VERDÜRRT - Lars Niklas Ludes - E-Book

VERDÜRRT E-Book

Lars Niklas Ludes

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Beschreibung

Ein erstaunliches Erstlingswerk des erst 18-jährigen Autors. Ein Gesellschafts-Drama und eine Liebes-Tragödie im kurzweiligen Tagebuchformat zu den Zeit-Themen, den Empfindungen und Gedanken eines Jugendlichen im Corona-Jahr 2020. Der Titel "VERDÜRRT" fasst dabei alles zusammen. Alles ist falsch, nichts stimmt mehr, aber je länger man sich das Falsche anhören muss, klingt es irgendwann doch richtig. Alle gelernten Regeln gelten nicht mehr und die menschliche Lebensfreude wird dauerhaft unterdrückt. Die menschliche Seele trocknet aus. Was bewirkt dies alles nun bei einen Heranwachsenden?

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 176

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Lars Niklas Ludes

VERDÜRRT

Tagebuch eines Jugendlichen2020

© 2021 Lars Niklas Ludes

Verlag und Druck:

tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg

Titelbild und Covergestaltung: Lars Niklas Ludes

ISBN

Paperback:

978-3-347-30110-8

Hardcover:

978-3-347-30111-5

e-Book:

978-3-347-30112-2

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Vorwort:

Diesen Roman, Erzählung oder wie man es auch nennen mag, erzählt von den Erfahrungen und Empfindungen eines unbekannten Jugendlichen im Krisenjahr 2020. Um die tatsächlichen Gegebenheiten aus der Perspektive des jeweils aktuellen Zeitgeschehens wiederzugeben, habe ich die Form eines Tagebuches gewählt. Es beinhaltet zwar wahre zeitgeschichtliche Gegebenheiten, die Handlungen und Personen sind jedoch frei erfunden.

Dieses Buch ist allen Jugendlichen gewidmet und stellt gleichzeitig eine Mahnung an alle gesellschaftlich und politisch einflussreichen Personen dar, die Belange der Jugendlichen zukünftig verantwortungsvoller zu berücksichtigen.

Einen besonderen Dank möchte ich an alle aussprechen, die mich bei meinem ersten Buch so toll und engagiert unterstützt haben.

Ich habe es geschafft! Endlich hier raus! Raus aus dem Alltag. Endlich sehe ich wieder Farben, zum ersten Mal seit langem wieder. Welcher Tag würde besser passen als der heutige, um meinen ersten Eintrag diesem von mir eigentlich schon längst für verloren gehaltenen Tagebuch zu widmen. Ich habe es heute aus Zufall erst wieder in einer alten Kiste gefunden. Es war ein altes Geschenk, was ich von meinen Großeltern zu Grundschulzeiten mal bekommen habe. Ja, und da dachte ich mir, dass der heutige Tag unbedingt festgehalten werden muss. Denn du wirst nicht glauben, wie glücklich mich es mich formt, endlich wieder bei Sinnen zu sein. Es ist nicht so, als wäre ich es vorher nicht gewesen. Also nicht so, wie du es jetzt denken wirst. Ich war, sagen wir es mal so, ohne es zu wissen, in meinem Alltag gefangen.

Wenn ich mich zurückerinnere, sah ich nicht die Farben wie ich sie jetzt sehe. Die Natur, das Leben an sich. Es ist wunderbar und sondergleichen.

Ich war wirklich in einem seltsamen Zustand, bevor ich erst heute wieder zur Besinnung kam.

Erst heute, nachdem die Schule geendet hat - bzw. eher nur ein Schultag von vielen noch Kommenden - schien mir zum ersten Mal seit langem wieder die Sonne. So hell und prachtvoll, dass sie einen blenden mag. Man muss dazu sagen, dass es Januar ist. Es ist kühl, jedoch hat es den Winter über nicht einmal geschneit. Es war eine triste Zeit.

