Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
"Volle Kraft voraus" ist die mystische Abenteuergeschichte über den Kapitän Anando Onderzoeker, auf seiner Forschungsreise im Jahr 1781. Lebensbedrohliche Herausforderungen erinnern ihn daran, dass unsere Realität ein Spiegel unserer Innenwelt ist und wir die Schöpfer sind, die bewusst oder unbewusst kreieren, was wir erfahren. Wie können die Erlebnisse gedeutet werden? Welche Botschaften stecken in den Bildern? Der Roman kann als historische Seefahrergeschichte, als visionärer Zukunftstraum der Menschheit oder als spirituelle Liebesgeschichte gelesen werden. Anando Onderzeoker wirft seine alten Konzepte und Illusionen über Bord und gelangt auf eine tropische Insel, wo die Menschen im Einheitsbewusstsein leben. Hier erfährt er tiefe Selbsterkenntnis und findet sein weibliches Pendant. Sie war es, dem sein Herz von Anfang an gefolgt war. Der Kreis schließt sich und er teleportiert sich mit Joanna in seine alte Heimatstadt Den Haag, wo sie gemeinsam Freunde und Mitbürger an ihre Wahrheit erinnern. Doch sind die Menschen zur Zeit der Französischen Revolution schon bereit für ein Erwachen in die bedingungslose Liebe? Die Herzen rufen nach Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, während der alte Trennungsschmerz das Vertrauen in ein neues WIR auf jede Weise prüft. Lass dich inspirieren und erinnern auf deiner magischen Reise der Selbsterkenntnis. Viel Spaß!
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 560
Veröffentlichungsjahr: 2022
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Lieber Mensch, der du das Buch jetzt in den Händen hältst, ich wünsche dir von ganzem Herzen eine wundervolle, inspirierende und magische Lesereise mit diesem Roman, der sich in kein Genre einordnen lässt. Er lädt dich ein, Geist und Herz weit werden zu lassen und das Mysterium des Lebens in dir zu erinnern, welches auch nur jenseits von Kategorien und Schubladendenken erfahrbar wird. Du bist ein großes Licht, und das wird hier in all seiner Schönheit, Klarheit, Kraft und Liebe gebraucht, um den Traum von Mutter Erde zu realisieren: eine erwachte Menschheit, die, in Frieden und Harmonie mit allen Lebensformen, ein liebevolles Miteinander kreiert, wo jeder Mensch sein volles Potenzial als freies Schöpferwesen verwirklichen kann. Auf dem Weg dorthin dürfen wir uns erforschen, in aller Tiefe erkennen und alte Lasten und Illusionen über Bord werfen. In diesem Abenteuer befindet sich auch Anando Onderzoeker, der Kapitän der Turtle. Er ist mit seiner Mannschaft auf Forschungsreise im nördlichen Polarmeer unterwegs, als ihm sonderbare und sehr herausfordernde Hindernisse erscheinen, die ihm zu unerwarteten Erkenntnissen verhelfen.
Die Einheit, nach der wir uns sehnen, liegt in uns. Das, was wir im Außen wahrnehmen und erleben, ist eine Projektion von dem, was wir uns innerlich kreiert haben. Ja, wir sind machtvolle Schöpferwesen und dürfen uns der riesigen Verantwortung bewusst sein, die wir haben, mit unseren Gedanken und Gefühlen. Viel Spaß beim Lesen!
Tine Sonami Corazón schrieb das Buch in den Jahren ihrer spirituellen Wanderschaft durch Europa und Übersee von 2015 – 2019. Ihr Auftrag liegt darin, die Menschen wieder an ihre Essenz zu erinnern. So hilft sie mit Coachings, Seminaren, Naturerlebnissen und Büchern, bei der Wiederentdeckung unseres wahren Seins als freie Schöpfer.
Das Buch schrieb sich durch sich selbst, während Tine es bezeugte. Sie las, was sie aufschrieb, und staunte über das Abenteuer, das sich vor ihr entwickelte, ohne selbst zu wissen, wohin es führte. Erst Monate und Jahre später, verstand sie die Aktualität und die tieferen Aussagen der Geschichte. Ihre individuelle Reise ist auch unsere kollektive Reise. Die Bilder und Symbole unseres Lebens zu entschlüsseln und sich wieder der weisen Stimme des Herzens anzuvertrauen, ist das Anliegen dieses Buches. Seine Geschichte lädt ein zur Hingabe an den Weg des EINEN Herzens.
Kontakt zur Autorin über die E-Mail-Adresse: [email protected]
Prolog
Mitspieler der Geschichte
Erster Teil
Der Eisberg
Ein kleiner grüner Stein
Auf dem Weg zur Quelle des Klangs
Wir leben!
Ein Gespräch im Vertrauen
Unerwarteter Besuch
Alles ist Klang
Gedanken über die Liebe
Unglaubliche Entdeckung
Die Prüfung
Eine spannende Unterhaltung
Die grünen Wasserpflanzen
Gefangen im Labyrinth
Die Beratung der Seefahrer
Louis erzählt von seiner Vision
Der Geduldsfaden reißt
Meuterei auf der Turtle
Die neue Galionsfigur
Wut im Bauch
Vorne am Bug
Der Erwachte
Geh, wenn du willst!
Es gibt keine Trennung
Über den eigenen Schatten springen
Die Haseninsel
Das Reinigungsritual
Der Mannschaftskristall
Unglücksbote oder weiser Führer?
Das Beschleunigungsphänomen
Ein paar Schritte ins Nichts
Der Übergang
Zweiter Teil
Eine wichtige Botschaft
Die Sprache der Inselbewohner
Das Begrüßungsfest
Annahme der Geschenke
Der zweite Raum
Ein wonniglicher Morgen
Lebendige Häuser
Das Wunder
Mein Namenslied
Schöpfer ohne Alter
Im Visionstempel
Weltenwanderer
Einladung zum Abendessen
Der Baum und der Ast
Im Zimmer von Joanna
Joannas Entscheidung
Der grünblaue Fisch
Libela
Die Auflösung des Selbst
Gedanken wie Flöhe
Der neue Tag
Erinnerung zur Rückreise
Der letzte Nachmittag auf der Insel
Die Abreise
Dritter Teil
Neue Protagonisten
Zurück in Den Haghe
Überraschte Gesichter
Du bist frei
Mama!
Die Schule des Lebens
Ein Blick in die Zukunft
Unverhoffte Zaungäste
Im Kreis der Freunde
Eine natürliche Geburt
Der göttliche Schoß
Wie lautet mein Name?
Die Gemeinde begrüßt den verlorenen Sohn
Der Tanz von Engeln und Dämonen
Pastor Canticums Angst
Die Beerdigung von Anandos Mutter
Ich bin der Lotus
Bäcker Moritz
Wie Viele bist du?
Polizei im Haus
Was fehlt dir wirklich?
Ein Flugblatt aus Frankreich
Die Weisheit der Stille
Bereit zur Abreise
Onkel Niels
Ein Überfall mit Folgen
Ich bin nicht mein Körper!
Eine saftige Überraschung
In der Mitte sein und bleiben
Gute Nachricht aus Paris
Es geht los!
Offene Worte
Eine unendliche Geschichte
Voilà, sie ist die Bühne der Handlung, ein in den Niederlanden gebautes Handelsschiff, das zu Forschungszwecken umgebaut wurde.
Doch nicht nur das, die Turtle, also die Schildkröte, ist wie alle Materie von Bewusstsein durchdrungen und dient den Seefahrern als Heimat und schützendes Nest auf ihrer Reise durch unbekannte Gewässer des hohen Nordens. Sie bekam den Namen „Die Schildkröte“, weil sie ein sehr dickbauchiges Schiff ist, das nach oben hin schmaler wird und an der Unterseite abgeflacht ist. Der flache Boden erlaubt es, das Schiff zur Not für Reparaturen auf den Strand zu setzen. Die Turtle ist 32 Meter lang und 7 Meter breit. Sie hat 3 Masten, 6 Kanonen und einen großen Laderaum, der Proviant für 18 Monate fasst. Schon mit einer kleinen Besatzung von 8 bis 22 Mann kann sie sicher und leicht gesegelt werden. Für ihre Zeit des späten 18. Jahrhunderts ist sie ein schnelles und wendiges Segelschiff.
Er ist der Kapitän der Turtle. Anando ist ein attraktiver Niederländer mit blauen Augen und wuscheligen, dunklen Haaren. Er trägt die typische Kapitänskleidung des Rokoko und ist zu Beginn der Geschichte 49 Jahre alt.
Anando ist in der kleinen Siedlung ’s-Gravenhage (heute Den Haag) geboren und aufgewachsen. Er liebt die Seefahrerei, da er auf seinen Reisen immer Neues lernen und entdecken kann. Seine Mannschaft beschreibt ihn als abenteuerlustig, mutig, unkonventionell, gerecht und herzlich. Doch ist er in seinem Verhalten für manche Männer schwer einzuschätzen, da er sich immer neu erfindet und in keine gedankliche Schublade passt. So braucht es schon eine ordentliche Portion Vertrauen, Liebe und geistige Beweglichkeit, um mit ihm als Kapitän klarzukommen.
Der Name Onderzoeker, was auf Niederländisch „Forscher“ heißt, geht auf seinen Großvater zurück, der sich als angesehener Botaniker selbst diesen Namen gab. Anando bedeutet auf Nordafrikanisch „Glückseligkeit“ und auf Bengalisch „Freude“. Doch das wusste seine Mutter nicht. Als sie das Kind zum ersten Mal sah, wie es sich gebärdete und lachte, hielt sie es an ihr Herz und dachte: „Der hat mal das Kommando!“ Also reimte sie und nannte ihn Anando.
