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Sie halten ein Buch in den Händen, welches durchgehend von Schülern und Schülerinnen verfasst und gestaltet wurde. Aber warum diese Arbeit? Warum so viel Zeit in ein Schülerprojekt investieren? Betrachtet man den Deutschunterricht am Gymnasium, stellt man schnell fest, dass schon ab der Unterstufe die eigene Kreativität und Schaffenskraft von Sachtexten und Analysen verdrängt wird. Die primäre Arbeit der Kinder besteht über lange Jahre darin, Texte zu lesen und die sprachliche Gestaltung anderer Autoren zu hinterfragen. Texte erschließen und verstehen können ist natürlich eine wichtige Fähigkeit, um im weiteren Leben die Absichten, die z.B. hinter einem Zeitungsartikel stehen zu durchschauen. Aber wird dadurch die Liebe zur Sprache, zum Lesen und zum eigenen Schaffen geweckt? Eher nein, denn das stupide Suchen nach Allegorie, Alliteration oder Allusion wird so zum Selbstzweck und nicht selten stellen mir die Schüler dann die berechtigte Frage: "Woher wollen Sie denn wissen, dass der Autor hier absichtlich ein Stilmittel verwendet hat?" Genau diese Problematik brachte mich auf die Idee, im Rahmen des P-Seminars in der Oberstufe des bayerischen Gymnasiums ein Buch mit Kurzgeschichten verfassen zu lassen. Kurzgeschichten, die spannend, rührend, brutal, lustig oder traurig sind - aber immer sprachlich überzeugend gestaltet. An dieser Stelle möchte ich auch Ko Bylanzky danken, der sich dazu be-reit erklärte, zu uns an die Schule zu kommen, um einen Poetry-Slam-Workshop mit den Teilnehmern des Seminars zu veranstalten. Es war eine unglaubliche große Hilfe für die Schüler, von einem erfahrenen Autor Tipps und Tricks zu erhalten, wie man rhetorische Mittel sinnvoll und zielgerichtet einsetzt, um dem eigenen Text Wirkung zu verschaffen. Bedanken möchte ich mich vor allem aber auch bei den Schülern des Seminar, welche mit Engagement und Kreativität dazu beigetragen ha-ben, dass ich zwei Jahre gerne am Nachmittag in der Schule war und jetzt voller Stolz dieses Buch präsentieren darf! Danke Nadine, Lucie, Luisa, Melina, Luzie, Sarah, Johanna, Karoline, Kim, Marie-Luisa, Martha, Maja und Magnus! Aber nun genug der Worte an dieser Stelle! Blättern Sie um und sehen Sie selbst, welche Kreativität und welche Fähigkeiten in den Jugendlichen schlummern!
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Seitenzahl: 117
Veröffentlichungsjahr: 2013
www.tredition.de
Unser P-Seminar:
Magnus Winkler, Nadine Fischer, Johanna Liebl, Sarah Kappel, Lucie Geelhaar, Melina Hager, Sebastian Paintner, Luzie Huber (oben von links)
Maja Weise, Martha Urban, Kim Nguyen, Luisa Graf, Marie-Luisa Schneider, Karoline Lutz (unten von links)
Von Sommerduft und
Mödergruft
Ein Projekt des P-Seminars „Kurzprosa“
Q12, Josef-Effner-Gymnasium Dachau
www.tredition.de
Impressum
© 2013 P-Seminar Deutsch des Josef-Effner-Gymnasiums Dachau unter der Leitung von Sebastian Paintner (Hrsg.)
