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Eine Trilogie, deren erstes Buch, als fertiges Manuskript mit 201 Buchseiten vorliegt. Die beiden Hauptprotagonisten, Waldblume und Weißohr, erwachen in einem Krankenzimmer und scheinen am oder im Kopf behandelt worden zu sein. Sie merken sehr bald, dass in ihren Gehirnen etwas geändert ist, da sie die Sprache der Menschen, von ihnen Flachlandbewohner genannt, verstehen können, vor der Behandlung war es ihnen nicht möglich. Mit der Hilfe der Flachlandbewohner Krankenschwester Natascha, reicher Dauerstudent Robin, MTA Liesa und Förster Eduard, können sie aus dem Krankenhaus fliehen. Zwischen den Kreaturen Waldblume und Weißohr, die sich Waldbewohner nennen und deren Zuhause der Norderwald ist und den Flachlandbewohnern, entwickelt sich eine intensive Freundschaft. Der Kontrahent Professor Dr. Karl Neihus, ein berühmter, berüchtigter und nazistischer Gehirnforscher, dem Waldblume und Weißohr entkommen waren, sieht es als seine Lebensaufgabe an, beiden wieder habhaft zu werden. Nach einer Treibjagd, die für die Flachlandbewohner ein Fiasko wurde, erkannte der Professor, wie erfolgreich seine Gehirnforschungen zu erkennen waren. Nur ein intelligentes Wesen, mit organisatorischen Aktionsmöglichkeiten, konnte den Flachlandbewohnern eine solche Schlappe zufügen, zudem der Professor, Weißohr im Kampfgetümmel erkannt hatte. Diese Fähigkeiten konnten nur von Weißohr und Waldblume, in Verbindung mit seiner sensationellen Gehirnmanipulation, herrühren. Waldblume und Weißohr konnten es immer noch nicht fassen wie sehr ihr ganzes Leben, durch die extreme Gehirnveränderung, anders verlaufen würde. Es betraf nicht nur ihre Fähigkeit die Sprache der Flachlandbewohner zu verstehen, noch die Möglichkeit des organisatorischen und strategischen Denkens, sondern auch die intensive Steigerung ihrer Gefühle zueinander, als auch die Gefühle zu anderen. Der Professor gab nicht auf und mit Hilfe seiner Jagdkameraden und der Exekutive, startete er eine aufwendige Suchaktion.
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Seitenzahl: 245
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Erich Witte
Waidmannsheil
Science Fiktion oder Realität?
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Inhaltsverzeichnis
Titel
1 Ich, Weißohr erwache
2 Natascha mit dem Prof. in der Kantine
3 Weißohr und Waldblume grübeln, Natascha stellt sich vor
4 Der Jägerstammtisch
5 Die Demo
6 Die Arztvisite
7 Bei Luigi
8 Auf der Polizeiwache
9 Nataschas Info
10 Das konspirative Treffen
11 Die Flucht
12 Der Polizei - Paniktreff
13 Auf dem Bauernhof
14 Die Treibjagd – Besprechung
15 Waldblume und ich zu Hause
16 Der Tag davor
17 Die Treibjagd
18 Die Behandlung der Verletzten
19 Im Forsthaus
20 Die Sondersitzung der Jäger
21 Die Warnung
22 Die Planung
23 Die Jagd auf Waldblume und Weißohr
24 Nach der Jagd
25 Friedliche Ruhe vor dem Sturm
Impressum neobooks
Was ist mit mir?
Ich möchte meine Augen öffnen aber es geht nicht, die Augenlider sind schwer, sind schwer als wenn, als wenn ein weiches aber dämmend, schweres Säckchen auf ihnen ruhen würde. In meinem Kopf ist ein dumpfer Schmerz als sei er ein Kochtopf, der sein Überdruckventil nicht finden kann.
