8,00 €
Mitten in Zeiten des Coronavirus veröffentlichen wir unser Buch. Unmöglich? Oder ein Schrei nach Verbindung und Vertrauen? Ein Teil deines Lebens liegt schon hinter dir - Große liebende Gefühle, Trauer und Schmerz, all die Wellen, die der Fluss deines Lebens schon so geschrieben hat. Und dann ist da plötzlich dieser tiefe, niederschmetternde Moment: Du kannst nicht mehr ... nicht mehr weitergehen! Doch du bist nicht allein - da ist jemand an deiner Seite, deine Freundin, die ebenso fühlt wie du ... Diana Prinsesse In diesem Buch findet ihr zwei Frauen, die sich in ihrer größten Not das Notebook gegriffen haben und "nackt" ihren Weg aus dem tiefen Tal der Depression, über den Pfad des Wandels, zum innersten Kern ihrer Seele niedergetippt und durchlebt haben. Reich an Tälern und zarten Sonnenstrahlen, immer wieder hinfallend und aufrappelnd, über Heilerbesuche und Tinderdates hinein in den Schmerz und zurück ins Wachstum! Jessica Artistnavn "Bewegte, bewegende, unglaublich berührende Zeilen und Worte von zwei starken, gefühlvollen, liebenden, mitdenkenden und inspirierenden Frauen. Ein Buch zum Mitfühlen, zum Mitweinen, zum Mitlachen. Pur und authentisch, hautnah, mitten aus dem Leben. So, als ob die beiden Protagonistinnen auch meine besten Freundinnen wären. Eine mitreißende Geschichte, die weitergeht und inspiriert - und du als Leserin bist mittendrin! Elisabeth Ornauer, Zauberwort
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 244
Veröffentlichungsjahr: 2020
WACHSTUMs SCHMERZEN
Impressum:
© 2020 Diana Prinsesse & Jessica Artistnavn
wachstumsschmerzen.org
wachstumsschmerzen_
Wachstumsschmerzen
Illustrationen
Artemis Wolf
art-artemis.com
Korrektorat
Elisabeth Ornauer, Zauberwort
ornauer.at
Covergestaltung
Foto: Fredrik Warbo
warbo.org
Design und Fertigstellung:
Fiverr, „kozakura“
fiverr.com
Druck und Verlag:
tredition GmbH
Halenreie 40–44
22359 Hamburg
ISBN:
978-3-347-12344-1 (Paperback)
978-3-347-12345-8 (e-Book)
Alle Rechte bei
Diana Prinsesse & Jessica Artistnavn
… und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,der uns beschützt und der uns hilft, zu leben …
Hermann Hesse, „Stufen“
Für alle Frauen dieser Welt
Mag Dich dieses Buch finden,
Dich umwälzen und Dich zu dem emporheben,
was Du eigentlich bist:
Eine sprudelnde Quelle der Sinnlichkeit.
Das Meer und alle Ozeane in einem.
Eine Inspiration für mehr Verbundenheit
und noch so vieles mehr …
Jessica
Jessie ist Visionärin, Coach und Filmemacherin.
Mit “Today I acknowledge” einem sozialen Experiment in Sachen Anerkennung, gewann sie ihre ersten Film Awards.
Im Jahr 2000 entwickelte sie Workshops, die voll gepackt mit Kreativität in die Selbstliebe, ins Vertrauen und die eigene Kraft führen.
Sie widmet sich seit 27 Jahren der Heilarbeit, ist Fotografin, Schauspielerin, Casterin, Reikimeisterin, DJ und vieles mehr. Das Leben schenkte ihr eine Fülle an tiefen Erfahrungen, die sie lehrten, selbst ein guter Lehrer zu sein.
Die letzten 8 Jahre drehte sie an ihrem Herzensprojekt, I AM A CREATIVE SOUL, einer Doku übers Sterben und gleichzeitig eine Liebeserklärung an das Leben, die jetzt während der Corona-Krise online ihre Weltpremiere feiert.
Sie lebt mit ihrer zauberhaften Tochter (in der Pubertät), zwei Katzen und ihrem Pferd Mulle in einem Tiny House bei München.
4. Juli 2019
Die Nacht war wirklich seltsam.
Diana hatte mir einen Besuch bei einer Heilerin geschenkt.
Dort war ich am Nachmittag zuvor. Wegen meiner Trennung, wegen den Selbstmordgedanken, oder war es wegen meiner finanziellen Katastrophe? Zumindest lag ich diese Nacht in meiner Dachnische in meinem Schrebergarten mit Panikattacken.
