Von allem wat! - Ingrid Kühne - E-Book

Von allem wat! E-Book

Ingrid Kühne

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Beschreibung

eBook mit den kompletten 160 Seiten des original Hardcover-Buchs. Die tatsächlich erlebten Kurzgeschichten in diesem Buch, gewürzt mit ihrem typischen Humor, zeigen wie das Leben von Ingrid Kühne neben der Bühne und Zuhause so ist. Was es mit den Glücksbringern auf sich hat, warum das „fitschering“ mit Peter Brings ihr schlaflose Nächte brachte, aber auch über Printen und Ferkelchen „Ingrid“ ranken sich ihre Anekdoten. Einfach mal lesen und eintauchen in ihre Welt!

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Vorwort Worum geht’s?
Kapitel eins Wie wär’s mit Rotkohl?
Kapitel zwei Schlambo, Igel und Oma Cöly
Kapitel drei Edeka, Eier, Äpfel und Ferkelchen „Ingrid“
Kapitel vier Die schönen Nieukerker
Kapitel fünf Geburtstag in Goch-Kessel
Kapitel sechs Würselen und Martin
Kapitel sieben Weitnichtsichtig
Kapitel acht Hämatit mit Limonit
Kapitel neun Mit-Ohne Weste quer durch Köln
Kapitel zehn Es klingelt, bis man dran ist
Kapitel elf Wer es nicht war, ist die Devise
Kapitel zwölf Nacktschreiber
Kapitel dreizehn Frollein Kühne kommt nicht zu spät
Kapitel vierzehn Hildegard
Kapitel fünfzehn Der 90. Geburtstag - Breakfast for Walter!
Kapitel sechzehn Zweimal Fürstenfeldbruck
Kapitel siebzehn 4.13 Stunden und Respekt von Apple
Kapitel achtzehn Uwes Hochzeitstag
Kapitel neunzehn 10 Minuten früher fertig
Kapitel zwanzig Frauen sind keine Zicken
Kapitel einundzwanzig Herr Bühlbecker und seine Aachener Printen
Kapitel zweiundzwanzig Die armen Literaten
Kapitel dreiundzwanzig „Auszug“ bei den Nippesern
Kapitel vierundzwanzig Zitronensprudel auf dem Hauptbahnhof
Kapitel fünfundzwanzig Silberhochzeit - wer ist der Chef?
Kapitel sechsundzwanzig Ein ganz normaler Pullover
Kapitel siebenundzwanzig Prinz Michael und Presse, die weh tut
Kapitel achtundzwanzig Karnevalissimo-Aufzug mit Aussetzern
Kapitel neunundzwanzig Gehirnspüler
Kapitel dreißig Underberg geht immer
Kapitel einunddreißig Mein Traum vom “Featuring”
Kapitel zweiunddreißig Lebenswichtige Nummern
Kapitel dreiunddreißig Halbe Mauer - ohne Licht
Kapitel vierunddreißig Titelseite im Oktober
Kapitel fünfunddreißig Fast wie auf dem Balkon in Prag
Kapitel sechsunddreißig Hannelore aus Erndtebrück
Kapitel siebenunddreißig Immer nur der eine Blick, genau dahin
Kapitel achtunddreißig Bernd, Lisa und das NRW-Duell
Kapitel neununddreißig Pitschnass auf dem RoMoZug
Kapitel vierzig Bettina Böttinger und der nette Oliver
Kapitel einundvierzig Kabarettstart und Popcorntüten
Kapitel zweiundvierzig Kollegen und ihre ungebügelten T-Shirts
Kapitel dreiundvierzig Im Znee saß und hier reicht ein Okay
Kapitel vierundvierzig Ein bisschen wie ABBA
Kapitel fünfundvierzig Mama ist so stolz, vor allem auf mein Abitur
Kapitel sechsundvierzig Preiskampf der Nachtschnittchen
Kapitel siebenundvierzig Monk und Roland Heilmann
Kapitel achtundvierzig Heilende Hände auf L4/L5
Nachwort
Die Autorin

 

 

 

Ingrid KühneVon allem wat!