Gleich nachdem ich das Schulgebäude verließ und den Schulhof betrat, fiel es mir auf. Die Sonne, die sonst die letzte Zeit immer von Wolken verdeckt war, schien. Ja, sie schien! Zwar waren es nur ein paar Lichtstrahlen, die sich anfangs durch die Wolkenlücken drängten, jedoch schwanden die Wolken immer mehr, so dass die Sonne umso mehr schien. Ich war gerade auf dem Heimweg als ich bemerkte, wie die Sonne mich wärmte. Sie wärmte nicht nur meinen Körper, nein, ich spürte wie all die vergangene und scheinbar vergessene Lebensfreude in mich zurückkehrte. Mein Herz erwärmte sich und plötzlich bemerkte ich es: Die wunderbare Vielfalt der Natur.

Ich ging dabei meinen üblichen Weg zur Bushaltestelle, an welcher mein Bus kommt, mit dem ich nach Hause fahren soll. Am Rande dieses Weges stehen eine Reihe von Bäumen und Sträuchern. Vor diesem Tag habe ich diese nie wirklich als besonders empfunden, es waren für mich lediglich Pflanzen, die keine Relevanz haben. Doch heute sah ich, wie schön sie doch sind. Ja, es klingt jetzt etwas seltsam, aber ihre Farben kamen mir auf einmal so besonders vor. Ich näherte mich einem Baum, um seine Rinde anzuschauen. Frag nicht wieso, ich war neugierig und irgendwie wollte ich das unbedingt machen. Ich versuchte alles so genau wie möglich zu beobachten. Zwar hielt ich nur kurz dafür an, ich wollte ja nicht meinen Bus verpassen, aber das war wirklich besonders. Es war ein unbeschreibliches Gefühl. Ich war überwältigt von der Natur und das alles nur aufgrund der Sonnenstrahlen, die auf mich trafen. Es ist wirklich faszinierend. Doch es wirkte, als hätten sie meine Fesseln gelöst - die Fesseln des Alltags. Es war überwältigend. Es geschah so unerwartet und plötzlich, dass ich immer noch nicht wirklich damit klarkomme. Es ist, um ehrlich zu sein, auch sehr schwer, das alles nun in Worte zu fassen. Es riss mich aus meinem anstrengenden Schulalltag und erfüllte mich einfach vollends. Ich vergas all den Stress, die Sorgen um meine Noten, Konflikte mit Freunden, alles verschwand. Gleichzeitig fiel mir auf, wie kalt und leer mein Herz doch die letzte Zeit war. Es wirkt eventuell seltsam, aber es ist wirklich nur sehr schwer, das alles in Worte zu fassen, die dem Ganzen auch gerecht werden können. Das Gefühl ist einfach unbeschreiblich.

Ich würde gerne auch jetzt, in diesem Moment, einfach nur in den nahegelegenen Wald, der hinter unserem kleinen Häuslein liegt, gehen. Weg von der ganzen Elektronik, weg von meinem Handy, weg von meinem Computer. Aber dazu habe ich nun leider nicht mehr wirklich die Zeit. Wir haben mal wieder enorm viel an Hausaufgaben auf, die wir bis zum nächsten Tag bearbeiten sollen. Und nicht nur das! Nein, wir müssen auch enorm viel für anstehende Tests lernen und arbeiten, gleichzeitig werde ich von nicht gerade wenigen Menschen sozial beansprucht. Was nicht schlecht oder schlimm ist. Versteh mich nicht falsch. Jedoch ist es so, dass die meisten Menschen heutzutage im 21. Jahrhundert meist nur noch an sich und ihr eigenes Wohlempfinden denken. Sie wollen nur das Positive akzeptieren und sehen die Konsequenzen nicht. Sie wollen immer alles, wenn möglich einfach. Das, was kompliziert ist, lehnen sie ab, das, was sie beansprucht oder herausfordert, meist auch. Hauptsache, sie haben ein gutes, einfaches Leben. Darum dreht sich bei ihnen alles. Ich will und kann mich nicht mit solchen Menschen vergleichen oder gar gleichsetzen. Wie auch immer, ich muss nun wirklich leider was für die Schule arbeiten. Ich versuche sobald wie möglichst nochmals was reinzuschreiben, vielleicht schon morgen. Bis dann!

