verità - Sara Brändle - E-Book

verità E-Book

Sara Brändle

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Beschreibung

Manchmal ist das Ende erst der Anfang ... Seit dem Tod ihres Dads ist für die fünfzehnjährige Elea nichts mehr wie zuvor. Was bleibt, sind viele offene Fragen, die ihr niemand beantworten will. In der Hoffnung auf Antworten, stürzt sie sich mit ihrer besten Freundin in ein großes Abenteuer. Auf sie wartet eine Zeit voller Aufregung, starker Gefühle, vielen neuen Herausforderungen und mit ihnen die Chance auf ein neues Glück.

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Seitenzahl: 167

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Inhalt

Impressum 2

Zitat 3

Einleitung 4

Anker! 5

Botschaft! 15

Aufbruch! 20

Abenteurerherz! 33

Kampfgeist! 43

Bürde des Herzens! 63

Party Time! 75

Ich finde dich! 87

Gefühle! 93

Schicksal! 98

Verborgen! 107

Truth! 121

Einsamkeit! 125

Leben! 137

Rosenhauch! 142

Betonherz! 147

Lebenswert! 159

Danke 169

Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie­.

Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fern­sehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und ­auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.

© 2021 novum publishing

ISBN Printausgabe: 978-3-99107-523-3

ISBN e-book: 978-3-99107-524-0

Lektorat: Laura Oberdorfer

Umschlagabbildungen: Sara Brändle, Daria Grushina | Dreamstime.com

Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum Verlag

Innenabbildungen: Sara Brändle

www.novumverlag.com

Zitat

Wer die Wahrheit wissen will, der sollte zuerst

wissen, ob er sie ertragen kann.

Einleitung

Diese Worte ziehen mich wie ein Sog hinunter. Wie eine Riesenwelle, die über mich kommt und alles unter sich begräbt. Ich spüre, wie mir der Atem stockt und ich fühle mich wie gelähmt.

Mein Herz schlägt laut und schnell, rasend schnell und dann ist auf einen Schlag plötzlich alles vorbei. Die Welt um mich herum wird stockdunkel und ich kann nichts dagegen tun.

Anker!

Mein Dad hat immer gesagt: „Glaube niemals, dass du unwichtig bist. Hinter jedem Leben steckt ein Sinn. Das Leben vieler Menschen wäre leer, wenn du nicht da wärst.“

Nun sitze ich ganz allein in einem schwarzen Raum. Es ist gespenstisch und gefährlich. Wo ist denn da der Sinn geblieben? Ich weiß nicht, was ich hier mache und habe keine Ahnung, wie ich hierhergekommen bin. Niemand ist bei mir und niemand wird mich retten. Die dunklen, eisigen Wände und auch die schwere Decke scheinen immer näher zu kommen, bis sie mich alle zerquetschen werden. Ich beginne am ganzen Körper zu zittern.

Ich suche verzweifelt einen Weg, um zu entkommen. Doch ich habe keine Chance. Kraftlos versuche ich die beiden auf mich zukommenden Wände auseinander zu drücken. Schließlich gebe ich auf und mit mir stirbt meine ganze dunkle und kaputte Seele.

Schweißgebadet liege ich nun in meinem Bett, als der Wecker klingelt. Ich öffne meine Augen und schaue ins Dunkle. Die Tür öffnet sich und das Licht geht an.

„Elea, du musst aufstehen“, ruft meine Mum. Doch ich wende meinen Blick nicht von der Decke ab. Sie ist so weiß und farblos. Nur in der Mitte der Decke sind ein paar blaue Farbkleckse. Im Malen mit Farben war ich noch nie sehr begabt und das hat auch meine Decke zu spüren bekommen. Trotzdem wollte ich sie nicht übermalen. Sie gefallen mir irgendwie. Diese wenigen, blauen Farbkleckse sind jeden Morgen das Erste und jeden Abend das Letzte was ich sehe.

Da klingelt der Wecker ein zweites Mal und reißt mich aus meinen Gedanken. Jetzt heißt es also aufstehen. Es ist ein Donnerstagmorgen, in der letzten Woche vor den Sommerferien. Donnerstag, ja genau. Der schlimmste Tag der Woche. Aber so ist das Leben. Man kann nichts dagegen tun. Es macht mit einem, was es will.