 

 

 

 

Impressum:

 

Ingrid Kühne

Von allem wat!

eBook Auflage 1 / 2024 Druck & Layout: Milltown Media Verlag Umschlaggestaltung: Carsten Czanderna

© 2024 Milltown Media Verlag Remscheider Str. 43, 42369 Wuppertal Alle Rechte vorbehalten

Nachdruck (auch auszugsweise) verboten

 

 

Ingrid KühneVon allem wat!

 

 

Für meinen Papa, der am 10. August 2021 90 Jahre alt geworden wäre.

 

 

 

 

 

 

 

 

Milltown Media Verlag

Vorwort Worum geht’s?

Nabend zusammen! Oder soll ich lieber sagen, guten Morgen? Es ist im Grunde für mich schwierig, denn ich weiß ja nicht, wann genau Sie das Buch nun lesen. Vielleicht ist es auch am einfachsten, wenn ich schreibe, „Hallo!“. Das ist unverfänglich. Und abgesehen davon finde ich, wir sollten uns auch duzen. Wenn ich gesiezt werde, komm ich mir immer so alt vor.

Hier in diesem Buch kommt eigentlich alles zusammen, was ich immer schon mal loswerden wollte. Kleine Kapitel, die zu kurz sind für die Bühne, die zu kompliziert sind, weil man nix genau erklären kann... Geschichten, die mir neben der Bühne passieren und einfach – wie der Titel schon sagt – „Von allem wat...“ beinhalten.

Die Kapitel sind sogar extra nicht so lang, denn viele sind zum normalen „Buch lesen“ ja gar nicht mehr zu bewegen. Also nicht mehr so 100 Seiten am Stück... sondern da geht eher ne kurze Geschichte vorm Einschlafen oder auf dem Weg zur Arbeit, also im Bus oder in der Bahn. Jetzt nicht, wenn man selber fährt, da geht das mit dem Lesen ja nicht so gut. Oder – und das mein ich absolut ernst – auf dem Klo!

Ich kenne so viele Leute, die mittlerweile nicht mehr mit dem Smartphone zum Klo gehen, sondern wieder was zum Lesen mitnehmen, oder sogar da rumliegen haben. Aber nicht so ne sperrige Zeitung, oder ein ellenlanges Buch mit Geschichten aus dem Mittelalter, oder Krimis, wo man beim nächsten längeren Toilettengang schon wieder vergessen hat, wer überhaupt mitspielt und wer vielleicht ermordet wurde. Neeeeee, hier hat man kurze Kapitel, wo jedes für sich steht und wenn´s aus ist, dann ist es aus. Also fertig! Punkt! Aus! Ende!

Und man muss nicht 26 Kapitel gelesen haben, um das 27. zu verstehen. Find ich auch gut. Man kann auch von hinten anfangen zu lesen, wie früher mein Opa. Opa fing die Zeitung grundsätzlich von hinten an, weil auf der letzten Seite immer die Todesanzeigen standen. Das war für ihn wichtig. Und jedesmal kommentierte er die Seite: „In ossem Bosch, sin se we an hauen!“ (Er sprach nur Aldekerker Platt – was soviel heißt, wie – „In unserem Busch sind sie wieder am schlagen...“ also dass wieder jemand gestorben ist, aus seinem Jahrgang!) Interessant ist, dass man solche Sachen übernimmt. Ich fange auch fast immer mit einer Zeitung hinten an.

