Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Ein zufälliges Wiedersehen stellt das Leben der Ärztin Dr. Helen Simon auf den Kopf. In Paris, wo sie ihrem Alltag nachgeht, trifft sie ganz unerwartet auf ihren einstigen Liebhaber Max, der an Parkinson erkrankt im Rollstuhl sitzt. Bestürzt über seinen Zustand bemüht sich Helen nach all ihren Kräften, Max eine Spezialtherapie zu organisieren und seine Lebensgeister wiederzuerwecken. In Rückblenden berichtet die Ärztin immer wieder von den gemeinsamen Tagen im bulgarischen Witoschagebirge. Max, zunehmend beflügelt durch die Besserung seiner Krankheit, möchte die vergangenen Tage erneut aufleben lassen - doch Helen weiß nicht so recht, wie sie damit umgehen soll...
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 242
Veröffentlichungsjahr: 2021
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Kapitel 1: Der alte Mann – Treffen im Park Rodin
Kapitel 2: Aufbruch nach Bulgarien – Witoschagebirge
Kapitel 3: Das Höllentor
Kapitel 4: Max’ Krankengeschichte
Kapitel 5: Seniorenresidenz
Kapitel 6: Helen macht sich mit der Krankheit Parkinson und deren Therapie vertraut
Kapitel 7: Himbeeren am Schwarzen Berg
Kapitel 8: Helen macht Max näher mit der Theorie der LSVT-/BIG-LOUD bekannt
Kapitel 9: Klinik in Beelitz
Kapitel 10: Nebel im Hochmoor
Kapitel 11: Besuch des Ateliers der Künstlerin Bernadette Kelly – Organisation der Therapie – Kostenfrage
Kapitel 12: Vogelbeeren
Kapitel 13: Max wird im Hospital mit den acht Übungskomplexen der BIG-Therapie vertraut gemacht – Maurice macht ihn mit der Lehrerin für LOUD-Therapie bekannt
Kapitel 14: Der Vermisste
Kapitel 15: Giger MD – Ist es nur Reklame?
Kapitel 16: Café Le Ponthieu
Kapitel 17: Dragalewzi-Kloster – Bärenwiese
Kapitel 18: Dr. Pflöcker, der leitende Arzt
Kapitel 19: Dr. Petrov, ein bulgarischer Arzt
Kapitel 20: Überfall im Wald
Kapitel 21: Reise in die Schweiz
Kapitel 22: Zurück in Paris
Kapitel 23: Père Lachaise
Kapitel 24: Recherchen über einen deutschen Maler
Kapitel 25: Max macht Fortschritte
Kapitel 26: Befreundete Pariser Künstlerinnen
Kapitel 27: Nesle, ältestes Viertel von Paris
Kapitel 28: Der Unfall
Kapitel 29: Giverny
Kapitel 30: Wieder ein Unfall
Kapitel 31: Das Giger-Gerät
Kapitel 32: Eifersucht – Wunderbare Klänge
Kapitel 33: Das Malen
Kapitel 34: Dinner im La Marée
Kapitel 35: Wirf es weg!
Kapitel 36: Ebereschen
Kapitel 37: Abschied
Brief
Anfang September spazierte Helen durch den Garten von Rodin in Paris, es war ein sonniger Tag, die Rosen blühten noch, am Rand prangten die Dahlien in zahlreichen Farben. Sie ging durch den Skulpturengarten, weiter bis zum Rondell, die Bänke waren unbesetzt und luden zum Ausruhen ein. Neben einer Bank saß ein älterer Herr im Rollstuhl. Als Helen näher kam, klopfte ihr Herz, nein, den Mann kannte sie. Sie ging auf ihn zu und sprach ihn auf Französisch an.
„Bonjour, Monsieur“, er blickte sie verdutzt an. Offenbar war er genauso erschrocken wie Helen.
„Max!“ Er nahm ihre Hände und küsste sie. Helen konnte es nicht fassen, Max im Rollstuhl.
Sie hatten sich fast vierzig Jahre nicht gesehen, er hatte dichtes graues Haar, das sehr kurz geschnitten war und ihm ein gepflegtes Aussehen verlieh. Seine blauen Augen leuchteten wie damals, aber seine Sprache war leise und undeutlich. Die Falten waren tiefer geworden, aber seine Ohren waren noch normal. Alte Leute haben meist große Ohren.
„Qu’est-ce que tu fais ici? Mein Gott, du in Paris, und ich treffe dich in meinem Lieblingsgarten.“
„Ich bin schon den ganzen Sommer in dieser Stadt, du weißt ja, meine Frau liebte Frankreich und früher konnte sie nicht hier sein. Ich musste mit. Ich bin allein.“
Tränen traten ihm in die Augen.