Joanna, auch liebevoll Janna genannt, ist Anandos Freundin. Sie lebt ohne Kinder und ohne Mann in einem schönen großen Haus mit Garten am Rande von Den Haag (früher Den Haghe geschrieben).
Jedoch wohnen zwei Angestellte und einige Haustiere mit auf dem Grundstück. Sie fühlt sich oft allein und wartet auf Anando, dass er zurückkehrt von seiner Reise. Anando schreibt Joanna Berichte in Form von Tagebuchaufzeichnungen, die er allerdings keine Gelegenheit hat abzusenden, da er sich mit seiner Besatzung im Jahr 1781 irgendwo auf der Nordwestpassage zwischen Grönland und Kanada befindet. So hat sie seit langer Zeit keine Nachricht von ihm bekommen. Die Leute im Ort vermuten, dass die Turtle längst gesunken ist, und haben den Kapitän samt Besatzung aufgegeben, ganz im Gegensatz zu Joanna.
Interesse hat sie ebenso wie Anando an der Entdeckung und Erforschung der Natur, weshalb sie oft und gerne ausgedehnte Spaziergänge und Reitausflüge in die umliegende Landschaft von Den Haghe macht.
Professor Dr. Verbeelding ist ein gutmütiger, intelligenter, fantasievoller und körperlich sehr schlanker Biologe, Physiker und Philosoph.
Er erforscht zusammen mit Anando die Tier- und Pflanzenwelt während der Reise. Der schon etwas ältere Professor spielt gerne auf einer kleinen Harfe, singt dazu und kennt sich mit der heiligen Geometrie aus.
Dr. med. Peter Obemärkt ist der Schiffsarzt und Astrologe auf der Turtle.
Er ist mit Anando seit der Kindheit befreundet. Er trägt eine kleine Brille mit runden Gläsern und hat eine Glatze. Peter ist etwa 53 Jahre alt und wirkt deutlich älter als Anando. Das liegt wohl auch an seinem kugeligen Bauch und dem roten, meist schwitzigen Gesicht. Emotional ist er schnell aus dem Gleichgewicht zu bringen. Er hat einen sehr hohen Anspruch an sich und steht gerne im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.
Leutnant Le Baudacieux ist ein ansehnlicher, stämmiger, lauter Mann aus der höheren Bürgerschicht, der wegen einer Kriegsverletzung aus der Armee ausgestiegen ist und nun aus Abenteuerlust an der Forschungsreise teilnimmt. Er ist Franzose und als Decksoffizier für die Ordnung an Deck zuständig. Er setzt gerne disziplinarische Maßnahmen durch und spielt sich als Chef auf. Innerlich fühlt er sich jedoch oft wie ein kleines, ängstliches Kind. Er hat viele Fragen in seinem Kopf und unterhält sich lieber mit dem Professor oder Doktor, als den anderen Männern bei der Arbeit zu helfen.
Francis Lewin ist der erste Steuermann auf dem Schiff und hat den Rang eines Unteroffiziers. Er ist ein großer kräftiger Mann mit dichtem Bart, resolut und willensstark. So wie das Steuer und den Kompass, hat er gerne die Dinge selbst in der Hand und weiß, wo es langgeht. Wehe, wenn dem nicht so ist.
Leendert ist der Schiffszimmermeister. Er ist ein freundlicher muskulöser Däne mit blauen Augen. Er ist der stärkste Mann an Bord und hat ebenfalls die Position eines Unteroffiziers, was bedeutet, dass er kleinere Gruppen von Seeleuten anleiten und kommandieren darf. Er soll außerdem für Disziplin an Bord sorgen. Viele Männer mögen ihn, da er sich für Gerechtigkeit einsetzt und Streitereien geschickt beendet. Leendert ist ein stiller Mann und wie sagt man doch: Stille Wasser sind tief.
Matthew Tjener ist der Segelmachermeister auf der Turtle. Er fertigt, repariert und wartet die Segel in geschickter Handarbeit und kennt sich bestens mit der optimalen Einstellung der Segel aus. Er reist seit vielen Jahren mit Anando über die Meere und hat sich als beständiger Helfer verdient gemacht. Matthew gehört schon zu den älteren Männern an Bord.
Einst waren seine leichtfüßige Wendigkeit und Schnelligkeit bei den Manövern hoch angesehen. Doch die harte Arbeit an Bord hat ihre Spuren hinterlassen und Matthews Glieder schwer werden lassen. Geboren wurde er in dem englischen Örtchen Brighton.
Klaas Smaak ist der Schiffskoch oder auch Smutje genannt. Klaas kommt aus Amsterdam und ist ein alter Freund und Vertrauter von Anando.
Er arbeitet schon lange als Koch auf der Turtle. Klaas isst gerne und viel und sieht dementsprechend dick aus. Mit seinen dünnen fettigen Haaren an der Seite, der speckigen Glatze obendrauf und seiner dreckigen Küchenschürze erscheint Klaas immer etwas schmierig und unappetitlich. Dennoch kann er gut kochen und ist beliebt bei den Männern.
Er hat auf der langen Reise keine leichte Aufgabe, die hungrigen Mäuler der Besatzung mit abwechslungsreichen Mahlzeiten zu verwöhnen.
Maarten ist der erste Matrose. Er ist schon länger im Dienst von Anando und übernimmt vielfältige Aufgaben an Bord. Er durchlebte eine schwere Kindheit und floh schon in jungen Jahren auf die Turtle, um ein neues Leben anzufangen. Er sucht kämpferische Auseinandersetzungen und freut sich über jede Prügelei. Daher wertet und schimpft er schnell über andere Menschen, um einen Grund für Streit zu haben. Maarten ist ungeduldig mit sich und anderen. Er wird als schwatzhaft und abergläubisch angesehen.
Aber er ist auch sehr kreativ und kann gut singen, tanzen und reimen, womit er die Mannschaft gerne unterhält.
Peet Jormun gilt als zweiter Matrose. Er ist Ostfriese, intelligent, mutig, und hat eine schlanke Figur. Er ist ein ehrlicher Kerl, der gerne viel redet, wobei so mancher glaubt, er denke sich seine Geschichten nur aus, um die Männer zu foppen.
Heinrich Bock ist ein weiterer junger Matrose. Er kommt aus Deutschland und sein bester Freund ist Jannes. Heinrich ist anfänglich sehr unsicher.
Doch durch die Erlebnisse auf der Reise gewinnt er Selbstvertrauen und innere Ruhe. Er ist ein freundlicher, tüchtiger und hochgewachsener Typ mit einem großherzigen Verhalten. Auf andere Seefahrer wirkt er herrschaftlich, sodass man ihn respektvoll wie einen Offizier behandelt. Er ist der Gehilfe des Steuermanns Francis Lewin.
Jannes van Deisen ist ein junger Seefahrer aus den Niederlanden. Er hat sehr helle Haut, lange blonde Haare und sieht fast wie ein Mädchen aus.
Jannes kommt aus einer Familie mit heilerischen Fähigkeiten. Er schnitzt gerne und ist auch sonst handwerklich sehr begabt. Oft näht er die Kleider der Besatzung oder repariert die Fischernetze.
Ihm ist eine hohe Sensibilität eigen, die für Matrosen eher untypisch ist. Um sich innerlich vor dem rauen Umgangston an Bord zu schützen, verschließt er sich und wirkt dann auf die anderen unnahbar und gefühllos. Wenn Jannes aufgeregt ist oder zu schnell denkt, stottert er.
Jacob Hannsen ist ein weiterer niederländischer Matrose. Er hat eine kräftige Statur und einen derben Umgangston. Er ist nicht besonders gebildet, hat aber ein gutes Gespür dafür, andere zu unterstützen, wenn sie Hilfe brauchen. Er übt sich in Gehorsam, da er sich gerne rebellisch und aufmüpfig verhält. Männer wie Jannes oder Connor hält Jacob für Weicheier, um die er lieber einen Bogen macht.
Conchobar, genannt Connor, ist ein schottischer Seefahrer, schlank und mit knochigen Beinen. Wenn möglich, trägt er Wollröcke und karierte Kniestrümpfe. Er hat Wikingerblut in sich, blaue Augen und rote kräftige Haare. Diese werden von ihm zu zwei eleganten Zöpfen geflochten. Er tanzt mit Vorliebe und trinkt auch gerne mal einen über den Durst. Manche Seefahrer mögen seinen Humor und andere wiederum finden Connor seltsam verklemmt und bieder. Connors Art erinnert an einen exzentrischen, englischen, homosexuellen Lord, weshalb er von einigen Männern den heimlichen Spitznamen „der Schoßhund“ bekommen hat.
Hawksby ist englischer Abstammung. Er ist der zweitstärkste Mann an Bord und ein typischer robuster Matrose, der hart arbeiten kann und wenig Interesse an dem eigentlichen Inhalt der Reise hat, nämlich der Erforschung der Tier- und Pflanzenwelt. Er hat die Eigenart, sich schnell mal als Opfer zu fühlen und jammert gerne herum, wenn er krank ist oder Arbeiten aufgebrummt bekommt, auf die er keine Lust hat. Durch einen Unfall hat er eine große Narbe im Gesicht, wodurch seine rechte Mundhälfte nach unten hängt und ihm ein stets grimmiges Aussehnen verleiht.
Francisco ist Spanier und ein temperamentvoller, ansehnlicher Typ mit dunkelbraunen Augen. Mal ist er wunderbar zärtlich und mitfühlend zu seinen Kameraden, dann wird er plötzlich schnell wütend und reagiert aggressiv, besonders dann, wenn er sich abgelehnt oder falsch verstanden fühlt. Im zivilen Leben ist er Schmied gewesen, weshalb er an Bord für die Wartung und Reparatur der Werkzeuge, Feuerwaffen und Kanonen zuständig ist.
