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Gleich nach seiner Tat wird der Selbstmordattentäter Ali Ben Islami vom Himmel abgewiesen und nach München geschickt. Dort versucht er mit allen Mitteln, die ihm versprochenen 72 Jungfrauen doch noch zu bekommen. Arm wir eine Moscheemaus und ohne "ehrbare" Familie im Hintergrund sieht er im muslimischen Milieu keine Chance auf Erfolg und versucht sein Glück bei den "Ungläubigen". Gebunden an strenge islamische Moralvorstellungen durchlebt der aus dem fernen El Aoutsch stammende Ali dabei eine einzige Achterbahnfahrt der Gefühle. Schließlich erkennt er, wie aussichtslos sein Vorhaben ist und beginnt zu verzweifeln. Durch einen Zufall hellt sich seine Perspektive wieder auf, bevor die Geschichte eine verblüffende Wendung nimmt.
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Seitenzahl: 703
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Abdul Maria-Lama
Vom Himmel abgewiesen
Ein Selbstmordattentäter auf der Suche nach seinen 72 Jungfrauen
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Inhaltsverzeichnis
Titel
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Impressum neobooks
„Friede sei mit dir, Herr Engel! Ich bin Märtyrer und möchte ins Paradies zu meinen zweiundsiebzig Jungfrauen!“
Der Himmelspförtner musterte den Neuankömmling skeptisch und fragte: „Dein Name?“
„Islami, Ali Ben Islami.“
„Du bist Muslim nehm ich an.“
„Ja, Muslim, gläubiger Muslim“, bestätigte der junge Mann mit stolzem Unterton. „Und habe im Dschihad mein Leben für den Islam gegeben, somit steht mir das Paradies mit seinen Jungfrauen zu. Wissen Sie, das war so: Vor zwei Wochen kamen Glaubensbrüder aus der Fremde in unsere Oase und meinten, wenn ich mich in der Provinzhauptstadt mit einem Sprengstoffgürtel ...“
„Mooooment, das interessiert mich nicht! Ich brauche Ort und Datum deiner Geburt. Ich bin nur die Vertretung und muss in einem Verzeichnis prüfen, ob ich dich reinlassen darf.“
„Bestimmt, ganz bestimmt, Herr Engel!“
Der Pfortenengel verzog entnervt sein Gesicht. „Das stellt sich noch heraus! Also wann und wo bist du geboren?“
„Aber die Glaubensbrüder haben mir doch versprochen ...“
„Entweder du beantwortest jetzt meine Frage, oder ich stecke dich in die Vorhölle - als Ehemann einer westlichen Feministin. Also, was ist?“
„Herr Engel, ich bin geboren am 16. 12. 1981 in der Oase El Aoutsch, am östlichen Rand des mittleren Tschabalatales.“
„Na also, geht doch“, sagte der Himmelspförtner und schlug ein durchsichtiges Buch auf. Während er mit dem rechten Zeigefinger auf den Seiten entlangfuhr, murmelte er: „Islami, Ali Ben Islami - El Aoutsch, El Aoutsch.“ Schließlich klappte er das Buch wieder zu und meinte: „Ich kann dich nicht finden, also kommst du nicht ins Paradies!“
„Doch, doch mit Sicherheit!“ Die Stimme des Neuankömmlings überschlug sich fast. „Im Paradies warten schon zweiundsiebzig unberührte Frauen auf mich. Frauen mit Mandelaugen, Pfirsichhaut und Brüsten, geformt wie reife Früchte. Sie alle sprechen stets mit sanfter Stimme und sind immer für mich bereit. Das Schönste an ihnen ist, dass sich jedes Mal ihre Jungfräulichkeit erneuert.“
„Klingt ziemlich abgefahren – aber bei den Moslems ist vieles möglich“, murmelte der Engel. „Machen wir es so: Du kehrst noch mal auf die Erde zurück. Sobald die Pforte hier regulär besetzt ist, beamen wir dich wieder hoch.“
„Aber in meine Heimat will ich nicht mehr! Dort werden die Jungfrauen so streng bewacht.“
„Na ja, du könntest vorübergehend nach Deutschland in die Sektion Bayern. Dort feiert man gerade ein großes Fest; da sollen sogar spröde Jungfrauen recht zugänglich werden.“
Der junge moslemische Mann nickte. „Einverstanden es ist ja nur vorübergehend.“
„Okay, du nimmst Gang drei, gleich nebenan. Am Ende des Ganges kommt eine Riesenröhre, die zur Erde führt. Du schwebst in die Röhre hinein und lässt dich nach unten treiben. Wo sie sich verzweigt, wählst du nacheinander die Unterröhren Europa, Deutschland, Bayern. Zuletzt wählst du die Unterröhre München. Verstanden?“
„Ja, ich denke schon.“
„Wiederhole es!“
„Also, ähm - Gang drei entlang, rein in die Riesenröhre, dann in die Europa- und die Dötschlandabzweigung ...“
„Das heißt Deutschland, nicht Dötschland!“
„Na gut, Deutschland - und von da ...? Äh, wohin? Jetzt bin ich ganz durcheinander gekommen!“
„Über Bayern nach München. Dieses Bayern ist ein Teil von Deutschland, etwas eigenartig, aber lebenswert. Und München ist die Hauptstadt, wo das große Fest stattfindet, auf dem viele Frauen sich einen Mann erhoffen.“
„Hm, klingt gut. Aber eine Frage habe ich noch, Herr Engel. Wie gefährlich ist es auf diesem Fest Jungfrauen anzusprechen? Ich möchte keinen Ärger mit deren Vätern und Brüder bekommen.“
„Ach, da soll es ziemlich ausgelassen zugehen. Aber es kann schon mal vorkommen, dass sich ein junger Mann Schwierigkeiten wegen einer Frau einhandelt. - Also, was ist? Ich muss weiter machen! Hier staut sich schon alles.“
„Gut, ich probier` s. Ist ja nur vorübergehend. Wenn Ihr Kollege wieder da ist, komme ich sowieso ins Paradies zu meinen zweiundsiebzig Jungfrauen, die mir stets ...“
„Weiter gehen und keine Volksreden halten!“, unterbrach ihn der Engel und rief mit lauter Stimme in die Warteschlange: „Der Nächste bitte!“
Zügig schwebte Ali den Gang entlang und dachte: ´Vertreibe ich mir halt die Zeit mit deutschen Jungfrauen. Aber Ärger mit ihren Beschützern gehe ich aus dem Weg.` Schon kam er an die Riesenröhre, die zur Erde führte. Gespannt schwebte er hinein. Sanft, aber zügig, zog es ihn nach unten. Wie vom Pfortenengel aufgetragen, setzte er seinen Weg in die abzweigenden Röhren fort. Kaum war er in die Unterröhre München eingebogen, drangen sonderbare Geräusche an sein Ohr. Je weiter er sich auf den Ausgang zubewegte, desto deutlicher vernahm er die Geräusche als ein sich wiederholendes „Hum data, hum data, töterötetö“. Auch menschliche Laute, wie „Prooooossit und Olaradiji“ mischten sich darunter. Plötzlich wurde es hell um ihn. Gleichzeitig spürte er, dass sich sein Astralleib wieder mit einem Körper aus Fleisch und Blut vereinigt hatte. Verdutzt rieb er sich die Augen. Er sah sich mitten in einem riesigen Zelt angekommen, in dem Tausende von deutschen Nomaden zum Freitagsgebet versammelt waren. Am Rande des Zelts entdeckte er ein großes Podest, auf dem sich mehrere merkwürdig gekleidete Männer mit sonderbaren Instrumenten aufhielten und eine ohrenbetäubende Musik machten. Auch ein Vorbeter stand dabei und versuchte mit lautem Gesang die lärmende Musik zu übertönen.
Neugierig ließ Ali den Blick umherschweifen. Anstatt auf Knien am Boden zu beten, saßen die Gläubigen ganz blass auf Bänken an Tischen aus Holz. Fast jeder hatte einen großen, durchsichtigen Krug, gefüllt mit hellbraunem Wasser und einer Schaumkrone vor sich stehen. Erstaunt nahm Ali wahr, dass ein Teil der Gläubigen grölend den Vorbeter nachäffte und viele, verhakt mit ihren Nachbarn, sichtlich vergnügt hin und her schunkelten. Andere Gläubige hüpften sogar auf den Bänken herum. Entgegen der islamischen Geschlechterordnung hatte sich eine große Anzahl Frauen unter die Männer gemischt; augenscheinlich handelte es sich dabei um Jungfrauen, die einen Mann für sich erhofften. Noch befremdender war allerdings, dass sich diese Jungfrauen völlig unverschleiert in aufreizender Weise präsentierten.
´Anscheinend herrscht in diesem Deutschland ein sehr hoher Jungfrauenüberschuss`, dachte Ali. ´Der Heiratsmarkt dauert bestimmt schon Stunden, trotzdem sind viele Jungfrauen noch nicht vergeben! Selbst Frauen, die so alt sind, dass sie keine Söhne mehr gebären können, sind darunter. Wie verzweifelt müssen deutsche Eltern sein, dass sie die Schande auf sich nehmen, ihre Töchter ohne den Schutz des Schleiers zum Freitagsgebet anzubieten. Aber Moment mal! Vielleicht ist das gar kein Freitagsgebet! Bin ich hier etwa auf dem Fest, von dem der Pfortenengel gesprochen hat?`
Auf einmal spürte er einen heftigen Rempler an der Schulter. Eine groß gewachsene Frau blickte ihn böse an und blaffte: „Steh nett so ausgschamt rum, du blockierst den ganzen Gang!“ Unsanft schob sie sich in ihrem bunten Gewand an ihm vorbei, ein knappes Dutzend gefüllte Krüge vor sich herstemmend. Die hellbraune Brühe schwappte so stark umher, dass der Schaum bei einigen Krügen über den Rand trat.
