Vier Mädels und ein kleiner Mann - Susan Gloor - E-Book

Vier Mädels und ein kleiner Mann E-Book

Susan Gloor

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Beschreibung

Vier Mädels, sind wir drei uralte Freundinnen. Zusammen können wir Pferde stehlen und nur ich bin verheiratet, aber nicht mehr lange. Mein Mann ist Chemiker und unsere kleine Wohnung sein Labor. Aber was er dann tat brachte nicht nur unser Leben auf eine neue Bahn. Nein, gleich auch noch die meiner drei Mädels. Trotzdem würden wir vier wieder so handeln. Er auch da bin ich mir nicht so sicher und die anderen erst.

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Seitenzahl: 249

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Inhaltsverzeichnis

Die Jahrhundert-Idee

Der Lockvogel

Der Plan

Der Morgen vor dem Abend

Wir tragen den kleinen Mann zu Grabe

Der letzte Teil

Schlusswort

Was fängt man bloss mit einem kleinen Mann an. Kleine Kinder gebären? Oder könnte ich ihn für mich arbeiten lassen. So klein zu sein muss doch Vorteile mit sich bringen. Ja, ich gebe zu auch dementsprechende Nachteile. Aber ich beschloss mich davon nicht einschüchtern zu lassen, im Gegenteil. Das Stehauf-Männchen-Prinzip begleitet mich schon mein ganzes geliebtes Leben. Auf, auf und nur das Positive sehen, das Glas ist immer halb voll und schon gar nicht leer. Diese Denkart ist das grosse Geschenk meines Vaters, sein Legat1 an mich.

Da waren wir nun in unserer schäbigen kleinen Küche und ich starrte ungläubig auf meinen Mann der vor Minuten noch in voller Grösse da stand. Wie gelähmt lehnte ich mich an die Spüle um ihn weiterhin wie einen Ausserirdischen von allen Seiten anzugaffen. Total verwirrt und durcheinander hob ich ihn auf und zwang den kleinen Mann auf einem Puppenhaus-Stuhl Platz zu nehmen, dazu stellte ich instinktiv das passende Tischchen um ihn dann weiter sprachlos anzustarren. Ein Bild für die Götter.

Die Möbelchen waren leicht verstaubt da sie ein Überbleibsel meiner süssen Nichte sind und ewig nicht mehr hervorgeholt wurden.

Auf dem Stühlchen sitzend, mit seinen Armen fuchtelnd, versuchte er seine Lage zu begreifen. Wenn ich mir richtig Mühe gab, konnte ich einige seiner Flüche verstehen und von denen gab es reichlich. Er fluchte wie ein Scheunendrescher. So was nennt man Dampf ablassen. Eines wurde ihm und mir immer klarer, in dieser Grösse war er mir wehrlos ausgeliefert. Ein wohliger Schauer lief mir über den Rücken, ergoss sich zu einem grossen Fluss der sich genussvoll über meinen ganzen Körper ausbreitete. Hüpfend, schreiend verausgabte er sich langsam. Es wurde ihm leid weiter zu Schreien und immer wieder zu versuchen mich zu beissen was sich wie Flohbisse anfühlte und mich langsam wieder auf den Boden der Tatsachen zurück holte. Oh mein Gott, dem würde ich es zeigen. Jahrelang war ICH die Doofe gewesen. Diejenige die er ausgenutzt und immer wieder mit saudoofen Floskeln abspeiste wie: es ist nicht so wie es aussieht das musst du mir glauben. Ja, wie den sonst du hirngepicktes Mann wie denn sonst. Jahre in denen ICH putzte, wusch, kochte, einkaufen ging und mich nicht wehrte. Aber das Schicksal hatte scheinbar etwas Neues mit uns vor.

Das Verrückteste am Ganzen war, ich wollte raus aus meiner Lage. Fest hatte ich mir vorgenommen, heute ist es so weit, heute kündige ich ihm meine noch verbliebene Liebe und mache ihm klar: bye bye du hast mich gesehen und zwar von hinten. Endlich nach weiss wie vielen Jahren war mein inneres Fass übervoll. Und nun stellt Euch meine Verwirrung vor als ich zusehen konnte wie er schrumpfte. So was von abgedreht was da geschah. Ich konnte es kaum fassen wie fies und gemein das Schicksal zuschlagen konnte und den doch einmal von mir sehr geliebten Mann vor meinen Augen in diese Grösse schrumpfen liess.

