Veni Covidi Vici - Beat Rickenbacher - E-Book

Veni Covidi Vici E-Book

Beat Rickenbacher

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Beschreibung

2020 ist das Jahr, in dem wir vom Schicksal gezwungen wurden, Hand in Hand mit einer Pandemie leben zu lernen. Den einen fiel das leichter, andere mussten darunter leiden und für ganz viele bedeutete dies einen tiefen Einschnitt in ihr bisheriges Leben, eventuell verbunden mit einem vollständigen Richtungswechsel. Dieses Buch vereint unter sich eine Sammlung von Erlebnis- und Erfahrungsberichten, die das Leben im Alltag mit COVID-19 für mich und andere aufbereitet hatte.

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Seitenzahl: 211

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Buchbeschreibung:

2020 ist das Jahr, in dem wir vom Schicksal gezwungen wurden, Hand in Hand mit einer Pandemie leben zu lernen. Den einen fiel das leichter, andere mussten darunter leiden und für ganz viele bedeutete dies einen tiefen Einschnitt in ihr bisheriges Leben, eventuell verbunden mit einem vollständigen Richtungswechsel. Dieses Buch vereint unter sich eine Sammlung von Erlebnis- und Erfahrungsberichten, die das Leben im Alltag mit COVID-19 für mich und andere aufbereitet hatte.

Über den Autor:

Der Autor, Beat Rickenbacher, alias Proteus on fire, ein Eidgenosse, in der Urschweiz geboren, weder Tell noch Geisse-Seppli und dabei ein gewohnheitsmässiger Langschläfer, zählt zu den von COVID-19 mächtig Aufgeschreckten. Seine dabei gewonnenen Einsichten: ein Lockdown bietet mindesten so viele Vor- wie Nachteile. Proteus on fire litt in der Folge weder an Schlaflosigkeit, Einsamkeit noch sonst einem Mangel, denn das Virus beflügelte seine Phantasie und schuf aus ihm einen pandemischen Blogger.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Unterwegs vom Begriff zum Inbegriff

Adel oder Hochfinanz – Hilfe wäre das wahre Motto

Ein Brief an das Leben, die Menschen und den Frühling

Wir die atemlos Getriebenen, unterwegs von einem Hype zum nächsten

Narrativ und Agenda – politisch enden sie oft in blutigen Kriegen

Hänsel und Greta – das etwas andere CO2-Märchen

So steht es im Buch der Bücher geschrieben

Es ist immer gut, einen Trump im Ärmel zu haben

Besser, ich mach jetzt einen auf Siegfried

Virus ist keine Lebensform denn das Ding braucht einen Wirt

Du musst dein Leben ändern!

Ist der Teufel nahe, sind es die Ratten auch

Im Jahr 2020, das der Mensch überlebt hat

Leben auf dem falschen Planeten

‹Aquarius› – eine fade Botschaft trachtet nach einem starken Ende

Erinnerungen, Ankerpunkte und Badespass mit Miragebeben

Ironie eines Traums

Alles ist vernetzt und beeinflusst sich gegenseitig

Die Dystopie von den Freien Unfreien und Entrechteten

Stoffel und Erni sortieren die Welt neu

Stoffel und Erni – jetzt geht aber die Post ab

Stoffel und Erni hadern mit dem Tod

Die Schafe da oben am Hügel

Labyrinth der Täuschungen

Lebensfeindlich und krankheitsfreundlich

Aufgewacht! Mankind sucks! Trotz unserer wissenschaftlichen Brillanz nichts dazugelernt.

Singt uns nicht länger das verführerische Lied vom Tod

Über Qanon und andere Endlosgeschichten

Als Regenbogen in einem Traumfänger gelandet

Wenn in der Bibliothek die Lichter löschen ...