´Wie unverschämt diese Wasserträgerin doch ist`, ärgerte sich Ali. ´Als Frau hat sie nicht das Recht, mich zu berühren, geschweige denn zu schimpfen.` Irritiert blickte er ihr hinterher. Dabei entdeckte er einen Tisch voller aufreizender <Jungfrauen> ganz ohne männliche Begleitung. Sollte er riskieren, die Schönen anzusprechen? ´Ich tu´s`, entschied er. ´Zur Sicherheit frage ich sie als Erstes, wie sehr sie von ihren Vätern und Brüdern überwacht werden.`
Herz klopfend ging Ali auf die <Jungfrauen> zu. Plötzlich verstummte die Musik. Misstrauisch blieb er stehen und drehte sich zur Plattform hin. Mit feierlicher Miene hielt dort der Vorbeter einen halb gefüllten Krug in die Höhe rief in die Menge: „Auf geht´s, trink mer noch amoi, alle miteinand!“
Für einen Moment setzte die Musik wieder ein und der Vorbeter sang voller Inbrunst: „Ein Prooosit, ein Prooosit der Gemütlichkeit.“
Auch die Leute an den Tischen stimmten grölend mit ein. Gemeinsam mit dem Vorbeter brüllten sie: „An die Titte an den Sack, zack zack zack! Prooost! Oans zwoa, gsuffa.“ Dabei stießen sie ihre Krüge so heftig zusammen, dass das ganze Zelt von einem gläsernen Klirren erfüllt war. Anschließend setzten sie sich die Krüge an den Mund und begannen in vollen Zügen daraus zu trinken.
´Mann oh Mann`, wunderte sich Ali, ´machen die ein Aufsehen um das Trinken! Müssen die einen Durst haben! Anscheinend ist in diesem Deutschland das Wasser noch knapper als in der Wüste. Ja, die Wasserfärbung zeigt, dass die Brunnen so gut wie ausgetrocknet sind und bereits der Bodensatz herausgepumpt wird. Auch die Qualität ist miserabel, wenn ich den Schaum in den Krügen sehe. Vielleicht sind deshalb alle so blass? - Nur, warum sind dann die Krüge so groß und zahlreich? Überhaupt sehen die Menschen hier nicht aus, als ob sie zu wenig Wasser hätten. Ach was soll´s? Ich kümmere mich lieber um die Jungfrauen.`
Schon fiel sein Blick auf eine äußerst attraktive <Jungfrau>. Nur notdürftig durch ein weiß-blau gefärbtes Kleid umhüllt, kam die blond gelockte Schönheit direkt auf ihn zu. Lüstern taxierte Ali die Blondine, wobei sein Blick in ihrem tiefen Ausschnitt haften blieb. ´Mann, diese Jungfrau ist der Hammer!`, dachte er und fasste sich in den Schritt. ´Sicher hat sie mich entdeckt und will, dass ich sie will! Deshalb zeigt sie mir auch ganz unverblümt ihre wohlgeformten Brüste. Jetzt hat sie mich sogar angeschaut. Aber ist die Jungfrau Wirklichkeit oder ist sie nur eine Fata Morgana? Am Besten überprüfe ich es gleich.`
„Entschuldigen Sie, jungfräuliche Jungfrau“, sprach Ali zu der betörenden Blondine und stellte sich ihr in den Weg. „Ich muss mich vergewissern, dass Sie auch echt sind.“ Schon umfasste er mit beiden Händen prüfend ihre Brüste.
<Patsch!> machte es. Die Blondine hatte kräftig zugeschlagen.
„Au!”, rief Ali entsetzt und hielt sich die Wange. Seine freudige Erregung war wie weggeblasen. Bevor er reagieren konnte, schnauzte ihn die Schöne auch noch an: „Du Wichser, du elendiger, lass deine Griffel von mir! Das geht dich einen feuchten Kehricht an, ob meine Titten echt sind!“
„A, a, aber i ihre Brüste waren ganz deutlich auf mich gerichtet“, stammelte Ali.
„Na und, dann schau halt weg, wenn sie dich stören!“
„Das geht nicht, ich bin doch wegen der Jungfrauen hier.“
„Jungfrauen?“, wiederholte die Frau und rollte mit den Augen.
„Ja, Jungfrauen“, sagte Ali und nickte. „Mir stehen sogar zweiundsiebzig zu! Aber wunderschön müssen sie sein.“
„So einer gehört vors Zelt gesetzt“, schimpfte die begrapschte Schönheit vor sich hin. „Fummelt einfach an einem herum und meint, er bekäme zweiundsiebzig Jungfrauen.“ Wütend ging sie weiter, vorbei an einer Traube Neugieriger, die sich inzwischen gebildet hatte.
„So, so, zweiundsiebzig Jungfrauen willst du? – Hicks“, tönte eine weibliche Stimme von der Seite. Direkt neben Ali stand eine üppige Brünette. Ihre superengen Jeans erweckten den Eindruck, als würden sie gleich beim nächsten Schritt aufplatzen. Völlig perplex starrte er die Brünette an.
„Du bist ein Witzbold“, stammelte diese und richtete unverfroren ihre glasigen Augen auf ihn. „Die Jungfrauen sind hier schon vor langer, langer Zeit ausgestorben.“
„Wieso denn?“, fragte Ali erstaunt.
„Weil, äh weil, ja weil solche Typen wie du sich drum kümmern, dass wir´s nicht mehr sind! Hicks! Aber komm mal her, Süßer, das funktioniert auch noch, wenn ich keine Jungfrau bin.“ Schon packte die Brünette ihn am Kopf und steckte ihre Zunge in seinen vor Schreck geöffneten Mund.
So eine Schamlosigkeit und Degradierung seines Mannseins konnte Ali nicht hinnehmen. Er, der als gläubiger Muslim einer beschmutzten Frau nicht einmal die Hand reichen würde, wandte sich vor Ekel und Abscheu, als er die Zunge dieser Hure im Mund spürte. „Umpf, ah“, brachte er noch heraus, dann verlor er das Bewusstsein.
„Na dann eben nicht“, lallte die forsche Brünette und ließ Ali los, worauf dieser auf den Holzboden plumpste. Im Nu hatte sich eine noch größere Traube gaffender Menschen um ihn herumgebildet.
“Was ist denn da los?”, brummelte ein älterer Mann, der einen grünen Hut mit grauer Feder auf dem Kopf trug. Fragend sah er die füllige, bunt kostümierte Frau an, die sich zur Menschentraube gesellte, nachdem sie ihre leeren Krüge auf einem Tisch abgestellt hatte.
„Ach, da liegt einer am Boden, der hat einer Blondine an die Brüste g´ langt“, sagte sie. „Wissen´s, die Blondine hat ihm eine gescheuert, und eine kräftige Brünette ist ihr zu Hilfe geeilt. Sie hat sich auf den Busengrapscher gestürzt und ihn gewürgt. Ich hab´ das zufällig beim Abräumen gesehen.“
„Weil´s auch immer ihre Titten so weit ausfahren müssen“, grummelte der Mann und entfernte sich. Mit kräftigen Bewegungen schob sich die füllige Krugträgerin ins Innere der Menge. Dort stand ein breitschultriger Lederhosenträger neben dem am Boden liegenden Ali und blickte - einen Glaskrug in der Hand haltend - unschlüssig auf ihn herab. „Jo mai, der hat Wahnvorstellungen über Jungfrauen!“, sagte er ganz ruhig mit tiefer Stimme.
„Er kommt sicher aus einem armen Land und findet hier bei uns keine Frau“, warf ein umstehender Sozialpädagogentyp mitleidig ein.
„Kein Wunder bei dieser permanenten Fremdenfeindlichkeit von uns Deutschen“, ergänzte schnatternd seine rotlockige Begleiterin.
„Quatsch, der wollte mich doch gar nicht, ich hätt ihn ja genommen“, protestierte die stürmische Brünette, die zuvor ihre Zunge in Alis Mund gesteckt hatte.
„Gebt´s ihm halt a Manna, damit er wieder wird,“ sagte die füllige Krugträgerin und sah den Mann mit der Lederhose auffordernd an. Dieser nickte und bückte sich mit seinem gut gefüllten Krug zu Ali herunter. Auch die Krugträgerin bückte sich, nahm Alis Kopf in die Hände und presste dessen Kiefer auseinander. Breit grinsend goss der Lederhosenmann einen Schwall des hellbraunen Saftes in Ali´s Mund. Ein ungewohnt bitterer Geschmack am Gaumen ließ diesen aus der Bewusstlosigkeit erwachen. Erschrocken öffnete er die Augen und blickte in ein grinsendes Männergesicht. Schon ergoss sich ein zweiter Schub der bitteren Flüssigkeit in seinen Mund.
„Hört´s auf damit!“, vernahm er eine aufgeregte Stimme von den Umstehenden. „Einem Betrunkenen noch Alkohol einzuflößen, ist das Verkehrteste überhaupt! Damit kommt er nicht wieder auf die Beine!“
Entsetzt drehte Ali seinen Kopf zur Seite. „Oh nein, nicht, keinen Alkohol!“, rief er gurgelnd aus. Dann bäumte sich sein Körper heftig auf, sackte in sich zusammen und blieb regungslos am Boden liegen.
