Von Preussen und Drachen - Florian Herold - E-Book

Von Preussen und Drachen E-Book

Florian Herold

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Beschreibung

Bayerische Männergespräche über Gott, die Welt – und alles dazwischen. Ein Preuße in Bayern und ein Chinese aus Österreich reden über das Leben – und hören einander wirklich zu. Florian Herold und sein guter Freund Xuliang führen Gespräche, die alles berühren, was uns bewegt: Politik und Popkultur, Väter und Kinder, Glauben, Kino, KI, Klima und Kantinenessen. 50+1 Geschichten lang loten sie die Welt aus – mit Herz, Humor und der Freiheit, auch mal falschzuliegen. In „Von Preußen und Drachen“ treffen bayerische Bodenständigkeit und fernöstliche Gelassenheit aufeinander, preußische Prinzipien auf Wiener Schmäh, Moral auf Menschenkenntnis. Dabei entsteht ein Dialog, der Klischees entlarvt, Denkmuster verschiebt und zeigt, dass Freundschaft über kulturelle Grenzen hinweg möglich – ja, notwendig – ist. Herolds Buch ist kein Traktat, sondern eine Einladung: zum Zuhören, zum Nachdenken, zum Widersprechen – und zum Lachen. Ein ehrliches, charmantes und streitbares Buch über die Kunst, sich in einer lauten Welt leise zu verständigen.

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Seitenzahl: 293

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Florian Herold

VON PREUSSEN UND DRACHEN

BAYERISCHE MÄNNERGESPRÄCHE

Impressum

Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

ISBN: 978-3-95894-356-8 (Print)

© Copyright: Omnino Verlag, Berlin/2025

Am Friedrichshain 22 · 10407 Berlin · [email protected]

www.omnino-verlag.de

Alle Rechte, auch die des Nachdrucks von Auszügen, der fotomechanischen und digitalen Wiedergabe und der Übersetzung, vorbehalten.

WIDMUNG

In einer Zeit, in der politische Korrektheit oft über ehrliche Worte siegt, ist dein Buch ‚Von Preußen und Drachen‘ ein erfrischender Beitrag zur offenen Debattenkultur und zur Pflege echter Freundschaft. Du zeigst mit Humor und Tiefgang, wie spannend und erkenntnisreich der Dialog zwischen unterschiedlichen Kulturen, Sichtweisen und Lebenswegen sein kann. Die Gespräche zwischen dir und Xuliang sind nicht nur ein Zeugnis eurer Freundschaft, sondern auch eine Einladung an jeden Leser, offen und mutig miteinander ins Gespräch zu kommen – gerade dann, wenn man unterschiedlicher Meinung ist. Denn nur im offenen Austausch finden wir gemeinsam Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit. Möge dein Werk viele Menschen inspirieren, klar und authentisch Position zu beziehen und den Mut zu haben, den Mund aufzumachen, wenn es darauf ankommt. Mit den besten Wünschen für dich und alle Leser,

Hubert Aiwanger

Wer ich bin?

Meine Reise war bunt, ich hatte einen Spieleladen in Lübeck, übrigens eine feine Stadt. Ich war ein paar Jahre als Vorstand eines Spielegroßhandels in Eystrup, falls dieses kleine Dorf euch nichts sagt, das liegt zwischen Hannover und Bremen. Wegen meiner Liebe bin ich in das Herz von Bayern gezogen, Neuburg an der Donau, keine 30 Kilometer von der Mitte von Bayern entfernt. Neuburg ist eine Kleinstadt mit 30.000 Einwohnern, mit beeindruckendem Wittelsbacher Schloss, einem wunderbaren Menschenschlag, sehr belebt durch Kaserne und Militärflughafen, daher ist es relativ hochdeutsch, was mir den Einstieg einfacher gemacht hat.

Bis heute bin ich hier der Preuße, das wird sich auch nicht ändern, denke ich, beleidigend und lobend zugleich höre ich aber oft: „Für einen Preußen machst du das echt gut“. So kann man sich als Deutscher auch manchmal in Deutschland fremd fühlen, wer hätte das gedacht. Hier in Neuburg lebe ich mit meiner Frau und unserem Sohn. Neuburg ist meine Heimat, ich bin Neuburger mit Leib und Seele. Beruflich habe ich einen kleinen Spiele- und Buchverlag und bin Teamchef in unserem einzigen Kino, das natürlich auch das beste Kino der Welt ist, ach ja, dann bin ich auf Bitten meiner Tante, die hier die Freien Wähler mit ins Leben gerufen hat, Teil eines politischen Vereins geworden. Deswegen sitze ich jetzt im kleinen Stadtrat von Neuburg, dessen Herausforderungen manchmal so groß werden, dass ich das Ende kaum sehe. Sei es drum, ein Ehrenamt ist der richtige Weg, sich einzubringen. Ich mache immer gerne Sachen, bei denen ich etwas bewegen kann, das geht, zwar mühselig, auch als Rat dieser Stadt, und gleichzeitig erfülle ich das Erbe meiner Tante und stehe für mein Wort ein. Das machen wir Preußen so, was für ein Klischee, ich stelle fest, die meisten Bayern auch. Jetzt bin ich 46, mal sehen, was die Zukunft bringt.

Worum geht’s?

