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Wie viel Zucker ist im Blut und was hat ein Regenbogen mit gesunder Ernährung zu tun? Wie hält "biochemisches Rostschutzmittel" unsere Adern jung und unser Aussehen frisch? Wie verschwinden überflüssige Energiereserven aus unserem Körper? Was hält lange satt und wie erreiche ich mein Traumgewicht? Diese und viele weitere Fragen werden von der Biochemikerin und engagierten Präventologin Dr. Heide Barnert beantwortet. Sie schildert auf humorvolle Weise, welche Aufgaben unsere Organe unbeachtet im Verborgenen bewältigen. Mit profundem Wissen, Gleichnissen, Metaphern und Illustrationen weiß sie für die biologischen Zusammenhänge zu begeistern und vermittelt sehr anschaulich, welche Nährstoffe unseren Körper gesund und vital erhalten. Zur besseren Übersicht sind vertiefende Informationen eingerahmt, die jedoch auch einfach übersprungen werden können, ohne dass das Verständnis darunter leidet. Ein außergewöhnlicher Ernährungsratgeber mit individuellen Lösungswegen für alle, die die Weite ihrer Einflussmöglichkeiten auf ihre Gesundheit, Schönheit und Vitalität kennenlernen möchten.
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Seitenzahl: 207
Veröffentlichungsjahr: 2016
Autorin
Dr. Heide Barnert ist Dipl. Biochemikerin, geprüfte Präventologin® und A.C.T.-Kursleiterin (Aktivierendes Kompetenz Training). Als Dozentin und Trainerin für ganzheitliche Gesundheitsförderung hat sie an verschiedenen Bildungszentren und Gesundheitsakademien bereits vielen Menschen die gesundheitlichen Zusammenhänge sehr anschaulich vermittelt, sie motiviert und für einen gesünderen Lebensstil begeistert.
Als Biochemikerin mit den Schwerpunkten Immunologie, Physiologie, Zellbiologie verfügt sie über ein fundiertes Wissen über Stoffwechsel- und Zellfunktionen und kann aufgrund ihrer langjährigen Tätigkeit in der Grundlagenforschung auf einen großen Erfahrungsschatz im Umgang mit Zellen zurückgreifen.
Als leidenschaftliche Tänzerin weiß sie wie wichtig es ist, fit zu sein und „gut drauf“ zu bleiben. Auch wenn man langsam älter wird, mit einen Lächeln zu sagen: „Na und, wo ist das Problem?“
Kontakt
Dr. Heide Barnert
e-Mail: [email protected]
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Für alle, die die Weite ihrer Einflussmöglichkeiten auf ihre Gesundheit, Schönheit und Vitalität kennenlernen möchten.
Dr. Heide Barnert
Ernährung aus der Sicht des Körpers
© 2016 Dr. Heide Barnert Umschlag: Elitza Nanova, artkrise.deIllustration: Sarah Barnert, sarahbarnertdesign.deLektorat: Anne Mayer, wisscoach.de
Verlag: tredition GmbH, Hamburg
ISBN
Paperback
ISBN 978-3-7345-6935-7
Hardcover
ISBN 978-3-7345-6936-4
e-Book
ISBN 978-3-7345-6937-1
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Im Laufe der Jahrmillionen wurden die hochkomplexen biochemischen Abläufe in unserem Körper präzise auf natürlich vorkommende Nahrungsmittel abgestimmt. Diese enthalten neben der ganzen Palette an Nährstoffen unzählige bioaktive Wirkstoffe zum Schutz unserer Gesundheit. Die industriell verarbeiteten kulinarischen Genüsse von heute haben jedoch eine vollkommen andere Zusammensetzung: kaum noch Schutzstoffe, dafür umso mehr überflüssige Energie. Das Resultat sind zunehmende chronische Erkrankungen und stetig steigende Kosten für deren Behandlung.
Man kann dem gewaltigen Sog der Zivilisationskrankheiten jedoch entkommen, vorausgesetzt die Funktionsweise des Körpers wird beachtet. Gestalten Sie Ihren Speiseplan im Sinne Ihrer biologischen Voraussetzungen, dann haben Sie einen enormen Einfluss auf ihre Gesundheit. Sie können sogar darüber bestimmen, ob Sie sich lange satt fühlen oder schnell wieder Hunger bekommen, lieber ab- oder zunehmen möchten.