Oder, wenn man in diesem Buch mal eine Geschichte einfach auslässt. Zum Beispiel die 13.! Wer, so wie ich, diese Paraskevediakatriaphobie hat – die Angst vor Freitag dem 13. – der hat eine ganz eigene Beziehung zu der Zahl 13. Und wie gesagt, wenn er die 13 jetzt einfach nicht will, sondern einfach bei der 14 weitermacht, dann ist das dem Leser, mir und auch dem Buch völlig egal. Ich überlege gerade ernsthaft, ob ich in Kapitel 13 einfach nur einen Blindtext mache. Also nur Buchstaben als Text hintereinander... ohne dat et überhaupt wat heißt... nur damit man nichts verpasst. Oder etwas ganz Unwichtiges schreibe, wo man sagen könnte „war jetzt auch nicht soooo wichtig, was da stand“. Wobei, da muss der/diejenige mit so einer Phobie um die Zahl 13 dann eigentlich selber durch. Wie würd Opa sagen: „Auf Einzelschicksale können wir hier jetzt keine Rücksicht nehmen!“

Ich habe jetzt auch festgestellt: meine Geschichten von der Bühne, meine Programme, die ich erzähle, aufzuschreiben, ist gar nicht so leicht. Viele Geschichten funktionieren hauptsächlich mit Mimik, mit einem langen Seufzer, der die Geschichte theatralisch macht, mit einem Seitenblick oder mit einem Kommentar auf einen Einwurf aus dem Publikum.

Vielleicht versetzen wir uns jetzt einfach mal in diese Lage. Bühne, mittendrauf „Ingrid Kühne“ und das Publikum ist total gespannt auf das, was kommt. Publikum, das sind jetzt Sie, ähm ’schuldigung, bist jetzt „DU“. Nur lesen müsstest du nun selber. Das tut mir jetzt leid. Ne CD ist da schon deutlich einfacher, wenn man keine Lust zum Lesen hat. Aber dazu ist es ja nun zu spät, nun hast du das Buch - also wir fangen jetzt einfach mal an. Der Rest kommt dann beim Lesen selber. Dann wisst ihr, was ich hier im Vorwort genau meinte. Also und los geht’s!

Kapitel eins Wie wär’s mit Rotkohl?

Ich starte mit einem meiner Lieblingsthemen: Sven. Als er hörte, ich schreib ein Buch, kam nur dieses Lächeln. Diese Art von Lächeln, was als Kind so unglaublich süß war und jetzt als junger Mann zwar noch genauso aussieht, nur nicht mehr dasselbe bedeutet. Ich würde es auch nicht mehr als süß bezeichnen, nicht, weil Sven es hasst, als „süß“ bezeichnet zu werden, sondern weil das Wort es einfach nicht richtig beschreiben würde. Als kleines Kind lächelte Svenni immer. Also wirklich immer. Ich hab mal ein Bild von ihm geschossen, wo er geweint hat und dicke Tränen seine Wangen runter kullerten, nur um allen zu zeigen, dass er tatsächlich auch weinen kann. Aber diese seltenen Male waren immer ein Zeichen, dass es ihm auch wirklich nicht gut ging. Ansonsten war er das glücklichste und zufriedenste Kerlchen auf dem ganzen Planeten. Guuut, bei den Eltern kein Wunder. Wer wäre da nicht glücklich und zufrieden? Und dieses Lächeln, damit hatte er alle im Sack. In der Bäckerei gab’s immer ein Brötchen für ihn von Berni und so wie er strahlte, hätten die meisten Verkäuferinnen ihm das Brötchen sogar auch noch geschmiert – dick mit Nutella! Beim Eismann gab’s ne extragroße Kugel Eis für Sven. Die wussten sogar, dass er nur Schokolade und Haselnuss aß und wenn er strahlte, schmolzen in der Kirche die größten Osterwachskerzen. Sven wusste genau, dass es alle liebten, wenn er die Menschen mit einem Lächeln bedachte - jedoch hat er es nie eingesetzt um etwas mit aller Gewalt durchzusetzen. Jaaa, okay, die Omas jetzt mal ausgeschlossen.

