Vertraue deinen Träumen - Karolin Maier - E-Book

Vertraue deinen Träumen E-Book

Karolin Maier

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Beschreibung

Julia ist dreizehn und sitzt seit drei Jahren im Rollstuhl. Ihr größter Traum ist es reiten zu lernen, doch das ist leichter gesagt als getan. Mit ihrer besten Freundin Sarah will sie ihre Eltern vom Reiten überzeugen und schmiedet mit ihr einen Plan… Gelingt es den beiden gemeinsam alle Hürden zu überwinden? Und wird sie den Sommer auf einem Reiterhof verbringen?

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 172

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Autorin:

Karolin Maier wurde 2007 in Schwäbisch Gmünd geboren und lebt mit ihrer Familie in ihrem Heimatort Schechingen. Schon früh begann sie Geschichten und Gedichte zu schreiben. Ihre Beeinträchtigungen durch einen Herzfehler und eine Sehbehinderung hindern sie nicht daran Menschen zu ermutigen ihre Träume zu verwirklichen.

Danksagung

Mein besonderer Dank geht an Frau Martina Glöckler und an meine Familie, die mich bei der Veröffentlichung meines Buches unterstützt haben.

Karolin Maier

Vertraue deinen Träumen

Ein Sommer auf der Perle des Ostens

© 2020 Karolin Maier

Herausgeber: Harald Maier

Autor: Karolin Maier

Umschlaggestaltung, Illustration: Karolin Maier

Verlag: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg

ISBN: 978-3-347-13569-7 (Paperback)

ISBN: 978-3-347-13570-3 (Hardcover)

ISBN: 978-3-347-13571-0 (e-Book)

Printed in Germany

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Inhaltsverzeichnis

1. Mein Traum

2. Mein Traum geht in Erfüllung

3. …oder doch nicht?

4. Der Bootsausflug

5. Überraschungen

6. Ein Geheimnis oder kein Geheimnis

7. Einmal rund um die Welt

8. Das Glück der Erde ist auf den Rücken der Pferde

9. Das fremde Pferd

10. Das Festival

11. Der Abschied

12. Die Hafenstadt Hamburg und ihre besondere Reiseführerin

13. Die Hansestadt Hamburg aus einer anderen Sicht

14. Eine unangenehme Begegnung

15. Der Strandausritt

16. Ciao, Perle des Ostens

1. Mein Traum

Es war Nachmittag, die Sonne schien, die Vögel zwitscherten auf dem Kirschbaum sitzend ihr Liebeslied.

Ich saß in meinem großen Zimmer am Schreibtisch und kaute auf meinem Füller herum und wusste nicht, wie ich anfangen sollte.

Meine Mutter hatte mir zu meinem Geburtstag, der jetzt genau eine Woche her war, ein Tagebuch geschenkt. Es war rotweiß gestreift und hatte ein silbernes Herz auf der Vorderseite, hinten stand der Spruch:

Vertraue alles Deinem Tagebuch an, egal ob es schöne oder traurige Sachen sind, ob Träume oder Erlebnisse, die Du sonst keinem, nicht mal Deiner besten Freundin erzählen willst, hier kannst Du alles aufschreiben, denn eins ist sicher, Dir wird es danach immer ein bisschen besser gehen als davor.

Bei dem Wort „Träume“ schlug mein Herz plötzlich schneller, denn ich hatte selber einen sehr großen Traum: Ich wollte um jeden Preis der Welt reiten lernen, doch das war leichter gesagt als getan.

Ich saß nämlich seit fast drei Jahren im Rollstuhl und ihr fragt euch jetzt bestimmt, wie ich überhaupt in den Rollstuhl kam und ich werde es euch so einfach wie möglich erzählen.

Ich erinnere mich nur noch daran, wie wir, meine Eltern, ich und meine beste Freundin Sarah im Auto saßen, die Musik dröhnte und ich einen goldenen Pokal in der rechten Hand hielt. Ich hatte bei einem Ballettturnier den ersten Platz gewonnen.

Wir haben lautstark gejubelt und eine Sekunde später, vielleicht waren es auch zwei, raste plötzlich ein LKW mit Vollgas auf uns zu. Meine Mutter fing an zu weinen, mein Vater, der das Steuer in der Hand umklammert hatte, fluchte erschreckt. Meine Freundin starrte mit offenen Augen und offenem Mund auf den LKW und ich, ich war wie gelähmt, mein Herz pochte wie wild und auf meiner Stirn bildeten sich Schweißperlen. Ich hielt den Atem an und dann wurde alles schwarz vor meinen Augen.