Es existiert bereits ein immenses Wissen darüber, wie die Gesundheit auf lange Sicht geschützt werden kann. Mit Gleichnissen, Metaphern und Illustrationen zur Auflockerung werden daher wichtige biologische Zusammenhänge aus der Sprache der Fachwelt übersetzt und so für jeden verständlich. Denn aus meinen zahlreichen Seminaren weiß ich, dass alle Menschen gegenüber den biologischen Abläufen in ihrem Körper aufgeschlossen sind, wenn sie ihnen in einer geeigneten Weise zugänglich gemacht werden. Zur besseren Übersicht sind vertiefende Informationen eingerahmt, die jedoch auch einfach übersprungen werden können, ohne dass das Verständnis darunter leidet.
Die Auswirkungen unserer Ernährung auf unseren Körper werden in vielfacher Hinsicht erfahrbar: Es wird plausibel, wieso eine gute Funktion der Zellen unserer Organe der Schlüssel für Fitness, ein gutes Aussehen und mehr Wohlbefinden ist. Darüber hinaus wird deutlich, wie groß der persönliche Einfluss jedes einzelnen auf seine Gesundheit ist, wenn die biologischen Ereignisse unseres Körpers beachtet werden und ihnen mit der gleichen Logik begegnet wird, wie wir sie auch in anderen Bereichen unseres Lebens anwenden.
Das Verstehen der Zusammenhänge zwischen der Funktionsweise des Körpers und den Nährstoffen ermutigt sehr viele Menschen dazu, ihre Ernährung auf die Bedürfnisse ihres Körpers abzustimmen. Es wirkt motivierend und begünstigt die Bereitschaft für kleine Veränderungen der Essgewohnheiten. Wertvolle Tipps aus der professionellen Ernährungsberatung ermöglichen es jedem, seinen individuellen Lösungsweg zu erarbeiten. Es eröffnet sich ein enormer Spielraum, eine gesunde Ernährung entsprechend den eigenen Bedürfnissen zu gestalten. So kann eine gesündere Ernährungsweise mit Leichtigkeit erfolgreich umgesetzt werden. Ich wünsche Ihnen viel Spaß dabei!
Dr. Heide Barnert, Berlin 2016
Warum essen wir eigentlich? Wir essen, weil das Essen verlockend aussieht, weil es gut duftet, weil es schön zart und knusprig ist, weil es auf der Zunge zergeht, weil wir Lust auf etwas Süßes haben, weil es einfach köstlich schmeckt, weil wir nicht widerstehen können, weil wir dabei gemütlich zusammen sitzen, vielleicht auch weil wir dadurch unseren Tagesablauf strukturieren usw. Wir verwöhnen uns mit einem guten Essen im Kerzenschein. Wir erfassen das Essen mit all unseren Sinnen, beurteilen es nach Aussehen, Geruch oder Geschmack und genießen die gute Kommunikation in einer wohligen Atmosphäre. Nach einem alten Sprichwort geht sogar die Liebe durch den Magen. Aber wozu braucht unser Körper eigentlich Nährstoffe? Denn aus seiner Sicht ist schließlich entscheidend, WAS wir essen.
Würden wir ein Haus bauen, eine Straße oder ein Auto, würden wir das Baumaterial sorgfältig auswählen. Uns wäre ganz klar, dass eine gute Qualität des Baumaterials für die Haltbarkeit und die Stabilität des Hauses verantwortlich ist oder dafür, ob das Auto gut funktioniert. Es wäre auch ganz logisch, dass wir für den Aufbau viele unterschiedliche Baustoffe brauchen. Auch solche, die man später gar nicht mehr sieht wie Sand oder Dübel, Schrauben, Nägel, Dichtungsmaterial etc. Uns würde auch einleuchten, dass wir z. B. die Nägel nicht durch eine weitere Ladung Sand ersetzen können. Was würde denn mit dem Haus passieren, wenn wir immer mehr Baumaterialien durch Sand ersetzen würden? Würde unser Haus dann etwa stabiler werden? Blöde Frage, ist doch ganz logisch, natürlich nicht, werden Sie vielleicht denken.