Aus lauter Gewohnheit griff ich zum Mobile und rief reihum meine Freundinnen an: Notfall, Notfall kommt das müsst ihr Euch anschauen. Und das taten sie. Belohnt wurde ich mit Ohnmachten, Schreikrämpfen und Lachen bis zum Umfallen. Wir kringelten uns vor Lachen, waren nicht mehr in der Lage zu sprechen. Tränen rannen wie Bäche hinunter bis Bauchschmerzen uns aufhören liessen. Es war einfach unfassbar. Wer glaubt den einem einen solchen Mist: he Kumpel mein Mann ist auf Puppenhaus-Grösse geschrumpft, ich kann ihn jetzt in meiner Jackentasche spazieren führen.

Eine neue Ära begann. Immer wieder zwang er mich ihn zu messen. Bin ich nicht schon wieder gewachsen, bin ich nicht ein Stück grösser. Nein, war er nicht. Um seinem Geschrei zu entgehen klebte ich kurzum das Massband an die Wand seines neuen Zuhauses, dem Puppenhaus das freundlicherweise eine meine Freundinnen uns zur Verfügung stellte. So schrecklich es auch war ich begann mich mit der neuen Situation zu arrangieren und um nicht überstürzt und unbesonnen zu handeln, vereinbarten wir ein paar Tage Ruhe zu bewahren und zu versuchen einen etwas klareren Blick auf das Ganze zu bekommen. Was sich zeitweise als nicht sehr einfach herausstellte. Er entwickelte eine „man weiss nie was grad angesagt ist“ Laune. Wie Achterbahn fahren, einmal hoch jubelnd jauchzend und dann wieder unerträglich bissig bis zu im Selbstmitleid ertrinken. Er konnte einem in den Wahnsinn treiben. Das rächte sich. Stand ich mit etwas mieser Laune auf, weckte ich ihn mit den Worten, mein Gott Darling du BIST gewachsen. Schon hüpfte er herum und kugelte sich vor Freude bis es ihm dämmerte, dass sein Mobiliar kein Stück kleiner geworden war. Fassungslos probierte er dann seine neuen Puppenkleider um auch hier festzustellen, ausser Spesen nix gewesen. Aus meiner Sicht ersparte er sich so das Fitness und meine Laune hingegen hob sich wieder. Was ja auch sein Gutes hatte. Zwei, drei Stunden lang musste ich es dann meiden ihm zu nahe zu kommen. Ansonsten versuchte er mich zu treten, zu kneifen und zu beissen, verständlicherweise.

Einen Grossteil der Zeit verbrachte ich damit ihn neu einzukleiden, Möbelchen zu basteln. Auf Flohmärkten Puppenhaus-Dinge zu finden, ganz einfach ihm ein gemütliches Heim einzurichten. Doch auch hier war meine Rache süss. Schleifen, Rüschen und Altrosa, ich liess es ihn an Nichts fehlen. Ein zuckersüßes Daheim. Seine Wutanfälle beruhigte ich lakonisch mit den Worten, es gab nix anderes in dieser Preisklasse man muss jetzt erst recht aufs Geld schauen, wüsste man doch nicht wie lange sein Zustand andauern würde. Obwohl er genau wusste, dass dies nicht stimmte. In kleinen Dingen basteln bin ich echt gut und liess es ihn trotz allem an nichts fehlen. Meine Bonsais (kleine japanische Bäumchen) dienten ihm als Schattenspender. Sogar eine Sonnenterrasse mit Swimmingpool konnte er sein Eigen nennen. Manchmal begann das Poolwasser etwas zu müffeln aber dies liess sich jeweils leicht beheben. Ja, und der Kochherd, aus Gusseisen voll funktionsfähig. Er konnte sich selbst kochen. Was er aber nie tat. Wenigstens einmal Teewasser übertun, nein nada nix. Ihn mit Lebensmitteln zu versorgen war der einfachste Teil. Seine Wäsche liess ich ihn selbst schrubben. Von Hand an einem Waschbrettchen. Das Sanitäre, ja das war so eine Sache. Dusche und Badewanne waren ein Kinderspiel aber die Toilette da musste er sich mit der primitiveren Variante begnügen. Die Römer kackten auch nur in ein Loch. Manch berühmte Könige, Pharaonen und was auch immer, ebenso. Seine Ausscheidungen waren, ich kann mich nur entschuldigen, so was von niedlich. Stellt es Euch doch bitte selbst vor. Zu klein um zu müffeln. Am ehesten könnte man sie mit Hamsterknödel vergleichen. Einmal täglich leerte ich das Blecheimerchen in dem ich es demonstrativ weit vor mir hertrug in Richtung Erwachsenenbad. Ganz sicher war ich mir nicht aber es schien als amüsierte es ihn. Die Magd die seine königlichen Ausscheiden entfernt. Es war ein Geben und Nehmen.

