Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Marie, die sich gerade erst von ihrem Abenteuer auf dem Nil erholte, schmiedete schon wieder neue Pläne. Und als Professor Summers unerwartet den Auftrag erhielt nach Südamerika zu fliegen, um die Mumie einer noch unbekannten Frau, zwecks genauerer Untersuchungen nach Luxor zu überführen, war es klar das Marie ihn begleiten würde. Sie war sofort Feuer und Flamme für diesen Auftrag und nach langen Bitten willigte der Professor genervt ein. Marie durfte ihn begleiten und damit nahm das Abenteuer seinen Lauf.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 166
Veröffentlichungsjahr: 2022
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Ein etwas anderer Reisebericht, entführt uns in eine magische Vergangenheit,
In ein geheimnisvolles Heute
Und in eine mystische Zukunft
Maria A. Schäffer, geboren 1960, lebt mit ihrer Familie im Ruhrgebiet. Zu ihrem zweiten Buch wurde sie durch Reisen nach Ägypten, Peru und Italien inspiriert.
Widmung
Bärbel und Annette, die ihr mich tatkräftig bei der Korrektur unterstützt habt, vielen Dank.
Und Rebecca, die meinem Buch den letzten Schliff gab, lieben Dank.
Professor Summers und Marie flogen nach Südamerika, um eine Mumie nach Luxor zu überführen. Wegen Unstimmigkeiten, in der Altersbestimmung sollten in Luxor weitere Untersuchungen stattfinden. Doch dann überstürzten sich die Ereignisse. Unvorhergesehene Unwetter brachten die Maschine, weitab den bekannten Koordinaten, mitten im dichten peruanischen Dschungel zum Absturz. Auf sich allein gestellt begann für Summers und Marie ein Kampf um` s nackte Überleben.
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Öffnung des Grabes von Anchsenamun
Das Öffnen des Grabes erwies sich schwieriger und gefährlicher als anfangs angenommen. Im Sommer, der heißesten Zeit, da sich das Tal wie ein Backofen aufheizt, ist die ideale Zeit für geheime Arbeiten, denn es sind kaum Touristen im Tal. Deshalb ist dies auch der beste Zeitpunkt, um unbeobachtet ins Grab von Tutanchamun hinabzusteigen und nachzuschauen, ob sich mit dem alten Skarabäus etwas bewirken lässt. Ob er ein Geheimnis in sich birgt oder ob er nur ein altes dekoratives Schmuckstück ist. Nicht mehr und nicht weniger.
Marie war angespannt und nervös. Sie ließ es sich aber nicht nehmen Sahib und Summers ins Grab zu begleiten, obwohl die beiden Männer meinten, dass es bei dieser Hitze viel zu anstrengend für Marie sei. Sie sollte doch lieber daheimbleiben. Doch diese winkte nur genervt ab. „Natürlich komme ich mit, was glaubt ihr denn“ und dabei schaute sie die beiden Männer wütend an. Nachdem sie nassgeschwitzt am Grab angekommen waren und sich davon überzeugt hatten, dass ihnen niemand gefolgt war, betraten sie vorsichtig das Grab. Sie kletterten hinunter zur Grabkammer. Im Innern war es feucht und dunkel. Sie zündeten die Lampen an, die sie mitgebracht hatten. Rasch erreichten sie die steinerne Felswand, die direkt gegenüber der zugemauerten Grabkammer lag, in der die Mumie des Pharaos seit über dreitausend Jahren ruhte. Mit geschultem Blick suchte der Professor die Wand nach auffälligen Einkerbungen oder Absplitterungen ab. Marie schaute sich indessen ein wenig unschlüssig um. Sie wusste nicht so recht wonach sie suchen sollte. Sahib stand unterdessen lässig gelehnt in einer dunklen Ecke und beobachtete spöttisch das Ganze. Er wirkte ein wenig gelangweilt und hielt es für reine Spinnerei, dass der Skarabäus, der sich schon immer in seinem Besitz befand, irgendein Geheimnis bergen sollte. Marie hatte den Skarabäus akribisch und gewissenhaft untersucht und dabei festgestellt, dass sich auf der Rückseite ein Verschluss-mechanismus aus drei Kerben in Form eines Dreiecks oder auch Pyramide, befand. Die