Warum hören wir dann auf, entsprechend logisch zu denken, wenn es um unseren Körper und unser Essen geht? Warum versuchen wir nicht zu verstehen, welches die natürlichen Bedürfnisse unseres Körpers sind? Vielleicht, weil wir die biologischen Grundlagen unserer Gesundheit nur einfach nicht kennen?
Wir können doch alle ganz leicht nachvollziehen, dass immer noch mehr Sand als Baumaterial die Stabilität eines Hauses schwächt. Warum glauben wir dann, wir könnten immer noch mehr Zucker- und Weißmehlprodukte essen und auf die anderen Nährstoffe verzichten? Können wir dadurch wirklich alle anderen Nährstoffe ersetzen, die unser Körper braucht? Oder wollen wir einfach glauben, dass sie uns gesund halten und fit machen, weil sie uns schmecken?
Wir sind außerdem für die Bewegung geschaffen und nicht für das Stillsitzen. Bewegung ist einer der wichtigsten Faktoren für unsere Gesundheit. Nicht nur, weil wir durch Bewegung Kalorien verbrennen und unseren gesamten Stoffwechsel sehr günstig beeinflussen, sondern weil durch Bewegung vielen Krankheiten wie den Schreckgespenstern Herzinfarkt oder Krebs die Entstehung vermiest wird und weil Bewegung sogar glücklich macht. Wenn wir unsere Muskeln benutzen, „danken“ sie es uns, indem sie „vor Freude“ viele Botenstoffe freisetzen. Nach dem heutigen wissenschaftlichen Stand haben diese Botenstoffe eine vielfältige Wirkung auf unsere Gesundheit und verhelfen uns sogar zu Glücksgefühlen.
Jeder von uns hat ungefähr 70 bis 80 Billionen Zellen (80 000 000 000 000). Sie sind unsere treuesten Mitarbeiter und Freunde. Ja, viel mehr als das. Sie sind wir, denn wir bestehen aus ihnen. Sie sind in jedem Augenblick unseres Lebens damit beschäftigt, unzählige Aufgaben für uns zu erledigen. Das tun sie unermüdlich, mit einer unglaublichen Geschwindigkeit und Präzision, bei Tag und bei Nacht, solange wir leben. Während Sie diese Sätze lesen, hat Ihr Körper bereits einige Millionen neue Zellen aufgebaut, die die alten ersetzen. Dabei haben die verschiedenen Zelltypen einen unterschiedlichen Rhythmus. Unsere Knochen werden ständig auf-, um-, und abgebaut. Das Abbau-Zell-Team besteht aus Osteoklasten, das Zell-Team, das für den Aufbau zuständig ist, heißt Osteoblasten. Die unterschiedlichen Zell-Teams unseres Immunsystems bestehen alle aus weißen Blutkörperchen, die sich alle drei bis vier Tage erneuern. Die Hautzellen erneuern sich innerhalb von einigen Wochen. Die roten Blutkörperchen erneuern sich alle vier Monate usw. Innerhalb von ungefähr sieben Jahren werden alle Zellen im Körper einmal erneuert.
Bei dem Wort „Verschleiß“ denken wir zunächst an abgenutzte Gelenke, an Bandscheiben, vielleicht auch an Zähne. Doch Verschleiß spielt sich auch auf der Ebene der Zellen ab. Der „Verschleiß auf zellulärer Ebene“ spielt bei der Entstehung von Krankheiten eine entscheidende Rolle und ist gleichzeitig ein wesentlicher Faktor des Alterungsprozesses, denn die biologische Komponente des Alterns hängt mit dem Stoffwechsel der Zellen zusammen. Alterungsvorgänge sind biologisch-genetisch vorbestimmt.