Juan ist der jüngste Schiffsjunge und zum ersten Mal auf einer Reise mit Anando dabei. Der fröhliche Portugiese kennt sich mit Mathematik gut aus und malt gerne Bilder von Pflanzen und Tieren. Er ist auch sehr tierlieb, weshalb er auf dem Schiff die Aufgabe hat, die lebend mitgeführten Tiere, wie Hühner, Kaninchen und eine Ziege, zu versorgen.
Louis ist ein kleinwüchsiger, dunkelhäutiger Italiener mit glänzenden schwarzen Locken. Für ihn ist Anando sein großes Vorbild und er redet den Kapitän mit „geliebter Maestro“ an. Er ist für die Reinigung der Einzelkabine von Anando, der Unterkunft von Professor Dr. Verbeelding und Leutnant le Baudacieux, sowie der Kabine von Peter Obemärkt zuständig. Louis ist schüchtern und fühlt sich oft getrennt von den anderen Besatzungsmitgliedern.
„Volle Kraft voraus!“, rief Mr. Onderzoeker und ging aufs Vorderdeck, um sich alleine den Eisberg anzusehen, auf den sie zufuhren. Es war Nachmittag und die Sonne stand strahlend an einem wolkenlosen blauen Himmel.
Die See war ruhig und das Wasser so türkisblau, dass man meinen konnte, auf glitzernden Edelsteinen zu fahren. Die Turtle war ein wunderschönes großes Segelschiff, das schon gute 13 Jahre im Dienst ihres Kapitäns stand.
Nun erwartete die Crew, dass in der nächsten Nacht das Unglück passieren würde. Alle hatten sie den Eisberg gesehen. Groß, hellblau und wunderschön lag er in seiner ganzen Pracht vor ihnen. Unbezwingbar, dachten alle, die sich mit Eisbergen auskannten. Warum bloß wollte Mr. Onderzoeker nicht darum herum segeln? Warum beabsichtigte er ausgerechnet jetzt, wo die Turtle so weit ins nördliche Polarmeer vorgedrungen war und wundervolle, nie dagewesene Entdeckungen über die Tier- und Pflanzenwelt gemacht hatte, gegen einen Eisberg zu fahren? Schon vor Tagen hatten ihn der erste Steuermann Francis Lewin und Professor Dr. Verbeelding auf den Eisberg aufmerksam gemacht und dem Kapitän eine Kursänderung vorgetragen.
Doch Anando Onderzoeker hatte nur langsam den Kopf geschüttelt und gesagt: „Wir bleiben auf Kurs, Lewin.“ Seitdem war die Mannschaft nicht wiederzuerkennen. Alle wussten, dass dies nun das Ende der Turtle und damit eines jeden Seefahrers bedeutete. Doch eine Meuterei kam für sie nicht infrage. Zum einen deswegen, weil sie Mr. Onderzoeker allesamt verehrten wie ihren eigenen Vater und es ihnen wie Verrat erschien, ihn in der Stunde seines letzten Befehls alleine zu lassen, zum anderen, weil er klargestellt hatte, dass er denjenigen sofort erschießen lassen würde, der es wagte, gegen seinen Befehl zu handeln.
Wie in Trance führte die Mannschaft ihr Tagewerk aus. Alle bereiteten sich innerlich auf ihr Ableben vor. „Ihr pickt wie kranke Hühner im Salat herum!“,
schimpfte der Schiffskoch Klaas Smaak, als es endlich Mittagessen gab.
„Ich habe heute das beste Fleisch gekocht, das wir im Vorratsraum hatten.
Ich dachte, ich mache euch eine Freude damit.“ Heinrich schaute vom Essen auf und sagte bitter: „Meinst etwa, uns ist nach Freudenjubel, Smutje, wenn wir daran denken, dass das schöne Fleisch im Bauch eh gegen den Eisberg geschleudert wird. Ist doch egal, ob’s in der Speisekammer hängt oder in unseren Bäuchen mit uns untergeht. Vorbei ist vorbei!“
„Hör auf, Heinrich!“, rief Juan und fing gleich an zu weinen.
Leendert, der Schiffszimmermeister, legte seinen Arm um Juan.
„Wein ruhig Junge, lass laufen.“
„Hab so gehofft, meine Mama wiederzusehen“, schluchzte Juan, der erst vor einem Jahr als Schiffsjunge auf die Turtle gekommen war.
„Wollte ihr doch mein verdientes Geld bringen, damit sie sich endlich einen Webstuhl kaufen kann.“ Die Männer schwiegen.
Seit drei grausamen, unendlich lang erscheinenden Tagen wussten sie nun, was der Kapitän beabsichtigte. Da es ihnen unmöglich war, den Kapitän von seinem irrwitzigen Vorhaben abzubringen, hatten viele von ihnen zumindest innerlich gegen den Befehl aufbegehrt und mit seltsamen Krankheiten darauf reagiert. Nun saßen sie mit ihren Gebrechen an der langen Tafel und mussten an das letzte Abendmahl denken. Maarten fielen die Haare büschelweise aus. Peet konnte nicht mehr laufen, weil sich seine alten Wunden an den Füßen und Beinen entzündet hatten. Francisco hatte heftige Fieberblasen im ganzen Gesicht bekommen. Matthew, der Segelmachermeister, klagte über weiße Schlieren vor den Augen, die ihn befürchten ließen, blind zu werden. Connor litt plötzlich unter einer schmerzhaften Mittelohrentzündung und Louis rannte den ganzen Tag nur noch mit Nasenbluten umher. Die ganze Besatzung war ein Bild des Jammers.
„Warum ist Onderzoeker jetzt nicht bei uns? Könnte uns zumindest das letzte Gebet geben, wenn er uns schon zum Teufel jagt“, meinte Peet, der zweite Matrose, schwermütig.
„Ach der Wahnsinnige!“, rief Jacob vom Ende des Tisches herüber. „Soll er doch in seiner Kajüte ersticken, wenn wir an den Eisberg krachen. Ich will ihn gar nicht mehr sehen!“ Jannes lief los.
„Ich hole ihn. Er braucht vielleicht auch etwas Gesellschaft jetzt.“
„Hundsflott!“, schrie Jacob ihm nach und verstummte augenblicklich, denn da tauchte plötzlich Anando Onderzoeker, der Kapitän, vor ihnen auf und lächelte sie liebevoll an.
„Meine Herren, ich bin Ihnen eine Erklärung schuldig.“
Alle blickten sie von ihren Tellern hoch und schauten ihn erwartungsvoll an.
„In meinen Seekarten befindet sich kein Eisberg an dieser Stelle. Auch sind weder Untiefen noch eine Insel eingezeichnet. Es handelt sich, meinen Forschungen nach zu schlussfolgern, um eine besondere und ungewöhnliche Art von Fata Morgana, die unseren Augen einen Streich spielt. Wir können problemlos durch sie hindurchfahren.“
Niemand der Männer glaubte ihm. Leendert, der Schiffszimmermeister, wagte es als Erster, die betretene Stille zu brechen. „Sir, bitte verzeihen Sie meinen Zweifel, aber könnte es sein, dass noch niemand zuvor diese Passage gefahren ist und demnach noch niemand dieses Eismassiv gesehen und auf einer Karte vermerkt hat?“
„Ja, und außerdem verschieben sich solche Berge gerne, das habe ich mal gehört. Heute sind sie hier und morgen dort, und kein Schiff weiß vorher, wo so ein Berg plötzlich auftaucht“, schwatzte Maarten ungeduldig und ängstlich dazwischen. Der Kapitän hob leicht seine Hand.
„Bitte Ruhe, meine Herren. Ich habe, durch eigene Zweifel ausgelöst, das Eismassiv untersucht und festgestellt, dass dieses Eis so weich ist wie Zuckerwatte auf dem Jahrmarkt. Es beunruhigt mich eher, dass ich durch meinen Beschluss, den Eisberg zu durchdringen, in Ihnen, meine Herren, so eine Unruhe und Sorge auslöse, dass Sie mir alle krank werden. Doch kann ich Ihnen mit aller Bestimmtheit mitteilen: Auch ich will leben und werde es, so wahr ich Anando Onderzoeker heiße. Diese Durchfahrt wird in die Geschichte der Seefahrt eingehen. Nicht als Katastrophe, sondern als Geist und Seele reinigende Erfahrung für jeden gestandenen Seefahrer.
Also beruhigen Sie sich, und schonen Sie Ihre aufgerauten Nerven.
Heute Abend gegen 20:10 Uhr werden wir den Eisberg rammen. Gehen Sie bis dahin in die Mannschafträume, und bewahren Sie Ruhe.
Wer Dienst hat, möge sich mit dem Lied der Heiligen Katharina die Zeit vertreiben.“ Der Kapitän schaute in die Runde, verbeugte sich leicht und drehte dann auf dem Absatz um und verschwand in seiner Kabine.
Es dauerte eine Weile, bis die Worte des Kapitäns bei den Seeleuten wirklich angekommen waren. Nach einer Weile des Schweigens brachen sie miteinander in heftige Diskussionen aus.
„Wie kann er denn den Eisberg untersucht haben? Wir sind doch noch gar nicht da“, fragte Francisco in die murmelnde Runde.
„Vielleicht hat er telepathische Kräfte und kann in die Zukunft schauen oder Materialien in Gedanken auf ihre Zusammensetzung testen“, überlegte Jannes laut. „Kindskopf“, zischte Connor, der sich vor Schmerzen die Ohren zuhielt und von dem ganzen Gerede nichts hören wollte. Für ihn war der Kapitän ein Selbstmörder und noch dazu ein verrückt gewordener Henker der ganzen Besatzung.