„Jetzt schleppen mich mein Enkelsohn und sein Freund durch die Gegend. Die beiden stehen nach Eintrittskarten fürs Museum an der Kasse und mich haben sie hier abgestellt. Ich habe zwei Operationen an der Wirbelsäule gehabt und das Ergebnis ist eben, wie du siehst, der Rollstuhl.“
Helen überspielte ihre Betroffenheit. Sie empfand nichts mehr für diesen Mann, der ihr vor Jahren einige Wochen viel bedeutet hatte.
Max kam gleich auf den Punkt. „Hast du unsere Geschichte geschrieben?“
„Nein, habe ich nicht, ich weiß, ich hatte es dir versprochen. Nun muss ich es wohl tun.“
Beeile dich, ich möchte es noch lesen, notfalls im Manuskript. Meine Zeit ist bald abgelaufen, erzähle mir auch, wie es nach unserer letzten Begegnung weitergegangen ist. Da kommen meine Trabanten. Sag mir noch deine Adresse.“
Helen wollte ein Zusammentreffen mit dem Enkel vermeiden. Sie flüsterte ihm ins Ohr: „Acht, Rue Balzac.“
Sie küsste ihn auf die Stirn und setzte ihren Weg fort. Es war eine kurze, aber intensive Begegnung gewesen. Sie musste schreiben, sie hatte es versprochen. Hier in Paris, wo sie einige Wochen allein wohnte, war doch die beste Gelegenheit.
In dieser Nacht schrieb sie viele Seiten, bis sie am frühen Morgen in einen tiefen Schlaf fiel. Als sie erwachte, stand die Sonne schon hoch über den Häusern, sie machte sich fertig und wollte zum Bäcker gehen. Als sie die Tür öffnete, fand sie im Flur, direkt vor ihrer Tür, eine Keramikschale mit roten Himbeeren, eine Karte mit ihrem Namen hing daran.
Die folgende Nacht machte Helen kein Auge zu. Sie konnte nicht begreifen, dass Max einmal ihr Geliebter gewesen war. Sie sah nur den Patienten, gelähmt im Rollstuhl. Er war fast zehn Jahre älter als sie. Aber er kam ihr vor wie ein hundertjähriger Greis.
Er, der immer vor ihr die Berge hochgeklettert war. Der ihr die Angst genommen hatte, wenn sie im offenen Lift über dem Abgrund schaukelnd wegen eines Defektes der Anlage stundenlang hatten ausharren müssen. Er, der große Organisator, der sich ans Klavier gesetzt und vor dem Publikum improvisiert hatte.
Was war mit Max? Das war nicht die Wirbelsäulenerkrankung, die ihn behinderte. Sie sah, seine Hand zitterte, er vermied es, ihr seine Hand zu reichen. Das war auch nicht nötig, da es in Frankreich Sitte ist, sich bei der Begrüßung auf die Wangen zu küssen.
Sie verabredeten sich für die nächste Woche im Park Rodin. Mit dieser Begegnung hatte Helen nicht gerechnet. Sie war nach Paris gekommen, um Recherchen für ihr Buch zu tätigen. Sie hatte vor zwei Jahren in Paris Bilder des Expressionisten Ewald Christian Tergreve ausgestellt. Zu diesem Künstler hatte sie eine besondere Affinität. Helen hatte sich neben ihrem Beruf als Ärztin immer mit Kunst beschäftigt. Vor einigen Jahren hatte sie in Berlin eine Kunstgalerie gegründet, allerdings war sie eine Quereinsteigerin. Sie hatte sehr gute Künstler ausgestellt, aber sie verstand wenig vom Geschäft. Doch sie musste die Galerie als Gewerbe betreiben, das hatte ihr finanzielle Verluste eingebracht. Sie musste diese schöne Galerie, die sie mit viel Liebe aufgebaut hatte, nach sieben Jahren aufgeben.
Wie so oft in ihrem Leben musste sie sich von Depression und Traurigkeit befreien. Sie hatte in den Wochen nach der abrupten Schließung der Galerie viele Tränen vergossen. Alle ihre Kontakte waren abgebrochen.
Was nützten ihr die vielen Bilder, die sie inzwischen ihr Eigen nennen konnte; alles wurde auf dem Boden im eigenen Hause verstaut. Abgeschnitten von Kunst, Künstlern und Publikum wäre sie beinahe in eine tiefe Krise verfallen. Sie versuchte noch einmal im kleineren Rahmen etwas auf die Beine zu stellen.
Es erwies ich als völlig illusorisch.
Wie oft in ihrem Leben, wenn sie etwas Wichtiges verloren hatte, dem sie nachtrauerte, hatte sie das Problem hinter sich geworfen. Der erste Konflikt, an dem sie hätte zerbrechen können, war der Verzicht auf ihre geliebte Musik. Mit 18 Jahren war sie in die Welt gegangen, sie hatte alles hinter sich gelassen.