Autoren der Kurzgeschichten: Nadine Fischer, Lucie Geelhaar, Luisa Graf, Melina Hager, Luzie Huber, Sarah Kappel, Johanna Liebl, Karoline Lutz, Thuy „Kim“ Nguyen, Marie-Luisa Schneider, Martha Urban, Maja Weise, Magnus Winkler
Umschlaggestaltung, Illustration: Johanna Liebl, Karoline Lutz, Luzie Huber
Lektorat, Korrektorat: Lucie Geelhaar, Martha Urban, Maja Weise, Sarah Kappel, Kim Nguyen, Nadine Fischer, Magnus Winkler
Verlag: tredition GmbH, Hamburg
ISBN: 978-3-8495-3846-0
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
Inhalt
Vorwort
Freiheit
Begegnung
Der letzte Schritt
Die Flucht
Frei
Ein letzter Hoffnungsschimmer
Normales Leben
Stille
Wenn alles still ist
Zeichen der Stille
Nacht
Bedrohliche Nacht
Das erste Date
Nächtliche Treffen
Die beste Nacht unseres Lebens
Ein kleiner Stern
Frühlingsnacht
Rennen
Sirius
Volksfest
Der Teufel auf dem Volksfest
Die Fahrt
Das Verhör
Zigarette
Auf eine Zigarette mit Kurt Cobain
Aus dem Leben einer Zigarette
Frühstück im Bett
Wie alles mit einer Zigarette begann
Die letzte Zigarette
U-Bahn
13 Jahre
Fahrtwind
Gelb für die Hoffnung
Jasmin
Braun gebrannt am Sandstrand
Sonne, Strand und mehr
Die dritte Brautjungfer
Sie halten ein Buch in den Händen, welches durchgehend von Schülern und Schülerinnen verfasst und gestaltet wurde.
Aber warum diese Arbeit? Warum so viel Zeit in ein Schülerprojekt investieren?
Betrachtet man den Deutschunterricht am Gymnasium, stellt man schnell fest, dass schon ab der Unterstufe die eigene Kreativität und Schaffenskraft von Sachtexten und Analysen verdrängt wird. Die primäre Arbeit der Kinder besteht über lange Jahre darin, Texte zu lesen und die sprachliche Gestaltung anderer Autoren zu hinterfragen.
Texte erschließen und verstehen können ist natürlich eine wichtige Fähigkeit, um im weiteren Leben die Absichten, die z.B. hinter einem Zeitungsartikel stehen zu durchschauen. Aber wird dadurch die Liebe zur Sprache, zum Lesen und zum eigenen Schaffen geweckt? Eher nein, denn das stupide Suchen nach Allegorie, Alliteration oder Allusion wird so zum Selbstzweck und nicht selten stellen mir die Schüler dann die berechtigte Frage: „Woher wollen Sie denn wissen, dass der Autor hier absichtlich ein Stilmittel verwendet hat?“
Genau diese Problematik brachte mich auf die Idee, im Rahmen des P-Seminars in der Oberstufe des bayerischen Gymnasiums ein Buch mit Kurzgeschichten verfassen zu lassen. Kurzgeschichten, die spannend, rührend, brutal, lustig oder traurig sind – aber immer sprachlich überzeugend gestaltet.
An dieser Stelle möchte ich auch Ko Bylanzky danken, der sich dazu bereit erklärte, zu uns an die Schule zu kommen, um einen Poetry-Slam-Workshop mit den Teilnehmern des Seminars zu veranstalten. Es war eine unglaubliche große Hilfe für die Schüler, von einem erfahrenen Autor Tipps und Tricks zu erhalten, wie man rhetorische Mittel sinnvoll und zielgerichtet einsetzt, um dem eigenen Text Wirkung zu verschaffen.
Bedanken möchte ich mich vor allem aber auch bei den Schülern des Seminar, welche mit Engagement und Kreativität dazu beigetragen haben, dass ich zwei Jahre gerne am Nachmittag in der Schule war und jetzt voller Stolz dieses Buch präsentieren darf! Danke Nadine, Lucie, Luisa, Melina, Luzie, Sarah, Johanna, Karoline, Kim, Marie-Luisa, Martha, Maja und Magnus!
Aber nun genug der Worte an dieser Stelle! Blättern Sie um und sehen Sie selbst, welche Kreativität und welche Fähigkeiten in den Jugendlichen schlummern!