Meine Freundinnen besuchten mich mit Freude zu Kaffee und Kuchen. Brachten kleine Geschenke die ihm das Leben vereinfachten. Das Fieber hatte uns alle gepackt das Beste und Tollste zu finden. Stundenlang stöberten alle auf Flohmärkten, in Spielzeugabteilungen und Bastelgeschäften. Ihr könnt Euch kaum vorstellen was es alles für die Puppenhäuser gibt. Ich war gezwungen einen Lagerschuppen ans Häuschen anzubauen. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich nach gebührender Zeit ihm ein tolles männliches Zuhause schuf. Ohne Schleifchen und Rüschen und sogar mit einem voll funktionsfähigen TV. Das gibt’s wirklich für Puppenhäuser. Die Senderauswahl war vorerst begrenzt bis eine von uns es tatsächlich via Internet hinkriegte einen richtigen TV-Anschluss anzukoppeln. Er hatte nun ein Heimkino inklusive Liegewiese und hunderten von bequemen Kissen. Auch eine Hängematte die er mit der Zeit richtig gehend liebte versüsste ihm sein Dasein. Das Kerlchen war tausendmal besser eingerichtet als ich. Eine herrliche Zeit für uns alle.

Verrückt, der kleine Mann begann mit seiner Grösse (Kleine, sorry) klar zu kommen. Zwar konnte er sich nicht hundertprozentig in sein Schicksal fügen aber doch zumindest sehr gut. Ich musste mich immer wieder zügeln. Hunderte von Ideen, Einfälle wirbelten in meinem Kopf herum. Soll ich ihn Tralla taufen. Einen Jupes anziehen lassen oder ihn mit Perlenketten umwickeln. Wie auf Knopfdruck konnte ich mich in meine Kindheit zurück versetzen. Fantasien über Fantasien. In meinen Kindertagen lag ich in den Sommermonaten stundenlang auf der Wiese hinter unserer Parterre-Wohnung2. Das Gesicht tief ins Gras gedrückt stellte ich mir vor wie ich als winzige Ausgabe meinerselbst da durch krabbelte. Ameisen auswich, über Stöckchen kletterte und Regenwürmer als klebrige Kriegsgegner betrachtete. Es war einfach herrlich so frei zu sein.

Nachdem ich ihm Latzhosen mit dem dazu passendem hellblau karierten Hemdchen genäht hatte, überwog auch hier mein Mitleid. Mit der Zeit war ich in der Lage tolle Herren-Shirts, Hosen (inkl. der Unterwäsche) zu schneidern. Ausser den Hemdkragen. Die trieben mich in den Wahnsinn. Bin heute noch nicht in der Lage korrekte zu nähen weder in Gross noch in Mini. Musste ich Zug fahren oder in seltenen ruhigen Momenten, strickte ich ihm Pullover, Halstücher und noch vieles mehr. Ich häkelte, knüpfte was auch immer. Es wurde zur Hauptaufgabe mit unsagbarem Spassfaktor für mich und meine Freundinnen ihn schön „normal“ auszustatten. Wir drückten aufs Gas um ihm sein Leben zu erleichtern. Ihn halbnackt rum laufen zu lassen konnten wir schon aus visuellen Gründen nicht ertragen. Sehr schnell fanden wir heraus, dass der kleine Mann nicht in der Lage war schwere Dinge zu tragen. Schon eine grössere Münze brachte ihn ins Schwitzen und daher beschlossen wir einstimmig, nach einigen Bieren, er müsse Fitness betreiben. Es konnte nicht angehen, dass er faul auf seiner Haut lag und wir uns das letzte Blut aus dem Körper arbeiteten. Für seine Empfindungen standen so viele Möglichkeiten zur Verfügung. Maulte und schmollte er, banden wir ihn kurzerhand ein Weilchen an sein Bettchen oder liessen ihn wie eine Marionette springen und hüpfen. Indem er gegen seine Fesseln ankämpfte absolvierte er die von uns vorgeschriebenen Fitnessübungen. Ist man fit und gesund, sind wir auch psychisch ausgeglichener. Bedeutet uns geht’s besser oder?

Dieser schicksalshafte Tag an dem mein Ehegatte schrumpfte, gab mir meine Welt die ich so sehr geliebt hatte zu grossen Teilen zurück. So viele Menschen verlieren ihre Kinderfantasien oder unterdrücken sie. Man ist doch erwachsen. Oder Kind werde doch endlich erwachsen. Und nun dieses grossartige Geschenk. Ja, ja hier spricht der Egoismus aber ER hatte herum experimentiert und keinen Versuch, Versuch sein lassen. ER fügte sich immer wieder solche komischen Sachen zu. Einmal als ich nach Hause kam war er blau von unten bis oben. Schlumpfblau stellt Euch das vor. Ein erwachsener stattlicher Mann über und über in Blau. Blauer Hintern, blaue Füsse, blauer Pimmel blau, blauer am blausten.