„Wo hast du denn diesen Blödsinn aufgeschnappt?“, fragte Peet.
„Ist kein Blödsinn!“, verteidigte sich Jannes. „Meine Oma hat auch mit den Organen anderer Leute reden können und so herausgefunden, was sie brauchen, damit es ihren Besitzern wieder gut geht.“
„Du denkst doch wohl nicht, der Kapitän hat mit dem Berg geredet? Du bist ja schon ganz blass im Gesicht!“, brummte Klaas, der Schiffskoch, und wuschelte Jannes besorgt durch den blonden Haarschopf.
„Feine kühle Haut, genauso hellblau wie das Eis“, murmelte Jacob. „Werden noch alle verrückt hier, so wie der Alte.“
„Wahrscheinlich weiß er als Einziger von uns, dass wir hier unten in den Gewässern keine Überlebenschance haben, da ist es doch besser, er bringt uns wie Ratten um“, überlegte der stark erkältete Matrose Hawksby laut.
„Schluss jetzt, Männer!“ Francis Lewin, der erste Steuermann, stand auf und schlug mit der Faust auf den Tisch, dass die Teller und das Besteck durch die Gegend hüpften. „Ihr benehmt euch wie alte Waschweiber. Hört meine Worte: Unser Kapitän wird wie immer im letzten Moment den Befehl zum Wenden geben. Er wird uns das Ruder herumreißen und 90 Grad Backbord fahren lassen. Glaubt mir, Männer, der will uns nur prüfen. Aber dann heißt es schnell sein wie die Wiesel und nicht nachdenken.“
„Bravo, Lewin!“, klang eine Stimme. „Ich erinnere mich, das hat er schon einmal gemacht. Das war vor Honduras, als...“
„Ach was, Maarten“, fuhr Matthew dazwischen, „der Captain hat das Spielchen mit uns schon mindestens sieben Mal gespielt. Ich weiß das, ich repariere die Segel der Turtle nun schon, seit Mr. Onderzoeker auf ihr fährt.“
Matthew Tjener verzog vielsagend das Gesicht.
„Dann lasst uns jetzt in unsere Kojen und Hängematten gehen und uns ausruhen, bevor der Wendebefehl erklingt“, schlug Louis vor.
„Für dieses Manöver brauchen wir sicher unsere ganze Kraft. Es wäre nicht das erste Mal, dass die Mannschaft dabei fast ums Leben kommt“, fügte Jacob hinzu. Die Männer standen auf und verzogen sich, jeder dorthin, wo er sich am rechten Platz fühlte.
Leutnant Le Baudacieux lief unruhig die Reling entlang. In seinem Kopf polterten die Fragen durcheinander. Wie ein hilfloses Kind wandte er sich an den Mann, der soeben seinen Weg kreuzte.
„Was meinen Sie, Sir?“ Leutnant Le Baudacieux trat neben den Schiffsarzt und Astrologen Peter Obemärkt. „Sie kennen den Kapitän seit vielen Jahren.
Haben wir eine Chance oder handelt sich bei dem Vorhaben um den bloßen Wahnsinn eines in die Jahre gekommenen Seefahrers? Ich bin zutiefst besorgt. Nach meinem Wissen hat noch nie ein Schiff einen Eisberg durchfahren.“
Mr. Obemärkt zog seine Brille von der Nase und wischte sich den Schweiß aus dem roten Gesicht. „Es ist wahr, ich kenne Anando seit unserer Kindheit. Er hatte schon immer ausgefallene, ja mitunter auch sehr waghalsige Ideen. Dafür kennen und lieben wir ihn. Aber dieses Experiment geht auch für meinen Geschmack einen gehörigen Schritt zu weit. Mein lieber Le Baudacieux, ich kann Ihnen im Moment keine Auskunft darüber geben, denn... ich weiß es selbst nicht. Die Sterne stehen derzeit in einer Konstellation am Himmel, die mir sehr unheimlich erscheint. Ich weiß sie nicht zu deuten, und das ist mir in den vielen Jahren meines Dienstes auf See noch nie passiert. Warten wir es also ab.“
Die Stimmung an Bord lud sich auf wie eine Wolke vor dem Gewitter. Die Männer warteten in höchster Anspannung auf den Abend und den Aufprall gegen den Eisberg. Die See war ruhig, und die Segel der schönen Turtle leuchteten blutrot in der untergehenden Sonne. Langsam und unaufhaltsam glitt sie dem riesigen Eisberg entgegen. Es war fast, als lächelte sie, als ein Wind aufkam und sie Fahrt aufnahm. Die Spannung an Bord stieg.
Währenddessen lag Anando Onderzoeker in seiner Koje und schrieb Tagebuch.
„1. Dezember 1781. Wir befinden uns direkt vor einem wunderschönen Eisberg. Die Mannschaft ist seit drei Tagen in heller Aufregung, weil ich den Befehl erteilte, mit vollen Segeln unsere Route beizubehalten und nicht vom Kurs abzuweichen. Janna, du weißt, ich würde nie einen Befehl erteilen, der mich und die Mannschaft ins Unglück stürzt. Ich habe nur dieses eine Leben, und ich gebe es nicht für einen Eisberg her, der mir in die Quere kommt. Die Männer fragen sich, warum ich nicht um den Eisberg herumfahren lasse. Doch sie kennen mein Geheimnis nicht. Sie ahnen ja nicht, was ich höre. Janna, ich muss es dir schreiben, weil ich sonst platze vor Freude und Aufregung. Du bist die Einzige, der ich mich anvertrauen kann. Also höre: In der Nacht vor dem 27. November besucht mich eine Frau im Traum.
Ich kenne sie nicht. Ihr Name ist Libela, und sie sieht aus wie ein Engel oder eine Fee. Zuerst erschrecke ich vor dem unerwarteten Gast, doch sie lächelt mich freundlich an und sagt zu mir: „Anando, lausche dem Gesang deines Herzens. Folge ihm ohne Umwege. Durchquere alle Hindernisse, die dir erscheinen. Liebe und achte deine Ängste, so wie du deine Mannschaft liebst und ehrst. Alles wird gut.“ Sie verbeugt sich vor mir und drückt mir unauffällig etwas in die Hand. Als ich am Morgen erwache, halte ich in meiner Hand einen kleinen grünen Smaragd. Ich frage mich, wo der Stein herkommt, doch dann fällt mir der Traum wieder ein. Mir ist sehr seltsam zumute, denn ich höre ein Geräusch, das mir zuvor nie aufgefallen war und das ich nicht zu orten weiß. Langsam begreife ich, dass es irgendetwas mit dem Stein auf sich haben muss, denn der kleine Stein beginnt zu vibrieren, als ich mich auf die Suche nach dem Ursprung des Geräusches mache.
Dieser Ton ist mehr ein Klang, ein sehr feiner, hoher Klang, der mich im Innersten trifft. Den ganzen Tag bleibt dieser Klang hörbar. Er scheint überall zu sein und doch aus einer bestimmten Richtung zu kommen. Ich spüre ganz stark, dass mein Herz von diesem Klang angezogen wird. Manchmal verliere ich die Orientierung und kann nicht mehr ausmachen, ob der Klang aus meinem Inneren kommt oder von außen. Doch wenn ich dann den Stein in meine Hand nehme und ihm sage, bring mich zu der Quelle des Klanges, so beginnt er deutlich zu vibrieren, und ich sehe mit einem Mal eine feine leuchtend rote Linie, die von mir ausgeht und in die Ferne zeigt. Joanna, diese Linie führt direkt durch den Eisberg! Von irgendwo hinter dem Berg oder aus seinem Inneren muss dieser Klang herkommen. Nein, es ist ein Lied, und ich muss es finden! So lange schon bin ich auf den Meeren herumgeirrt, habe so vieles erforscht und der Welt mit ihren Fragen gedient.
Doch niemals wusste ich etwas mit so großer Bestimmtheit wie dieses!
Niemals lag mein Weg so eindeutig und zweifellos vor mir. Es ist mir völlig klar, dass ich keinesfalls um den Eisberg herumfahren darf. Ich werde, so wie der Engel Libela mir sagte, das Hindernis ohne Umwege durchqueren und alle meine Ängste mitnehmen. Liebste Joanna, wahrscheinlich hört sich das sehr verrückt für dich an, und du glaubst sicher, ich bin hier im hohen Norden von einer Geisteskrankheit heimgesucht worden. Auch für mich ist es aufs Höchste wunderlich und neu, atemberaubend, faszinierend und von grenzenloser Schönheit, so wie dieses leuchtend blaue Meer in der Abendsonne. Ich werde jetzt zu den Männern gehen, sie erwarten sicher ungeduldig meinen Befehl zum Wenden.
Bis bald, meine Liebe. A.O.“
Als Anando Onderzoeker aufs Deck trat, war es bereits dunkel geworden.
Wie er geahnt hatte, stand seine Mannschaft schon in voller Ausrüstung zum Ablassen der zwei Rettungsboote bereit. Jeder der Männer hatte sich eine Schwimmweste umgelegt sowie ein Messer zum Schutz vor den Raubfischen am Gürtel befestigt. Die zwei Beiboote waren gefüllt mit Rudern, Proviant, Trinkwasser, Decken für die kalten Nächte und Sturmlaternen mit Öl. Auch Treibanker, Sicherheitsleinen, Angeln und Eimer hatte die Besatzung in die Boote gelegt. Sie wollten auf das Schlimmste vorbereitet sein und hatten doch wenig Hoffnung, dass zwei kleine Rettungsboote in diesen fernen nördlichen Gewässern jemals von einem anderen Schiff gefunden und geborgen werden würden.
Für eine Wendeaktion war es für die Turtle seit wenigen Minuten zu spät!
