Vom Kommen, Sein und Gehen - Luis Brünnstein - E-Book

Vom Kommen, Sein und Gehen E-Book

Luis Brünnstein

0,0

Beschreibung

"Vom Kommen, Sein und Gehen" ist eine Sammlung von tragischen und komischen Versen, die eigentlich kleine und kleinste Erzählungen darstellen: Erinnerungen an Stattgefundenes, Erfindungen von Möglichkeiten, Fragen zu Unbegreiflichem, Ausbrüche über Unsagbares, aus dem Leben und über das Leben, gemischt und in fünf Kapitel geteilt mit den Überschriften: Vom Heute und Morgen Vom Reisen und Rasten Vom Gedenken und Träumen Vom Wahn und Sinn Vom Erinnern und Vergessen Luis Brünnstein, der Verfasser, entwirft zu diesen Themenkomplexen Bilder und Sonaten – nicht mit Mal- oder Musikinstrumenten, sondern mit Worten. Leserinnen und Leser sind eingeladen, den aufkommenden Stimmungen selbst ihre individuellen Farben und Töne zu geben. Die Verse entstanden überwiegend im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 29

Veröffentlichungsjahr: 2017

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Luis Brünnstein

Vom Kommen, Sein und Gehen

Tragische und komische Verse

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Vom Heute und Morgen

Vom Reisen und Rasten

Vom Gedenken und Träumen

Vom Wahn und Sinn

Vom Erinnern und Vergessen

Impressum neobooks

Vom Heute und Morgen

Das Nichts und der Anfang

So willst du also neu anfangen

und den Staub abschütteln,

den Erdbeben abgeladen haben;

den Kopf heben und prüfen,

ob die Sonne wirklich so ist

oder nur im Traum so war,

ob alles ringsumher tot ist

oder der und die noch leben,

und ob auch sie neu anfangen,

dir den Staub abschütteln

und die Trümmer zusammenfügen

zu neuem Lebendigem

und die Toten begraben

und beweinen, die da waren,

im früheren Leben dich quälten.

Wer aufsteht aus dem Staub,

kann nur lächeln über die Alten;

und die Schmerzen von damals

weichen der stummen Trauer

über das Nie-wieder,

über das Immer-anders,

die entrissene Geborgenheit

in der ewig gestrigen Stadt,

die dich ausgespien hat

in die heute heutige Stadt.

Neu anfangen! Von Anfang an!

Wer bist du, wer bin ich?

Keiner weiß es, du nicht

von dir und mir, ich nicht

von mir und dir.

Bist du der ewige Schatten,

der jedem von uns folgt,

bist du das pralle Licht,

das uns die Schatten verbrüht?

Bin ich der Schöpfer dessen,

dem ich deinen Namen gebe,

bin ich der Denker, der morgen

sein Wort vergessen wird?

Nichts von dir ist da,

alles fließt in Gedanken davon,

wie vom Regen gepeitscht,

zersprüht an der Wand.

Und doch ist es Leben,

das sich bewegt und fühlt

und wieder Fühlen erhofft

von mir und von allen,

die noch da sind

und im Vorübergehen

ein klein wenig innehalten,

sich umsehen im hohen Gras,

als ob sie etwas verloren hätten

und nicht wissen, was es war,

schließlich zu glauben beginnen:

Es war nichts und ist nichts

und kann denn je etwas sein?

Bilder frührer Tage

Wir lächeln über Bilder frührer Tage

und wissen doch nicht mehr,

als Doktor Faustus je gewusst.

Doch stoßen wir die Türen auf

zu jenen Räumen, in welchen

unsre Kinder von uns träumen.

An meinen Deskjet

Du bist bereit.

Bist du's also?

Harrst des Befehls,

der nicht kommt.

Nicht kommen will?

Nicht kommen kann?

Wo ist die Botschaft?

Steckt sie im Stau?

Hat sie ein Wort verloren,

das noch gesucht wird

zwischen den Zeilen,

damit sie verstehen?

Jetzt aber leg los!

Fass dir Mut zur Fülle

für den leeren Magen!

Gib ihm die fetten Sätze!

Und stoß sie hinunter

mit einem harten Klaren!

Schon brüllt der Magen,

getroffen im vagen Ziel,

schwingt tausend Glocken

auf schwankenden Türmen

über das Land, die Welt.

Jetzt schreib schnell, Gesell!

Was ist heute bloß?

Was ist heute bloß für eine Nacht!

Hat die Straße am Himmel gewebt,

die dich von der sinkenden Erde

auf die Gipfel der Hoffnung hebt.

Was ist heute bloß für ein Morgen!

Tausend Perlen küssen dich wach

und besetzen die kostbaren Poren

deiner Haut zum royalen Glanz.

Was ist heute bloß für ein Tag!

Der auf schwankendem Brettergedeck

starres Eis an deinen Fuß friert

und dir Glut in die Augen brennt.

Was ist heute bloß für ein Abend!

Der den Tag zur Hölle schickt,

damit alles Weinen und Klagen

in betäubenden Träumen erstickt.

Heute und morgen

Strom der Tiefe überflute,

Sturm der Höhe unterziehe,

wo das Tal im Staub versinkt!

Schürfe aus der Höhle Dunkel,

wringe aus dem Ufersand,

was uns gestern morgen schien!

Warten werfen wir hinüber,

wenn das Heute hier geschieht.