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Es ist ein Spiel, eine Jagd, dann ist es ein Schauplatz des Schreckens. Diese Stimme in meinem Kopf - wo kommt sie her? Plötzlich sehe ich eine Frau. Ich bin fasziniert von ihr. Sie zieht mich in ihren Bann. Ich muss fliehen, sie wird mich töten! Aber was, wenn ich nicht fliehen kann? Nicht fliehen will? Wird sie mich jagen oder mir Erlösung schenken? Ich muss es herausfinden. Koste es, was es wolle ...
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Seitenzahl: 68
Veröffentlichungsjahr: 2024
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Teil eins: Jagd
Teil zwei: Sehnsucht
Teil drei: Hingabe
Teil vier: Erkenntnis
Teil fünf: Suche
Teil sechs: Fremd
Teil sieben: Vermisst
Teil acht: Hunger
Teil neun: Verzweiflung
Teil zehn: Verloren
Triggerwarnungen
Das Spiel hatte begonnen. Die Verfolgung war in vollem Gange. Die Seelenfresser jagten uns, doch wir ahnten nicht, wie real die Gefahr wirklich war. Erst als ich sah, wie sie die Seele ihres ersten Opfers aufsaugten, wusste ich: Hier stimmt etwas nicht! Plötzlich brach Panik aus. Niemand wusste: Wer war Mensch, wer war Monster? Außer denen.
Ich rannte, versteckte mich, doch dieser Stimme in meinem Kopf entkam ich nicht. Sie war faszinierend, beängstigend, anziehend – sie hatte eine Ausstrahlung, der ich nicht widerstehen konnte. Wem gehörte sie, und wo kam sie her? Ich hatte keine Zeit, darüber nachzudenken. Ich musste hier weg.
Die Erste, die ich als eine von denen erkannte, war eine Frau mit schwarzen langen Haaren, ein Gesicht, so schön, dass es mir fast unmöglich war, sie anzusehen. Aber nur fast. Ich konnte plötzlich kaum wegsehen. Sie spürte, dass ich sie anstarrte, denn sie wandte den Kopf zu mir und schaute mich an. Sie lächelte. Kein freundliches Lächeln, aber es war auch nicht boshaft.
Es war... wissend.
In ihren Augen glitzerte etwas Geheimnisvolles, und ich fühlte mich in ihrem Bann gefangen. Mit eisernem Willen riss ich mich los und floh.
Die Treppe hinauf rannte ich an einem schreienden Mädchen vorbei, das von einem blonden Seelenfresser verschlungen wurde. Sein Schlund öffnete sich, und er saugte ihre Seele auf, während sie schreiend zu Boden glitt und verstummte. Ich musste mir merken, wie er aussah, denn nach dem Ritual waren sie von Menschen nicht mehr zu unterscheiden. Noch ehe er merken konnte, dass ich ihn beobachtete, rannte ich weiter die Treppe hoch, an einem Mann in meinem Alter vorbei. Wir starrten uns mit weit aufgerissenen Augen an. Überprüften, ob der andere einen fressen wollte. Schnell merkten wir, dass wir beide nur Opfer des kranken Spiels waren. Also rannten wir weiter, jeder in eine andere Richtung. Außer Atem zog ich mich am Geländer hoch und kam an der letzten Stufe an.
Immer wieder tauchte das Bild der Frau mit den schwarzen Haaren vor meinem inneren Auge auf. Ihr Lächeln, ihre dunklen Augen, deren Iris fast schwarz waren. Ich schluckte, schüttelte den Kopf und suchte nach einem Versteck. Vielleicht übersahen sie mich ja.
Erneut hörte ich einen Schrei und vermutete, dass es der Mann aus dem Treppenhaus war. Sie kamen näher. Plötzlich riss neben mir jemand die Tür auf, auf deren Klinke ich bereits meine jetzt erstarrte Hand gelegt hatte. Ein älterer Mann mit grauem Haar trat hervor. Sein zufriedener Blick verriet, dass er einer von ihnen war. Ich wartete nicht ab, was er tun würde. Er hatte mich gesehen und bereits als seine Beute auserkoren, das sah ich seinen gierigen Augen an.
Ein Gedanke durchzuckte mich: Wenn mich einer von euch bekommt, dann die Frau mit den schwarzen Haaren! Über meinen eigenen Gedanken erschrocken, stockte ich, taumelte und fiel beinahe hin. Von unten kam eine weitere seelenfressende Kreatur. Sie grinste mich böse an. Ich schubste sie beiseite. Schaute mich um. Ich war die letzte Überlebende. Ich war allein. Niemand würde mir zur Hilfe eilen.
Mit einem Schlag wurde mir bewusst: Das eben war nicht nur ein Gedanke gewesen. Es war ein Wunsch. Ich wollte, dass sie mich fraß. Als ich bemerkte, dass ich doch noch gestürzt war, rappelte ich mich auf. Hastig rannte ich umher und schubste zwei von ihnen beiseite, die es auf mich abgesehen hatten. Überall lauerte Gefahr. Sie kamen näher. Ich rannte zu der Stelle, an der meine Flucht begonnen hatte. Da stand sie. Exakt dort, wo ich sie verlassen hatte. Als hätte sie auf mich gewartet. Sie zischte etwas, und die anderen wichen für einen kurzen Augenblick zurück. Eine Armlänge vor ihr blieb ich stehen. Sie schaute mich abwartend an, und wieder lächelte sie wissend.