Heute – zwanzig Jahre später – das Lächeln ist wie gesagt dasselbe, aber es hat eine andere Bedeutung. Es hat mehr mit Belächeln zu tun, Mitleid oder sogar Genervtsein. Und das war es eben auch, als ich sagte: „Hey, ich schreib jetzt ein Buch!“ Dieses Lächeln und seine unmittelbar darauf gestellte Frage: „Wat gibbet denn heute Abend zu essen?“

Ich hab gedacht – hat er mal wieder nicht richtig hin gehört. Das ist eine Art, die schon chronisch bei ihm ist. Näää, ich überleg grad – nicht chronisch – erblich! Nicht hinhören, das könnte bei ihm und seinem Vater schon olympische Disziplin sein. Zumindest hätten sie ernsthafte Chancen und Optionen auf Medaillen. Hab es dann noch mal ganz deutlich in seine Richtung gesagt:

„Sven, ich sagte, ich S C H R E I B E jetzt ein B U C H!“

„Ja, Mama! Schön! Wie wär’ et mit Rotkohl?“

Ich geb’s auf. Bin gespannt, ob er es dann liest, wenn’s endlich fertig ist!

Bei Ralf gab’s eine ähnliche Reaktion. Originalzitat: „Ich weiß nicht warum ich das vorher lesen soll, ich kenn’ doch eh all die Geschichten! Bei den Meisten war ich ja sogar live dabei!“

Kapitel zwei Schlambo, Igel und Oma Cöly

Ich heiße ja bekanntlich Ingrid. Ein Name, den mein Vater ausgesucht hat. Hätte Mama bestimmen dürfen, hieße ich Sonja. So wie damals meine beste Freundin aus Kindertagen. Nur gut, denn das wäre schon blöd gewesen, wenn wir beide Sonja geheißen hätten. Ingrid ist ein Name, den man nicht verniedlichen kann, wie Ingi, Ingridchen, oder noch Schlimmeres. Da sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Bis auf eine liebe Kollegin sagt auch niemand „Ingilein“ – und das darf sie auch nur, weil ich aus ihrem schönen Monika, ein „Mokika“ gemacht hab. Okay, da gilt eben dann beim Verstümmeln des Namens gleiches Recht für alle! Es gibt komischerweise sehr oft in meinem Leben Menschen, die mich Inge nennen. Nicht dass ich den Namen Inge nicht mag, so heißt meine Tante, aber ne andere Tante heißt auch Ingrid und es ist ja nicht dieselbe Tante. Und ich heiße schließlich Ingrid! Und auf Inge reagiere ich deswegen auch gar nicht. Denn ich sag ja auch nicht zu ner Kimberly Marianne.

In der heutigen Zeit allerdings ist es schwer Ingrid zu heißen, seit sich diese komische Firma „Indeed“ entschlossen hat, diese Werbung raus zu hauen. Indeed verkauft Jobs und deren Werbung wird immer nerviger und penetranter. Damit sich Leute merken können, dass das Unternehmen „Indeed“ heißt, verknüpfen sie es mit einer Ingrid, die alle anrufen, weil sie einen Job wollen. Sollte mich irgendwann mal jemand anrufen und sagen: „Indeed, hast du nen Job für mich?“ entferne ich den aus meiner Freundesliste, aus meiner Telefonliste im Handy und selbst auf der Liste der Menschen, die zu meiner Beerdigung eine Anzeige bekommen sollen. Der ist raus – für immer! Wobei mir immer alle sagen – die Nummer im Stadion, wo sie Autogramme will und die Spieler sagen: „Indeed?“ „Wie unser Sponsor?“ Und sie reisst dem das Trikot aus der Hand, geht weg, kommt wieder und dann sehr deutlich sagt: „Stift!“ Da sagen alle, das wäre meine Rolle gewesen – aber, mich fragt ja keiner!