Schutzlos und attackiert von paranoiden Gedanken. Mit Wut auf den Ex bzw. Nicht-Ex, denn wir waren die letzten zweieinhalb Jahre ja nicht zusammen, sondern nur Best Buddies mit Benefits und am Ende ohne, weil er den Sex verweigerte. Dann wurde er nach Mailand versetzt und ich vor vollendete Tatsachen! Es hieß noch, dass München jetzt selten sein Ziel wäre. Meine Tochter hatte ihn ins Herz geschlossen und ich sowieso …
und sein Herz, das funktionierte nicht.
Sein Kopf machte uns einen Strich durch die Rechnung, sobald es um Beziehung ging. Ich sei zu alt und wir nicht kompatibel, aber natürlich liebte er uns und wollte, dass alles so weiterläuft, trotz Mailand.
Bis er diese tolle Russin kennenlernte, die ihn an mich erinnerte.
Als ich mit sieben WhatsApp auf eine Aussprache bestand, sagte er, ich würde ihn stalken und gehöre wohl in die Klapse. Meine Welt brach zusammen und Seine, mit Beförderung und neuer Freundin, schien ihm zu Füßen zu liegen. Dann kam das Finanzamt mit der Ansage, sie wollen mich pfänden, weil ich meine Steuer nicht bezahlt hatte.
Mein Film, an dem ich acht Jahre gearbeitet hatte,
stieß kurz vorm Erfolg, immer wieder, in kuriosester Weise, auf Ablehnung.
Sogar zwei Jurymitglieder von den Academy Awards wollten ihn sehen.
Wäre da nicht der Manager vom Tanzstudio in L.A. gewesen, in dem ich das Screening machen wollte. Denn wäre er nicht gewesen, hätte er mich nicht beschimpft, wie naiv ich sei. Er hätte die Leute nicht wieder ausgeladen, die ich eingeladen hatte … Und er hätte nicht offiziell, in den sozialen Medien (also, im Internet), das Event gecancelt …Ohne ihn hätte ich die Location auch vorher nicht gehabt.
Was sich stetig durch mein Leben zog war, ich schien immer so nah dran, an der idealen Beziehung, am großen Erfolg, am Schlüssel zur inneren Zufriedenheit (darum geht es übrigens in meiner Doku) und dennoch verweigerte mir das Leben kurz vorm Durchbruch alles.
Zudem wurde mir mehr genommen, als ich zuvor hatte.
Mein Selbstwert schrumpfte. Mein Sinn und Glaube an das Gute löste sich in nichts auf. Ich war wie so oft in meinem Leben in der eigenen Hölle und wollte doch nur ins Licht und alle anderen mitreißen – in die Fülle.
Immer wieder geriet ich an Menschen, die meine Gutmütigkeit zu ihrem Zweck nutzten und mich dann stehen ließen im Regen oder im Meer der Gefühle. Mein Vertrauen grenzte gen Null. Ich wollte einfach nur sterben …
5. Juli 2019
Ich überlegte mir schnelle Todes-Möglichkeiten, ohne Schmerz und Nachwirkungen. Gab es natürlich nicht.
Ich musste ja hier bleiben für meine Tochter. Und außerdem würde ich ja eh wiedergeboren und dann ginge der ganze Schmarrn, wie man in Bayern sagt, von vorne los. Die Heilerin hatte mich darauf aufmerksam gemacht, dass es ja nicht nur steuerlich um Mehr-Wert ging.
Der Schmerz war heute kaum auszuhalten,
ich war wütend auf den NICHT-Ex.
Ich sprang erst mal in den See, um abzutauchen, leider tauchte ich nach ein paar gefühlten Minuten wieder auf.
Ich erkundigte mich nach einem Freiberufler-Kredit und war gerade in der
„Ich schlaf noch ne Nacht drüber“-Bedenk-Phase, als …
… wir das Filmfest in München hatten … und ich …
eine alte Bekannte wiedertraf, eine Schauspielerin, die versprach,
mir 25.000 Euro zu leihen. Damit könne ich mir den arschteuren Kredit
sparen und sie wüsste eh grad nicht wohin mit dem Geld.
Ich: „Ganz sicher?“
Sie: „Auf jeden Fall!“
Das war das Wunder, für das ich die letzten drei Wochen gebetet hatte.
Wir trafen uns noch zweimal auf dem Filmfest, um alles dingfest zu machen. Mir war nicht wohl dabei, aber sie bestand darauf, mir das Geld zu leihen. Wir würden einen Vertrag machen und ich würde zwei Stunden später den Freiberufler-Kredit absagen.
Dann sagte sie noch, sie suche etwas zum Investieren.