Mit Kanonen auf Spatzen schiessen

Wenig wahrscheinlich und doch hoffen wir immer auf den Haupttreffer

Die Aus-Taste betätigen oder die Zeitung beiseitelegen

Von Geistern, Besessenheit und Erlösung

Doppelt blind und dennoch sehend

Liebesgeschichten sind das Viagra der Götter

Sinn mogelt sich durchs dürre Sprachgewand

Veni COVID-i Vici

Vorwort

Proteus ist in der griechischen Mythologie ein Meeresgott. Man sagt ihm nach, dass er der Sohn des Poseidon sei. Wer weiss, vielleicht entspricht es ja den Tatsachen. Lassen wir diesen Zweifel getrost ungeklärt im Raum stehen. Himmlische geniessen, wie wir Menschen, ein gewisses Recht auf Privatsphäre und Geheimnis. Proteus und Poseidon sind nicht die einzigen aquatischen Gottheiten. Es existieren mindestens sechs Weitere. Im gleichen Atemzug gilt es Glaukos, Nereus, Palaimon, Phorkys, Pontos oder Triton mit zu erwähnen.

Ich konzentriere mich im vorliegenden Buch, das aus einer Serie von kürzlich von mir auf WordPress veröffentlichten Blogs generiert wurde, ausschliesslich auf Proteus. Er ist es, der mir fortwährende Inspiration und Befeuerung schickt. Warum? Tja, das wissen die Götter allein. Die Kurztexte sind alle im Jahr der Corona-Pandemie zwischen den Monaten März und November entstanden und, wie bereits angedeutet, auf bricken.blog in verkürzter Form veröffentlicht worden.

Bei insgesamt acht Meeresgottheiten ist die Auswahl nicht leicht, doch ich entschied mich für Proteus wegen seiner Talente:

Erwähnenswert scheinen mir vorab sein würdiges Greisenalter, seine Gabe der Weissagung und die Fähigkeit, sich zu jeder Zeit in jede beliebige Gestalt zu verwandeln. Wer von uns würde nicht gerne mal einen Blick in die nähere Zukunft werfen oder sich in einen Floh verzaubern, um jemanden unbemerkt auszuspionieren – schlicht der feuchte Traum jedes engagierten Geheimagenten.

Ich hab mir das also hinlänglich überlegt, warum Proteus mein Protegé wurde, und ich verleihe ihm hier höchst offiziell und verdientermassen den klingenden Beinamen «der Brennende», auf englisch Proteus on fire.

Da vermutlich schon viele der alten Griechen überwiegend liberalistischer Gesinnung waren und pekuniäre Interessen vor Geist und Logos setzten, gab es vom «Brennenden» verständlicherweise nichts umsonst zu holen. Das passt in mein Bild von ihm; jeder, der seine Seherdienste in Anspruch zu nehmen wünschte, wurde gezwungen, gegen ihn, den ruhmreichen Gott, im Zweikampf erfolgreich zu bestehen. Einzig ein Sieg wurde akzeptiert, um in den Genuss seiner Dienste zu gelangen. Und wie man weiss, gelang dies nicht allzu vielen. Die meisten scheiterten ob seiner Kampfkunst.

Vielfältige Gründe haben dazu beigetragen. Entscheidend bleibt, dass verlässliche Informationen über die Art seiner Kampfführung vollständig fehlen. Es gibt zudem keine aussagekräftigen Bilder und Berichte, die sein äusserst geheimnisvolles Wesen näher darstellen oder beschreiben. Und so vermochte keiner seiner Gegner im Voraus abzuschätzen, ob es, gegen Proteus im Kampf siegreich zu bestehen, überhaupt auch nur die geringste Chance gab.

Absurd unvorstellbar für uns Kinder des Zeitalters der zügellosen Selbstdarstellungen – nicht ein kleiner Hinweis existiert, das uns seine wahre Meisterschaft offenbart. Wie dumm ist das denn aus heutiger Sicht beurteilt! Der Punkt ist der: Bilder, auch wenn sie flau sind, verschaffen uns zumindest einen vagen ersten Eindruck von einer Person. Ist sie jung, alt, nett anzuschauen, grimmig im Ausdruck, verschlagen oder nur ein brutaler Rohling? Man ziehe die schlüssige Erkenntnis daraus: Der zügellose Drang zur Selbstdarstellung und zu Selfies ist nicht immer hilfreich. Proteus liefert uns den Beweis: Manchmal, das wird jetzt deutlich, vermag einem etwas Zurückhaltung durchaus vielversprechend anstehen und kann zu strategischen Vorteilen verhelfen.