Also stehe ich auf und mache mich fertig für die Schule. Ich ziehe mein neues T-Shirt an, welches ich mir gestern gekauft habe und betrachte mich damit im Spiegel. Es liegt eng an meinem Körper und die braunen Locken, die leicht auf meinen Schultern liegen, passen perfekt dazu. Meine Mum hat mir Frühstück gemacht und ich schlurfe die Treppe hinunter.

„Guten Morgen“, sagt sie gut gelaunt, während sie in ihrem Pyjama vor dem Herd steht und sich ein Spiegelei zubereitet.

„Guten Morgen“, gebe ich müde zurück. Genüsslich esse ich mein Müsli und versuche dabei möglichst ernst zu wirken, damit meine Mum kein Gespräch mit mir beginnt. Als ich einen Blick auf die Uhr werfe, bemerke ich, dass ich schon sehr spät dran bin.

Deshalb mache ich mich schnell fertig und radle danach mit Höchsttempo in die Schule. Dort angekommen treffe ich Julia. Sie ist meine beste Freundin. Wir machen wirklich alles zusammen. Sie ist wie eine Schwester für mich. Schließlich habe ich ja keine und da ist sie der perfekte Ersatz. Gemeinsam begeben wir uns ins Schulhaus. In den Gängen herrscht Chaos. Schnell laufen wir die Treppen hoch bis ins Klassenzimmer. Heute sieht niemand aus meiner Klasse motiviert aus. Ich glaube, es liegt daran, dass wir alle Ferien verdient haben.

„Guten Tag alle zusammen“, begrüßt Frau Kramer uns.

„Dann beginnen wir jetzt mit dem Unterricht“, sagt sie. Und dann spricht sie und spricht und spricht … Ich mag keine Lehrer, die die halbe Unterrichtsstunde schon mit Erzählungen füllen, aber vor den Ferien ist es ein ganz guter Zeitvertreib. Danach gibt es nur noch eine kurze Arbeitszeit und dann wechseln wir auch schon das Klassenzimmer. So geht es weiter bis zur großen Pause. Julia und ich setzen uns auf eine Bank neben der Eingangstür.

„Hängt bei euch der Haussegen schief oder warum guckst du so?“, frage ich sie.

„Lena“, sagt sie nur. Lena ist Julias kleine Schwester, die es immer irgendwie hinkriegt, ihre große Schwester auf die Palme zu bringen.

„Was hat sie dieses Mal angestellt?“

Ich kann mir echt nicht vorstellen, was dieses kleine Biest nun schon wieder ausgefressen hat. Doch wie erwartet, hat Julia auch heute wieder eine neue Geschichte auf Lager und auch morgen wird es wieder so sein. „Was ist nur los mit dieser Welt, dass sie immer etwas gegen uns hat.“ Ich glaube, das ist auch Julias Gedanke, denn sie hört nicht mehr auf sich zu beklagen, bis sie schließlich von der Schulglocke unterbrochen wird.

Im Naturwissenschaftsunterricht nehme ich mein kleines Zeichnungsbuch hervor. Vor allem in diesem Fach zeichne ich, denn da ist es immer besonders langweilig. Heute haben wir Biologie. Unser Lehrer erzählt uns gerade etwas über den menschlichen Körper und dessen Wachstum. Doch das interessiert mich nicht. Gelangweilt nehme ich meine Stifte hervor und beginne ein Baby zu zeichnen. So falsch ist das schließlich gar nicht, denn es passt zum Thema.

Stolz betrachte ich mein Werk. Das habe ich wirklich toll hingekriegt. Dieses langweilige Gequatsche meines Lehrers bringt mich immer wieder dazu, meine künstlerische Ader aufleben zu lassen. So vergeht Bio wie im Fluge und schon bald fahre ich mit meinem Fahrrad nach Hause.