„Holt´s die Sanis, der ist ganz weg“, rief die Krugträgerin zwei Security-Männern zu, die an das Geschehen herantraten. Vergeblich versuchten die rasch herbeigeeilten Sanitäter samt Notarzt, Ali aus der Bewusstlosigkeit zu befreien. Nachdem dieser noch schwer zu röcheln begann, legten sie eine Infusion und schlossen ihn an ein Beatmungsgerät an. In Windeseile verfrachteten sie ihn in ihren Sanka und fuhren mit Blaulicht in das nächstgelegene Krankenhaus.
Inzwischen hatte sich Ali wieder von der Materie gelöst und war erneut an die Himmelspforte aufgefahren. Eindringlich erklärte er dem nun regulär diensthabenden Engel, dass er sich im Dschihad für den Islam geopfert habe und er als Märtyrer sofort ins Paradies einzulassen sei, wo seine zweiundsiebzig Jungfrauen schon sehnsüchtig auf ihn warteten.
„Junger Mann“, antwortete der Engel, „für solch eine Spezialfrage sind wir an der Generalpforte nicht zuständig. Da müssen Sie zum Paradieseingang für Moslems. Schweben Sie herein und dann die Treppe nach oben. Die führt Sie direkt dort hin.“
Erwartungsvoll schwebte Ali über die aus lauter Schäfchenwolken bestehende Treppe und erreichte einen großen Vorhof. Neugierig blickte er um sich. Der Boden des Vorhofs bestand aus einem Mosaik von Abertausenden kleiner Federwolken. Ein riesiges schwarzes Loch füllte die Mitte der ihm zugewandten Seite aus. <Zutritt nur für Buddhisten>, entzifferte Ali auf dem astralförmigen Schild, das in dem schwarzen Loch steckte. Buchstaben, die Rauchzeichen ähnelten, umkreisten das Schild. Mühsam buchstabierte er:
N I R W A N A: ´Nie gehört`, dachte er, ´für mich hat das sicher keine Bedeutung.` Dann richtete er seinen Blick auf die Seite des Vorhofes, die sich gegenüber dem schwarzen Loch befand. In gebührendem Abstand erkannte er zwei nebeneinanderliegende Eingänge. Der Linke hatte die Form eines Kreuzes, war demzufolge für Christen reserviert, der Rechte war stilvoll in Form eines Halbmondes geschwungen und im oberen Drittel von einem grünen Kopftuch bedeckt.
´Was soll der Eingang mit dem Kreuz?`, fragte sich Ali. ´Ins Paradies kann dieser nicht führen, denn Christen haben die Botschaft Allahs zwar erhalten, aber verfälscht. Egal, ich weiß ja, wo ich hin muss.` Während er auf den Halbmondeingang zuschwebte, entzifferte er die arabischen Schriftzeichen, die das grüne Kopftuch verzierten. ´Islamisches Paradies` frohlockte er - ´endlich bin ich an den Ort gekommen, wo all die willigen Jungfrauen auf mich warten`.
Voller Vorfreude erreichte Ali den Eingang. Obwohl dieser offen stand, war nicht zu erkennen, was sich dahinter befand. Behutsam schwebte er hindurch und tauchte sofort in ein Licht ein, das so hell war, wie die Sonne zur Mittagszeit auf der Kuppe einer Sanddüne. „Juhu, ich bin drin!“, jubilierte er, um verdutzt zu registrieren, dass er sich erneut in einen Körper aus Fleisch und Blut verwandelt hatte. Wie in dem seltsamen Nomadenzelt trug er eine blaue Hose und ein buntes Hemd. Nur Schuhe hatte er keine an, barfuß standen seine Füße auf einem Marmorboden, der ins Unendliche zu reichen schien.
„Was kann ich für dich tun, mein Sohn?“, vernahm Ali eine verführerische Stimme. Bevor er wusste, was geschah, schwebte eine atemberaubend schöne Engelfrau in einem bis zur Hüfte aufgeschlitzten Kleid so nah an ihn heran, dass ihre kastanienbraunen Haare sein Gesicht streiften. Dabei verströmte sie einen Duft, der ihn an die wunderbarsten Gerüche eines blühenden Oasengartens erinnerte.
Mit großen Augen blickte Ali auf den Schlitz in ihrem Kleid und sagte: „Super, so eine Begrüßung habe ich mir gewünscht! Sind alle meine zweiundsiebzig Jungfrauen so reizvoll wie Sie, Frau Engelein?“
„Wer bist du?“, fragte das schöne Wesen. „Wir müssen prüfen, ob du überhaupt in unser Paradies darfst.“
„Aber sicher“, antwortete Ali frohlockend. „Ich, Ali Ben Islami, habe mich im Dschihad für den einzig wahren Glauben in die Luft gesprengt. Führen Sie mich direkt zu meinen zweiundsiebzig Jungfrauen, die schon sehnsüchtig auf mich warten! Wenn ich Sie mit einrechne, können es gerne auch dreiundsiebzig sein.“
„Oh nein, nicht schon wieder“, murmelte die Engelschönheit, drehte ihren Kopf nach hinten und rief: “Immamuel, der nächste Verrückte ist da, der ein Selbstmordattentat begangen hat und meint, er kommt ins Paradies zu zweiundsiebzig Jungfrauen.“
„Schick ihn in den Abschieberaum, Engelein-Käfer!“, hallte eine tiefe Stimme zurück. „Ich komme gleich. Der kriegt noch was zu hören!“
Mit einer kurzen Handbewegung zeigte die Engelfrau Ali an, ihr zu folgen. Begleitet von einem mulmigen Gefühl im Magen, trabte dieser auf dem ins Unendliche reichenden Marmorboden der voranschwebenden Paradiespförtnerin hinterher. Auf einmal befanden sich beide vor einem fensterlosen Gebäude, das wie aus dem Nichts auftauchte.: „Hier eintreten, der Erzengel Immamuel möchte ein Wörtchen mit dir reden“, sagte die Engelfrau und deutete auf die offen stehende Tür des Gebäudes.
Vorsichtig trat Ali durch die Tür und sah sich um. Außer vier kahlen Wänden und der Eingangstür war in der matten Beleuchtung nichts zu sehen. ´So habe ich mir das nicht vorgestellt`, dachte er und begann nervös im Raum auf und ab zu gehen. Plötzlich erschrak er heftig. Ein großer, grauer Engel hatte sich urplötzlich vor ihm aufgebaut. Der Engel sah ihm strengen Blickes in die Augen und brummte mit einer tiefen Bassstimme: „So, so, du meinst also, du bekommst hier zweiundsiebzig Jungfrauen.“
„Stimmt Herr Engel“, antwortete Ali, nichts Gutes ahnend.
„Da bist du aber völlig schief gewickelt, du Todeskämpfer“, gab der Engel missmutig von sich. „Du bekommst keine Jungfrauen, nicht einmal eine Einzige.“
„Aber“, antwortete Ali trotzig, „im Koran steht, jeder Muslim, der im Kampf für den Islam getötet wird, gelangt sofort ins Paradies und bekommt dort viele Jungfrauen. Die Überlieferungen betonen, dass es genau zweiundsiebzig sind. Der Mullah in El Aoutsch hat uns das mehrfach gesagt!“
„Du scheinst ja gut informiert zu sein, trotzdem stehen dir keine Jungfrauen zu. Du hast nämlich keinen Zutritt ins Paradies!“
Entsetzt riss Ali die Augen auf. „Wieso nicht? Jeder, der im Dschihad stirbt, wird mit dem Paradies belohnt. Der Koran verkündet es so!“
„Was im Koran steht, weiß ich besser als du“, brummte der Engel mürrisch. „Aber in deinem Fall kann von Dschihad nicht die Rede sein. Und weißt du auch, weshalb? Weil jemand, der sich selbst tötet und wahllos Menschen in den Tod reißt, keinen Dschihad praktiziert.“
„Wieso, ich habe ...“
„Sei still! Selbst im bewaffneten Dschihad rechtfertigt sich so etwas nicht!“
„Äh, ich habe niemand in den Tod gerissen“, gab Ali zaghaft von sich. “Nur mich selbst.“
„Du wolltest doch, oder täusche ich mich?“ Immamuel sah ihn prüfend an.