Ich sagte, da ist ein kleines Tiny House zum Verkauf, direkt neben meinem, mit langer Warteliste, aber ich kenne den Besitzer sehr gut und werde ein Wörtchen für dich einlegen.
Zwei Tage später stand sie unerwartet vor meinem Tiny House, um das Objekt anzuschauen, welches zum Verkauf stand.
Und wieder zwei Tage später bekam ich eine WhatsApp, sie könne mir leider den Kredit nicht mehr geben.
Sie kauft jetzt das kleine Haus.
Diana
Im Jahr 2016 feierte Diana ihr Debüt als Autorin mit ihrem Familienbuch, “Das Haus mit der Herzenstür“. Von klein auf war der Tanz ihr Zuhause und ist auch heute noch ihr Weg zu Wort und Muse. Bereits mit 20 Jahren wurde sie das erste Mal Mutter. Vier Kindern schenkte sie das Leben und erhielt wohl selbst das größte Geschenk, die bedingungslose Liebe.
Sie lebte die unterschiedlichsten Berufe … Berufungen … und immer änderten sich die Dinge passend zum Zeitpunkt und der jeweiligen Lebenssituation. Heute unterrichtet sie Kinder, Jugendliche und Schwangere im Yoga und der Meditation um sie auf ihren jeweiligen Wegen in Liebe zu begleiten.
“Wachstumsschmerzen“ ist ein Prozess aus allem was war, ist, und in der Fortsetzung noch sein wird.
Gemeinsam mit ihren beiden jüngeren Kindern lebt sie im Herzenshaus mitten in München.
Samstag, 6. Juli 2019, nachmittags
Was soll ich nur machen??? Selbst nach eineinhalb Stunden Ausruhen im Bett nach einer energetischen Behandlung bei Constanze …
Kann mir irgendeine Stimme in mir eine Antwort geben oder auch gerne von außerhalb, du Löffel, du Kochtopf … wer oder was auch immer oder von dir, liebes Universum …? Bitte, bitte …
Ich leg mich neben den gepackten Sachen auf den Flurboden. Ok, noch fünf Minuten bis 15: 30 – ja! Du, Antwort, so lange hast du noch Zeit.
Es gibt eh nur zwei Optionen. Fahren oder Hierbleiben … kann doch nicht so schwierig sein.
Fahren bedeutet, Ben zu sehen in der Schweiz, seinem Zuhause. War es nicht mal auch meines, unseres. Fühlt sich unendlich weit weg an … hab ich ihn geliebt, lieb ich ihn noch, lieb ich doch nicht mal mehr mich …?
Meine Jugendliebe Ben. Über 30 Jahre nicht gesehen und dann alles wie Magie … durch seine E-Mail … und ich spüre nichts mehr von all dem! Stimmt auch nicht so. Er ist ein wundervoller Mensch und der wohl verständnisvollste Mann, den man sich wünschen kann. Doch ich kann ihm nichts geben, bin nur noch bedürftig … wie ein kleines Mädchen und er ist einfach da, wenn ich es will. Das halte ich nicht aus!!!
Hierbleiben bedeutet, mit Jessie Zeit zu verbringen. Endlich mal wieder gesundes Essen, Hirse mit selbstgemachtem
Pesto und Salat. Austausch über unsere innersten Gedanken und Gefühle. Mit Champagner, etwas verspätet, auf unser beider neuen Lebensjahre anzustoßen.
15: 30 … ich nehme die wenigen Dinge, die ich für eine Nacht brauche, und fahre erst mal los. Im Auto, nach wenigen Kilometern, kurz vor der Autobahn, rufe ich Ben an. Wow! Da ist sie, meine Antwort:
„Bitte, fahre nicht weiter! Es sind schlimme Unwetter für heute und morgen vorausgesagt! Ich mach mir sonst Sorgen, auch wenn ich dich so gerne hier hätte. Fahr zurück und sorge gut für dich. Genieße die Zeit, die Ruhe, wenn die Kinder schon mal nicht da sind.“
Puh! Welch Erleichterung! Keine Konfrontation!
Ich rufe noch auf dem Rückweg Jessie an und wir verabreden uns für abends bei mir. Parke vor einem Bioladen und nehme mir, wie lange schon nicht mehr, Zeit, ganz bewusst und entspannt einzukaufen. Nicht nur unser Abendessen, sondern gleich ein wenig auf Vorrat für die Woche. Auf was zu essen die Kids wohl Lust haben?
Ich lasse mir Zeit und es macht tatsächlich ein wenig Spaß.
Während ich zuhause alles an seinen Ort räume und den Einkauf auspacke, schweifen meine Gedanken zu meinen vier Kindern …
Mona (28), Louis (22), Leni (10) und Moritz (8).
