5,99 €
Entdecke jetzt dieses geheime Tagebuch eines autistischen Anwalts. Mit dem Start einer alptraumhaften Psycho-Rallye wird plötzlich sein neurotisch geordneter Alltag zwischen Kanzlei, Mittagstisch & Casino Baden-Baden krass auf den Kopf gestellt. Tauche tief ein in den wahnsinnigen Sog dieser prallen Zeitreise mitten in die 80er Jahre: zwischen Elektro-Synthie & Disco-Pop, Porsche- & Pferderennen, Politik, Bibel- & Terror-Paranoia. Erlebe das irre detailreiche & perfekt kreierte sprachliche Meisterwerk voll kultivierter Anspielungen & subtilem Wortwitz.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 112
Veröffentlichungsjahr: 2020
Diegeheimen Tagebuchaufzeichnungen aus den Jahren 1986 / ´87 dieses autistischneurotischen Anwalts sind in zwei große Teile zu je acht Kapitel gegliedert.
Um maximale Authentizität zu wahren, ist das ursprüngliche Layout nur minimal an moderne Lesegewohnheiten angeglichen. Stilistische und grammatikalische Eigenheiten des autobiographischen Quellentextes wurden ebenso wie die Zeichensetzung und die damalige Rechtschreibung originalgetreu übernommen.
Ergänzend wurden über sechzig erläuternde Fußnoten eingepflegt.
Der Service-Anhang enthält eine Diskographie, Personen-, Sach- sowie Ortsregister.
Aaron Aviv: ausgezeichneter Autor.
Percy Buchprofy: Ghostwriter
& Grenzgängerliteraturmacher.
Wenn Sie diese Tagebucheinträge,
die zum Zeitpunkt des Verfassens
allein für meine Augen bestimmt sind,
teilweise oder als Gesamtheit
im Original oder als Ablichtung
in Händen halten und lesen können,
bin ich inzwischen, wahlweise
entweder berühmter Schriftsteller -
oder eher einfach nur bereits tot;
oder: Sie sind entweder Dieb, Hehler
oder unredlicher Finder, auf Recherche
nach verborgenen Botschaften in diesen
vermeintlich banalen Belanglosigkeiten.
Baden-Baden, Café König,
im Oktober 1986
XXX
Teil A:
Angst & Schrecken
§0 Motive ….
§1 31. Oktober ´86
§2 01. November ´86
§3 02. November ´86
§4 05. November ´86
§5 09. November ´86
§6 19. November ´86
§7 30. November ´86
§8 20. Dezember ´86
Teil B:
Leben & Sterben
§9 21. Dezember ´86
§10 30. Dezember ´86
§11 01. Januar ´87
§12 18. Januar ´87
§13 25. Januar ´87
§14 11. März ´87
§15 20. Juni ´87
§16 25. August ´87
Service-Anhang
Diskographie
Personenregister
Sachregister
Ortsregister
Vierzig Jahre! Mein bevorstehender runder Geburtstag treibt mich überaus erbarmungslos dazu an, alles intensiver zu reflektieren. Will die Tage nicht länger unaufhaltsam vorbeirauschen lassen. Deshalb: Notizen notwendig!
Erstens für mich persönlich, als gnadenlos ehrliche Erinnerungsstütze;
zweitens, um meine grauen Gedanken etwas präziser und aufgeräumter zu denken, damit hoffentlich künftige Erkenntnisgewinne sauber strukturiert werden;
drittens, um meinem kläglichen Wortschatz nicht länger beim allmählichen Verstauben und Verkümmern zuhören zu müssen;
viertens, vor allem als buchstäbliche kleine Vor- und Fingerübung, l´art pour l´art, um mich außerhalb meines alltäglichen spießig-trockenen Anwaltsdeutschs an das unjuristische freie Formulieren zu gewöhnen.
Denn ich habe die feste Absicht, endlich meine langgehegte Idee umzusetzen:
Meinen Debütroman zu schreiben.