„Ja, doch, eigentlich schon.“
„Und weshalb hat es nicht funktioniert?“
Ali blickte verschämt zu Boden und sagte kleinlaut: „Nachdem die Glaubensbrüder mich abgesetzt hatten, war ich so aufgeregt, dass ich mich nicht mehr erinnern konnte, wie der Sprengstoffgürtel betätigt wird. Da habe ich in der mitgelieferten Anleitung nachlesen müssen. Ich kann aber nicht richtig lesen. Deshalb habe ich etwas falsch verstanden und den Auslöser zu früh gedrückt. Sie müssen wissen, Herr Engel, in El Aoutsch hatte ich vier Schwestern. Als einziger Sohn meiner Eltern musste ich sie täglich überwachen, damit sie die Familienehre nicht zerstören. Auch verbrachte ich unendlich viele Stunden in der Koranschule, um Suren anzuhören und nachzusprechen. Wie sollte ich da Zeit zum Lesen Lernen finden?“
„Du kannst von Glück reden, dass du niemand außer dir selbst getötet hast“, antwortete Immamuel mit ernster Mine. „Deine Absicht war dennoch niederträchtig.“
„Aber, ich habe in gutem Glauben gehandelt!“ Alis Stimme glitt ins Weinerliche ab. „Die Glaubensbrüder hatten gemeint, es würde dem Koran entsprechen, wenn ich mich auf dem Markt der Provinzstadt in die Luft jage. In jedem Fall würde ich auch Ungläubige mit in den Tod reißen. Ich würde damit unseren Glauben verteidigen und mir sofort das Paradies verdienen. Zum Beweis haben sie mir mehrere Koranverse vorgelesen.“
„So? Welche denn?“
„Ich kann mich noch an einen aus Sure 47 erinnern: <Und wenn ihr die Ungläubigen trefft, dann herunter mit dem Haupt, bis ihr ein Gemetzel unter ihnen angerichtet habt. Diejenigen, die in Allahs Weg getötet werden, nimmer leitet er ihre Werke irre. Er wird sie leiten und ihr Herz in Frieden bringen. Und einführen wird er sie ins Paradies, das er ihnen zu wissen getan.>
„Diese Scheingläubigen!“ Die Stimme des Engels vibrierte vor Wut. „Immer wieder verwenden sie dieselben Verse aus dem heiligen Buch, um ihre Machenschaften zu begründen.“
„Wie sollte ich das wissen, ich bin doch kein Gelehrter!“, rief Ali verzweifelt aus. „Und dann haben die Glaubensbrüder auch noch betont, nicht nur ich käme ins Paradies, sondern auch noch vierzig meiner Angehörigen. Außerdem würde ihre Organisation meiner armen Familie reichlich Geld schenken. Meine Mutter ist schwer krank und benötigt dringend Medikamente, wie hätte ich da widerstehen sollen?“
„Hmmmm“, brummte Immamuel und strich sich bedächtig über seinen Bart. Fast schon sanftmütig sprach er weiter: „Ich verstehe, du hattest kaum eine Chance, deren Falschheit zu durchschauen. Wir registrieren schon seit längerer Zeit, wie Irreführer auf der Erde unsere Anweisungen benutzen, um sinnlos Terror zu verbreiten.“
„Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich nie den Sprengstoffgürtel angenommen“, fügte Ali hastig an.
„Wir werden diese Typen hart bestrafen!“
„Jawohl! Die Schuldigen sollen büßen und nicht ich. Da ich im guten Glauben gehandelt habe, müsste ...“
„Moment mal, auch ein Einfaltspinsel wie du trägt eine gewisse Verantwortung!“
„Aber Herr Engel, ich wurde doch in die Irre geführt!“
„Deshalb werden wir dich auch nicht mit der Hölle bestrafen! Da du zudem kein fremdes Leben auf dem Gewissen hast, kommst du recht glimpflich davon!“
„Dann könnte ich doch noch zu meinen zweiundsiebzig Jungfrauen kommen!?“
„Von wegen, die kannst du vergessen!“
„Ich wäre auch schon mit der Hälfte der Jungfrauen zufrieden, also mit zweiundfünfzig.“
Immamuel verzog abschätzig das Gesicht. „Wie bitte, zweiundfünfzig? Die Hälfte sind sechsunddreißig! Rechnen hast du wohl auch nicht gelernt!“
„Nein, leider nicht“, antwortete Ali kleinlaut. „Die Sorge um die Jungfräulichkeit meiner Schwestern war wichtiger. Wenn es sein muss, werde ich auch mit sechsunddreißig Jungfrauen zufrieden sein.“
„Ich habe gesagt: null Jungfrauen.“
„Dreißig?“
„Keine habe ich gesagt, keine Einzige!“
„Fünfundzwanzig?“
„Hast du Bohnen in den Ohren? Null ist null und bleibt null, du bekommst überhaupt keine!“
„Wenigstens zwölf - bitte, bitte.“
„Jetzt reicht es aber!“ Immamuels Stimme klang immer gereizter. „Wir sind doch hier nicht auf einem Basar! Du kannst froh sein, wenn du nicht in die Hölle kommst!“
Ersichtlich eingeschüchtert fragte Ali: „Wie wäre es, wenn ich mir wenigstens drei klitzekleine Jungfrauen aussuchen könnte? So ganz ohne Jungfrauen ist es sicherlich langweilig im Paradies.“
„Diese Sorge ist völlig überflüssig. Du wirst das Paradies für keine Sekunde betreten!“
„Aber, was wird dann mit mir? - In die Hölle muss ich nicht! Das haben Sie mir gerade versprochen, Herr Engel!“
„Komm mal ganz nah zu mir“, sagte Immamuel und setzte einen geheimnisvollen Blick auf. „Wir haben da eine Zwischenlösung, das bleibt aber unter uns.“
Gespannt machte Ali zwei Schritte auf den Engel zu und stand nun direkt vor ihm.
„Also, das ist so“, flüsterte dieser Ali ins Ohr. Anstatt weiter zu reden, schnupperte er interessiert an dessen Mund und brummelte: „Hmmm, du riechst so komisch?!“ Dann sah er Ali mit ernster Mine an und befahl: „Hauch mich mal an!“
„Haaaaaaa“, machte er.
„Igitt, pfui Teufel!“ Angewidert trat Immamuel einen Schritt zurück. Mit Wut verzerrtem Gesicht brüllte er:
„Wie oft hat man euch schon gesagt, ihr sollt dort unten nicht saufen?!!!“
„Äh, ich weiß, ich wollte auch nicht“, erklärte Ali verlegen. „Aber, das kam so: Bevor ich hierher kam, wurde ich von der Himmelspforte zurück in ein riesiges Gebetszelt zu lauter seltsamen Nomaden geschickt. Die Nomaden beteten aber in dem Gebetszelt nicht, sondern benahmen sich äußerst sündhaft. Männer und unverschleierte Frauen saßen wild grölend beieinander. Als ich mich ein wenig umsah, kam eine schöne Scheinjungfrau auf mich zu und schlug mich auf die Wange, nur weil ich mit den Händen prüfen wollte, ob sie wirklich echt ist. Dann steckte eine beschmutzte Frau ihre Zunge in meinen Mund und ich fiel vorübergehend in Ohnmacht.“
„Und deswegen fängst du das Saufen an?“
„Aber nein! Als ich ohnmächtig am Boden lag, hat ein mit einer seltsamen Kamelhose bekleideter Obernomade eine hellbraune Brühe in mich hineingeschüttet. Fast alle in dem Nomadenzelt tranken diese Brühe. Und wissen Sie was, Herr Engel? Als das Zeug durch meine Kehle rann, hörte ich, dass es sich um Alkohol handelte. Da gab mein Geist sein Dasein auf der Erde auf und entschwand in den Himmel."
Immamuel sah Ali abschätzig an und meinte: „Du meinst wohl, für deine Stümperhaftigkeit wirst du auch noch belohnt? Weißt du was? Du gehst zurück in dieses Deutschland! Mit deiner Alkoholfahne passt du gut dort hin. Da kannst du dich um Jungfrauen bemühen!“
„Gibt es in Deutschland überhaupt noch welche?“, fragte Ali zögernd. „Die beschmutzte Frau hat gemeint, die wären schon alle ausgegangen!“
„Natürlich gibt es auch in Deutschland Jungfrauen! Obwohl die meisten Frauen dieses Landes nicht nach unseren Gesetzen leben.“
„Kann ich dort auch zweiundsiebzig bekommen, wie im Paradies?“
„Von uns aus hundertzweiundsiebzig! Aber einfach wird´s nicht!“
„Hm, wenn das die einzige Möglichkeit ist, probier ich´s halt. Aber eines interessiert mich noch. Wieso waren die Frauen in dem Gebetszelt alle unverschleiert? Sind die Deutschen keine richtigen Muslime?“
„Die meisten Deutschen sind überhaupt keine Muslime.“
„Ach so“, sagte Ali enttäuscht.
„Wenn wir lauter Stümper wie dich nach Deutschland schicken, wird das auch so bleiben.“
„Oh, äh, da fällt mir noch eine Frage ein“, lenkte Ali ab. „Wie soll ich mich in diesem fremden Land verständigen?“
„Wir sorgen dafür, dass du dort unten Deutsch, die Sprache der Deutschen, sprichst. Das war doch in dem Nomadenzelt schon so.“
„Stimmt! Das ist mir gar nicht aufgefallen.“
„Dafür verstehst du die Sprache deiner Heimat nicht mehr.“
„Das ist aber schade!“ Ali warf Immamuel einen bittenden Blick zu.
„Da ist nichts zu machen,“ meinte der Engel streng. „Du hast vor deinem missglückten Attentat nur eine Sprache gesprochen und wirst jetzt auch nur eine Sprache sprechen. Immerhin haben wir deine Lesefähigkeit verbessert! Dies ist für Deutschland ausgesprochen wichtig!“
Ali nickte betreten. „Ehm, welchen Körper werde ich denn in Deutschland haben?“
„Den, in dem du vor mir stehst und mit dem du in dem Zelt bei den Deutschen warst!“
„Wie bin ich überhaupt zu diesem Körper gekommen, die Bombe hat mich doch komplett zerrissen?!“
„So gut es ging hat dich die Erdrückführung wieder zusammengebaut. Allerdings geht in solchen Fällen immer etwas verloren. Deshalb bist du jetzt kleiner und schwächlicher, als du es in El Auotsch warst.“
Interessiert blickte Ali an sich herab. „Stimmt, früher hatte ich längere Beine und kräftiger waren sie auch.“
„Dass du einen runderneuerten Körper hast, musst dir doch schon in dem Nomadenzelt aufgefallen sein!“
„Ich war halt so aufgeregt wegen all der Jungfrauen, die ich bekommen wollte.“
Immamuel warf Ali erneut einen abschätzigen Blick zu: „Aber auch deine Arme und Hände waren vorher bestimmt kräftiger. Hast du das nicht gemerkt?“
„Nein“, sagte Ali und ließ den Blick an seinem rechten Arm entlang gleiten. „Das ist aber ungut“, murmelte er geknickt. „Darf ich mich mal im Spiegel sehen?“
„Hier in diesem Raum gibt´s keinen Spiegel! Und woanders kommst du bei uns nicht mehr hin!“
„Ich würde aber gerne wissen, wie ich aussehe. Allein um festzustellen, was noch verbessert werden kann!“
„Dein Körper bleibt jetzt so, wie er ist!“
„Aber, es muss doch ...“
„Keine Widerrede! Hättest du dich nicht in die Luft gesprengt, wärest du noch im Originalkörper.“
„Können Sie mir wenigstens sagen, Herr Engel, wie ich in diesem Zustand auf Frauen wirke?“
„Da bist du bei mir an der falschen Adresse. Aber wenn du willst, lass ich Engelein Käfer kommen, die kann dir bestimmt Rückmeldung geben.“
„Gerne“, antwortete Ali und freute sich darauf, das bezaubernde Wesen noch einmal zu sehen.