Es geht um Politik, Moral und einen Haufen Nerdkram. Im Dialog mit meinem besten Freund Xuliang. Xu ist Österreicher, mehr Bayer, als ich es bisher bin, und stammt gebürtig aus dem Land der Mitte. Ja, China, wir haben uns beim Essen kennengelernt, wir spielen Brettspiele zusammen und diskutieren bis in die Nacht. Unter uns zwei tauschen wir alles aus, auch die Sachen, die nicht mal der Gartenzwerg im Vorgarten hören sollte, wir spekulieren viel, was kommt und was geschehen sein könnte, kann und vielleicht wird, was zwischen den Zeilen steht. Dann spielen wir wieder und lachen und freuen uns über unsere Verbundenheit, in aller Unterschiedlichkeit, und darüber, dass wir Freunde sind, was den höchsten Grad an Toleranz hervorruft, den wir alle so dringend brauchen, um über den eigenen Tellerrand zu schauen. Den wir in unserem Land genauso oft vermissen. Eigentlich komisch, weil wir uns diese Verbundenheit alle so wünschen. Xuliang wird es nicht mögen, wenn ich so viele Gefühle anspreche, dafür ist er nicht so zu haben, obgleich ich mir sicher bin, dass er ebenso empfindet. Er ist so wunderbar großzügig und gütig, ehrgeizig, er nimmt mich wahr, erinnert sich und wir finden so zusammen.

Warum ich schreibe?

Weil ich glaube, dass es viele gibt, die sich Gedanken machen, mehr als vor 20 Jahren, mehr grundlegende Sorgen vor Krieg, Verarmung, Extremismus, vor dem Zu-kurz-Kommen, weil die schnelllebige Zeit immer mehr das Ruder übernimmt. So gesellschafts- und politikverdrossen sind wir gar nicht, die Zeit ist in meinen Augen nur belasteter. Vielleicht gibt es in mir den Funken Hoffnung, dass wir über uns hinauswachsen wollen und es leid sind, durch Regeln von Menschen, die nicht bei uns leben und die Umstände nicht kennen, gebremst zu werden. Ich bin ein Europäer, durch und durch. Ich stehe nur nicht für eine EU ein, die sich, mangels der Bereitschaft aller Mitgliedstaaten, wichtig macht mit der Krümmung der Banane, sondern die Aufgabe haben sollte, uns zu vereinen, damit wir auch auf EU-Ebene mit einer Stimme sprechen und die Lehren, die wir gezogen haben, dazu nutzen, die Welt ein Stückchen besser zu machen. Dazu gehört in erster Linie, nicht Krieg zu führen, sondern Wege zu finden, Abhängigkeiten abzustreifen, durch wirtschaftliche und geopolitische Machtspiele, bei denen am Ende wir Europäer seit vielen Jahren immer mehr der Spielball werden und nicht auf unsere Tugenden vertrauen.

Für meinen Teil mache ich mir Gedanken, in der Sache ringe ich um Lösungen und nicht darum, als „Captain Einsicht“ klugzuscheißen, wie es einige Parteien zu pflegen scheinen. Wir brauchen Lösungen, bei denen wir die Menschen abholen und nicht immer weiter austesten, wie weit wir die Bevölkerung und die Städte und Gemeinden an den Rand ihrer Handlungsfähigkeit bringen.

(„Captain Einsicht“, engl. „Captain Hindsight“, ist eine Comicfigur aus der South-Park-Serie)

Was erwartet Euch?

Ich habe 50 Geschichten aufgeschrieben, Gespräche von Xuliang und mir, die bei mir hängen geblieben sind, seit drei Jahren schreibe ich ihm unsere Gespräche auf.

Ich schreibe diese auf, um meine Gedanken zu teilen, und wie ihr lesen konntet, ist mir viel Gesellschaftliches und Politisches wichtig. Das spiegelt sich gut in diesen Alltagsgeschichten wider und für alle Nerds dieses Landes gibt es dazu noch viel Stoff, um sich zu finden.

Akteure:

Xuliang:Das habe ich noch nie gespielt. Jahrgang 1974, mein bester Freund, Ehemann, dreifacher Vater, Österreicher, Unternehmer, gebürtiger Chinese, bester Gastgeber der Welt.

Ich, Florian: Politisieren wir oder verändern wir was? Jahrgang 1979, Ehemann, Papa, Personalchef, Brettspiel- und Buchverleger, Kommunalpolitiker.

Mein Vater Wieland: Er ist seit zwei Jahren verstorben, aber Bezugspunkt, der mein Leben prägt, und daher hat er eine Rolle in diesen Geschichten. Jahrgang 1950, Ehemann, Vater von vier Kindern, Schulleiter, ein Novum für die Brettspielwelt, Autor, Verleger, viele Jahre Mitglied der Jury „Spiel des Jahres“.

Eine Maus.

1 SCHRÖDINGERS KATZE

Florian: Ich schreibe an einem Text, du kommst darin auch vor.

Xuliang:Würdest du mich vielleicht fragen?

Florian: Mache ich ja gerade.

Xuliang:Ich mag nicht, dass mein echter Name genannt wird. Wie komme ich da vor?

Florian: du redest mit mir.

Xuliang:Hmm …

Florian: Ja, wir reden, wie jetzt, und du machst mich doof an, wie jetzt, und du bist kritisch und hinterfragst, wie jetzt, und am Ende stößt du mich vor den Kopf, das kommt gleich.

Xuliang:Dann mach mal dein Buch, ich stoße dich nie vor den Kopf.

Florian: Danke.

Xuliang:Komisch finde ich, dass du ein Buch schreibst. Warum nicht ein neues Spiel? Da hast du Erfahrung. Bei einem Film hätte ich mich auch nicht gewundert, aber ein Buch. Das ist doch eher öde. Worum geht’s: um Spiele, Filme oder Politik?

Florian: Um einen Zustand, kurz gesagt Schrödingers Katze.

Xuliang:Schrödingers Katze, die ihre wirkliche Berühmtheit doch durch die Serie „Big Bang Theory“ bekommen hat, aber schön, wenn du dieses Gedankenexperiment als Indikator verwendest. Was sind denn die zwei Zustände, die du hast.