Kerben waren tief ins Material geritzt und mit einer unbekannten Substanz verschlossen worden, die man jedoch mit Hilfe eines Schraubenziehers leicht entfernen konnte. Marie, die mittlerweile ein Stück die Wand hochgeklettert war, die großen Felsblöcke boten sich dafür regelrecht an, entdeckte, dass sich ziemlich weit oben seltsame Einkerbungen im Mauerwerk befanden. So richtig konnte sie das aber von ihrer Stelle aus nicht identifizieren. Deshalb bat sie den Professor ihr die Leiter zu reichen, die in der Ecke neben Sahib stand und von irgendwelchen Arbeitern einst in der Kammer zurückgelassen worden war. Da es keinen ebenen Boden in diesem Bereich gab wurde es zu einem reinen Balanceakt die Leiter hochzusteigen. „Hast du vor dir das Genick zu brechen“, hallte Sahibs tiefe Stimme durch das alte Gemäuer. „Nein keineswegs“ antwortete Marie ihm, „wenn du vielleicht so nett wärest und die Leiter festhalten würdest, wäre es für mich sicher einfacher hinaufzusteigen“, fügte sie lächelnd hinzu. Er lächelte charmant zurück, wobei seine weißen Zähne im fahlen Licht der Öllampe hell aufblitzten. „Okay Prinzessin“, und dabei machte er eine leichte Verbeugung in Maries Richtung, „dein Wunsch sei mir Befehl“ und dabei konnte er sein Lachen kaum unterdrücken. „Ich werde mein Möglichstes tun“, sagte er und hielt die Leiter fest.“ Marie verdrehte leicht genervt die Augen und gab ein verächtliches Schnaufen von sich, aber sie musste zugeben die Streitgespräche mit Sahib, gefielen ihr ausgesprochen gut. Der Professor war unterdessen damit beschäftigt die Wand weiter unten zu untersuchen, schaute kurz auf und meinte nur kopfschüttelnd, „trödelt nicht so herum, ihr benehmt euch wie kleine Kinder.“
Marie untersuchte die Unebenheiten im oberen Bereich der Felswand, als sie feststellte, dass es drei kleine Einkerbungen oder Kratzer mit gleichmäßigem Abstand gab. Es sah, wie ein uralter in Stein gemeißelter Verschlussmechanismus aus. Leise bat sie Sahib ihr den Skarabäus hinaufzureichen. Was dieser nur widerwillig tat, da er dieses ganze Unterfangen immer noch als totalen Blödsinn abtat. Marie nahm das Schmuckstück, ignorierte Sahibs verächtlichen Blick und legte ihn vorsichtig mit ihrer zittrigen Hand auf die Einkerbungen im Mauerwerk und drückte die Erhebungen, die sich auf dem Schmuckstück befanden mit aller Kraft fest in die Wand und lauschte mit klopfendem Herzen, auf das was jetzt wohl passieren würde. Doch nichts geschah. Alles blieb ruhig, nur ein leises Klicken war zu hören. „War das alles?“ rief der Professor von unten. Auch Marie wirkte enttäuscht. Sie hatte sich ein wenig mehr erhofft. Vorsichtig löste sie den Skarabäus aus der Wand und kletterte die Leiter hinunter. Dabei nickte sie dem Professor schulterzuckend zu. So schnell geben wir nicht auf. Sahib schaute sie nur skeptisch an und machte gerade den Mund auf, um etwas zu sagen, als Marie meinte „nicht so schnell. Vielleicht findet der Professor noch einen versteckten Hinweis. Irgendetwas muss dieses Klicken doch bewirkt haben, oder?“
Marie hatte kaum zu Ende gesprochen, als der Professor laut rief. „Kommt her und schaut euch das hier an. Hier der Stein, seht ihr, er ist locker, man kann ihn ganz leicht herausziehen“, und dabei kauerte Summers auf dem steinigen Lehmboden und rüttelte an einem leicht hervorstehenden Felsen. „Seht doch! Kommt schon und helft mir.“ Mit einem leichten Ruck beseitigten sie gemeinsam den Stein und wirklich, mitten in der Felswand erschien eine Öffnung, nicht groß, aber groß genug, um hineinzukriechen. Marie sprang vor Freude in die Luft und klatschte vor Begeisterung in die Hände. Es hallte laut und gespenstisch durch die ganze Grabkammer, so dass Marie erschrocken innehielt und irritiert eine Hand auf ihren Mund legte.