Gigantisch ragte der Eisberg vor ihnen in die Höhe. Ein milchiger Mond an einem frostig kalten Nachthimmel beleuchtete die tödliche Szene. Die Turtle, so groß und sicher sie auch gebaut war, wirkte plötzlich wie eine kleine, zerbrechliche Nussschale in einem unendlich tiefen, schwarzen Meer. Sie würde in wenigen Minuten untergehen und nichts für die Nachwelt von sich übrig lassen, darin waren sich die Männer einig. Alle, bis auf Anando Onderzoeker. Der stand still am Bug und hielt den kleinen grünen Stein fest in der Hand. Das Lied klang hell und klar in seinen Ohren, und der rote Strahl aus feinem Licht drang immer noch geradeaus durch den Eisfelsen vor ihm. Ja, er hatte Angst, Angst vor dem Tod, so wie seine Männer.
Aber er war bereit, für dieses Abenteuer sein Leben zu lassen. Er glaubte an sich und seine Wahrnehmung und war bereit, es mit dem Tod aufzunehmen, wenn der Ruf seines Herzens es erforderte.
Einige Männer begannen nun, zu singen und laut zu beten, wieder andere standen wie versteinert da und starrten auf den nachtblauen Berg.
„Wäre es nicht besser gewesen, wenigstens Befehl zum Ablassen der Beiboote...“ Anandos Gedanke wurde unterbrochen. „Festhalten!!!“, schrie jemand. Da machte es auch schon Knnnaaaaauuuuuoooommmmmmmm...
Leise und ohne die Fahrtgeschwindigkeit zu verringern, drang die Turtle in das Eis ein. Die Männer erschraken. Niemand verstand, was geschah. Es hatte keinen Aufprall gegeben. Das überstieg das Fassungsvermögen der Seeleute. Einige von ihnen fielen in Ohnmacht, andere legten sich zum Schutz vor dem Eisberg flach auf den Boden. Es war dunkel, und die Mannschaft glitt wie blind in den Gletscher hinein. Professor Dr. Verbeelding lag auf dem Rücken und lauschte. „Das ist unmöglich! Kein Mast bricht, kein Segel reißt, nicht ein einziges Seil scheint sich zu spannen. Wo sind wir?
Wenn ich bloß besser gucken könnte!“ Aufzustehen traute er sich nicht, und weil sich um ihn herum niemand bewegte, schlief er schließlich ein. Anando ging es nicht besser. Auch ihn befiel eine tiefe Müdigkeit. Ihm war, als würde die Turtle durch einen unendlich weichen Vorhang fahren, der alle Gedanken und Sorgen von ihm abwischte. Als er es endlich wagte, die Augen zu schließen, bemerkte er, dass der rote Strahl für ihn dennoch sichtbar blieb.
Das beruhigte ihn, so konnte er seinem Weg zur Quelle des Klanges auch im Schlaf fortsetzen. Oder wurde er von dem seltsam schönen Lied geführt und zu sich gezogen? Er wusste es nicht. Mit diesen Gedanken schlief er ein.
Als der nächste Morgen erwachte und die Sonne über den Horizont stieg, stand die Turtle still und friedlich auf einem purpurblauen, windstillen Meer.
Eine klare, frische, ja fast süßliche Luft weckte die Besatzung.
Der erkältete Hawksby stand als erster auf und hustete einen dicken grünen Brocken Schleim über die Reling ab. Peter Obemärkt stellte sich neben ihn und sagte: „Lass dir heute von Smaak Salbeiblätter geben, und kaue diese während des Tages.“ Dann schaute er in die Ferne und wurde sich bewusst, wie seltsam normal seine ärztliche Anweisung klang. Hätten sie nicht eigentlich alle tot sein müssen? Doch als er in die Runde schaute, sah er die ganze Mannschaft, wie am Abend zuvor, mit ihren dicken Korkwesten auf dem Deck. Nur lagen sie jetzt alle auf dem Boden und hatten still und friedlich das Abenteuer verschlafen. Jeder einzelne hatte die Passage durch den Eisberg überlebt. Oder irrte er sich, und sie waren alle längst gestorben und irgendwie in einem Seefahrerhimmel gelandet? Während er noch grübelte, drangen ganz ähnliche Gedanken der erwachenden Mannschaft in seine Ohren.
„Wo sind wir?“ rief Francisco laut und blickte sich um. Maarten, der erste Matrose, kletterte auf den Mast und hielt Ausschau nach dem Eisberg, den er nirgendwo sehen konnte. Auch Prof. Dr. Verbeelding und Francis Lewin suchten mit ihren Ferngläsern nach dem Eisberg. Es war ein Rätsel. Keiner der Männer wusste, wie sie durch den Eisberg gekommen waren und wo sie sich nun befanden. Das Allerseltsamste jedoch, so empfanden alle, war der spurlos verschwundene Eisberg. „Es ist völlig unerklärlich, wie wir den Eisberg lebend durchqueren konnten, ohne dass uns und dem Schiff irgendein Härchen gekrümmt wurde, aber noch viel seltsamer ist doch der Umstand“, sprach Francis Lewin, „dass es überhaupt keinen Eisberg mehr gibt!“ Etwas unsicher und hastig fügte er hinzu: „Selbst wenn wir mit Höchstgeschwindigkeit von dem Berg fortgesegelt wären, wonach es nicht den Anschein hat bei diesem Flautewetter, müsste er am Horizont sichtbar sein.“ „Ja, da stimme ich Ihnen zu, Lewin“, entgegnete Prof. Dr. Verbeelding.
„Wir sahen den Berg ja auch über drei Tage lang vor uns liegen, bevor wir ihn rammten.“
Heinrich und Jannes näherten sich zögerlich ihrem Kapitän. Dieser lag noch immer regungslos und mit geschlossenen Augen auf dem Bug und tat, als schliefe er. Er spürte die beiden Männer näher kommen und beendete seine seltsame Unterhaltung mit dem Engel Libela. „Guten Morgen, ihr zwei, kommt ruhig näher, ich bin schon wach.“ Erst jetzt öffnete er die Augen und setzte sich auf. „Da haben wir ja was Feines erlebt, was?!“ Er lachte hell auf, sodass sich die ganze Besatzung nach ihm umdrehte und angelaufen kam.
Mr. Onderzoeker stand nun auf und hob den Arm. „Wir leben!“
Die Mannschaft brach in laute Jubelschreie aus. Sie hoben ihren Kapitän in die Luft und trugen ihn wie den Torschützenkönig nach einem gewonnenen Fußballspiel über das Deck. Dabei sangen und tanzten sie wild und vergaßen ganz ihre Krankheiten und Gebrechen. Sichtlich erleichtert über den Ausgang der Eisbergdurchquerung setzten sie sich auf Befehl des Kapitäns neugierig und mit tausend Fragen in ihren Köpfen um Anando Onderzoecker im Kreis herum, auf die alten blank gescheuerten Holzbohlen der Turtle. Leutnant Le Baudacieux reichte Onderzoeker eine Flasche Wasser zu trinken und setzte sich ebenfalls zu der Mannschaft. Der Kapitän schaute schweigend in die Runde. Jedem Einzelnen blickte er lange offen in die Augen. Gespannt warteten alle darauf, dass er mit dem Reden begann.
„Meine treuen Gefährten“, sagte Mr. Onderzoeker schließlich. „Wisst ihr, dass wir nur deshalb leben, weil ihr mir vertraut habt und mir gefolgt seid?“
Ein Murmeln der Verwunderung ging durch die Mannschaft. „Ja, ich weiß, ihr habt gezweifelt und hattet Angst, ihr Ungläubigen. Ihr wartetet bis zuletzt auf meinen Befehl, das Schiff vom Kurs abzubringen und vor dem Eisberg zu retten. Ihr wart bereit zum Absprung auf die Beiboote, aber...!“
Er hielt inne und genoss die Spannung in den Gesichtern der Männer.
„Ihr seid bei mir geblieben! Keiner von euch hat sich meinem Befehl widersetzt und ist geflohen, obwohl ihr dachtet, dieser Berg sei euer sicherer Tod. Eure Treue und Hingabe haben mir die Kraft gegeben, das scheinbar tödliche Vorhaben zu meistern.“ Er trank einen Schluck aus der Flasche und schaute seine Besatzung liebevoll an. „Ich danke euch dafür. Ehre sei euch und höchste Würdigung für diesen mutigen Dienst. Einige von uns sind erst neu auf dem Schiff, doch ich war ohne Zweifel an euch. Mein Vertrauen ist bewiesen worden. Ihr seid es wert, an Bord zu sein. Deshalb leben wir.
ALLE!“ Wieder brach die Mannschaft in einen lauten Jubel aus.
Mr. Onderzoeker unterbrach nach kurzer Freude über seine Besatzung mit einer leichten Handbewegung den Trubel und sagte: „Ich möchte euch etwas anvertrauen, Männer.“ Anando Onderzoeker sprach langsam und mit feierlicher Stimme. „Mich führte mein Herz durch diesen Berg. Es gab für mich nur diesen Weg. Ich war mit allen Teilen meines Selbst bereit, für diese Erfahrung zu sterben. So lehrte mich das Leben, dass die Liebe den Tod als... Illusion entlarvt!“ Er schwieg eine Weile und wartete die Reaktionen der Männer ab. Betretenes Schweigen lag auf der Mannschaft und ein leises Schluchzen war von Juan, dem neuen Schiffsjungen, zu hören, der an seine Mama dachte. Selbst den gestandenen Männern Matthew Tjener und Jacob Hannsen standen die Tränen in den Augen. Peter Obemärkt, der Schiffsarzt, nahm seine Brille ab und kratzte sich damit am Kopf. „Sir, ich habe eine Frage.“ „Gerne, Doktor, schießen Sie los“, sagte Anando, sichtlich erleichtert darüber, dass der alte Astrologe die Stille unterbrach.