Florian: Wenn du schon zustimmst zum Buch, bist du der erste Mensch, mit dem ich es teile. Ich sterbe oder eben nicht, und egal, was du jetzt sagst, es wird sicher Teil des Buchs werden.

Xuliang:Was sagst du da Krasses? Wie sterben? Hör mal auf mit dem Buch, das ist doch Mist.

Florian: Das ist kein Mist. Ich habe entweder Long Covid oder was Schlimmeres, da würde sich Leukämie anbieten, die hatte mein Vater, der ist ja in diesem Jahr daran gestorben. Die Symptome passen ideal zu beidem. Das schlimmste Symptom: Ich kann nur noch schlafen.

Xuliang:Warst du beim Arzt?

Florian: Schrödingers Katze.

Xuliang:Ah, ich verstehe, das ist echt nicht witzig, geh morgen zum Arzt.

Florian: Ja, wäre wohl richtig, aber wenn ich es weiß … Mann, so einfach ist das nicht. Ich bin jetzt Papa, ich habe gegenüber meiner Familie eine Verantwortung, das darf einfach nicht sein.

Xuliang:Wo soll ich anfangen. Bei allem legst du selbst gerne den Finger in die Wunde, gilt das nicht auch für dich? Ich fahre dich morgen zum Arzt. Dann schaffst du auch noch, dein Buch zu schreiben.

Florian: Wenn ich es weiß, ist mein Buch tot. Es lebt durch die Ungewissheit.

Xuliang:Das ist echt krank … Wortspiel, also ich fasse dich jetzt nicht mit Samt an, aber eines lasse ich dir, es passt gut zu Schrödingers Katze, soweit ich das richtig verstanden habe: Je länger du wartest, desto eher wirst du ohne Behandlung sterben, sollte es Blutkrebs sein. Hast du mal nachgedacht, dass dein Körper einfach das Leiden deines Vaters durchlebt, weil du es nicht verarbeitet hast, dass er dieses Jahr gestorben ist?

Florian: Ich kann mir ja den Arzt sparen, wenn du jetzt einer bist. Vielleicht brauche ich eine andere Art von Arzt, die Rolle kannst du gerne übernehmen. Ich sage es ja, es passt gut mit Schrödingers Katze.

Xuliang:Wie lange schreibst du an dem Buch?

Florian: Kann ich noch nicht sagen, wie lange es noch dauert. Seit einem Jahr vielleicht.

Xuliang:Ja, mach mal hin, morgen früh geht es zum Arzt und dann muss es fertig sein. Vielleicht bekommst du dann noch eine Verlängerung, bis die Lektoren ihre Arbeit gemacht haben, bis die Ergebnisse da sind.

Florian: Ich verstehe dich und ich bin echt dankbar, dass ich einen Freund habe, der sich so um mich bemüht. Neben Schlafen mache ich die kommende Woche nichts anderes und schreibe das Buch. Dann fahre ich mit dir zum Arzt.

Xuliang:Was sagt deine Liebste?

Florian: Was du sagst.

Xuliang:Ok, eine Woche.

Florian: Danke

Xuliang:Du bist ein Idiot, das Buch liest eh keiner.

Florian: Kann sein. Aber ich muss es schreiben, es ist alles schon in meinem Kopf.

Xuliang:Eine Woche.

Rückblick:

Mir geht es heute gut. Wie Homer Simpson im Kinofilm sagt: „Der beste Moment im Leben, bis jetzt.“ Was morgen bringt, weiß niemand. Die Müdigkeit, die mich lange plagte, ist endlich weitestgehend verschwunden. Rückblickend war ich wirklich ein Narr, nicht sofort zum Arzt zu gehen. In diesem Jahr habe ich mich gründlich durchchecken lassen, und es ist alles in Ordnung. Also, wenn ihr das hier lest, bin ich vermutlich noch am Leben. Doch da sind wir wieder bei Schrödingers Katze: das berühmte Gedankenexperiment, das in seiner Einfachheit genial ist. Ich kannte die Theorie schon lange, doch den Humor, den sie in der Serie „Big Bang Theory“ (Folge 17 der ersten Staffel) aufgreifen, fand ich erst später. Wir scheinen diesen Zustand des Nichtwissens, gepaart mit dem Wunsch, zu wissen, gleichzeitig zu lieben und zu hassen, zu mögen. Letztendlich obsiegt die Wahrheit.

2 DIE BESTE IDEE, UM REICH ZU WERDEN

Xuliang:Was ist mit dir los, du siehst völlig fertig aus?

Florian: Hast du schon Zeit zu reden?

Xuliang:Ja, klar, was ist los?

Florian: Ich war die ganze Nacht wach und entweder spricht der Müdigkeitswahn aus mir oder ich hatte einen Geistesblitz.

Xuliang:Ich sehe zwei Möglichkeiten: Du gehst erstmal ins Bett oder du gehst ins Bett.

Florian: Ich muss dir das jetzt erzählen.

Xuliang:Gibt es einen möglichen Verlauf, in dem du erstmal schläfst?

Florian: Nein.

Xuliang:Dann leg los.

Florian: Weißt du, ich hätte gedacht, ein Studium, gerade im digitalen Bereich, ist eine sichere Bank. Aber das ist nicht so, ich glaube, dass die meisten Menschen, die kreative Arbeit oder auch verwaltende Arbeit am Rechner machen, in den kommenden 20 Jahren überflüssig werden und ihre Jobs verlieren. Gottlob, allen, die ein Handwerk erlernt haben.

Xuliang:Ja, und wieso? Auch der Mensch vom Finanzamt, der hätte es verdient.

Florian: Ja, auch der. Nee, keine Witze darüber. Ich habe die ganze Nacht über KIs recherchiert. Weißt du, was Stable Diffusion ist?