Die drallbusige Barkeeperin Evelyn mit den kastanienbraunen, rückenlangen, lustigen Naturlocken - ohne Frage keine Dauerwelle - hat heute wieder Schicht. Sie ist überhaupt nicht hübsch, aber die schwarzen Augen sind so lebhaft, daß sie manchmal sehr attraktiv wirkt. E2 serviert ihm Gin Tonic mit leicht salzigen Eiswürfeln. Mir O-Saft. O-Saft! Ohne Campari. Ohne Wodka. Eh. Ohne gar nix. Immerhin stammt der Orangensaft nicht von Hitchcock oder Valensina. Stolz darauf, daß ich immer noch nicht trinke! Noch zwei Monate, und ich habe mein erstes komplettes Jahr ohne Alkohol voll.
Schon jetzt wären zehn volle, trockene Monate ein guter Grund zu Feiern.
Feiern ist nicht mein Hobby. Hobby ist die Recherche. Menschenmengen und Geselligkeiten meide ich, wo immer es mit sozial adäquaten Ausreden vertretbar ist. Brauche feste Strukturen und klare Regeln. Spontanes Improvisieren mißlingt so oft. Da helfen im Voraus festgelegte Verfahren im alltäglichen Leben ungemein. Wie ich die Systematik der förmlichen ZPO3, VwGO4 und StPO5 liebe!
Das Casino Baden-Baden ist meine große Ausnahme vom vorgenannten Grundsatz. Ein halbdunkler Rückzugsort, unter Menschen, dabei dennoch halbprivat. Ohne Erwartungen. Abschalten. Untertauchen. Stilles Beobachten. Nicht zum Spielen. Und nach meiner Läuterung6 nicht mehr zum Rotweinkonsum.
Mit noch zu entschuldigender läßlicher Verspätung schreibe ich nachträglich am zweiten November diesen Tagebucheintrag. Schnell den Freitag abhandeln, nachdem ich gestern gewissenhaft zunächst den Samstag tagesgetreu in die hellgrauelfenbein, beinahe taxibeigen Tasten meines Commodore PC20 getippt habe. Das erscheint mir immerhin eine halbwegs sinnvolle Privatnutzung des professionellen Computers. Zum heutigen Sonntag schaffe ich dann vielleicht den zurückgebliebenen Montag. Werde mir morgen den Schneider Vierundzwanzig-Nadeldrucker aus dem Sonderangebot kaufen. Dann habe ich die korrekte Ausrüstung vollständig und meinen kompletten Text nicht mehr bloß unzweckmäßig hellgrün auf dunkelgrün auf dem Bildschirm blinkend.
Außerdem kann ich die ausgedruckten Seiten, so wie von Schönfelder und Sartorius gewohnt, bequem an die vorgesehenen Stellen meiner eigenen, exklusiv vertraulichen, nichtamtlichen Loseblattsammlung einheften.
Seit ein paar Tagen hat sich der goldene Herbst aus dem Staub gemacht. Der auffrischende Wind zerstört, Morgen für Morgen, mit kräftigen Wirbeln den dichten rötlich-gelb-braunen Teppich, der in der Nacht von unsichtbarer Hand aus heruntergefallenen Ahornblättern in meiner kleinbürgerlichen Straße gewebt wurde. Zwanzig Grad werden es dieses Jahr eher nicht mehr. Soviel scheint ausgemachte Sache.
Ausgemacht ist auch, daß aus mir kein brillanter Poet mehr wird. Alle Worte, die mir im Kopf noch interessant und geistreich erscheinen, lesen sich nach ihrem Umweg über Finger, Tastatur, Speicher, Grafikkarte und Bildschirm wortwörtlich nur noch schaurig und traurig. Immerhin, in meinen Augen, und bei Licht betrachtet, übersteigt der literarische Wert von Ian Flemings Werk nur in sehr vereinzelten Passagen das Niveau des Trivialen. Seine ordentlich gefeierten Geheimagentengeschichten sind nur wegen der reißerischen Bond-Filme weltberühmt.