Schon stand die schöne Engelfrau neben Immamuel und musterte Ali von oben bis unten. Distanziert lächelnd sagte sie: „Der junge Mann schaut in seinem irdischen Körper nur mäßig attraktiv aus. Er hat eine wenig muskulöse Figur von etwa einem Meter siebzig Größe. Damit ist er eher klein. Seine Hüften gehen, aber seine Schultern sind zu schmal. Sein Kinn könnte kantiger sein und die Männlichkeit mehr betonen. Die Nase ist leicht gebogen und etwas zu groß, aber das ist bei vielen aus seiner Heimat so. Immerhin, seine Haut ist makellos und glänzt wie eine Dattel, seine schwarzbraunen Wuschelhaare anzusehen ist ein Genuss, die kastanienbraunen Augen könnten manche Frau zum Schmelzen bringen. Wenn er lächelt, kommt er richtig sympathisch rüber.“
Nach diesen Worten schwebte sie um Ali herum und betrachtete ihn interessiert von hinten. „Oh lala“, meinte sie mit großen Augen, „die Pobacken sind aber knackig, die finde ich ganz schön ...“
„Stopp, das genügt!“, unterbrach Imammuel die lobende Beschreibung. „Du weißt doch Engelein, flirten mit den Irdischen ist streng verboten. Noch einmal und du trägst einen Tschador.“
„Verzeihung Chef, ich weiß“, antwortete die Getadelte und schwebte zu Alis Enttäuschung aus dem Abschieberaum.
Immamuel warf einen Blick auf Alis Kinn. „Übrigens, du bist ohne Bärtchen hierher gekommen. Wir empfehlen dir auch, in diesem Deutschland erst mal bartlos zu bleiben. Die meisten Frauen dort mögen´s lieber ohne.“
„Wenn Sie meinen“, entgegnete Ali und strich mit der Hand über das Kinn. „Was ist eigentlich mit meinem besten Stück, na Sie wissen schon. Reicht die Manneskraft für zweiundsiebzig Jungfrauen auf der Erde? Die Glaubensbrüder haben gemeint, im Paradies wäre das kein Problem.“
„Also, darüber geben wir hier keine Auskunft!“
„Oh, verstehe! Eine Frage habe ich noch, Herr Engel. Den Weg zu Ihrer Pforte bin ich wie ein Geist geschwebt. Aber dahinter bekam ich wieder einen richtigen Körper. Ist das immer so?“
Immamuel nickte. „Das haben wir so eingerichtet, wegen der Jungfrauen, die die Gläubigen bei uns im Paradies bekommen.“
Immamuel sah, wie Alis Augen lüstern aufblitzten, und fügte sogleich hinzu: „Du kannst dich in Deutschland um irdische Jungfrauen bemühen!“
„In diesem schwächlichen Körper? Lässt sich denn nichts nachbessern?“
„Nein, das habe ich doch schon gesagt!“
„Wie soll ich da zu meinen Jungfrauen kommen?“, rief Ali verzweifelt aus. „Als Schwächling kann ich sie nicht einmal richtig beschützen! Wie ich sie versorgen soll, ist auch noch unklar! Und dann kenne ich mich in diesem Deutschland überhaupt nicht aus!“
„Beruhige dich wieder“, beschwichtigte Immamuel. „Du besitzt einen Vorteil, den kaum ein deutscher Mann hat: Du bist Muslim, du gehörst zur besten Gemeinschaft auf der ganzen Erde. Dies ist wertvoller als Körperkraft und Geld.“
Alis Gesichtszüge entspannten sich. „Ja, das ist wirklich ein großer Vorteil!“
Der Engel sah ihn mit ernster Mine an. „So, jetzt ist dein Aufenthalt bei uns beendet, du wirst nun direkt zur Erde nach München abgeschoben! Rein in den Fahrstuhl hinter dir!“
Ali drehte sich um und blickte erstaunt auf eine beleuchtete Kabine, die wenige Meter von ihm entfernt im Raum stand. „Wo kommt denn dieses Teil her? Das war doch vorhin gar nicht da?“
„Für dich sind hier nur die vorhandenen Gegenstände sichtbar, die wir benötigen“, erklärte Immamuel, während sich die Glastür der Kabine öffnete. „Du stellst dich einfach rein, alles andere läuft von selbst ab!“
Ali hob bittend die Hände. „Darf ich mir ein anderes Land aussuchen? Zu diesen seltsamen Deutschen möchte ich eigentlich nicht mehr!“
„Wohin du kommst, bestimmen wir! Los rein in den Fahrstuhl! Oder willst du in die Hölle?“
„Bin schon fast drin, Herr Engel“, sagte Ali und trat an die Kabine heran. Dann drehte er sich noch einmal um und meinte: „Auf Wiedersehen!“
„Von Wegen auf Wiedersehen! Lass´ dich nicht mehr bei uns blicken! Und noch was: Nimm dir in diesem Deutschland auch etwas Anderes vor, als nur Jungfrauen hinterher zu jagen. Das befriedigt auf Dauer nicht!“
„Etwas anderes als Jungfrauen? Was wollen Sie mir damit sagen, Herr Engel?“
„Wenn es so weit ist, wirst du es von selbst merken! Jetzt aber rein mit dir!“
Zögerlich betrat Ali die Kabine. ´Was der Engel wohl gemeint hat?`, überlegte er, als sich die Tür hinter ihm schloss. Plötzlich wurde es stockdunkel. Ali spürte noch, dass er sich ausgesprochen schnell nach unten bewegte, dann verlor er das Bewusstsein.
<Piep piep – piep, piep ...>. Verdutzt schlug Ali die Augen auf und blickte auf eine weiß getünchte Zimmerdecke. <Piep piep – piep, piep …> - ununterbrochen fuhr das nervige Piepsen fort, das aus einem blinkenden Apparat kam, der sich seitlich hinter seinem Bett befand. Verbunden war der Apparat mit einem Bildschirm, auf dem sich mehrere Linien in Aufs und Abs schlängelten. Vergeblich versuchte Ali, seinen Blick auf die Quelle dieses Piepsens zu richten.
„Guten Tag, junger Mann – hallo!“, klang eine weibliche Stimme an sein Ohr. Mühsam drehte er den Kopf und nahm zwei weiß gekleidete Frauen wahr, die direkt neben seinem Bett standen. Eine der beiden trug eine Brille und sagte: „Können Sie mich verstehen?“
„Wo bin ich?“, fragte Ali mit schwacher Stimme. „Was ist los?“
„Sie befinden sich hier auf der Intensivstation des Resikrankenhauses. Ich bin Stationsärztin Zellner, neben mir steht Schwester Lisa. Wir haben Sie aus einem lebensbedrohlichen Koma zurückgeholt. Bleiben Sie ganz ruhig, das Schlimmste haben Sie überstanden! Der Oberarzt kommt gleich und sieht nach Ihnen.“
Ali nickte matt und musterte die zwei Frauen. Stationsärztin Zellner steckte in einem weißen Anzug, der ihre Reize bis zum Hals verdeckte. Ihre Haare waren allesamt nach oben zu einem Knäuel zusammengesteckt, allerdings ohne sittsam durch ein Kopftuch verhüllt zu sein. Die andere, etwa zehn Jahre jünger, trug ihr rötlichblondes Haar offen. Der Reißverschluss ihrer Jacke war im oberen Bereich geöffnet und ließ die Ansätze zweier wohlgeformter Brüste erkennen.
„Kollege Bengel, der Patient ist aus dem Koma erwacht, aber noch nicht bei vollem Bewusstsein“, ertönte die Stimme von Stationsärztin Zellner. Neben den beiden Frauen stand auf einmal ein hagerer, hellgrün gekleideter Mann mittleren Alters.
„Wir werden sehen, ob er noch Wahnvorstellungen über Jungfrauen hat“, sagte Doktor Bengel leise. In diesem Fall verlegen wir ihn in die Psychiatrische nach Moorbach.“
Ganz nah trat er nun an Ali heran. „Möchten Sie etwas sagen?“, fragte er und blickte ihm tief in die Augen. Verlegen drehte Ali seinen Kopf zur Seite, ohne einen Laut von sich zu geben.
„Vorhin, als ich allein nach ihm sah, lag er schweißgebadet da und fantasierte schon wieder von zweiundsiebzig Jungfrauen“, bemerkte die Stationsärztin. „Bald darauf allerdings nur noch von zweiundfünfzig, dann von sechsunddreißig, fünfundzwanzig, zwölf, zum Schluss murmelte er sogar nur noch etwas von drei klitzekleinen Jungfrauen. Seine Psychose scheint abzuklingen.“
„Gut zu wissen“, antwortete der Oberarzt, „Schwester Lisa, beobachten Sie den Patienten. Jede Besonderheit melden Sie umgehend. Fürs Erste ist die Visite beendet.“
Die Schwester nickte, setzte sich auf einen Stuhl und richtete den Blick auf Ali, der eingehend ihre weiblichen Reize betrachtete. Indessen verließen die beiden Ärzte den Raum.