Xuliang:Nein.

Florian: Stable Diffusion ist eine KI, die aufgrund von einem Riesen-Foto-Fundus selbst gelernt hat zu zeichnen. Du gibst in eine Parameterzeile ein paar Wörter ein, den Stil eines gewünschten Bildes, was zu sehen sein soll, und noch ein paar Parameter mehr. Dann sendest du die Anfrage an einen Server, auf dem die KI läuft, und du erhältst beeindruckende Grafiken, die von der KI gezeichnet wurden. Beliebige Formate, Größen, gleich 100 Bilder zur selben Anfrage, die alle unterschiedlich aussehen. Hier, ich zeig dir parallel was mit dem Handy. Wenn du dann völlig geflasht bist, wie ich es heute Nacht war, und anfängst zu recherchieren, findest du raus, dass es das Gleiche auch mit selbstschreibenden Text-KIs gibt, denen du sagst: Schreib einen Aufsatz über Thema XY, und fertig ist der Aufsatz oder der Text für die Webseite. Dann findest du heraus, dass es erste Versuche gibt, Ingenieursaufgaben an KIs weiterzugeben, indem dort alle Parameter eingestellt werden. Am spannendsten ist, dass die Ergebnisse zum Teil neue kreative Ansätze enthalten können. Wenn ich das nun alles weiß und zehn Jahre dazu gebe und die potenzierte Geschwindigkeit weiterverfolge, die sich in der Entwicklung tut, werden die meisten Jobs bald verschwinden. Stable Diffusion könnte jetzt schon, wenn Rechtefragen geklärt wären und ein paar mehr Variablen eingebaut würden, Grafiker ersetzen. Wenn die KIs dann kommunizieren, sagst du nur noch: Design mir einen Flyer zu meinem Thema, und fertig ist der Flyer.

Xuliang:Krasse Bilder. Ja, du drehst da etwas durch, aber ich verstehe, was du meinst. Wie ist das mit der Rechtefrage?

Florian: Das funktioniert so: Das Programm kennt unendlich viele Bilder aus dem Web, oder woher auch immer die Programmierer den Datensatz herhaben, und hat gelernt, wie ein Kind lernt, was genau auf welchem Bild ist und was es bedeutet. Das haben Menschen der KI Schritt für Schritt erklärt. Bis die KI dann angefangen hat, Bilder selbst zu erkennen, dabei haben wieder Menschen geholfen, diese zuzuordnen. Irgendwann konnte es die KI selbst, selbst erstellen, aus Fragmenten ihres Datensatzes. So hat man ihr dann auch geholfen, aus all den Bildern Teile zu nehmen, diese neu umzugestalten und selbst Bilder daraus zu zeichnen. Das Problem ist also, dass das Wissen der Stable Diffusion in einer Grauzone auf Bildern basiert, an denen natürlich völlig unterschiedliche Menschen Rechte haben.

Xuliang:Was ist denn dabei jetzt der Geistesblitz? Dass alle Menschen mal ihre Arbeit verlieren?

Florian: Nee, dazu habe ich eine Lösung, das ist nur eine Frage von Arsch in der Hose, mein Geistesblitz ist eine Geschäftsidee. Man gründe ein Start-up, sagen wir mit fünf Millionen Euro Startkapital, mit einer Handvoll top internationaler Jurist*innen und ein paar Programmiererinnen, dann gründet man eine Datenbank für Bilder. Jeder Bilderdienst, alle Privatpersonen, Filmstudios, Rechteinhaber dürfen dort ihre Bilder einstellen. Eine KI wie Stable Diffusion nimmt diese Bilder als Auswertungsschatz, als ihren Datensatz, den ich vorhin erwähnt habe. Wenn dann die Kunden kommen und ein KI-generiertes Bild verwenden und 1 Euro zahlen, bekommen alle ursprünglichen Urheber 50 Prozent ab, deren Bild Teil des KI-Bildes ist. Das kann dann auch 0,0012 Prozent sein. Somit hat man eine Art Spotify für Grafik, vermutlich auch kurze Filmsequenzen und vielleicht auch für neu gestaltete Musik, somit kann man alles mit einer Zeile an Parametern entstehen lassen, und wenn es nicht so schlimm wäre, dass so viele ihre Arbeit verlieren, liegt so viel Potenzial darin, und es würde sicher bald eines der größten Unternehmen der Welt und nicht der Mist, den Zuckerberg mit seiner neuen Version von Second Life versucht. Jeder weiß doch, dass virtuelle Realitäten erst was bringen, wenn sie so echt wirken, wie unsere Welt es auch ist. Da das noch dauern wird, setze ich auf das Nachfolgeprodukt. Aber Meta wird dann das neue AOL oder Nokia, auf Wiedersehen und Dankeschön.

Xuliang:Tolle Idee, wo sind die 5 Millionen? Dann bin ich dabei.

Florian: Ich habe noch keinen Businessplan geschrieben.

Xuliang:Jetzt nochmal die wichtige Frage, wie war deine Lösung, dass unsere Welt nicht vor die Hunde geht, wenn kaum noch einer Arbeit hat und jeder Müllmann mehr verdient als Studierende?

Florian: Zuerst müssen wir entscheiden, ob wir es wichtig finden, dass Menschen eine Aufgabe, eine Arbeit haben. Ich finde es wichtig und das wäre daher meine Lösung. Wenn du meinst, alle sollten nur Party machen, wäre meine Lösung nicht optimal. Wir gründen Europa, vereinigtes Europa, die Vereinigten Staaten von Europa oder so, ok?

Xuliang:Ja, ok … komm mal zum Punkt.