Aber eigentlich sind so Spitznamen doch was Schönes. Naja, meistens. Frauen begnügen sich bei Spitznamen meistens damit, dass man den Vornamen etwas verniedlicht, einfach nur ein i anhängt. Frauen basteln auch selten aus den Nachnamen was Spitznamenartiges. Aus Erika wird Eri, aus Maria wird Ria, aus Stefanie wird Steffi, aus Cäcilia wird Cilly, aber Namen wie Yvonne, Ute oder Ingrid bleiben meistens so wie sie sind.

Männer sind da ganz anders. Sie geben auch Spitznamen, die nicht immer nett sind. Komischerweise sind Männer da völlig schmerzfrei, sowohl im Vergeben der Namen, als auch im Tragen. Ein „Fetti“ ist völlig liebevoll gemeint und stört niemanden. Selbst bei Kegelausflügen oder anderen Aktivitäten tragen sie mit Stolz den Namen „Fetti“ auf ihrem T-Shirt oder der Basecap. Ich hab schon so viele faszinierende Namen gehört, wo man sich fragt: wie kommt man an so einen Spitznamen? „Mann“ ist da wirklich viel erfinderischer als „Frau“. „Schepper“, „Pömpel“, „Schlambo“, „Macka“, „Schüppe“ sind da noch die harmlosen. Trotzdem mag nicht jeder Namensträger die Verniedlichung mit dem „i“. Also Ralfi, geht gar nicht. Oder Walti. Wobei Oli, Didi oder Manni absolut salonfähig sind. Ich kenn zum Beispiel auch nur Olis. Keinen einzigen Oliver. Also gut, im Pass steht sicherlich Oliver, aber das interessiert niemanden.

Wir haben bei Sven unbedingt darauf geachtet einen kurzen Namen zu nehmen, den man nicht verkürzen kann. Mit einer Silbe. Einen, den man auf dem Spielplatz brüllen kann. Wenn Sven oben an der Rutsche stand, rumhampelte und zu fallen drohte, dann brüllte ich einmal kurz und knackig „SVEN“ über den ganzen Spielplatz und zack, konnte er sich noch rechtzeitig festhalten. Da brüll’ mal als Mutter „Se-bas-ti-aaaaaan!!!“. Der schlägt schon auf, bevor die Mutter den Namen zu Ende gebrüllt hat. Sebastian, oder wie in den meisten Fällen, eben Basti. Und aus dieser bewusst gewählten, einer einzigen Silbe „S V E N“ wurde sofort „S V E N N I“! Ja ich kann da nix für. Er war immer Svenni, er ist Svenni und er wird immer Svenni bleiben – da muss er durch! Auch wenn ich irgendwann mit 86 im Altenheim sitze und er mich besuchen kommt, - also falls er mich besuchen kommt - dann sag ich immer noch Svenni zu ihm. Ich glaube auch, er hat sich dann damit abgefunden.

Das ist auch gut so, denn in den meisten Fällen bekommen Menschen einen Spitznamen als Wertschätzung oder aus Liebe. Zum Beispiel meine Mutter ist für Svenni (oh Gott, wenn er liest, dass ich hier auch Svenni schreib, dann rollt er wieder mit den Augen) immer Oma Mäus. Meine Mutter war das vierte Kind zu Hause und hatte drei ältere Brüder, die sie liebevoll – eben weil sie die kleinste und jüngste war, bis ihre Schwester geboren wurde – Mäus nannten. Das ist niederrheinisches Platt und bedeutet so viel wie kleine Maus. Ihre drei Brüder sind bereits alle verstorben, aber alle nannten sie bis zum letzten Tag immer Mäus. Keiner von ihnen sagte Gertrud. Wobei der Name Gertrud ja nun auch wirklich nicht... Ach, lassen wir das. Und weil Sven mitbekommen hatte, dass Onkel Hepp (der übrigens richtig Herbert heißt) immer Mäus sagte, wurde kurzerhand Oma Mäus daraus. Aber auch Onkel Köb (also Jakob) und Onkel Henno (richtig Heinrich) nannten sie immer so.