Der Alterungsprozess und die Entwicklung chronischer Krankheiten unterliegen jedoch großen individuellen Schwankungen. Die Spannbreite zwischen dem biografischen Alter, unserem Lebensalter und dem biologischen Alter wird auf etwa 20 Jahre geschätzt. Das biologische Alter spiegelt unsere gesundheitliche Situation wider, d. h. die Güte der Funktion unserer Zellen und Organe sowie unsere Belastbarkeit. Es ist also durchaus möglich, dass ein 85- Jähriger noch so fit und rüstig ist, wie ein 65- Jähriger. Das Gegenteil ist jedoch leider auch möglich. Der Körper von jemandem, der 45 Jahre alt ist, kann bereits in einem biologischen Zustand sein wie der eines 65- Jährigen.
Wir haben die große Chance, über unseren Lebensstil den Prozess des Altwerdens mitzubestimmen und positiv zu beeinflussen. Es ist nie zu spät, damit zu beginnen. Ein wichtiger Faktor dabei ist, dass wir unsere Zellen mit allen Nährstoffen versorgen, die sie für ihre optimale Funktion, ihre Regeneration und ihren Schutz benötigen. Wenn wir unserem Körper alle „Rohstoffe“ geben, die er benötigt, dankt er es uns mit Gesundheit, Vitalität und einem frischen, strahlenden Aussehen. Kennen Sie die Redewendung „Wahre Schönheit kommt von innen“? Damit ist nicht nur unser Charakter gemeint.
Biologisch betrachtet sind wir einfach Säugetiere. Die Frage „Was trinken alle anderen Säugetiere“ würde sicherlich jeder eindeutig mit „Wasser“ beantworten. Warum trinken wir dann eigentlich z. B. einen halben Liter buntes Wasser mit 17 Würfeln Zucker und Phosphorsäure? Für wen ist das cool? Für unseren Körper oder für diejenigen, die uns diese Getränke anpreisen und damit enorme Gewinne machen? Aus der KiGGS - Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland erfahren wir:
„Das Übergewicht und die so genannte Fettleibigkeit (Adipositas) bilden eines der größten Risiken für Gesundheit und seelisches Wohlergehen der Menschen im 21. Jahrhundert. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht für Europa bereits von einer Epidemie. Für Kinder und Jugendliche sind Übergewicht und Adipositas die am häufigsten auftretenden gesundheitlichen Risiken.“
Gibt es da möglicherweise einen Zusammenhang zu dem enormen Konsum von Zucker und Weißmehl? Wir essen Zucker in Süßigkeiten, wir schlecken ihn als Eis, wir trinken mal eben 50 g Zucker ganz nebenbei mit einem Erfrischungsgetränk oder einer Limonade mit. Aber was viele gar nicht vermuten: Zucker steckt fast überall drin! Er versteckt sich sogar in vermeintlich gesunden Lebensmitteln wie Fruchtjogurt oder Frühstücksflocken, und zwar in großen Mengen. Das betrifft leider auch viele Bio – Varianten. Könnte auch ein Zusammenhang zwischen dem wachsenden Konsum von Zucker und der alarmierenden Anzahl der Menschen bestehen, die zuckerkrank werden? In Deutschland wurde derzeit bei 6 Millionen Menschen Diabetes festgestellt, wobei die Dunkelziffer beim Diabetes Typ 2 auf 20 bis 50 Prozent geschätzt wird. Das bedeutet, dass weitere 2 bis 5 Mio. Menschen in Deutschland an Diabetes erkrankt sind, aber noch keine ärztliche Diagnose haben. Diabetes Typ 2 wird im Schnitt 8 bis 10 Jahre zu spät festgestellt. Die Zahl der an Diabetes Erkrankten ist nach Daten des Robert-Koch-Instituts von 1998 bis 2011um 38 Prozent gestiegen und die Tendenz ist stark steigend. Ist der enorme Konsum von Zucker und Weißmehlprodukten möglicherweise sogar ein Hauptfaktor für Übergewicht und für die Zuckerkrankheit? Mit kleinen Mengen Zucker kann unser Körper problemlos umgehen. Aber was bedeutet der Verzehr so großer Mengen Zucker eigentlich für unseren Körper? Denn als Grundlage für unsere Gesundheit braucht er ganz andere Nährstoffe.