Ich hole tief Luft und versuche noch einmal die Augen zu öffnen und ich schaffe es, aber was ich sehe ist ein verschwommenes Etwas, ein unklares, graues, verwaschenes Bild. Über mir ein gedämpftes Licht, aus einer großen, kreisrunden Fläche, wie eine riesige Sonne, die eine abendliche Stimmung erzeugt, eine Sonne, die wie durch zarte, federleichte Wolken behindert wird, ihre Sonnenstrahlen frei entfalten zu können.
Wie bin ich hierher geraten?
Da war doch irgendetwas mit mir….., mit UNS, mit Waldblume und mir geschehen. Ein Schreck durchzuckt meinen Körper, mein Herz fängt an zu schlagen, als sei der Teufel hinter mir her und Adrenalin pur, verteilt sich scheinbar durch meinen ganzen Organismus. Wo ist Waldblume? Mein Kopf will in die entgegen gesetzte Blickrichtung fliegen, wird aber durch einen stechenden Schmerz auf halben Weg zurück gehalten, doch durch meinen Willen schaffe ich es, über die Schmerzgrenze zu gehen und die Bewegung zu einem Ende zu bringen.
Großes Aufatmen, mein Herzschlag nähert sich der Normalität und das Adrenalin scheint sich zu verflüchtigen. Dort liegt sie, dort liegt meine Waldblume. Aber wie liegt sie da? Auf einem Bett, mehr ein nacktes Metallgestell, als ein Bett, an dessen unterem Ende große, räderähnliche Rollen befestigt sind. Waldblume selbst, liegt auf einer Auflage, die mit einem weißen Laken bedeckt ist. Auf dem Rücken liegend, scheint ihr Körper wie in die Auflage hinein gepresst zu sein. Ihre Extremitäten sind leicht abgewinkelt, in vier Richtungen gestreckt und mit breiten Ledergurten über eine metallene Hilfskonstruktion, an der Auflage befestigt.
Die Ledergurte, - erst jetzt dringt es in mein Bewusstsein, dass auch ich mich nicht bewegen kann. Ich scheine genauso wie Waldblume, an einer Unterlage, oder doch mehr an das gleiche Gestell, gefesselt zu sein. Nur ein kleiner Spielraum in den Gurten, gibt einem die Illusion, von Freiheit und das Gefühl, nicht ganz hilflos zu sein.
Wie kann ich diese Illusion nutzen, wie kann ich Waldblume helfen, wie kann ich sie befreien, denn das ich diesen Zustand nicht hinnehmen kann, steht für mich außer Frage. Ich schaue zu ihr und es gibt mir einen Stich ins Herz, zu sehen, wie sie dort liegt, so hilflos und verloren, mit einem turbanähnlich anmutenden Verband, der ihre geschlossenen Augen und ihre niedlichen, spitzen Ohren nur so weit frei lässt, dass sie schwebend, von dem Rest des Körpers losgelöst zu sein scheinen.
Wieso ein Verband um den Kopf? Ist auch mein Kopf, zum Teil unter einem Verband verschwunden? Ich schließe die Augen und versuche, über die immer noch vielschichtig anhaltenden Schmerzen, hinweg zu gehen, um noch eine neue, eine andere Wahrnehmung zu verspüren und ich glaube eine zu fühlen, nein ich bin mir sicher, dass auch mein Kopf, mit diesem Verbandsgebilde „verschönert“ wurde.
Langsam dämmert es mir, wir wurden hierher verschleppt, von den Flachlandbewohnern, mit den weißen Kitteln. Ich mag da im Moment nicht drüber nachdenken, es war einfach zu schrecklich und ich glaube nicht, dass ich schon in der Lage bin, mir alle Einzelheiten, dieser Aktion, in der Waldblume und ich die Leidtragenden waren, zurück zu rufen.
Ich öffne meine Augen und fragte mich wie soll, wie muss es weitergehen? Der Blick zu Waldblume schmerzt, sie da so hilflos liegen zu sehen und zu wissen, im Moment machtlos zu sein, bereitet mir ein körperliches Unbehagen, aber auch eine Wut, die sich in meinen Eingeweiden festsetzt.