Meine Oma, also Mamas Mutter war für mich immer Oma Cöly. Das hab ich von meinen Cousinen übernommen, denn ich war das jüngste Enkelkind. Der Name entstand damals in der Kirche. Meine Oma hieß mit Vornamen Regina (lateinisch - die Königin). Und so sang der Kirchenchor laut auf lateinisch – „... in regina coeli“! Lobpreiset die „Himmelskönigin“ (heute wird es caeli geschrieben, früher in den Gebetbüchern coeli!). Meine älteste Cousine war mit Oma in der Kirche und fand es so spannend, dass all die Männer und Frauen aus dem Chor über ihre Oma gesungen haben. Und zack, nannte sie ihre Oma nur noch Oma Cöly (mit ö und y sieht es geschrieben einfach fetziger, moderner, cooler und schöner aus, die Lateiner unter den Lesern mögen es uns verzeihen) und wir nachfolgenden Enkelkinder übernahmen das natürlich wie selbstverständlich. Ich find solche Beinamen immer schöner, als die Ortsbezeichnungen, die in vielen Familien sehr oft benutzt werden. Oma Aldekerk oder Oma Lüttingen. Da finde ich diese netten Zusätze irgendwie liebevoller... wobei aus einem Oma Lüttingen ein liebevolles Oma Lü werden kann.

Mein Spitzname aus Kindertagen war übrigens Igel – was darauf zurück zu führen war, dass meine Mutter mir sehr schön, aber viel wichtiger, seeehr kurz die Haare geschnitten hatte. Danke Christiane, oder besser Nane... für diesen „tollen“ Spitznamen. Aber... lassen wir das!

Kapitel drei Edeka, Eier, Äpfel und Ferkelchen „Ingrid“

Dann kam im September 2020 mein erster größerer Filmauftrag. Okay, es war kein Spielfilm, sondern 12 tolle Clips, für einen Edeka-Markt in Kleve. Axel und ich kannten uns von einigen Comedy-Terminen, und nun stand er vor einem riesigen Umbau seines Marktes und wollte die Neueröffnung im September mit lustigen Clips bis Weihnachten begleiten. Wichtiger Fakt der Reihe war, dass vieles regional ist, was dort verkauft wird, und so durfte ich auch zu den Bauern. Einen kompletten Tag verbrachte ich mit tausenden Hühnern und habe zum Schluss beim Verpacken der Eier immer eine Feder mit in die Packung gelegt. Das war immer ein Gag von meinem lieben Kollegen Christian Macharski, besser bekannt als „Hastenraths Will“, der immer so schön sagte: „Dadran sieht man, dat et Bio is, wenn ne Feder mit drin liegt. Bei manchen Bauern ist dat eine eigene Ganztagsstelle!“. Danach gings zum Milchbauern, wo ich frische Buttermilch probieren durfte. Die Stelle hab ich fünfmal beim Drehen verpatzt, damit ich immer wieder neu trinken durfte. Das war aber auch lecker. Dort traf ich auch die Kuh Gertrud, die nur einmal gekalbt hatte. Wie meine Mutter, die ja auch Gertrud heißt und ich bin ja auch Einzelkind. Danach gings zum Schweinebauern, der sehr aufgeräumte Ställe hatte. Da hab ich echt richtig nachdenken müssen, weil ich zu Sven immer zum Aufräumen den Satz sagte: „Jetzt räum hier mal dein Zimmer auf! Et sieht hier aus wie im Schweinestall!“ In Anbetracht des sauberen Stalles, hab ich zu Hause nie wieder den Satz gesagt. Also den hinteren Teil. Die Ferkelchen, die genau einen Tag alt waren, hatten noch keine Namen und tatsächlich haben wir ein Schweinchen auf den Namen „Ingrid“ getauft. Wenn ich hier jetzt die Zeilen schreibe, möchte ich nicht wissen, wo „Ingrid“ heute ist. Und zum Schluss ging es auf eine Apfelplantage. Boah, das war der Wahnsinn. Ich durfte Trecker fahren, Äpfel essen und den Sonnenuntergang mit einem frisch gepressten eiskalten Apfelsaft genießen. Da hab ich mir echt mehrmals gedacht: „Ich hab echt nen richtig tollen Job!“