Florian: Dann führen wir ein neues Steuersystem ein, das abhängig vom Tätigkeitsfeld ist und die Gewinne in eine Kausalität mit der Anzahl der beschäftigten Mitarbeitenden bringt.

Sagen wir, zwei Millionen Umsatz pro Mitarbeitendem, dann zahlst du 98 Prozent Steuern auf den Gewinn, hättest du 25 Mitarbeitende, zahlst du nur noch 25 Prozent. Ergo lasse ich es Menschen machen, anstatt die KI oder Roboter, aus der politisch tiefst menschlichen Entscheidung, dass es wichtig ist, dass wir wertschöpfend sein sollten und dürfen und Teil dessen bleiben, was wir verbrauchen und verwenden.

Dann kommt der krassere Schritt zwei: Wir setzen Schritt für Schritt durch, dass alle Länder, mit denen wir handeln, diese Regel auch befolgen oder trennen uns von ihnen in allen wirtschaftlichen Zusammenhängen. Wenn man richtig krass drauf ist, fügt man zu der Bedingung des menschenwürdigen Steuersystems noch die Verpflichtung, sich demokratischen Werten zu verschreiben.

Den Startschuss würde ich mit einer europaweiten Investition von 30 Billionen, also 30.000 Milliarden Euro, vollziehen. Alles über einen Zeitraum von zehn Jahren, in denen wir in Entwicklungen neuer Technologien, nachhaltiger Energiegewinnung, in Infrastruktur und den Ausgleich Europas auf ein Wirtschaftsniveau investieren. Damit wir danach eine andere Qualität an Know-how in die Welt tragen können und die Arbeit in Europa erhalten.

Am wichtigsten ist, dass wir als Menschen umgehend agieren und nicht abwarten, bis es so weit ist und wir nur schwerlich eine sinnhafte und menschliche Lösung umsetzen können.

Xuliang:Ja, cool, aber Superman wäre auch cool, wenn er die Welt retten könnte.

Florian: Dass du mich mit Superman vergleichst, nett von dir.

Xuliang:Ich wollte mehr darauf hinweisen, dass diese Utopie nicht passieren wird. Es wird so aussehen, solltest du recht haben, dass die KIs kommen und die Menschen alle arbeitslos werden. Dann ist nicht mehr die Frage des Mindestlohns, sondern was kostet ein straßenkehrender Roboter und um wie viel kann ich als Arbeitskraft diesen unterbieten, damit ich überhaupt noch den Job zum Kehren bekomme. Es wird Ghettos geben und alles bricht zusammen. Nur in China nicht, die machen deinen Plan, aber ohne Dritte, vermutlich haben die sich einen ähnlichen ausgedacht. Dann gehe ich nach China und wenn du lieb bist, nehme ich dich mit.

Florian: Abgemacht, wir gehen 2050 nach China, passend zur Rente. Ich versuche es meiner Familie schonend beizubringen.

Xuliang:Wenn du lieb bist.

Florian: Natürlich bin ich lieb, frag die KI, die weiß schon, dass ich lieb bin.

Xuliang:Was ist eigentlich mit Liebes-KIs, hat man dann eine KI-Partnerschaft?

Florian: Oh Mann …

Vielleicht haben das einige schon längst, aber wissen es nicht, oder es ist nur ein Typ in Afrika, der gerade WhatsApp schreibt. Keine Ahnung, ich muss ins Bett.

Xuliang:Ja, scheint ja so, als ob jetzt die Möglichkeit besteht, dass du ins Bett gehst.

Florian: Das stimmt, gute Nacht.

Xuliang:Stable Diffusion, ich schau mir das mal an und ehrlich, es ist nicht die beste Idee, reich zu werden. Da hattest du schon bessere. Aber schlaf erstmal.

Florian: Was war denn eine bessere Idee?

Xuliang:Das mit den Clubs, aber jetzt hau ab ins Bett.

(Top-Serien-Empfehlung zum Thema: The Expanse … zeigt super, aber leider nur am Rand, wie sich die Gesellschaft entwickelt, wenn es kaum noch Arbeit gibt. Weitere Top-Film-Empfehlungen zum Thema: Ready Player One/Ich bin dein Mensch/Ron läuft schief).

Rückblick:

Seitdem ich diese Geschichte aufgeschrieben habe, hat sich meine Auseinandersetzung mit Künstlicher Intelligenz (KI) intensiviert. Die Entwicklungen in diesem Bereich sind nicht nur faszinierend, sie sind auch beunruhigend. Viele der Ideen, die ich damals skizzierte, sind inzwischen greifbar geworden – es ist erstaunlich, wie schnell sich die Technologie weiterentwickelt. In nur zwei Jahren könnte vieles Realität sein, was jetzt noch wie Science-Fiction wirkt.

Doch während die technologische Entwicklung voranschreitet, bleibt die politische Reaktion darauf oft hinter den Möglichkeiten zurück. Es scheint, als ob die Entscheidungsträger in der Politik sich nicht ausreichend mit den Herausforderungen und Chancen auseinandersetzen, die KI mit sich bringt. Wenn wir uns nicht zeitnah und konstruktiv mit diesen Technologien befassen, könnte uns die Entwicklung überholen und die Auswirkungen könnten gravierend sein. Da reicht es nicht, wenn wir bei der Firma „Alep Alpha“ investieren und sonst zu wenig tun.

Ich empfinde sowohl Ängste als auch Vorfreude auf die Zukunft. Auf der einen Seite gibt es die Sorge, dass die Automatisierung von Arbeitsplätzen und die Verdrängung menschlicher Arbeitskraft zu sozialen Unruhen und einer massiven Umwälzung unserer Gesellschaft führen könnten. Auf der anderen Seite gibt es das Potenzial für enorme Fortschritte in vielen Bereichen – von der Medizin bis zur Kunst. Diese duale Natur der KI macht es umso wichtiger, dass wir aktiv werden und uns mit den Fragen beschäftigen, die diese Technologien aufwerfen.

