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Inspirierend, interdisziplinär, intelligent: Die Zitatsammlung und Kritische Theorie, die der Herausgeber Robert Stripling zusammengestellt hat, umspannt mehrere Jahrtausende Wissenschaftsgeschichte. Darin versammeln sich Auszüge aus ungeschriebenen Werken fast aller akademischer und nicht-akademischer Fächer: Philosophie, Mathematik, Soziologie, Literaturwissenschaft, Astronomie, Golfsport-Kunde, Fußballtheorie, allgemeine Poetik und Zen-Manual. Die Texte sind akribisch mit bibliographischer Information versehen und erzählen von Wissen, Unwissen und der Macht der Genauigkeit in wissenschaftlichen Gesellschaften jeder Couleur. Oder, in den Worten des Herausgebers: »Bedeutungslose Theorien, die es nie zu Weltruhm brachten, obwohl sie gar nicht geschrieben wurden.« „Es ist ein Riesenspaß. Oszilliert auf intelligente Weise zwischen beziehungssatter Satire und Albernheit.“ Ralf Stiftel: 10 Bücher, die uns auffielen auf der 70. Frankfurter Buchmesse, Westfälischer Anzeiger „Striplings Hauptwerke dekonstruieren jeden präpotenten Anspruch auf Bedeutsamkeit.“ Hendrik Jackson, Tagesspiegel „Wer über Texte in einer Tonlage zwischen der Neuen Frankfurter Schule und Friedhelm Kändler klüger lachen möchte, darf die Verpassten Hauptwerke auf keinen Fall verpassen. Es wäre nicht die schlechteste Gelegenheit durch dieses Buch auch mehr über einen Autor zu erfahren, von dem wir bestimmt noch lesen werden.“ Beate Tröger, Literaturblatt Baden-Württemberg „Seinen Anfang nahm dieses Buch auf der Blogging-Plattform Tumblr, doch es beschwört eine Zeit der Zettelkästen, in denen das fiktive Zitat noch unschuldig war.“ Elisabeth Dietz, Bücher-Magazin Robert Stripling, geboren 1989 in Berlin, lebt als Dichter in Frankfurt am Main und hat in dreijähriger Arbeit die wissenschaftlichen Bonmots auf dem Blog verpasstehauptwerke.tumblr.com zusammengestellt.
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Seitenzahl: 86
Veröffentlichungsjahr: 2018
„Bedeutungslose Theorien, die es nie zu Weltruhm brachten, obwohl sie gar nicht geschrieben wurden.“ So beschreibt der Herausgeber Robert Stripling seine Zitatsammlung Verpasste Hauptwerke.
Darin versammeln sich Auszüge aus ungeschriebenen Werken fast aller akademischer und nicht-akademischer Fächer: Philosophie, Mathematik, Soziologie, Literaturwissenschaft, Astronomie, Golfsport-Kunde, Fußballtheorie, allgemeine Poetik und Zen-Manual. Die Texte sind akribisch mit bibliographischer Information versehen und erzählen von Wissen, Unwissen und der Macht der Genauigkeit in wissenschaftlichen Gesellschaften jeder Couleur.
Ob als Lektüre für akademische Freunde und Freundinnen oder als heimliche Inspiration, die Verpassten Hauptwerke sorgen für helle Freude und reflektieren klug gesellschaftliche Diskurse aus aller Welt: Neueste Frankfurter Schule.
Auch als Hardcover mit Lesebändchen erhältlich.
Robert Stripling (hg.)
Verpasste Hauptwerke
ein mikrotext
Erstellt mit Booktype
Coverdesign: Inga Israel
Covertypo: PTL Attention, Viktor Nübel
www.mikrotext.de – [email protected]
ISBN 978-3-944543-69-7
Alle Rechte vorbehalten.
© mikrotext 2018, Berlin
Inhalt
Impressum
Danksagung
Register
Titelseite
Verpasste Hauptwerke
Nachwort
Katalog
Lob des Imperfekts (Lesetipp)
Subkultur der Träume (Lesetipp)
Hoffnun' (Lesetipp)
Über die kleine Form (Lesetipp)
Die Wirklichkeit ist ein Eingeständnis.Dass die vorliegende Anthologie dieses Eingeständnis eingeht, ist zahlreichen guten Geistern zu verdanken, die im Kampf gegen die Unwahrheit erkannt haben, sie mit den eigenen Waffen zu schlagen, ist das effektivste Mittel.
Es ist alles andere als selbstverständlich.
