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eBook mit den kompletten 126 Seiten des original Taschenbuchs. Dieses Buch ist eine liebevolle Hommage an den Hund Scotty und alle anderen vierbeinigen Gefährten, die Karin Esters und ihrer Frau Bettina über die Jahre hinweg Freude und Trost gespendet haben. Es beleuchtet nicht nur die glücklichen Momente, sondern auch die tiefe Trauer, die mit dem Verlust eines Tieres einhergeht. Trotz des Schmerzes lädt Karin ihre Leser ein, sich an die schönen Zeiten zu erinnern und die unersetzliche Freude, die Tiere in unser Leben bringen, zu feiern. Ihre Leidenschaft für Bücher, Tiere und Reisen, die sie von ihren Eltern und ihrer Frau geerbt hat, durchdringt jede Seite dieses Buches. „Viecherfreuden – Hundeerinnerungen“ ist ein Must-Have für jeden Tierliebhaber, der die Höhen und Tiefen der Mensch-Tier-Beziehung zu schätzen weiß. Es erinnert uns daran, dass, obwohl sie uns manchmal das Herz brechen, Tiere eine unvergleichliche Bereicherung unseres Lebens darstellen.
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Veröffentlichungsjahr: 2024
Karin Esters
Viecherfreuden
Hundeerinnerungen
Milltown Media Verlag
Impressum:
Karin Esters
“Viecherfreuden”
Umschlaggestaltung: Carsten Czanderna Layout & Gestaltung: Stephan Braun
eBook Auflage 1 / 2024 Druck & Layout: Milltown Media Verlag
© 2024 Milltown Media Verlag Remscheider Str. 43, 42369 Wuppertal Alle Rechte vorbehalten
Nachdruck (auch auszugsweise) verboten
www.milltown-media.de
Für Tante Elke
„Hier liegt DASH,
der Lieblingsspaniel Ihrer Majestät Königin Victoria,
in seinem zehnten Jahr.
Seine Anhänglichkeit war ohne Eigennutz,
seine Munterkeit ohne Arglist,
seine Treue ohne Falschheit.
LESER, möchtest Du geliebt werden
und betrauert sterben,
dann beherzige DASHs Beispiel“
Grabinschrift
Die Idee zu dieser Geschichtensammlung kam mir 2023, am 50. Geburtstag meiner Frau Bettina um 4:15 Uhr.
Ich konnte nicht schlafen, weil wir am Vortag unseren Australian Shepherd Scotty eingeschläfert hatten und seit fünfundzwanzig Jahren zum ersten Mal kein Hund im Hause war. Es war zum Schlafen einfach zu leise. Ich dachte an die letzten Jahre. An so viele Ereignisse mit unserem zeitweise umfangreichen Zoo und damit zwangsläufig an unsere Tierärztin, die uns über Jahrzehnte mit ganz viel Herz begleitet hat. Ich setzte mich an meinen Schreibtisch, um ihr einen Dankesbrief zu schreiben. Eine Erinnerung kam zur anderen. Ich dachte an all die Tiere und uns teuer gewordene Menschen. Und aus einem Brief wurde in den nächsten Wochen ein Buch.
Meine Frau Bettina und ich kennen uns seit dem Studium. Sie hat mit mir alle Staatsexamen durchgestanden und ich mit ihr eine Existenzgründung. Unsere Tiere waren immer dabei und oft buchstäblich mittendrin. Sie haben uns in den Wahnsinn getrieben und überglücklich gemacht.
An alle Tierhalter da draußen: Sie sind Familie! Und wenn sie sterben, brechen sie Euch das Herz. Aber wenn Ihr irgend könnt, versucht, an die schönen Erinnerungen zu denken.
Das ist, was ich hier tue.
Hundehalter lernen Hundehalter kennen, das ist ein Naturgesetz, genauso wie Menschen mit Kinderwagen mit anderen Wagenschiebern ins Gespräch kommen, und so haben sich aufgrund unseres Viecheraufkommens über die Jahre einige für uns sehr wichtige Beziehungen entwickelt. Weil diese Menschen mit den folgenden Geschichten untrennbar verknüpft sind, werden sie hier genannt, voller Dankbarkeit für die schöne Zeit, die wir miteinander hatten.
Frau Doktor Hoffmann (mit Praxisteam)
Sie ist seit 1998 die Tierärztin unseres Vertrauens, hat uns mit ganz viel Herz und Humor durch Höhen und Tiefen begleitet, uns immer gut beraten. Schon wenn man die Praxis betritt, spürt man ihre Liebe zum Tier. Wir waren über die Jahre nicht immer einer Meinung, haben manchmal (vielleicht auch öfter und zu unserem Nachteil) gegen ihren Rat gehandelt, aber es war immer ein respektvoller, von Vertrauen geprägter Dialog auf Augenhöhe. Dafür sind wir sehr dankbar.