Wir stehen an einem Wendepunkt, und es ist an der Zeit, Verantwortung zu übernehmen, um sicherzustellen, dass wir die Kontrolle über unsere Zukunft behalten. Ich bin gespannt, wohin uns diese Reise führen wird, und ich hoffe, dass wir die richtigen Entscheidungen treffen, bevor es zu spät ist.

In dieser Auseinandersetzung habe ich mit meinem Freund Robin Ende 2024 ein künstlerisches Projekt dazu ins Leben gerufen, die KI Votarius, um ein Angebot zu machen, wie KI als Werkzeug gesehen werden kann und nicht ersetzend agiert. Die Reaktionen sind vielfältig und es wird spannend, was mit votarius.de noch alles passieren wird.

3 HEUTE IST HEUTE UND MORGEN?

Florian: du, heute ist heute, da leben wir, wie wird unser Morgen sein?

Xuliang:Ja, morgen ist mir erstmal egal, heute habe ich genügend zu tun. Die Frau dort, sie ist Lehrer, die hat Zeit, über morgen nachzudenken, frag sie doch.

Florian: Wie, das ist doch eine Frau, wieso sagst du da Lehrer, es ist doch eine Lehrerin oder jetzt Lehrer*in.

Xuliang:Auf den Kern meiner Antwort gehst du erstmal nicht ein, jaja, wieso stellst du dann die Frage, sondern versteckst dich hinter einem Genderwitz. Das kannst du doch besser.

Florian: Das ist zwar kein Witz, aber ja, ich gehe nicht darauf ein, weil ich meine eigentliche Kritik runtergeschluckt habe.

Xuliang:Welche Kritik?

Florian: Zum Kern deiner Antwort, wieso sagst du, dass Lehrer*innen mehr Zeit haben, das ist doch pures Klischee. Jetzt würde ich gerne den Satz sagen mit meiner Familie.

Xuliang:Ich kenne deine Familie, aber sag ihn, damit es dir besser geht.

Florian: Mein Vater war Lehrer, meine Geschwister sind Lehrer*innen und die geben alles für ihre Arbeit und benutzen eben nicht 30 Jahre lang die gleichen Unterrichtsvorlagen.

Xuliang:Klar, mit um fünfundzwanzig Wochenstunden, nee, warte: 25 mal 45 Minuten, das sind ungefähr neunzehn Zeitstunden mit den Schülern und wenn die Lehrer nicht gerade neu sind, kommt noch was dazu, ca. zehn Stunden Vorbereitung, macht dreißig Stunden. Für A13 ca. 4100 netto to go, das ist doch gar nicht schlecht.

Florian: Meinst du, es wäre besser, vierzig Wochenstunden mit den Schülern zu unterrichten und die Vorbereitung, Elternabende gibt’s obendrauf … Ach was, ok, du hast mich. Erzähl es nicht meiner Familie.

Xuliang:Klar, du machst es mir ja leicht. Wenn du dich so für Lehrende ins Zeug legst, wieso bist du selbst keiner geworden?

Florian: Gute Frage. Lehrende, nicht schlecht, gut, wenn du die Genderdiskussion rausnimmst oder extra reintust, mir gefällt’s.

Xuliang:Es gibt keine Genderdiskussion, es gibt, wie bei all diesen Themen, nur eine Sache, die Frage, warum wir überhaupt darüber sprechen.

Florian: Jetzt übernimmst du so schön das Zepter. Ok, ich spiele mit. Dinge, über die ich nicht spreche, sind Dinge, die für mich gegeben sind, die ich nicht ändern kann oder vor denen ich Angst habe. Ich spreche über Dinge, die ich ändern möchte, weil ich zum Umdenken anregen mag oder, oder, oder?

Xuliang:Reicht fürs Mitspielen, wie wäre es, wenn keiner über Gendern spricht, es redet ja auch keiner mehr über die Rechtschreibreformen, zumindest fast nie. Alle reden darüber, weil es noch ein Ringen ist, ob wir das Sternchen noch abwenden können, weil es vielen zuwider ist. Ich stehe auf jeden Fall auf der Seite der Guten, das sind natürlich alle, die das Gendern verhindern wollen, das brauchen wir nicht, es ging jetzt auch 1200 Jahre ohne.

Florian: Was, die Guten sind alle, die Deutsch um die Gendersprache erweitern möchten. Du bist Mordor. Die alten grauen Herren, die noch an Zigarren ziehen und sehen, dass ihre Zeit abläuft, die sich wünschen, dass noch Straßen nach ihnen benannt werden und jetzt stehen da Frauennamen und all ihr Tun wirkt so bedeutungslos. Erbärmlich.

Xuliang:Man sagt so was nicht laut, das würde deinem Wirken als Stadtrat schaden. Da sind doch fast nur alte graue Herren. Du bist doch auch schon …

Florian: … pass auf, was du sagst!

Klar, da passe ich genau ins Schema, ich fühle es noch nicht, ich denke, die meisten alten grauen Herren auch nicht. Weißt du eigentlich, was ich mit den grauen Herren meinte? Die kommen aus der „Momo“-Geschichte.

Xuliang:„Momo“, Michael Ende, nicht wahr. Den Film habe ich gesehen, den kann ich meinen Kindern zeigen, mit der Schildkröte, und die „Unendliche Geschichte“ mit dem Drachen Fuchur. Ach, und Mordor ist doch gar nicht so schlecht, klare Hierarchie, steht immer wieder auf, ähnlich wie das Imperium. Zum Imperium wäre ich gegangen, Mordor eher nicht, die Gemeinschaft des Ringes war schon besser als die Nazgûl.