Sie hatte sich an der Dresdener Musikhochschule beworben. Ihre damalige Gesangslehrerin hatte große Hoffnungen in sie gesetzt. Doch ehe sie Bescheid bekam – sie nahm an, dass sie durchgefallen war –, ging sie nach Berlin zum Medizinstudium. Bald darauf erhielt sie die Zusage zum Musikstudium. Was tat sie, sie zerriss das Papier. Sie besuchte nie wieder ihre Lehrerin, um ihr die Tatsache der bestandenen Aufnahmeprüfung auf dem Konservatorium mitzuteilen.
Als Helen vor sieben Jahren ihre Lungenarztpraxis aufgegeben hatte, stürzte sie sich in ein neues Abenteuer. Sie baute die Galerie aus und betrat ein völlig unbekanntes Gebiet. Sie lernte zwar auf dem Computer Bildbearbeitung, Erstellung von Katalogen und Durchführung von Ausstellungen, aber das Kunstgeschäft beherrschte sie nicht.
Nun hatte sie sich noch einmal einer Aufgabe zugewandt, die nichts mit ihrem Beruf zu tun hatte. Sie war nach Paris gekommen, um etwas über den Künstler zu erfahren, der in Berlin alles durch den Krieg verloren hatte, dessen künstlerischer Durchbruch 1951 in Paris begonnen hatte und über den sie ein Buch schreiben wollte.
Einige Tage nach der Begegnung mit Max klopfte es an ihre Tür. Es war die Concierge.
„Madame, das wurde heute Morgen für Sie abgegeben.“
Sie überreichte Helen einen großen, in Papier eingepackten Blumenstrauß. Es waren leuchtend rote Vogelbeeren. Helen war überwältigt. Das hatte sie nicht erwartet. Sie stellte den Strauß in eine Vase, die sie vom Schrank herunternahm und mit Wasser füllte. Die wunderbar farbenfrohen Zweige spiegelten sich auf der gläsernen Tischplatte.
Sie erinnerte sich an den Tag, als Max ihr das erste Mal im Gebirge Zweige mit saftigen orangeroten Vogelbeeren gebrochen und sie ihr statt Rosen überreicht hatte. Es war ein Tag voller Glück und Sonne gewesen. Mit freiem Oberkörper hatte sie ihre schönen Brüste an einer Felswand in der Hochgebirgssonne präsentiert. Max hatte sie wie eine Göttin angebetet. Er hatte ihr die Zweige der leuchtenden Vogelbeeren gebrochen, die auf einer Anhöhe als üppige Früchte der Ebereschen gereift waren. Er hatte ihren Körper damit geschmückt und sie als ewige Geliebte gepriesen.
Es muss wohl ein Märchen gewesen sein. Vielleicht war es ein Traum? Helen hatte nicht damit gerechnet, dass sie Max noch einmal im Leben treffen würde.
Eine Woche später hatte sie sich mit Max im Garten von Rodin verabredet. Max im Rollstuhl, mit einem Pfleger, den er weggeschickt hatte. Sie tasteten einander ab.
Helen bedankte sich für den wunderbaren Strauß roter Vogelbeeren. Aber sie ging mit Absicht nicht weiter darauf ein. Sie wollte nicht an früher erinnert werden, deshalb erzählte sie munter darauflos.
Helen berichtete von ihrem Vorhaben. Sie erzählte von der Gegend, wo sie wohne, Rue Balzac, im 8. Arrondissement. Sie sei nicht das erste Mal hier, sie miete immer die gleiche Wohnung, die ihr gefalle.
Sie lobte die gute Verbindung mit der Metro, vom Platz des Großen Sterns, drei Bahnen stünden ihr dort zur Verfügung und bis zum Bahnhof laufe sie fünf Minuten. Zu Fuß könne sie den Place des Ternes erreichen und somit auch den Parc Monceau.
Nun wurde sie von ihrem Vorhaben abgelenkt. Eine Begegnung mit Max hätte sie nie für möglich gehalten. In jungen Jahren hatte sie eine Liebesbeziehung zu diesem Mann gehabt.
Es war ein Intermezzo während eines Gebirgsaufenthaltes, wo sie als Betreuerin von asthmakranken Patienten von ihrer Klinik als Fachärztin abkommandiert wurde. Sie hatte viele Vorbehalte gehabt, das erste Mal musste sie die Familie allein lassen. War sie überhaupt der Aufgabe gewachsen, denn sie sollte die Verantwortung für viele kranke Menschen übernehmen.
Sie hatte wenig Erfahrung im Klettern, denn sie war nie im Hochgebirge gewesen, die Alpen kannte sie nur von Bildern. Es ging nach Bulgarien ins Witoschagebirge, das vor den Toren der Hauptstadt Sofia liegt und Bergesgipfel bis zu dreitausend Metern hat. Doch entgegen ihren Bedenken wurde es einer der schönsten Aufenthalte außerhalb ihrer Heimat.