Diesen Fragen wollen wir einmal aus dem Blickwinkel unseres Körpers nachgehen. Unser Körper und unser Stoffwechsel funktionieren nach eigenen biologischen Regeln, die sich innerhalb von Jahrmillionen entwickelt haben. Innerhalb von diesem gigantischen Zeitraum konnten wir Zucker niemals als isolierten Stoff zu uns nehmen. Seit Urzeiten sind wir daran angepasst, Kohlenhydrate nur „verpackt“ zu essen. Wir mussten immer ganze Früchte oder Beeren essen, um an Zucker heranzukommen. Es sei denn, unsere Vorfahren hatten einen glücklichen Tag und stießen auf Honig von wilden Bienen. Auch die anderen Kohlenhydrate wie beispielsweise Stärke lagen nur verpackt in Gemüse, Hülsenfrüchten, Knollen, Wurzeln oder Samen (Vollkorn) vor. Es war unmöglich nur Zucker als einen einzelnen, isolierten Nährstoff zu essen. Wir konnten Zucker und Stärke nur zusammen mit Tausenden anderer Nährstoffe und zusammen mit Ballaststoffen zu uns nehmen, sozusagen in der verpackten Form und niemals „nackt“. Und genau darauf sind unser Körper und unser Stoffwechsel immer noch eingestellt. Damit kann er optimal umgehen. Zucker in seiner isolierten, reinen Form ist in Deutschland erst ab 1900 für größere Bevölkerungsteile verfügbar. In der Zeit vorher wurde Zucker aus tropischen Kolonialländern eingeführt. Zucker wurde grammweise in der Apotheke verkauft. Er zählte zu den Luxusgütern, die sich nur Herrschaftshäuser leisten konnten.
Aus der Sicht unseres Stoffwechsels sind 100 Jahre jedoch nur wie ein Tropfen im Ozean der Zeit. Für die Verwertung von Kohlenhydraten in ihrer „nackten“ Form, d. h. als Zucker oder Weißmehl, ist unser Stoffwechsel nicht geschaffen und schon gar nicht für die großen Mengen, die wir täglich davon verspeisen. Weißmehl besteht hauptsächlich aus Stärke. Und Stärke besteht aus Zucker. Sie ist die pflanzliche Speicherform von Traubenzucker (Glukose).
In Urzeiten stellten Kohlenhydrate eine begehrte Mangelware für uns dar, sie waren als wichtiger Energielieferant für unseren Körper sehr kostbar. Wenn wir heute jedoch an jeder Ecke und zu jeder Zeit auf unverpackte, nackte, dafür aber kompakte Kohlenhydrate stoßen, die uns mit ihrem verlockenden Duft betören oder in schillernden Verpackungen verführen, können wir einfach nicht widerstehen. Der Anblick lässt uns dahin schmelzen. Wir müssen einfach zugreifen. Leider sind unsere Kohlenhydratspeicher aber schon voll. Denn gestern waren wir auch schon in der gleichen Situation und vorgestern auch. Ehrlich gesagt, eigentlich auch schon davor.
Unser Körper kann jedoch nur ungefähr 400 - 450 g Glukose in Form von Glykogen speichern. Ewa zwei Drittel Glykogen werden in den Muskeln gespeichert und etwa ein Drittel in der Leber. Das entspricht einem Energiegehalt von etwa 1600 – 1800 Kilokalorien (kcal), vergleichbar mit dem Energiegehalt von etwa 3 Tafeln Schokolade. Der Energiegehalt einer Tafel Schokolade beträgt ungefähr 550 kcal.
Für große Mengen „nackter“ Kohlenhydrate ist unser Körper nicht optimiert. In so einem kurzen Zeitraum hatte unser Stoffwechsel auch nicht die geringste Chance, sich an die völlig veränderten Lebensmittelangebote anzupassen.
Die einzige Möglichkeit die unserem Körper jetzt noch bleibt, ist, die Kohlenhydrate in Fett umzubauen und für die richtig harten Zeiten zu speichern. Die ganz großen Energiereserven (Fettspeicher) hätten früher in der kargen Winterzeit, wenn das Nahrungsangebot auf dem Tiefstand ist, unser Überleben garantiert. Auch heute noch ist es beispielsweise für Tiere, die Winterschlaf halten wie den Igel überlebenswichtig, sich die nötigen Fettreserven anzufuttern. Hat ein Igel nicht ein bestimmtes Gewicht, d. h. ausreichende Energiereserven, dann erlebt er den nächsten Frühling leider nicht mehr. Denn wie lange das Hungern mit dem Leben vereinbar ist, hängt von der Größe des Fettdepots ab.