Elke
Wir kennen uns seit 2010. Von einer Kollegin wurde sie zu unserer besten Freundin und Vertrauten (und Trauzeugin). Elke guckt einem Hund ins Gesicht (oder einem Pferd oder einem Igel…) und hat Kontakt zu dem Tier, und sie begegnet jedem Lebewesen mit Achtsamkeit. Für uns ist sie ein Rudelmitglied, und sie ist immer da, wenn man sie braucht. (Es gibt ein Theaterstück, das unter Umständen möglicherweise eine gewisse Ähnlichkeit mit ihr hat…) Für Scotty ist sie seit Welpenzeiten „Tante Elke“, und wenn man die schicksalhaften zwei Worte sagt, rast er durch alle Räume, um festzustellen, wo sie sich denn versteckt. Auf dem Weg zur Apotheke, in der sie arbeitet, fängt er schon an der Abzweigung an zu kreischen, und Tante Elke ist auch die Einzige, der ich mein kleines rohes Ei jemals allein anvertraut habe. Ist sie bei uns zu Besuch, geht sie vorsichtshalber in die Hocke, um ihre Knie zu schonen, und alle Vierbeiner rasen begeistert auf sie zu und werden großzügig mit Leckerchen und Liebesbekundungen bedacht. Irgendwann, wie es bei Hundebesitzern Sitte ist, dürfen wir sie dann auch knuddeln.
Claudia
Claudia kennen wir auch seit 2010. Sie ist von Hundetrainerin zur Freundin geworden, mit der wir regelmäßig Mantrailing gemacht haben. Unsere Hunde haben es geliebt, sie haben sie geliebt. Weil Bettina nicht ganz gesund war, ist der Kontakt in den letzten Jahren etwas eingeschlafen, aber die Verbundenheit ist da. Sie hat alle großen und kleinen Katastrophen mit uns geteilt. Was wir an ihr bewundern ist, dass sie nicht den Hundehalter an ihre Lehrmethode anpasst, sondern mit dem arbeitet was geht – was bei uns gelegentlich ziemlich wenig ist, denn wir hören deutlich schlechter als unsere Hunde. Wir haben Trainerinnen erlebt, die Angst vor unseren Hovawarten hatten, doch Claudia begegnet selbst knurrigen Exemplaren mit unverwüstlich freundlicher Souveränität.
Mona
Mona kannte ich seit 2010 als sehr nette Apothekenkundin. Als unsere Hunde alt wurden, hat sie regelmäßig als Physiotherapeutin Hausbesuche bei uns gemacht. Sie hat lange Fahrten zu uns ertragen, Chaos und wildgewordene Neurotiker und uns so viele wertvolle Tipps gegeben, dass wir sie nicht mehr zählen können. Unsere zwei Hovawartrüden waren recht schwierig im Umgang, und sie hat sie mit Liebe und Entschlossenheit in Nullzeit domptiert. Und nach den ersten Besuchen hat man die Dankbarkeit der Tiere gespürt, weil die Behandlungen ihnen so gutgetan haben. Sie war für uns da, hat uns mit Medikamenten ausgeholfen und einen Muddy-Angel-Run mit uns absolviert, bei dem wir schrecklichen Spaß hatten und sie durch unser mangelhaftes Tempo unterfordert war. Wir sind froh, sie zu kennen.
Florian
Florian war eine LARP-Bekanntschaft von Bettina, zu dem sich seit 2020 eine ganz intensive Beziehung entwickelt hat, die uns auch sehr durch unsere bettinabedingte (sie ist Risikopatientin) Coronaisolation geholfen hat. Er ist in unserem Leben ein wichtiger Mensch, an dem wir Achtsamkeit und Klarheit schätzen. Und sein Händchen für Viecher. Bevor er Scotty begegnet ist, haben wir ihm einen Katalog von Verhaltensregeln übermittelt, ihm erklärt, dass der Shepherd bei Männern sehr zurückhaltend ist, dass es sein kann, dass er sich nicht blicken lässt oder erstmal knurrt…etc., etc… Kaum war er da, hat Scotty sich nach ein bisschen Schnüffeln vor ihm auf den Rücken gelegt und sich das Bäuchlein kraulen lassen, und noch lange nachdem er abgefahren war, lungerte er an dem Platz herum, wo sein Auto geparkt gewesen war und schnüffelte erwartungsvoll. Es freut uns, dass die zwei sich noch kennengelernt haben.