Sahib sah Marie mit einem seltsamen Blick an. „Respekt kleine Hexe, Respekt! Das hätte ich nicht vermutet,“ und dabei, wie es seine Art war, nahm er sie liebevoll in seine Arme. „Woher wusstest du das?“ Marie schaute ihn leicht verstört an, zuckte mit den Schultern und schüttelte hilflos den Kopf. „Keine Ahnung, ich wusste es nicht. Es war so, als wenn man etwas weiß, es aber irgendwann vergessen hat und dann urplötzlich in einer bestimmten Situation fällt es einem wieder ein. Verrückt, nicht wahr?“ Sahib nickte, „ja ich weiß, wovon du sprichst. Ich kenne das Gefühl nur zu gut.“ „Seid ihr beiden jetzt fertig mit eurem philosophieren und können wir uns nun das Loch näher ansehen“, fiel Summers den beiden genervt ins Wort. Marie lächelte verhalten, wandte sich fasziniert der Öffnung zu und wollte sich gerade durch das enge Loch zwängen, als Sahib sie abrupt zurückriss. Mit schroffer Stimme und ihr einen bösen Blick zuwerfend meinte er laut: „Hast du nun vollkommen den Verstand verloren? Du kannst doch nicht einfach in einen Tunnel klettern, der tausende von Jahren verschlossen war. Die Luft, die du dort einatmest, würde deine Lungen angreifen und zerstören und schon bald würdest du an den giftigen Sporen und Pilzen sterben. Und als nächstes würde in der Zeitung zu lesen sein der Fluch des Pharaos hat wieder ein neues Opfer gefunden.“ Marie wurde rot, wie unbedacht von mir, dachte sie und gab ihm vollkommen Recht. Vor lauter Übereifer hatte sie einige wichtige Regeln der Ägyptologie völlig außeracht gelassen. So etwas darf nicht passieren. Schon gar nicht ihr. Wütend stampfte sie mit ihrem Fuß auf den lehmigen Boden. Sahib warf einen flüchtigen Blick auf seine Uhr und meinte nach kurzem Zögern, „wir sollten für heute Schluss machen. Es ist schon sehr spät bzw. sehr früh. Wir müssen heim damit uns von dem Wachpersonal niemand hier entdeckt. Gleich erfolgt die Ablösung. Wir kehren morgen bei Sonnenuntergang mit der richtigen Ausrüstung zurück.“ Der Professor und Marie nickten zögernd. Viel lieber würden sie den Geheimgang untersuchen, doch sie wussten auch das Sahib recht hatte. Es wird zu gefährlich, je später es wurde. Notdürftig verschlossen sie das Loch, falls einer der Aufseher auf die Idee kam, nachzusehen, ob alles in Ordnung sei. „Ich werde dafür sorgen, dass das Grab verschlossen bleibt, wegen Einsturzgefahr! Je weniger Touristen jetzt die Gruft besuchen, umso besser,“ meinte Sahib. Mir wird schon ein plausibler Grund für die Herren der Antikenverwaltung einfallen.“ Gemeinsam verließen sie so unauffällig, wie möglich das Tal. Am Horizont kündigte bereits der erste Sonnenstrahl den neuen Tag an.