Das letzte was ich sah waren meine Eltern und das Erste die Krankenschwester, die mich liebevoll anlächelte. Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie meine Eltern versucht haben, mir Mut zu machen und dafür bin ich ihnen bis heute dankbar und natürlich auch meiner aller besten Freundin Sarah. So jetzt wisst ihr also Bescheid über mein Leben früher und heute.

Ich schlug mein Tagebuch zu und drehte mich zu meiner Freundin Sarah um, die lächelnd in meinem Zimmer im Bett lag und es sich bequem gemacht hatte auf meiner Kissenpyramide.

Sie schaute mich erwartungsvoll an und ich atmete tief durch und fragte sie schließlich, ob sie zum Essen bleiben möchte. Sie aber schüttelte bedauernd den Kopf und sagte: „Tut mir echt leid, ich wäre gerne zum Essen geblieben, aber du kennst ja meine Mutter, die ist total neben der Spur, wegen der neuen Hauptrolle in ihrem nächsten Film. Sie will, dass ich sie modisch berate, als ob ich nichts Besseres vorhätte.“ Sie rollte genervt mit den Augen.

„Du Arme, das holen wir nach, versprochen. Wie wäre es Samstag um drei? Wir könnten Kaffee trinken und am Abend in meinem Zimmer picknicken?“, schlug ich vor.

Sarah antwortete: „Super Idee, meine Mutter bringe ich auch mit, dann kann sie sich mal entspannen und wir können ungestört Spaß haben. Wie wäre eine Übernachtungsparty?“

„Du spinnst, wie willst du das denn anstellen?“, fragte ich.

„Na ganz einfach, ich habe doch erst vor kurzem einen Kinogutschein für drei Personen bekommen. Den gebe ich als Dankeschön für die nette Einladung Deinen Eltern und meiner Mutter. Dreimal darfst du raten bis wann er eingelöst werden kann“, sagte Sarah triumphierend.

„Ich schätze mal genau dann, wenn die Übernachtungsparty steigen soll“, sagte ich lächelnd.

„Ganz genau, den Film habe ich auch schon festgelegt, er geht genau drei Stunden und zufällig habe ich in der letzten Reihe Plätze bekommen. Bei der Gelegenheit können wir dann auch gleich mal überlegen, wie du deine Eltern doch noch überzeugen kannst deinen Traum zu verwirklichen“, sagte Sarah.

„Ich? das klingt ja Spitze! Ich besorge Schokolade, Kekse und Obstspieße, Okay?“

„Alles klar, dann bringe ich noch Muffins mit und Limo. Aber jetzt muss ich echt los, sonst macht sich meine Mutter wieder Sorgen, wo ich bleibe“, sagte Sarah begeistert.

„Na dann, bis Samstag.“ Ich freute mich schon riesig darauf.

Eine halbe Stunde später rief meine Mutter, dass ich runterkommen sollte, denn das Essen war fertig und stand schon bereit auf dem großen runden Esstisch im Freien. Es war angenehm warm und ich stemmte mich mit der Hilfe meines Vaters auf die Eichenbank. Meine Mutter kam fröhlich pfeifend aus der Küche und balancierte in der linken Hand haltend, die große, aus Porzellan bestehende Schüssel. Es duftete verführerisch nach Pommes und Würsten, die auf dem Grill lagen.

„Das ist meine Gelegenheit“, dachte ich meine Eltern sind guter Laune.

„Papa, was war dein größter Traum, als du jung warst?“, fragte ich so beiläufig wie möglich.

„Mein größter Traum?“, Papa runzelte die Stirn, dann fing er aber doch zu erzählen an. „Na ja, ich wollte früher einmal Architekt werden.“

„Und heute ist dein Traum in Erfüllung gegangen“, vollendete ich seinen Satz, und im gleichen Moment wurde mir klar, dass das keinen Sinn ergab. Ich musste es anders angehen, vielleicht hatte er ja bemerkt, dass es mir nicht darum ging. Ich aß also meinen Teller schweigend leer, und erst als meine Mutter mich bat, ihr zu helfen, schreckte ich auf, ich war so in meinen Gedanken versunken, dass ich….