Im letzten Jahrtausend
Es begab sich vor langer Zeit, im Jahr 1998. Meine Frau und ich waren zu diesem Zeitpunkt befreundet aber noch kein Paar. Ich absolvierte gerade mein praktisches Jahr in einer Haaner Apotheke. Bettina hatte schon als Kind immer Hunde gehabt und sich ein Hovawartweibchen zugelegt. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich Angst vor Hunden, aber Madame Afra hat mich nach einem holprigen Anfang geheilt. Sie war das erste Tier, das wirklich Bettina gehörte, ihr Herzenshund Anja war Mamas Hund. Beim Welpenkauf sagte die Zuchtwartin „mit der werden Sie Spaß bekommen, das ist das Alphaweibchen“ - aber wer kümmert sich schon um solche Lappalien. Afra war auf einem Bauernhof gezüchtet worden und kam mit einer zu spät angefertigten Tätowierung im Ohr zu Bettina, damals noch nach Duisburg, wo sie bei ihren Eltern lebte. Das Erste, was der dortige Tierarzt tat, war das Ohr zu begutachten und versehentlich in die frische Tätowierung zu fassen, das zweite, mit einer Behandlung gegen Ohrmilben anzufangen.
Von diesem Moment an war Afra der Ansicht, dass Bettina demnächst allein zu diesen Folterknechten gehen soll, sie jedenfalls setzt keine Pfote mehr in eine Tierarztpraxis. Wenn man mit ihr nur in der Nähe der Praxis vorbeiging, bekam sie doppelt so viele Pfoten und geriet in den Fluchtmodus. Bettina war entsprechend verzweifelt. Kein guter Start.
Ich erzählte meinen Kolleginnen in der Apotheke von dem Theater, und eine meinte „sag ihr doch, sie soll zu Frau Doktor Hoffmann gehen, die ist so lieb zu den Tieren“. Gesagt, getan ... viel schlimmer konnte es schließlich nicht werden. Die ersten paar Male legte Afra sich auf den Rücken, und man musste sie wie einen übergroßen Schrubber ins Behandlungszimmer schieben, aber schon bald fasste sie Vertrauen. Es war der Beginn einer wunderbaren und angstfreien Bekanntschaft.
Junghund kämpft ums Überleben
Bettina nimmt ihre sechs Wochen Jahresurlaub, als sie Afra bekommt, um sie schon mal ansatzweise durchzuerziehen, ihr in ihrem neuen Zuhause Sicherheit zu geben, und damit die zwei sich aneinander gewöhnen können. Ergebnis: der Welpe ist absolut auf Bettina fixiert und hört als einzige unserer Hunde wie eine Eins, hauptsächlich deshalb, weil ich nicht dabei war, um die mühevolle Erziehung wieder zunichte zu machen. Der Urlaub hindert Bettinas Mutter und Arbeitgeberin, die unten im Haus ihre Apotheke betreibt, nicht daran, alle halbe Stunde anzurufen und Bettina hinunter zu zitieren - „Du wirst doch wohl mal eben…“ Irgendwann zerbeißt Afra das böse Telefon, das immer ihr Frauchen klaut. Sie beißt auch gern in Einkaufstaschen, könnte ja interessant schmecken. Eines Tages erwischt sie eine Dose kohlensäurehaltigen Eistee. Danach muss man nur noch „Afra, das ist Limonade“ sagen, und sie ergreift die Flucht. Innerhalb dieser sechs Wochen lerne ich, damals wie gesagt mit Angst vor Hunden, den Welpen kennen. Es ist schrecklich. Ich sitze auf dem Sofa. Die Sonne fällt ins Zimmer. Auf der Wand malt sich ein riesenhafter Schatten ab, ein tiefes, dröhnendes Bellen ertönt. Es ist mir bis heute absolut unverständlich, wie ein so lautes Geräusch aus so einem kleinen Hund kommen konnte. Dann tapst der Welpe um die Ecke, etwa so groß wie ein Schuh der Größe 44. Ich ziehe die Füße ein, das Monster könnte vielleicht reinbeißen. Bettina meint: „Guck doch mal hin, die kann froh sein, wenn sie nicht über die eigenen Pfoten fällt.“ Ich finde das trotzdem höchst bedrohlich und habe auch heute noch Verständnis für Menschen mit Angst vor Hunden. Etwas Ähnliches ist mir bei einer Studienfreundin passiert, ich war zum Geburtstag eingeladen und saß neben der einzigen anderen Frau, die ebenfalls Angst vor Hunden hatte. Der Jagdterrier Trouble, bemüht uns zu bezirzen, legt sich mit dem Kopf auf mein Bein und mit dem Hintern auf ihres. Wir haben uns die ganze Feier lang nicht bewegt, alle anderen fanden das sehr lustig.