Nachdem der Tag ereignislos verstrichen war, denn Marie hatte erst einmal etliche Stunden geschlafen, machte sich am späten Nachmittag ein kleiner Trupp von Menschen auf ins Tal der Könige. Angeführt wurde die recht schweigsame Truppe vom Professor und Sahib, gefolgt von Marie und einigen Ägyptern. Die Einheimischen, die sie begleiteten, um beim Graben zu helfen, kamen allesamt aus dem Dorf Kurna, auch bekannt unter dem Namen –Dorf der Grabräuber -. Bevor das kleine Dorf in der Wüste von der Regierung zwangsgeräumt wurde, war es ein Paradies für Schmuggler und Grabräuber. In fast jeder der kleinen Hütten gab es Öffnungen und Gänge, die in ein Grab hineinführten. Provisorisch wurden die Eingänge nur durch einen Teppich, den man geschickt über die Öffnung hängte, versteckt. Der Eingang konnte sich in der Wand oder auch im Boden befinden, das war ganz unterschiedlich. Durch diese Einnahmequelle bekam das Dorf auch seinen Namen. Das war auch der Grund warum die Einwohner ihre Heimat nicht freiwillig verlassen wollten, denn obwohl die Regierung neue, komfortablere Häuser nicht weit vom alten Dorf entfernt gebaut hatte, wollten die Bewohner nicht fort. Sie verloren mit dem Weggang aus ihrem Dorf auch ihre nie versiegende Einnahmequelle, denn Touristen, die besondere Artefakte suchten, gab es genug. Es könnte daher sehr interessant sein sich einmal intensiver an diesem Ort umzuschauen, dachte Marie. Doch sie wusste auch aus eigener schmerzhafter Erfahrung, wie gefährlich im Boden versteckte Gräber sein können. In Assuan kam sie deswegen schon einmal in Bedrängnis. Sie wusste genau Bescheid über die Gefahren dieser Gruften im Erdbereich und deshalb wäre es nicht verkehrt einen Führer, am besten jemanden aus Kurna mitzunehmen, der das Dorf wie seine Westentasche kannte. Sie schaute sich um. Die meisten Männer waren alt und machten einen gebrechlichen und ängstlichen Eindruck. Leise murmelten sie irgendwelche Beschwörungsformeln vor sich her. Es sei nicht recht, nach so langer Zeit die Ruhe des Pharaos zu stören, denn, was wäre, wenn sein Fluch über sie alle kommen würde.
„Der Tod soll, den mit seinen Schwingen erschlagen, der die Ruhe des Pharaos stört!“
So lautete einst die Inschrift auf einer Tontafel, die im Grab KV64 von Howard Carter gefunden wurde und tatsächlich kamen einige der Expeditionsteilnehmer, nach der Öffnung der Grabkammer auf mysteriöse Weise ums Leben. Allen voran Lord Carnarvon, der Finanzier der Ausgrabungsexpedition. Tragische und unerklärliche Todesfälle häuften sich. Heute jedoch weiß man, dass giftige Sporen und Pilze sowie Schimmel die Ursache der Todesfälle waren und doch lässt sich nicht alles rational erklären.
Manche sprechen von bösen Vorahnungen, von Zeichen, die ihnen erschienen sind und sie warnten in das Grab hinabzusteigen. Marie jedoch glaubte, dass ihre Furcht eher darin lag, dass sie unter Beobachtung standen und so nichts unbemerkt von den Schätzen einstecken konnten, um es heimlich zu verkaufen.
Zügig und flink, wie man es kaum vermutete für Männer in diesem Alter, legten sie die Öffnung in der Felswand erneut frei und vergrößerten zudem den Einstieg. Den Schutt brachten sie mit Körben in eine kleine Nebenkammer, die sich zusehends mit Steinen füllte. Marie und der Professor hatten bereits ihren Mundschutz angelegt und waren gerade dabei ihre Handschuhe anzuziehen und eine Schutzbrille aufzusetzen, um sich vor Fledermauskot und giftigen Sporen zu schützen, als die Öffnung groß genug war, um hineinzukriechen. Auf allen vieren kroch Marie als erste in das dunkle stickige Loch, dicht gefolgt von Summers und Sahib.
Zu ihrem großen Erstaunen stellten sie fest, dass sich direkt hinter der Öffnung ein Tunnelsystem verbarg, indem sie ohne weiteres aufrecht stehen konnten. Doch wie groß war gleichzeitig die Enttäuschung, als sie erkennen mussten, dass der Gang soweit sie sehen, konnten durch Steine und Geröll völlig verschüttet war. Es gab kein Durchkommen. Marie schluckte. Sie war zutiefst enttäuscht. Das war es jetzt. Nein, sie schüttelte energisch den Kopf. So leicht gab sie sich nicht geschlagen. „Das alles frei zu räumen kostet Zeit, viel Zeit“ murmelte Summers resigniert, der mittlerweile hinter Marie aufgetaucht war und nicht minder enttäuscht war über das was er hier sah. „Halb so schlimm“, versuchte Sahib die beiden aufzumuntern. Das kostet zwar Zeit, aber es ist zu schaffen, kein Problem. Das Vorhaben erwies sich jedoch weit schwieriger als erwartet. Der viele Schutt, wo sollte man ihn hinbringen. Das Tunnelsystem war eng. Man konnte die Steine nicht einfach zur Seite legen. Auch konnte man sie nicht einfach nach draußen befördern, denn dann würde man von den Wachen gesehen werden. Es würde nicht so einfach werden, den Weg freizumachen und das Wichtigste alles musste im Geheimen von statten gehen. Konnte Sahib sich auf jeden einzelnen der Männer verlassen oder würde einer für Geld das Vorhaben verraten?