Was bleibt vor dem Kampf an brauchbaren Starthilfen übrig? Man ratet und hofft und betet. Er ist eben ein Gott und hat es nicht nötig, sich vor allen und jedem in Pose zu werfen. Wie die meisten durchtriebenen und listenreichen Götter wünscht er nicht, dass man sich ein Bild von ihm macht. Nicht jeder ist schliesslich ein Narziss (Narcissus) und der begehrenswerte Abkömmling eines Flussgottes.

Bei Proteus liegt die Wurzel des nicht Vorhandenseins eines Selfies aber weit tiefer. Er ist schlicht der Urvater aller Formwandler. Er braucht diese Anonymität, um unerkannt zu bleiben.

Er nimmt schnell mal eine andere Gestalt an, und schon ist es ihm erfolgreich gelungen, sich aus allen Nachstellungen nachhaltig rauszuhalten. Es ist sein Vorteil, sich mit Leichtigkeit hinter tausend Gesichtern zu verbergen. Und das bedeutet, dass man nie sicher abzuschätzen vermag, wen man gerade vor sich hat.

Mit Ozzy gefragt, eingangs des Songs Black Sabbath: «What is this that stands before me? Figure in black which points at me…?» Ist es ein Gott, eine Schlange, ein Baum, das Meer oder das Feuer? Ja selbst in ein flammendes Inferno vermag sich mein Protegé zu verwandeln. Wie viele es trotz aller widrigen Umstände tatsächlich gegeben hat, die gegen ihn im Kampf gewonnen haben, entzieht sich, wie bereits angedeutet, meiner Kenntnis. Dies zu wissen ist für mich aber auch nicht entscheidend. Immerhin findet man in der Überlieferung beispielsweise die Geschichte des listenreichen Menelaus, dem es gelang, Proteus gefangen zu nehmen und ihn so zur Weissagung zu zwingen. Wir gönnen ihm diesen gewiss nicht leicht errungenen Sieg. Daraus darf geschlossen werden, dass ein Sieg gegen meinen Protegé durchaus möglich scheint..

Vielleicht versteht man nun die Symbolik, die hinter dem Pseudonym ‹Proteus on fire› steckt, etwas besser. Literarisch betrachtet offenbart sich in dieser Gestalt eine kaum fassbare Komplexität und Fülle an metaphorischer Dichte. Er verkörpert gleichzeitig alles und nichts. Psychologisch gesehen kleidet er den Inbegriff des nackten Scheins (Maja), der Täuschung und der zeitlosen Wandelbarkeit. Diese Art von Maskenspiel ist uns allen vertraut, nur gebärden wir uns dabei womöglich weniger variantenreich.

Unterwegs vom Begriff zum Inbegriff

Als alter Lateiner traf ich zum ersten Mal auf den Begriff ‹Corona› in meiner Gymnasialzeit; damals in der Bedeutung von ‹Kranz›, ‹Ehrenkranz› ‹Versammlung›. Dass er dereinst als Begriff für eine Virusfamilie auftreten würde, konnte ich zu jener Zeit nicht ahnen.

Andere Begriffe und wichtige Themen wie Wasseroder Luftverschmutzung, Waldsterben und Klimawandel hingegen existierten noch in keinem meiner Lehrpläne. Wenn man das Wasser eines Baches nicht trinken sollte, dann sah und roch man das, etwa, weil der Bauer tags zuvor seine Jauche aufs Feld ausgebracht hatte. Und wenn sporadisch ein Auto den eigenen Weg kreuzte, dann lag da zwar ein beissender, öliger Geruch in der Luft, der einem kurzzeitig die Atemwege reizte, doch das galt als normal. Deswegen gleich den Klimawandel auszurufen, das grosse Sterben der Bäume zu verkünden und protestierend auf die Straße zu gehen, das wäre niemandem von uns eingefallen. Eigentlich bedauerlich, aber das Zeitgeschehen folgt einer eigenen Logik.

Einige Jahre später gab es zwar immer noch keine Nanopartikel und auch Plastik kam im Wasser nicht vor, aber man sah Ereignisse voraus, die bei den Wissenschaftlern damals zu tiefen Sorgenfalten auf der Stirne führten. So beschäftigte zum Beispiel die Gewässerverschmutzung zahlreiche Umweltforscher. Damals gab es namentlich in Waschmitteln zu viele Rückstände. Die schadeten der Wasserqualität und stellten in der Verlängerung für den Menschen und die gesamte Biosphäre eine erhebliche Gefahr dar.