Dank an die Rechtsanwaltskanzlei Maggy&Daughters (Dover).Dank an das Institut für archivare Vernetzung Lissabon-Casablanca und das Zentralarchiv für bedeutungslose Schriftlehren CB Hamburg. Dank an Sabine Scho für reihenweise verpasste Erkenntnis und den unermüdlichen Zuspruch.Dank an Julia Gräfner für ihre Schauspielkunst, für Graz, für dich. Dank an Yale O für ihre aufopferungsvolle Pionierarbeit in Westafrika. Dank an Alke Stachler für die kritische Begutachtung aller Quellenangaben und den liebevollsten Rückhalt.Dank an Yevgeniy Breyger für Öffentlichkeitsarbeit und Vermittlung.Dank an Yang Cheng für unerbittlichen Suff.
Dank an Nils F. Brunschede für sein lektorierendes Auge im Nachwort.
Dank an Nikola Richter und den mikrotext-Verlag für die gnadenlose Gestalt.
Dank an Peter Svagen für den Talisman.
Dank an Donna Lucia Calderón, die immer fragte, für was.
Wir empfehlen bei Bedarf, das E-Book auch anhand der Wortsuche nach Themen zu filtern. Einige Suchbegriffe könnten sein: akademisch, Anthologie, Arbeit / arbeiten, Antike, Astrologie / Astronomie, Architektur, Auslassung, Bettler, Bedeutung / bedeuten, Buch, Dichter, Dichtung, Ehe, Einsamkeit, Ende, Ethik, Esoterik, fahren, Fußball, Geburtstag, Gender, Gesellschaft, Glück, Gott, Grenze, Heimat, Humor, Journalismus, Kabarett, Käse, Kindheit, Kulinarik, Krimi, Kunst, Kurator / kuratieren / kuratiert, Landschaft(wirt)schaft (funktioniert nur als: Landschaft), Leben, Liebe, Loch, Logik, Mathematik, Medium, Medizin, Mönch, Moral, Musik, Naturwissenschaft, Pädagogik, Philosophie, Psychoanalyse / Psychologie, Regie, Reisen, Schauspiel, Selbst, Sex, Schlaf / schlafen, schließen, schreiben, Sport, Sprache, Studium, Theologie, Tod / tot, trinken (ggf.: trink), Vernunft, verpassen, Verständnis, Wahrheit, Wahrnehmung, Wanderer / wandern, Weihnachten, Welt, Wesen, Whisky, Zeit, Zufall.
Robert Stripling (Hg.)
Verpasste Hauptwerke
„Denk immer dran: Wenn die Sternschnuppe dich sieht, hat sie einen Wunsch frei.“
—Bertrand P. Brown, Astrophysiker, in: Planets, Oxford, 1934
„Der Zen-Schüler erhält die Anerkennung seines Meisters, sobald jener ihm seine Bettelschale und sein Mönchsgewand überreicht. Wir nennen diesen Vorgang Dharma-Übertragung. Von nun an ist der Schüler befugt wie verpflichtet, selbst zu lehren. Ich habe damals lange gewartet; ich war ungeduldig. Nach Jahren der Ungeduld, des Wartens, des Meditierens und der Versenkung, trat ich eines Morgens vor die Hütte und sah Bettlerschale sowie Gewand meines Meisters vor mir liegen. Was war geschehen? – Ich hatte vergessen, was dieses Symbol zu bedeuten hatte. Das war das Ende des Zen, der Beginn des Fan.“
—Suzuki Kinotō, Zen- und Fan-Meister, in: Zen – Fan, Tokio, 1889
„Alles kommt anders, nur erfahren wir selten davon.“
—Akrates, Philosoph, überliefert, Rhodos, ca. 470 v. Chr.
„Ich begann damals mit der Fortsetzung. Im Spätwerk kam die Vorgeschichte. Prinzipiell ist alles ganz einfach. Du musst nur dem Anfang entgegenleben. Das Ende hast du hinter dir.“
—Sandy-Maria Boldgreen, Roman-Autorin, in: On Writing, writing, Brighton, 1960
„Doch wisst ihr ja gar nicht, wie lange ihr schlaft! Ich aber habe gesehen, was an Zeit ihr in Betten verschwendet! Schämt euch selber!“
—Peter T. Grundlinger, Eulenforscher und Langschläfer, in: „Tytonidae-Brief”, in: Der Schleier – Fachzeitschrift für Vogelkunde, Biel, 1989
„Ein geteiltes Meer jedoch, liegt im Auge des Betrachters.“
—Aaron Joch, Theologe und Golfer, in: Wortlaute, Bremen, 1871
„Hochmut kommt vor dem Fall, sagt der Volksmund. Denke niemals also, du seist schon gefallen – das wäre hochmütig. Es geht noch tiefer.“
—Sarius Saccus, römischer Politiker und Rhetoriker, in: Faelle, Rom, 164 n. Chr.