Wie dem auch sei, auf dem Weg ins Casino schalte ich das Becker-Autoradio ein-, und in dem Moment – erschreckend, als die ersten Töne, die die Verse untermalen, in denen es um ein brennendes Herz, das tiefe Verlangen nach einem Start und dem Im-Träume-Leben geht, über meine akustischen Synapsen für die Hirnwindungen als Modern Talkings You're My Heart, You're My Soul7 erkennbar erreichen, augenblicklich und verstört wieder aus.
Dann lieber nichts als puren Nieselregen von oben, Fahrtwind an den Seitenscheiben und Motorgeräusch von vorne, blechern-kerniges Auspufftröten von hinten und leise wummerndes Reifenabrollen von unten hören.
Mit einer Prise Hunger und unmerklichem, noch nicht vernehmbarem Bauchgrummeln komme ich in der Werderstraße an und finde im Anstieg neben dem Luxushotel direkt einen freien Parkplatz. Oberhalb der kleinen Kurgartenläden und des Theaters. Ahnungsvolle Stellplatzsorge unbegründet.
Heute, also vorgestern, pünktlich Mittagstisch bei Juna und Hani: Vorspeise ein apfeliger Chicoréesalat, ein mächtiger Bohnen-Kürbis-Fenchel-Laucheintopf als Hauptgang und zum Dessert ein orientalisch üppig gewürztes und überaus großzügig geschnittenes Stück versunkener Apfel-Quitten-Kuchen mit dünn ausgerolltem Rührteig. Seit diesem deftigen Essen bis zu jenem Moment am Abend unfreiwillig gefastet. Zu viel Arbeit. Zu schleppend tätig.
Das alte Casino. Es wird wohl ungefähr kurz vor Mitternacht gewesen sein. Die bekannte Bühne der Selbstdarsteller bereits seit Stunden eingehüllt in dichten Zigarettenqualm und trüben Zigarrennebel. Schwach durch gedämpfte Beleuchtung erhellt, alles eingerahmt von schweren, dunklen Vorhängen.
Wir beide sitzen für diesen Drink an der Bar. Er zurückgelehnt an der niedrigen Rückenlehne; ich erschöpft vorgebeugt, beide Ellenbogen auf dem glatten Holz der Theke abgestützt.
Enthusiastisch resümiert er die gerade beendete Formel-Eins Saison: Das Ergebnis des letzten Rennens in Australien am 26. Oktober war mir bis dahin mangels Interesse total unbekannt: es gewann, le Professeur, Alain Prost in seinem Mc-Laren-TAG Porsche. Damit triumphierte er zum zweiten Mal als Weltmeister. Profitierend davon, daß sein Hauptgegner, Williams-Honda-Pilot Nigel Mansell, im finalen Rennen ausschied. Der einzige Deutsche im Fahrerfeld, Christian Danner, musste wieder mal vorzeitig, irgendwann in der Mitte der Veranstaltung, sang- und klanglos aufgeben. So bleibt er noch weniger ruhmreich als der ebenfalls chronisch erfolglose einzige deutsche Rennstall von Zakspeed.
Mein erstes und bisher einmaliges Rennen live vor Ort war in diesem Jahr, Ende Juli, der große Preis von Deutschland auf dem Hockenheimring. Erinnere mich vage, und nicht mehr an vieles vom Renngeschehen. Klar, der Doppelsieg der Brasilianer: Nelson Piquet vor Ayrton Senna.
Der Rest verschwimmt zu einem schieren Wirrwarr der Sinneseindrücke. Zu einer kunterbunten Konfusion aus Lärm, Benzin-, Bremsstaub- und Gummigestank und rasant vorbeiblitzenden Bildern. Wir saßen am Anfang der Start- und Zielgeraden oben auf der Tribüne in der Südkurve mit Blick auf einen Teil des Innenfelds und den Wald. Wer, und warum in Führung liegend, wer gut, oder wer schlecht fährt, erschloß sich mir nicht.
Die überraschend kleinen - zugegeben, teils ästhetisch farbenfrohen - Autos mit ihren kreischenden Turbomotoren: für mein wenig ausgeprägtes Zuschauertalent jede Runde zu rasch vorbeigerauscht.