Für die meisten Menschen in unserer Gesellschaft und in anderen sogenannten zivilisierten Ländern ist das Nahrungsangebot heutzutage jedoch immer üppig, ganz unabhängig von den Jahreszeiten. Wir benötigen unsere einst überlebenswichtigen Energiereserven nicht mehr. Aber wo in unserem Körper, sollen wir die überflüssige Energie unterbringen? Wir können schließlich keine Lagerhallen für Fettreserven anbauen. Unser Körper speichert die Energiereserven an Stellen, wo sie seine Funktion am wenigsten beeinträchtigen. Wir tragen sie als Last mit uns herum. Können wir diese Last nicht wieder abwerfen oder zumindest verringern, dann drückt sie bei jedem Schritt auf unsere Gelenke und belastet unseren Stoffwechsel. Sie bedingt sogenannte Zivilisationskrankheiten wie zum Beispiel chronische Entzündungsneigung, Diabetes Typ 2, Gicht, Bluthochdruck, Blutgerinnungssteigerung, Arteriosklerose und deren Folgekrankheiten wie Herzinfarkt und Schlaganfall (s. Seite 87).
Was nun? Sollen wir uns jetzt Nasenklammern kaufen und unseren Kindern Scheuklappen anlegen, um den Düften und dem verführerischen Anblick zu entkommen? Denn eins ist sicher, wenn wir dauernd diesen Verlockungen nachgeben, ruinieren wir unsere Gesundheit und die unserer Kinder.
Von Seiten der Lebensmittelindustrie können wir jedenfalls nicht auf Unterstützung hoffen. Die plant Jahr für Jahr Produktions- und Absatzsteigerungen für Süßigkeiten und Co. Ihr einziges Interesse ist nicht das Interesse an unserer Gesundheit, sondern das Interesse an ihrer Gewinnspanne. Spezialisten werden eingestellt, die genau wissen, wie man die Naschereien besonders für Kinder begehrenswert macht. Sie sollen bereits bei unseren Kleinsten den Wunsch nach stark gezuckerten und fetthaltigen Produkten wecken. Kinder sehen jährlich Tausende von Werbesendungen. Nach der Einschätzung von Experten könnten sie nicht überleben, wenn sie nur das essen würden, was ihnen in der Werbung angepriesen wird.
Kinder kommen schon mit Schokoladenriegeln und Süßigkeiten in die Kita oder in die Schule und essen während des Tages eine Menge davon. Verpackungen von überzuckerten Frühstücksflocken locken mit Bildern zum Ausschneiden oder zum Sammeln, Fast-Food-Anbieter locken mit Spielzeugbeigaben. Sogar Schulfeste werden von Süßwarenkonzernen gesponsert. Die Überflutung mit Werbung für Knabbereien, Fastfood und süße Getränke sowie angeblich „gesunde“ Nahrungsmittel machen es Eltern und Kindern nicht leicht, einen Weg zu gesunder Ernährung zu finden, selbst wenn sich schon eine kontinuierliche Gewichtszunahme anbahnt.
In Deutschland sind bereits 1,9 Millionen Kinder übergewichtig, 800.000 davon sogar fettleibig. Wie die Untersuchungen der KIGGS - Studie zeigen, sind zusätzlich zu dem gesteigerten Risiko für die körperliche Gesundheit für die Betroffenen insbesondere diepsychischen Probleme, die sich aus ihrem Dicksein ergeben, sehr belastend. Die Hänseleien Gleichaltriger im Kindergarten, in der Schule oder Ausbildung, die Isolierung bei sportlichen und anderen Aktivitäten haben oft zur Folge, dass sich diese Kinder und Jugendlichen aus sozialen Bindungen zurückziehen und zur Kompensation ihres Kummers weiter essen.