„Als ich in Mittelamerika angefangen habe, waren hier noch unerschlossene Gebiete. Da haben selbst Einheimische geraten: Pablo, lass die Finger davon, das geht nicht gut. Ich bin dann einfach rein. Klar, du denkst am Anfang: Diese Hitze, der Urwald … ob das wirklich der richtige Weg ist? Aber wenn du eine Vision hast, bleib dran! Ich musste lernen, dass es manchmal besser ist, nicht dran zu bleiben, sondern abzuwarten. Wirklich – bei meinem dritten Motorschaden hab ich beschlossen: Ok, hier bleibst du. Vergiss deine Scheißvision. Das war mitten im Nirgendwo. Da war dieses Dorf, die Indianer, der Tabak. Sie hatten das Know-how – ich die internationalen Beziehungen. Den Pick-up hat irgendwann der Urwald auseinandergenommen. Wäre ich damals weitergefahren, ich wäre heut Opernsänger und nicht erfolgreichster Unternehmer meiner Branche. Sag ich immer wieder: Bleib besser, wer du bist.“
—Pablo Fernandez-Fernandez, Tabakunternehmer und Privatsammler, in: Die Kunst zu frieren – Interviews, Bilbao, 1999
„Banalität fällt mir schwer: Sie ist das Komplexe auf den Kopf gestellt, ohne dabei sein Gegenteil zu bedeuten.“
—Susann P. Winters, Philosophin und Konzeptkritikerin, in: Die Landschaft der Landschaft, Birmingham, 1967
„Dareinst in den Schwalben, der Ruf der langen Herkunft. Es ist nicht zu leugnen, dass die Wesen der Unsterblichkeit aufgebracht waren: ruhelos geht die Stunde uns zu. Haben wir stets begonnen bereits?“
—Farith Al-Hastaan, Wanderer, in: Aurora, Persien, ca. 530 v. Chr.
„Die Natur des Bildes ist sein Rahmen. Die Natur des Rahmens sein Bild.“
—Cathreen Lee, Kunsthistorikerin, in: Wenn der Tag auf dem Spiel steht, York, 2014
„Doch ob Ohne ohne Ohne geht? Ist das Weglassen seinem Wesen nach weniger? Oder gibt es ein Weglassen, das durch sein Eintreten erst ein Mit wird, dem das Hinzugeben näher erscheint als ein Ohne?“
—Wolf Rahmsburg-Dortmunder, Befreiungstheologe und Sumoringer, in: Oben ohne – Gottesbilder und Sumo, Gelsenkirchen, 1978
„Ich habe schon Menschen geschieden, die ich ehelichte. Das Ziel ist die Wirklichkeit.“
—Oswald Fürchtegott Brems, Standesbeamter und Scheidungsanwalt, in: Was ist Ewigkeit? – Aus meinem Doppelleben, Zürich, 1981
„Logik – Schnee von gestern!“
—Cordula Russell, Philosophentochter und Auswanderin, in: Mein „Vater“, Chicago, 1977
„Auf dem Rückweg gibt es viele Farben. Doch ob wir bestimmt sind, sein Ende zu finden – den Beginn? Erst langsam enthüllt sich dem Wanderer das Werden: Es war ausgemacht, dass seine Bestimmung weit zurückliegt. Vorangehen heißt, sich der Geschenke zu erinnern, die man als Kind erhielt. Ankunft aber ist ein Trug; die Hoffnung hält uns, über Wasser.“
—Inga Bibel, Gartenarchitektin und Theoretikerin, in: Das Labyrinth der Gradlinigkeit, Bergen, 1900
„Bewährt hat sich die Umkehrung, die besagt, dass Sprache an mir arbeitet: Vorhanden geformt ist sie bereits, nur muss ich begreifen, weshalb ich nachkomme? Habe ich schließlich weit genug aufgeholt, um zurückzuwirken, ist neuer Vorsprung aufgetan. So arbeitet es, einander ab.“
—Balthasar Been, Astrologe und Sprachphilosoph, in: The Good, the Bad, the Ugly, Dublin, 1999
„Legen Sie mir, pflegte ich meinen Assistenten zu sagen, in den Terminkalender immer ein paar gesetzlich Versicherte zwischendrin – so kann ich Zeit gewinnen.“
—Dr. Ralph Hartmut, Halsnasenohrenarzt, in: Storys – Röntgenbilder aus 20 Jahren Praxis, Potsdam, 2000