Zu seinem Glück begann die Farbe nach etwa zwei Stunden sich wie Puder aufzulösen. Und wer musste dann wohl den Küchenboden fegen, ich. Er sei zu erschöpft die Angst er würde für immer blau bleiben hätte ihn wahnsinnig mitgenommen.

Was mich an der jetzigen Misere am meisten beschäftigte, war: wieso stoppte es genau bei dieser Grösse und würde sich bald etwas ändern. Und wann, dann plötzlich oder würde es langsam vonstatten gehen? Aber diese Ängste musste ich verdrängen. Zuerst wollte ich aus dem Vollen schöpfen. Mit unglaublich viel Überredungskunst konnte ich ihm klar machen, dass wir seine missliche Lage bedingungslos ausnützen sollten. Natürlich wollte er anfangs zu einem anderen Chemiker oder Arzt. Wollte wieder die „normale“ ihm zustehende Körpergrösse aber daraus wurde vorab nix. Es musste ihm doch klar sein, ginge er an die Öffentlichkeit in irgendeiner Art, was dann geschehen würde. Wer und vor allem wie wir bedrängt, genötigt und rum geschubst werden würden.

Um ihn überhaupt hören zu können, leider auch sein Gejammer und Gestänkere, machten wir uns die heutige Technik zu Nutze. Ein Mädel aus unserem holden Freundschaftskreis verstand sich gut auf solche Dinge und baute ihm eine Art Megaphon zusammen. In dieses konnte er in seiner normalen Lautstärke sprechen für uns aber klang es als befände er sich bei uns bei den Grossen!

Hatte er schlechte Laune und liess dies uns spüren, stellte ich den Ton ganz einfach auf Aus. Ein Aus-Schalter, ein Traum, himmlisch. Jahre fehlte mir solch eine Möglichkeit. Jahre in denen er mich zwang seiner Motzerei und Gebelle zuzuhören. Unmöglich wegzuhören da er sich einer gewissen Lautstärke bediente. Um uns draussen unauffällig zu bewegen, nähte ich ihm in meine Jacke eine passende Tasche. In dieser konnte er liegend als auch sitzend rausschauen und für genügend Frischluft war auch gesorgt. Bei Regen wurde er nicht nass und kein Sonnenstrahl konnte ihm seine ach so zarte Haut verbrennen. Zu Beginn setzte er eine Spielverderber-Miene auf doch je mehr wir uns draussen bewegten umso mehr sah er die Vorzüge. Frauen konnte er unverfroren ins Dekolleté glotzen. Ich liess ihn gewähren. Wieso sollte ich mir jetzt noch die Mühe nehmen ihn zu ändern. Mann bleibt schliesslich Mann oder? Egal wie gross er ist! Weh tat er damit auch niemandem.

Es ist doch so, seien wir einmal ehrlich. Zu Beginn findet man alles an ihm heiss und unwiderstehlich. Auch, dass er unverhohlen in fremde Ausschnitte glotzt. Dann etwas weniger, dann noch weniger und plötzlich beginnt es einem so richtig auf den Sack zu gehen. In guten Momenten unterliegt man der Versuchung mit ihm darüber zu diskutieren. Dann wird das Löffelchen hingeschmissen und das in sich hinein Fressen beginnt. Aber wir verbrachten auch sehr gute Jahre zusammen, nein wirklich hatten wir. In diesen guten Zeiten liebte ich ihn. Trotz Versuchung jetzt seine Situation auszunutzen und ihn einiges büssen zu lassen, muss ich zugeben, vieles hätte er verdient und einiges absolut nicht. Es gibt Grenzen und zu meiner grossen Verteidigung, was meine rachsüchtigen Gedanken betrifft, zu diesem seinem jetzigen Zustand hatte ich nichts beigetragen. Ich war nur zur richtigen Zeit daheim angekommen und durfte so seiner Verwandlung in einen Puppenmann beiwohnen.