Meine Mum hat schon Mittagessen gekocht und mein jüngerer Bruder Leon sitzt neben ihr am Esstisch. Es gibt selbstgemachte Salamipizza. Ich liebe Pizza. Aber wer tut das nicht? Ich versetze Leon einen leichten Schlag in den Oberarm, als er den Belag seiner Pizza ekelhaft in sich hinein schlürft. Dieser kleine, nervige Typ ist einfach nicht auszuhalten, aber ohne ihn leben könnte ich auch nicht. Er ist erst sechs Jahre alt, aber schon ein echter Champion im Nerven und Beleidigen.

Nach dem Essen klingelt es an der Haustür. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht steht Julia vor mir. „Gehen wir zusammen Eis essen?“

„Es ist 13 Uhr und auch wenn wir erst zur zweiten Unterrichtsstunde in die Schule müssen, ist das total stressig.“ Verwirrt schaue ich sie an, doch sie besteht darauf, dass ich sie begleite.

„Damit hast du Recht, aber dann gehen wir eben nach der Schule“, schließt sie einen Kompromiss. Damit bin ich einverstanden, also packe ich schnell mein Schulmaterial zusammen und danach machen wir uns auf den Weg. Nach der Schule gehen wir zu unserer Lieblingseisdiele und kaufen uns ein Eis. Es ist sehr lecker, doch ich stochere nur gelangweilt darin herum.

„Ist was?“, fragt mich Julia verwundert.

„Es ist wegen meinem Vater“, ich seufze. Julia kennt die Geschichte. Mein Dad ist vor etwa einem Jahr gestorben. Erst nach seinem Tod habe ich erfahren, dass er nicht mein leiblicher Vater war. Wer jedoch mein leiblicher Vater ist, will mir auch niemand sagen. Doch gestern ist etwas passiert, was mich neugierig gemacht hat. Ich beginne zu erzählen: „Meine Mum hat nie auch nur ein Wort über ihn verloren. Doch letzten Samstag hatte sie, wie schon so oft nach Dads Tod, ein richtiges Tief. Auf einmal begann Mum mir zu erzählen, wie sie meinen leiblichen Vater in den Ferien, in Italien, kennengelernt hatte. Anscheinend arbeitete er dort in einem Café.“

Ich seufze. Für mich ist es ein schreckliches Gefühl, nicht zu wissen, wer mein Vater ist. Seit einem Jahr versuche ich ohne Erfolg, irgendwelche Informationen aus meiner Mutter zu bekommen.

Voller Mitleid schaut mich Julia an.

„Ich kann verstehen, dass du ihn unbedingt finden willst. Doch deine Mum hatte einen One-Night-Stand und du hast nur einen winzigen Anhaltspunkt.“ Ich muss ihr Recht geben. Für mich gibt es keinen Weg, um meinen Vater zu finden, also schiebe ich diese Gedanken beiseite und versuch den restlichen Nachmittag zu genießen.

Zurück zu Hause öffne ich die Haustür und blicke in das verwunderte Gesicht meiner Mum.

„Schon zurück?“

Ohne sie auch nur zu beachten, laufe ich an ihr vorbei die Treppe hoch.

„Hör mir zu“, ruft Mum mir hinterher. „Wir können diese Sommerferien doch nicht in den Urlaub fahren. Seit dein Dad nicht mehr da ist, reicht das Geld nicht mehr. Dazu hat Leon noch erfahren, dass er dann zwei Wochen mit der Familie von Levin in die Ferien fahren darf“, sagt sie ein wenig traurig.

Levin ist der beste Freund von meinem Bruder und ich freue mich für die beiden. Trotzdem bin ich sehr enttäuscht, dass ich nun nicht in den Urlaub fahren kann. Ich habe jedoch bemerkt, dass es Mum wirklich schwergefallen ist, mir das zu sagen und ich murmle deshalb nur: „Schon gut, Mama.“

Ich habe mir nichts anmerken lassen, auch wenn ich sehr traurig bin. Es wäre schön gewesen, in dieser schwierigen Zeit mal wieder etwas zu entspannen. Aber jetzt heißt es: „Auf Wiedersehen schöne Sommerferien“.