Ich rufe zu ihr rüber:
„Waldblume,“ und noch einmal, „Waldblume.“
Keine Reaktion von ihr. Mit dem Bewusstsein, im Augenblick nichts machen zu können, nehme ich mir vor, nach meiner Lebensphilosophie zu handeln und das bedeutet in dieser Situation. „In der Ruhe liegt die Kraft.“
Also schaue ich mir, soweit es mir mit dem eingeschränkten Blickwinkel möglich ist, die restlichen Räumlichkeiten unserer Zwangsherberge an. Über Waldblumes Lagerstätte befindet sich die gleiche Lampe, wie bei mir. Die Wand neben ihr ist der gleichen, langweiligen Gestaltung zum Opfer gefallen, wie der Wand neben mir, aber mit dem Nachteil, dass sie nicht durch ein Fenster und den grauen Vorhängen aufgepeppt wurde. Da geht es der Wand zu meinem Fußende schon besser, in ihren beiden, oberen Ecken, sind zwei kleine, besenstielgroße Rohre angebracht, die mit einem matt glänzenden Material verschlossen sind. Außerdem wurde ihr die Ehre zu teil, in ihrer Mitte eine graue Stahltür zu beherbergen. Diese Tür könnte, für Waldblume und mich, eine schicksalhafte Bedeutung haben. Durch sie, könnte eine bösartige Gefahr eintreten, die uns unsere Gesundheit oder gar unser Leben rauben will, oder es erscheint uns ein engelhaftes Wesen, dass uns rettet, uns ergreift und mit uns durch die Tür davon schwebt.
Die Wand hinter meinem Kopfende, kann ich nur an ihren Enden, zu den Ecken hin, erkennen. Mehr zu Waldblumes Seite als zu meiner, da mein Bett mehr zum Fenster hin ausgerichtet ist. Zu Waldblumes Seite, erkenne ich noch einen kleinen Teil, eines spindartigen Schrankes, natürlich aus Metall und grau eingefärbt.
Zwischen unseren Betten sieht der Raum schon interessanter aus. Es befindet sich neben unseren Körperablagerungsvorrichtungen ein Tischschrank, oder auch Schranktisch, ( natürlich auch aus Metall und grau ) mit einigen, auch für uns eventuell interessanten Dingen, als da wären: „Verschiedene Skalpelle, div. Scheren, Klammern, dünne Schläuche und andere, zum teil bedrohlich aussehende Dinge, die ich nicht benennen, oder irgendwo zuordnen könnte.“
Noch wilder und beunruhigender geht es bei Waldblume zu. An ihrem Kopfende ist ein schlankes, hohes, galgenartiges Gestell, mit einer Trinkwasser ähnlichen Flasche angebracht, von der ein dünner Schlauch zu einer Extremität verläuft, in einer Nadel endet und diese wiederum, in einer Ader verschwindet.
Es ist nicht die einzige Verbindung, die ich an Waldblume erkenne, sondern an mehreren Stellen ihres Körpers sind Saugnäpfchen, in der Größe eines Сhampignon, auf ihrer nackten Haut befestigt, aus denen jeweils ein dünner Draht zu einem Fernseher geht, der auf einem kleinen, einbeinigem Tisch steht, doch statt eines schönen Spielfilmes, erscheinen nur teilweise laufende und blinkende Striche, wellenförmige Linien und wechselnde Zahlen. Ihr Genitalbereich ist mit einem haubenähnlichem Kunststoffgegenstand bedeckt, aus dem ein dünner Schlauch herausschaut, der in einen, ebenfalls flaschenähnlichen Behälter mündet und ein zweiter, dicker Schlauch, der die Struktur eines Flexischlauches besitzt der in einen Behälter endet, der mit einem übergroßen, Benzinkanister vergleichbar wäre. Die ganze Szenerie, ist eine äußerste Erniedrigung und es sollte kein Lebewesen auf diesem Erdball geben, das einer solchen Situation ausgesetzt ist.