Längst hatte Helen die Abenteuer im Witoscha begraben, aber im Unterbewusstsein schien es immer noch vorhanden. Max hatte ihr im Park von Rodin bei der Verabschiedung zugeflüstert: „Was machen deine Aufzeichnungen, die du mir damals versprochen hast?“
Helen hatte so getan, als habe sie es überhört. Aber es brach fast wie ein Wasserfall über sie herein, nachts konnte sie lange nicht einschlafen. In ihren Papieren bewahrte sie die damaligen Aufzeichnungen auf.
In den ersten Tagen ihres Pariser Aufenthalts hatte sie wenig Kontakte. Sie schrieb an den Memoiren des Künstlers, den sie vor zwei Jahren in Berlin und Paris ausgestellt hatte. Der jetzige Parisaufenthalt sollte weiteren Recherchen dienen, denn er hatte sich 1951 in Paris aufgehalten und es existierten Bilder aus dieser Zeit.
Manchmal war sie etwas verzagt, fühlte sich einsam, denn sie mied Kontakt mit Fremden, da sie die Sprache nicht perfekt beherrschte. So kam ihr die Begegnung mit Max nicht ganz ungelegen. Sie begegnete ihm mit gemischten Gefühlen. Sein Aussehen hatte sie erschreckt, ein alter, kranker Mann, seine Stimme, die unverändert warm und anheimelnd klang, berührte sie. Sie spürte, dass sie errötete. Ihr Herz schlug schneller. Sie wusste selbst nicht, wie sie zu ihm stand. Sie war neugierig und hatte der Verabredung zugestimmt.
Er hatte sie an ihr Versprechen erinnert, die Witoscha-Erlebnisse zu Papier zu bringen, worauf sie nicht eingegangen war.
Abends machte sie sich dann doch an die Schreiberei des Kapitels Witoscha. Sie konnte nicht schlafen. Sie schrieb und schrieb bis in die frühen Morgenstunden. Der Titel sollte heißen: Vogelbeerstrauß.
Die letzten Wochen vor Helens Abreise waren hart gewesen. Sie wollte sich freuen, denn sechs Wochen sollte sie ihre Arbeit in der Klinik verlassen, allen täglichen Problemen adieu sagen, den täglichen Kleinkrieg im Krankenhaus und Forschung hinter sich lassen. Sie konnte sich die neue Aufgabe noch gar nicht vorstellen. Asthmapatienten als Ärztin im Hochgebirge begleiten. Sie wollte sich das auch gar nicht vorstellen, es gab ja vor der Reise noch so viel zu tun, die Berichte, Gutachten mussten abgeschlossen, die Patienten mussten ordnungsgemäß übergeben werden. Ihre wissenschaftliche Arbeit musste unterbrochen werden.
Für persönliche Reisevorbereitungen hatte sie noch keine Zeit gefunden. Oft erwachte sie nachts, und die Gedanken kreisten um unerledigte Dinge.
Es war ein sonniger Spätnachmittag im September, als sie in die Stadt fuhr, um die letzten Kleinigkeiten für die Reise zu besorgen. Der Abend sollte dem Kofferpacken vorbehalten bleiben.
Als Helen gegen 7 Uhr abends nach Hause kam, sagte ihr Mann: „Zieh dich um, wir haben zwei Fuhren Stroh bekommen, es wird jeden Moment anfangen zu regnen, wir müssen uns sputen, alles trocken unter Dach und Fach zu bringen.“
Natürlich war Helen froh, dass der Wintervorrat für die Pferde vor ihrer Abfahrt gesichert werden konnte. Der Sommer war ziemlich nass gewesen, das Stroh war zum großen Teil auf den Feldern verfault. Ein Landarbeiter, den sie bestochen hatte – es war ja verboten, Stroh privat zu verkaufen –, hatte im richtigen Moment an sie gedacht. Wie nett von ihm.
Zwei Pferde wollten es im Winter auch schön warm haben. Sie ging gleich in den Stall und musste es ihren Lieblingen mitteilen. „Gutes Haferstroh haben wir bekommen, das fresst ihr ja so gerne, sechs Wochen werde ich nicht auf euern Rücken sein, ich werde euch sehr vermissen.“
Es dunkelte bereits, aber sie hatten die Arbeit geschafft, der Wintervorrat war trocken in die Scheune gekommen. Nun ging es ans Kofferpacken. Die Bergschuhe nahmen fast den halben Koffer ein. Eine Freundin hatte Helen gesagt, sie solle Kleider zum Tanzen mitnehmen, so sei es am Wochenende bei Kurgästen üblich. Es gebe dort eine wunderschöne Tanzbar, da könne man sich toll amüsieren. Na, so ein Quatsch, schließlich fuhr Helen zum Arbeiten ins Hochgebirge und nicht zum Vergnügen. Siebzig Asthmakranke sollte sie als Ärztin betreuen, ob da überhaupt noch Freizeit bleiben würde?