Sebastian Paintner
von Martha Urban
Sie stand da. Alleine. Verlassen. Viele Menschen liefen hektisch an ihr vorbei. Doch sie war endlich frei. Sie hatte es geschafft. Der Plan der letzten Wochen war aufgegangen. Es war 7°° in der Früh, vor genau zwei Stunden hatte sie heimlich ihre Sachen gepackt und war davongelaufen. Raus aus dem Chaos. Weg von dem Stress.
Hätte ihr jemand vor einem Jahr gesagt, dass sie heute ausreißen würde, weil sie es einfach nicht mehr aushielt, hätte sie lachend den Kopf geschüttelt und es nicht geglaubt. Sie musste grinsen. Es war einfach so absurd. Sie, Marina Hess, 17 Jahre alt, stand an einem Mittwoch um 7°° in der Früh am Kölner Bahnhof. Es tat gut zu lachen, die ganze Anspannung löste sich. Wann hatte sie zum letzten Mal wirklich gelacht? Nicht dieses gezwungene Lachen, dass man aus Höflichkeit vorspielt, weil jemand einen Witz gemacht hat. Nein, das Lachen das schon fast weh tut, weil man nicht mehr aufhören kann. Hätte sie lachen sollen als ihre Eltern sich trennten? Hätte sie lachen sollen, als Max ihr sagte, er liebe sie nicht mehr? Das waren noch die besten Momente der letzten Monate, an die sie sich erinnerte. Da dachte sie noch, es wäre schlimm ein Scheidungskind zu sein, schlimm Max nie wieder küssen zu dürfen. Doch dann verschwand ihre Mutter, das einzige, was sie noch von ihr hatte war der Brief, in dem sie erklärte, dass sie mit ihrem neuen Freund jetzt in München wohnte und Abstand zu ihrem alten Leben brauchte. So in ein, zwei Jahren würde sie sich aber über einen Besuch von ihrer geliebten Tochter freuen. Geliebt? Warum verschwand Mama dann, wenn sie mich so sehr liebt? Marina musste immer noch lachen. Warum lügt jeder? War es nicht einfacher die Wahrheit zu sagen? Auch ihr Vater gab immer noch nicht zu, ein Problem mit Alkohol zu haben. Obwohl er jeden Abend betrunken in die Wohnung kam, gab er es nicht zu. Über ihre Wange lief nun doch eine Träne, gleichzeitig musste sie lachen. Das konnte doch nicht wahr sein? Wieso könnte sie nicht einfach aus diesem Albtraum aufwachen und alles wäre so wie früher? Ihre Augen füllten sich mit Tränen. Eine nach der anderen kullerte über ihr Gesicht und fiel dann auf den harten Bahnhofsboden. Ihr Lachen wurde zum Schluchzen. Menschen liefen vorbei ohne sie zu beachten. Plötzlich wurde ihr schlecht. Mit schnellen Schritten ging sie in Richtung Toiletten.
Er stand da. So glücklich wie schon lange nicht mehr. Mit gepacktem Rucksack hatte er sich genau vor zwei Stunden auf den Weg hierher gemacht. Raus aus dem Chaos. Weg von der Trauer, die über seiner Familie lag. Er hatte es seinen Eltern gestern beim Abendessen gesagt, dass er heute weg fahren würde. Weil er Abstand brauchte. Seine Mutter hatte ihn nicht einmal angeschaut, als sie fragte was dann mit der Schule sei. Er wollte gerade antworten, als ihm sein Vater zuvor kam. Unter Schluchzen wies er darauf hin, dass sein Bruder niemals die Schule geschwänzt hätte, es aber jetzt sowieso nicht mehr machen konnte, weil er ja tot war. Tot. Richtig, sein Bruder war tot und das war schlimm. Aber es war schon ein halbes Jahr her. Musste er deshalb sein ganzes Leben lang traurig sein, weil er jetzt tot war. Durfte man nie wieder lachen? Er hatte seinen Bruder sehr geliebt und konnte es immer noch nicht fassen, dass er jetzt einfach nicht mehr da war. Nie wieder würden sie zusammen am Computer zocken, nie wieder zusammen Basketball spielen. Er bekam ein flaues Gefühl wenn er daran dachte und seine Finger fingen wieder an zu zittern. Wann würde das aufhören? Würde er je wieder von den Schmerzen befreit werden? Einfach ohne Sorgen und Trauer durchs Leben laufen. Frei sein. Ging das überhaupt? Er drehte sich gerade um als ein Mädchen ihn anrempelte. „Tschuldigung!“, rief sie ihm schluchzend zu und rannte weiter zu den Toiletten. Ihre Blicke hatten sich kurz getroffen und er sah ihre verquollenen Augen. Was sie wohl hatte? Vielleicht einen Zug verpasst oder ihr Freund hatte Schluss gemacht und jetzt dachte sie, das wäre das schlimmste auf der Welt. Wenn sie nur wüsste. Und er ging die Treppen hoch zu den Zügen.