…erstens die Zeit vergessen hatte und zweitens nicht die Gelegenheit hatte meine Mutter zu fragen, ob es Okay für sie wäre, dass Sarah am Wochenende kommen würde. Ich nahm also meinen ganzen Mut zusammen und erzählte meiner Mutter meine Idee. Zu meiner großen Überraschung freute sie sich darüber und sagte, dass es natürlich gar kein Problem wäre.

Nachdem ich ihr beim Abwasch geholfen hatte, fuhr ich mit dem Treppenlift hoch in mein Zimmer, machte meinen Computer an und schrieb eine E-Mail an Sarah.

@Hallo Sarah, ich habe es nochmals versucht, meinen Eltern meine Pläne in den Sommerferien zu erzählen. Aber du kennst meine Eltern, die haben sofort dicht gemacht und sind nicht weiter darauf eingegangen. Die gute Nachricht ist, dass meine Mutter nichts dagegen hat, wenn ihr uns besuchen kommt am Wochenende.

Ich drückte auf „senden“ und hoffte, dass Sarah bald zurückschreiben würde. Mein Wunsch wurde erhört und nach nicht einmal zwei Minuten machte es bing.

@Hallo Julia, klingt ja richtig super! Wir haben dann genug Zeit um unseren Plan durchzuführen. Am besten du besorgst Zeitschriften, Bücher und sonstiges über Pferde. Eben alles was du bis dahin auftreiben kannst. Du wirst sehen, wenn wir genügend Argumente zusammen haben werden deine Eltern ihre Sorgen vergessen und zustimmen. Glaub mir.

Einen Versuch war es schließlich wert, deinen Vater zu fragen, also ärgere dich nicht, beim nächsten Mal klappt es bestimmt.

@Wie war die Shoppingtour mit deiner Mutter? Hattest du schon Zeit ihr mitzuteilen, dass du bei mir übernachten möchtest?

@Ja, sie war ganz begeistert von der Idee und sie meinte, dass ihr mal ein bisschen Ruhe gut tun würde.

@Super, dann läuft ja bis jetzt alles nach Plan. Freue mich schon auf unsere PARTY!

@Ich mich auch. Bis morgen!

Ich fuhr den Computer herunter und rollte zu meinem Fenster. Der Mond leuchtete hell über den Dächern und der Himmel war so klar, dass man sogar ein paar Sterne sehen konnte. Plötzlich huschte eine funkelnde Sternschnuppe über den Himmel. Ich schloss meine Augen und wünschte mir, dass ich eines Tages reiten lernen würde. Nach fünf Minuten, glaube ich jedenfalls, rollte ich hinüber zu meinem Bett, lies mich in meine weichen Kissen fallen und deckte mich bis zur Nasenspitze zu.

Als ich am nächsten Morgen, von einem Sonnenstrahl gekitzelt aus dem Bett gelockt wurde, wusste ich erst nicht, warum ich so aufgeregt war, aber gleich darauf fiel es mir wieder ein: Heute war die Übernachtungsparty geplant, das entscheidende Wort in diesem Satz war „geplant“ und ich hoffte, dass alles reibungslos funktionieren würde.

Ich aß mein Frühstück, suchte die Sachen zusammen, die zu einer richtig guten Party gehörten und schaute fast jede halbe Stunde auf die Uhr.

Endlich war es so weit! Schon von weitem hörte ich meine Freundin lachen. Sie begrüßte mich stürmisch und gab meiner Mutter wie vereinbart den Gutschein. Diese freute sich riesig darüber und bedankte sich bei Sarah und fügte dann noch lächelnd hinzu: „Das ist aber eine Überraschung, dass du ausgerechnet unseren Lieblingsfilm ausgesucht hast.“

Sarah strahlte bis über beide Ohren, besser laufen konnte es gar nicht, las ich von ihrer Stirn ab. „Jetzt müssen wir nur noch warten, bis es endlich Abend wird“, dachte ich vergnügt.