Limonaden und Knabbereien verändern darüber hinaus das Geschmacksempfinden immer mehr in Richtung süß oder salzig. Dadurch verlieren ungesüßte und ungesalzene Lebensmittel scheinbar an Geschmack und werden immer weniger gern gegessen oder getrunken. Schlechte und einseitige Ernährung schädigt die Gesundheit langfristig und beeinträchtigt das Wohlbefinden. Viele Kinder, die eine Menge Süßigkeiten essen, haben eine eingeschränkte Konzentrationsfähigkeit, Lernstörungen oder Verhaltensstörungen. Viele Eltern erkennen diese Gesundheitsprobleme, können sich jedoch gegen die suggestive Kraft der Werbung nur schwer durchsetzen.
In die Werbung werden viele Milliarden Euro investiert. 700 Millionen Euro gibt die Lebensmittel-Wirtschaft in Deutschland jedes Jahr allein für Werbung für Süßigkeiten aus. Leider fallen dann jährlich auch viele Milliarden Kosten im Gesundheitssystem für die Behandlung ernährungsbedingter Erkrankungen an. Diese Kosten werden aus unsern Krankenkassenbeiträgen finanziert und belasten nicht etwa das Budget der Lebensmittelkonzerne. Die Organisation „foodwatch“ berichtete im Oktober 2010, dass die Lebensmittelkonzerne nach eigenen Angaben außerdem mindesten eine Milliarde Euro (!!!) ausgegeben haben, um in einer jahrelangen Kampagne die Einführung der Ampelkennzeichnung durch das Europäische Parlament zu verhindern.
Die Ampel wäre für die Verbraucher eine sehr sinnvolle Orientierungshilfe im Supermarkt gewesen. Über 70 Prozent, der Verbraucher wünschen sich eine entsprechende Kennzeichnung. Würde auf einem Produkt die Ampel rot, gelb oder grün leuchten, wäre leicht erkennbar, ob ein Produkt, viel, mittel oder wenig Zucker, Salz oder Fett enthält. Die meisten der bunten Verpackungen mit „wertvollen“ Frühstücksflocken, Kindergetränken oder Joghurt, insbesondere der mit der Crisp - Ecke wären durch die Ampel als Zuckerbomben entlarvt worden. Grund genug für die Lebensmittelhersteller, die Beamten und Abgeordneten in Brüssel davon zu „überzeugen“, dass die Ampel auf keinen Fall durchkommen kann.Bei der Abstimmung stimmten dann nur 40 Prozent der Abgeordneten für die Einführung der Ampel. In einem Branchenblatt der Lebensmittelindustrie erschien danach ein Artikel mit der Überschrift: „Das Gespenst der Ampel hat endgültig seinen Schrecken verloren“ und verkündete die Freude der Lebensmittelkonzerne über die Niederlage der Befürworter der Ampel im Sommer 2009.
Nach Angaben der Bundesregierung belasten die Kosten für ernährungsbedingte Krankheiten das Gesundheitssystem jährlich mit 70 Milliarden Euro. Allein für die Behandlung der Volkskrankheit Diabetes und die Folgekrankheiten entstehen insgesamt 48 Milliarden Euro an direkten Kosten jährlich (2009)
Für unseren Körper bedeutet der permanente Genuss von so viel Zucker bzw. von Weißmehl einen enormen Stress. Das ist viel zu viel, um von den Zellen aufgenommen und verbraucht zu werden. Er muss auf Hochtouren arbeiten, um die aus seiner Sicht gewaltigen Zuckermengen möglichst schnell aus dem Blut zu entfernen. Er muss dafür sorgen, dass innerhalb von kurzer Zeit wieder der normale Blutzuckerspiegel erreicht wird. Denn der Schlüssel für einen normalen Ablauf in einem gesunden Körper ist eine gleichmäßige und konstante Menge an Glukose im Blutkreislauf. Für unseren Körper gelten nämlich die Gesetze der Konstanterhaltung der inneren Bedingungen (Soll-Zustand, Homöostase), damit alle Funktionen im Körper optimal ablaufen können. Das gilt nicht nur für unseren Blutzucker, sondern auch für unsern Blutdruck, den pH-Wert, die Sauerstoffspannung des Blutes, den Spiegel von Hormonen, die Körpertemperatur usw.