»Wenn mich einer von euch frisst, dann du«, flüsterte ich.
»Es wird nicht wehtun, versprochen.« Ihre Stimme strich wie eine Brise durch meinen Körper. Als würde sie Heilung versprechen. Meine Angst wich einer Ruhe, einem inneren Frieden. Ihre Hand berührte meine, und ein Sog ergriff mich und zog mich immer näher zu ihr. Es wurde schwarz um mich herum. Angst durchflutete meinen Körper, er wollte sich wehren, bäumte sich auf – dann verlor ich das Bewusstsein und starb.
Mit einem Keuchen erwachte ich und schnappte nach Luft. Was zur Hölle war passiert? Ich war verschlungen worden – wie konnte es sein, dass ich nun in einem Bett aufwachte? Verwirrt schaute ich mich um. Ein Hotelzimmer?
Ich muss sie finden!, schoss es mir durch den Kopf. Eine Sehnsucht ergriff mich. Ich wollte zu ihr, spürte Angst, erinnerte mich an das, was geschehen war. Ich war gefangen gewesen in einer alles verschlingenden Dunkelheit. Sie war beängstigend, erdrückend. Ich dachte, ich sei gestorben. Doch nun saß ich hier auf der Bettkante in einem Hotelzimmer.
Ich öffnete die Tür, nur einen Spalt weit, und lugte hinaus. Mir gegenüber öffnete sich ebenfalls eine Tür.
»Du bist doch der aus dem Treppenhaus«, flüsterte ich aufgeregt.
»Psst!«, zischte er mich an. »Sie schlafen ihren Rausch aus. Wir müssen gehen, solange wir die Chance haben! Hast du nicht die Notiz gelesen, die auf dem Nachtschrank stand?« Ich schüttelte den Kopf. Nein, die hatte ich nicht bemerkt. Ich drehte den Kopf. Tatsächlich, da war die Notiz. Ein Zettel aus dickem, schwerem Briefpapier, der in der Mitte gefaltet und hingestellt worden war. Ich holte ihn und las:
›Danke, dass du mein Mahl warst. Du wirst dich, wenn du das Hotel verlässt, an nichts erinnern. Geh, solange wir schlafen, denn wenn wir erwachen, werden wir dich jagen, sobald unser Hunger wieder aufflammt.‹
Ich spürte Galle aufsteigen und dachte, ich müsse mich gleich übergeben.
Was für ein kranker Scheiß lief hier?
Wenn ich nicht gewusst hätte, dass sie mich gefressen und ich die Veränderung meiner Seele gespürt hatte und wie sie meinen Körper verließ, hätte ich an einen perversen Psychostreich gedacht.
Plötzlich flammte ihr Bild vor mir auf. Diese verführerische, schlanke, fast übernatürlich schöne Figur. Dieses anmutige Gesicht. Diese Augen. Ihr Lächeln mit den weißen, strahlenden Zähnen. Ich biss mir auf die Unterlippe. Wo war sie?
Ich musste hier weg, wollte sie aber noch einmal sehen, auch wenn ich Angst hatte, nur noch ein Mal!
Ein Gefühl, das mich an Verliebtheit erinnerte, durchflutete mich, und mein Magen zog sich auf eine angenehm schmerzhafte Weise zusammen. Ich trat aus dem Zimmer, suchte den Ausgang. Wenn ich durch diese Tür ging, wäre der Spuk vorbei. Bis ich ein anderes Mal auf ihre Einladung reinfalle,schoss es mir durch den Kopf. Nein, so lange konnte ich nicht auf sie warten.
Ich drehte mich um und rannte in eine Frau hinein, die daraufhin schnell durch die Tür lief und plötzlich draußen stehen blieb. Ihre panischen, verängstigten Züge entspannten sich und sie ging mit ruhigen Schritten weiter. Ganz gelassen, als hätte sie einen Wellnessurlaub hinter sich.
»Wellnessurlaub!«, rief ich überrascht aus. »Deswegen war ich hier! Ich hatte eine Reise gewonnen!« Eiskalt fiel mir ein, warum ich überhaupt hergeflogen war. Es schüttelte mich. So suchten sie ihre Opfer, ehe sie die Türen verschlossen und über uns Menschen herfielen. Ich blieb verloren stehen, musste unbedingt zu ihr. Ein Strom von Menschen kam mir entgegen, der weiter anschwoll. Mit verstörten, angstverzerrten Gesichtern rannten sie dem Ausgang zu. War ich die Einzige, die diese Sehnsucht verspürte? Offensichtlich.
Plötzlich hörte ich eine Stimme. Ich drehte den Kopf. Wo war sie hergekommen? Sie sang. Ich sah mich um – niemand sonst schien sie gehört zu haben. Alle rannten auf den Ausgang zu. Der Gesang vernebelte meine Gedanken, mit einer hohen, weichen, sehnsuchtsvollen Stimme, die mich weiter zu sich zog. Dann verstummte sie. Ich schaute mich verzweifelt um. Wo, verdammt, war sie hergekommen? Wieder ertönte sie, immer noch nur in meinem Kopf. Ich konnte nicht herausfinden, wo sie herkam.
»Verflucht!«, schimpfte ich leise. Plötzlich griff eine Hand nach mir. Das blonde Mädchen, das als Erstes gefressen worden war, schaute mich an.
»Warum läufst du nicht weg?«