Mantel und Kleider mussten draußen bleiben; Hauptsache, etwas Warmes. Medizinische Notfallbestecke und Medikamente nahmen ihren Platz ein. Sie sollte für alle Zwischenfälle gewappnet sein. Sie wusste nur zu gut, was Nachtdienst bei Asthmatikern bedeutete. Zwei weiße Blusen und der grüne Rock passten noch in den Koffer.
Fünf Uhr war Treffpunkt auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld. Ihr Mann hatte sie zum Flughafen gefahren. Der Abschied war kurz, denn Helen war schon sehr aufgeregt. Es war das erste Mal, dass sie so lange Zeit von ihrer Familie getrennt sein sollte. Manchmal war sie einige Tage zu Kongressen gefahren, aber meist verbrachte sie ihre Freizeit in der Familie. Nach der Geburt ihres ersten Sohnes hatte sie unter starkem Heuschnupfen gelitten, ihr behandelnder Arzt hatte ihr eine Heilkur in Jugoslawien angeboten. Sie hatte es unfair gefunden, ihren Mann mit dem kleinen Kind allein zu lassen, und abgelehnt, was auf völliges Unverständnis ihres Arztes gestoßen war.
Jetzt hatte sie eine dienstliche Aufgabe, die sie gern wahrnahm. Die kleine Familie musste ohne sie auskommen.
Es war kurz nach 5 Uhr, in der Flughafenhalle herrschte ein reges Treiben. Menschen standen in Gruppen, manche schliefen sitzend auf den Bänken oder dösten neben ihrem Gepäck.
Helen hatte schnell die Gruppe der Kurpatienten gefunden. Ein Mitarbeiter der Sozialversicherung rief die Kurgäste nacheinander auf. Auch Helen bekam die Bordkarte und einen Dienstpass.
Sie beobachtete einige Herren, die heimlich aus dem Jackett die Sprayflasche zückten und noch schnell und verstohlen ein, zwei Stöße von dem belebenden Medikament inhalierten. Da wurde Helen auf einen jungen Mann in Lederjacke, Jeans, in salopper Haltung aufmerksam; den kannte sie, doch, mein Gott, der hier mit dem schweren Asthma? Zweimal hatte sie ihn in der Klinik reanimieren müssen, das heißt, er hatte so einen schweren Asthmaanfall gehabt, dass künstliche Beatmung notwendig gewesen war. Ein so schweres Krankheitsbild bedeutete ohne professionelle ärztliche Hilfe den sicheren Tod.
Sie hatte sich nicht geirrt, es war tatsächlich Manuel Hirsch. Und den sollte sie ins Hochgebirge mitnehmen? Es wäre besser gewesen, seine Mitreise abzulehnen. Doch dazu kam es nicht. Das Einchecken war schon in vollem Gange; Hirsch war einer der ersten in der Schlange, er war bereits durch die Passkontrolle. Helen konnte nicht zurück, sie musste dem Schicksal seinen Lauf lassen. „Hoffentlich geht das gut“, dachte sie. Jetzt hatte sie keine Eile mehr, sie wollte als Letzte durch die Sperre gehen.
Nachdem sie alle Patienten vorgelassen hatte, glaubte sie die Reihe als Letzte zu beschließen. Doch sie bemerkte hinter sich, in einigem Abstand, noch einen Herrn, ohne Handgepäck, ganz lässig in brauner Wildlederjacke, der eher aussah wie ein Geschäftsreisender, der jeden Tag flog, aber nicht wie ein Patient. Sollte der etwa von der „Kalten Hand“ sein?
„Kommen sie auch mit dem Flugzeug mit?“, fragte ihn Helen. Eigentlich eine dumme Frage, denn sie betraten bereits den Transitraum. Er bejahte höflich. Bis zum Abflug war noch eine Stunde Zeit. Helen kümmerte sich um verschiedene Patienten, vorwiegend um Manuel Hirsch. Sie konnte sich nicht entschließen, ihn zurückzuschicken, sicher erhoffte er sich in der Auslandskur noch eine Chance. Sie musste ihn mitnehmen. „Es muss gutgehen“, murmelte sie.
Endlich wurde der Flug aufgerufen und der Bus brachte die Gruppe zur Maschine. Es war eine Chartermaschine vom Typ IL-18 sowjetischer Bauart, die 1957 an den Start gegangen war, die sowjetische Luftwaffe hatte diese Maschinen eingesetzt. Bei der Interflug der DDR galt sie als sicheres Passagierflugzeug.
Helen stieg als Letzte ein, sie war nicht so gewandt, um sich einen guten Platz zu sichern. In der ersten Reihe war noch ein Platz frei. „Gestatten Sie, mein Herr, darf ich hier Platz nehmen?“
„Oh, bitte sehr, möchten Sie lieber am Fenster sitzen?“, sagte der Herr freundlich und erhob sich von seinem Platz.
