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Die Welt wird immer grausamer. Terroristen machen sich auf der Erde breit. Jan Franke, ein deutscher Tierarzt, glaubt einen Zusammenhang zwischen den Ereignissen auf der Welt und der biblischen Offenbarung zu erkennen und hat auch schon eine Idee, wie man dem Geschehen mit Hilfe der Wissenschaft zu Leibe rücken kann. Es müssen allerdings alle Weltreligionen am gleichen Strang ziehen. Die Reise beginnt in Rom. Doch die Verbündeten müssen auf der ganzen Welt rekrutiert werden. Von Ägypten bis Mexiko, von Island bis Syrien ... und in einer anderen Dimension.
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Seitenzahl: 190
Veröffentlichungsjahr: 2017
Dr. Jan Friedrich Franke
die Kraft von drüben
© 2017 Dr. Jan Friedrich Franke
Verlag und Druck: tredition GmbH, Grindelallee 188, 20144 Hamburg
ISBN
Paperback:
978-3-7439-2184-9
e-Book:
978-3-7439-2185-6
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Am Anfang war Nichts. Und in diesem Nichts war Amun. Und Amun sprach: „Es bilde sich ein großes Wasser“ und es ward ein großes Wasser. Und er sprach: „Es erhebe sich Land aus dem Wasser“ und es erhob sich ein Hügel aus dem Wasser aus festem Land, der Urhügel. Und er sprach: „Es scheine ein Licht am Himmel“ und es gab den ersten Sonnenaufgang im Osten. Im Westen ging die Sonne unter und fuhr auf dem unterirdischen Fluss in ihrer Barke wieder zurück nach Osten.
Mit seiner Gemahlin zeugte Amun drei Kinder, seine beiden Söhne Osiris und Seth sowie seine Tochter Isis. Osiris gab er den kleineren Teil des Landes zum Verwalten, das fruchtbare Land links und rechts des Nils. Seth bekam den größeren Teil, die Wüste. Seth war eifersüchtig auf seinen Bruder Osiris, hatte der doch den schöneren und wertvolleren Teil des Landes bekommen. Also tötete er ihn, zerteilte seinen Körper und warf die Teile in den Nil.
Isis breitete ihre Schwingen aus und suchte die Ufer des Nils nach den Teilen ihres Bruders Osiris ab. Sie sammelte die Teile ein, nähte sie zusammen und wickelte den Körper in Binden. So stand Osiris von den Toten wieder auf und bewacht seither den Eingang in das Totenreich. Seth aber wurde verbannt. Aus Seth wurde Sethos, Satan und Shaitan.
Wer also nach dem Tod weiterleben will braucht dafür einen intakten Körper. Das lernten die Ägypter daraus. Deshalb ließen sich die, die es sich leisten konnten nach ihrem Tot mumifizieren. Begraben wurden sie in Nachbildungen des Urhügels, den Pyramiden, bis der Urhügel nahe Theben auf der Westseite des Nils gefunden wurde. Ein Gipfel in der Form einer Pyramide an dessen Fuß sich ein verzweigtes Tal befand. In die Felswände dieses Tales wurden seither die Gräber der Mächtigen gegraben.
Und es war unerträglich heiß als ich aus dem Bus stieg und mich auf den Weg zum Kartenschalter im Tal der Könige machte. Ein Spiesrutenlauf durch eine schier unendlich lange Einkaufspassage in der sich jeder Händler in den Weg stellte und versuchte mir einen Skarabäus, nachgemachte Figuren von Bastet oder anderen ägyptischen Göttern, Ansichtskarten, Mützen, Tücher, Wasser, Kola oder was auch immer zu verkaufen. „Laa shukran“ also „Nein danke“ funktionierte auch nicht mehr so gut, wie es noch vor ein paar Jahren war. Die Händler ließen nicht ab. Stures Ignorieren und den Schritt beschleunigen war anscheinend das einzige was mich hier retten konnte. Endlich durch. Nur noch ein kurzer Weg zum Eingangsgebäude, wo auch eine gut funktionierende Klimaanlage versuchte mich zum Bleiben zu überreden, anstatt mir die Gewalttour durch das Tal und die stickigen Gräber in glühender Hitze anzutun.
Aber was soll´s, schließlich will ich ja was sehen. Die Eintrittskarte in der Hand setzte ich mich auf den Wagen einer Eisenbahnsimulation, die mich mit einigen wenigen anderen Touristen weiter in das Tal hinein brachte. Die Sicherheitskontrolle fiel ziemlich schlampig aus, aber in Zeiten des Terrorismus besser als gar keine Sicherheit.
Mein erster Weg führte mich zu Tut Ench Amun´s Grab. Eigentlich ein ziemlich langweiliges Grab. Die Texte aus dem Totenbuch fallen ziemlich kurz aus, aber wer kann schon Hieroglyphen lesen, da ist das eigentlich auch ziemlich egal. In der Grabkammer haben sich die Künstler wenig Mühe gegeben. Riesige Figuren wurden an die Wand gekleistert um schnell fertig zu werden. Na ja, Tuti ist ja auch nicht alt geworden, da war nicht viel Zeit. Eigentlich hatte ich eher gehofft, dass man schon in die neu entdeckten Kammern kann, aber da war noch gar nichts zu sehen. Japanische Forscher hatten wohl vor einiger Zeit mit so was ähnlichem wie Ultraschall-untersuchungen zwei weitere Kammern entdeckt, die von der Grabkammer weggehen, deren Eingänge aber so gut über-pinselt wurden, dass man da gar nichts sieht. Die Forscher rätseln seither, ob da noch jemand drin liegt und wenn, dann wer. Der heißeste Tipp ist wohl, das Tut’s Mutter Nofretete da beerdigt wurde, was ich aber für äußerst unwahrscheinlich halte, denn für Frauen gab es einen extra Friedhof, das Tal der Königinnen. Ich denk´ ja eher, dass Tuti, obwohl er die alten Götter wieder einsetzte, doch ein braver Sohn war und seinen Vater Amenophis V, also Echnaton, hier würdig begraben hat. Echnaton war der Ketzerkönig, der Amun und seine Verwandtschaft abschaffte und den Eingottglauben einführte. Ich kann mir gut vorstellen, dass der nach seinem Tot keine guten Karten bei den Priestern hatte, weshalb die seinen Körper sicherlich gerne zerstört hätten. Falls Tut Ench Amun ein braver Sohn war hat er seinen Vater mumifizieren lassen, im Tal der Könige begraben und das Grab gut versteckt, damit kein Priester und kein Grabräuber heran kommt. Könnte doch sein, dass das die beiden Kammern sind, aber das wird die Zukunft zeigen.
In den anderen Gräbern, die ich noch besuchte war das Fotografieren genauso verboten wie im restlichen Tal der Könige um die empfindlichen Farben vor Blitzlicht zu schützen, und um den einheimischen Wächtern die Gelegenheit zu geben Touristen für fünf Euro dieses Verbot übergehen zu lassen und von den Touristen mit deren eingeschmuggelten Kameras Gruppenfotos vor antiken Schriftkolonnen zu machen.
Nach ungefähr drei Stunden war ich von der Sonne ausgetrocknet, meine Wasservorräte waren erschöpft, im Gesicht machte sich ein Sonnenbrand breit – ich hätte mich doch eincremen sollen – die Beine taten weh und ich hatte die Nase gestrichen voll, und zwar voll Staub. Die Eisenbahn-Simulation brachte mich wieder zurück zum Ausgang, wo ich mir am ersten Stand eine große Flasche Kola kaufte. Die kam zwar aus einem Kühlschrank, verleitete mich aber dennoch zu der Frage ob der Verkäufer außer Kola noch andere warme Getränke hätte. Nach dem erneuten Spießrutenlauf auf dem Rückweg fand ich auch schnell meinen Bus und setzte mich hinein um die Klimaanlage und die Kola auf mich einwirken zu lassen.
Zurück im Hotel Al Hambra, ein wunderschönes kleines Hotel am Westufer des Nils, nicht weit von der Fähre entfernt und trotzdem gut in einem Einheimischenviertel versteckt, fiel ich in einen tiefen, aber unruhigen Schlaf. Die Frage nach Echnaton beschäftigte mich sogar noch im Traum. Und das soll Urlaub sein? Was finden die in den verschlossenen Kammern? Wenn das wirklich Echnatons Grab ist, was verraten die Hieroglyphen, die an den Wänden zu finden sein werden, über ihn. Wie hat er gelebt? Wie kam ihm die Erkenntnis, dass es nur einen Gott gibt? Liegen da vielleicht auch noch Schriftrollen, oder haben antike Grabräuber das schon alles geplündert? Haben sich vielleicht moderne Grabräuber aus Curna schon von einer anderen Seite aus durchgegraben und alles rausgeholt, was nicht niet- und nagelfest war? Dann wäre aber schon lange irgendwo ein Artefakt aufgetaucht.
Nach zwei Stunden Alptraum wachte ich schweißgebadet auf und steuerte desorientiert die Dusche an. Danach ging es mir einigermaßen gut und ich konnte zum Essen in ein Dachrestaurant an der Hauptstraße. Der Blick über den Nil war bei der nun einsetzenden Dämmerung fantastisch. Der Luxortempel erstrahlte in der vollen Pracht seiner gelblichen, elektrischen Beleuchtung und rundete das Bild malerisch ab. Der Ruf des Muezzin unterbrach meine Tagträumerei um mich gleich in eine andere Phantasie zu stürzen. Einfach dasitzen, auf sich einwirken lassen, Ruhe und Frieden empfinden, das war großartig. Teuer war das viertel Hähnchen nicht. Aber als Franke hat man es im Ausland schwer. Nirgendwo kann man so gut essen wie bei uns. Natürlich war das Essen in Ägypten auch gut, aber es einem verwöhnten fränkischen Mäulchen recht zu machen hat noch kein Außerfränkischer geschafft. Bevor ich hierher geflogen bin gab es noch einen fränkischen Sauerbraten mit dieser dicken Soße, die ihren unnachahmlichen Geschmack einem Soßenlebkuchen verdankte. Ein nicht näher identifizierbares Gewürz verlieh dem Ganzen einen nahezu weihnachtlichen Geschmack. Reinlegen und sich wohl fühlen. Dazu noch ein fantastischer Serviertenkloß, nicht diese bayerischen Semmelknödel in Form eines Tennisballs und mit der Konsistenz eines Winterreifens von Michelin, also möglichst lange haltbar, sondern ein weicher, fluffig-lockerer Serviettenkloß mit vielen Röstzwiebeln und nicht zu wenig Eiern darin, der goldgelb, wie ein Kuchenstück aus dem Kloß herausgeschnitten, auf dem Teller darauf wartete mit der Sauerbratensoße übergossen zu werden. Das Blaukraut, oder für die außerfränkischen Leser der Rotkohl, wartete in einer Ecke des Tellers darauf den Geschmack abzurunden, während ich mich wieder einmal fragte, ob das Rindfleisch wirklich sein muss. Auch das Blaukraut ist zwar eine nette und gut passende Zugabe, aber bei Sauerbraten reicht eigentlich „Kloß und Soß“.
Nach dem Essen ging ich zurück ins Hotel um mich für den Abend umzuziehen. Um neun musste ich am Tempel von Karnak sein. Die Lichtshow dort ist einfach einmalig. Die konnte ich mir nicht entgehen lassen. Und auf deutsch war sie nur Mittwochs, Samstags und Sonntags, also war heute für mich die einzige Gelegenheit da hin zu gehen.
Ein Verwandter des Besitzers vom Al Hambra Hotel fuhr mich über die weit entfernte, aber einzige Brücke hinüber auf die Ostseite des Nils. Ich hätte auch mit der Fähre fahren können, aber dann hätte ich ein Taxi oder eine Kalesche gebraucht um zum Karnaktempel zu kommen und auf diese ewigen und für einen Mitteleuropäer lästigen und unerträglichen Diskussionen hatte ich einfach keine Lust. Die Eintrittskarte war schnell gekauft. 100 ägyptische Pfund erschienen mir für die Show auch nicht zu teuer.
Ein lauter Gongschlag hallte vom ersten Pylon der Tempelanlage über das kleine Häufchen deutscher Touristen hinweg. Vor diesem Eingang muss es gewesen sein, das sich im letzten Jahr ein paar Terroristen mit den Sicherheitskräften eine Schießerei geliefert haben. Islamischer Staat – mir schwillt der Hals. Wie können nur Menschen behaupten im Namen Gottes zu töten. Die diskreditieren ihre eigene Religion. Die Sphingenallee war indirekt beleuchtet und eine wohlklingende Stimme begrüßte die Pilger am Ende ihrer Reise. „Ihr seid angekommen“ ließ sich die Stimme vernehmen und lud uns ein den Tempel zu betreten. Über Jahrhunderte hinweg baute jeder Pharao etwas zu diesem Tempel dazu, als Opfergabe an Amun, dessen kleiner Schrein im Hintergrund der überwältigenden Säulenhalle in schwachem, rötlichem Licht leuchtete. Die Statue von Amun wurde täglich von den Priestern aus dem Schrein genommen und mit Musik, Tänzen, duftenden Ölen und Salben unterhalten um den Gott gnädig zu stimmen. Vorbei an der hämmernden Geräuschkulisse sich unterhaltender altägyptischer Steinmetze ging es zur Tribüne am heiligen See.
Die sinkenden Touristenzahlen machen den Ägyptern richtig zu schaffen. War es zunächst die Revolution die Besucher fernhielt sind jetzt mehr die terroristischen Aktivitäten fehlgeleiteter religiöser Fanatiker dafür verantwortlich zu machen. Da müsste doch eigentlich ein Poolboy aus einem der unterbesetzten Hotels mal die Zeit finden mit seinem Netz die Algen aus dem heiligen See zu fischen.
Nofretete wollte Amun einen goldenen Obelisken stiften, aber mangels entsprechendem Kleingeld war es dann halt doch nur Basalt. Immerhin hat sie die Spitze des zu Stein erstarrten Sonnenstrahls mit Blattgold belegen lassen. Von ihrem Mann wurde erzählt. Der, der die ägyptischen Götter entmachtete und an ihre Stelle Aton setzte, nicht den Gott der Sonne, sondern die Sonnescheibe als Gott. Der Sohn des Aton, Echn Aton, Echnaton, da war er schon wieder. Sein Sohn machte alles Rückgängig und setzte Aton wieder ab. Die unteren Bevölkerungsschichten behielten aber ihren Glauben an den einen Gott.
Und in diesem Land, in dem der Islam als eine der drei monotheistischen Religionen vorherrscht, werden von angeblichen Anhängern dieser Religion unschuldige Menschen umgebracht. Und nicht nur hier, sondern auch im Rest der Welt. Was ist denn auf dieser Welt los? Hat sich die Menschheit schon früher mit solchen Gewaltorgien herumschlagen müssen? Und wenn ja, dann: wie haben die Menschen das wieder eingedämmt?
Euere Heiligkeit
Im heiligen Jahr der Barmherzigkeit wird es Zeit zu sehen wie unbarmherzig die Welt geworden ist. Sicherlich bin ich einer von vielen die sich berufen fühlen etwas zu unternehmen, einer von vielen Verschwörungstheoretikern die das Böse am Werk und die Endzeit anbrechen sehen, aber ich glaube - nein ich weiss, dass die alle Recht haben.
Lassen Sie uns bei Amenophis V beginnen. Er hatte die Vision, dass es nur einen Gott gibt. In Ermangelung anderer Vorbilder wendete er sich von Amun, Nuth, Hator und wie die restlichen Götter der ägyptischen Antike alle hiessen ab und setzte die Sonnenscheibe als alleinigen, lebensspendenten Schöpfergott Aton ein. Er entmachtete den Tempel von Karnak und seine Priester und baute die Stadt Amarna als neues Zentrum seiner Religion. Er nannte sich Echn Aton (Sohn des Aton) und versuchte die Gräueltaten der alten Religion zu beenden. Menschen wurden zum Beispiel gefesselt und lebendig in die Feuergrube geworfen um sie für Verbrechen gegen die Priester oder den göttlichen Pharao zu bestrafen. Nach Echnatons mysteriösen Tod wurde Aton geächtet und die alte Religion von seinem Sohn Tut Ench Amun wieder eingesetzt. Ca. 500 v.Chr. siegte das Gute als der Jude Moses das Volk Israel, welches als einziges den Glauben an den einen Gott behalten hatte, mit Gottes Hilfe aus der ägyptischen Knechtschaft führte. Weitere 500 Jahre später waren die Römer am Werk und verbreiterten Ihren Machtbereich durch Kriege. Jesus wurde geboren zu einer Zeit als das Joch der Unterdrückung durch die Römer kaum mehr zu ertragen war. Er wurde geboren um den Menschen den Weg zu einem friedlichen und barmherzigen Leben im Glauben an den einen Gott zu zeigen. Die jüdische Religion wurde missbraucht um Jesus sogar Gotteslästerung vorzuwerfen und ihn zu kreuzigen. In den folgenden Jahren wurden Christen den Löwen zum Fraß vorgeworfen oder zur Belustigung des Volkes öffentlich in den Arenen bei lebendigem Leib verbrannt. Wiederum ca. 500 Jahre später ( genauer 675 n. Chr.) erhielt Mohammed das Wort Gottes vom Erzengel Gabriel verkündet, musste es auswendig lernen und seinen Gefährten diktieren. So entstand der Koran. Den Menschen wurde wieder von Gott gezeigt wie sie im wahren Glauben an den einen Gott leben sollen. Eine Ära der freien Wissenschaften, des wahren Glaubens und der Barmherzigkeit brach, unter dem Einfluss des Il Salam (Der Frieden) also des Islam, erneut an. Um das Jahr 1000 wurde das Christentum verführt dem Bösen zu dienen. Kreuzzüge wurden ausgerichtet um Jerusalem von den Muselmanen zu befreien. Zehntausende starben. In der Folgezeit entwickelte sich unser finsteres Mittelalter. Wieder brannten Scheiterhaufen um angebliche Hexen, später auch Ketzer zu eliminieren. Alles im Namen Gottes. Galileo rief noch "... und sie bewegt sich doch!" während die Flammen der Scheiterhaufen, denen Galileo durch seinen Widerruf entging, höher schlugen und der Dämmerung trotzten die eine sich um die Weltscheibe drehende Sonne mit ihrem Sonnenuntergang herbeizauberte. Tetzel verkaufte seine Ablassbriefe um die Prunksucht und damit den Petersdom des Papstes zu finanzieren. Die Menschen bereuten ihre Sünden nicht mehr, sie kauften sich frei während Luther nur knapp dem Flammentod entging, weil er gegen das Bordell des Papstes, den Vatikan, wetterte. Diese dunkle Periode dauerte sehr lange. Versuche das Gute wieder in die Welt zu bringen, wie Luther das unternahm, brachten Denkansätze, setzten sich aber nur unvollständig durch. Mir graut vor dem was kommen mag wenn das Böse das nächste mal noch erfolgreicher ist.
Wir sind jetzt im Jahr 2016. Schon 1933 begann die Hetze gegen Juden und deren geplante Ausmerzung in Konzentrationslagern. Gott sei gepriesen - diese Zeit wurde beendet unter dem Einsatz hunderttausender von Menschenleben im 2. Weltkrieg. Das Böse nahm einen neuen Anlauf. Angebliche Gotteskrieger starteten ihren Feldzug am 11. September 2001 indem sie Flugzeuge ins World Trade Center in New York lenkten. Es folgten Kriege und Terroranschläge. Diesmal wird der Islam missbraucht. Al Kaida und später hinzukommend der sogenannte Islamische Staat verbreiten, bis jetzt mit wachsender Tendenz, Terror nach dem Muster der christlichen Kreuzzüge. Menschen werden enthauptet, an Säulen gebunden und mit diesen gesprengt, in Käfige gesperrt und bei lebendigem Leib verbrannt.
So ungefähr alle 1000 Jahre sieht man auf unserer Erde einen Anstieg von Kriegen oder Terrorismus. Immer gehen diese Gewaltexzesse von Menschen aus, die behaupten das im Namen des einen Gottes zu tun.
Anders ausgedrückt: Das Tier wurde weggesperrt. Aber alle 1000 Jahre muss es losgelassen werden für kurze Zeit, wie Sie das aus der Offenbarung kennen.
Die Menschen haben diese Zeiten immer überwunden. Zeiten in denen die Menschen gläubiger sind und ihre Taten mehr zu Gutem verwenden sind immer wieder gekommen. Aber es wird Zeit, dass wir aktiv werden. Beten für das Gute in der Welt und gegen den Krieg und Terror ist schon ein guter Ansatz. Aber in Zeiten der Wissenschaft können und müssen wir mehr tun.
Sollten Sie an meinen Gedanken Gefallen (oder besser noch Missfallen) gefunden haben bitte ich Sie mich zu einer Audienz zu laden. Sicher haben Sie unter Ihren Kardinälen auch Männer der Wissenschaft. Wenn bei dieser Audienz ein theoretischer Physiker dabei sein könnte wäre das von Vorteil. Ach ja: und bitte einen Dolmetscher für Deutsch. Mein Italienisch ist furchtbar.
Hochachtungsvoll
Jan Franke, Dr. med. vet.
"Heiligkeit." der Kardinal flüsterte das Wort als er in die kleine Kapelle kam in welcher der Papst betete. Der rüstige 70er zuckte nicht einmal mit den Augenbrauen. "Heiligkeit!" wurde der Kardinal etwas lauter. "Was gibt es?". Man sah dem Oberhaupt der katholischen Kirche nicht an, dass er sich über diese Störung beim Gebet etwas ärgerte. Was konnte wichtiger sein als die Zwiesprache mit Gott? Aber, wie es seine Art war hatte er sich in Gedanken schon bei dem Kardinal für diese Emotion entschuldigt, noch bevor dieser überhaupt etwas von dem Ärger bemerkte. "Heiligkeit, diesen Brief sollten Sie lesen. Er kam heute morgen mit der Post. Zunächst könnte man denken es ist wieder einer dieser religiösen Fantasten die eine Weltverschwörung wittern, aber irgendwas ist daran anders. Irgendwie glaub ich, dass uns dieser Schreiber einen Schritt in die richtige Richtung zur Lösung unseres Problems aufzeigen könnte." - "Soll das heissen er hat das Schema erkannt?", fragte der Petrusnachfolger. "Er deudet es zumindest an." Der Kardinal verlies die Privatkapelle des Papstes. Auf dem Kniebänckchen lag der besagte Brief.
"Monsignores!" Das Stimmengewirr in der sixtinischen Kapelle war unbeschreiblich. "Monsignores! Ich darf doch bitten!" Der Kamerlengo drang nicht durch. "Silencio!" Zwar war nirgends ein Lautsprecher oder ein Megaphon zu sehen, aber die fantastische Akustik des Bauwerkes lies dieses Wort im Raum stehen, wie eine zu Stein erstarrte Ermahnung. Die Autorität des Amtes, viel mehr aber noch die Autorität das emeritierten Papstes brachte den summenden Bienenschwarm der Kardinäle zum Schweigen. "Wir haben wichtiges zu besprechen und zu entscheiden. Seit einigen Jahren beobachten wir mit Sorge die Zunahme von Gewalt auf der Welt. War diese zunächst noch scheinbar zufällig über die Erdkugel verteilt ..." - Ja - die Erdkugel! Johannes Paul II rehabilitierte Gallileo, sodass seit einigen Jahren auch die Katholiken nicht mehr auf einer Scheibe leben - "... zufällig über die Erdkugel verteilt ..." wiederholte der Redner mit barschem Ton um dem wieder aufkommenden Gemurmel entgegenzuwirken, "... konzentrieren sich die Aktivitäten der Heerscharen des Antichristen auf die Regionen im nördlichen Syrien und im nördlichen Irak. ...". "Verzeihen Sie wenn ich sie unterbreche, aber waren wir uns nicht einig nicht vom Antichristen zu reden? Das erscheint mir doch etwas wie Hokus Pokus. Wir leben in einer wissenschaftlichen Welt und glauben nicht mehr an Geister." kam ein Einwand aus der durcheinander stehenden Menge. "... also unweit der Ebene oder des Tals von Meggedon, wo, wie wir alle wissen, nach der Offenbarung der Endkampf stattfinden soll." vollendete der Redner seinen Satz. "Und nein, ich verzeihe nicht. Ich schätze es überhaupt nicht unterbrochen zu werden. Ihre Einwände sind Bestandteil der späteren Dikussion. Dann können Sie sich äußern!" rügte der Kamerlengo den Kardinal, den er in der Menge weder ausmachen konnte, noch an der Stimme erkannt hatte.
Das diese Situation möglichst viele theologische Autoritäten erforderte war klar. Deshalb waren nicht nur viele Kardinäle anwesend, welche von der mysthischen Anschauung der Religion über verschiedene weltliche Sichtweisen bis hin zu wissenschaftlichen Ansätzen jede erdenkliche Richtung von Antworten auf Glaubensfragen vertraten, sondern auch zwei Päpste. Eine Seltenheit in der Geschichte. Der emeritierte Papst, ehemals Vorsitzender der Glaubenskongregation also der Nachfolgeorganisation der heiligen Inquisition und damit erfahren im Umgang mit den Schlichen des Bösen, und der amtierende Papst, eine Ikone der Barmherzigkeit. Ein, durch seine Tätigkeit in den Elendsvierteln von Buenos Aires erfahrener Philantrop der seine Liebe zu Gott in der Liebe zum Menschen ausdrückt. Ihm fiel es letztendlich auch zu nach Abwägung aller Argumente der anwesenden Kardinäle und seines Amtsvorgängers zu entscheiden ob überhaupt und wenn dann wie die Kirche auf die gegenwärtige Situation reagieren wird.
Und warum eigentlich nur die Kirche, warum nicht alle Christen? Und warum eigentlich nur die Christen, warum nicht alle Religionen? Und warum eigentlich nur die Religionen, warum nicht alle Menschen? Aber das wird die Entwicklung zeigen...
"Meine Herren! Bei unserem letzten Treffen haben wir erörtert, dass Gewalt gegen Menschen offensichtlich in periodischen Abständen von ca. 1000 Jahren einen Höhepunkt erreicht. Wir haben eine Parallele zur Offenbarung des Johannes gezogen. Das Problem ist, dass das Tier erst nach dem Endkampf weggesperrt wird und dann alle 1000 Jahre freigelassen werden muß. Wenn diese Beobachtungen stimmen ist es so, dass wir entweder schon nach dem Endkampf leben, das Paradies haben wir uns aber alle anders vorgestellt, oder das diese periodisch auftretenden Gewaltexzesse zufällig sind." Der Papst setzte sich nach diesen Worten hin und übergab das Wort an einen der Kardinäle, der die nun folgende Diskussion leiten sollte. Der Kamerlengo hatte die sixtinische Kapelle verlassen, die Tür zugesperrt und die Wachen der Schweizer Garde davor postiert.
"Monsignores! Nach den Erfahrungen aus der letzten Klausur bestehe ich auf das Einhalten der nötigsten Höflichkeit. Das bedeudet das wir uns gegenseitig ausreden lassen. Wir werden die zu diskutierenden Punkte nacheinander abarbeiten. Beachten Sie bitte, dass unsere Diskussion ergebnissoffen ist. Die letztliche Entscheidung hat einzig und allein seine Heiligkeit! Wir geben hier nur unsere fundierten Meinungen wieder, die ihn beratend unterstützen sollen."
Diese Einleitung war ein Schlag mit dem nassen Waschlappen ins Gesicht der Diskussionsteilnehmer, die sich während der letzten Klausur, durchaus gut gemeint, in religiösem Eifer echauffierten, was einen zielführenden Meinungsaustausch geradezu unmöglich machte. Wie Tucholski schon sagte: "Das Gegenteil von Gut ist nicht Schlecht sondern gut Gemeint."
Die Stille die jetzt in der Kapelle herrschte war gespenstisch. Teils erbost, teils betroffen ob dieser Massregelung starrten die Kardinäle zu Boden. Durchbrochen wurde die Stille nur von der elektronisch klingenden Version von "Highway to hell" die einer der jüngeren Kardinäle auf seinem Samsung Galaxy Streichelhandy als Klingelton installiert hatte. Nachdem dieser die Quelle des musikalischen Zwischfalls ungeschickt und mühsam unter seiner Sutane hervorgekramt und zum Schweigen gebracht hatte fügte der Diskussionsleiter, seine Augen zum Himmel verdrehend, hinzu "und unsere Mobiltelefone schalten wir natürlich auch alle aus." Was die Stimmung der Anwesenden in schallendes Gelächter umschlagen lies.