Zu allen ist eine solche Distanz entstanden und da ist er wieder, dieser Schmerz um mein Herz.
Wann hat alles begonnen?
Während meiner energetischen Sitzung bei Konstanze löste das Fühlen zu meinen Kindern Tränen um Tränen aus, die kaum zu stillen schienen.
Bei Mona, meiner Ältesten, habe ich sogar das Gefühl, dass sie bewusst meinem Energiefeld fern bleibt. Was kein Wunder ist. Halte ich mich selbst doch kaum aus! Immer kam sie zu mir, hat mich unterstützt mit den Kleinen, hat sich mir anvertraut in allem und wenn sie nicht weiter wusste, dann blieb sie einfach bei uns. Doch jetzt bleibt sie fern. Meldet sich selten. Mein Herz fühlt sich gerade an wie ein Stein. Los, weitergehen …
OK! Louis … Er kam nach seinem Auslandssemester in L.A. zurück nach München. Blieb aber nur zwei Wochen. In Wien, dort studiert er, hätte er spontan ein Zimmer und all seine Freunde. Bei uns fühle er sich energielos und habe keine Privatsphäre, da er sich das Zimmer mit Moritz teilt. Obwohl unser Haus so groß ist, gibt es kein übriges Zimmer. Kein Wunder, dass er flieht. Und alles erinnere ihn in München an Artemis, seine gerade Ex-Freundin. Uaaah! Ich heule um die beiden. Sie waren so toll gemeinsam und auch mein Herz verbindet so viel mit Artemis. Unsere wundervolle Zusammenarbeit an unserem Buch …
Das Buch: Habe ich es geschrieben …?
Unvorstellbar, in meinem gegenwärtigen Zustand.
Das Haus mit der Herzenstür … der Titel … im Hier und Jetzt hieße es wohl eher: Das Haus ohne Tür! Ich komm nicht mehr heraus und zu mir will auch keiner mehr hinein. Pah!!! Kann das alles wahr sein?
Ich gehe wieder weiter …
Wie sieht es mit meinen zwei Kleinen aus?
Scheint nicht viel besser.
Sie sind ja noch zu klein, um mir fernzubleiben.
Meckern sie doch auch nur immer rum.
Wann hat das alles begonnen?
15. Juli 2019
Das Aufwachen am Morgen war das Schlimmste.
Dieses dumpfe Gefühl in der Brust, die Wut auf Pietro und das Verlangen, auf dem Klo zu sitzen, um zu pieseln.
Würde der Gang zur Toilette nur nicht bestätigen, dass ich in dieser Realität lebe, in der zurzeit einfach gar nichts im Fluss ist.
An diesem Morgen blieb ich, trotz der vollen Blase, noch drei Stunden im Bett und hatte Hörbücher laufen zu Selbsthilfe-Themen.
Eines handelte davon, sich sein Glück zu manifestieren und wie sie, die Autorin, es am Anfang auch nie schaffte …
Nun gut, klang vertraut, das Frustrierende war nur, sie hatte es ja nun doch geschafft und war Bestseller-Autorin, während ich mit voller Blase und Depressionen mit meinen frischgebackenen 47 Jahren in meinem Bett lag.
Der nächste Typ, auf Hörbuch Nummer 2, sagte:
Leid ist selbst geschaffen vom Ego, ebenso die Opferrolle, die Seele kennt keinen Schmerz.
Jetzt bin ich auch noch der Mega-Egoist, wenn ich doch sooo sehr leide. Ich rannte aufs Klo und war zurück in meiner selbst geschaffenen Tragödie.
Es musste auch für mich einen Ausweg geben.
Ich hatte da noch diesen Champagner im Kühlschrank von dem nicht-Ex, den hatte er mir zur internen Münchener Premiere meines Filmes mitgebracht. Erinnert ihr euch?
Der achtjährigen Doku über:
Wie lebt man sein Leben vollständig und zufrieden?
Irgendwie lag er seitdem frisch gekühlt in meinem Kühlschrank.
Ich weiß nicht, wie es euch geht, ich habe auf dem Klo immer die besten Einfälle. Ich schrieb Diana eine WhatsApp:
Lust, den Champagner vom Pietro zu köpfen?
Als Startschuss in die Transformation, vielleicht schaffen wir sie betrunken. Diana wusste noch nicht, ob sie zu Ben fährt, von daher ließen wir es offen bis zum frühen Abend.
Als ich dann zu Diana fuhr, hatte ich schon gar keine Lust mehr auf meine Idee, geschweige denn zu feiern. Und so blieb der Champagner, zumindest an diesem Abend, gekühlt und unberührt.
Aber ich war froh, jemanden zu sehen, dem es genauso ging wie mir, außerdem kennen wir uns schon seit knapp 20 Jahren. Wir waren schon durch so einiges durch, gemeinsam.
Diana ist eine unglaublich schöne und starke Frau, die auch heute mit ihren vier Kindern einfach noch megatoll aussieht und so viel umsetzt.
Bei einem Aufbaustudium lernten wir uns kennen. Dafür entschloss ich mich, Hamburg zu verlassen und nach München zu ziehen. Ich zog die ersten Wochen bei Diana ein, bis ich ein WG-Zimmer gefunden hatte. Diana hatte schon zwei ihrer Kinder und war alleinerziehend.
Ich hatte meinen Ex grad verlassen, mit dem ich Haus, Hof, Pferde und Hunde hatte und hatte nun gar nichts mehr, außer den Wunsch, neu anzufangen.
Oh, 20 Jahre. Wo sind sie hin? Ich könnte heulen.
Aber bis auf den nicht-Ex habe ich ziemlich viel erreicht.
Eine Tochter, zwei Katzen, ein Pferd und einen Schrebergarten mit Tiny
House und nicht zu vergessen, einen Film. Mein Herzensprojekt! Knapp acht Jahre von 20 stecken in dem Film: I AM A CREATIVE SOUL, ein Film über Sterben, Leben und den kreativen Prozess.
Eine großartige Doku, die viele Menschen dazu anregen soll, wirklich zu leben. Hab ich, Jessie, all das zur Entstehung des Filmes geschrieben, als ich ihn für das DOK Filmfestival Anfang des Jahres in München einreichte und knallhart abgewiesen wurde? :
Produktion bedeutet vor allem eines, der Glaube an den Film. Was zu Beginn, als ein von mir eigens schnell produziertes Interview zum Thema Kreativität mit Superstar Jason Mraz in Kalifornien geplant war, entwickelte sich zu einem Herzensprojekt.
Mit der Leukämie-Diagnose meines Vaters zu Beginn und dem darauf folgenden Interview mit ihm, bemerkte ich, dieser Film will tiefer tauchen.
Dann: Das zerplatzte Interview mit Jason, welches mich auf völlig neue Wege führte. Ich „musste“ diesen folgen.
Ich bemerkte, dass sich dieser Film zu einer Art Doku entwickelt, so schrieb ich ARTE an, aber die Idee überzeugte nicht und mein Konzept wurde als schlecht und absurd abgelehnt. Ich wollte dem Leben und den spontanen Begegnungen Raum geben, den Film zu erzählen. Kurzzeitig fand ich Produzenten, die den Film kommerzieller machen wollten, doch das Projekt wollte etwas anderes und führte mich auf Wege, die Raum für Synchronizitäten kreierten, die mich manchmal schier umhauten vor Glück. Nur das Geld war ein leidiges Thema, ich geriet immer wieder an meine existentiellen Grenzen. Das Finanzamt wollte mich pfänden und als ich unsere Miete nicht mehr zahlen konnte, wurde mir auch Hartz IV verweigert. Als ich meinte, als alleinstehende Mutter und Kreative hätte ich doch vielleicht auch mal ein Anrecht auf vier Monate Unterstützung vom Staat, drohte mir das Arbeitsamt mit einer Anzeige wegen sozialwidrigem Verhalten.
So kündigte ich all meine Lebens- und Rentenversicherungen und machte weiter.
Ich beschloss, einfach alles selbst zu machen, von Kamera bis Postproduktion, das Leben war der Produzent – ich musste darauf vertrauen, dass es mir die richtigen Leute zur richtigen Zeit schickte und neben der Arbeit an diesem Film Jobs einbrachte, um unsere Miete zu zahlen.
In acht Jahren drehte ich in München, Hamburg, Schweden und in den USA und traf Menschen, die an meinen Traum glaubten, die einen ähnlichen Traum träumten und die mir Antworten auf einige der existentiellen Fragen unserer Seele gaben ...
Im Nachhinein betrachtet war der Weg herausfordernd, als visionäre Filmemacherin in Deutschland, ohne jegliches Budget, außer dem tiefen Wunsch, etwas Kostbares in die Welt zu bringen. Ich möchte Mut machen, in das Vertrauen zu uns selbst. Dem Außen mag nicht gefallen, was du tief in dir spürst, aber deine Seele ruft danach, sich befreit und glückselig in dieser Zeit zu erleben.
We are creative souls, du entscheidest, ob du dein Leben zum Vollsten ausschöpfst!
Fang doch gleich damit an!
Love, Jessie
Na super!