Der Borkenkäfer galt in der Folge eine Zeit lang als Schädling Nummer 1, wohnte in aller Munde und füllte die Frontseiten wichtiger Tageszeitungen. Er trug das Angst provozierende Potential in sich, unsere grossen Waldflächen zu ruinieren.

Was man damals aber definitiv für nicht beachtenswert hielt, war die Angst vor Pandemien. Man verfügte über hinreichend Vertrauen in die Fortschritte der modernen Medizin, welche in einem der Corona-Pandemie vergleichbaren Fall uns wirksam vor Gefahren schützen würde. Seuchen, das waren Übelkeit erregende Relikte aus einer unwirklichen Zeit, wo schwarzgekleidete Schnabeldoktoren mit Handkarren Leichenhaufen in kalkpräparierte Gruben schmissen. Waren wir deswegen naiv?

Heute lasse ich mich belehren, dass das Coronavirus eine der schlimmsten Plagen sei, welche die Menschheit jemals heimsuchte und dass man fieberhaft an einer Schutzimpfung dafür arbeite. Im Fernsehen konfrontiert man mich mit Bildern von endlos sich der Strasse entlang windenden Leichenwagenschlangen auf dem Weg hin zu den Krematorien. Und anstelle der Handkarren sehe ich Kühlcontainer, die mit Leichen zur Zwischenlagerung befüllt werden. Kaum auszumalen, dass man jahrelang dieselben Transporter für den Import und Export von Frischgemüse und Früchten verwendet hatte!

Draussen auf dem Gehsteig wiederum treffe ich täglich auf vermummte Menschen, die einander gesenkten Hauptes schamhaft und ängstlich ausweichen oder mir verklärten Blicks Distanz predigen und sich dabei zwanghaft im wilden Händerubbeln üben.

Das dünkte mich recht freudlos und ich versuchte tunlichst, solch belastende Begegnungen zu vermeiden. Doch letztlich blieb auch mir nichts anderes übrig, als zu lernen, damit umzugehen. «Ich habe in meinem Leben schon wesentlich Verrückteres erlebt,» versuchte ich mich zu trösten, «als Horden von verängstigten Menschen, die auf ihren Handy-Apps nach Infizierten Ausschau halten, zu ignorieren.» Kriege, Seuchen und ähnliche Katastrophen waren immer schon geeignete Anlässe, die menschliche Erfindungsgabe zu beflügeln und in kürzester Zeit neue Errungenschaften, wie etwa die Entwicklung einer passenden App, auf den Weg zu bringen.

Wovor ich mich draussen auf meinen ausgedehnten und beschaulichen Spaziergängen durch die wohlduftenden Fluren und blumenüberwachsenen Wiesen im Frühling aber wirklich fürchtete, war der drohende Lärm, den Hunderte von Flugzeugen täglich bald wieder verursachen würden. Gab es etwas Schöneres als diese Ruhe? Und mich ängstigte die Hektik der in absehbarer Zeit wieder aus dem Lockdown entlassenen Bestie ‹Alltag›. Man fragt sich fast schon verzweifelt, ob es bei all den geleisteten Innovationen dagegen immer noch keinen Impfstoff gibt? Denn Corona wird gehen, der Lärm, der Gestank und die Hektik aber bleiben.

Ist es möglich, dass wir Menschen ohne medizinische Unterstützung aufwachen und nach einer neuen Sicht suchen – weg von angsteinflössender, unübersichtlicher, auf Distanz beruhender und an Mangelwirtschaft leidender Globalität; weg von Mobilität, Konkurrenz und Nationalismus; hin in ein Jenseits vom Neoliberalismus, wo wir weder Schnabeldoktoren noch Kühltransportern begegnen werden.

Ein Garten, eine harmonierende Nachbarschaft, ein stilles Abendrot, der Gesang der Amseln, erfüllt vom Inbegriff eines selbst gestalteten, bereichernden Lebens, das seinem Namen alle Ehre erweist. Das würde mir reichen.