„Der Schwachsinn wächst, da er unendlich ist.“
—Morvin Folter, Alzheimer-Forscher, in: Erinnerungen an die Zukunft, Basel, 1902
„Ziel der unbedingten Durchsetzung eines ‚vollständigen Lebenslaufs‘ ist es, die Bewerber darin zu ermutigen, wirklich offen mit ihrem Leben umzugehen. Mein eigenes Studium z.B., das ich in Biologie begann und schließlich über Medizin, Soziologie, Ethnologie, Musikwissenschaft und Astrologie letztlich beinah in Linguistik und Botanik abgeschlossen hätte, war durch dreizehn Psychiatrie-Aufenthalte unterbrochen. Bei Bewerbungen – so das Prinzip ‚vollständiger Lebenslauf‘ – muss das genauso in den Lebenslauf aufgenommen werden! Nichts verheimlichen, wertfrei bleiben! Wir schreiben: ‚Mai bis September 2001: Tiefenpsychologische Körpertherapie bei Dr. Frank Gaßdorfer, Göttingen.‘ Alles, was wir leben, müssen wir unter dem Aspekt der Kompetenz begreifen! Wir dürfen nicht verschweigen, wer wir sind!“
—Corinna Karl, Esoterik- und Eschatologie-Lehrerin, in: Bewerbung jetzt! – Leitfaden Kompetenz, Hannover, 2011
„,Das Internet setzt sich nicht durch.‘ Es gibt diese Behauptungen. Genauso, wie behauptet wurde, dass das Fernsehen sich nicht durchsetzen würde oder das Buch. Aber was heißt das überhaupt, sichdurchsetzen? Wenn ein Polster alt wird, häufig benutzt, so ist es durchgesessen, irgendwann. Sich durchsetzen heißt, einen Zustand erreichen, der von Benutzung zeugt. Derart betrachtet, setzt sich alles durch – alles Irdische ist im Begriff sich durchzusetzen: es wird Benutzung, Verfall. Das Leben ist Polster; wir setzen uns. Wir setzen uns durch.“
—Lordan M. Mason, Programmierer und Guru, in: Der Verfall setzt sich durch, Princeton, 2009
„Möbel transportieren Heimat. Das ist das Eigenartige: Der Ort wechselt mit.“
—Mustafa Al-Bahrin, Heimatforscher und Langläufer, in: Heimat, Ort und mein Knie, Hamburg, 1990
„Die Kunst hat mich gelehrt, dass ich nicht Künstlerin bin. Jede Hochschule lehrt im Rahmen ihrer Kontexte. Auch ist die Lehre der freien Kunst ein Widerspruch in sich. Die Wahrheit aber nimmt den Irrweg. Sie wählt das Unverständnis, um zu werden. Hier wurde ich wirklich Künstlerin, fernab der Lehre. Meine erste Skulptur hieß: ,Der Wartende‘ und zeigte eine Figur, die unter einem Auto lag. Zu dieser Zeit hatte ich das Studium gerade abgebrochen und war nach Katalonien ausgewandert. Ich hasste Dalí.“
—Julia Julietta, Bildhauerin und Architektin, in: Surrealismus als Wegweiser zum Wunderbaren, Barcelona, 1955
„Muss denn immer gleich jeder Quatsch kuratiert werden?! Ich kann das nicht mehr hören! Heutzutage nennt sich doch jeder dahergelaufene Trottel Kurator. Nur weil eine Auswahl getroffen wurde! Glauben Sie mir, demnächst werden ganze Nationalmannschaften kuratiert – was auf dem Sportplatz passiert, wird Kunst genannt werden. Werteverfall zeigt sich in Sprachspielen. So funktioniert das Unbewusste: Sprache wird aus Sehnsucht überhöht. Aus Mangel werden die großen Begriffe benutzt. Fußball ist keine Kunst, sondern Fußball. Kuratieren hingegen bedeutet kuratieren: Da gibt es ganz wenige, die ich hinzuzähle.“
—Peter Logan-Dhelii, Kunstsammler und Kurator, in: Logan-Dhelii in Peking – Interviews, Köln, 2011
„Das Zitat ist die Mutter alles Gedachten.“
—Bärbel Methlinger, Professorin für Philosophie und Linguistik, in: Das Babel, Bochum, 2000