Dieser Film ist mit der Grund, warum ich so viele Schulden habe und angeblich viele Pluspunkte auf dem Karma-Konto … Ich wäre dann jetzt bereit, bitte, dieses Goodie-Konto zu plündern. Wäre das möglich?
Nein.
Aber meine Nachbarn, meine geliebten Nachbarn, hier im Schrebergarten, haben mich gestern abgefangen, als ich abends aus dem Auto stieg.
Es gab viel Wein und Manni (76), der Mann von Margot (etwas jünger), und Gabi (50 und glücklicher Single) haben mir die Leviten gelesen.
Weil ich völlig vereinsamt nicht aus dem Häuschen käme.
Stimmt. Und ich erzählte ihnen die ganze Story. Zumal Manni und Margot den Pietro kannten. Ich fand auch noch ein Weißweinchen von Besagtem, den er mir auch geschenkt hatte, und wir tranken diesen, während ich mir mein Leid von der Seele sprach.
Manni sagte mir, das Leben wäre zu kurz, um zu leiden.
Das sei kein Mann wert, diese Zeit so zu verschwenden.
Ich wusste, er hat Recht.
Wir wären auch nicht wirklich kompatibel, da hätte mein Nicht-Ex absolut Recht gehabt.
Ich wäre glücklich mit so wenig und er bräuchte Stöckelschuhe und Kostümchen und nach außen ein Bild von Luxus. Ich bin eher Hippie … schade. Warum hatte er mir nur aufdrücken müssen, dass sie jünger war, diese Russin, bzw. warum musste er mir sagen, dass sie so megatoll ist und ihn an mich erinnert?
Wieso hatte er mir immer reinwürgen müssen, ich wäre zu alt? Er sah 30 Jahre älter aus als ich (naja, fast 30), obwohl er zwölf Jahre jünger war.
Wieso übertrieb ich immer so mit allem?
Konnte ich nicht mal in der Balance mein Glück erobern?
Brauchte ich immer Drama, um mich lebendig zu fühlen?
23. Juli 2019, morgens
Mona, meine älteste Tochter, hat mir auf meine gestrige Nachricht geantwortet. Nach einem weiteren Schub ihrer Collitis geht es ihr jetzt wieder ein wenig besser. Sie spürt, wie schlecht es in mir ist, obwohl ich nur kurz über die innere Arbeit an mir schreibe. Sie war immer da und jetzt geht sie ihren Weg und ich weine und weine … ich weiß nicht, wann wir uns wiedersehen werden und ich fühl mich so allein und verlassen. Es ist kaum in mir auszuhalten … Ich bin so einsam … schlimmer kann es sich gar nicht mehr anfühlen …
Hier ein Auszug unseres Dialogs per WhatsApp:
Danke, Mami!
Lass uns gerne treffen, wenn es dir besser geht, weil ich einfach merke, dass mir das nicht gut tut, dich so gestresst, traurig zu sehen. Ich meine das nicht böse, aber ich kann das immer noch nicht gut trennen … dass ich Tochter und nicht verantwortlich für deine Themen bin. Und da ich momentan sehr labil bin, zieht mich das immer sehr runter und ich merke, dass es mich belastet, auch wenn es das nicht soll. Ich hoffe, du verstehst das nicht falsch.
Ich weiß, mein Schatz, und spüre das auch und verstehe das auch nicht falsch …
Mach dir bitte keine Gedanken … ok!
Lebe dein Leben ganz frei … ich wünsche mir einfach nur, dass es dir gut geht und du glücklich leben kannst.
Bei mir muss ich selbst hinschauen und da ist noch einiges aufzulösen … aber das ist alles zu schaffen.
Mona antwortet: Das ist gut.
Bah … ich weine und weine … ich wollte dies alles nicht für dich, nicht schwach und krank sein, wie ich es immer wieder war, als du klein warst und du dann stark für mich sein wolltest und dich gekümmert hast … immer mehr Bilder aus der Vergangenheit kommen hoch, vor denen ich dich lieber beschützt hätte … und ich war phasenweise einfach nur schwach und traurig … ein Karussell in meinem Kopf beginnt … bis endlich wieder die Mutter „Diana“ schreiben kann:
Und das wollt ich dir noch sagen.
Es ist richtig und auch wichtig, dich jetzt abzugrenzen und dein Leben zu leben … so, so gesund auch … ein ganz, ganz guter Weg, mein Schatz.
Und du bist eine ganz tolle junge Frau … Lieb dich!
Danke, Mami, es ist echt schwer, aber ich merke, dass es gut tut.
Ein Herz von ihr und eines von mir schließen unser Schreiben ab!
Vier Kinder mit drei Vätern.
Warum bin ich immer letztendlich aus den Beziehungen zu den Vätern weggelaufen? Warum habe ich es nicht geschafft, den Kindern eine „richtige“ Familie zu schenken. In mir loadet sich gerade ein Berg von Schuld auf.
Auch wenn Annegret, die Kinesiologin, die ich vor kurzem aufgesucht hatte, zu mir meinte: „Die Seelen deiner Kinder haben sich ihre Väter ausgesucht. Es gibt hier keine Schuldfrage. Es ist alles gut so, wie es ist.“ Doch reicht mir das? Kann mit diesem Wissen meine Schuld heilen? Muss ich mir vergeben dafür oder braucht es dies nicht? Oh! Ich fühle mich gerade so schlecht, so unfähig als Mutter, wie auch als Partnerin.
Willkommen, mein inneres Kind, du liebes Schattenkind!!! Du kannst dich einfach nur einsam fühlen und auch schlecht, denn als du deine Eltern gebraucht hättest … war Mama überlastet, viel krank oder nicht da und dein Papa nur unzufrieden, unglücklich und gewaltsam … was sollst du auch anderes fühlen in dir …
Hey, Kleines, ich nehme dich einfach in den Arm und halte dich, weine einfach mal, ja, weine und fühl dich gehalten … ich, die erwachsene Diana, bin ab jetzt einfach für dich da … ja, weine, weine, lass alles los, alles wird gut. Ich bin da!!! Und, bitte, wisse ebenso, dass auch deine Eltern ihre Geschichte haben und sich deshalb nicht anders verhalten konnten. Sie waren einfach beide, auf ihre Art und Weise, überfordert, für dich da zu sein. Aber es hat nichts mit dir zu tun. Du bist ein ganz wundervolles Mädchen. So fantasievoll, so kreativ, so hübsch, so freudig … ja, tanze, mein Herz, du siehst so schön beim Tanzen aus und es ist so viel Freude in dir zu sehen, ja, mach weiter, Kleines.
Du konntest Mona aufgrund deiner Geschichte nicht anders begleiten und doch liebst du sie, von Beginn an. Und du weißt in dir, dass der Weg, den ihr beide jetzt gehen werdet … jede für sich … der einzig Richtige ist … für Heilung. Heilung für Mona und Heilung für dich … welch Chance für jeden von euch!
Und hier spreche ich von außen auch zur erwachsenen Diana. Du schaffst das. Denn du bist eine starke Frau. So vieles hast du in deinem Leben schon gemeistert und jetzt nimmst du diese Hürde … endlich … dein inneres Kind zu heilen. Nimm all deine Qualitäten und stecke sie in deine Heilung!!!
Auch wenn ich noch nicht in mir spüren kann, wohin mein Leben mich führen wird mit all dem Hinspüren … Mist! Wo ist mein Vertrauen ins Leben … da ist plötzlich eine Wut in mir … warum steh ich jetzt vor diesem riesigen Berg … ich weiß ehrlich nicht, ob ich das schaffe!
Fühl mich überfordert!!!
Haha … da bist du ja wieder, du liebes Schattenkind!
Und du darfst auch sein. Ja, du bist einfach überfordert. Du hast zu vieles deinen Eltern abgenommen und bist doch noch ein Kind. Sei ruhig mal wütend. Keiner hat dich gesehen. Wo du dich so bemüht hast und es ist doch klar, dass man da auch mal wütend wird. Nie warst du genug, so wie du warst. Zieh dich ordentlicher an, räum auf, die Eins könnte auch eine Eins plus sein.“ Und immer wieder diese Angst vor den Schlägen und den Übergriffen deines Vaters. Ja, sei jetzt einfach mal wütend und gib auch deiner Hilflosigkeit, deiner Angst Raum – und ich bin da und halte dich – ganz fest und liebe dich trotzdem mit allem, was du bist und was dich ausmacht, denn du bist so, so liebenswert … einfach nur, weil du bist.
Vielleicht mache ich noch eine inneres-Schattenkind- und anschließend eine Sonnenkind-Meditation … oder schreib ich weiter … hab ich noch was zu erzählen … wer will das schon alles lesen … was denk ich nur … Yes! Es meldet sich schon wieder zurück … und ich werde mich dir gleich widmen.
Möchte gerne noch von dem schönen Abend vor zwei Tagen mit Jessie schreiben.
Okay, das mach ich anschließend! Denn du brauchst mich jetzt und ich habe versprochen, für dich da zu sein … immer.
Gerade läuft Moon River … einer meiner Lieblingssongs, und in solch einer schönen Version … und ich weine. Immer wieder der Mond, der nicht nur meinen Namen begleitet, sondern auch eine Urquelle meines Seins scheint.