Wenn nicht einmal Leon zuhause ist, dann weiß ich wirklich nicht, was ich unternehmen kann. Ich glaube, mir stehen die langweiligsten Ferien bevor, die ich je erlebt habe. Aber was soll’s. Ändern kann ich es jetzt auch nicht mehr. Ich muss einfach das Beste daraus machen. Ich probiere den Tag einfach so gut es geht zu überstehen, obwohl meine Laune jetzt im Eimer ist.

Am Abend, als ich ins Bett gehe, kann ich lange nicht schlafen. Das Wetter hat heute Abend schlagartig von Sonne in Sturm umgeschlagen.

Es donnert und blitzt. Ich höre, wie der Regen an mein Fenster prasselt und der Wind draußen die Bäume in Schwingung bringt. Doch irgendwann siegt die Müdigkeit dann doch.

Am nächsten Morgen läuft alles schief. In der Schule kann ich mich überhaupt nicht konzentrieren. Ich habe gerade Mathe. Die Stühle in diesem Schulzimmer sind alt und kaputt. Wenn man sie nur anschaut, hat man schon das Gefühl, sie würden gleich zusammenbrechen. Also sitze ich auf meinem Stuhl und spiele mit meinem Armband.

Es ist türkis, aus Stoff und hat einen kleinen Anker als Anhänger. Ich verbinde sehr viel mit diesem Armband, denn meine Oma hat es mir geschenkt, im letzten Urlaub mit der ganzen Familie. Meine Oma, meine Mum, mein Dad und mein Bruder sind meine ganze Familie. Das heißt, das waren sie bis vor einem Jahr.

„Elea“, sagt mein Lehrer mit strenger Stimme wie aus heiterem Himmel.

„Bitte konzentriere dich jetzt auch wie alle anderen auf den Unterricht.“

Auweia! Das habe ich mal wieder toll gemacht. In Gedanken versunken und nicht wirklich anwesend. Manchmal habe ich das Gefühl, dass mein Geist und mein Körper nie am gleichen Ort sein können. Dafür bin ich viel zu verträumt. Das ist ein großes Problem für mich. Es bringt mich immer wieder in Schwierigkeiten. Das konnte man nicht nur heute Morgen in der Schule feststellen, sondern auch heute Nachmittag, denn da geht es genau so weiter.

Mit der Post in der Hand komme ich zur Tür hinein. Ich blicke auf die Uhr und bleibe wie erstarrt stehen. Ich habe vergessen, dass ich Oma versprochen habe, heute noch zu ihr zu kommen.

In der Eile gleiten mir die ganzen Briefe aus der Hand und fallen zu Boden. Ich lasse sie liegen und renne auf dem schnellsten Weg hinaus in Richtung Omas Haus. Sie wohnt nicht besonders weit von uns entfernt. Doch meine Mum hat nicht so ein gutes Verhältnis zu ihr. Dafür verstehe ich mich umso mehr mit ihr.

Bei ihr läuft es heute anscheinend auch nicht so prickelnd. Schon als ich sie begrüße, sehe ich ihr an, dass es ihr nicht so gut geht. Ihre kalten Hände zittern und den Pullover, welchen sie sich angezogen hat, trägt sie falsch herum. Trotzdem versucht sie wie immer, für mich die perfekte Oma zu sein. Sie ist schon 91 Jahre alt und jedes Mal, wenn ich mich von ihr verabschiede, frage ich mich, ob das nun vielleicht das letzte Mal war. Auch heute umklammert mich dieser Gedanke und will mich nicht mehr loslassen. Omas Geist ist zwar noch total fit, ihr Körper aber ist schwach.

Nun sitze ich gegenüber von ihr am Esstisch und schaue sie an. Ihr gespieltes Lachen zerreißt mir das Herz und die Tränen, die sie sich kurz vor meiner Ankunft noch aus dem Gesicht gewischt hat, lassen ihre Augen glasig wirken. Es macht mir Angst, sie so zu sehen, denn sie ist die Person, die immer für mich da ist und immer an mich glaubt. Sie gibt mir Mut, Kraft und alles was ich zum Leben brauche. Was werde ich nur ohne sie tun? Ich glaube nicht, dass ich jemals ohne sie leben kann.