„Hallo, Friede sei mit Ihnen“, brachte Ali nach wenigen Augenblicken mühsam hervor.
Sofort stand Schwester Lisa auf und beugte sich ganz nah zu ihm hin. Freundlich lächelte sie ihn an. Verwirrt von diesem ungewohnten Ereignis senkte Ali seinen Blick und starrte auf zwei mangoförmige Brüste, die sich fast bis zu den Warzen aus der weißen Jacke herausgeschoben hatten. Mit zitternden Händen griff er der bildhübschen Mittzwanzigerin an die Wangen und sagte: „Sie sind eine wunderschöne Jungfrau, wie für mich geschaffen. Nur verschleiern müssen sie sich noch.“
Geschickt drehte sich Schwester Lisa zur Seite und drückte auf den Notfallknopf. Binnen zwei Minuten standen Oberarzt Bengel und Stationsärztin Zellner erneut vor seinem Bett.
„Der hat mich am Kopf gestreichelt und zu mir Jungfrau gesagt“, gab Schwester Lisa kund.
Über Bengels Gesicht huschte ein vielsagendes Grinsen. Fragend sah Stationsärztin Zellner Schwester Lisa an, deren Gesicht sich rot verfärbte.
„Der Fall ist klar“, flüsterte Bengel. „Heute und morgen kann er noch bleiben, übermorgen kommt er nach Moorbach in die Offene. Der junge Mann braucht dringend eine Therapie.“
Liegend wurde Ali in die psychiatrische Klinik Moorbach verlegt. Zur Begründung sagte man ihm nur, er benötige psychische Unterstützung, die er dort erhalten würde. Bereits am Eingang nahm ihn ein Pfleger in Empfang und schob ihn in ein weiß getünchtes Zimmer mit zwei Betten. In einem der Betten lag ein etwa vierzigjähriger, hellblonder Mann auf dem Rücken und stierte regungslos vor sich hin.
´Dem geht es aber schlecht`, dachte Ali und betrachtete neugierig den Mann. ´Was der wohl hat?` Auf einmal spürte er zwei Hände an seiner Schulter. „Na, seien Sie doch nicht so unbeweglich, ein bisschen mitmachen können Sie schon!“
„Äh, wie bitte?“ Ali warf dem Pfleger einen fragenden Blick zu. Dieser deutete auf das leere Bett neben ihm. „Rein mit Ihnen, das ist frisch bezogen.“ Gehorsam rutschte Ali auf das Bett hinüber.
„Na also geht doch“, meinte der Pfleger und nickte. „Machen Sie sich bequem, in neunzig Minuten gibt´s Mittagessen. Für Sie als Moslem selbstverständlich ohne Schweinefleisch.“ Schon schob er die Liege mit dem Gestell aus dem Zimmer. Indessen legte sich Ali auf den Rücken, starrte an die Decke und fragte sich, was er hier in diesem Krankenhaus verloren hätte. Soviel er auch überlegte, ihm blieb völlig schleierhaft, welch psychische Unterstützung er benötigte. Ergebnislos setzte er sich auf die Bettkante und blickte auf seinen Zimmergenossen, der immer noch vor sich hinstierte. Vorsichtig fragte er: „Mein Herr, können Sie mich verstehen?“
„Der blonde Mann drehte den Kopf und meinte mit schwerer Stimme: „Ja, was gibt´s denn!“
„Sie sehen aber nicht gut aus, fehlt Ihnen was?“
„Das kann man wohl sagen. Mir fehlt die Lebenslust.“
„Lebenslust?“
„Ja, ich wollte meinem Leben ein Ende setzen und habe eine Schachtel Schlaftabletten geschluckt.“
„Und hat das funktioniert?“
„Dumme Frage, natürlich nicht, wäre ich sonst hier?“
„Entschuldigen Sie die Frage,“ antwortete Ali verlegen. „Aber was hat denn Ihr Leben gerettet?“
„Ich hatte nicht bedacht, dass mein Freund Werner mich zu einer Party abholen wollte und wusste, dass ich zu Hause war. So wurde ich gewaltsam aus dem Todesschlaf gerissen und hierher gebracht. Dabei hatte ich mir fest vorgenommen, zu sterben.“
„Aber weshalb? Wollten Sie sich etwa opfern, und für was?“
„Nein, nicht opfern! Ich bin in eine Depression gefallen. Meine Frau hat mich hintergangen und mir meinen Sohn genommen.“
„Wie konnte Ihnen so etwas passieren mein Herr?“
„Ach das wird dich gar nicht interessieren!“
„Doch erzählen Sie, ich höre Ihnen gerne zu! Übrigens ich heiße Ali bin gläubiger Muslim und kann Ihnen vielleicht helfen.“ Ali beugte sich nach vorne und lächelte dem blonden Mann freundlich zu.
Dieser lächelte gequält zurück. „Ich heiße Dieter und wurde von meiner Frau nur geheiratet, weil ich erfolgreicher Zahnarzt bin. Dabei habe ich sie so sehr geliebt.“
„Wir Männer sollen die Frauen nicht lieben, sondern beherrschen“, sagte Ali mit ernster Miene. „Sie bestimmen sonst über unsere Gefühle, werden selbstsüchtig und vernachlässigen ihre Pflichten.“
Dieter verrieb sich eine Träne am Backen und blickte sehnsüchtig zum Fenster. „Aber die Liebe zu einer Frau ist doch das Wunderbarste im Leben eines Mannes!“
„Sie irren sich, mein Herr! Das Wichtigste im Leben ist, Muslim zu sein und sich Allah, dem einen Gott zu unterwerfen.“
„So ein Blödsinn! Soll ich den ganzen Tag nur beten und Allah, Allauahh , Lallaaa rufen?“
„Nein, das nicht! Muslim sein heißt, ein Leben nach den Lehren des Koran und des Propheten – Friede sei mit ihm – zu führen und in der Umma, der Gemeinschaft der Gläubigen aufzugehen.“
Dieter machte eine herablassende Handbewegung. „Junge, ich bin aus der Kirche ausgetreten und kann mit keinem Gott was anfangen.“
Ali erbleichte. „Heißt das, Sie haben sich von ihrem christlichen Glauben abgewandt und leugnen die Existenz Gottes?“
„So ist es. Gott ist tot. Die Popen bekommen von mir keinen müden Euro mehr. Das habe ich denen auch geschrieben.“
„Haben Sie keine Angst um Ihr Leben?“
„Angst um mein Leben?“
„Na ja, aufrechte Christen werden doch sicher versuchen, Sie zu töten, wenn sie den christlichen Glauben verraten.“
„Wie kommst du denn darauf?
Ali blickte Dieter eindringlich an. „Wer im Islam erkennbar vom Glauben abfällt, begeht eine Todsünde und hat sein Leben verwirkt; zumindest wenn er sich weigert, wieder gläubig zu werden. Das ist bei den Christen doch genauso - oder etwa nicht?“
„Bei uns ist das Mittelalter schon lange vorbei“, grummelte Dieter.
„Aber das Christentum ist doch die Religion der Deutschen!?“
„Nur auf dem Papier. Die meisten Deutschen machen sich hierzu keinen Kopf. Die Zahl der aus den Kirchen Ausgetretenen wird immer größer.“
„Wieso verbieten die Kirchen nicht, dass Christen von ihrem Glauben abfallen und Gott leugnen? Wenn man diese Leute am Leben lässt, müsste man sie zumindest ins Gefängnis werfen, damit sie ihren Unglauben nicht weiter verbreiten.“
„Mann, das Mittelalter ist bei uns vorbei. Übrigens habe ich keinen Bock über Religion zu diskutieren, vor allem nicht mit jemand, der mich in den Knast stecken will.“ Verärgert drehte sich Dieter wieder auf den Rücken und blickte stur zur Decke.