Meine Mutter hatte in der Zwischenzeit den Esstisch auf der Terrasse gedeckt. Auf dem runden Eichentisch lag eine blaue Decke, darauf stand eine kostbare Vase, die aus purem Glas war und in ihr steckten die rot-rosa schimmernden Rosen, die mein Vater zuvor gekauft hatte. Der Duft von frisch gebackenem Erdbeerkuchen lag in der Luft. Teller, Tassen und eine Kanne voll heißem Kaffee standen um die teure Vase herum. Herzen, aus Servietten gefaltet, krönten den feierlich gedeckten Esstisch.

Nach ein paar Minuten rief meine Mutter, dass es angerichtet sei. Wir setzten uns auf die alte Eichenbank und die Erwachsenen nahmen ihre Plätze auf den übrigen Stühlen ein. Meine Mutter schenkte jedem eine Tasse Kaffee ein und gab uns je einen Becher mit frisch gepresstem Orangensaft. Danach schnitt sie den Kuchen an und verteilte ihn in großen Stücken an uns. Er schmeckte wirklich hervorragend, aber das war jetzt Nebensache. Als ich meinen Kuchen aufgegessen hatte, raunte ich meiner Freundin zu:

„Komm, wir gehen nach oben, die haben sich bestimmt eine Menge zu erzählen, da stören wir doch nur.“

Meine Freundin stutzte, aber dann sagte sie so leise wie möglich: „Okay, dann können wir ja bei der Gelegenheit zwei Stücke mitnehmen.“

Ich nickte nur kurz zur Antwort und schob meinen Rollstuhl zurück. Mein Vater schaute mich überrascht an und meine Mutter bat, uns die Teller in die Küche zu stellen.

„Ihr könnt euch auch noch zwei Kuchenstücke mitnehmen und wenn ihr wollt, in der Küche steht noch eine Kanne lauwarmer Kakao.“

Ich umarmte meine Mutter und sagte, dass wir ihr Angebot gerne annehmen würden. Als die Erwachsenen außer Sicht- und Hörweite waren, jubelte ich los und klatschte mich bei meiner besten Freundin ab. Dass es so gut laufen würde, hätte selbst sie nicht gedacht. Mit ein paar kräftigen Armstößen waren wir am Aufzug angelangt.

In meiner rechten Hand hielt ich den Teller mit den beiden Kuchenstücken und in der linken die Kanne mit dem Kakao. Sarah hatte sich ihren Rucksack übergeworfen, darin waren eine große Tüte Chips, Schokolade, Obstspieße, eine Tüte Gummibärchen und Kekse. Außerdem eine Zahnbürste, ein Schlafanzug und ihre Lieblingsdecke. Den Schlafsack hatte sie sich unter den Arm geklemmt.

„Wow!“, sagte ich begeistert. „Wo in aller Welt hast du die vielen Sachen her?“

Als Antwort lachte meine Freundin nur und zwinkerte mir verschwörerisch zu. Der Aufzug stoppte und ich fuhr neben Sarah in mein Zimmer.

Ich hatte meinen Nachttisch zur Seite geschoben, etwas Platz in meinem Kleiderschrank gemacht und sogar noch ein paar Hefte, Bücher und Broschüren über Pferde besorgt. Im Internet hatte ich mich auf die Suche nach Anzeigen gemacht. Die meisten waren zu weit weg oder gefielen mir nicht.

Meine Freundin war sprachlos, es dauerte einige Minuten lang, bis sie ihre Sprache wieder fand. Sie drehte sich zu mir um, ihre Augen waren groß und rund, ihr Mund war weit geöffnet. Das Einzige, was sie gesagt hatte, war: „Wow, du hast echt an alles gedacht.“

Danach ließ sie ihren Rucksack von der Schulter gleiten und machte den Reisverschluss auf. Eine Minute später hatte sie eine Pyramide von unzähligen Klamotten auf dem Arm und balancierte diese zu meinem Kleiderschrak. Drei Meter vorher blieb sie stehen, zog meinem Stuhl heran und legte den Stapel darauf. Prustend sah sie sich hilfesuchend um, ich kam ihr gleich zu Hilfe und machte den Kleiderschrank auf. Dann nahm ich ihr die Hälfte ab, die ich in den Kleiderschrank schob. Die andere Hälfte wurde in die unteren Schubladen und auf die restlichen Kleiderbügel verteilt.

„So, das hätten wir!“ sagte ich lachend.