Marie hatte schon einen anderen Gedanken, der sie wie ein Blitz traf. Morgen kommen Cloudia und Ahmed, die mit ihren Ausgrabungen im Tal der Königinnen auch vor großen Problemen und Herausforderungen standen. Vielleicht gab es eine Verbindung zwischen den beiden Tälern. Marie wollte auf jeden Fall die Aufzeichnungen und Skizzen von Ahmed mit den ihren vergleichen. Sie hatte so ein seltsames Gefühl, wie sie es schon einige Mal in diesem Land hatte. Dinge, die sie glaubte zu kennen, obwohl Marie sie zum ersten Mal in ihrem Leben gesehen hatte. Deja-vu, so nennt man wohl eine Erinnerungstäuschung, bei der eine Person glaubt, ein Ereignis früher schon einmal erlebt zu haben.
Doch nun wurde es Zeit zum Duschen und zum Essen. Ja sie war hungrig. Mal schauen was Mohamed, der Koch, heute gutes und leckeres für sie kredenzt hatte. Ihr Magen machte lautstarke Geräusche. Ja, die viele frische Luft machte eben Appetit und dabei musste sie laut lachen.
Erst vor ein paar Monaten kehrte Marie, von ihrem bis dahin größten Abenteuer, heim. Was hatte sie alles in Ägypten erlebt. Schöne und gefährliche Dinge. Ja, es war schon ein aufregender Urlaub. Und war es nun Zufall oder Bestimmung, dass sie heute fast auf den Tag genau, nach einem Jahr, wieder ihren Koffer packte und zurückkehrte. Zurück in eine ungewisse Zukunft. Zurück in das Land am Nil und zurück zu dem Mann, der sie dort so völlig aus der Bahn geworfen hatte. Er hatte ihr gesamtes Leben auf den Kopf gestellt. Alles woran sie geglaubt hatte, hatte sich verändert. Für ihn war sie nach reiflicher Überlegung sogar bereit alles aufzugeben. Doch sie war auch ein vorsichtiger Mensch und hatte sich ein „As“ als Absicherung offengehalten. Ihren Job hatte sie nicht, wie sie es eigentlich vorhatte, gekündigt, sondern nur auf unbestimmte Zeit unbezahlten Urlaub genommen, dazu riet ihr, ihr sehr verständnisvoller Chef, der auch ein väterlicher Freund und Ratgeber war. Er hatte ihr ernsthaft ins Gewissen geredet, nicht alles sofort hinzuwerfen, sondern erst einmal in aller Ruhe abzuwarten, wie sich die Dinge entwickeln würden. Deshalb behielt sie auch auf sein Drängen hin ihre kleine Wohnung. Marie hatte sie nur einem guten Freund untervermietet. Und doch hatte sie den Eindruck, als würde sie gerade ihr komplettes Leben umkrempeln. Leise Zweifel beschlichen sie. Tue ich das richtige, aber was ist richtig und was ist falsch, fragte sie sich und dabei schweiften ihre Gedanken bereits ab. Wie würde das Wiedersehen mit Sahib sein, sie hatte sein Leben gerettet. Hatte er sie genauso vermisst, wie sie ihn oder war das für ihn alles nur ein Spiel. Würde alles ganz anders sein als bei ihrer Abreise? Sie wusste es nicht. Langsam, aber sicher wurde Marie nervös vor dem baldigen Treffen und wieder nagten Zweifel an ihr. Tue ich das Richtige? Alles hinter sich zu lassen, um in einem fremden und armen Land an einem aufregenden neuen Projekt mitzuarbeiten. Ihre Freunde fanden ihre Entscheidung ein wenig übereilt, aber sie respektierten sie und doch baten sie Marie eindringlich sich regelmäßig, wenigstens bei einen von ihnen zu melden, damit sie sich sicher sein konnten, dass es ihr gut gehe. Marie versprach es.