„Entschuldigen Sie, mein Herr, ich war wohl etwas vorlaut“, meinte Ali und kreuzte verlegen die Beine. In seinem religiösen Eifer hatte er nicht bedacht, dass Dieter selbst ein Gottesleugner war. „Erzählen Sie weiter, was Ihnen mit Ihrer Frau passiert ist.“
„Weshalb denn? Anscheinend interessiert dich das nicht!“
„Doch, doch, sicher, mein Herr! Erzählen Sie! Ich bin ganz gespannt!“
„Okay ich versuch es“, sagte Dieter und wandte sich wieder Ali zu, der ihn mit großen Augen ansah. „Meine Frau Janine habe ich auf einer Party kennengelernt. Von der ersten Sekunde an zog sie mich in ihren Bann. Sie strahlte eine unbändige Erotik aus und wirkte auf eine natürliche Art fröhlich. Zu meinem Bedauern war sie in Begleitung eines renommierten Professors für Zahnheilkunde. Dieser, mindestens zwanzig Jahre älter, passte überhaupt nicht zu ihr, sodass ich den Partygeber bat, mich Janine als einen der erfolgreichsten Zahnärzte Münchens vorzustellen. Als ihr Begleiter für kurze Zeit den Raum verließ, wurde ich ihr vorgestellt. Lächelnd reichte sie mir daraufhin die Hand. Während ihr Jasminduft in meine Nase stieg beherrschte mich nur noch ein Gedanke: ´Ich will diese Frau, ich werde alles tun, um sie zu bekommen`.“
„Ja mein Herr“, kommentierte Ali. „Wir Männer sind den Verführungskünsten schöner Frauen hilflos ausgeliefert. Im Islam haben sich Frauen deshalb in der Öffentlichkeit zu verschleiern und müssen sich von allen familienfremden Männern fernhalten. Auf diese Weise geraten wir nicht in Unordnung.“
Gedanken verloren blickte Dieter über Ali hinweg. „Ja, letztendlich war ich Janine und ihren Reizen ausgeliefert. Sie hat das sicher sofort gemerkt und mich auch deshalb ausgewählt.“
„Aber wie sollte das gehen? Sie war doch mit einem Mann da. Und als Frau kann sie sowieso nicht über sich selbst bestimmen!“
„Lass mich erzählen! Wir hatten keine fünf Minuten Small Talk geführt, da kam auch schon ihr Begleiter, Professor Trumpf zurück und führte Janine von mir weg. ´Bis später, Dieter`, flüsterte sie mir noch zu. Dabei bohrten sich ihre Rehaugen tief in mein Herz. Aufgewühlt ging ich nach oben auf den Balkon des oberen Wohnzimmers der Villa. Die Arme auf das Geländer gestützt, schaute ich verträumt in die Umrisse der Gartenanlage und stellte mir vor, dort mit ihr zu sein. Etwa zehn Minuten mussten so vergangen sein, als mich der Duft nach Jasmin aus meinen Gedanken riss. Im Halbdunkel nahm ich wahr, dass Janine mich erwartungsvoll von der Seite anlächelte. ´Hey Dieter`, hauchte sie mit ihrer sanften Stimme, ´auch romantisch veranlagt?` ´Oh ja, vor allem jetzt, da Sie vor mir stehen`, gab ich zurück. ´Stoßen Sie mit mir doch auf die Zukunft der Liebe an`, säuselte sie und reichte mir ein Sektglas. Beim Zuprosten kam sie ganz nah an mich heran. So nah, dass unsere Lippen nur noch eine Handbreit auseinander waren. Dann trat sie einen Schritt zurück, strich sich verführerisch mit der Hand durchs Haar und flötete: ´Gefällt Ihnen mein Abendkleid? Das habe ich heute das erste Mal an.` Und wie mir das Abendkleid gefiel. Der edle Stoff des Kleides betonte auf eine raffinierte Weise ihre Formen. ´Ich bin völlig hingerissen von Ihnen und ihrem zauberhaften Kleid`, bemerkte ich. ´Nur schade, dass Sie schon in festen Händen sind. Oder täusche ich mich etwa?` Janine nickte andeutungsweise und säuselte: ´Stimmt, Sie täuschen sich. Der Trumpf ist nur ein väterlicher Freund, zumindest sehe ich es so. Ich begleite ihn hin und wieder, dafür unterstützt er mich, wenn nötig.`
„Väterlicher Freund, so etwas gibt es nicht“, warf Ali ein. „Sie hätten gleich wissen müssen, dass diese Frau eine unmoralische Person ist.“
„Ja, ja, hinterher ist man immer schlauer“, sagte Dieter mürrisch. „Nun, Janines Antwort ließ mich hoffen. Charmant erklärte ich, ihr liebend gerne alle Wünsche von den Augen abzulesen. Daraufhin blickte sie mich herzzerreißend an und meinte: ´Dieter, solche Männer sind heute äußerst selten. Wenn Sie halten, was Sie versprechen, könnte der heutige Tag unser erster, gemeinsamer Glückstag sein.`“
Dieter machte eine kurze Pause und blickte mit verklärtem Gesichtsausdruck aus dem Fenster. „Bereits zwei Tage später“, fuhr er fort, „saßen wir verträumt beim Candle-Light-Dinner - und kamen uns rasch näher. Es war wie im Märchen: Ich, der erfolgreiche Zahnarzt, Anfang vierzig, mit meiner Traumfrau, zwölf Jahre jünger, superattraktiv, gebildet, lebensfroh. Dass sie als freiberufliche Theaterwissenschaftlerin nur ein geringes Einkommen hatte, gefiel mir sogar. Schließlich wurde sie dadurch finanziell von mir abhängig.“
„Mein Herr“, warf Ali ein, „es genügt nicht, wenn der Mann die Frau versorgt, er muss sie auch kontrollieren und bestrafen, wenn sie nicht folgen will.“
„Lass mich doch erzählen und red nicht so unqualifiziert dazwischen!“ grantelte Dieter und warf Ali einen vorwurfsvollen Blick zu. „Wo war ich? Verdammt, jetzt habe ich es vergessen. Na ja, auf alle Fälle verbrachten wir fantastische Liebesnächte, fuhren gemeinsam in den Urlaub, schmiedeten Pläne für die Zukunft und wünschten uns schließlich ein Kind. Unsere Hochzeit feierten wir mit einem rauschenden Fest, die Geburt unseres Sohnes erfüllte mich mit höchstem Glück. Dass Janine damit einen teuflischen Plan hegte, konnte ich nicht ahnen.“
Indessen war Ali um einige Zentimeter in die Bettmitte zurückgerückt und sah Dieter schweigend an.
„Verstehst du: einen teuflischen Plan?“, wiederholte Dieter nach einer kurzen Pause.
„Ja“, antwortete Ali wortkarg.
„Willst du nicht wissen, welchen Plan?“
„Ja, doch!“
„Und warum fragst du dann nicht?“
„Ich soll doch nicht dazwischen reden.“
Dieter rollte mit den Augen und sagte dann. „Gegen gehaltvolle Äußerungen habe ich überhaupt nichts.“
Ali sah ihn verunsichert an. „Darf ich dann fragen, was an dem Plan teuflisch war?“
„Ja du darfst“, antwortete Dieter und nickte bedächtig. „Also, das war so: Janine entpuppte sich als ein äußerst raffiniertes Biest. Noch vor unserer Hochzeit hatte sie ihre Wohnung aufgelöst und war mit mir in eine Vorortvilla gezogen. Dort spielte sie ein doppeltes Spiel: Nach außen hin tat sie schmelzend verliebt und las mir jeden Wunsch von den Augen ab. Insgeheim plante sie jedoch schon den Absprung. Als sie im sechsten Monat schwanger war, kam sie zu mir und meinte, sie müsse noch alte Schulden begleichen. Nichts Böses ahnend gab ich ihr einen höheren Betrag. Und was glaubst du, was sie mit dem Geld gemacht hat?“
„Vielleicht hat sie sich teuren Schmuck gekauft?“
„Schön wär´ s gewesen. Kurz vor ihrer Entbindung hat sie sich eine eigene Wohnung angemietet – ohne mein Wissen, aber mit meinem Geld.“
„Oh!“ Ali riss ungläubig die Augen auf.
„Drei Monate nach der Geburt unseres Sohnes fand ich nach Feierabend einen Zettel auf dem Küchentisch. <Hi Diddi>, stand darauf per Hand geschrieben, <der Maurice und ich, wir sind ausgeflogen in unsere eigene Wohnung in der City und kommen nicht mehr zurück. Unser Anwalt setzt sich mit dir in Verbindung zwecks der Finanzen, tschau!> Mir wurde auf der Stelle schlecht. Panisch durchsuchte ich die Villa in der Hoffnung, das wäre nur ein übler Scherz. Vergeblich – mein Sohn und meine Frau waren weg, samt ihrer Sachen. Janine hatte alles in ihren Audi gepackt und war mit Maurice in ihre geheime Wohnung gefahren. Nicht einmal die Adresse wusste ich.“
„Das ist ja ungeheuerlich!“
„Ja, ungeheuerlich“, wiederholte Dieter. „Eine Woche später hat Janine bei mir angerufen und mir eingestanden, dass sie alles kaltblütig geplant habe. Sie wollte schon länger ein Kind haben und finanziell unabhängig sein, ohne sich an einen Mann zu binden. Als sie mich auf der Party kennenlernte, hätte sie sofort gemerkt, dass ich der Richtige dafür sei. Mein ganzes Bitten und Betteln, selbst das Drohen mit dem Gericht, half nichts: Nach diesem Gespräch brach sie den Kontakt zu mir ab, von da an sprach sie nicht mehr mit mir. Ich habe dann ausführlich mit ihrer Mutter telefoniert, und erfahren, dass Janine sehr negativ über Männer denkt. Männer seien für sie das Letzte: oberflächlich, sexbesessen, nur an der äußeren Attraktivität einer Frau interessiert. In ihrer Sexbesessenheit reagierten Männer auf Frauenreize gleichermaßen mechanisch wie ein laufender Motor auf Benzinzufuhr. Deshalb würde sich ihre Tochter im Umgang mit Männern auch keinerlei moralische Gedanken machen. Männer seien für sie einfach dazu da, um rücksichtslos die eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. Von dieser Überzeugung sei sie nicht abzubringen, auch von mir nicht. Denn gerade ich hätte dieses Männerbild bestätigt. Da konnte ich nur halbherzig widersprechen.“