Sie übergab sich. Viel zu oft. Doch es war befreiend. Auf dem Weg hierher hatte sie mehrere Menschen angerempelt, ausversehen, doch niemand hatte ihr geholfen. Kurz vor den Toiletten war sie gegen ein Jungen gelaufen. Ihre Blicke hatten sich kurz getroffen und sie sah hinter seinem Lächeln die traurigen Augen. Vielleicht hatte er einen Zug verpasst oder seine Freundin hatte mit ihm Schluss gemacht und jetzt dachte er das wäre das schlimmste auf der Welt. Wenn er nur wüsste. Doch jetzt musste sie zu ihrem Zug. Das Ticket hatte sie vorher gekauft. Gleis 20, Regional Bahn nach Hamm. Ihr erster Zwischenhalt auf dem Weg nach Hamburg. Was sie dort dann machen wird, würde sie spontan entscheiden. Ist das Freiheit? Nicht zu wissen wo man in zwei Stunden ist oder wo man heute Nacht schläft. Einerseits war es ein schönes Gefühl, andererseits beängstigend. Der Zug stand schon da und sie stieg ein.
Er musste zu Gleis 20. Sein erster Stopp war Hamm und dann wollte er in Richtung Hamburg. Wo er heute Nacht schlafen würde wusste er noch nicht, aber das war genau das was er wollte. Frei sein. Spontan entscheiden wo er hin läuft. Trotzdem fühlte er sich alleine. Schön wäre es jemanden dabei zu haben. Jemanden wie sein Bruder. „Hör auf“, sagte er zu sich selbst und stieg in den Zug ein. Es war ganz schön voll, doch er ergatterte noch einen Zweiersitz. Seinen Rucksack packte er hoch auf den Gepäckhalter. Zufriedenließ er sich in den Sitz fallen. Wer weiß wer mir begegnet. Hamburg ich komme, dachte er und lächelte.
Sie stand ewig im Gang bis endlich jeder sein Gepäck verstaut hatte. Der Zug war ganz schön voll, aber vielleicht bekam sie noch einen Zweiersitz. Doch es war hoffnungslos, sie musste sich zu irgendjemandem dazu setzen. Ganz vorne sah sie noch einen freien Platz. Nach dem sie ihren Rucksack auf dem Gepäckhalter verstaut hatte, setzte sie sich hin. Sie drehte ihren Kopf und lächelte ihrem Sitznachbarn zu. Es war der Junge von den Toiletten. Er lächelte immer noch, doch sie erkannte seinen traurigen Blick.
Es setzte sich jemand neben ihn. Sie verstaute erst ihren Rucksack auf dem Gepäckhalter und als sie sich setzte lächelte sie ihm zu. Es war das Mädchen von den Toiletten. Ihre Augen waren immer noch verquollen, obwohl man ihr ansah, dass sie nun versuchte durch ihr Lächeln die Traurigkeit zu überspielen. Wo sie wohl hinfahren würde? Ob sie sich genauso frei fühlte wie er.
Beide schauten aus dem Fenster und sahen den Zug aus dem Bahnhof fahren. Er wurde immer schneller und irgendwann erkannte man nichts mehr.