Es ist mir kaum möglich zu beschreiben, was in mir vorging als ich sah was da mit ihm passierte. Auf dem Küchentisch befanden sich mehrere dubiose in verschiedenen Farben gehaltene Flaschen und Gläschen. Offen gesagt, war ich dermassen fassungslos, dass meine ersten Gedanken sich nicht um das Wie sondern um das „was zum Teufel passiert da gerade“ drehte. Und um nicht den Verstand zu verlieren griff ich zum iPhone und liess meine Freundinnen in Windeseile antraben. Detailliert kann ich mich nicht mehr an alles zurückerinnern. Gemäss meinen Mädels verstanden sie folgende Worte: habbbeeee so was von einem Notfall und wenn ihr mich nur ein klein bisschen gern habt, sofort, kommt sofort sonst verliere ich noch meinen Verstand. Mein Hirn darf nicht aus der Hirnschale springen. Eine gute halbe Stunde später umringten sie ihn dann glotzend, die Kinnlade bis zu den Knien unten, eine fiel sogar in Ohnmacht oder was auch immer. Jedenfalls starrten sie den kleinen noch pudelnackten Mann unverfroren an. Er stammelte und jammerte, verständlicherweise, nur noch so vor sich her. Die pure Verzweiflung. Im Eifer des Gefechts vergass das Männlein sogar, dass er nackt war. Zu seinem Glück lagen immer irgendwelche Papiertaschentücher auf dem Küchentisch. Er schnappte sich schnellstens so ein Ding. Es bedeckte ihn komplett als sei er in ein Laken gewickelt. Stark wie er war zerriss er’s in Stücke und band sie sich um. Jetzt wurde es gemein. Jetzt hatte er doch glatt ne Windel um und wir brachen vor Lachen zusammen. Zu diesem Zeitpunkt konnten wir ihn ja noch kaum hören. Er schrie sich die Lunge aus dem Körper. Zur Beruhigung uns aller holte ich einen riesigen Kübel mit Eiscreme und verteilte sie gerecht unter uns. Für den kleinen Mann gab’s einen schönen grossen Fingerhut voll davon. Durch die Lupe sah ich, dass er krampfhaft nachdachte sich aber schliesslich doch für das Runterschlingen dieser Köstlichkeit entschied. Dazu gab es noch leckere Kekse und langsam kehrte Ruhe ein. So simpel und doch so effizient. Ach ja, ich vergass. Vor Verzweiflung hatte er sich kurzerhand noch eine Serviette um sein Körperchen gewickelt um den Rest seiner Blösse zu bedecken.

Seine Fütterung liess sich sehr einfach gestalten. Einen Krümmel von diesem, ein Kügelchen von jenem und einen Fingerhut voll eines Getränkes, et voilà mein kleiner Mann war zufrieden.

Fassungslos und aufs Höchste amüsiert, umringten wir mini-man. Was zur Hölle lief hier.

Ich gestehe: der Gedanke ihn zu packen und dabei etwas zu fest zu zudrücken durchschoss anfangs ein- zweimal meine Gedanken. In mir schlummerte immer noch der Misstand unserer Beziehung. Aber glatter Mord, nein dazu war ich letztendlich doch nicht in der Lage. Diese Vorstellung blieb wo sie hingehörte nämlich ins Aus. Aber es war erlaubt Witze darüber reissen und einer war schlimmer als der andere. Unsere Bemerkungen trieften nur so vor Zynismus und bescherten uns weitere Tränen vor Lachen. Stellt Euch doch einmal vor. Ihr kommt nichts ahnend nach Hause und vor Euch steht Eure sogenannte bessere Hälfte und schrumpft und schrumpft auf die Grösse eines Menschen der ohne Probleme in einem Puppenhaus wohnen kann.

Aber was war wirklich an diesem Morgen passiert? Unser kleiner Mann wollte und wollte nicht mit der Wahrheit herausrücken. Er schämte sich und das Schlimmste daran war, er selbst war der Verursacher seiner jetzigen Lage. Dies war nicht von der Hand zu weisen. Niemandem konnte er diesen Mist unterjubeln. Ich weiss wie er tickt und er hat die Neigung alles Schlechte, Unangenehme jemand anderem in die Schuhe zu schieben. Meist drehte er alles so, dass ich als Schuldige dastand.

Ach du grüne Neune, wie steckte unser kleine Mann in der Klemme. Es war der Hund der sich in den Schwanz beisst. Wie sollte er so klein wie er war ein Gegenmittel herstellen können. Ich oder eines der Mädels waren dazu auch nicht in der Lage. Chemie war ein Fremdwort für uns und so wie ich mich kenne (immer in Bezug auf die Chemie gemeint), hätte ich seine Lage nur verschlimmert. Das muss ich einfach zugeben. Auch wenn er mich noch so instruiert hätte. Vermutlich wäre er mit meiner Hilfe noch ganz verschwunden oder wäre wie ein Ballon rumgeflogen unfähig je wieder einen Fuss auf den Boden zu kriegen. Somit stand fest, ich liess die Finger davon.