Sie gibt mir immer die besten Ratschläge und hilft mir bei allen Problemen, die in meinem Leben auftauchen. Wenn sie nicht mehr da ist, dann werde ich wahrscheinlich an meiner eigenen Dummheit zu Grunde gehen.

Botschaft!

Heute Morgen klingelt mein Wecker. Die ersten Sonnenstrahlen scheinen durch die Ritzen in den Fensterläden. Es ist ein wunderschöner Tag. Heute soll es endlich mal wieder richtig warm werden, hat der Wetterbericht gesagt.

Die letzten Tage hat es die meiste Zeit geregnet. Es wird Zeit, dass sich die Sonne endlich mal wieder hinter den Wolken hervortraut.

Ich stehe auf und öffne mein Fenster. Mit hängenden Schultern stehe ich davor und starre nach draußen. Eigentlich sollte ich mich freuen, denn endlich sind Sommerferien. So lange habe ich darauf gewartet. Ich glaube, ich habe schon vor einem Jahr, am ersten Tag nach den Sommerferien gehofft, es wäre heute. Und nun?

Der erhoffte Tag ist da. Dennoch, schön ist er nicht. Wie werde ich diese Ferien nur aushalten? Langsam schlurfe ich die Treppe hinunter ins Esszimmer. Meine Mum und Leon sitzen schon am Tisch und haben ein leckeres Frühstück zubereitet. Ich glaube, meine Mum hat immer noch ein schlechtes Gewissen, weil wir auch dieses Jahr nicht in den Urlaub fahren können.

Als Wiedergutmachung gibt es heute Rührei mit gebratenem Speck. Das ist mein Lieblingsfrühstück. Nach dem Essen gehe ich auf mein Zimmer und ziehe mir etwas Bequemes an. Ich betrachte mich im Spiegel. Meine Locken sind heute gar nicht in Form und auf meiner gepunkteten Trainerhose ist ein großer Fleck Tomatensauce. Was soll aus diesem Tag nur werden?

Ich habe das Gefühl, als würde mir irgendetwas in meinem Leben fehlen, obwohl ich doch eigentlich alles habe, was ich zum Leben brauche. Vielleicht ist es mein Vater. Doch ich weiß es nicht genau. Im Moment fühle ich mich einfach einsam. Wie ein alleinstehender Baum und weit und breit ist nichts zu sehen außer Wiese.

Den ganzen Tag sitze ich nur herum und habe auf nichts so richtig Lust. Also gehe ich wieder ins Wohnzimmer.

„Könntest du noch die Post aus dem Briefkasten holen?“, fragt mich meine Mutter.

Auch wenn ich keine Motivation habe, gehe ich nach draußen und hole die Post, da ich sonst sowieso nichts zu tun habe. Als ich wieder ins Wohnzimmer zurückkehre, schaue ich die Briefe durch, doch es ist keiner für mich dabei.

Trotzig werfe ich die Briefe auf den Wohnzimmertisch und laufe träge die Treppe hinauf zu meinem Zimmer. Ich nehme mir meinen Laptop und setze mich aufs Bett. Danach hole ich mir eine Chipstüte aus meinem Geheimversteck und schaue mir die neuste Folge meiner Lieblingsserie an. Doch ich kann nicht aufhören daran zu denken, wie es wäre, jetzt in den Ferien am Strand zu liegen. Ich stelle mir vor, wie ich am Meer sitze. Das Wasser schwappt an meine Beine. Ich spüre den warmen Sand unter meinen Füßen und eine kalte Brise, die mich umweht.

„Hier ist ein Brief für dich!“, ruft meine Mum und reißt mich aus meinen Gedanken.

Ein Brief für mich? Den habe ich wohl einfach übersehen. Sie kommt in mein Zimmer, drückt ihn mir in die Hand und verschwindet gleich wieder.

„Ich habe ihn unter dem Esstisch gefunden. Den hast du wohl verloren, als du dieses Haus gestern in einen Saustall verwandelt hast, nur weil du so dringend zu Oma musstest. Du musst endlich dein Chaos unter Kontrolle bringen!“, ruft sie noch hinterher und verschwindet wieder im Flur. Ich ignoriere ihre belehrenden Worte und hole den Brieföffner aus meiner Schublade. Mit schnellen Bewegungen öffne ich den Umschlag. Auf dem Brief steht in großen Buchstaben:

Herzlichen Glückwunsch!