Er drehte sich zu ihr um und fragte: „Und wohin fährst du?“
von Lucie Geelhaar
„Haben Sie noch irgendetwas zu sagen, Mr. Johnson?“, fragte der Henker, den Finger schon an dem Schalter. Es sah so aus, als ob er es nicht erwarten konnte, die Bewegung auszuführen, die das Schicksal Richard Johnsons besiegeln würde. Es war ein Tag, an dem die Sonne schien, eigentlich ein schöner Tag. Doch ich starrte den Mann auf der Liege mit den Schläuchen im Körper an und verfluchte im Stillen, dass ich überhaupt gekommen war. Mein Pflichtgefühl sagte mir, dass dies auch ein Teil meines Jobs als Detektiv war, aber der Fall „Johnson“ berührte mich, da er mein erster gewesen war. Ich fühlte mich für ihn verantwortlich. „Ich habe lange darüber nachgedacht, was meine letzten Worte sein sollen, da es ja schon ein Privileg ist, die Chance zu bekommen, sie auszusprechen.“ Seine Stimme klang brüchig und leise, besaß aber Aufrichtigkeit und eine charismatische Stärke, die auch mit seinem Aussehen im Einklang stand. „Kaum einer weiß, wann genau er sterben wird, geschweige denn wie. In diesem Sinne habe ich doch Glück, nicht wahr? Ich durfte mich durch meinen Pfarrer von meinen Sünden befreien, mein letztes Mahl, meine letzten Worte und sogar meine Sterbeart wählen. Wer kann das schon von sich behaupten?“, fuhr er fort. Es überraschte mich sehr, ihn sprechen zu hören. Genau genommen war es das erste Mal, dass er überhaupt sprach, seit ich ihm begegnet bin: Blutverschmiert saß er neben der Leiche seiner Frau und hielt ihre Hand. Er sagte niemals etwas. Nicht als er beschreiben sollte, was vorgefallen war, nicht als er ihres Mordes beschuldigt wurde, nicht als er verurteilt wurde und auch im Gefängnis sagte er kein Wort, soweit ich wusste. Durch den Umstand, dass er schwieg, war die Beweislast noch erdrückender geworden. Ich fand jedoch heraus, dass seine Frau, Abgeordnete im Staat Florida, eine Affäre mit Richards bestem Freund gehabt hatte. Dieser berichtete von einem Streit, bei dem Johnson ihn wegen der Affäre zur Rede stellte. Somit war der Fall klar: Richard Johnson ermordete seine Frau aus Eifersucht.
Er starrte mir direkt in die Augen – eine Intensität im Blick, die mir zeigte, dass er die volle Wahrheit durchschaut hatte -, als er weitersprach: „Kein Mensch der Welt würde eine andere Vorgehensweise wählen, wenn er an meiner Stelle gewesen wäre. Ich hoffe, meine Tat wird als das gewürdigt werden, für das ich hier nun sterbe.“ Als er dies ausgesprochen hatte, schweifte sein Blick zu dem Henker ab, der schon sehnsüchtig darauf wartete, endlich das Urteil zu vollstrecken und zu seiner eigenen Frau nach Hause zurückzukehren. Auch im Zuschauersaal hörte ich einige Seufzer, als Johnson seine Überzeugung von der Tat preisgab. Alle starrten ihn an und in ihren Gesichtern konnte man das Entsetzen lesen, die diese Worte ausgelöst hatten. Doch meine eigene Überzeugung geriet ins Wanken, während er nun mich direkt ansprach: „ Ich bereue es nicht hier zu sterben, denn ich werde zu meiner geliebten Jane gehen. Aber bitte, unser Sohn ist doch erst zwei Jahre alt und schon eine Waise. Kümmere dich um ihn ... Sie hat ihn sehr geliebt!“ In diesen Worten steckte so viel Gefühl, Aufrichtigkeit und Liebe, dass mein Triumph ins Wanken geriet und umschlug. Die weiteren Minuten nahm ich nur verschwommen wahr. Es dauerte erstaunlich kurz, nur wenige Minuten, in denen er den natürlichen Kampf gegen den Tod ausfocht. Doch jeder muss sterben, wie er selbst schon festgestellt hatte, und sein Tod war bedeutend, das wurde mir jetzt klar.