Die Quelle der weiblichen Natur, der weiblichen Kraft!! Davon erzähle ich nach meiner Meditation ein wenig mehr …
28.07.2019
Es kommt in Wellen.
Die Gedanken an Pietro. Sie fließen über mich und ebben ab.
Ich habe rausgefunden, dass Dankbarkeit hilft.
Gegen die Wut, den Hass auf ihn und vor allem gegen die schönen Momente, die ich mit ihm hatte. Das erste Mal in meinem Leben hatte ich regelmäßig Sex, bis er ihn eben nicht mehr wollte und ich in Versuchung geriet, ihn erzwingen zu wollen.
Seine Versetzung nach Mailand für einen großen Finanzkonzern, ließ diese Lücke gleich nochmal mehr aufklaffen. Wieso ging in seinem Leben alles nur um Geld? Kalt, durchdacht und geregelt.
Und wieso sehnte ich, Jessie, mich nach dieser rationalen Struktur.
Dieser „Best Buddy“-Wunsch von ihm in letzter Zeit, war dennoch ein
lächerlich-Machen unserer sexuellen Momente der Innigkeit und Verbundenheit. Ich frage mich die ganze Zeit, wie ich so tief empfinden konnte und er so tief verdrängen kann.
Aber Antworten darauf zu finden, gestaltet sich mühsam.
Besser ist die Dankbarkeit in solch kritischen Momenten. „Danke, danke, danke, dass Pietro weg ist … oh, es kommt etwas sooo viel Besseres!“
Es hilft etwas … ich muss sogar sagen, ich fühle mich wieder jünger, seit er weg ist, und ab und zu auch wieder schöner und attraktiver.
Doch dann kommt wieder die Welle namens Wertlosigkeit … Buff … sie hat mich erfasst und zu Boden geschmissen.
Vor vier Tagen war ich mit meinem Pferd Mulle spazieren.
Unsere weise, prächtige Araberstute.
Eigentlich ist sie meine beste Therapeutin. Doch manchmal nimmt sie ihren Job zu ernst. Wir waren also spazieren und da war dieser Wassersprenkler fürs Feld. Sie fing an zu zittern, aus ihren Nüstern schäumte es und sie pustete ihren Atem lauthals in meine Ohren.
Svenja aus dem Stall ging mit ihrem Pferd gelassen am Sprenkler vorbei. Mulle hingegen wollte sich losreißen. Sie trippelte um mich herum.
Das Knotenhalfter war eh nicht sehr stabil, es war mir gerade gerissen am Tag zuvor. Doch wir schafften es vorbei, an dem bösen Sprenkler.
Aber Jessie hatte nicht genug. Ich wollte üben, mit Mulle, die Angst vor diesem wasserspeienden Monster zu verlieren … ich ging wieder zurück Richtung Sprenkler und Mulle galoppierte um mich herum im Kreis …
Ich hielt sie fest und dann riss das Halfter und sie rannte mich einfach um.
Rauf auf meinen Knöchel mit ihrem festen Huf und ab übers Maisfeld.
Danach galoppierte sie sogar durchs Dorf zurück zum Stall, gefolgt von der Feuerwehr. Zum Glück, alles gut gegangen.
Nur mein Knöchel und mein Schienbein schwollen an, wurden dicker und blauer und lilafarbener und gelber.
Hm … und dann Svenja … die mir sagte: „Wieso hast du sie so lange festgehalten? Ich hätte mein Pferd schon lange losgelassen, wenn es so ausflippt!“ Und hier war sie, die Erkenntnis! Mulle, alias Psychotherapeutin Murjanah, hatte mir mal wieder den Spiegel vor den Latz geknallt.
Über zweieinhalb Jahre hatte ich an etwas festgehalten, was neben mir ausflippte, was neben mir Angst bekam und einfach nur flüchten wollte.
Anstatt loszulassen und Pietro seinem Schicksal zu überlassen, hielt ich ihn fest, bis er mich trat und es so schmerzhaft wurde, dass ich loslassen musste … aber eigentlich hatte er sich, genau wie Mulle, losgerissen mit seiner Russin. Einfach nur weg.
Nun ja, mein Knöchel schwillt langsam ab.
Diana war vorgestern hier im Gartenhaus.
Ich muss sagen, wir waren beide extrem müde und depressiv und dann: Wir saßen im Garten, rauchten ne Zigarette, tranken Wein und hatten die Karten der Erkenntnis von Chuck Spezzano gelegt …
Und dann erinnerte ich mich, dass ich ja mal gelernt hatte, intuitive Readings zu machen, und das haben wir dann auch gemacht.
Wir haben für uns beide in die Zukunft geschaut, also gegenseitig.