„Nein, danke, der Platz ist gerade richtig.“ Hier hatte sie die Patienten und Flugbegleiter besser in der Sicht.
Helen merkte jetzt erst, dass sie neben dem Herrn saß, der bei der Passkontrolle hinter ihr gestanden war und den sie nicht als Patienten eingeordnet hatte.
Wer war das? Helen war neugierig, sie hatte ein wenig Herzklopfen, fasste sich aber sofort und war geradezu froh, nicht neben den schnaufenden Asthmatikern sitzen zu müssen.
Sie kamen bald ins Gespräch, die Zeitungen boten Anlass durch ihre Ernte-Erfolgsmeldungen. Durch den Pferdesport hatte Helen etwas Ahnung von der Landwirtschaft.
Sie äußerte natürlich sofort ihren Unmut über die Heu-und Strohmisere in der DDR. So ergab sich ein zwangloses Gespräch, was die Flugdauer verkürzen sollte.
Vor dem Abflug stellte sich heraus, dass ein Fluggast an Bord fehlte. Zur Kontrolle wurden alle namentlich aufgerufen. Aha, so konnte Helen auch den vollen Namen ihres Nachbarn feststellen.
Sein Name klang nach altem Adel, Max von Hartenstein, und promoviert war er auch. Am Ende des Fluges kannte Helen ein Stück seines Lebens, sie war ja als ärztliche Betreuerin sowieso bekannt.
Von der „kalten Hand“ war er sicher nicht, jedenfalls zweifelte sie daran. Er hatte die Kur wegen eines Emphysems, einer chronischen Überblähung der Lunge, bekommen.
Endlich war der fehlende Passagier noch an Bord gelangt und sie konnten starten.
Durch die Unterhaltung mit ihrem Nachbarn verging die Zeit wie im Fluge. Als sie sich Sofia näherten, hatte sich Helen mit ihrem Nachbarn so weit bekannt gemacht, dass einer über den Beruf und die Familie des anderen aufgeklärt war. Die Unterhaltung war locker, zwanglos, ohne Vorbehalte geführt worden, sie hätten sich wie bei jeder Reisebekanntschaft trennen können, jeder von beiden hätte das Gefühl eines recht angenehmen Fluges gehabt.
In Sofia bei sommerlicher Hitze angekommen, war die Drängelei in der Einreisehalle groß. Jeder musste sehen, wie er an sein Gepäckstück kam, das auf der rotierenden Scheibe an den Passagieren vorbeirollte. Nicht jeder konnte sich bei dem Gedrängel seines Eigentumes so schnell bemächtigen. Endlich hatte Helen ihre Gepäckstücke um sich gesammelt, natürlich hatte sie wieder viel zu viel mit, zwei Koffer, die Tasche, den Fotoapparat, eine Praktica, und dann noch den Stoffbeutel, den sie in der Eile der morgendlichen Abreise noch gegriffen hatte, um die bis dahin vergessenen Kleinigkeiten einzustecken. Da kam ihr der Reisebegleiter, den sie niemals als Patienten anerkannt hatte, schon zuvor, nahm ihr einen Koffer ab und sagte: „Geben Sie mir doch den Beutel, der passt ohnehin nicht zu Ihnen, Frau Doktor.“
Helen Simon glaubte etwas zu erröten, war doch der Ton etwas zu persönlich, gab den Beutel aber schnell in seine Hände. Der Busfahrer, der die Kurgäste ins Witoschagebirge bringen sollte, wartete bereits ungeduldig.
Für Helen gab es gleich eine Überraschung, am Bus warteten zwei junge Bulgaren mit einem riesigen Gladiolenstrauß, den sie Helen im Namen ihres Vaters überreichten. Helen hatte den bulgarischen Bergmann in Berlin behandelt. Sie hatte ihm nicht helfen können, denn er hatte eine ausgeprägte Silikose, eine Quarzstaublunge. Er befand sich noch in Berlin in der Klinik. Als Dank für ihre Bemühungen überreichten ihr die Söhne des Bergmanns diese herrlichen Blumen.
Vom Flughafen fuhren sie ein Stück durch die Stadt Sofia und dann ging es in einer fünfzehn Kilometer langen Serpentine durch den herrlichen Laubwald in die Berge, in das Witoschagebirge. Nach einer halben Stunde präsentierte sich der „Schwarze Berg“ der Gruppe ein seiner ganzen majestätischen Größe; an seinem Fuße empfing das Hotel „Prostor“ seine Gäste. Der Kurort nannte sich Aleko und lag auf 1800 Metern Höhe.