Florian: Wieso reden wir jetzt eigentlich über den „Herrn der Ringe“. Als ich „Der Hobbit“ als Kind gelesen habe, war das echt das Beste, wie auch die Erdseereihe. Dann Herr der Ringe, ich sage es dir, nicht einzuschlafen, war eine Herausforderung. Ich hatte diese grüne Drei-Bücher-Box. Ich habe es erst bis zum Ende geschafft, als ich die Hörspiele gehört habe.

Xuliang:Wie, du fandest „Herr der Ringe“ nicht gut?

Florian: Das ist jetzt etwas aus dem Kontext, die Filme waren mit die besten Fantasy-Filme, die es je gab, „Der Hobbit“ war dann etwas dünner und wäre man dem Buch gefolgt, auch in einem guten Film abzuhandeln, nicht in drei. Die Ringe der Macht, was soll ich sagen.

Xuliang:Das Problem bei den Ringen der Macht ist das der Vorgeschichten, ist doch recht simpel, man weiß ja, wie es ausgeht. Irgendwann, egal wie die da noch rumhampeln mit Sauron, irgendwann haut Frodo den Ring in den Schicksalsberg und Ende. Daher sind Vorgeschichten was für alle, die sicher sein wollen, wer am Ende überlebt und wer gewinnt. Man hat auch nicht so ein schlechtes Gewissen, noch mal was darüber nachzulesen, weil es ja nicht neu ist und sich nichts Neues ergibt. Irgendwie, wenn ich dann was schaue, was ich schon inhaltlich kenne, wie soll mich das noch begeistern. Eine Vorgeschichte zu „Eine schrecklich nette Familie“ wäre vielleicht ein Hit.

Florian: Ich komme noch mal zurück zu meinem Gedanken zu „Morgen“, wer weiß, wie weitere Filme und Serien aus der Tolkien-Welt werden im „Morgen“, das wird sicher kommen. Morgen kann hoffnungsvoll sein und es gibt uns Ziele, die wir uns setzen können. In den letzten Jahren habe ich verstanden, dass Ziele nur dann glaubwürdig sind, wenn ich mich selbst in ihnen im Jetzt sehen kann, weil, wenn wir über unser zukünftiges Ich sinnen, wir uns aus der dritten Perspektive sehen und dann alles dazu dichten, als ob wir alles andere ausblenden. Daher ist mein Rezept, Ziele zu setzen, die kein Traum sind, sondern ein „Morgen“, in dem ich mich, wie ich jetzt bin, im „Morgen“ sehen kann. Verstehst du, was ich meine?

Xuliang:Ja, du bist ein Träumer, aber ich kann manchmal durch dich auch mal mitträumen, aber mein „Morgen“ beginnt mit einem Tee, das sehe ich.

Florian: Willkommen zurück im Jetzt. „Momo“ Teil zwei wird es ja nicht geben, aber im „Morgen“ möchte ich kein alter grauer Mann mit Zigarre sein, der nur nach mehr lechzt, ich möchte erfüllt sein von dem, was mich umgibt, und das liegt ja an mir selbst.

Xuliang:Solange du mich hast, ist das ja erfüllt.

Florian: Ich liebe dich auch, du Lump.

Rückblick:

Wenn wir an die Zukunft denken, stellen wir uns oft die besten Versionen von uns selbst vor: als Sieger, Liebende, Eltern oder sogar als Millionäre. Doch die Realität kann auch ganz anders aussehen – gescheitert, verlassen oder verarmt. Diese gegensätzlichen Perspektiven zeigen, dass der Weg zum „Morgen“ nicht immer geradlinig ist. Es ist der Versuch, der uns klüger macht und uns lehrt, wie wir mit Herausforderungen umgehen können.

Träumen im Hier und Jetzt ist eine wunderbare Sache. Doch der wahre Fortschritt beginnt erst, wenn wir aufstehen und aktiv werden. Jeder Schritt, den wir tun, bringt uns näher an unsere Ziele und Träume. Wir sollten diesen Weg mit Entschlossenheit gehen, um unsere Vorstellungen von der Zukunft nicht nur zu träumen, sondern sie auch zu verwirklichen. Indem wir die Herausforderungen des Lebens annehmen, können wir letztlich die Realität gestalten, die wir uns für morgen wünschen.

4 KLING GLÖCKCHEN KLING

Florian: Ich sag dir mal eins, manchmal, wenn die Weihnachtszeit losgeht, aber nur manchmal, bin ich traurig, dass ich mich gegen einen Nine-to-five-Job entschieden habe. Die letzten zwanzig Jahre habe ich in der Weihnachtszeit immer auf Hochtouren gearbeitet und wenn der Stress dann um den zehnten Januar langsam weg war, war es Weihnachten auch.

Xuliang:Tja, jeder verdient, was er verdient, und das ist nicht wertend gemeint. Es betrifft nicht nur das Geld, sondern eben alles.

Florian: Na, das muntert mich jetzt aber richtig auf, ich bastele gleich einen Adventskranz und backe Kekse. Dann heißt deine Aussage, ich habe mein Leben verplant, weil ich arbeite, wenn andere Glühwein schlürfend in der Kälte stehen.

Xuliang:Ich meine gar nichts, ich stelle fest. Jeder verdient, was er verdient. Nehmen wir ein Beispiel?

Florian: Ok, nehmen wir ein Beispiel, nehmen wir meine Schwester.

Xuliang:Sie ist Lehrerin am Gymnasium, oder?

Florian: Ja.

Xuliang:Vollzeit?

Florian: Keine Ahnung, sagen wir mal ja, aber ich glaube, 75 Prozent oder so, aber sagen wir mal ja.