„Wie es den Anschein hat, befindet sich unsere Mannschaft noch auf demselben Schiff. Doch ich grüble und grüble darüber nach, in welchem Gewässer wir uns befinden und ob die Durchquerung des Eisbergs uns in ein anderes Land, na ich wollte fast sagen‚ gezaubert hat.“
„Gute Frage, Doktor! Sehen Sie: Wie ich die Sache verstehe, gibt es parallele Welten, zwischen denen wir bei Bedarf und Interessenlage wechseln können.“ Peter Obemärkt zog seine Stirn in Falten, als versuchte er, sich angestrengt an etwas zu erinnern. „Ich glaube, Sir, ich kann Ihnen nicht folgen“, bemerkte er nach einer Weile und rief damit eine kleine Unruhe unter den Männern wach.
„Ich auch nicht!“, rief Louis. „Nee, mir ist’s auch schleierhaft“, brummte Peet und sah dabei auf seine Wunden an den Füßen, die sonderbarerweise fast sämtlich über Nacht geheilt waren.
„Hört, Männer!“, unterbrach Anando das Gemurmel. „Mir ist diese Möglichkeit selber neu. Heute Morgen hat mir ein zartes Weib im Traum darüber berichtet, und ich vertraue ihr, da sie allen Anschein nach meinen Weg kennt.“ Wieder ging ein Raunen und Murmeln los, das Mr. Onderzoeker barsch unterbrach. „Jawohl, ihr habt richtig gehört: WEIB und TRAUM. Und ich bin noch geistig klar, wenn ihr das wissen wollt.“ Damit beendete er abrupt seine Rede und ging ohne ein weiteres Wort in seine Kabine. Dort warf er sich auf sein Bett und weinte. Er wusste, dass ihm keiner der Männer unter Deck folgen würde, und so ließ er seinen Gefühlen freien Lauf. Seine angespannten Nerven zeigten ihm, wie überfordert er und seine Mannschaft sich fühlten. Er spürte, dass sie Zeit und Ruhe brauchten, um das nervenaufreibende Geschehen der letzten Nacht zu verarbeiten. Der Himmel meinte es gut mit ihnen. Die Sonne schien, und das Meer, auf welchem auch immer sie sich derzeit befanden, lag ruhig und friedlich.
Während die Männer den Tag ohne Kommandos mit Schlafen und Essen verbrachten, versuchte sich der Kapitän darüber bewusst zu werden, was geschehen war und wie ihr Weg weitergehen sollte.
„Vielleicht hilft mir das Schreiben, etwas Klarheit zu finden“, dachte Anando und öffnete sein Tagebuch.
„2. Dezember 1781. Janna, liebste Joanna!“, begann er mit Feder und Tinte in das dicke ledergebundene Reisetagebuch zu schreiben. „Heute Nacht haben wir es geschafft. Der Eisberg ist durchquert, und wir leben noch.“
In dem Moment klopfte jemand an die Tür seiner Kapitänsstube.
„Sir! Sind Sie wach?“ „Mr. Onderzoeker, wir müssen mit Ihnen reden!“
Anando erkannte die Stimmen und klappte sein Buch zu. Er atmete tief ein und rief mit brummigem Ton „Herein!“
In der Tür standen Heinrich und Jannes.
„Was gibt es, Männer? Seht ihr nicht, dass ihr mich stört?“
Jannes räusperte sich verlegen und schaute betreten zu Boden.
„Wir bitten um Verzeihung, Sir, aber wir würden Sie nicht stören, wenn es nicht von Wichtigkeit wäre“, sagte Heinrich schnell und hielt sich dabei verunsichert an seiner Hose fest.
„So!“, entgegnete Onderzoeker und zog seine Augenbraue herausfordernd hoch. Er hatte wenig Lust auf eine Unterhaltung über Dinge, die andere für wichtig hielten, und am allerwenigsten, so spürte er, wünschte er sich eine Unterhaltung mit diesen Grünschnäbeln. Die beiden warteten, dass der Kapitän sie zum Sprechen aufforderte. Doch dieser beobachtete die zwei jungen Burschen eine Weile und konnte sich weder dazu entschließen, sie hereinzubitten noch sie wieder wegzuschicken. Endlich hielt es Jannes nicht mehr aus und sagte leise: „Sir, wir waren heute Nacht wach.“
Mr. Onderzoeker wachte plötzlich aus seinen Gedanken auf und sagte zornig „Schließen Sie endlich die Tür, Bock, oder wollen Sie da anwachsen!?“ Heinrich tat wie ihm befohlen, und beide setzten sich auf Anweisung des Kapitäns auf eine kleine Bank in der Nähe des Schreibtisches.
„Dann mal los, Männer, berichten Sie, aber einer nach dem anderen und ...“,
er legte vielsagend seinen Zeigefinger auf den Mund, „schonen Sie dabei meine Nerven.“ Die beiden jungen Männer schauten sich an, und dann begann Jannes mit der Berichterstattung. „Ich wurde von einem Gesang wach. Ich weiß nicht, wie lange ich ohnmächtig war oder geschlafen habe, aber irgendwann, mitten in der Dunkelheit, weckte mich ein ro-rotes, rorosenfarbenes Licht“, sagte Jannes leicht stotternd. „Was reden Sie da?“,
fuhr Mr. Onderzoeker den Jungen an, „weckte Sie nun ein Licht oder ein Ton?“ Der Kapitän schien seltsam aufgeregt und ungeduldig.
„Mit Verlaub, Sir, ich w- weiß es nicht mehr, aber ich sah überall dieses rorosenfarbene Licht, und von ihm, glaube ich, ging diese Melodie aus. Ich war sehr verwundert, weil ich nicht wusste, wo ich war und dachte zu träumen, aber da kam Heinrich auf allen Vieren neben mich gekrabbelt und schüttelte mich heftig.“ „Ja, Kapitän, ich wollte aus diesem komischen Traum aufwachen, und da ich mich ja selber nicht schütteln kann, schüttelte ich Jannes“, sagte Heinrich und fasste Jannes, der links neben ihm saß, kräftig an seine rechte Schulter und schüttelte ihn. „Aber wir wachten beide nicht auf. Ich fragte Heinrich, ob er auch diese Farben und den Klang hört, und er sagte Ja.“ „Und warum habt ihr mich nicht geweckt?“, fragte Anando Onderzoeker vorwurfsvoll. „Es war uns unmöglich“, antwortete Jannes kleinlaut.
„Was heißt das, unmöglich?“ Der Kapitän stand auf und lief um seinen Tisch herum. „Wir, wir waren wie, wie... gefesselt!“ Heinrich suchte atemlos nach Worten. „Naja, eigentlich waren wir schon frei, ja, aber... es war so schön.“
Fast flüsterte Jannes, als er das sagte. Der Kapitän schlug mit der Faust auf den Tisch. „Ihr habt mich schlafen gelassen, weil das Licht so schön war?
Das ist unglaublich!“
„Lassen Sie es uns erklären, Sir, bitte!“
„Gut, reden Sie, van Deisen, aber seien Sie sich darüber im Klaren, dass ich Sie...“ Der Kapitän sprach nicht weiter. Er wurde sich bewusst, dass seine Strenge übertrieben war und er damit nur seine eigene Berührtheit überspielen wollte. Nie würde er die Burschen für ihr Erlebnis bestrafen lassen. Eher wünschte er sich, ihnen mit offenem Herzen seinen nächtlichen Traum anvertrauen zu können. Mit einem Mal hasste er die sozialen Konventionen und Verhaltensweisen, die ihren unterschiedlichen Ständen auferlegt waren, und er fühlte sich gefangen in seiner eigenen Rolle als Kapitän. Einige Augenblicke der Stille vergingen, in denen niemand ein Wort herausbrachte.
„Schon gut, Männer“, sagte Anando Onderzoeker etwas heiser und holte aus seinem Schrank drei wertvolle Kristallgläser und füllte sie mit Branntwein. „Auf unser Erlebnis!“, sagte er und trank sein Glas in wenigen Zügen leer. Jannes und Heinrich griffen überrascht und begeistert nach der seltenen Einladung, die vor ihnen auf dem Tisch stand. Als wäre es süßer Traubensaft, gossen sie sich den hochprozentigen Alkohol in ihre Kehlen.
„So und nun weiter, van Deisen, ich unterbrach Sie.“
Der Kapitän ließ sich wieder in seinen Stuhl fallen und lauschte der Erzählung seiner Matrosen. Jannes van Deisen fuhr fort: „Es war, als glitten wir durch eine Wolke. Wir konnten nichts sehen, das heißt, keine Eiswände oder irgendetwas vom Schiff oder der Mannschaft. Ich glaube, nur weil wir beide so nahe nebeneinandersaßen, sahen wir uns.“ Jannes guckte fragend zu Heinrich, und dieser nickte kräftig. Dann sagte Heinrich: „Das rosa Licht machte hungrig. Ich wollte unbedingt dorthin, wo es herkam. Ich wurde sehr aufgeregt, aber es war mir unmöglich, aufzustehen und irgendwo hinzugehen. Diese Sehnsucht tat richtig weh. Dir ging es doch auch so, oder?“
Jannes, der mit seiner Antwort zögerte, schaute unsicher zu Mr. Onderzoeker und sagte schließlich: „Sir, es ist mir unangenehm vor Ihnen, ich meine, es kam mir so vor, als verlangte ich nach etwas, das mir nicht gehörte. Ich dachte, das ist unrecht von mir, so tief zu fühlen. Es war doch für Sie, nicht wahr, Sir?“
Anando Onderzoeker standen die Tränen in den Augen. Er goss sich noch ein Glas Branntwein ein und trank hastig davon. Seine Hände zitterten. Die Jungen schwiegen. Schließlich holte Anando Onderzoeker seinen grünen Stein aus der Hosentasche und zeigte ihn den Matrosen.