Danach verstauten wir die Süßigkeiten in der Kiste hinter meinem Nachtisch und bauten das Schlafquartier auf. Zuerst breitete Sarah den Schlafsack aus und währenddessen legte ich die Decke darauf, mit Kissen und Schlafanzug für die Nacht.

Wir setzten uns auf mein Bett und fingen an, die Hefte, Bücher und Broschüren über Pferde durchzulesen.

Nach einer Weile stellte ich fest, dass wir das nie geschafft hätten ohne die geniale Idee meiner Freundin. Ich ließ meinen Blick über die Notizen wandern und stoppte abrupt, als ich Schritte hörte, die sich eindeutig uns näherten. Meinem Zimmer näherten.

„Psst, Sarah pack schnell die Sachen weg, meine Mutter kommt und lass dir was einfallen“, flüsterte ich panisch.

Im selben Moment ging die Tür auf und meine Mutter schob ihren Kopf herein.

„Ich wollte nur kurz schauen, was ihr so treibt und euch Bescheid geben, dass wir jetzt gehen. Falls ihr etwas braucht oder etwas sein sollte, ruft einfach an“, sagte meine Mutter.

„Okay, Mum, euch noch einen schönen Abend und mach dir keine Sorgen, wir sind schon groß und können auf uns selber aufpassen“, entgegnete ich ruhig.

Meine Mutter verabschiedete sich von uns und bedankte sich nochmals für die tolle Einladung.

Die Tür fiel krachend ins Schloss und ich rollte zum Fenster hinüber. Sarah folgte mir. Ich schaute aus dem Fenster hinaus, sah gerade noch, wie meine Eltern in den silbernen BMW einstiegen und wegfuhren.

Mein Blick wanderte nun zum Himmel hoch, der war heute leider ein wenig bewölkt und man konnte den Mond nur blass scheinen sehen.

Meine Freundin legte mir einen Arm um die Schulter und flüsterte:

„Komm, lass uns schon mal das Essen hinrichten. Ich habe einen riesigen Hunger.“

Ich nickte zur Antwort nur und drehte mich dann zu meiner Freundin um.

Nach einer viertel Stunde war das Zimmer-Picknick angerichtet und die Bücher, Hefte und Broschüren zu Bergen gestapelt. Wir setzten uns in mein Bett und fingen an unsere Teller mit den köstlichen Sachen zu beladen. Dann war erst einmal Schweigen, man hörte nur das Kauen. Danach ging es an die Arbeit. Ich nahm mir die Bücher vor und Sarah den Stapel Hefte. Während Sarah die Broschüren durchblätterte, fuhr ich den Computer hoch und suchte nach brauchbaren Sachen, die ich meinen Eltern dann zeigen konnte.

Ich tippte „Ferien auf dem Reiterhof“ in die Suchmaschine ein und gleich darauf wurden mir drei Reiterhöfe vorgeschlagen.

Der erste lag an der Ostsee, der zweite an der Nordsee und der dritte nahe des Rheins.

Ich las mir alle drei Anzeigen genau durch und schrieb das Wichtigste in Stichpunkten heraus. Am besten fand ich aber, war der erste Reiterhof, die Anzeige war mit Herz geschrieben worden. Sie war außerdem noch mit kunstvollen Zeichnungen verziert.

Bei diesem Reiterhof war nicht nur eine Anzeige dabei, sondern auch ein Video und ein Link zur Homepage. Auf der ersten Seite war ein großes, elegant springendes Pferd. In Großbuchstaben stand:

REITERHOF: PERLE DES OSTENS

Reiterhof Perle des Ostens, wie cool klang das denn?

Ich rammte Sarah meinen Ellenbogen in die Seite und sagte mit aufgeregter Stimme:

„Ich habe den perfekten Reiterhof gefunden. Er liegt an der Ostsee, direkt am Meer. Es ist ein schönes, gelbes Backsteingebäude, mit hellblauen Fensterläden und meerblauen Dachziegeln. Zu dem Gestüt gehören außerdem eine riesige Koppel und ein großes Stallungsgebäude. Da ist genügend Platz für die Pferde, das Futter und eine Reithalle mit Schiebetür nach draußen. Auf dem Übungsreitplatz hat man einen wunderbaren Ausblick auf das Meer und…“

„Und die würdest am liebsten deinen Koffer packen, in den nächsten Zug steigen und zur Ostsee düsen.“, vollendete sie meinen Redeschwall und fügte begeistert hinzu: „ Das klingt ja richtig gut, nun müssen wir uns nur noch überlegen, wie wir das deinen Eltern schmackhaft machen könnten.“

„Okay, alles klar, wie wäre es mit einer kleinen Pause? Wir könnten ein Onlinespiel spielen?“

Meine Freundin hob zur Antwort beide Daumen in die Höhe.