Adel oder Hochfinanz – Hilfe wäre das wahre Motto

Spätestens nach dem Ersten Weltkrieg und seinen Nachwehen gibt es den Adel im klassischen Sinne nicht mehr. Die alten Monarchien wurden gestürzt und zu charitativen Plakatinstitutionen umstrukturiert. Ähnlich erging es den Kirchen, welche sich seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert, der Zeit der Säkularisierung, bis heute auf einer rasanten Talfahrt des Imageverlustes befinden. Im Zuge desselben sozialen, politischen und ethischen Umbaus trat dann die Hochfinanz aus dem Schatten ihres Judas-Daseins und etablierte den Verrat in den Regiebüchern weltweit als die liberale Macht- und Handelsbühne. Seither regiert das Leistungsdenken, welches sich vermeintlich zu jedem Stadium seiner Selbstinszenierung in Zahlen messen lässt. Leistung ist einer der Lieblingsbegriffe des neuen Establishments. Gemessen wird jedoch nicht die eigene Leistung, sondern die der anderen, jene der unselbständig, in Abhängigkeitsverhältnissen Arbeitenden.

Das, wofür Ansehen und Geld erstinstanzlich stehen, darüber gibt es keine Zweifel: wir sprechen da von Macht. Aus der neuen Sicht einer human gestalteten, solidarischen Gesellschaft ist daher entscheidend, wozu das Vermögen der Reichen eingesetzt wird. Die einstige Milde des Monarchen seinen Untertanen gegenüber verlangt nach einem adäquaten Ersatz. Adel und Hochfinanz, welche in der neuen Welt identisch sind, müssten im Zuge dieser verlorengegangenen Humanitas stärker vom Zepter der Solidarität in die Pflicht genommen werden. Bei den unermesslichen Vermögen, welche heute in Umlauf sind, sollte Armut definitiv nicht mehr existieren. Angesichts der ungerechten Vermögensverteilung liegen Reichtümer brach, die nur dazu dienen, die Finanzblase weiter aufzublähen. Die Verteilung des unnützen Geldes an die Armen wirkte diesem Balloneffekt zumindest etwas entgegen.

Die moralisch bewertet verwerfliche Selbstzelebration der Macht sollte ein Ende nehmen. Und ihre tragenden Strukturen müssten zerschlagen werden. Ich spreche hier nicht von Aufständen, Revolution oder Krawallen, denn ich zähle mich zu jenen Menschen, die an die Macht des Geistes und die Einsicht der Vernunft glauben.

Klar stehen wir heute an einem Punkt, wo die Regierenden dieser Welt nur noch nach der Pfeife der Macht tanzen. Und da die meisten Regierungsvasallen etwas zu verbergen haben, sind sie erpressbar geworden. Hier setzt der Stiefel der Macht an. Weitere Mittel zum Erhalt der ungerechten Machtstrukturen bilden Bürgerkriege. Man hetzt Links gegen Rechts, Schwarz gegen Weiss, Muslim gegen Christ und braucht dann nur noch abzuwarten, bis der Hass eskaliert. Zur Not greift man schliesslich zum Mittel des Kriegs oder zu einer Pandemie. Egal was, Hauptsache, man verdient dabei gutes Geld.

Im Gleichnis gesprochen: Die höchsten Gipfel dieser Erde ragen weit über die 8000 Metermarke hinaus. Sie zu erklimmen ist nur wenigen beherzten und vom Wetterglück begleiteten Seilschaften beschieden. Die sie begleitenden Lastenträger bleiben dabei auf der Strecke, sie gehören zum Inventar. Man speist sie mit einem Trinkgeld ab. Alternativ bleibt zu hoffen, dass sie alle Opfer einer Schneelawine werden, die Natur in solchen Höhenlagen hat schliesslich ihre Laune. Zynismus oder nicht, Macht hat ihren Preis, und wer ihr dient, gerät in raues Fahrwasser und muss auf alles gefasst sein. Von der Grausamkeit spricht man dabei nicht.

Ich will das hier nicht weiter ausmalen, denn wahre Macht liegt im Herzen und in der Seele. Ich sagte das schon. Ihr Motto lautet: «Hilfe leisten, da wo Menschen in der Not stecken.»

Und, so fragt man sich neugierig, warum sollte die Macht im neuen Lichte des Herzens und der Seele das tun? Ich finde, das ist leicht zu beantworten: Mächtiger als mächtig kann man nicht sein. Einmal an der Macht, verfügt man über so viele Mittel und Ressourcen und sieht sich mit dem Privileg ausgestattet, anderen Menschen auch materiell zu helfen.