Beim Untergang der letzten Sonnenstrahlen erreichte sie Luxor. Sie mochte diese Stadt am Nil. Sie war ihr so vertraut. Nach einer kurzen Passkontrolle durch einen gutgelaunten Zöllner verließ sie ebenfalls lächelnd, durch die geöffnete Glastür, das Flughafengebäude. Frische kühle Abendluft umfing sie.
Marie schloss die Augen und atmete die kühle Luft genussvoll ein. Ja, mit einem Mal wusste sie es. Sie hatte sich richtig entschieden, das war ihr in diesem Augenblick klar geworden. Neben ihr sammelten sich die Touristen, die von ihrem Reiseleiter mit Namen aufgerufen und auf die gebuchten Schiffe oder Hotels verteilt wurden. Marie lächelte. So fing vor nicht allzu langer Zeit auch ihre erste Reise ins Land der Pharaonen an, und nun stand sie hier und würde für eine Saison bei den Ausgrabungen im Tal der Könige helfen. Sie freute sich wahnsinnig auf die Arbeit. Erst dann würde sie sich endgültig entscheiden, ob und für wie lange sie bleiben würde. Sie atmete abermals tief durch und schaute sich suchend um. Eigentlich sollte sie hier abgeholt werden. So war es zumindest mit Professor Summers abgesprochen. Die letzten Monate stand sie ausschließlich mit dem Professor in Kontakt. Er war für die Dokumente und Genehmigungen zuständig, die sie benötigte, um an den Ausgrabungen teilzunehmen. Sie würde dort als seine Assistentin mit ihm zusammen an einem interessanten Projekt arbeiten. Man war auf der Suche nach der Mumie der Prinzessin und Gemahlin von Pharao Tutanchamun.
„Hallo Marie, hier bin ich,“ hörte sie plötzlich eine angenehme tiefe Stimme rufen. Marie schaute zur Seite und sah einen kleinen älteren Mann mit grauen Haaren, der freudig winkend auf sie zu lief. „Hallo meine Liebe, da bist du ja endlich“ und dabei umarmte er sie so herzlich, so als wenn sie sich schon ewig kannten. „Hallo Professor Summers.“ „Ich freue mich auch, Sie endlich persönlich kennenzulernen,“ und dabei lächelte Marie den Mann freundlich an.
Professor Summers war Ägyptologe, hatte in Deutschland studiert und mittlerweile an fast allen renommierten Universitäten auf der ganzen Welt Vorträge gehalten. Er hatte einen guten Ruf und genoss großes Ansehen bei seinen Kollegen. Er war ca. 60 Jahre alt, trug eine große braune Hornbrille auf der Nase, war etwa mittelgroß und wirkte, wegen seines etwas zu hohen Gewichts ein klein wenig gedrungen, fast so wie ein Zwerg. Sein Lächeln war äußerst sympathisch und charmant. Er schien ein lockerer Typ zu sein, aber das hatte Marie bereits aus den Mails der vergangenen Wochen heraushören können.
„Wie geht es Sahib,“ plapperte Marie aufgeregt drauf los und dabei klopfte ihr Herz stürmisch und ihr Mund wurde trocken. Schmunzelnd antwortete der Professor, „Soviel ich weiß, freut er sich schon ganz besonders dich wiederzusehen. Aber er hat im Moment eine Menge zu tun, deswegen konnte er auch nicht selbst kommen, um dich abzuholen. Er ist in einem Meeting mit den „Geldgebern“ der Ausgrabung. Wichtige Sache, du verstehst?“ Marie schaute ein bisschen enttäuscht drein und plapperte gleich weiter. „und wie geht es Cloudia?“ „Ihr geht es ausgezeichnet. Sie ist mit Ahmed im Tal der Königinnen beschäftigt und freut sich schon riesig dich wiederzusehen.