In den vergangenen Jahren hatte er sich im kleinen, dritten Zimmer einen Vorrat an Laborgefässen und allem anderen Nötigen angeschafft. Einiges gekauft, anderes bekommen. So entstand ein kleines Sammelsurium an Flaschen, Bunsenbrennern einfach alles was ein Chemiker benötigt. Oh, ich bitte um Verzeihung, ich vergass zu erwähnen, dass mein geliebter Gatte Chemiker gelernt hatte. Während seines ganzen Studiums arbeitete ich wie ein Pferd. Zwei Jobs und ein Zuhause wollten gepflegt sein. Dann endlich seine erste feste Anstellung. Natürlich ein Idealisten-Job der kaum genug für Fahrspesen einbrachte. Seine Lieblingsausrede wie unentbehrlich dieser für seinen Werdegang sei. Prestige sei alles pflegte er mir zu erklären wenn ich ihn wieder einmal bat sich doch eine lukrativere Arbeit zu suchen. Nein, nein dieser Job sei enorm wichtig. Er werde sich auszahlen. Ich gebe zu, Rechnen war nie eine meiner Stärken aber Wenig geteilt durch Wenig gibt auch mit schlechten Rechnungskenntnissen Nichts. Und wie sich jetzt herausstellte, konnte auch mein Gott gleicher Ehegatte aus Grossem nur etwas Kleines hervorbringen. Dies wurmte meinen kleinen Mann ebenso wie es mich amüsierte. Meine persönliche und geheime Liste mit Spitznamen für den Mini-Mann wurde immer länger. Meine Freundinnen fochten ganze Wettbewerbe aus wer in der Lage war, den besten Übernamen herauszufinden. Die Resultate prasselten in Form von SMS, Telefonaten oder sprudelten persönlich nur so aus ihnen raus.

Zu Beginn fragten wir den Kleinen direkt was den eigentlich wirklich geschah an dem besagten Vormittag in unserer Wohnung. Doch er weigerte sich standhaft darüber zu sprechen. Er der nichts Beschämendes finden konnte wenn es sich um ihn drehte. Wenn er seine verkackten Unterhosen sichtbar für jeden auf den Wäschekorb warf. Diese in den Korb zu werfen, wäre pure Zeitverschwendung. Regelmässig hinterliess er das Badezimmer als hätte eine Bombe eingeschlagen. Wieviele Ehefrauen kennen meine Lage. Müde abgearbeitet kommt man von der Arbeit nach Hause und was findet man vor? Küche und Bad in desolatem Zustand und der Göttergatte pflatscht gemütlich mit Bier oder Gummibärchen vorm TV. Ein Pärchen aus unserem Freundeskreis liess sich scheiden, Scheidungsgrund: Gummibärchen. Das Gericht anerkannte die Tatsache, dass er jeden Tag nach getaner Arbeit heim kam sich hinsetzte und eine Tüte Gummibärchen ass.

Seine von ihm so geliebte Lederjacke aufzuhängen wäre Schwerstarbeit gewesen und seine dämlichen Stiefel warf er mit Genuss in irgendeine Flurecke. Und zur Krönung: Schatz du stehst doch gerade bringst du mir nicht noch ein Bier?!

Fassungslosigkeit macht sich da in einem breit und das innere Fass wird um einen Liter mehr gefüllt. Doch auch das bringt es immer noch nicht zum überlaufen. Wie immer ergibt man sich seinem selbst auferlegten Schicksal und räumt ihm hinter her.

In unserem eingeschworenen Mädelkreis gab es bis vor kurzem nur alleine lebende und trotz all meinen Erfahrungen, Vorbildfunktion wünschte sie sich nichts sehnlicher als eine Familie. Diese Tatsache hat mich immer wieder fasziniert. Kinder hatten mein kleiner Mann und ich glücklicherweise keine. Wie hätten wir ihnen seine neue Grösse erklären können. Na hört mal ihr Lieben, wir haben ein neues Spielzeug für euch?! Das Wieso wir keine Kinder haben, waren wir nie in der Lage gewesen herauszufinden. Für ihn stand felsenfest klar, dass es nur an mir liegen könne. Er konnte sicherlich nicht der Grund dafür sein. Wieso auch. Tief in mir drinnen war ich immer erleichtert gewesen. Konnte ich mir doch kaum vorstellen, dass Kinder ihn verändert respektive verbessert hätten. Schon gar nicht meine Situation.