„Er führt mich“, sagte der Kapitän leise. Die Männer verstanden nicht, was das bedeuten sollte und schauten ihn verständnislos an.
„Dieser Smaragd kennt meinen Weg. Er hilft mir, dem roten Strahl zu folgen, der von meiner Seele direkt durch den Eisberg in eine mir unbekannte Richtung führt. Nicht aus dem Berg kommt das Lied, was ihr gehört habt, es kommt von meinem Ziel, einem Ort, den ich nicht kenne, aber, so wahr mir Gott helfe, finden werde. Ich kann mir eure Wahrnehmung nur damit erklären, dass der Berg durch seine Eiskristalle das Lied für euch hörbar gemacht hat. Eiskristalle sind in der Lage, jede Schwingung zu verstärken und zu transportieren. So habt ihr vermutlich auch das Licht sehen können, das von mir ausstrahlt.“ Mehr zu sich selber sagte er: „Es muss also das Innere des Berges erleuchtet haben!“ Anando Onderzoeker schwieg einen Moment, um sich der Tragweite seiner Worte klar zu werden. Dann dachte er laut: „Der Berg hat sich mir hingegeben.“ Er kratzte sich am Bart und fuhr in seiner Überlegung fort: „Es war ihm unmöglich, sich in seiner festen kristallinen Struktur aufrechtzuerhalten, da mein JA so unabdingbar und felsenfest stand.“ Anando schaute die Matrosen an und sagte: „Ist euch bewusst, was das bedeutet, Männer?“
Jannes und Heinrich guckten, als säße ein Dinosaurier vor ihnen.
„Haltung, Männer“, ermahnte sie Mr. Onderzeoker.
„Euer Bericht klingt auch nicht gerade wie ein Sonntagsspaziergang durch den Hyde Park in London. Ich vertraue euch, und ihr vertraut mir. Also, ich sagte es ja bereits: Der Eisberg ist so weich wie Zuckerwatte, eine Fata Morgana, eine Einbildung, die verschwindet, wenn man seinem Ziel treu ist und dem Leben bedingungslos dient.“ Er stand auf, ging ans Fenster und öffnete es. Jannes drehte sich schnell zu Heinrich und flüsterte ihm ins Ohr:
„Ich habe diese Liebe, als wir im Berg waren, spüren können.“ Heinrich drehte sich zu Jannes und flüsterte zurück: „Ich auch, es hat mich fast zerrissen. Ich glaube, der Kapitän ist in Gefahr.“ „Wieso?“, flüsterte Jannes verwirrt. Mr. Onderzoeker kam auf die Jungen zu und fragte: „Gefahr?
Wovon redet ihr? Glaubt ihr, ich sei verrückt geworden?“
„Ne-ne-ein!“ Heinrich schüttelte verunsichert den Kopf und versuchte, sich umständlich für seine voreiligen Worte zu entschuldigen. Der Kapitän forderte sichtlich genervt die Jungen auf, seine Kabine zu verlassen. Die beiden Matrosen folgten eiligst dem Befehl des Kapitäns und schlossen die Tür hinter sich. Anando setzte sich seufzend auf seinen großen runden, mit Leder bezogenen Armstuhl. „Endlich Ruhe“, dachte er. Versunken schaute er auf das Tagebuch, das vor ihm auf dem Schreibtisch lag. Nun fühlte er sich viel zu müde, um seinen Bericht fortzusetzen. In den nächsten Tagen, so hoffte er, würde er Joanna schreiben, das nahm er sich fest vor.
Und wirklich, das Leben meinte es gut mit der Turtle und ihrer Besatzung.
Auch wenn sie weiterhin keine Kenntnis darüber gewinnen konnten, auf welchem Meer sie sich befanden und wie ihre genaue Position war, erfreuten sie sich doch an einer See, die voller köstlicher Fische war und ihnen reichliche Mahlzeiten bescherte. Das war auch gut so, denn auf einem unbekannten Gewässer herumzusegeln, das auf keiner Seefahrerkarte eingezeichnet ist, erforderte doch einiges an Vertrauen. Natürlich stellten sie sich Fragen, wie lange sie noch gesund bleiben würden. Sie tauschten sich darüber aus, dass es für ihr Überleben notwendig war, dass sie bald eine Insel entdeckten, wo sie sauberes Trinkwasser fanden und essbare Früchte, Wurzeln oder zumindest ein paar frische Kräuter.
Doch weit und breit waren keine Inseln in Sicht. Anando und einige seiner Leute kannten die gefürchtete Seefahrerkrankheit Skorbut schon von früheren Reisen. Sie wussten, dass diese Krankheit durch einseitige Ernährung hervorgerufen werden konnte, wie zum Beispiel durch den hauptsächlichen Verzehr von Pökelfleisch und Schiffszwieback. Zum Glück hatte der bisherige Speiseplan aus viel frischem Fisch und Seerobbenfleisch bestanden, welches Vitamine enthielt, die vor Skorbut schützten. Doch von der Existenz heilkräftiger Vitamine in frischem Fleisch, Fisch oder Obst, die, vorbeugend gegessen, Skorbut und andere Krankheiten verhinderten, wusste keiner der Seefahrer. Ihnen war lediglich bekannt, dass Zitrusfrüchte wie Zitronen und Orangen zur Heilung von Skorbut eingesetzt wurden. Doch die wenigen Flaschen mit eingekochtem Limettensaft, welche Dr. Peter Obemärkt mit sich führte, um kranke Seefahrer zu kurieren, waren längst aufgebraucht. Somit hofften sie auf das baldige Auftauchen einer Insel, welche sie in den Genuss von frischem Trinkwasser und abwechslungsreichen Speisen brachte.
Es war so warm und sonnig wie im Frühling. Das fantastische Wetter hellte die Stimmung der Matrosen auf und trug dazu bei, dass sie ihre Verwirrung mit der Eisbergdurchquerung langsam verdauten und die Tage genossen, wie sie ihnen geschenkt wurden. Die Besatzung, nach der langen Zeit im eisigen Polarmeer, taute auf wie schmelzende Schneemänner. Es wurde trotz ihrer ungewissen Zukunft viel gelacht und gesungen. Auf allerlei selbst gebastelten Instrumenten musizierte ein kleines Orchester und brachte die krummen und ungelenkigen Beine der Seefahrer in Schwung.
Hui, wie wild und lustig wurde getanzt an den freien Abenden unter einem glitzernden und blinkenden Sternenhimmel. Ja, die Mannschaft hatte ihren Spaß und verstand sich so prächtig, dass sie meinte, sie hätte es wohl bisher immer verpasst, sich mal ordentlich kennenzulernen.
„Herr Hannsen! Einmal dreh’n!“, rief Matthew fröhlich und wirbelte umständlich den kräftigen Jacob über das Deck. „Hey, hey, du alter Segelflicker, nur nicht so flott mit den alten Damen. Lass mich ganz, du, sonst ...!“ Da rempelte Maarten die zwei Tänzer an, hüpfte um sie herum, klopfte sich auf die Schenkel und sang: „Der Tjener, der Tjener, der alte Rattenfänger, der kann gar prima tanzen, doch nicht mit Jacob Hannsen!“ Er lachte laut, drehte sich tanzend um sich selbst und freute sich über den Beifall, den er vom umherstehenden Publikum erntete. „Achtung!“, rief Louis, aber da wurde Maarten schon von Jacob in die Höhe gehoben, mit den Füßen nach oben!
Maarten hielt sich schnell an Jacobs Fußgelenken fest und bekam einen heftigen Lachanfall, als sie wie zwei Akrobaten übers Deck stapften. Auch Juan, Jannes und Heinrich, die Grünschnäbel an Bord, tanzten und zeigten den alten Seefahrern, wie gelenkige, gesunde Körper sich bewegen konnten.
„Really, da fahr’n wir beide nun since fiveteen jears zusamm’n auf See“, sagte Connor zu Leendert, „und du liegen near mich seit vier jears in der selbsten Kajüte, aber denkst du, ich found out ever, was ist dein Augencolor? Ne, war nie interesting for mich. Aber jetzt ich dich sehen so close und weiß, du bist blau in die Augen!“ Connor lachte. „So blau wie du!“, antwortete Leendert hüpfend, hob den Arm, und der dünne Schotte, der sich zur Feier des Tages eine alte Decke als Rock umgewickelt hatte, tanzte hindurch.
Die ausgelassene Stimmung hielt an, und Anando, der auf einen Impuls wartete, in welche Richtung er weitersegeln sollte, um seinem Herzen zu folgen, genoss das wilde Treiben seiner Männer und lies sie gewähren.
Einige zeitlos erscheinende Tage waren vergangen, als Anando in seinem Zimmer saß und darüber nachdachte, ob Libela ihm wohl noch einmal im Traum erscheinen würde. Er wünschte sich einen Hinweis für seinen weiteren Weg. Der grüne Stein lag seit der Eisbergdurchquerung ruhig in seiner Tasche. Aus Anandos Inneren schien weiterhin sanft das rosa Licht.
Doch dieses Leuchten hielt sich wie ein schützendes Tuch um ihn und zeigte in keine bestimmte Richtung.
In dem Moment drang das schrille Signal der Schiffsglocke in die Kapitänskammer. Francis Lewin persönlich, der die Abendwache übernommen hatte, läutete das Notsignal. Mr. Onderzoeker stand auf. Was war los? Schnell zog er sich seinen Mantel an und lief aufs Deck. Die Männer kamen polternd aus ihren Kajüten gestürzt.