Dann gings ein paar Tage später in den Edeka Markt. Leider war an dem Tag noch Baustelle pur, denn am nächsten Tag war Eröffnung. Und wie das immer so ist, kurz vorher ist überall der Teufel los, weil alles fertig werden muss. Ich saß auf einem Riesentrecker, mitten in der Obstabteilung und wir wollten zumindest den einen Clip, mit dem wir starten wollten, in den Kasten bekommen.

Als Marktleiter, der in Rente gehen wollte und mich anlernen sollte, fungierte mein guter Freund Frank. Wir hatten ihn kurzfristig aktiviert, weil wir uns in und auswendig kennen. Beide sind wir so spontan, dass wir nicht mals ein Drehbuch hatten. Immer vor dem Clip haben wir besprochen, was wichtig ist und was rein muss... und so entstand ruckzuck Clip für Clip. Egal, ob auf dem Trimm-Dich-Fahrrad zwischen den Kühltheken, dem Abwiegen der Steaks in der Metzgerei, dem Schnelldurchlauf durch den neuen Markt... alles komplett gedreht an einem Sonntag. Denn, da war es so ruhig, dass wir in Ruhe drehen konnten. Holger, der Mann hinter, an und mit der Kamera war so entspannt, dass wir uns echt in einen Rausch spielten. Wir haben so tolle Spots gedreht, und viele warteten förmlich nur auf die Outtakes. Alles Sachen, die gefilmt wurden, aber leider nicht gebraucht werden konnten. Versprecher, falsche Sätze, Texthänger... immer am Ende hatte Holger die Outtakes rein geschnitten, die wirklich zur Kirsche auf dem Sahnehäubchen wurden. Das Projekt hat unglaublichen Spaß gemacht. Aber vor allem, mit einem tollen Team. Dann ist es auch egal, wenn man an einem Sonntag mal gefühlte 14 Stunden in einem Edeka-Markt dreht. Man kennt von irgendwelchen Filmen oft unentspannte Regisseure, so einen hatten wir ja nicht mal - und Kameramänner/frauen die genervt sind, wenn eine Szene zum zehnten Mal gemacht werden muss, auch nicht. Fakt ist, wir hatten eine ganz tolle Zeit. Bis auf den Moment, als wir den Vor-Clip für die letzte Folge - die Weihnachtsfolge - drehen mussten.

Zu jedem Aussendreh gabs auch immer eine kurze Szene vorweg, die vorher im Markt gedreht wurde. In diesem Fall ging es um die Szene, die später bei Lambertz in Aachen weiter ging. Die große und legendäre Printenfabrik. Also standen wir – ich möchte noch mal betonen, dass wir im September gedreht haben, wo einem der Geschmack von Printen noch nicht so im Kopf ist, mitten im Weihnachtssortiment, mit Printen, Lebkuchen und allem, was das Herz begehrt. Nur filmisch waren wir ja eben drei Monate später. Außerdem in warmen Klamotten, weil es ja Weihnachten sein sollte. Frank und ich hatten uns überlegt, dass ich einfach eine Packung Printen aufmache, mit Schokolade drum und wir eine probieren, uns verstecken und dann Frank sagt: „Wenn du es alles ganz genau wissen möchtest, musst du nach Aachen fahren!“ Hört sich gar nicht so schlimm an... Printen – Klappe, die Erste! Also, Packung auf... futter futter... die komplette Printe... Text... Stoooopp! Wir hatten uns nicht ganz versteckt, sodass man uns noch sehen konnte.

---ENDE DER LESEPROBE---