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"Vom Kommen, Sein und Gehen" ist eine Sammlung von tragischen und komischen Versen, die eigentlich kleine und kleinste Erzählungen darstellen: Erinnerungen an Stattgefundenes, Erfindungen von Möglichkeiten, Fragen zu Unbegreiflichem, Ausbrüche über Unsagbares, aus dem Leben und über das Leben, gemischt und in fünf Kapitel geteilt mit den Überschriften: Vom Heute und Morgen Vom Reisen und Rasten Vom Gedenken und Träumen Vom Wahn und Sinn Vom Erinnern und Vergessen Luis Brünnstein, der Verfasser, entwirft zu diesen Themenkomplexen Bilder und Sonaten – nicht mit Mal- oder Musikinstrumenten, sondern mit Worten. Leserinnen und Leser sind eingeladen, den aufkommenden Stimmungen selbst ihre individuellen Farben und Töne zu geben. Die Verse entstanden überwiegend im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts.
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Seitenzahl: 29
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Luis Brünnstein
Vom Kommen, Sein und Gehen
Tragische und komische Verse
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Vom Heute und Morgen
Vom Reisen und Rasten
Vom Gedenken und Träumen
Vom Wahn und Sinn
Vom Erinnern und Vergessen
Impressum neobooks
Das Nichts und der Anfang
So willst du also neu anfangen
und den Staub abschütteln,
den Erdbeben abgeladen haben;
den Kopf heben und prüfen,
ob die Sonne wirklich so ist
oder nur im Traum so war,
ob alles ringsumher tot ist
oder der und die noch leben,
und ob auch sie neu anfangen,
dir den Staub abschütteln
und die Trümmer zusammenfügen
zu neuem Lebendigem
und die Toten begraben
und beweinen, die da waren,
im früheren Leben dich quälten.
Wer aufsteht aus dem Staub,
kann nur lächeln über die Alten;
und die Schmerzen von damals
weichen der stummen Trauer
über das Nie-wieder,
über das Immer-anders,
die entrissene Geborgenheit
in der ewig gestrigen Stadt,
die dich ausgespien hat
in die heute heutige Stadt.
Neu anfangen! Von Anfang an!
Wer bist du, wer bin ich?
Keiner weiß es, du nicht
von dir und mir, ich nicht
von mir und dir.
Bist du der ewige Schatten,
der jedem von uns folgt,
bist du das pralle Licht,
das uns die Schatten verbrüht?
Bin ich der Schöpfer dessen,
dem ich deinen Namen gebe,
bin ich der Denker, der morgen
sein Wort vergessen wird?
Nichts von dir ist da,
alles fließt in Gedanken davon,
wie vom Regen gepeitscht,
zersprüht an der Wand.
Und doch ist es Leben,
das sich bewegt und fühlt
und wieder Fühlen erhofft
von mir und von allen,
die noch da sind
und im Vorübergehen
ein klein wenig innehalten,
sich umsehen im hohen Gras,
als ob sie etwas verloren hätten
und nicht wissen, was es war,
schließlich zu glauben beginnen:
Es war nichts und ist nichts
und kann denn je etwas sein?
Bilder frührer Tage
Wir lächeln über Bilder frührer Tage
und wissen doch nicht mehr,
als Doktor Faustus je gewusst.
Doch stoßen wir die Türen auf
zu jenen Räumen, in welchen
unsre Kinder von uns träumen.
An meinen Deskjet
Du bist bereit.
Bist du's also?
Harrst des Befehls,
der nicht kommt.
Nicht kommen will?
Nicht kommen kann?
Wo ist die Botschaft?
Steckt sie im Stau?
Hat sie ein Wort verloren,
das noch gesucht wird
zwischen den Zeilen,
damit sie verstehen?
Jetzt aber leg los!
Fass dir Mut zur Fülle
für den leeren Magen!
Gib ihm die fetten Sätze!
Und stoß sie hinunter
mit einem harten Klaren!
Schon brüllt der Magen,
getroffen im vagen Ziel,
schwingt tausend Glocken
auf schwankenden Türmen
über das Land, die Welt.
Jetzt schreib schnell, Gesell!
Was ist heute bloß?
Was ist heute bloß für eine Nacht!
Hat die Straße am Himmel gewebt,
die dich von der sinkenden Erde
auf die Gipfel der Hoffnung hebt.
Was ist heute bloß für ein Morgen!
Tausend Perlen küssen dich wach
und besetzen die kostbaren Poren
deiner Haut zum royalen Glanz.
Was ist heute bloß für ein Tag!
Der auf schwankendem Brettergedeck
starres Eis an deinen Fuß friert
und dir Glut in die Augen brennt.
Was ist heute bloß für ein Abend!
Der den Tag zur Hölle schickt,
damit alles Weinen und Klagen
in betäubenden Träumen erstickt.
Heute und morgen
Strom der Tiefe überflute,
Sturm der Höhe unterziehe,
wo das Tal im Staub versinkt!
Schürfe aus der Höhle Dunkel,
wringe aus dem Ufersand,
was uns gestern morgen schien!
Warten werfen wir hinüber,
wenn das Heute hier geschieht.