Es war ein Freitag als das Schicksal ohne Erbarmen zuschlug und er schrumpfte. Erst zwei Tage später fiel mir auf wie vehement er vermied zu erzählen was an diesem Vormittag in unserer Küche tatsächlich passiert war. Irgendwie hatte ich registriert, dass zwei leere Kaffeetassen in der Spüle gelegen hatten. Wieso sollte er aus zwei Tassen trinken insbesondere er eine gewisse Tasse bevorzugte. Ironischerweise die mit der Aufschrift „Ich bin der grösste Kaffeetrinker“. Für mich war eines klar, er war nicht alleine gewesen. Einige Zeit später als mein kleiner Mann geplagt von Depressionen und Wut versuchte abzuhauen, benutzte ich eben diese eine Tasse um ihn wieder einzufangen. War es ja doch nur zu seinem Besten.

Am späteren Nachmittag, es begann zu regnen und versprach ein gemütlicher Abend zu werden. Die Mädels hatten mich in dieser Stunde der grossen Verwirrung nicht alleine gelassen. Wir beschlossen es uns im Wohnzimmer gemütlich einzurichten. Wein, Weib und Gefasel.

Wir hatten schon deutlich einen sitzen und dann kam sie, die Frage, die zwangsläufig einmal kommen musste: wie steht’s den nun eigentlich mit dem Sex so der kleine Mann und du? Ihr könnt euch die Ergüsse, Bilder und Ideen was sich mit solch einem kleinen Wesen alles anstellen liesse kaum vorstellen. Schon beim Rückblick an diesen Abend werde ich butterrot. In dieser Nacht wurde eine komplett neue Sexart erfunden. Der arme Kleine. Eine noch harmlosere Variante war, ihn strippen zu lassen. Alleine schon die Vorstellung eine Stange für Poledance3 in seine Puppenhausvilla einzubauen bescherte uns wohlige Fantasien. Oder nackt wie Gott ihn erschaffen hatte (und er sich), auf unseren Körpern rum hüpfen lassen. Wie sich dies wohl anfühlen würde. Ab jetzt kämen wir zum absolut nicht mehr jugendfreien Teil was mich veranlasst es zu lassen. Der arme Kerl mass noch ganze zwölf Zentimeter. Der hatte ja nicht mehr aufgehört zu schrumpfen. Immer in zehn Zentimeter Schritten. Ihr könnt euch nun selbst ein Bild davon machen was wir mittlerweile stark betrunkenen Weiber uns alles vorstellten? Er ertrank fast in seinem eigenen Angstschweiss. Wusste er doch nicht zu was wir fähig wären. Eines möchte ich hier aber klarstellen, angefasst hat ihn keine und würden es nie tun. Übrig blieben Tag- und Nachtträume. Mancher von uns bescherte er todsicher auch später noch tolle Nächte. Doch wie erwähnt, es blieb bei den Fantasien. Denn das hätte er trotz allem nicht verdient. Natürlich konnten wir’s uns nicht verkneifen, ihn etwas leiden zu lassen aber lange hielten wir dies nicht durch es ist einfach nicht so unsere Art. Und nun begann ein neuer Umgang zwischen ihm und mir. Bin sowieso nicht in der Lage Menschen lange böse zu sein. Immer stelle ich mir vor, wie es wäre wenn ich selbst in solch einer Situation bin. Dies lässt mich dann alles aus einer anderen Warte betrachten. Immer wieder musste ich mir auch vor Augen halten, dass wir nicht wissen können wie lange dieser Kleinst-Zustand anhalten wird und auf seine Rache war ich nicht scharf. ER hätte sich gerächt und dies in fantasievoller Weise.

Wir versuchten immer wieder die ganze Wahrheit, was an diesem unheilschwangeren Vormittag passierte, aus ihm heraus zu kitzeln. Auf alle erdenklichen Arten versuchten wir’s doch er blieb stur.

Zu unserer Wohnung gehört ein kleiner Gartensitzplatz. Mein Zufluchtsort, hier kann ich während dem ich eine Zigarette4 rauche ungestört meinen Träumen nachhängen. Üppige Büsche und tolle alte Bäume umringen den gesamten Wohnblock. Vögel, Katzen, nächtliche Fuchsbesuche alles was dazu gehört, fliegt und umschleicht diese grüne Oase. Manche Sommer beehrten uns sogar Glühwürmchen mit ihrem Besuch. Diese liessen sich mit einem kleinen blinkenden Licht gerne in die Irre führen, das macht Spass. Blink blink einmal kurz, einmal lang und sie erwiderten mit demselben Blink Blink. Hier draussen bastelte ich dem kleinen Mann einen Frischluft-Korb. Ihn ungeschützt nach draußen zu lassen konnten wir nicht riskieren. Katzen hätten das zweibeinige Spielzeug geliebt und ihn vermutlich zu Tode gehetzt. Trotzdem, ich liebe Katzen. Er wäre zwar voraussichtlich vorab an einem Herzschlag gestorben bevor die ihn aufschlitzen konnten. Aber solche Risiken einzugehen ist unnötig. So entstand später an Stelle dem Korb, ein kleiner Winter-Sommer-Garten. Passende Liegestühle, hübsche Frottiertücher und ein zweiter Swimmingpool durften auch nicht fehlen. Der kleine Kerl schwamm im Luxus. Ein eigenes Bade-Ressort mit schattigen Plätzen und einer Terrasse auf drei Ebenen. Ja, richtig auf drei Ebenen. Alles gut gegen die neugierigen Blicke der Nachbarn geschützt. Um sich bemerkbar zu machen gab es eine kleine elektrische Klingel. Man wusste ja nie was oder wer sich alles im Garten herumtrieb. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankugel oder wie das heissen soll. Igel wären ihm wie Stachelmonster vorgekommen und die Mäuschen erst.