*******

Heute war ein wirklich anstrengender Schultag. Schule mal wieder bis 16 Uhr. Ja, ich bin auf einer Ganztagsschule und mittlerweile auch schon in der Oberstufe. Wir haben mal wieder eine Menge an Aufgaben erhalten, die wir zu Hause erledigen sollen. Kein Wunder, in einem Jahr schreiben wir Abitur - unsere Abschlussprüfungen - und bis dahin sollten wir bestmöglich darauf vorbereitet sein. Sie (die Lehrer) haben ja recht in dem Punkt, doch ich persönlich finde es auch wichtig, dass man genug Zeit hat, um seinem eigenen Wesen nachgehen zu können. Ich meine, ein gesunder Mensch braucht das doch. Ein Mensch braucht mal Freizeit und Ruhe für sich, wie sonst soll man bei dem ganzen Kram nicht krank werden oder sich wirklich konzentrieren können?

*******

Hallo Freitag! Für diese Woche habe ich wohl die Schule abgehakt. Welch ein Wunder, dass wir mal wieder tausende von Aufgaben erhalten haben. Nun gut. Ich denke, dass ich diesen Tag dazu nutzen werde, all meine Arbeitsaufträge bestmöglich zu erfüllen, sodass ich das Wochenende vielleicht mal wieder Zeit habe in die Natur zu gehen. Das zu tun, was ich, seitdem ich ein Kind war, nicht mehr wirklich getan habe und das, nachdem ich mich schon seit einigen Tagen wieder wirklich sehne. Vor allem seit dem Vorfall mit den Sonnenstrahlen, die mir die Augen wieder geöffnet haben, die Schlüssel, die meine Fesseln gelöst haben! Auch packt mich die Lust eventuell mal wieder etwas am Klavier zu klimpern oder ein Bild zu malen. Ich weiß nicht, wie ich darauf komme, aber mir ist irgendwie gerade danach. Aber zuerst erledige ich nun meine Aufgaben und danach vielleicht ein wenig Abwechslung, mal sehen. Ich beeile mich nun einfach und bringe es dann hinter mich.

*******

Durch die schulisch bedingten Arbeiten habe ich gestern leider keine Ruhe mehr gefunden auch nur den Pinsel anzufassen oder eine Taste am Klavier zu drücken. Ich sehne mich nach draußen, ich sehne mich nach der Natur, dem Vogelgezwitscher, dem Duft des Grases und was weiß ich noch alles, was ich so lange weder hörte, roch noch sah. Nicht mal mit allen Aufgaben wurde ich gestern fertig, mit all den Verlangen und Sehnsüchten in meinem Kopf. Ach, es ist wirklich enttäuschend. Kennst du das, wenn du von dir selbst enttäuscht bist? Dann regt man sich meist lieber auf anstatt die Arbeit zu erledigen, die man zu erledigen hat. Irgendwie ist das doch immer so. Wir Menschen versuchen uns in stressigen Situationen meist einfach nur abzulenken und der Arbeit aus dem Weg zu gehen, anstatt sie einfach zu erledigen. Lieber heulen wir stundenlang rum und verschwenden so unsere Zeit, suchen ständiges Mitleid und ein offenes Herz, was unser Leid und unsere Klage hört und aufnimmt. Wobei wir auch in der gleichen Zeit, in der wir uns beklagen, die Arbeit erledigt hätten können. Irgendwie seltsam, aber ich kenne es ja von mir selbst. Dabei fällt mir gerade auf, dass dies mir auch irgendwie etwas fehlt. Ich werde jeden Tag von Menschen zugeheult, doch selber? Selber hatte ich nie jemanden, dem ich wirklich meine Seele leeren konnte. Warum fällt mir das eigentlich jetzt erst auf, wo ich darüber schreibe? Wie erbärmlich das doch eigentlich ist, dabei bin ich doch selbst nicht wirklich anders. Was bin ich denn überhaupt? Ist es nicht so, dass man selbst nie sagen kann, was man ist? Ich denke, dass es eigentlich nur die Gesellschaft oder die Gruppe sagen kann. Also, sie sagen zu einem, was man ist und dann steigert man sich da rein und wird wirklich zu dem, was die Gruppe einem vorgibt zu sein. Ich weiß nicht, ob ich das bin oder sein will. Aber ich finde es schwer, selbst zu definieren, was ich bin und warum ich bin, was der Sinn hinter meiner Existenz ist. Einerseits, selbst wenn man schauspielt, ist man immer noch man selbst. Jedes Handeln definiert einen, jede Kleinigkeit und jede Entscheidung, jedes Wort, jedes kleinste Detail.