Zitternd wischte sich Dieter mit einem Papiertaschentuch die Schweißtropfen von der Stirn. Dann nahm er sein Wasserglas vom Nachtkästchen und setzte zum Trinken an. Währenddessen dachte Ali mit Befriedigung daran, dass in seiner Heimat Frauen keine Möglichkeit hatten, ihre Reize zu missbrauchen, um Männer zu verführen. Auch das Recht, gegen den Willen ihres Mannes in eine andere Wohnung zu ziehen und gar noch die Kinder mitzunehmen, wurde ihnen von vornherein verwehrt. Dieter stellte das Glas wieder zurück und sagte wehleidig: „Sie war so attraktiv, wieso sollte ich sie nicht begehren?“
„Ja Herr Dieter“, antwortete Ali und streckte sich. „Für uns Männer ist die Schönheit der Frauen sehr wichtig. Damit sie keine Macht über uns bekommen, müssen sie im Islam ihre Reize unter einem Schleier verbergen und dürfen auch sonst nicht machen, was sie wollen. Erst in der Hochzeitsnacht nehmen sie den Schleier für ihren Ehemann ab.“
„Ach so, ihr kauft die Katze wohl im Sack!“ Dieter lachte höhnisch auf. „Nein danke, das wäre nichts für mich. Ich muss mir eine Frau schon vorher ansehen, ob sie mir gefällt!“
„Und ich muss sicher sein, dass meine Frauen noch jungfräulich sind“, entgegnete Ali wie aus der Pistole geschossen. „Die islamische Geschlechterordnung sorgt dafür auf eine gute Weise. War Janine denn noch Jungfrau?“
Dieter schüttelte den Kopf. „I wo, wo denkst du hin. Janine hatte schon etliche Männer vor mir gehabt.“
„Sehen sie, mein Herr,“ meinte Ali beflissen, „darin liegt der Fehler! Mit einer Frau, die jungfräulich in die Ehe geht und nach den Gesetzen des Islam lebt, wäre ihnen nichts Schlechtes passiert.“
Dieter winkte unwirsch ab. „Na ja, in einem weiteren Gespräch bat ich Janines Mutter, sich bei ihrer Tochter für mich einzusetzen und sie zu überzeugen, wieder zu mir zurückzukommen. Ich sagte ihr, dass ich sie immer noch liebe, genauso wie meinen Sohn, den ich so sehr vermisse. Sie halte sich da raus, gab mir ihre Mutter zur Antwort. Denn – und jetzt kommt der große Hammer – sie könne ihre Tochter verstehen! Janines eigener Vater sei ein großes Männerschwein gewesen. Er hätte sich nie um sie gekümmert, ja anfangs sogar geleugnet, dass sie seine Tochter sei. Selbst vor den Unterhaltszahlungen wollte er sich drücken, obwohl er ein sehr hohes Einkommen hatte. Dann fügte sie hinzu, ich solle mir keine Hoffnungen machen, Janine hätte jetzt einen anderen Mann, einen der nicht so sexfixiert sei wie ich. Das erste Mal in ihrem Leben sei sie wirklich verliebt. Da wurde mir manches klar. Janine hat in mir das Symbol ihres biologischen Vaters gesucht und gefunden. Ob bewusst oder unbewusst – sie benutzte mich, um ihre Gefühle, die sie für ihren Vater hegte, abzureagieren. Ich wurde von ihr regelrecht als therapeutisches Racheobjekt missbraucht.“
Bestürzt nahm Ali wahr, wie sich die Verzweiflung in Dieters Gesicht abzeichnete. „So ein Satansweib!“, entfuhr es ihm. „Ist diese teuflische Person schon im Gefängnis und verbüßt ihre verdiente Haftstrafe? Oder ist sie noch auf der Flucht?“
Dieter blickte Ali mit zusammengekniffenen Augen an. „Wie bitte? Ich verstehe nicht recht! Wieso soll sie im Gefängnis sein? Vor wem soll sie fliehen? Sie sitzt in ihrer Citywohnung, lebt mit meinem Sohn von meinem Geld! Und der Andere spielt den Vater.“
„Hören Sie, mein Herr, diese Frau hat Ihre Ehre, ja die Ehre zweier Familien zerstört. Dafür muss sie bestraft werden! Das islamische Recht ist da sehr konsequent: Es sieht für solch einen Fall die Steinigung vor.“
„Kein Gericht in unserem Land wird meine Frau zu einer Geldstrafe verurteilen und du sprichst von Steinigung?“
Ali sah Dieter verblüfft an und rutschte an die Bettkante vor. „Sprechen die Gerichte in eurem Land nicht recht? Eine Ehefrau kann doch nicht einfach ihren Mann alleine lassen und sein Kind mitnehmen? Und dann noch Ehebruch begehen!?“
„Hast du eine Ahnung! In unserem Land kann jede Frau ihren Mann verlassen, wann sie will, sie kann sexuelle Beziehungen eingehen, soviel sie will, und zusammenwohnen, mit wem sie will.“
Ali riss entsetzt die Augen auf. „Das ist ja ungeheuerlich! In diesem Deutschland scheint der Satan zu herrschen und die Gesetze zu machen.“
„Nicht der Satan, sondern frauenbewegte Männer! In allen deutschen Parlamenten stellen Männer die Mehrheit!“
„Männer, die vom Satan beherrscht werden.“
„Nicht vom Satan, vom Feminismus.“
„Aber, auch deutsche Familien werden es sich doch nicht gefallen lassen, dass eine Frau ihre Ehre auf so abscheuliche Weise beschmutzt, wie diese Janine! Wenn schon die Gesetze und Gerichte versagen, und Sie, Herr Dieter, im Krankenhaus sind, müssten die Väter oder Brüder dieses Teufelsweib bestrafen und dafür sorgen, dass Sie Ihr Kind zurückbekommen. Falls niemand Ihre untreue Frau töten will, sollte man sie zumindest im Haus ihrer Eltern wegsperren und ihr die niedrigsten Tätigkeiten auftragen.“
Dieter machte eine abwehrende Handbewegung. „Vergiss´ es. So etwas wird bei uns als Freiheitsberaubung definiert und hart bestraft. Frauen müssen sich in Deutschland von ihren Männern heute nichts mehr sagen lassen. Das war einmal und ist vorbei!“
Ali rollte die Augen nach oben und kratzte sich am Kopf. „Bei so vielen Ungerechtigkeiten in Ihrem Land macht den Männern das Leben aber keine Freude!“
„Nein, in meinem Fall wirklich nicht“, sagte Dieter nachdenklich. „Noch dazu, da Janine erfolgreich auf Sorgerecht und Unterhalt geklagt hat. Dabei wurde mir ein kleiner Vorfall zum Verhängnis. Drei Wochen nach Janines Auszug habe ich herausbekommen, wo sich ihre Wohnung befindet. Eines Tages gelang es mir dann auch, sie abzupassen. Als ich sie zur Rede stellen wollte, ging sie einfach weiter und ließ mich stehen. Da bin ich durchgedreht und habe auf sie eingeprügelt. Das hat mir das Gericht schwer angekreidet.“
„Wie gibt es denn so etwas!“, rief Ali erstaunt aus. „Mein Glaube schreibt sogar vor, dass der Ehemann seine Frau zu schlagen hat, wenn Ermahnungen nichts nutzen. Zwar nicht unbedingt krankenhausreif, dafür aber so, dass sie wieder zur Besinnung kommt.“
„Das mag bei euch im Orient so sein“, antwortete Dieter mürrisch. „Bei uns im Westen ticken die Uhren aber anders. Hierzulande ist eine Frau von Rechts wegen der absolute Herrscher über sich. Auch wenn sich viele Frauen alles Mögliche von ihren Männern vorschreiben lassen, du hast kein Recht darauf.“
„Das könnte man doch sicher ändern. Wenn alle Männer zusammenhalten und gemeinsam ...“
„Ach hör doch auf mit solchen Sprüchen!“
Ali zuckte zusammen: „Entschuldigung, ich wollte nur eine Lösung vorschlagen.“
„Wo war ich? Ja, ich wollte sagen, ich muss jetzt nicht nur Unterhalt für meinen Sohn bezahlen, sondern vorerst auch für Janine: für ihre Wohnung, für ihre Kleider, für ihre Nahrung und für sonst was. Vor Gericht hat sie behauptet, ich sei gewalttätig und der Kontakt mit mir würde Maurice schaden. So ein frauenbewegter psychologischer Gutachter hat den Schmarrn noch bestätigt! Deshalb hat das Gericht entschieden, dass sie das alleinige Sorgerecht erhält. Vorerst darf ich meinen Sohn nicht und später nur unter strengen Auflagen zwei Mal einen halben Tag pro Monat sehen.“
„Das ist doch der reine Wahnsinn, mein Herr! Wie kann eine Frau über das Kind ihres Mannes bestimmen? Sie ist nicht einmal fähig, für sich alleine zu entscheiden!“
Dieter lachte gequält auf. „Mann bist du krass drauf!“
Ali schüttelte den Kopf. „Ich bin nicht krass drauf, ich vertrete nur, was die Scharia, das islamische Recht, vorgibt. Wissen Sie, mein Herr, im Islam sind Frauen den Männern unterstellt. Sie haben unsere sexuellen Bedürfnisse zu befriedigen und möglichst viele Söhne zu gebären! Dabei stehen die Kinder immer unter der Vormundschaft des Ehemannes oder seiner männlichen Angehörigen; auch wenn die Frau von ihrem Mann verstoßen wird, entscheidet er, ob und wie lange sie die Kinder aufziehen darf.“
„Wow, das sind ja traumhafte Verhältnisse!“
Ali lächelte verklärt. „Ja, die Gemeinschaft der Gläubigen ist die beste Gemeinschaft auf der Erde. Auch Sie sind eingeladen, zu dieser Gemeinschaft zu gehören. Sie müssen nur aufrichtigen Herzens die Glaubensformel sprechen und die Grundpflichten beherzigen. So zum ...“
Dieter hob abwehrend die Hand. „Stopp, aufhören! Ich halte nichts von Religion – weder von der christlichen, noch von der islamischen noch von irgendeiner anderen.“
„Sie sollten den Islam kennenlernen, mein Herr, dann würden Sie Ihre Meinung sicher ändern.“
„Danke kein Bedarf! So nun brauche ich meine Ruhe, mich strengt das alles ziemlich an.“
„