Nach bulgarischer Sitte wurden die Gäste im Foyer des Hotels vom Hotelchef begrüßt. Frauen mit blendend weißen Schürzen reichten den Gästen Salz, Salz vermischt mit dem thymianähnlichen Gewürz Tschubritza und Brot nach alter Sitte. Es verbreitete sich der Duft frischen Hefebrots, Gläser mit Mineralwasser, dem sogenannten Witoschasekt, standen bereit.
Nach einem kurzen Willkommensgruß wurden den Ankommenden von dem leitenden Arzt, der sich vorstellte als Dr. med. Karl Pflöcker, die Zimmer zugeteilt. Mein Gott, das war ja ein Kollege aus ihrem Studienjahr in Berlin. Ein hölzerner Typ, der getreu der Partei seine Pflicht erfüllte. Das Parteiabzeichen prangte auf dem Revers seines Jacketts. Helen zitterte leicht in Erwartung ihres Zimmers. Für die Ärzte gab es zwei Appartements, das hatte Helen schon in Berlin erfahren. Wie sollte sie es neben hustenden, schnaufenden Frauen schlafend aushalten? Sie konnte es kaum erwarten, ihren Schlüssel zu bekommen. „Frau Dr. Helen-Sophie Simon, Zimmer 444“. Es war ein ganz gewöhnliches Zimmer. „Ich sollte doch ein Appartement im ersten Stock erhalten“, fragte sie den Kollegen, ihr schwoll der Hals.
„Liebe Kollegin, wir haben nur zwei Appartements, eines bewohne ich, das andere ist für die Allgemeinheit, ein Arbeitszimmer für das Personal. Sie haben ein schönes Zimmer, ich habe es selbst besichtigt und sogar eine Zigarette drinnen geraucht. Ich denke, Sie werden zufrieden sein.“
Für Helen waren die Fronten geklärt. Sie konnte sich gar nicht beruhigen, sie war Nichtraucherin, dieser Schnösel hatte ihr auch noch die Luft im Zimmer verpestet. Von dem würde sie sich nichts sagen lassen, schließlich kam sie nicht von Hinterposemuckel, sondern aus dem besten Institut der DDR, wo man wusste, wie man mit Lungenkrankheiten umging; dieser Lackaffe konnte ihr nicht das Wasser reichen.
Sofort nahm Helen ihre Koffer und fuhr in den vierten Stock, schloss das Zimmer auf, ließ ihr Gepäck fallen. Sie riss die Fenster auf, denn es roch nach Rauch, aber der herrliche Blick vom Balkon übers Tal zu den fernen, hohen Bergen versöhnte sie. Allein würde sie es in diesem Zimmer aushalten, das Bad war in Ordnung, das Bett sauber. Helen war glücklich hier zu sein, sie wusste, dass es sehr schön werden würde.
Vor dem Abendbrot versammelte sich das Personal in dem geräumigen Arbeitszimmer, welches dem Personal in der Freizeit zur Verfügung stehen sollte. Jetzt musste Helen dem Kollegen beinahe recht geben. Die ganze Verantwortung für zweihundert Patienten hätte sie wohl nicht übernehmen mögen. Immerhin hatte der Leiter ja auch Order vom Gesundheitsministerium der DDR und musste dort Rechenschaft ablegen, was so einem Typen wie Dr. Karl Pflöcker, der immer Dienst nach Vorschrift machte, sicher nicht schwerfiel.
Die Patienten und das medizinische Personal wurden in drei Gruppen eingeteilt. Der dritte Arzt sollte erst morgen kommen.
Helen bekam eine Physiotherapeutin und eine Krankenschwester zur Seite, mit denen sie sehr zufrieden sein konnte, wie es sich im Laufe der Kur herausstellte. Fünfundsechzig Patienten waren in einer Gruppe, für die Helen die Verantwortung übernehmen musste, sechs Wochen mit Patienten zusammenleben, Tag und Nacht, mit Asthmatikern, die plötzlich keine Luft bekamen. Sie hatte in Berlin genug Dienste absolviert und kannte die nächtlichen Kalamitäten.
Hartenstein gehörte nicht zu Helens Gruppe, darüber war sie froh, denn sie fühlte ganz deutlich, dass sie ihm nicht entkommen würde. In der Ankunftshalle hatte er sie fixiert, sie war seinem Blick ausgewichen, hatte aber gespürt, dass er sie abgetastet, ausgezogen, berührt hatte; er wollte sie haben. Sie war hypnotisiert, würde sie seinem Begehren nachgeben?
Sie wehrte sich, schlief gut in dem fremden Bett bei offenem Fenster, ließ die Hochgebirgsluft herein und bestaunte am Morgen den Sonnenaufgang hinter den Bergen.
Am Vormittag untersuchte Helen ihre Patienten, eine Krankenschwester und zwei Physiotherapeutinnen unterstützten sie und standen ihr stets wohlwollend zur Seite. Es waren Patientinnen aus den Büros, manche schon invalidisiert, Männer aus der Landwirtschaft, aus der Braunkohle, einige wenige zwischen dreißig und vierzig Jahren mit akademischen Berufen. Es wurden Gruppen für Wanderungen zusammengestellt, gemäß dem Gesundheitszustand und Schweregrad der Krankheit.