Aber klar, man müsste das aus einer DMZ, einer Art demilitarisierten Zone heraus angehen. Hier nochmals beispielhaft gesprochen: Die Linke Italiens, Italia Libera, legt beim obersten Kassationsgerichtshof, rechtzeitig vor dem Gründungstag der Republik, dem 2. Juni, ein Verfassungsschreiben vor und ruft zu einem Referendum auf, das den italienischen Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit gäbe, über Verbleib oder Austritt in der Europäischen Union (EU) abzustimmen. Die EU hat es während der Corona-Krise im Frühjahr verpasst, Italien in Zeiten der grössten Not Hilfe zu schicken. Klar, dass man da mit Fug und Recht politisch darüber nachdenken sollte, ob ein Verbleib in einer kalten Union, die nur auf dem Fundament von Finanzen steht, weiterhin fortbestehen will oder ob man mit einem ItalExit dem Beispiel Grossbritanniens folgen möchte. Aber machen wir uns nichts vor, es könnte sich dabei auch nur um ein simples Druckmittel handeln. Wer spuckt schon freiwillig auf die Hand, die ihm Geschenke reicht.

Es gibt zurzeit viele Schaubühnen auf dieser von Korruption, Neoliberalismus und Machtgehabe gebeutelten Menschenwelt, welche Theaterstücke aufführt, die aus der Feder der Macht stammen. Wie wohltuend sähe sich da ein Schauspiel an, das dem Motto ‹der wahren Macht›, der Solidarität und Nächstenliebe verpflichtet ist?

Ein Brief an das Leben, die Menschen und den Frühling

Die jugendliche Gretel aus den schwedischen Wäldern schmettert ihr theatralisches «how dare you» in den Saal der ZuhörerInnen der Vereinten Nationen. Und Pinocchio aus dem Weissen Haus rät seinen Patrioten, sich Desinfektionsmittel intravenös zu verabreichen, dieweil seine Nase abermals ein Stück länger wird. Im Dorf begegnen dir vermummte Gestalten und versuchen dich mit ihren stechenden Insektenaugen zu kreuzigen, der du schutzlos versehentlich dazwischengerätst – «how dare you» und Cruella De Vil zelebriert den Shutdown und ruft mit süsslich gequälter Stimme ihre kostbar gepunkteten Kinderchen an die Krippe zu sich.

Verbindet man diese vier Punkte, dann wird uns Eingeweihten klar: Hier wütet an der Oberfläche des Lebens eine Pandemie, in der Tiefe aber bereiten sich die wilden Dionysier zum trunkensten und farbenfrohesten heidnischen Fest vor. Entschuldigt, etwas Dramatik darf es an dieser Stelle schon sein.

Und dann ist es soweit. Die Pracht entspriesst der Tiefe, rankt sich zwischen den leidenden Menschen empor und taucht die Welt um uns in das farbenprächtigste und herrlich duftende Frühlingskleid, begleitet von Fanfaren euphorischer Vogelgesänge; juhe, der Frühling ist jetzt endlich da!

«But how comes», die Menschen sehen ihn nicht, spüren ihn nicht, riechen ihn nicht. Verängstigt schleichen sie stattdessen den rauen Wänden der Häuser entlang, während zur selben Zeit kein einziges Flugzeug die blauen Wasser des Himmels mit seinen Kondensstreifen durchpflügt und verunreinigt. Der Lockdown machts möglich, die Menschen fliegen nicht sinnlos in der Welt herum, lassen ihre Autos zu Hause in der Garage und die Natur feiert dankbar den Frühling.

So könnte eine Parabel beginnen, mit der ich die Erfahrungen der ersten Frühlingswochen dieses unglaublichen Jahres beschreiben würde. Das Leben, man kann es seiner Werte berauben; die Menschen, sie können dabei vielfältig verblöden; der Frühling aber rüstet sich für Pfingsten. Sie ist das grösste Fest des Lebens, wo göttlicher Geist sich unter die Menschen mischt und ihnen die Chance gewährt, Zipfelmützen und Masken abzustreifen. Ihr oszillierender Geist ist es, der uns aufmuntert, dem rundum erneuerten Leben zu folgen.