Darauf folgte eine wilde Kissenschlacht. Ich nahm ein Kissen aus meinem Bett und warf es zu Sarah, diese schleuderte dann mir wiederrum zwei weiche Kissen entgegen. Ich duckte mich noch rechtzeitig und die Kissen landeten auf meinem Schreibtisch. Es war ein Hin und Her. Kissen und Federn flogen.

Plötzlich hörte ich ein leises Miauen, es kam vom Fenster. Ich rollte hastig hinüber und sah auf der Straße einen schwarzen Fleck hin und her huschen. Ich rieb mir die Augen, um mich besser an die Dunkelheit zu gewöhnen. Ich schaute auf meine Uhr, es war genau Mitternacht. Plötzlich wurde aus dem Miauen ein Wimmern, das immer lauter wurde. Nach einer Weile konnte ich ein paar Ohren, einen gebogenen Schwanz und braun-weißes Fell erkennen.

Oder bildete ich mir das nur ein? „Nein“, dachte ich. Dieses Miauen war echt.

Sarah stand neben mir und wickelte sich eine Haarsträhne um den Finger, als sie plötzlich innehielt und lauschte. Das hilflose Miauen hatte aufgehört.

„Was machen wir den jetzt?“, fragte ich mit zitternder Stimme. In meinem Hals hatte sich ein dicker Klumpen gebildet, dass ich nur noch röchelte.

Meine Freundin sagte nichts, gar nichts. Sie rannte nur zur Tür hinaus die Treppen hinunter und ich nahm in der zwischen Zeit den Fahrstuhl.

Wir kamen gleichzeitig unten an der Haustür an. Ich riss sie mit aller Kraft auf und wir stürzten in die Finsternis. Von einer Sekunde auf die nächste hörte ich den Motor eines Autos - eines sehr schnellen Autos.

Bei dem Wagen handelte es sich um unseren alten Nachbar. Er hatte die braun-weiße Katze nicht entdeckt. Er raste ungebremst weiter, ohne auf die Mädchen oder die arme kleine Katze zu achten.

Ich fuhr so schnell ich konnte zu der Katze, flüsterte ihr etwas Beruhigendes in ihr Ohr und schloss sie in den Arm. Sie klammerte sich mit ihren kleinen, scharfen Krallen ganz eng an mich und zitterte am ganzen Körper. Ich drehte mich blitzschnell um und übergab sie mit weichen Knien meiner Freundin, die wie angewurzelt da stand.

„Hier nimm sie!“, rief ich hektisch. Meine Freundin wirbelte herum, nahm dann endlich die Katze auf den Arm, streichelte sie zur Beruhigung und wir liefen, ich rollte so schnell wie möglich ins warme Innere.

Sarah setze die Katze behutsam auf dem Holzboden ab und fuhr sich mit der flachen Hand über die Stirn. Die kleine Katze sah uns mit ihren braunen Kulleraugen an und leckte sich dann behaglich die Pfote.

„Ich glaube sie hat Hunger“, sagte ich zu meiner Freundin.

Sie stemmte die Hände in die Hüften und ging Richtung Küche. Im nächsten Augenblick kam sie zurück. In der rechen Hand hielt sie einen Futternapf mit frischem Futter und in der linken einen Wassertrog.

„Hier Katze, das ist für dich. Lass es dir schmecken“, sagte sie fröhlich.

Wir beschlossen, dass die Katze, deren Namen wir nicht wussten, in meinem Zimmer essen konnte. Während sie sich über das Essen her machte, rollte ich zu meinem Schreibtisch und holte einen Block und Stifte. Ich schrieb einen kurzen Steckbrief:

Katze gefunden! Sie hat braun-weiß gestreiftes Fell und eine Herzblässe auf der Stirn. Sie hat außerdem große blaue Kulleraugen und eine zart rosa gefärbte Zunge. Darunter schrieb ich noch Sarahs und meine Adressen sowie unsere Telefonnummern.