Xuliang:Zwei Kinder, die über sie gemeldet sind, und so fünfzehn Jahre im Dienst und fünf als Beamtin, kann das so stimmen?

Florian: Sagen wir mal ja, jetzt komm zur Sache, ergötze mich mit deinem „Jeder verdient, was er verdient“, klingt eher nach einem Text von den „Ärzten“ oder „Ganz schön Feist“.

Xuliang:Dann arbeitet sie ca. vierzig Wochenstunden im Mittel, hat aber die ganzen Schulferien unterrichtsfreie Zeit. Da sind es dann vielleicht noch ein paar Stunden in der jeweils letzten Ferienwoche. Dafür bekommt sie A13. Ich würde sagen, so was um die 30 bis 35 Euro netto die Stunde verdient sie. Ohne die Möglichkeit, mehr zu arbeiten. Sie könnte ihren Verdienst nicht in der Summe, aber noch pro Stunde steigern, indem sie weniger Zeit in die Unterrichtsvorbereitung und Elternbegleitung investiert. Vielleicht, weil sie meint, das verdient zu haben, zum Beispiel durch „Leistung“. Weil sie halt nicht so lahmarschig ist wie der Herr Müller, der immer alles liegen lässt. Wer es eben nicht im Kopf hat, der hat es in den Beinen. Sie verdient dieses Gleichgewicht an Zeit und Eigenleistung und Vergütung, weil sie sich die Mühe gemacht hat, die Richtlinien zu erfüllen. In welcher Form sie nun diese Linien ausreißt oder mehr investiert, das ist Geschichte, aber sie verdient, was sie verdient. Wenn sie mehr Geld meint, verdient zu haben, muss sie sehen, dass sie mit ihren Fähigkeiten eine Stelle sucht oder sich selbst schafft, bei der die Parameter eher zu ihr passen.

Florian: Im Fazit sagst du zu mir, du hast dir deine Arbeit über Weihnachten ausgesucht, jetzt heul nicht rum, sondern, wenn es dich stört, ändere deine Arbeit und werde erwachsen. Also indirekt sagst du es mir über meine Schwester. Ich muss sie mal fragen, ob es ihr so passt.

Xuliang:Ja, das ist die Kurzform. Ich dachte, es wäre netter mit dem Bild über ein Familienmitglied. Aber ja, weil ich auch weiß, dass du es gar nicht so meinst, sondern nur ein bisschen jammern magst, weil du auch voll abgehst, wenn dein Weihnachtsgeschäft schön brummt, das gehört nämlich auch zum „man verdient …“. Du weißt schon.

Florian: Wie hast du es eigentlich verdient, jeden Abend bis 23 Uhr in deinem Restaurant zu sitzen?

Xuliang:Ich schmeiß dich gleich raus. Aber touché. Ich habe leicht reden, wir feiern auch kein echtes Weihnachten, nur für die Kinder.

Rückblick:

In der Aussage „Wir verdienen, was wir verdienen“ steckt eine erschreckende Wahrheit, die in vielen Lebenssituationen sowohl pauschal als auch ungerecht erscheint. Dieser Satz birgt jedoch auch eine tiefere Reflexion über unsere Entscheidungen und den Wert unserer Arbeit. Besonders in der Zeit der Corona-Pandemie hat sich gezeigt, wie viele Menschen den Raum und die Zeit genutzt haben, um ihr Leben zu justieren. Nie zuvor habe ich so viele Bewerbungen erhalten, wie als ich auf der Suche nach neuen Mitarbeitern war. In den Gesprächen war ein gemeinsames Motiv zu spüren: Viele äußerten den Wunsch, ihr Leben zu verändern und neue Wege zu gehen.

Dies zeigt deutlich, dass wir uns oft zu wenig Zeit nehmen, um zu reflektieren, was wir wirklich wollen und ob das, was wir tun, im Einklang mit unseren Werten und Träumen steht. Die erzwungene Pause während der Pandemie hat diesen Prozess begünstigt und viele dazu angeregt, sich mit ihren Lebensentscheidungen auseinanderzusetzen.

Letztendlich bleibt uns nur, nach vorn zu schauen und aktiv zu werden. Wir haben das Leben, das wir uns erschaffen haben, und eine Rückkehr zu vergangenen Zeiten ist nicht möglich. Es ist an der Zeit, unsere Träume zu verwirklichen und die Zukunft zu gestalten, die wir uns wünschen. Also lasst uns aufbrechen und den Mut finden, das zu verfolgen, was uns wirklich erfüllt.

5 DIE LETZTE GENERATION

Xuliang:Was hältst du von den Klimaaktivisten?

Florian: Von den Klimaaktivist*innen.

Xuliang:Genau von denen, aber ihnen auch noch das Gendern vorzuwerfen, würde ich lieber lassen, sonst sind die bald Freiwild.

Florian: Das war kein Witz, ich versuche auch, eine gleichberechtigte Sprache zu wählen, und ich bin Lehrerkind, die korrigieren immer. Stopp: Das Kind einer Lehrkraft oder eines Lehrenden! Aber Lehrerkind wäre auch ok, weil mein Vater ja Lehrer war, wenn man es aber neutraler sagen würde, wäre Lehrender oder Lehrer*innen besser gewesen. Es wird dauern, bis ich das kann.

Xuliang:Das ist doch alles …

Florian: Na, sag das nicht, wie sieht’s bei deinen Töchtern aus?

Xuliang:Für meine Mädchen ist es normal.

Florian: Genauso ist es, Teile der älteren Generation haben nur keinen Bock, auf Sprachinnovationen und echte Gleichberechtigung einzugehen, weil es anstrengend ist und sicher noch aus vielen anderen Gründen. Ich denke, der wichtigste und wahre Grund ist Faulheit.

Xuliang: