Vor deiner Zeit - Eduardo Neira - E-Book

Vor deiner Zeit E-Book

Eduardo Neira

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Beschreibung

Schiffe, Meere und ferne Länder auf fünf Kontinenten sind die abwechslungsreichen Schauplätze dieser Erzählung. Der Autor, seit Jahrzehnten selber zur See fahrend, schildert mit reichlich Insidererfahrung wie selten ein anderer das Leben der Seeleute. Alberto, ein alter Kapitän im Ruhestand, der gerade seine Ehefrau verloren hat, betrachtet aus seiner Einsamkeit heraus den Sonnenuntergang, als er ungewöhnlichen Besuch erhält, der ihn zum Weiterleben ermutigt. Von nun an leistet ihm die geisterhafte Besucherin jeden Tag bei Sonnenuntergang Gesellschaft. Dabei erzählt ihr der alte "Seewolf", während er in den Erinnerungsstücken seiner Seemannskiste kramt, von den Abenteuern seiner Reisen durch die Welt. Eines Tages jedoch, nachdem ihn ein Telefonanruf vom Todes eines geschätzten Kollegen unterrichtet, nimmt sein Leben noch einmal eine völlig neue Wendung. Beim Begräbnis seines Freundes erhält Alberto das Angebot, ein Schiff nach Indien zu überführen. Er nimmt an und macht sich auf den Weg - die letzte Reise seines Lebens, die ihn schließlich, fort vom Meer, zu einem unerwarteten Ziel führt. Humor, Esprit, Romantik, sowie Ungewöhnliches und Bewegendes vereinigen sich großartig zu dieser wundersamen Erzählung, deren Seiten den Leser von Anfang bis Ende fesseln.

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Seitenzahl: 513

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

1

„Nicht das Erwartete geschieht; es ist das Unerwartete, das sich ereignet“.

Euripides v. Salamis (480-406), Dramatiker und Dichter

Der Abend senkte sich hernieder und die Brise brachte eine so angenehme Frische, daß die Vögel sie mit ihrem fröhlichen Trinquilieren feierten und sich zu deren Rhythmus die Büsche in harmonischem Tanze wiegten. Die Sonne war gerade dabei, den blankgeputzten Horizont über dem Meer zu küssen und schien dort in der Ferne einzutauchen in das luftige Himmelblau und das Türkis des Meeres, wie ein kosmisches Schiff, das wieder und wieder Schiffbruch erleidet.

Unzählige Male in seinem Leben hatte Alberto die Sonne untergehen sehen, einige Male so schön, daß es fast unbeschreiblich war - und zwar nicht nur über jenem wunderbaren Ozean, den er nun betrachtete, sondern auch über dem Atlantik, dem Mittelmeer, der Karibik, dem Roten Meer, dem Golf von Bengalen und dem Indischen Ozean. Diesmal jedoch war es anders, genoß er doch das Schauspiel nicht von der Brücke eines Schiffes aus, sondern von der Kolonnade seines Hauses, das strategisch günstig auf einem Hügel am Rande eines ruhigen Fischerdorfes gelegen war und herrliche Ausblicke besaß: nach Westen hin auf das Meer, und was die übrigen Richtungen betraf, auf die grüne ländliche Umgebung.

Einige Stunden zuvor hatte Alberto die alte Schiffstruhe geöffnet, in der er im Laufe der Jahre verschiedene Dinge von seinen Reisen wie etwa Bücher, Karten, Musikkassetten und Souvenirs zusammengesammelt hatte. Während die Sonne gerade dabei war sich zu verbergen, las Alberto eine Passage des Tagebuchs aus seinen ersten Jahren der Seefahrt zu ende. Das Tagebuch hatte er aus jener Schiffstruhe hervorgeholt. Jetzt beschloß er, eine Pause einzulegen, um das Meer zu betrachten.

Die Farben der Abenddämmerung begannen ihm Kunde von der nächtlichen Dunkelheit zu senden und hinten am östlichen Himmel kam der Mond zum Vorschein, strahlend und voll.

„Wieder ein Sonnenuntergang mehr…, und in einem von diesen werde ich das Untergehen meines eigenen Lebens sehen und nicht mehr am anderen Tage in dieser unerträglichen Einsamkeit erwachen wollen“, dachte Alberto, während er in seinem Schaukelstuhl sitzend dann und wann einen Schluck aus seiner Tasse Tee nahm. Nachdem er sich einige Minuten lang in Abschweifungen ergangen hatte, stand er auf, um die Lautstärke seiner Stereoanlage hochzustellen, denn nun erklang eines seiner Lieblingsstücke: die Mondscheinsonate von Beethoven.

Alberto kehrte zu seinem Schaukelstuhl zurück, schloß die Augen und begann sich an Erlebnisse zu erinnern, die zu ihm kamen, ohne daß er sie gerufen hatte. Er erinnerte sich an seine ersten Übersee-Reisen, an angenehme Abende bei Kerzenschein, klassischer Musik und Unterhaltungen im Saal von Kapitän Martínez, als dieser und seine Gemahlin Panchita, jene kultivierte und liebevolle Dame, der er sehr zugeneigt war, ihn an den Abenden der langen Fahrten auf dem Weg nach Japan zum Plaudern einluden. Sie besaßen eine große Menge an Langspielplatten mit klassischer Musik; ihm fiel insbesondere die komplette, meisterhaft von Claudio Arrau interpretierte Sammlung von Beethoven-Klaviersonaten ein, die Alberto vollständig auf Kassetten aufgenommen hatte. Diese waren damals die große tontechnische Neuheit und eröffneten den Seeleuten erstmals in der Geschichte die Möglichkeit, jeden Augenblick und an jedem Ort Musik zu hören. Bis dato hatte es nur Vinyl-Schallplatten gegeben, die sich nur bei ruhiger See hören ließen. Wenn ein Unwetter losbrach, erlaubte das starke Schaukeln des Schiffes kein Hören von Musik mit dem Plattenspieler, weil die Nadel über die Platten sprang und so ihr Funktionieren unmöglich machte; auch verlor sich das Signal der Radiostation und dann konnte man ebenfalls keine Musik mehr hören, wenn der wilde Sturm durch das Takelwerk und um die Schotten fegte, während mit unregelmäßigem Schlage die Wellen gegen den Schiffsrumpf donnerten, Stunde um Stunde, Tag um Tag, solange, bis irgendwann die Ruhe zurückkehrte. Mit dem Aufkommen der Musikkassetten war das Leben des Matrosen fröhlicher geworden, konnte er doch nun in seinen Mußestunden Musik hören, egal ob es regnete, donnerte oder blitzte. Und wenn der Lärm der entfesselten Natur draußen störte, waren Kopfhörer – ebenfalls eine neuerliche Erfindung – die ideale Lösung.

Alberto blickte wieder auf seine Schiffstruhe, die er während langer Jahre im Haus seiner Mutter aufbewahrte, nachdem diese ihm die Truhe, kurz bevor er zur See gegangen war, geschenkt hatte; in ihr sammelte er bestimmte persönliche Erinnerungen wie Briefe und Fotos der Frauen, die er einmal geliebt hatte.

Fast drei Jahrzehnte später, nachdem ihm seine Mutter die Truhe geschenkt hatte, fragte sie ihn irgendwann, ob er diese eines Tages wohl einmal mitnehmen würde. Alberto hatte sie dann in sein eigenes Haus geschafft, um sie auf dem Dachboden aufzubewahren, wo sie für weitere zehn Jahre blieb bis zu jenem Tage, als er entschied, sie herunterzuholen und ihren Inhalt durchzusehen.

In der Truhe stöbernd, stieß Alberto auf etwa dreißig Kassetten, von denen die Mehrzahl mit dem Jahr versehen war, in welchem er sie erworben oder erhalten hatte. Das veranlaßte ihn, sie chronologisch zu ordnen, um sie dann von hinten nach vorne zu hören und sich so an manche Erlebnisse zurückzuerinnern. Dies schien ihm eine gute Idee, denn nur wenige Kassetten stammten nicht aus den Jahren von 1968 bis 1989, der abenteuerlichsten Zeit seines Lebens auf See, der er am meisten nachhing. Alberto freute sich, daß viele von ihnen – neben dem Jahr – auch den Namen eines Hafens oder eines Mädchens trugen: Barranquilla 1971, Patricia 1974, New York 1977, Hamburg 1978, Liza 1976 etc.

Er stöberte weiter und nahm die Kiste aus bearbeitetem Holz, die ihm Marina, seine geliebte Ehefrau, geschenkt und die er mit ihren Briefen, Karten und anderen Erinnerungen an sie gefüllt hatte. Darin befand sich noch immer der vergilbte Briefumschlag mit der Widmung, die sie ihm damals, als sie ihm die Kiste schenkte, geschrieben hatte: „Mein geliebter Pirat der Meere, dies ist die Kiste mit dem größten aller Schätze, den du in deinem Leben findest: dem Schatz meiner ewigen Liebe. Bewahre sie bis zum Ende deiner Tage!“.

Marina war zu Unzeiten gegangen – alles Scheiden kommt stets zu Unzeiten, wenn der Mensch, den man liebt, geht. Es war vor kaum zwei Wochen gewesen: ein plötzlicher Herzstillstand, den sie erlitten hatte, als sie sich am Strand herumlaufend und miteinander scherzend vergnügten. Groß war die Überraschung der drei Einheimischen gewesen, die sie beide wie in Form eines Kreuzes ausgestreckt, sie über ihm liegend, gefunden hatten. Als sie sich ihnen näherten, stellten sie fest, daß nur noch Alberto atmete. In der Einsamkeit des weiten Strandes hatte Alberto, nach langen und verzweifelten Minuten der Wiederbelebungsversuche und nachdem er merkte, daß seine Versuche, Marina zu retten, nicht fruchteten, um Hilfe geschrien. Als er sah, daß niemand kam, hatte er sie über seine Schultern genommen und etwa zweihundert Meter in Richtung des Dorfes getragen, ehe er ohnmächtig zusammenbrach.

Seit drei Monaten hatte Alberto mit seiner Frau den Ruhestand genossen, so wie es seit jenem Tage vor zwölf Jahren ihr Traum und Plan gewesen war, als sie diesen idyllischen Ort gefunden hatten, um dort das Haus zu bauen, das ihnen für ihr restliches Leben Heim sein würde. Alberto hatte sich, kaum daß er sechzig geworden war, in den Ruhestand verabschiedet, nachdem er den größten Teil seines Lebens damit verbracht hatte, Handelsschiffe durch die Meere der Welt zu navigieren. An dem Tag, an dem Marina achtundvierzig wurde, wollte er sie mit einem indischen Abendessen überraschen, das er selber zuzubereiten gedachte. Doch jenes fatale Ereignis hatte seine Pläne und zukünftigen Erwartungen völlig auf den Kopf gestellt; jetzt fühlte er sich so alleine wie niemals zuvor im Leben.

Während er die Augen geschlossen hielt, erinnerte sich Alberto zurück; seine Tränen hörten nicht auf zu fließen und sammelten sich, salzig wie Tropfen des Meeres, auf seinen Lippen. Ein aufdringlicher Geruch nach Jasmin holte ihn plötzlich aus seiner Versenkung zurück. Er öffnete seine Augen und dachte sofort an Marina; der Jasmin war stets ihre Lieblingsblume gewesen und ihr Duft jener, den sie am meisten gemocht hatte; daher hatte er für sie, um sie zu erfreuen, im Garten Jasminbüsche gepflanzt. Dies war der Ort, an dem sie einen guten Teil ihrer Zeit verbracht hatte, indem sie sich um die Pflanzen kümmerte oder einfach auf einer bequemen Bank im Schatten des Akazienbaumes saß, mal lesend, mal die Aussicht genießend.

„Die Jasminsträucher sind nicht in der Nähe. Vor ein paar Stunden habe ich nach ihnen gesehen und sie stehen nicht in Blüte… Woher kommt dann der Duft?“, fragte sich Alberto.

Impulsiv hielt er die geöffnete Kiste an seine Nase und beroch ihren Inhalt, fand aber, daß der Duft nach Jasmin, den sie einst gehabt hatte, schon seit vielen Jahren vergangen war. Alberto schaute sich um in dem Glauben, vielleicht irgendeinen Besucher zu entdecken, der ohne Vorankündigung hereingekommen war und Jasmin mitgebracht hatte; er lief durch das Haus, sah durch die Fenster nach draußen, öffnete die Türe und schaute zu allen Seiten, ohne irgend jemanden sehen zu können. Beunruhigt kehrte er zu seinem Sitzplatz im Wohnzimmer zurück und während er an dem Bild von Marina vorbeiging, verstärkte sich der Duft nach Jasmin noch. In diesem Augenblick fühlte Alberto ihre Gegenwart so sicher, daß er rief: „Marina!“ Und kurz darauf sah er, wie eine schemenhafte Gestalt von der Größe des Bildes, etwa fünfzig Zentimeter hoch, sich von dem Bild löste und sich wabernd auf ihn zubewegte. Die ätherische Form hielt knapp zwei Handbreit vor ihm inne und erfüllte seine Sinne mit wunderbarem Duft. Ohne einen Augenblick zu zweifeln, streckte Alberto die Arme aus und führte seine Hände in sie hinein, wobei er das angenehme Empfinden einer klaren Frische auf seiner Haut spürte. Sehr bewegt, rief er erneut: „Marina, du bist da!“, und, versunken in einem Zustand der Ekstase, verharrte er so für den Zeitraum von beinahe einer Minute, während seine Hände von der himmlischen Berührung durch seine Geliebte gesegnet wurden. Am Ende bewegte sich die schemenhafte Gestalt zu einer Seite und ruhte auf der Sitzfläche des Sessels, den sie immer bevorzugte, wenn sie sich an den Nachmittagen und Abenden hingesetzt hatten, um Musik zu hören und zu plaudern.

Erstaunt, ohne den Blick von Marinas Erscheinung abzuwenden, setzte sich Alberto in den Sessel, der ihr gegenüber stand. Er fühlte, wie sich sein Herzschlag mit einer Mischung aus Verwunderung und Bewegtheit beschleunigte, bis er - inzwischen bereits sicher, daß er nicht träumte - zu ihr sagte: „Liebes, wie eigenartig ich dich finde! ... Mir scheint, als wolltest du mir sagen, daß du mich begleiten wirst, daß du nicht zuläßt, daß ich hier an Traurigkeit sterbe ohne dich… Komme, komme immer und halte mich mit deiner Anwesenheit lebendig und glücklich!“ Die Gestalt näherte sich ihm erneut, indem sie diesmal seine Brust und die linke Wange umstreifte – so wie sie es stets getan, wenn sie ihn umarmt hatte. Dann bewegte sie sich in Richtung zur Truhe und setzte sich einen Augenblick darauf; schließlich bewegte sie sich noch einmal hin zu ihrem gewohnten Platz, auf dem sie sitzenblieb; es schien, als ob sie mit diesen Bewegungen etwas zu verstehen geben wollte. In diesem Augenblick erinnerte sich Alberto, daß seine Frau ihn einige Tage vor ihrem Tod gebeten hatte, ihr die erste Hälfte seines Lebens auf See zu erzählen. Die zweite kannte sie ja gut, und er hatte ihr geantwortet, er würde dies tun, sobald er die Truhe seiner Erinnerungen chronologisch geordnet hätte; an jenem Tage war er gerade dabei, dies zu tun.

„Liebes! Komme jeden Abend zu Sonnenuntergang und ich werde dir mein ganzes Leben erzählen! ... Ich werde tausend und eine Abenddämmerung brauchen, wie es Scheherazade tat, um sich am Leben zu halten, bis ein launischer Wind meine Erinnerung löscht und dem Tode sagt, er möge mich wieder zu dir bringen“, sagte er zu ihr, von Gefühlen bewegt, während er sich anschickte – mit seinem alten Tagebuch, Briefen, Schachteln und anderen Erinnerungsstücken in der Hand – seine Erzählung zu beginnen.

2

Meine Mutter brachte meinen älteren Bruder und mich während der Schrecken des Zweiten Weltkriegs zur Welt (ich kroch aus ihrem Leib an dem Tage, da die Alliierten in Berlin einmarschierten); sie sagte, daß wir vielleicht deshalb so unruhig und von Abenteuergeist erfüllt wären.

Meine Tante Maruja gab ihr recht, wenngleich sie hinzufügte, daß wir diesen Abenteuergeist von meinem Vater geerbt hätten, dessen verrückte Jugend vielleicht der Tatsache geschuldet sei, daß er während eines anderen Weltkriegs, nämlich des Ersten Weltkriegs geboren worden war. In jedem Falle verdanke ich meinem Vater eine Kindheit voll von unzähligen Reisen und Ausflügen dahin und dorthin, die wir in der Mehrzahl der Fälle mit unserem Chevrolet-Kleinbus unternahmen oder, wenn es mit diesem nicht möglich war, mit allen Arten von Verkehrsmitteln, die der Zufall uns bescherte: in jenen Bussen, die wir „chivas“, „Zicklein“ nannten, aber auch mit dem Zug, mit dem Boot und auf dem Rücken des Pferdes. Jene Tagesausflüge weckten in mir eine unersättliche Reiselust, die mich im Laufe der Jahre zu Luft, zu Wasser und über Land rund um die Welt führte.

Meinen ersten Kontakt mit dem Meer kenne ich aus dem Munde meiner Mutter. Während einer jener wunderbaren Abende, an denen uns unsere Eltern Geschichten aus unserer Kindheit erzählten, erinnerte sie sich wieder an jene Begebenheit am Strand, als ich zwei Jahre alt war und in einem Augenblick ihrer Unachtsamkeit ihrem wachenden Blick entkam, um zum Meer zu laufen, ohne irgendeine Furcht vor den Wellen zu zeigen, die auf mich zurollten. Es war das erste Mal, daß sie in Zusammenhang mit mir und dem Meer Ängste und Besorgnis ausstand. Das nächste Mal kam dann, als ich sechs Jahre alt war: Wir waren nach Data gefahren, eine Siedlung nahe dem Fischerhafen von Posorja, wo das Meer die Vertiefungen des breiten Strandes füllte, um so

Lagunen von regelmäßiger Größe und Tiefe zu bilden, die aufgrund des Fehlens von Wellen ideal zum Schwimmen waren. Mein größerer Bruder war gerade ins Wasser gegangen und schwamm auf die Wellen zu. In dem Glauben, ich könne ebenfalls schon schwimmen, folgte ich ihm nach, um ihn zu erreichen; innerhalb von Sekunden schluckte ich Wasser und wäre fast ertrunken, wenn mich nicht mein Vater, der mir unter dem angsterfüllten Geschrei meiner Mutter schnell zur Hilfe eilte, zufällig gerettet hätte. Dies war eine entscheidende Erfahrung für meine künftige Beziehung zum Meer, bekam ich glücklicherweise keine Angst, sondern begann, es zu achten und zu bewundern, so wie man auch eine Mutter achtet und bewundert. Wenige Wochen danach lernte ich schwimmen.

Etwa vier Jahre danach brachte ich mich in Zusammenhang mit dem Wasser erneut in schwierige Lage. Diesmal war es weniger das Meer, sondern der Río Chilintomo, ein wunderbarer Bach, an dessen Mäanderschlingen unsere Hazienda lag. Ich hatte einen Trog genommen, der zum Füttern der Tiere im Stall benutzt wurde und war damit zum Spielen an das Ufer des Baches gegangen. Auf die Idee kommend, es handle sich bei dem Trog um ein Kanu – die Form war genauso und unterschied sich nur in der Größe, die etwa ein Meter an Länge maß – ließ ich ihn an einer Krümmung des Baches zu Wasser und lief am Ufer nebenher, um ihn einige Meter weiter unterhalb wieder herauszuholen. Dabei hatte ich mich aber verrechnet und der Trog schwamm vorbei, noch bevor ich ihn erreichen konnte. Nun lief ich weiter am Ufer entlang, bis ich ein Kehrwasser sah, wo ich wartete, daß er angeschwommen käme, damit ich ihn erfaßte. An dieser Stelle war der Bach breiter und strömungsreicher. Dennoch: Als der Trog in der Mitte des Baches ankam, beschloß ich, mich für ihn ins Wasser zu stürzen. Es gelang mir auch, ihn zu fassen, doch die Strömung riß mich einige lange Minuten mit, bis ich über hundert Meter weiter flußabwärts das Ufer erreichen konnte, mein provisorisches Spielzeug-Kanu fest umklammernd. Die Geste des Erstaunens und der Aufschrei meiner Mutter, als sie mich naß und mit dem Trog unter dem Arm kommen sah, ist eines jener Bilder meiner Kindheit, das sich fest in meine Erinnerung eingeprägt hat, schon allein deshalb, weil ich mir sogleich in jenem Moment der Gefahr bewußt wurde, in die ich mich wegen meines Ungehorsams begeben hatte. Mutter hatte mich ja bereits gewarnt, nicht ins Wasser zu gehen, da einige Wochen zuvor in jenem selben Fluß ein älterer Junge als ich von der Strömung mitgerissen worden und ertrunken war. Obwohl in diesem Alter schon ein guter Schwimmer, habe ich diese Erfahrung als eine die mich sehr erschrak und mir eine Lektion erteilte in Erinnerung, denn bei meiner Anstrengung, das Ufer zu erreichen, hatte ich die ganze Verzweiflung eines Menschen, der um die Rettung seines Lebens kämpft, gefühlt.

Ich fertigte begeistert Schiffchen aus Papier, die ich auf jedem Teich oder Bach, den ich finden konnte, fahren ließ.

Mit der Zeit begann ich welche aus Holz zu machen, wobei ich Fuchsschwanz, Taschenmesser und Sandpapier verwendete. Mein Lieblingsstück war die Nachbildung eines Fischkutters, den ich aus einem Stück Balsaholz bastelte, das ich am Strand angespült gefunden hatte. Mit meinen Werkzeugen teilte ich es in drei Teile: zwei schmale, gleiche, die als Seitenteile dienten, und ein breites, ebenes, das in die Mitte kam. Nachdem ich ihnen eine Form gegeben und sie geschliffen hatte, verband ich sie mit Querlatten, die an den Enden befestigt waren. Am Bug fixierte ich eine Verstärkung mit zwei in Form eines X überkreuzten Hölzern. Dort befestigte ich den kleinen Mast, von dem das Segel hing – ein altes Tuch, das an vier Punkten an der Verstärkung angebunden war.

Ich probierte das Schiff auf einem kleinen See aus, der sich während der Regenzeit am Fuße eines Hügels unweit unseres Hauses bildete. Einige meiner Freunde bastelten ihre eigenen Gefährte. Es bereitete uns großes Vergnügen, zu sehen, wie sie den See von einem Ufer zum anderen kreuzten. Zu Beginn kippten sie leicht um oder verloren an Geschwindigkeit, weil sie nicht die Richtung halten konnten, doch danach fanden wir heraus, daß, wenn wir in jedem Zentrum des Schiffes ein Gewicht befestigten und das Segel gut festzurrten, der Wind sie vorantrieb, ohne daß sie umfielen.

Die Schulferien waren immer das von der ganzen Familie am sehnlichsten erwartete Ereignis; die erinnerungswürdigsten Momente meiner Kindheit geschahen ohne Zweifel während besagter wunderbarer Monate der Muße, die wir fast immer in General Villamil, einem Fischerdorf, das besser unter dem Namen Playas bekannt ist, verbrachten. Mit gewisser Häufigkeit verbrachten wir auch einige Wochen unserer Ferien im Gebirge, in der anziehenden Stadt Cuenca, oder auf unserer Hazienda, die in der östlichen Region der Provinz Guayas lag; beides waren Orte, die wir sehr genossen. Es war in einer jener langen Ferienperioden, daß uns mein Vater auf angenehme und motivierende Art in das Lesen einführte: eines Tages brachte er uns eine wunderbare Sammlung an Jugendliteratur mit und bat uns, ihm an jedem Wochenende, an dem er von Guayaquil kam, um es mit uns zu verbringen, von dem, was wir gelesen hätten, zu erzählen. Die Sache begeisterte uns, denn sie gab uns Gelegenheit zu wunderbaren Gesprächen über die Abenteuer der Personen, und unser „literarischer Zirkel“ wurde zu einer Gewohnheit, die so lange andauerte bis wir die Schule verließen. Das erste, was ich las, waren die Erzählungen aus Tausendundeiner Nacht, die meine Vorstellungskraft auf solche Art entzündeten, daß sich meine Welt der Phantasie beinahe bis zum Beginn meines Erwachsenwerdens verlängerte, als ich dann – mit einem Schlag! – aufhörte, auf fliegenden Teppichen zu reiten, an wundersame Lampengeister zu glauben und wie Sindbad zu reisen, um danach zu versuchen, die Welt ohne diese zu verstehen. Dennoch füllte meine Vorstellungskraft meinen Geist weiterhin mit Abenteuern, die ich mir zu durchleben ausmalte, so wie es mir auch Freude bereitete, Phileas Fogg auf seiner Reise um die Welt in achtzig Tagen zu begleiten. Seit dieser Zeit wurden die Werke von Jules Verne zu meinen Lieblingsbüchern, obgleich ich mich auch für die von Emilio Salgari, Robert Louis Stevenson und Mark Twain begeisterte. Meine bevorzugten Helden waren der schlaue Marco Polo, Robinson Crusoe mit seinem ergebenen Freund Freitag und natürlich der erfindungsreiche Junker von La Mancha1. Viele dieser Werke, deren Kinderversionen ich wie einen Schatz hütete, las ich später noch einmal während meiner Reisen auf See und, voll von guten Erinnerungen, genoß ich sie nicht minder wie als Kind.

Die meiste Ferienzeit jener Jahre verbrachten wir im „El Botecito“, einem bescheidenen Häuschen, dessen Obergeschoß meine Eltern für die Ferien der Winterzeit in Playas zu mieten pflegten. Das Haus war von gemischter Bauweise – Ziegel, Holz und Röhricht – und gehörte einem Fischer namens Lucho, mit dessen Familie uns während der sechs Schulferien, die wir in Folge in seinem Haus verbrachten, innige Freundschaft verband. In den drei Monate andauernden Ferien richteten diese Leute sich in den zwei Zimmern im Erdgeschoß ein und benutzten einen Teil des Raumes im Keller, in dem sie Balsaholz, Netze und anderes Fischereigerät aufbewahrten; den Rest vom Erdgeschoß nahm ein Lebensmittelgeschäft ein, das Juanita, die Frau von Lucho, bediente. Das Obergeschoß besaß zwei kleine Schlafzimmer, ein jedes mit Fenster zur Straße und Meerblick; eines bezogen meine Eltern mit meiner kleinen Schwester, das andere bewohnten mein großer Bruder, unser Kindermädchen und ich. Zwischen den Zimmern lag ein Aufenthaltsräumchen, das anstelle eines Fensters einen kleinen Balkon besaß, von dem einige Pflanzen herabhingen; ein Sessel, zwei Holzstühle und zwei Hängematten waren das ganze Mobiliar, das sich dort befand. Nach hinten lag das Eßzimmer, bestehend aus einer rustikalen Tischgarnitur, sechs Stühlen und einer kleinen Kredenz, in der Teller und Gedecke aufbewahrt wurden. Zur Seite war die Küche, die einen Holzofen besaß, einen Kerosinkocher, eine Kühlbox und einen „kreolischen“ – heute würde man sagen: ökologischen – Kühlschrank, der nichts anderes als eine Holzkiste mit vier Beinen war, in dessen aus galvanisiertem Blech geschmiedetes Inneres man einen Block Eis legte, der die Lebensmittel und Vorräte bei mehr oder weniger geeigneter Temperatur frisch hielt, abhängig von der Menge Eis, die man darin unterbringen konnte. Die Töpfe und andere Utensilien hingen an der Wand an Nägeln. Weiter hinten in einem Kabuff von ein mal ein Meter war die Toilette, die aus einem Holztopf bestand, auf dessen Sitz Lucho derart realistisch die offenen Kiefer eines Haifisches gemalt hatte, daß mein Vater nicht zögerte, ihn durch einen aus Keramik zu ersetzen, was aber wohl mehr aus hygienischen Gründen als aus der Angst, sich draufzusetzen, geschah. In der Fortsetzung öffnete sich eine Art Terrasse, von der aus man den Innenhof der benachbarten Häuser sehen konnte; an diesem Ort hatten wir zwei Tanks von 55 Gallonen Fassungsvermögen, die wir dazu benutzten, unseren Wasservorrat aufzubewahren und den wir immer dann auffüllten, wenn es regnete oder wenn durch die Nachbarschaft ein Wasser-Tankwagen fuhr. Dort, auf jener Terrasse unter freiem Himmel badeten wir: mit einem Zuber holten wir Wasser aus den Wassertanks und, bereits gut eingeseift, übergossen wir uns.

Es gab Gelegenheiten, bei denen uns das Wasser ausging, bevor ein neuer Tankwagen kam; dann fuhren Carlos, mein älterer Bruder, und ich mit dem Fahrrad los, um einen zu suchen. Sobald wir einen fanden, näherten wir uns ihm und riefen dem Fahrer zu: „Wasser für das Häuschen Botecito bitte!“. Er gab uns mit der Hand ein Zeichen, verstanden zu haben, und wir kehrten in erfüllter Mission nach Hause zurück. Der Tankwagen ließ nicht lange auf sich warten und kam mit seiner Kolonne von Wasserfüllern. Sie bestand aus drei oder vier muskulösen jungen Burschen, die mit einem vollen Zuber in jeder Hand innerhalb weniger Minuten die Tanks ganz schnell auffüllten.

Luis und Juanita waren sehr gönnerhaft und dienstbeflissen. Immer hatten sie frischen Fisch und manchmal bewirtete uns Juanita mit irgendeinem leckeren Gericht, das sie gekocht hatte. Beide waren auch sehr freundlich; wir pflegten uns am Abend gegenseitig zu besuchen, was wir sehr genossen, vor allem dann, wenn Jacinta, die Mutter von Juanita kam. Sie war ein regelmäßiger Gast des Hauses und erzählte uns unter Lachen stets schöne Geschichten, wobei sie ihre lückenhaften und schlecht gepflegten Zähne sehen ließ. Wir sahen sie so oft lachen, daß Carlos und ich ihre noch verbliebenen Zähne zählen konnten! Als wir Luis und Juanita kennenlernten, hatte sie zwei Kinder: Luchito, der drei Jahre jünger als ich war, und ein Mädchen, an dessen Name ich mich nicht mehr richtig erinnere, obwohl ich ziemlich sicher bin, daß es, wie ihre Mutter, Juanita hieß. Jedes Jahr trug Juanita ein neues Baby auf dem Arm, so daß es im letzten Jahr, das wir in ihrem Haus verbrachten, insgesamt acht Kinder waren, die sie hatten. In diesem Zeitraum wuchs auch unsere Familie und wir wurden sechs Geschwister.

Ich nehme an, daß die demographische Expansion der beiden Familien Grund dafür war, daß wir nicht mehr das Obergeschoß ihres Hauses mieteten, gab es doch keine weiteren Schlafmöglichkeiten mehr, weder für uns oben, noch für die Leute unten.

Wie liebten wir das Meer! Carlos und ich verbrachten Stunden im Wasser, schwimmend und in den Wellen spielend, vormittags und nachmittags. Unsere Strandzeiten waren gemeinhin von neun Uhr morgens bis sechs Uhr am Abend, mit Ruhepausen von zwei bis drei für das Mittagessen, was nicht immer im Haus stattfand, da wir auch manchmal in einem kleinen Speiselokal am Strand zu Mittag aßen. Wir waren häufige Gäste eines Bruders von Juanita, der Fermín hieß und der unter einem Zeltdach von vier mal vier Metern am Strand ein einfaches, aber erfolgreiches Restaurant improvisierte, dessen Spezialität - das einzige, was er zubereitete, woran ich mich erinnere - Meeräsche war, fritiert oder auf Holzkohle gebraten, die er mit kleingeschnittener Zwiebel und Zitrone überhäufte und mit Reis und Kochbananen ergänzte; eine Köstlichkeit!

Fermín hatte den Spitznamen „Patepato“, „Entenfuß“, wegen der Form und ungewöhnlichen Breite seines rechten Fußes, der, vielleicht durch seltsame genetische Mißbildung, sich vom Gelenk bis zu den Zehen in Form eines Fächers erweiterte und dort in der Breite wenigstens fünfzehn Zentimeter maß. Der andere Fuß war auch breit, doch im Vergleich mit dem rechten nicht der Rede wert. Eines Tages konnte ich meine Neugierde nicht mehr zähmen und fragte Fermín, weshalb sein Fuß so breit wäre; er antwortete, daß er, was sehr augenfällig war, nie im Leben Schuhe getragen habe und daß deshalb seine Füße so gewachsen seien. Ich antwortete ihm, daß ich letzteres nicht glaubte, gingen doch fast alle Dorfbewohner die meiste Zeit ohne Schuhe und niemand hätte die Füße so breit; darauf lachte er sich einen und erzählte, daß ihm, als er klein war, das Rad eines Lastwagens über den Fuß gefahren wäre und der Fuß deshalb so geblieben sei. Das hingegen glaubte ich ihm dann sehr wohl, und seit jenem Tage nahm ich jeden Freund oder Familienangehörigen, der mich in Playas besuchte, mit zu „Patepato“, damit sie seine köstlichen Lisas probierten und sich ansähen, wie ein Fuß aussieht, den ein Lastwagen plattgefahren hat.

Jedes Mal, wenn die Fischer vom Strand aus das riesige Küstenfangnetz einholten, das sie Augenblicke zuvor von einem Boot aus ausgeworfen hatten, gesellten Carlos und ich uns zu den zahlreichen Leuten, die langsam und im Gleichschritt die Seile an beiden Enden des Netzes zusammenzogen, bis sie es vollkommen am Strand hatten.

Das war der von uns am sehnlichsten erwartete Augenblick: dann erschien vor unseren Augen eine große Vielfalt und Menge an Meerestieren, angefangen von Seezungen und Tintenfischen bis hin zu Haien und Schildkröten, die wir mit großer Neugierde beobachteten, während die Fischer damit beschäftigt waren, sie nach Art und Größe zu sortieren. Wenn sie mit dem Sortieren des Fanges fertig waren, luden sie ihn in Lastwagen, die wenige Minuten entfernt geparkt warteten. Die kleineren Fischchen wurden zurück ins Meer geworfen oder, wenn sie schon tot waren, am Strand zurückgelassen, wo sie Frauen und Buben in Kübeln aufsammelten, um sie daheim für das Abendessen zu verwenden; wir sammelten sie ebenfalls auf, jedoch nicht für das Abendessen, sondern mit dem Ziel, Spaß daran zu haben, wenn wir sie in die Luft warfen und zusahen, wie die Königstyrannen2 sie im Fluge verschlangen.

Ich fand es bezaubernd, die Rückkehr der Fischkutter zu beobachten und zu sehen, wie sie den Fang anlandeten und ihn auf Zubern aus Balsaholz, die sie wie Räder benutzten, hinauszogen.

Wir genossen es, wenn uns Lucho auf seinem Fischkutter zu einem Ausflug hinaus aufs Meer mitnahm; den Wind auf der Haut zu fühlen, während ich das Geräusch des Wassers beim sanften Tuckern des Kutters hörte, gab mir ein Gefühl von Genuß und innerem Frieden, das ich stundenlang auskosten konnte. Das war ein echtes und exklusives Vergnügen, das uns Lucho einige Male anbot, wenngleich weniger häufig als wir es uns gewünscht hätten. Obwohl es mir so gefiel, mußte ich mich oft zurückhalten, Lucho zu bitten uns auf seinem Fischkutter mitzunehmen, da Vater uns darauf hingewiesen hatte, wir mögen das Boot nicht als ein Objekt des Vergnügens sehen, war es doch Luchos Arbeitsgerät, und daß die Tatsache, daß er hin und wieder Stunden seiner Arbeit oder Erholung opferte, um mit uns einen Trip zu machen, eine besondere Dankbarkeit von unserer Seite erfordere, die wir zeigten, indem wir ihm bei der kleinsten Gelegenheit eifrig halfen.

Die Ferien in Cuenca waren ebenfalls sehr schön; unsere Familienangehörigen von dort, gastfreundlich und herzlich, überhäuften uns immer mit Aufmerksamkeiten: im Allgemeinen Einladungen zum Essen oder Landpartien. Es begeisterte uns, zu ihren Fincas zu fahren, auf denen wir uns manchmal ganze Wochen lang aufhielten, um das Landleben zu genießen. Außer dem Reiten und dem Erkunden der Umgebung lernten wir das Kühehüten, das Käsemachen, sowie das Pflanzen und Ernten einer Vielzahl von Gemüse. Mein stumpfer Daumen ist eine Erinnerung an die Arbeit des Luzerneschneidens, das wir mit einer scharfen Machete verrichteten. Bei einer Gelegenheit streckte ich meine Hand zu weit nach vorne und führte den Schnitt zu tief über meinem linken Daumen; glücklicherweise beschränkte sich der Schnitt nur auf das Fleisch und betraf nicht den Knochen. Zu meinem Erstaunen wuchs innerhalb weniger Monate neues Fleisch, das die Fingerkuppe wieder bedeckte, so daß der Daumen nur einige wenige Millimeter kürzer blieb.

Ein denkwürdiges Abenteuer durchlebten wir – meine zwei Brüder, ein Freund und ich – beim Klettern auf einen Berg, der sich vor der Finca eines Freundes der Familie befand, wo wir einige Tage verbrachten. Früh am Morgen brachen wir auf, denn vor dem Aufstieg hatten wir ein gutes Stück zu laufen, was sich als länger und anstrengender herausstellte, als wir uns das vorgestellt hatten. Nahe beim Gipfel fanden wir einen Brunnen, von dessen Wasser wir tranken und an dem wir unsere Trinkflaschen auffüllten. Als wir endlich auf dem Gipfel waren, erfüllte uns jenes herrliche Gefühl des Triumphes, das jeder Bergsteiger beim Erreichen seines Zieles fühlen muß; der Ausblick unter dem klaren Abendhimmel war grandios und wir hätten gerne länger dort bleiben wollen, doch es dämmerte schon und ein kalter Wind kam auf, weshalb wir den Rückweg angingen. Der Abstieg gestaltete sich viel schneller: wir sprangen mit großem Geschrei eine ebene Strecke des Geländes hinab, was sehr lustig war, und zwar noch mehr, als wir in vollem Tempo einen kleinen Hund überholten, der uns bellend hinterherkam.

Als wir den Abstieg beendet hatten und am Fluß ankamen, bemerkten wir daß wir weit entfernt von der Brücke waren, die wir hätten überqueren sollen, und daß wir uns fast gegenüber der Finca befanden; den steinigen Fluß durchquerend, wären wir bereits in geringer Distanz zum Haus. Nach einem Moment der Unentschlossenheit schickten wir uns an, den Fluß zu überqueren: an den tiefsten Stellen reichte uns das Wasser kaum bis zur Hüfte, doch die starke Strömung ließ uns ausgleiten und hinfallen, eines um das andere Mal. Nur Carlos schaffte es, das gegenüberliegende Ufer zu erreichen; wir anderen ließen davon ab, nachdem wir mehrere Male gefallen waren, ohne auch nur die Mitte des Flußbettes erreicht zu haben. Naß und starr vor Kälte entschieden wir, den Weg über die Brücke zu nehmen. Carlos querte den Fluß zurück und schloß sich uns auf dem langen Weg zurück zum Haus an, wo wir fast um Mitternacht, fröstelnd und erschöpft, ankamen.

Die langen Zeiträume des Schulunterrichts ließen ebenfalls dankbare Erinnerungen in mir zurück, nicht so sehr an das, was in der Schule geschah, sondern an die weite Freiheit, die sie zum Spielen bot. In jenen gesegneten und unkomplizierten Zeiten des Schülerseins – lange vor der kränklichen und nichtssagenden „akademischen Exzellenz“ - gab es weder so viele Dinge zu lernen, noch derart viele Schulfächer zu belegen. Dies schenkte uns Kindern ausgedehnte Zeit, uns nach unserem eigenen Willen auszuleben; will heißen: glücklich zu sein.

Glücklicherweise benötigten wir außer Bällen und Murmeln keine der damals wenigen, industriegefertigten Spielzeuge; jedes Objekt, das unserer Vorstellung entsprang, diente uns – ob materiell oder nicht – aufs Wunderbarste. Außer dem Fußballspielen mit dem Fetzenball, waren meine Lieblings-Freizeitbeschäftigungen Murmelspiele, von denen wir eine große Anzahl kannten: Pepo y Trulo, Bombe, Schlange, Ñocos und Pique; letzteres war ein Spiel, das wir gemeinsam mit den Freunden des Viertels erfunden hatten und das daraus bestand, die Murmeln an den Stamm einer Akazie zu schießen, auf daß sie durch die Zwischenräume der Wurzeln in die Grube rollten, was das Ziel des Spiels war: Die Murmel, die es schaffte, ihren Weg in die Grube zu finden, gewann und ihr Besitzer forderte von seinen Gegenspielern den Gewinn in billusos3 ein.

Ich hegte immer Dankbarkeit gegenüber jenem großzügigen Baum, der sich auf die Seite der Art unseres unschuldigen Spielens schlug und der mit seinen Wurzeln eine großartige Kulisse für unser Vergnügen bot.

Wir besaßen unsere Haustiere, Hunde und Katzen, mit denen wir spielten und uns sehr vergnügten. Insbesondere erinnere ich mich an Cuqui, eine Pekinesenhündin der freundlichsten und liebsten Art; sie erschien immer dort, wo wir gerade spielten und nahm, wo sie konnte, an unserem Spiel teil. Ihr sympathischer Charakter machte sie in der Nachbarschaft sehr beliebt. Einmal kam mein Vater ins Haus und bemerkte, daß unsere Hündin bekannter wäre als ihre eigentlichen Herren, hatte er doch zwei Kinder, die vor unserem Haus vorbeigingen, reden gehört, wobei ein Kind zum anderen sagte: „Schau mal, das ist das Haus von Cuqui“. Eines Tages starb eine Katze, die kurz davor Junge bekommen hatte und Cuqui säugte die Kätzchen zur selben Zeit und mit derselben Liebe, wie sie auch ihre eigenen Welpen säugte. Mutter bekam im Hause viele Besucher, denn diese sollten sehen, daß das, was wir ihnen über Cuqui erzählten, wahr wäre. Eine andere Heldentat war die, angeblich mit einem Hahn, den wir besaßen, gekämpft zu haben; eines Tages sahen wir, wie Cuqui ihn spielerisch provozierte und jener sich in freien Kampf stürzte. Wir zögerten nicht, ihn zu dressieren und kurz darauf bereiteten wir eine Theatervorstellung für die Kinder unseres Viertels vor, welche ein voller Erfolg wurde. Da sich die Nachricht schnell ausbreitete und noch mehr Kinder die Show mit Cuqui sehen wollten, mußten wir noch eine weitere Vorstellung abhalten, diesmal – was eine Idee von Carlos war – mit zu bezahlendem Eintritt.

Neben den Haustieren hatten wir auch einige Tiere der exotischen Art wie Papageien, Affen und sogar noch exotischere wie Hirsche, Gürteltiere und Nasenbären; alle brachte Vater von der Arbeit mit. Insbesondere erinnere ich mich noch an ein Totenkopfäffchen, den mein Vater Manolito, „Händchen“ taufte, da er sich immer mit der linken Hand an den Penis faßte und ihn rieb (der Gauner war Linkshänder). Manolito machte sich dadurch in der Nachbarschaft bekannt, daß er immer, wenn er unserem Haus entfloh, Ausflüge kreuz und quer durch die Innenhöfe unternahm. Seine Lieblingsbeschäftigung war, die aufgehängte Wäsche von den Leinen zu nehmen, insbesondere die kleineren Wäschestücke wie Strümpfe, Büstenhalter und Höschen, die dann für gewöhnlichen unseren Innenhof als Endlager hatten. Häufig bekamen wir Besuch von den Hausangestellten des Viertels, die nach diesen oder jenen Strümpfen oder Höschen fragten, Wäschestücke, die unser Kindermädchen nur schwer zuordnen und ihren Besitzern zurückgeben konnte, solange diese nicht selber darum ersuchten. Unglücklicherweise jedoch tauchten nicht immer alle Wäschestücke in unserem Hause auf; der Zorn der Nachbarn und unser Gefühl der Verantwortung ließ Carlos und mich ein Abenteuer seiner eigenen Art unternehmen: wir wurden zu Suchern fremder Unterwäschestücke, sowohl in den Innenhöfen als auch auf den Bäumen und Dächern der Nachbarschaft; eine Arbeit, die wir gemeinhin mit vollem Erfolg ausführten - mit Ausnahme eines Unterhöschens von Doña Adelita, das wir niemals mehr fanden.

Sobald die Dämmerung endete, verging der Duft nach Jasmin und Marinas ätherische Gestalt verblaßte. Alberto blieb nachdenkend sitzen, verwirrt von dem, was geschehen war. Er fragte sich, ob er anfing, den Verstand zu verlieren, ob er vielleicht gerade den Sinn für Realität verloren hätte und ob seine Vorstellungskraft zu weit ginge. Mehrere Stunden vergingen; weit nach Mitternacht entschied Alberto, daß es Zeit wäre, zu Bett zu gehen, doch seine Aufregung hielt ihn wach. In dieser Nacht fand Alberto kaum Schlaf.

* Erläuterungen aller mit * gekennzeichneten Sachverhalte im Anhang!

3

„Man muß immer irgendeinen Traum durch die Adern strömen haben, und die Seele von einem Korn Wahnsinn gepackt“.

Lya Luft, brasilianische Schriftstellerin (*1938)

Am nächsten Tage blieb Alberto verwirrt und konnte sich auf nichts, was er tat, konzentrieren. Er war sich sicher, daß Marinas Besuch Realität gewesen war, doch er brauchte dafür eine Bestätigung, so daß er den Vormittag und den Nachmittag angespannt auf den Sonnenuntergang wartete.

Sobald das letzte Stückchen der Sonne unter den Horizont getaucht war, erfüllte die Aura rings um Alberto wieder jener Jasminduft und Marinas schemenhafte Erscheinung zeigte sich vor Alberto. Er begrüßte sie und sagte ihr mit kindlicher Leidenschaft liebende Worte, wie er sie manchmal verwendet hatte, wenn die beiden in spielerischer Stimmung gewesen waren. Marina ließ ihn wissen, daß sie nun jeden Abend zur selben Zeit kommen würde, so lange bis er ihr seine ganzen Lebenserinnerungen erzählt hätte. Daher fuhr er fort…

Die Idee, ein eigenes Boot zu haben, schwirrte uns mehrere Jahre im Kopf herum, bis eines schönen Tages Carlos und ich, der ich schon gegen vierzehn Jahre alt war, den Plan schmiedeten, endlich eines zu bauen, wozu wir die Hilfe unseres Freundes Lucho erbaten. Er selbst organisierte das Baumaterial für uns: vier Stämme aus Balsaholz, ein jeder etwas weniger als drei Meter lang, Latten, um die Stämme zusammenzuhalten und das Takelwerk mit dem Segel, das wir quadratisch haben wollten, anzubringen. Daneben ein Brett aus Guajak-Holz, um das Steuerruder zu fertigen, ein altes Segeltuch, von dem wir das beste Stück für unsere Zwecke herausschnitten und Juteseil, mit dem wir alles, was es festzubinden gab, festbanden. Wir verwendeten tatsächlich nicht einen Nagel! Nach einigen Tagen enthusiastischer Arbeit unter der Aufsicht von Lucho war unser bizarres Gefährt fertig; seine bescheidenen Ausmaße gaben meiner Mutter eine gewisse Beruhigung, wußte sie doch, daß wir damit nicht weit hinausfahren konnten. Dennoch nahm sie uns das Versprechen ab, daß wir uns nicht mehr als zweihundert Meter vom Ufer entfernen würden und daß wir stets die beiden Bojen und Ruder mitnähmen. Nachdem alles bereit war, luden wir unser Fahrzeug auf die Ladefläche unseres Kleinlasters und schleiften es, als wir am Strand waren, zum Wasser, wo wir das Segel setzten und ausrichteten. Sobald die letzten Einzelheiten geprüft waren, stachen wir in See und nahmen – denn endlich war unser Traum erfüllt! – Kurs aufs offene Meer.

Es war sehr bewegend zu fühlen, daß unser Boot von alleine über das Meer glitt, langsam getragen vom Wind, der das kleine Segel blähte. Bald lernten wir die Schwierigkeit zu meistern, die jedesmal dann auftauchte, wenn wir uns so positionierten, daß wir den Wind im Rücken hatten: Dann kehrte sich das Blasen ins Segel plötzlich um und drehte das Floß, was uns einen großen Gefallen tat, denn wir begannen, von Achtern her zu steuern und nahmen es nicht ernst, bis wir es endlich schafften, gegen den Wind zu fahren, d.h. zu luven, und den notwendigen Kurs wieder aufzunehmen. Wie herrlich war es, wenn der Wind stark blies und unser kleines Floß aus seiner natürlichen Langsamkeit herausfand und mit größerer Geschwindigkeit zu fahren begann! Bald waren wir geschickte Floß-Steuerer, immer getreu Vaters und Mutters Empfehlung, uns nicht weiter von der Küste zu entfernen. Wir waren stolz auf unsere „Kon Tiki“, wie wir unser Floß tauften - zu Ehren jener einfachen, aus ekuadorianischem Balsaholz gefertigten Konstruktion, mit der Jahre zuvor der Norweger Thor Heyerdahl sich in das Abenteuer gestürzt hatte, den Pazifik zu überqueren.

Immer wenn es günstigen Wind gab, nutzten wir diesen aus, um Fahrten von gewöhnlicher Länge entlang der Küste zu unternehmen. Bei der ersten Fahrt, die wir machten, folgten Vater und Mutter uns an Land mit unserem Kleinlaster; bei jener Gelegenheit fuhren wir einige Kilometer Richtung Süden. Ein anderes Mal segelten wir nach Norden bis zum Strand El Pelado. Obwohl die beiden Fahrten nur wenige Seemeilen lang waren, benötigten wir für sie mehrere Stunden aufgrund der Langsamkeit unseres Gefährts und wegen der ständigen Wendemanöver und des Kreuzens, das wir veranstalten mußten, um den Kurs zu halten, ohne uns dabei von der Küste zu entfernen – Umstände, die dazu führten, daß sich der Weg verdoppelte!

Die Wartung des Floßes war sehr arbeitsintensiv, schon deshalb, weil uns die ständigen Transporte dazu zwangen, regelmäßig Reparaturen oder Neueinstellungen vorzunehmen. Dennoch hielt unser Floß nur zwei Jahre lang - bis zu jenem unglücklichen Tage, an dem es geschah, daß wir uns einem Felsvorsprung näherten.

Wir waren dort schon mehrfach vorbeigefahren, doch diesmal beschlossen wir, dichter an ihn heranzusteuern, um das Kliff besser betrachten zu können, das mit jedem Schlag der Wellen eine salzige Gischt in den Himmel spie. Plötzlich bemerkten wir dicht unter der Wasseroberfläche einen untergetauchten Felsen, den wir noch umschiffen wollten, doch unser Floß, das sich nicht gerade durch eine gute Manövrierfähigkeit auszeichnete, reagierte nicht und wurde durch den Schwall der Wellen geradewegs auf den felsigen Untergrund geworfen. Ein Zurückweichen der Wellen ließ uns auf dem Felsen aufsitzen und eine neue Welle schlug von hinten mit solcher Wucht auf uns, daß mein Bruder ins Wasser fiel. Überrascht vom plötzlichen Hineinfallen, schwamm Carlos schnell davon und erreichte einen großen, hohen Felsen, den er erklimmen konnte, um sich außerhalb der Reichweite der Wellen in Sicherheit zu bringen, während ich, mich am Mast festhaltend, weiterhin das Spülen der Wellen über das „Deck“ aushielt.

Als ich sah, daß es keine Möglichkeit gab, das Floß auf die offene See zurück zu manövrieren und daß ich mich in der Folge in einer sehr riskanten Situation wiederfinden würde, rief mir mein Bruder zu, ich solle ebenfalls ins Wasser springen und versuchen, den Felsen zu erreichen, den auch er hinaufgeklettert war, was ich unverzüglich tat.

Einmal oben und voll von Blessuren, sahen wir mit Unmut, wie unsere „Kon Tiki“ dem Wellenschlag gegen die Felsen ausgeliefert war, der es unter unserem weinerlichen Blicke langsam zerstörte.

Zu Anbruch des folgenden Tages kehrten wir, begleitet von unserem Vater, an den schicksalhaften Ort zurück. Die Ebbe ausnutzend, näherten wir uns den Resten des Floßes und konnten zwei seiner Stämme retten, die wir herausholten und auf unseren Kleinlaster luden. Obwohl wir nicht mehr versuchten, ein anderes Floß zu bauen, fanden wir eine neue spaßige Verwendung für sie: nämlich jene, uns mit ihnen über die Wellen gleiten zu lassen. Als wir schon größer und kräftiger waren, nahm Vater während der Ferien Carlos und mich öfter auf unsere Hazienda mit, was uns, um dort hinzugelangen, manchmal einen ganzen Tag beanspruchte. Wir standen früh auf, um auf das Überqueren des Río Guayas mittels eines Kahns zu warten. Von der anderen Seite des Flusses aus nahmen wir den Weg nach Pueblo Nuevo, die Siedlung, die unserer Hazienda am nächsten lag. Manchmal kamen wir nicht einmal dort an, wenn die Regenfälle manche Wege unpassierbar gemacht hatten, denn nur die ersten Kilometer der Straße waren asphaltiert. Der Rest hingegen war ein endloser Morast, in dem unser Kleinlaster oft steckenblieb. Wenn wir nicht mehr weiterkamen, ließen wir das Fahrzeug unter der Aufsicht von einer der Familien der Gegend stehen und setzten unseren Weg bis zum Fluß zu Fuß fort. Dort nahmen wir einen Einbaum, der uns an jenem Ort ablieferte, wo ein Knecht der Hazienda mit Pferden auf uns wartete, damit wir dann auch das letzte Stück zurücklegen konnten, was wir häufig bereits in der Dunkelheit der Nacht tun mußten. Vater pflegte den Leuten Funknachrichten über Radio Cristal zu senden: „Achtung, Hazienda Violeta, wir kommen nächsten Dienstag, erwartet uns mit drei Pferden am Fluß!“. Ein oder zwei Tage nach unserem Ankommen kehrten wir ins Dorf zurück, um auf die Ankunft des Nachrichtenwagens von Radio Cristal zu warten. Dieser kam zweimal in der Woche mit einem Sprecher, der seine Ankunft mit einem Megaphon in der Hand ankündigte; er selber kümmerte sich darum, die Nachrichten der Leute vom Land in einem Notizbuch zu sammeln, um sie an den folgenden Tagen von der Sendestation in Guayaquil aus zu übermitteln.

Über dieses Medium informierten wir auch unsere Mutter, daß wir gut angekommen waren und teilten ihr andere Neuigkeiten, die es gab, mit. Die meisten ländlichen Küstenregionen verfügten damals über keinen Elektroanschluß und keine ganzjährig befahrbaren Verbindungswege; dies bedeutete, daß das Batterie-Transistorradio ein Gegenstand war, der in keinem Haushalt auf dem Lande fehlen durfte, blieb es doch die einzige Möglichkeit für einen ständigen Kontakt mit der Außenwelt. Es war Gewohnheit, das Gerät vom frühen Morgen bis in die späte Nacht hinein eingeschaltet zu lassen.

Die Bäume übten eine einzigartige Faszination auf mich aus. Ich liebte es, sie zu erklettern und verbrachte lange und unterhaltsame Zeiten in ihrem Geäst, und das allein nur aus dem Grunde, weil es mir eben gefiel. An der Rückseite unseres Hofes hatten wir einen dichtbelaubten, riesigen Mangobaum, auf den ich an den Nachmittagen zu klettern pflegte. Es war die Stunde der Abenddämmerung an einem jener Tage der unerwarteten Überraschungen, als ich plötzlich Zeuge eines verführerischen Schauspiels wurde. Ich hatte den Baum gerade erklommen und befand mich auf einem der Äste, der sich zu einem wenige Meter entfernt liegenden Badezimmer des Nachbarhauses hin erstreckte, als ich auf einmal bemerkte, daß dort das Licht anging. Ich richtete meinen Blick dorthin und wurde mit dem herrlichsten Blick, den ein heranwachsender Träumer durch ein Fenster zu erhaschen vermag, konfrontiert: eine wunderschöne junge Frau besah sich im Spiegel, allein mit einem Handtuch um den Kopf gebunden; von dort hin nach unten erschien sie, soweit mir es das Fenster zu sehen erlaubte, vollkommen nackt; nur ihre Knöchel und Füße blieben außerhalb der Reichweite meines Blicks. Das Erschaudern, das mich in jenem erregenden Moment erfaßte, war von solcher Heftigkeit, daß ich für einen kurzen Moment das Gleichgewicht zu verlieren fühlte, und ich wäre glatt auf dem Boden gelandet, hätte ich mich nicht rittlings mit Armen und Beinen an den Ast, auf dem ich mich befand, geklammert. Es war Sarita, ein hübsches blondes Mädchen, dessen Familie vor kurzem in das Nachbarhaus gezogen war und zu der sich meine Freundschaft bis dato – nachdem sie vier Jahre älter war als ich – auf Grüßen und kurze triviale Äußerungen beschränkt hatte. An jenem Tage – ich war gerade sechzehn Jahre alt geworden – endete meine lange Kindheit; es war das erste Mal in meinem Leben, daß ich eine nackte Frau gesehen hatte und die Angelegenheit füllte einen wichtigen Raum meines Geistes aus. So wurden die abendlichen Dämmerstunden für mich die am sehnlichsten erwarteten: jeden Tag vor dem Hereinbrechen der Nacht eilte ich voller Illusionen zu meinem heimlichen Treffen mit Sarita, welches diese nackt in ihrem Badezimmer und ohne es zu wissen herausforderte und zu dem ich mich in meine Baumloge hinaufgeklettert mit Pünktlichkeit einfand.

Jedes Treffen von Montag bis Freitag erfolgte mit der Pünktlichkeit der guten Gewohnheiten: jene von ihr war die, alle Tage zur selben Stunde zu baden und die meine war, fünfzehn Minuten davor auf den Baum zu klettern! Am Wochenende pflegte Sarita unterschiedliche Zeiten, was meine komplette Anteilnahme erschwerte. Ich weiß nicht wie es kam, aber eines schönen Tages war der untere Fensterrahmen kein Hindernis mehr und ich konnte nun auch das einzige ihres skulpturenhaften Körpers betrachten, das ich zu Beginn nicht hatte sehen können: ihre schönen und zarten Füße.

Es gibt Arten von Liebe, die aufgrund eines solchen Zieles plötzlich enden: meine zu Sarita war eine solche. An jenem Tage war sie hineingekommen, um vor der Zeit zu baden, das heißt vor der gewohnten. Da die Helle des Tages noch schimmerte, brauchte sie nicht das Licht einzuschalten. Als sie nach draußen sah, entdeckte sie mich dort in den Ästen hängend und ihr auflauernd wie eine zahme, einfallsreiche Katze; ihr überraschter und vernichtender Blick wirkte wie ein Treffer ins Schwarze und mit einer solchen Wucht, daß ich geräuschvoll auf den Boden fiel, wobei es gleichzeitig zu einem Bruch meiner Träume von ihr und meines linken Schlüsselbeines kam. Als ich ins Haus kam, rief meine Mutter, obwohl sie sich nicht vorstellen konnte, weshalb ich so zerknirscht war: „Ich habe dich schon gewarnt, Alberto, daß du eines Tages von diesem Baum da herunterfallen und dir die Knochen brechen wirst!“

So wie mir der Akazienbaum seine Wurzeln geliehen hatte, um meine kindlichen Spiele anzuregen, hatte mir der Mangobaum seine Äste gereicht, um mich zu meinen ersten männlichen Spielen zu ermutigen; ihm verdanke ich jene erste platonische Liebe, obwohl ich eher sagen würde, daß es eine sokratische Liebe war - schon allein deshalb, weil ich angesichts der bezaubernden Nacktheit Saritas wußte, daß ich nichts wußte!

Als wir auf die Hazienda kamen, begeisterte sich mein Bruder für die Zucht von Kampfhähnen. Unser Majordomus, der ebenfalls Luis hieß, besaß einige Exemplare, bei deren Training, vor allem für den Kampf mit Sporen, wir stets dabei waren. Eines schönen Tages entschloß sich Carlos Hahnenkampf-Ausrichter zu werden und studierte sorgfältig die Pflichten dieser Angelegenheit, die auch ich als sein Assistent mitbekam. Es dauerte nicht lange und der Hof unseres Hauses war voll von verschiedenen Exemplaren, darunter vor allem zu nennen „El Japonés“, „El Cubano“ und „Satanás“, ein kleiner, beherzter Kreolen-Hahn von schwarzer Farbe. Wir lernten, ihr Gefieder zu beschneiden und zu pflegen, wie sie zu ernähren waren und wann und wie sie trainiert werden mußten; mit der Hilfe und dem Rat eines fliegenden Bäckers, der immer mit seinem Fahrrad durch unser Viertel kam und der ebenfalls Hahnenkampf-Betreiber wurde, vertierten wir zu Experten in der Kunst, die Hähne gemeinsam herumlaufen zu lassen, ohne daß sie sich dabei etwas taten. Da Carlos noch minderjährig war, trat unser Freund, der Bäcker, als Besitzer der Hähne auf, die mein Bruder zu Wettkämpfen mit in eine Arena nahm, welche sich irgendwo in den Vororten von Guayaquil befand.

Animiert durch den Erfolg der Hähne von Carlos, die öfter gewannen als verloren, ließ ich eines Tages meinen einzigen Hahn los, den ich dann allerdings ängstlich geschlagen sehen mußte; unser Freund, der Bäcker, rettete ihn übel verletzt aus der Arena und übergab ihn mir mit einer kummervollen Geste; ich trug ihn nach Hause, heilte seine Wunden und kümmerte mich Tag für Tag um ihn, bis er sich glücklicherweise wieder erholte. Dies war mein erster und letzter Versuch als „professioneller Hahnenkämpfer“.

Eduardo, ein Freund aus der Nachbarschaft, drei Jahre älter als ich, besaß einen riesigen weißen Hahn, den er auf den Namen „Campepe“, „Champion Pepe“ getauft und von dem er uns einige Male stolz erzählt hatte; eines schönen Tages brachte er ihn zu unserem Haus, um ihn gegen Satanás antreten zu lassen, hatte er sich doch in jenen Tagen in der Arena mit fast zehn gewonnen Kämpfen unbesiegt gehalten. Darauf vertrauend, daß sein Hahn auch hier als Sieger hervorgehen würde – schließlich war dieser doch ein imposantes Tier und beinahe doppelt so groß wie sein Gegner - sagte Eduardo zu meinem Bruder, er würde sich nicht für das, was sein Hahn dessen Hahn täte, verantworten, worauf Carlos ihm lächelnd antwortete: „Wir werden sehen, ob er ihm was tut“. Der Kampf hatte noch nicht richtig angefangen, als Satanás einen Sturm von Sporen- und Schnabelhieben losließ und der arme Campepe nicht ausmachen konnte, woher sie kamen: ob von der rechten oder linken Seite, ob von oben oder von unten. Auch gelang ihm selbst kein einziger Schnabelhieb gegen seinen wendigen Kontrahenten und noch weniger ein Hieb mit den Sporen. Der ungleiche Kampf dauerte kaum eine Minute; durch das, was er da sah, am Boden zerstört, nahm Eduardo seinen blutenden Hahn und trug ihn weinend zu seinem Haus.

Doch meine wahre Leidenschaft waren nicht die Hähne, sondern die Musik. Als ich fünfzehn Jahre alt war, fiel eine gebrauchte Gitarre in meine Hände, die ein Onkel von uns Carlos geschenkt hatte, doch war nicht er, sondern ich es, der sich für sie begeisterte und sie pflegte. Meine Hingabe führte dazu, daß er sie mir eines Tages großzügig und spontan zugestand: „Ich habe deine Gitarre in der Tasche aufbewahrt, bevor sie Peponazo - so nannten wir unseren ungezogenen jüngeren Bruder- wieder kaputtmacht“, sagte er bei jener Gelegenheit; seitdem ergriff ich von jenem edlen Instrument, das meinen Sinn für die Musik und meine Begeisterung für den Gesang wunderbar aufblühen ließ, Besitz.

Bevor ich achtzehn Jahre alt wurde, schloß ich die Schule ab. Damals hatten sich fast alle meine Freunde schon für eine Laufbahn, der sie folgen wollten, entschieden; nicht so hingegen ich, der ich mich in Träumereien von Reisen durch die ganze Welt, begleitet von meiner Gitarre, erging. Ich wurde zu einem Anhänger von Rock ‘n Roll; die Lieder der Beatles begeisterten mich derart, daß ich einige lernte mit der Illusion, sie mit einer Musikgruppe, die ich mir in meiner Vorstellung zusammenspann, zu interpretieren.

Aus Gefälligkeit gegenüber meinem Vater, der gerade angefangen hatte, ein Geschäft für den Import von Motorenöl auf die Beine zu stellen und der gerne wollte, daß ich ihm dabei hülfe – indes, Carlos war schon zu einem Agro-Ingenieursstudium in die USA gegangen - , schrieb ich mich an der Fakultät für Betriebswirtschaft ein, doch noch bevor ich das erste Jahr abgeschlossen hatte, sagte ich meinem Vater, daß es mir sehr leid täte und ich abbrechen würde, denn dies wäre nicht das, was mir gefiele. Diese Situation wiederholte sich auch im folgenden Jahr, als ich versuchte, der Laufbahn als Biologen zu folgen, von der ich mich gegen Mitte des Jahres zurückzog, enttäuscht von der langweiligen Theorie, die ich nicht verstand und nicht zu verbinden wußte mit der interessanten Praxis, über die ich in den Artikeln von Félix Rodrigues de La Fuente4, jenem bekannten spanischen Naturforscher, gelesen hatte.

Obwohl ich während meiner Schulzeit ein guter Schüler gewesen war, zog mich das Studium definitiv nicht an; das Abenteuer hingegen sehr wohl, so daß ich beschloß, mich auf eine Reihe von kurzen und wunderbaren Entdeckungsreisen durch fast das ganze Land zu begeben. Insbesondere gefiel mir ein Weg, den ich per Lastwagen, mit dem Kanu und zu Fuß von der Stadt Esmeraldas bis zur Caráquez-Bucht zurücklegte, wobei ich an ursprünglichen Mangrovenwäldern, unberührten Regenwäldern und den wunderbarsten Stränden vorbeikam - Orte, die bis dato, nachdem es im Winter keine befahrbaren Wege gab, nur von wenigen Reisenden besucht worden waren. Die Bewohner eines jeden Ortes, an den ich kam, nahmen mich mit einer einzigartigen Herzlichkeit auf und luden mich auch ein, in ihren bescheidenen Häusern gratis zu übernachten.

Ein anderer unvergeßlicher Ausflug war der ins Amazonasgebiet, wohin ich über die sehr schöne Strecke von Baños nach El Puyo gelangte und wo ich mich in der einzigen Herberge einmietete, die es damals dort gab: ein einfaches, aber gastfreundliches Haus aus Holz, umgeben von exotischen Gärten, dessen Besitzer mir von den Sehenswürdigkeiten der Gegend erzählte. Interessiert, die Höhlen von Jumandi kennenzulernen, begab ich mich am folgenden Morgen dorthin, konnte jedoch niemanden finden, der mir als Führer dienen wollte; dennoch, ermutigt durch einen Nachbarn der Gegend, der mir Zugang zu einer Kerze und einer Schachtel Streichhölzer verschaffte, ging ich in eine der Höhlen. Das schwache Licht, das durch den nicht sehr großen Höhleneingang fiel, hörte nach wenig mehr als fünfzig Metern Weges im Innern auf; ein kleiner Bach lief dort, weshalb ich mich beim Laufen eng an eine der Felswände hielt. Plötzlich fanden meine Füße keinen Boden mehr und ich fiel in einen derart tiefen Gumpen, daß ich vollkommen darin untertauchte! Beim Eintauchen streckte ich instinktiv meinen rechten Unterarm nach oben in der Hoffnung, daß die Kerze nicht ausgehen würde, doch – da biß die Maus keinen Faden ab – sie erlosch.

Gerade war ich wieder losgekommen, bemerkte ich, daß ich nichts mehr sah; es herrschte vollkommene Dunkelheit, so daß ich - herumtastend wie ein Blinder, die rechte Hand immer noch erhoben in dem Bemühen, den Docht der erloschenen Kerze nicht naßwerden zu lassen - die Stelle, von der ich gefallen war, erreichte und hinaufkletterte. Ich betete zu Gott, daß wenigstens die Streichholzschachtel, die ich in einer Plastikhülle aufbewahrt hatte, nicht naß geworden war. Ich öffnete sie aufs Geratewohl und konnte ein Streichholz herausnehmen, wenngleich ich lange brauchte, bis es mir gelang, die Kerze wieder anzuzünden. Während ich wie ein Hund herumgepaddelt war, um mich an der Oberfläche zu halten, war mir einer meiner Schuhe verlorengegangen, so daß ich die Kerze und die Plastikhülle mit der Streichholzschachtel auf einen Stein in ausreichendem Abstand zu dem, wie sich herausgestellt hatte, schwimmbadgroßen Gumpen stellte. Vollkommen blind tauchte ich erneut unter, um meinen Schuh zu suchen, konnte ihn aber nicht finden. Aus Angst, die Kerze könnte wieder ausgehen, ließ ich von weiterer Suche ab; ich kletterte erneut aufs Ufer und in diesem Augenblick entschied ich, die Exkursion für beendet zu erklären und den Rückweg anzutreten.

Am folgenden Tage nahm ich, barfuß, einen schrottreifen Bus, der mich über einen desolaten und schlammigen Weg bis zu der letzten zivilisierten Ortschaft am Ufer des Río Pastaza brachte. Dort schiffte ich mich auf einem Boot ein, das die Versorgungsgüter für die Siedlungen im Innern des Urwaldes transportierte und das gerade am Auslaufen war. Nach ein paar Stunden Fahrt stromabwärts, blieb ich auf einer Insel, die mir der Bootsmann empfahl, da es dort eine reichhaltige Tierwelt gab. Meine Unvorsichtigkeit war so groß, daß ich darauf vertraute, ein Boot für die Rückfahrt zu bekommen. Als ich zum Ufer zurückkehrte – es war schon später Nachmittag – sah ich mit Beklemmung, wie das einzige, flußaufwärts fahrende Boot schon weit weg war, ohne mein verzweifeltes Rufen zu beachten. Fast bei Einbruch der Nacht kam unweit von mir ein Kanu mit einem nackten Indio vorbei, der meinen furchtsamen Gruß beantwortete und etwas in seiner eigenen Sprache murmelte. In jener Nacht, ohne einen mir Schutz gewährenden Ort, fühlte ich mich, als wäre ich ebenfalls eines von den vielen wilden Lebewesen – tierischen und menschlichen – die den Dschungel bewohnen. Ich kauerte mich an den Fuß eines riesigen, umgefallenen Baumstammes und unterhielt mich damit, mir vorzustellen, was ich bei einem möglichen Angriff von Huaorani-Indios oder dem fürchterlichen Besuch eines Jaguars täte; ich wickelte das Sweatshirt und die Wäsche, die ich in meinem Rucksack trug, um Genick und Kopf in dem Glauben, daß mich so der Jaguar nicht an meiner verletzlichsten Stelle angreifen könne. Mit einem Nacken so feist wie der eines Tapirs und umgeben von Steinen, die ich zum Zwecke meiner Verteidigung gesammelt hatte, fiel ich in Schlaf. Der Gesang der Vögel und die Tropfen eines feinen Sprühregens kündigten mir das Heraufziehen von einem der glücklichsten Morgen an, die ich jemals erlebt hatte. Was für ein aufbauendes Erwachen war es, mich lebendig inmitten dieser überschwenglich schönen Natur zu finden!

Bei der Rückkehr von einem meiner Abenteuer, fragte mich mein Vater, bis wann ich mit dieser Lebensart fortzufahren gedächte und ob ich mich nicht für eine andere Studienlaufbahn interessierte, worauf ich ihm antwortete, daß ich mir noch ein wenig Zeit nehmen wolle, schon allein deshalb, weil mein Vetter Julio mich eingeladen hatte, einige Monate in seinem Haus in New York zu verbringen und ich die Gelegenheit zu dieser Reise wahrzunehmen gedachte. Nicht nur, daß mich mein Vater verstand und unterstützte – wenige Tage später begleitete er mich, um das Visum zu erledigen, und er kaufte mir die Flugtickets, nicht ohne mir vorher nahezulegen, ich solle die Möglichkeit des Englischlernens ausnutzen, was ich zur vollsten Zufriedenheit tat, sprach ich doch, als ich sechs Monate später zurückkehrte, diese Sprache mit bemerkenswerter Flüssigkeit.

Onkel Julio und Tante Isabel, die Eltern meines Vetters Julio, nahmen mich mit immenser Liebe auf, als wäre ich ein weiterer Sohn. Sie lebten im Latino-Viertel von Hempstead, wo ich mich bald wie zu Hause