Mensch beißt Hund
Afra entwickelt sich zu einem kreuzfidelen 40-kg-Energiebündel - allerdings mit ausgeprägten Alpha-Hund-Allüren. Es ist ja nicht so, dass die Zuchtwartin das nicht erwähnt hätte. Die Reinigungskraft von Bettinas Eltern wird einmal auf dem Rücken liegend über die vereiste Straße nach Hause gezerrt. Sie war glücklicherweise nicht verletzt. Mit einem Dreivierteljahr, im Winter, nach anderthalb Stunden Spielen im Schnee, möchte Afra nicht nach Hause gehen, Bettina aber sehr wohl. Bettina zieht an der Leine, Afra springt knurrend los, verbeißt sich in Bettinas Schal und schüttelt. Bettina, mit Kampfsportreflexen und durch eindringliche Warnungen vorbereitet, landet nach kurzem Gefecht mit der Hand über der Schnauze auf dem Hund und beißt ihn ins Ohr. Einem verwunderten Passanten, der sich erkundigt, ob sie vielleicht Hilfe braucht, erklärt sie: „Gehen Sie bitte weiter, ich erziehe gerade meinen Hund“, oder eher mit vollem Mund „Gehen wie bippe weiper, iff erpfiehe grage meimem Hump“. Irgendwann stehen beide auf, der Hund geht bei Fuß nach Hause und beißt nie wieder, bis eine Woche vor seinem Tod. Als ordentliche Tierhalterin zeigt sie der Tierärztin ihres Vertrauens den Biss (ein echtes Loch im Ohr) und bekommt eine energische Standpauke „Sind Sie wahnsinnig, wissen Sie, wie viele Keime ein Mensch im Mund hat? Hunde kriegen viel mehr Krankheiten durch Menschen als umgekehrt.“ Bettina ist entsprechend zerknirscht und verzichtet im weiteren Verlauf auf Disziplinierungsmaßnahmen, die Beißereien beinhalten.
Eifersüchteleien
Ich möchte Bettina für mich haben. Afra ebenfalls, schließlich war sie zuerst da, und es ist ihr Frauchen. Hunde haben das Stalking erfunden, sie folgt Bettina überallhin, und wenn sie tatsächlich einmal auf der Toilette allein sein will, liegt der Hund vor der Tür und winselt herzzerreißend. Und plötzlich kommt da so ein komischer Mensch, der sich auch noch zu Tode fürchtet, wenn er ihr ein Leckerchen geben soll. Was Frauchen wohl an der findet? Es bleibt nur zu hoffen, dass die komische Tante sich bald wieder vom Acker macht. Ich bleibe. Seit 1999. Rückblickend kann ich zu meiner Verteidigung nur sagen, dass Menschen ohne Tier sich gewisse völlig realitätsferne Illusionen über das Zusammenleben mit einem Viecherhalter machen. Beispielsweise dass sie mehr Aufmerksamkeit bekommen als das Tier, das schließlich nur ein Tier ist. Oder dass der Ausflug in eine Tropfsteinhöhle, oder ein Urlaub, oder der Besuch bei einem Katzenhalter ganz einfache Angelegenheiten sind, weil die Nicht-Viecherhalter nicht einen Moment darüber nachdenken, was in der Zeit denn mit dem Hund ist. Lästig, sehr lästig. Findet der Hund auch. Man sollte nur Ziele besuchen, an denen ein Hund Spaß haben kann und sich ausschließlich mit Menschen treffen, die entweder viele Leckerchen oder nette Hunde haben. Was existiert denn sonst noch? Meine größte Illusion ist, dass es Zeiten oder Orte geben sollte, an denen ich mit Bettina allein bin. Bettina hat in ihrer Wohnung ein Riesendoppelbett, darin schlafen sie und Afra, der Hund liegt quer, und Bettina zwängt sich an den äußersten Rand. Jetzt übernachte ich dort und will auch einen Platz im Bett haben, vorzugsweise einen bequemen. Afra ist empört, kneift mich in den Zeh und wird ins normalerweise unbenutzte Körbchen gescheucht. Mitten in der Nacht ereignet sich das Desaster. Aus Hundesicht: Afra ist im Halbschlaf und möchte zurück ins bequeme Bett. Sie beobachtet ihre Betthälfte. Kein Geräusch. Zu der Zeit habe ich so leise geschlafen, dass man nie sicher war, ob ich vielleicht tot bin. Da der komische Mensch offensichtlich nicht mehr da ist, springt sie ins Bett, das ja von Amts wegen ihr gehört. Unvermittelt wird das Bett lebendig, schimpft lautstark und bewirft sie mit Kissen. Der zutiefst verschreckte Hund bleibt für den Rest der Nacht in einer entfernten Raumecke.