Das Dasein, man kann es gut oder schlecht finden, es ist alles, was wir haben. Es gibt Gretel, es gibt Pinocchio und auch Cruella De Vils, aber sie alle können ohne uns nicht existieren. Ihre Bosheit, ihre Dummheit, ihre Lügen und ihre Belanglosigkeit nähren sich einzig an den Gedanken unserer Köpfe.

Sie und zahllose andere Wegbegleiter der Corona-Strategie sind nur die stümperhaften Geister unserer nächtlichen Albträume. Wozu sie im Wachen weiter pflegen? Sie schwächen uns und vergrauen uns den Tag, mögen sie doch insgesamt lieber in der Bedeutungslosigkeit verrotten. Wir könnten wie Meister Eder sein. Mutig und tapfer, den Tod nicht fürchtend: Des Nachts vom Liebreiz eines Pumuckl träumen und ihn des Tags erschaffen und uns künftig an seinem Schabernack, seinem koboldhaften Ungestüm und an seiner unbändigen Lebensfreude freuen.

Und ja, wir sind alle genau so reich wie der Ärmste von uns arm ist.

Proteus on fire

Wir die atemlos Getriebenen, unterwegs von einem Hype zum nächsten

Was die Welt derzeit in Atem hält, mit welcher Hektik, Wiederholung und Kreisläufigkeit dies geschieht, erinnert mich spontan an den 1998 erschienenen Film ‹Lola rennt› von Regisseur Tom Tykwer. Der Filmtitel verrät es, der Zuschauer verfolgt für 80 Minuten praktisch atemlos eine rennende Frau. Man wünscht es sich für sich selber, dass Lola diese nervige Rennerei doch endlich lassen würde. Aber nichts da: In drei Wiederholungen starten die Geschichte und das Laufen jeweils neu.

So oder ähnlich verhält es sich bei mir in den vergangenen drei Monaten mit Corona und nachgerade neu mit den amerika- und europaweiten Demonstrationen gegen Rassenhass und polizeiliche Gewalt an Schwarzen. Und am Horizont zeichnet sich unmissverständlich mit den bevorstehenden US-Präsidentschaftswahlen das nächste Debakel ab. Eine Hiobsbotschaft jagt die andere, und Hiob, das sind wir.

Zuerst bringen die Regierenden dieser Welt unser öffentliches, berufliches und privates Leben wegen der Pandemie praktisch zum Stillstand. Daraufhin vegetieren wir eine Weile in Quarantäne, haben Ausgangsverbot, sind in Kurzarbeit oder verlieren sogar unseren Job. Milliarden und aber Milliarden Kredite werden zur Abfederung der Not lockergemacht, was ja angesichts der wachsenden Not durchaus angebracht ist. Und kaum flaut die Angst vor der Pandemie allmählich etwas ab, spricht man von der nächsten Krise. Corona sei lange nicht vorbei. Von Inflation ist die Rede, von Bankrott und von weltweit sich abzeichnenden Wirtschaftskrisen. Ein Angstszenarium jagt das andere. Und schon werden wir kopfüber ins nächste Debakel geworfen und mit Massendemonstrationen «bespreadet». Gewalt und mehr Gewalt. Chancenlos, das eine zu verdauen und wieder einmal etwas tiefer und wieder frei durchzuatmen. Denn dies wäre bitternotwendig, um der düster sich abzeichnenden wirtschaftlichen Zukunft mutiger zu begegnen. Stattdessen prägen Kurzatmigkeit, Herzstechen, Durchfall und sinnlose Hektik unseren Alltag – Lola rennt. Womöglich rennt sie kopfüber in die nächste Coronawelle.

Man hat gemerkt, wie schnell die Hebel der Demokratie mit Hilfe eines einzigen Angstmachers umgelegt werden. Der damit angerichtete Scherbenhaufen wird dann hurtig unter den Schrank gekehrt und mit Schönfärberei übertünkt. Die Frage sei erlaubt: «In was für einer Welt leben wir?» Anschaulich vermag man sich jetzt eine lebhafte Vorstellung davon vor Augen halten, was geschehen wird, wenn Menschen ihre Autonomie aufgeben oder sich dazu drängen lassen, medien- und obrigkeitshörig zu werden und ihre Persönlichkeit hinter einer Hygiene- und Schweigemaske zu verbergen. Das vielgepriesene freie Volk der Dichter, Denker und Seher ist paralysiert und fällt in den Tiefschlaf. Stanley Milgram lässt freundlich grüssen.