«Du hast doch bald Geburtstag?» Da waren es drei Tage. Jetzt noch wenige Stunden, bis morgen, Montag, zu meinem einschüchternden anstehenden Ehrentag. Nepomuk, ewiges Damoklesschwert und unberechenbare Zeitbombe, ist in gewisser Weise mein nicht offizielles Mündel- oder Quasi-Patenkind. Er versteht dickköpfig partout nicht, warum ich nicht richtig groß feiern will. «Das definitive Ende deiner Restjugend. Party!» Wäre es sein runder Geburtstag, hätte der Playboy so einige abwegige und vor allem frivole Ideen. Nach unziemlichen Unartigkeiten und sündigen Verderbtheiten steht mir nicht der wehmütige Sinn.
Grundsätzlich.
Für den anarchischen Bohémien N8 sind solch amüsante Eskapaden ausnahmslos reiner Alltag. Für mich hätte es die ungewollt prätentiöse Krönung eines banalen Jahrestags bedeutet.
N gerade erst zurück - von einer abenteuerlichen zweiwöchigen Autotour in den Libanon, zusammen mit dem Kolumbianer, seinem besten Freund und zwielichtigen Schwager – direkt wieder voller Tatendrang.
Nüchtern betrachtet, ist die Vierzig für mich eine kaum originelle Zahl. Und das Ganze nur ein Tag. Schlußendlich ein langweiliger Tag wie jeder andere. Die Sonne wird, laienhaft unpräzise gesprochen, auf- und wieder untergehen. Die Erde wird sich routinemäßig weiterdrehen. Nicht um mich. Und alles gleichermaßen bedeutungslos ablaufen. Ohne, daß sich etwas gravierend ändern wird.
Leider – bedauere ich das aufrichtig?
- versuche ich alles äußerst rational zu überblicken und exakt zu analysieren. Natürlich kann das denknotwendig nicht gelingen.
Denn der Beobachter ist immer Teil des zu beobachtenden Systems und wird dieses zwangsläufig von seinem Standpunkt aus in irgendeiner Form beeinflussen. Um das zu verstehen, braucht es weder die Katze vom Schrödinger, Wigners Freund, noch gar Kenntnisse der Luhmannschen Systemtheorie. Selbst diese These ausgeweitet bis ins Unendliche: der Beobachter des Beobachters des Beobachters usw. funktioniert es nicht. Oder vielleicht doch?
Unter der Annahme einer antiken griechischen oder römischen Gottheit? Nicht als allwissender Schöpfergott gedacht, sondern als nicht eingreifende, absolut außenstehende Randgottheit, die sich belustigt am verzweifelten Schicksal der sich abstrampelnden Menschen ergötzt?
Trägt eine solche Betrachtung nicht unzweifelhaft immer mindestens den Hauch von Humor und Satire? Wie oft schon habe ich eine dieser Alltagssituationen erlebt: am Bahnsteig beäugt mehr oder weniger voyeuristisch ein wartender Herr, Typus grauer Verwaltungsbeamter, eine junge Studentin, die selbstvergessen in ihrem zerfledderten Taschenbuch liest. Der, die Studentin beobachtende Mann wiederum wird verstohlen von einer Frau mit Riesenkoffer ins Auge gefasst, und die weitläufige Szenerie wiederum von mir überblickt. Oder, weg vom zugigen Bahnsteig.
Hinein, mitten ins samstagnachmittägliche Idyll des Café König: bei einem vollsahnigen Stück Schwarzwälder Kirschtorte auf der Terrasse sitzend sehe ich, wie die schöngeistige Witwe am Nebentisch weiter vorne den Bauarbeiter auf der anderen Straßenseite beobachtet, der selbst unverhohlen einer Passantin im Chanelkostüm hinterherschaut und diese wiederum die Auslage eines Juwelierschaufensters inklusive der, dieses neu dekorierenden Verkäuferin begutachtet. Wenn dann Nummer Eins, die Witwe, oder Nummer Zwei, der Bauarbeiter mich bemerken, gibt es meist ein Schmunzeln der Eins oder ein ertapptes, unwilliges Wegschauen der Zwei.