Warum schreibe ich eigentlich gerade darüber? Ein exzellentes Beispiel dafür, dass ich mich vor meiner Arbeit eigentlich nur drücken will und Trost suche.

*******

Es ist vollbracht! Heureka! Oder wie man dazu sagt…

Ich habe alle schulischen Pflichten erledigt und habe endlich wieder etwas Zeit für meiner selbst. Sonntag ist heute und der Tag ist seines Namens gleich.

Du musst wissen, dass ich noch nie einen so guten Morgen hatte. Ich wurde von den Sonnenstrahlen die durch mein Fenster auf meinen Kopf trafen geweckt. Kein Wecker-Lärm, gar nichts. Es ist traumhaft mal so geweckt zu werden. Dabei hab ich es nie für wirklich wahrgenommen, dass man auch so geweckt werden könnte, so friedlich. Herrlich! Ich dachte, dass gäbe es nur in solchen Märchen und heute durfte ich es an Leib und Seele erfahren, dieses Gefühl, diese Harmonie in mir selbst, weder Straßenlärm, noch Lärm im Zimmer und im Haus. Nichts, einfach herrlich!!! An solchen Tagen hat man einfach das Bedürfnisse mal Danke zu sagen, wem auch immer man das alles zu verdanken hat.

Heute soll also der Tag sein, an dem ich endlich wieder in den Wald gehe und die Natur genießen kann. So lange hab ich es nicht mehr getan, so lange habe ich es ignoriert und durch die ganze Arbeit und den Stress negativ übertönt, Aber heute mache ich es, heute ist es soweit, heute werde ich es tun, heute gehe ich endlich wieder in den Wald! Ich kenne aus meiner Kindheit noch einen schönen Ort, dazu muss man einen kleinen Trampelpfad den Berg hinauf laufen und wenn man oben angekommen ist, steht dort ein Kreuz und man hat eine herrliche traumhafte Aussicht, so erinnere ich mich wenigstens daran.

Du kannst dir ja überhaupt nicht vorstellen, wie sehr ich mich auf diesen Tag, auf den heutigen Tag freue. Ich bin gespannt, welche Tiere ich entdecken werde, welche Gerüche ich riechen und welche Tiere ich sehen und hören werde.

Mittlerweile ist es schon nahe Mittag. Das Gras auf unserem Vorhof ist grün und nass, noch belegt mit einem Tau. Es wirkt jedoch wie ein Meer, ein Meer voller grüner Juwelen, die funkeln. Das feuchte Gras reflektiert einfach so herrlich die Sonnenstrahlen.

Ich mache mich nun langsam auf den Weg. Ich möchte keine weitere Zeit verschwenden. Zu lange wurde ich dem allem beraubt! Ich werde zum Abendessen wieder heimkehren. Ich melde mich. Bis dann!

*******

Es ist mittlerweile Nacht und ich bin wieder da! Es war wirklich überwältigend.

Es ist atemberaubend, wie schön doch dieser Wald ist, obgleich die Bäume im Januar keine Blätter mehr tragen, und wie viele Erinnerungen ich doch noch an ihn habe. Doch erschreckend, wie blass sie geworden sind. Es ist aber auch wirklich erstaunlich, was so passiert ist in den vergangenen Jahren und auch wie viel sich gewandelt hat. Aber das alles werde ich dir nun so detailliert wie möglich erzählen, unbedingt.