Leider begangen die Nachbarn sich bereits Fragen zu stellen; wo den mein Göttergatte sich befände und wann er denn wieder nach Hause kommen würde. Als selbstständiger Chemiker vermisste ihn wenigstens niemand bei der Arbeit was alles einiges leichter machte. Doch Getuschel machte sich in der Nachbarschaft breit. Den kleinen Tante Emma Laden vis-à-vis mied ich aus Vorsicht.

Der nächste Morgen kam und es traf mich wie ein Vorschlaghammer bei der ersten Tasse Kaffee. Ich muss hier weg. Habe ich doch etwas anderes verdient. Grosse Erklärungen benötigten meine Mädels nicht, sie fühlten mit mir. Aber ohne das nötige Kleingeld und mit dem kleinen Mann an der Backe, wie hätte so etwas vonstatten gehen sollen. Ihn durch einen Zoll, in ein Flugzeug zu schmuggeln, daran durfte nicht einmal gedacht werden. Viele Kaffees und Butterhörnchen später wussten wir was zu tun ist. Eines wurde immer klarer. Aus unserem kleinen Mann und seiner Formel musste sich Geld machen lassen und hoffentlich nicht zu knapp.

So begann die Aktion „wie kommen wir zu möglichst viel Geld - legal“. Meinen Freundinnen schenke ich volles Vertrauen. Ihnen war ebenso bewusst, hätte die Öffentlichkeit etwas mitbekommen vom kleinen Mann hätte dies das Aus bedeutet. Kaum vorstellbar wie die Presse sich um ihn gerissen hätte und Vater Staat erst. Ohne jeden Skrupel hätte sich dieser Eintritt in unsere Wohnung verschafft um ihn dann kurzerhand zu beschlagnahmen. Zu wichtig wäre so etwas für Militär, Polizei und sicherlich auch für den Geheimdienst. Ja, geschweige denn für die Medizin!

Keine von uns war mit viel Geld gesegnet. Ein Handicap, dass es galt zu beseitigen. Eine Runde Nachdenken war angesagt. Als erstes kam Alkohol-Stopp auf die To-do-Liste. Dann was können wir auf die Beine stellen, wie liesse sich Kohle machen mit ihm ohne, dass die erwähnte Öffentlichkeit von ihm erfährt.

Irgendwo muss man beginnen. Dies taten wir indem wir ihn und die Situation einmal genau unter die Lupe nahmen. Die Jahre waren auch nicht ganz unbemerkt an ihm vorbei gerauscht. Ein Ansatz eines Bierbauches und ein kleines Doppelkinn, nichts wirklich Schlimmes. Aber planlos wie wir waren, beschlossen wir mit einem Sixpack würde er hammermässig aussehen. Püppchen mit Sixpack, einfach wau oder? Das kleine Doppelkinn stellte da schon eher eine Herausforderung dar. Zweimal täglich Gymnastik zur Straffung. Der kleine Mann verdrehte nur noch seine Augen.

Er selbst hielt das Ganze für einen miesen Scherz. Überzeugt davon, dass ich ihn wieder einmal nur versuchte zu bestrafen. Demonstrativ legte er sich in seine tolle Hängematte und gab uns zu verstehen, wieso er eigentlich kein Buch zum lesen habe, es könne doch nicht angehen in der heutigen Zeit von PC’s, Laptops all der neuen Technik, dass er kein Buch bekomme. Die ganze innere Spannung fiel von uns ab wir brachen alle in Gelächter aus. Trotz allem uns war es bitterernst. Hatte er denn immer noch nicht erkannt wie es um ihn und unser Vorhaben stand? Durchziehen ist eine unserer obersten Devise du kleiner Held.