Angesichts der sich abzeichnenden Erholung an der Coronafront wäre es nunmehr an der Zeit aufzuwachen. Wir anderen, die nicht so leicht den schnellen Schlaf finden, dürften uns etwas mehr freuen und der nächsten Zukunft offener entgegentreten. Aber nein – Lola rennt immerzu weiter – und erneut gibt es Gründe zu zittern. Stürzen wir uns etwa blindwütig amerika- und europaweit in eine zunehmend eskalierende Gewaltwelle, die womöglich hier und dort in einen Kleinkrieg ausarten wird? Das wünscht sich keiner. Niemand, der bei Verstand ist, sucht den Krieg, weder den grossen, den verdeckten noch den Bürgerkrieg.

Was hat es mit diesem George Floyd auf sich? Welchem Albtraum entsprang dieser Mord? Warum vermag diese Gewalttat die Menschen rund um den Globus derart in Rage zu bringen? Mord ist eben nie zu akzeptieren. «Man soll das eine tun und das andere nicht lassen» – dies ist bloss ein dummer Spruch. Denn wer schürt diesen Nächstenhass, zu welchem Zweck? Was verspricht man sich davon? Daraus wird kaum Gutes entstehen. Ich wünschte mir, wir liessen es bleiben: endlich Zeit zum Einhalten und Nachdenken, sich sammeln und neu formatieren? Aber klar, Lola rennt immer weiter. Wird die Frau denn nie müde? Ist es nur sie, die spinnige Idee eines Regisseurs, oder haften Hyperaktivitäts- und Restless-Legs-Syndrom unserer Zeit an?

Ruhe, Gelassenheit, Erholung? Nichts wie frommes Wunschdenken meinerseits, denn zu alldem sorgt ein auf Wahlkampf getrimmter, höchst umtriebiger und schwer berechenbarer Trump ausgebufft und lauthals in kurzen Zeitabständen für einen Trommelwirbel um den anderen. Aber keiner, weder Freund noch Feind, wagt, wegen der bevorstehenden Wahlen nachhaltige Entscheide zu treffen, um dem ganzen Irrsinn endlich ein Ende zu bereiten. Alles wirkt weiterhin überstürzt, plan- und atemlos, wie wenn wir uns immer von neuem losrennend auf der Flucht vor einem jedes Mal anderen Feind befänden.

Da droht man irre zu werden, die Orientierung und den Glauben an das Gute zu verlieren – die einen werden zumindest kurzatmig und andere leiden an psychosomatischen Störungen. Die Grenzen zwischen den Risikogruppen und den weniger Gefährdeten werden allmählich verwischt, und alles wird zur Gefahr, und die schiere Fülle der Mitteilungen schwappt in getakteten Abständen wie gischende Brandung eines windgepeitschten Meeres über uns hinweg. Das macht müde.

Womöglich wäre es hilfreicher, wenn wir uns den persönlichen Ängsten stellten. Ein probates Mittel, ich empfehle es, versteckt sich hinter dem Ausschaltknopf: Nur Mut, drück den Knopf an der Medienkiste, erstaunlich, wie still es wird. Selbst Lola lässt dann das Rennen und bleibt wie erstarrt endlich stehen. Dieses Verhalten, man nennt es Medienabstinenz.

Narrativ und Agenda – politisch enden sie oft in blutigen Kriegen

Narrativ, warum sollte ich dich mögen? Egal, was du ausheckst, ich kann es nicht ausstehen, weil du nur schauspielerst. Bist ein modernes Modewort. Bist wohl auch so ein Begriff mit Immigrationshintergrund – eingewandert aus dem englischen Sprachraum. Narrative sind was für Strategen, sollen uns anderen unsere Gesellschaft deuten. Man sollte sich vor Narrativen hüten, sie dienen meist nur zur Beschönigung eines wenig befriedigenden Zustands. Und sie erklären meist gar nichts. Ich gehe auf Distanz zu dir und diskreditiere deinen Redefluss.

Damit könnte die Sache für mich gegessen sein. Man setzt sich über etwas hinweg und will damit zu verstehen geben, den Durchblick zu haben und einer zu sein, den man nicht so leicht an der Nase herumführt.