Nachdem ich den Tagebucheintrag von heute Morgen verfasst habe, bin ich so gut wie direkt aufgebrochen, um in den Wald zu gehen. Ich hinterließ meiner Mutter, die sich stets um mich sorgt, eine Nachricht, dass ich vor Einbruch der Dunkelheit wieder zu Hause sein werde. Ich zog dann meine Schuhe an, nahm meinen Schlüssel und verließ das Haus. Ich ging unsere Einfahrt runter und bog dann in die mir aus der Kindheit bekannte Richtung zum Waldeingang ab. Ich ging dabei nur wenige Minuten die geteerte Straße entlang. Diese ist mittlerweile mit tausenden von Schlaglöchern übersät, was mir schon dermaßen auf die Nerven ging, dass ich sie am liebsten komplett rausreißen und durch schöne Pflastersteine ersetzen wollte. Sie ist wirklich hässlich, vor allem scheint sich auch niemand wirklich darum kümmern zu wollen, wie auch bei allem.

Nun ging ich meine Erinnerungen ab, soweit ich mich noch an den Weg nun mal erinnern konnte. Und dann war ich auch schon bald da. Naja, um ehrlich zu sein, bin ich mir nicht mal mehr sicher, ob es nun wirklich der Eingang zum Wald war, also der offizielle, denn irgendwie sah alles sehr verwildert und runtergekommen aus, also so wie ich ihn gar nicht mehr in Erinnerung hatte. Jedoch, um ehrlich zu sein, denke ich schon, dass es der richtige Weg war. Ich meine, in unserem kleinen Stadtteil, nahe des Flusses Mosel, kam in den letzten Jahren irgendwie alles etwas runter, die Gebäude, Straßen und der ganze andere Kram. Wie dem auch sei, habe ich mich nie wirklich darum geschert.

Und um ehrlich zu sein, fand ich, dass es sogar etwas Verzauberndes hatte, wie die Pflanzen sich durch den Asphalt und das Mauerwerk bohrten. Es wirkte fast wie in ein verwunschener Traum. Keine Ahnung, wie ich es ausdrücken soll, doch den einstigen Trampelpfad habe ich nur kaum wiedergefunden, wenn es überhaupt noch einer war. Ich suchte mir also einen eigenen Weg.

Es war wirklich traumhaft, je tiefer ich in den Wald ging, desto schöner wurde es. Dieses Rascheln und Knistern beim Durchschreiten des etwas belaubten Weges, welches das Ende des Lebens dokumentiert und gleichzeitig wieder für neues Leben sorgen wird. Der Geruch von den vermodernden Blättern, Winterpilzen und der feuchten Erde. Die vereinzelten Schreie und Rufe der hier gebliebenen Vögel, das Licht der tiefstehenden Sonne, welches mich mit all seiner Kraft blendete , die mit Moos bewachsenen Bäume. Es sah alles so herrlich aus, und vor allem war es wirklich beruhigend. Ja, man kann sagen, es hat meine Seele, die sich sonst niemandem zuwenden kann, geheilt.

Ich ging solange, bis ich letztendlich auf eine Lichtung stieß, einen Ort, den ich definitiv noch nie zuvor in meinem Leben gesehen hatte. Der Boden war mit wunderschönem grünem Gras bedeckt, und das erste, was ich tat, war, mich an einen Baum zu legen und das ganze einfach auf mich wirken zu lassen. Der Baum war groß und alt, aber trotz seines Alters sowie seiner abgeworfenen Blätter wirkte er so voller Leben und Energie, sobald man sich ihm näherte. Er war ein Zuhause für vielerlei Lebewesen. Es war herrlich, so befreiend. Es war ein unbeschreiblicher Genuss, dieser Ort war so friedlich, so verlassen und so unberührt, wie ich es mir kaum vorstellen konnte. Ich war glückselig und ich fühlte mich wie der glücklichste, bereiteste Mensch, den es gibt. Die Strahlen der Sonne waren so wärmend und alles wirkte zusammen, die Lichtung, die Strahlen der Sonne, der große Baum, die unberührte und harmonische Natur. Es war wirklich herzerwärmend. Nichts im Vergleich zu der in dieser Jahreszeit kalten grauen Stadt. Ich weiß auch gar nicht, was die Leute in dieser Jahreszeit an der Stadt so sehr empfinden können - auch wenn Trier zwischen Ostern und Weihnachten sicherlich zu den lebenswertesten Städten überhaupt zählt. Na gut, jedem das seine, solange solche Orte wie diese Lichtung uns erhalten bleiben.