„PIRATEN!“, rief Maarten vom Großmast herunter. Im Nu stand die Besatzung auf Deck bereit und erwartete die Befehle des Kapitäns.
„Hisst die Flagge! Und sendet das Rauchsignal für Forschungsschiffe!“,
schrie Onderzoeker. Eine weiße Fahne wurde schnell auf den höchsten Mast gezogen und mit einer Fackel das Signal „Forschungsschiff“ über das Wasser in Richtung Piratenboot gesendet. Währenddessen bereitete der Rest der Mannschaft einen möglichen Angriff vor und füllte die wenigen Kanonen an Bord mit Kugeln. Handels- und Kriegsschiffe, die der Größe der Turtle entsprachen, hatten oft mehr als dreimal so viele Kanonen an Bord. Aber die alte Turtle war ein bekanntes Forschungsschiff, und Piraten wussten im Allgemeinen, dass es auf diesem Segelschiff keine Schätze und Reichtümer zu holen gab.
Unerwarteterweise blieb das Piratenboot jedoch auf Kurs und fuhr weiter direkt auf die Turtle zu. „Wenden!“, rief Onderzoeker. Die Besatzung bemühte sich mit allen Kräften, dem Befehl Folge zu leisten, aber der seit kurzer Zeit aufbrausende Wind machte eine Flucht unmöglich. Das Piratenboot kam immer näher.
„Wieso können diese Hunde gegen den Wind fahren?“, brüllte Peet, der verzweifelt an den Leinen hing und mit Matthew, Maarten, Francisco und Louis versuchte, hart am Wind zu segeln. Das umständliche Zickzackfahren brauchte seine Zeit. Wie von Geisterhand näherte sich das Piratenboot, bis es circa zehn Meter hinter der Turtle stand. Hawkby, Jannes und Jacob warteten an den Kanonen auf den Befehl des Kapitäns. Endlich hörten sie:
„Feuer!“ Doch nicht von der Turtle erklang der Schlachtruf, sondern vom Schiff der Piraten. Schon flogen die ersten Kanonenkugeln auf das Deck der Turtle und rissen große Löcher in die Segel und Planken.
Mr. Onderzoeker wachte aus seiner Lähmung auf.
„Feuer!“, schrie nun auch er und rannte an die Kanonen, um seiner Mannschaft zu helfen. Das Piratenboot rammte die Turtle, und eine Gruppe von wild aussehenden Typen sprang mit Säbeln, Messern und Pistolen auf das Forschungsschiff. Ein irrer Kampf um Leben und Tod begann. Keiner der Männer fragte, wieso sie angegriffen wurden und was die Piraten eigentlich wollten. Für derartige Analysen blieben weder Zeit noch Raum.
Leutnant Le Baudacieux merkte es als erster. Der Kerl, den er soeben niedergestochen hatte, stand nach einem kurzen Augenblick der Sammlung wieder auf und kämpfte weiter.
Die Piraten waren Geister!
Halb irr vor Angst rannte er unter Deck und suchte Prof. Dr. Verbeelding.
Dieser hatte sich mit dem Schiffsarzt Peter Obemärkt in einer Gemüsekammer versteckt. Dort hockten beide in der Dunkelheit, zitterten und hörten aus der Ferne die schrille Stimme des Leutnants nach dem Professor rufen.
„Verbeeeldiing! Verrrrbeeeldiing! Eees siiind Geiiiisteerrr!!!“
Der Alte schluckte, und sein Geist begann zu rasen. Irgendetwas zog an ihm, wollte ihn wachrufen.
Peter Obemärkt übergab sich und brach hustend an einer Kiste mit Zwiebeln zusammen. Da plötzlich erinnerte sich Prof. Dr. Verbeelding an einen alten Sanskrittext und sprang auf.
„Kommen Sie mit, Obemärkt, Sie müssen mir helfen. Schnell!“
Er ergriff den völlig verdutzten Schiffsarzt und zog ihn aus der Gemüsekammer. „Zeigen Sie mir Ihre astrologischen Zeichnungen. Ich erinnere mich an eine Darstellung, die uns von den Piraten befreien könnte.“
„Was meinen Sie? Ich verstehe Sie nicht. Ich will nicht in die Kajüte, dort finden sie uns! Lassen Sie meinen Arm los!“
Peter Obemärkt befreite sich wütend aus dem Griff des Professors und wollte wieder zurück in die Gemüsekammer krabbeln. Da stellte sich ihm Prof. Dr. Verbeelding in den Weg und sagte: „Hören Sie zu, Mann! Ohne Ihre Hilfe bricht das Schiff zusammen, und wir sterben alle. Es gibt nur noch diese eine Möglichkeit. Es ist ein Risiko, weil es keine Garantie gibt, ob wir es schaffen. Aber wenn wir hier hocken bleiben und der Mannschaft unsere mögliche Hilfe aus Angst und Hoffnungslosigkeit versagen, werden wir mit Sicherheit wie diese Kerle die nächsten tausend Jahre und noch viel länger als Untote auf den Meeren segeln und unschuldige Seefahrer töten.
WOLLEN SIE DAS?“
Der Schiffsarzt schaute den schreienden Professor mit aufgerissenen Augen an. „N-n-n-ein“, stotterte er leise, holte eine Pistole aus seiner Tasche, entsicherte sie und hielt sich das Rohr an die Schläfe. Bevor er abdrücken konnte, schlug Prof. Dr. Verbeelding ihm die Waffe aus der Hand und verpasste dem Schiffsarzt eine ordentliche Backpfeife, dass dieser gegen die Wand des engen Ganges fiel.
„Was soll der Unfug, Mann?“, schrie Prof. Dr. Verbeelding den rotgesichtigen, zitternden Schiffsarzt an. “Reißen Sie sich zusammen, und kommen Sie jetzt endlich mit!“ Wütend ergriff Verbeelding den Arm von Peter Obemärkt und lief mit ihm in die Kajüte, wo der Arzt seine astrologischen Aufzeichnungen hatte.
„Hier auf dem Tisch habe ich die Zeichnungen gesehen. Die Umlaufbahnen der Planeten... Wo sind sie?“ Prof. Dr. Verbeelding suchte keuchend in seiner Eile und Aufregung nach den Unterlagen.
Der Schiffsarzt lief zu einem kleinen Holzschrank und holte seine Sternenkarten und Berechnungen hervor. Verbeelding riss ihm die Papiere aus der Hand und verteilte sie auf dem Fußboden. „Hier!“, schrie er. „Hier, sehen Sie! Diese Planeten rotieren in Spiralen.“
„Ja?“ Obemärkt verstand nicht, was der Professor meinte.
„Das ist es! Gestern sagten Sie, wir befinden uns vermutlich an dieser Stelle hier.“ Verbeelding zeigte auf einen Punkt auf der Karte, der den Stand des Schiffes im Bezug zum Sternenhimmel angab. Peter Obemärkt nickte und schaute Herrn Verbeelding fragend an. Dieser erklärte hastig: „Ich habe mir vor einigen Tagen die alten Tannenzapfen aus dem Heizraum, an denen der kleine Jannes oft schnitzt, angesehen und festgestellt, dass ihre Form gegenläufige Spiralbewegungen aufweist. Kennen Sie die Forschungen von Herrn Fibonacci zum Goldenen Schnitt? Nein? Na egal, jedenfalls habe ich ausgerechnet, dass der Tannenzapfen nach bestimmten Zahlenwerten aufgebaut ist und diese dem Goldenen Schnitt entsprechen, also der Nichtschwingung, der Stille. Sehen Sie, jede Blume, jede Frucht, jedes Individuum ist aufgebaut nach dem Goldenen Schnitt, der göttlichen Ordnung. Trotzdem hat es eine Eigenschwingung und ist in sich eine gesunde Ganzheit, die sich nicht an einer Stelle aufschaukelt und explodiert.
Die Geister-Piraten jedoch sind anscheinend aus dieser Stille, Harmonie und Ganzheit des Goldenen Schnittes herausgefallen und versuchen nun, durch das Töten anderer Seefahrer ihre verlorene Einheit wiederzuerlangen. Sie reagieren wie Unterdruckbehälter, die mit ihrer Sogwirkung alles anziehen, was in ihre Nähe kommt. Doch weil sie ihre Ordnungsmuster verloren haben, nur noch Chaos sind, können sie sich nicht in Liebe mit der Schwingung der Menschen verbinden, sondern denken, töten zu müssen, um an die fehlende Energie zur Heilung des Zusammenbruchs ihrer Lebensmuster heranzukommen.“
Peter Obemärkt sah aus, als würde er jeden Moment in Ohnmacht sinken.
„Wir haben keine Zeit für nähere Erläuterungen“, fuhr Prof. Dr. Verbeelding eilig fort, „aber Sie wissen doch: Wie im Großen, so im Kleinen, wie oben, so unten. Wir müssen die günstige Konstellation der Sternenbahnen nutzen.
Erinnern Sie sich bitte! Wenn zwei Spiralen, die in entgegengesetzte Richtung rotieren, sich überlagern, neutralisieren sie sich. Also, meine Idee ist folgende: Wir müssen die doppelte gegenläufige Spirale visualisieren, über das gesamte Schiff wachsen lassen und mit den kosmischen Spiralen verbinden. Diese werden die Piraten ins Universum ziehen, da sie keinen Anker hier haben. Weil sie sich als Untote vermutlich auf einer Zwischenebene der Dimensionen befinden, können wir sie erlösen, indem wir ihre Festgefahrenheit in der Zeit durchtrennen und sie wieder in die Harmonien des Universums zurückkatapultieren.“
