edelblasserHaut, eisblauen Augen, seidenschwarzem Haarund langen Beinen in gefütterten Wildlederstiefeln. Ihr Nacken war nach unten gezogen, weil an ihren schlanken Armen zwei Eimer mit insgesamt achtzig Pfund Fressmaterial hingen. Das Mädchen schuftete ungeachtet ihrer Grazie wie eine Magd. Doch sie war niemand Geringeres als die Enkelin vonRakasha, ja deren einzige lebendeNachkommin in diesem brutalen Dasein und nebenbei Bjarneks Stieftochter.
Zwischen dem Hünen und der Drachenherrin gab es folglich keine Blutsverwandtschaft. Bjarnek ließ sich hier nicht einmal sehen.
Valeria wollte dem Mädchen die Last abnehmen, aber Rakasha hielt die Amazone zurück: „Du wirst Milaya nicht helfen.“
„Warum seid Ihr so hart zu Eurer netten Enkelin?“
„Das ist meine Art der Unterstützung. Hilf nie einer Person, die es alleine packt. Ansonsten packt sie es nichtmehr alleine“, sagte Rakasha.
„Aha, Eure Logik wiegt schwerer als ein Schraubstock“, räumte Valeria ein.
Wenigstens mussten Milaya und die Männer nicht bis zu den Kavernen hinaufsteigen, denn die dreizehn Drachenflatterten sogleich heraus und kamen auf den Zentralplatz. Der Ablauf ähnelte einer Fütterung im Zoo, wo gefühlsrohe Menschen den Raubtieren ein vernünftiges Benehmen eingetrichtert hatten. Kein Gedrängel, kein Imponiergehabe! Die Barbaren warfen das Futter in der Erwartung, dass die sitzenden Drachen die Vorspeisen aus der Luft schnappten und das Hauptmenü mit vollendeten Manieren vom Boden fraßen.
Wo aber trieb sich Goldarius herum? Sylvana, die wieeine echte Drachendame kaute, reckte ihren geschmeidigen Hals zwischen den verschiedenfarbigen Artgenossen und schien seine Anwesenheit zu spüren.
Auf einmal bekam sie einen sanften Stupser.
„Buh“, ertönte es an ihrenLauschern. „Ich bin ein gestaltloser Mahr und suche alleDrachinnen heim, die ihregrobstofflichen Bedürfnisse ohne Gäbelchen befriedigen.“
„Das ist nicht lustig, Goldarius“, behauptete Sylvana. Nichtsdestoweniger musste sie schmunzeln. „Lass den Schabernack und zeig dich.“
Er war hier als goldener Drache der einzige, der sich unsichtbar machen konnte. Sowie er sich seiner unübertrefflichen Tarnung entledigte, schielten die schuppigen Kollegen zu ihm – manche bewundernd, manche beneidend. Doch fast alle waren mit Mampfen beschäftigt.
„Schon wieder Eisfleisch und Schrot“, seufzte Goldarius.
Sylvana sagte: „Vergiss nicht, dass ich auch Eis speie.“
„Dich will ich auch nicht anbeißen.“
„Ach nein? Sondern nur ergänzen?“
„J-jedenfalls ist dein Herz viel wärmer“, stammelte Goldarius. Hätten Drachen erröten können,so wäre die Verschämtheit an seinem Zackenkamm hochgelaufen. Er griff eine Fleischkeule, röstete sie mit seinem Feueratem an und biss hinein. „Mmh … In der Wüste, wo ich aufgewachsen bin, gab es Datteln. So süß, dass du es dir kaum vorstellen kannst, Sylvana!“
Hiernach kam Esarkus zu ihnen, der Drache von Rakasha. Dieser alte Saurier konnte Blitze spucken, auf einen beträchtlichen Erfahrungsschatz zurückblicken undmurren wie jetzt: „Datteln sind ein unnützer Naschkram.“
„Ich widerspreche dir nur ungern“, hobGoldarius an,„aber in den heißen Gegenden des Archelands gelten Datteln als Grundnahrungsmittel.“
„Spiel nicht den Schlaumeier. Die naseweise Jugend von heute möchte andauernd Sonnenschein du Spaß. Wie wollt ihr so dem grausamen Schicksal trotzen? Ihr seid derart verweichlicht, dass ein Waschlappen im Gegensatzdazu als Panzerhandschuh taugt“, schimpfte Esarkus.
Sylvana konnte das nicht hinnehmen. „Bei allem Respekt, aber ich finde es absurd, dass du mir oder Goldarius im Militärlager dieser Eiswüste vorwirfst, verweichlicht zu sein. Wir kämpfen Seite an Seite, Eskarkus.“
Der alte Drache grummelte. „Früher war alles besser. Steckt eure Schnauzen lieber ins Fressen, bevor nix mehr da ist.“
Goldarius verzehrte einen Schrotbatzen mit Schneehaube und warf Valeria einen vielsagenden Blick zu. Siehatte einenGroßteil des Gesprächs gehört und nickte, da auch sie Esarkus für einen erbarmungslosen Nostalgiker hielt.
Schließlich befahl Rakasha: „Alle zurück in ihre Kavernen beziehungsweise Schlafräume! Blähungen, welche die Schallmauer durchdringen, sind nicht erlaubt.“
Die Drachen und Barbaren setzten sich in Bewegung.In der Vergangenheit hatte Rakasha nämlich Ungehorsam mit Gedankenschlägen bestraft, die üblere Kopfschmerzen verursachten, als Blähungen es je könnten.
Aufgrund dessen, dass dieses weißeLand die Nacht hell machte, verfügten die Wachen auf den Wehrgängen übereine akzeptable Sicht. Die Seelenspiegel von Milaya schillerten mysteriös, als sie zu Rakasha und der Amazone äugte. Valeria prüfte nochmals die etwaigen Ähnlichkeiten zwischen der Drachenherrin und ihrer Enkelin. Obwohl gar nichts an Milaya reptilienhaft wirkte, gab es subtile Übereinstimmungen. Rakasha teilte ihr noch irgendeine telepathische Botschaft mit, ohne eine Spur von großmütterlichen Emotionen zu zeigen.
Valeria wünschte derDrachenherrin einen gesegneten Schlaf und begab sich zuMilaya. Zusammen gingen sie grobe Felsstufen hinauf und durch einen Eingang, der von den meisten Barbaren nicht verwendet wurde. Beide Frauen betraten einen schmucklosen Korridor, wie manihn von Burggemäuern mit Fackelhalterungen und Seitentüren kannte.
Die Amazone blieb mit Milaya vor Bjarneks Wohngemach stehen und fragte leise: „Gibt dir wenigstens dein Stiefvater eine Portion Liebe?“
„Kommt drauf an, wie man Liebe auslegt.“
Bevor Valeria ihren eigenen Raum aufsuchte, tätschelte sie die Schultern des Mädchens mit dem verrutschten Pelzmantel. „Du bist tapfer. Hab eine gute und nicht zu anstrengende Nacht!“