Ich habe dort vollkommen die Zeit vergessen, ich war so versunken in der Natur, so verbunden, dass ich mich zwingen musste wieder zu gehen, als ich bemerkte, dass ich die Zeit vollkommen vergessen hatte und dass ich vor Einbruch der Dunkelheit schon wieder zu Hause sein wollte. Als die Sonne so langsam verschwand, brach ich auf. Aus irgendeinem Grund war ich dabei weder hektisch noch gestresst, ich hatte keine Sorgen, keine Ängste, ich war endlich im Einklang mit mir und der Natur. So ging ich gelassen wieder nach Hause.

Du wirst dir nicht das Gesicht meiner Mutter vorstellen können, wie aufgebracht es war als ich so spät zurückkehrte. Ja, als ich zuhause ankam, war es doch schon sehr dunkel und – naja - ich habe die Zeit im Wald vollkommen vergessen und kam erst so gegen um 18 Uhr zu Hause an. Ich weiß es nicht mehr genau, jedoch war es schon sehr spät. Also zu spät und meine Mutter und mein Vater waren erst sehr wütend. Naja, das ist wohl verständlich, sie sorgen sich nun mal um mich. Ich denke, ich würde mich auch aufregen, wenn ich sie wäre. Aber gut, Geschehenes kann man nun mal nicht rückgängig machen. Eigentlich werde ich auch immer aufgebracht, wenn mich andere Menschen, vor allem Menschen, die ich liebe und von denen ich weiß, dass sie mich ebenso lieben, anschreien. Aber der Wald hat mich so unglaublich beruhigt, dass man meinen konnte, ich würde ihr Geschrei nicht wahrnehmen, worauf sie immer lauter wurden. Letztendlich habe ich es geschafft, ihnen zu sagen, dass es mir leid tut, was es mir auch wirklich tut und dass ich demnächst die Zeit auch besser im Blick zu behalten versuche. Das hat sie zwar erstmal still gestellt, aber sie waren dennoch skeptisch. Dann haben sie mich gefragt, was ich eigentlich solange getrieben habe. Als ich ihnen sagte, dass ich im Wald war, schien es ihnen all die vor wenigen Sekunden gesammelte Ruhe wieder zu zerschlagen, aber diesmal wurden sie nicht laut. Nur konnte man das Unbehagen in ihren Gesichtern noch deutlicher ablesen.

Du weißt gar nicht, nein du kannst es dir nicht vorstellen, wie leid mir das alles tat - mein Verhalten.

Ich hasse es, Menschen so zu verletzen oder zu enttäuschen, ich gebe mein Bestes, doch am Ende eskaliert es doch irgendwie und ich weiß dann nie, wie ich mich entschuldigen kann. Ich nehme mein eigenes Fehlverhalten immer sehr ernst, wobei ich immer versuche das Beste aus meinen Fehlern, wenn es überhaupt Fehler in dieser Welt gibt, zu machen.

Ach, was bin ich nur für ein seltsamer Mensch. Ich meine, wieso bin ich so wie ich bin und warum verhalte ich mich manchmal so asozial. Kein Wunder, dass alle außer mir bis jetzt einen Menschen gefunden haben, bei dem sie sich wirklich ausheulen können.

Wie dem auch sei, ich bin nun wirklich enorm müde und erschöpft, es war irgendwie entspannend im Wald, aber diese Diskussionen und all die aufgebrachten Gesichter