Ich lese weiter und meine gelangweilte Miene verändert sich schlagartig in ein überraschtes Lachen.

Liebe Elea,

wir freuen uns, dir mitteilen zu können, dass du bei unserem Kreuzworträtsel den ersten Preis gewonnen hast. Gerne laden wir dich und eine zweite Person deiner Wahl (im Alter von 12-17 Jahren) in ein zweiwöchiges Ferienlager für Jugendliche ein. Am 13.07.2020 startet unsere Reise nach Italien. Bitte melde dich bis zum 06.07.2020 bei uns und teile uns mit, ob du dich auf dieses Abenteuer einlässt. Weitere Infos werden wir dir später zukommen lassen. Lass dich überraschen …

Ich bin geschockt von dieser Nachricht, aber spüre auch, wie sich Freude in meinem ganzen Körper ausbreitet. Ich kann mich wieder daran erinnern, wie ich vor ein paar Wochen das Kreuzworträtsel in der Zeitung ausgefüllt habe. Die Frage ist nur, ob meine Mum mir dieses Lager erlauben wird. Vor allem weil es so kurzfristig ist. Ich gehe nach unten ins Wohnzimmer und halte meiner Mum den Brief unter die Nase. Mit jedem Satz, den sie liest, weiten sich ihre Augen mehr und mehr.

„In zwei Wochen schon?“, sagt sie plötzlich.

„Ich dachte, ich könnte Julia fragen, ob sie mitkommt.“

„Dann würde ich mich aber beeilen, damit sie nicht schon etwas Anderes vorhat“, antwortet Mum.

„Also bist du damit einverstanden, dass ich mitfahre?“, frage ich sie ungläubig.

„Ja“, erwidert sie.

Völlig entgeistert schaue ich sie an. Ich hätte nie gedacht, dass dies so schnell geht. Vielleicht will sie mir auch einfach eine kleine Freude machen, weil wir nicht in den Urlaub fahren können. Schnell renne ich nach oben in mein Zimmer und rufe Julia an. Auch sie ist hell begeistert von diesem Lager.

Bei ihrer Mutter braucht es jedoch etwas mehr Überredungskunst. Doch dann willigt sie endlich ein. Ich mache einen Freudensprung und hüpfe in meinem Zimmer auf und ab. Vor wenigen Minuten war ich noch völlig frustriert und jetzt ist meine Freude so groß, dass ich am liebsten die ganze Welt umarmen würde.

Aufbruch!

Die Sonnenstrahlen, welche am Morgen mein Gesicht kitzeln, wecken mich auf. Langsam öffne ich meine Augen. Doch schon bald realisiere ich, dass der gestrige Tag kein Traum war. Italien ich komme.

„Italien!“, kreische ich plötzlich. Meine Mum hat gesagt, dass sie meinen leiblichen Vater im Urlaub in Italien kennengelernt hat. Doch die Aufregung, die ich verspürt habe, verlässt mich schnell wieder. Ich weiß nur seinen Namen und den Ort, an dem er vor 16 Jahren gearbeitet hat. Dazu ist Italien auch noch riesig und wahrscheinlich werde ich Kilometer weit von diesem Ort entfernt sein. Es ist hoffnungslos.

Ich nehme mir vor, den restlichen Tag nicht mehr darüber nachzudenken, springe auf und renne nach unten in die Küche. Leise decke ich den Tisch und bereite das Frühstück vor. Schließlich muss ich mich ja irgendwie bei meiner Mum bedanken, da sie mir diese Reise erlaubt.

Als sie die Küche betritt, strahlt ihr Gesicht. Ich mag es sehr, wenn meine Mum so glücklich ist wie heute. Es gab schon viel schlimmere Zeiten. Kurz nachdem Dad gestorben ist, war sie sehr oft traurig. Doch zum Glück geht es ihr jetzt wieder viel besser.