Natürlich wollten die dreißigjährigen Männer die Gipfel stürmen. In Helens Gruppe befand sich ein besonders sportlicher, intelligenter junger Mann, der Landkarten lesen konnte und Hochgebirgserfahrung hatte, denn er war erst kürzlich im Kaukasus gewandert. Helen kürte ihn, Peter Hirsekorn, zum Wanderführer.
Paris
Es war Donnerstagvormittag. Als Helen den Park betrat, sah sie Max schon im Rollstuhl neben der Bank, gegenüber von dem riesigen Skulpturenwerk „Das Höllentor“. Seinen Begleiter hatte er weggeschickt.
Helen konnte es immer noch nicht begreifen, ausgerechnet hier in ihrem Lieblingspark musste sie ihn treffen. Sie fragte ihn, ob er sich zu ihr auf die Bank setzen könne.
„Ja, natürlich, wenn du mir ein wenig beim Aufstehen behilflich bist.“ Er war abgemagert, seine Schultern hingen herab, die eine mehr als die andere. Als sie ihm aus dem Rollstuhl geholfen hatte, merkte sie, dass ihm die ersten Schritte nicht recht gelangen. Er klebte am Boden. Seine Beine begannen zu zittern. Er musste sich auf Helen stützen. Aber er schaffte es in kleinen Trippelschritten bis zur Bank, die mit einem Kissen ausgestattet war, das Helen mitgebracht hatte.
Nun saßen sie vor dem großen Werk von Rodin „Das Höllentor“ (La Porte de l'Enfer). Siebenunddreißig Jahre hatte Rodin an diesem riesigen Werk gearbeitet, beeinflusst von Dantes „Göttlicher Komödie“ und Baudelaires „Die Blumen des Bösen“. Wie konnten wir kleinen Menschen die Darstellung erfassen? Leben und Tod. Die vielen Gestalten, die den existenziellen Kampf gegen Hoffnungslosigkeit und endgültigen Tod führen. Es war unmöglich, alles nachzuvollziehen, auch wenn man lange auf die zahlreichen Figuren blickte. Einige der Figuren hatte Rodin im Großformat geschaffen. Die sind uns eher zugänglich, zum Beispiel „Der Denker“, der im Eingangsbereich des Gartens aufgestellt ist, oder „Les Trois Ombres“, die drei einander zugewandten Figuren, welche über dem Werk schweben. Seine Handicaps übergehend, begann Max über das Werk zu plaudern, Dantes „Göttliche Komödie“.
„Es ist eine der berühmtesten Dichtungen des Mittelalters. Dante, 1265 als Sohn eines Handschuhmachers in Florenz geboren, wurde mit der ‚Göttlichen Komödie‘ zum größten Dichter des Mittelalters. Er irrte durch den Wald, ein Verfemter, ein Vogelfreier, der von Florenz vertrieben worden war, weil er der sogenannten Schwarzen Partei angehört hatte.
Er beschreibt sein Leben in dem Epos als Vision. Er fühlt sich verloren. Doch da erscheint ihm Vergil, der 70 bis 19 vor Christi lebte und das große römische Epos ‚Aeneis‘ gestaltete, als Retter.
So wird Dante geführt durch die personifizierte Weisheit Vergils, der von Beatrice geschickt ist, der früheren Geliebten von Dante, die mit 24 Jahren verstarb. Sie will den Geliebten erleuchten, will ihn erretten.
Von Vergil geleitet durchschreitet Dante die neun Kreise von oben nach unten zur führenden Hölle. Rodin stellt in diesem Werk die Qualen, Marterungen und Bestrafungen nach unmenschlichen Verbrechen dar. Wenn man Dante nicht ein bisschen kennt, kann man diese Skulpturen nicht begreifen.
Sieh, im oberen Bereich sind die Geschöpfe aufgestellt, welche mäßige Schuld auf sich geladen haben. Es sind dies die Lauen, die Indifferenten, Verzagten, die Jammernden, Egoisten, die weder Fisch noch Fleisch waren, nichts im Leben geleistet haben. Sie gehören weder in die Hölle noch ins Paradies. Aber sie haben in der Vorhölle mit ihrem abgelebten Leben ihren elenden Platz erhalten.
In der zweiten Ebene büßen die Sünder, die sich der Leidenschaft der Liebe hingegeben haben, die den sexuellen Trieben nachgaben. Auch sie werden ob ihrer Ausschweifungen bestraft und von furchtbaren Orkanen durch die Ewigkeit gepeitscht. Dante führt Helena, Kleopatra, Semiramis, Achill, Paris, Tristan an.
Meine Liebe, dazu gehören auch wir.