Was für ein schwacher Zeitvertreib! So viel wirres Zeug zu schreiben. Mutmaßlich können und sollen mir diese (jetzt noch) unausgegorenen Notizen tatsächlich helfen, mir noch bewußter zu werden. Indes, strenggenommen sollte nicht ich, sondern N Tagebuch schreiben. Mit seiner Phantasie. Mit seinen Erlebnissen.
Ununterbrochen baut er Luftschlösser. Sucht etwa Gewinnsysteme im Roulette und will unbeirrbar nicht verstehen, daß es bis in alle Ewigkeit ein unberechenbares Glücksspiel bleiben wird. Da hilft selbstverständlich keine Pseudo-Mathematik. Es war in der Schule stets mein Lieblingsfach, sehr gerne wäre ich Mathematiker geworden. Folglich habe ich parallel zu Jura versucht, Mathematik zu studieren, allerdings im ersten Semester schon vieles nicht verstanden, was meine offenkundig begabteren Kommilitonen mit Leichtigkeit aufnehmen konnten. Demoralisierende Erfahrung. Im Verhältnis zwischen Schule und Studium liegen Welten, offenbar besonders in den Naturwissenschaften.
Deshalb beschränkte ich mich darauf, autodidaktisch die Fachliteratur zu mich interessierenden Gebieten, wie etwa zu meiner geliebten Stochastik eingehend zu durchforsten. Die Recherche begonnen mit einem zufällig aus den langen Regalreihen gezogenen Buch. Einzelnen Quellen aus den Fußnoten in der Unibibliothek nachgegangen. Ausgewählten Hinweisen aus dem Literaturverzeichnis gefolgt und mit dem nächsten Lehrbuch, das mir über diese Querverweise in die Hände fiel, das gleiche Spiel von vorne. Weiterhangeln, bis die Begeisterung für diese Beschäftigung nachließ.
Selbst für mich wird es, auch ohne jeden bangen Prüfungsdruck, irgendwann zu theoretisch und zu abstrakt. Auch, wenn ich ZDF liebe. Zahlen, Daten, Fakten sind meine farblose innere Welt. Ich liebe Quadrate. Rechtecke gehen auch. Kreise mag ich weniger. Einen reinen Kreis mag ich nur deshalb, weil er auch eine geometrische Grundform darstellt. N steht für Abenteuer, Tamtam, wenig zurückhaltenden Urwald, Chaos. Dschungel. Zufällig-wirre Linien. Möglicherweise sind britisch-indische Paisleymuster seine zweidimensionale Entsprechung? Wenngleich auch bei diesen, spätestens auf den zweiten Blick, sich beruhigend wiederholende Regelmäßigkeiten erkennbar sind.
Ganz im Widerspruch dazu steht meine Vorliebe für dunkle Detektiv- und Geheimagentenromane wie Der Malteser Falke von Dashiell Hammett und Der Spion, der aus der Kälte kam von John le Carré. Oder, um bei der harten Realität zu bleiben: die Bücher von Peter Scholl-Latour wie Der Tod im Reisfeld. Dreißig Jahre Krieg in Indochina und ganz aktuell: Mord am großen Fluß. Ein Vierteljahrhundert afrikanische Unabhängigkeit faszinieren mich unglaublich und lassen mich aus sicherer Distanz angenehm wohlig erschaudern. Die reale Konflikt-, Kriegs- und Terrorpolitik füllte meine gefühlte Lücke der für mich zu theoretischen Mathematik.
Ach, wie gerne wäre ich einer dieser unerschrockenen verdeckten Ermittler, etwa im Umfeld der Baader-Meinhof-Bande. Vielleicht hätte ich ja in diesem Sommer eines der beiden schrecklichen Sprengstoffattentate oder die fürchterlich kaltblütige Erschießung in Bonn9 verhindern können. Völlig utopisch bei meinem Hasenherz.
Oder als sensationell todesmutiger Fotojournalist und nervenstarker Kriegsberichterstatter? Zum Beispiel im Iran-Irak-Krieg. Gerade jetzt. Von der Apokalypse berichten. Vielleicht in einem anderen, besseren Abenteurer-Leben...