Wenn ich an mir herabsehe, soweit es mir möglich ist, bemerke ich, dass an mir die gleichen Verbindungen haften, genau wie bei Waldblume und auch wie bei ihr, wahrscheinlich in einen Bildschirm enden, der sich hinter meinem Kopf befindet und sich somit außerhalb meines Blickwinkels befindet.
Sie sitzt an einem Tisch, in einer typisch aussehenden Kantine des Universitätskrankenhauses. Typisch, für die cremefarbenen Wände mit den Kunstdrucken, die in den Etagen für die Ärzte und Verwaltungsbosse als Originale wieder zu finden sind. Typisch für die breite Fensterfront, mit Aussicht über die Dächer der Stadt. Typisch für die schlichten, abwaschbaren, beigen Tischplatten auf Tischbeinen, die aber mehr die Bezeichnung Metallgestell lichtgrau verdient hätten. Typisch für den Tischschmuck, der sich nach näherem hinschauen als Aschenbecher, Salz- und Pfefferstreuer zu erkennen gibt. Typisch für die Metallstuhlgestelle, mit gezogenen Mehrschichtholzsitzflächen, frei nach Bauhaus und typisch für den putzfreundlichen Fliesenboden Marke lichtgrau, beige – rot gesprenkelt.
Der Fensterfront gegenüber, befindet sich die „Ausschankabfertigungsanlage“, die wirklich nur so nüchtern bezeichnet werden kann, da sie mit ihren Edelstahlablageflächen, Edelstahlhandlauf- und Abtrennrohren, eher einer modernen Melkanlage ähnelt, in die glückliche Kühe mit Freude und freiwillig hinein schreiten. Hinter einer nüchternen Glasscheibe findet sich Edelstall wieder, in Form von Vertiefungen, die zum Teil mit Massenspeisen gefüllt sind, aus denen große Edelstahlkellen, mit langen Stielen herausragen, die die Speisen, mit einem eleganten Schwung auf die dargebotenen Teller klatschen. Von den Rückwänden strahlen einem, in greller Leuchtreklame, Speiseangebote des Tages entgegen, die einem Dönerimbiss aller Ehren gereicht hätte.
Sie, dem Anschein nach eine Krankenschwester, ist das Gegenteil der nüchternen Räumlichkeit. Ihre Erscheinung wirkt befremdend, wie eine Kokospalme im ewigen Eis der Pole. Schon vom weiten leuchtet ihr Haar, mit seinen Rot- und Orangetönen wie eine Abendsonne, die gerade im Begriff ist, sich von unserer Erdkugel zu verabschieden aber nicht ohne uns zu versprechen, dass der nächste Tag ein herrlicher und sonniger Tag werden wird. Ihre Haarpracht fällt, in lockeren Wellen bis über ihre Schultern und wird von einer kleinen, weißen Krankenschwesterhaube bedeckt, die aber auf dieser locker wirkenden Haarfülle, auch ohne Diamanten, wie eine Krone wirkt. Ihre ovalen, leicht schräg gestellten Augen, schweifen durch die Kantine und ein jeder, der sie beobachtet, bekommt den Eindruck, dass ihr nichts entgeht. Die laubgrüne Augenfarbe, mit kleinen, bernsteinfarbenen Einschlüssen, ergänzt sich auf wundersame Weise mit der Haarfarbe. Die Augenbrauen nehmen sich die Freiheit, überwiegend die Kastanienfarbtöne der Haupthaare zu übernehmen und durch den stimmigen Abstand und dem leichten Schwung der Linienführung, konnte es die Natur nicht besser hinbekommen und kein Kosmetikstudio wäre dazu in der Lage, es zu verschönern. Das gleiche trifft auf den freundlich, sinnlich blickenden Mund zu, der durch seinen Schwung, seinem Verhältnis zwischen Oberlippe zur Unterlippe, optimal ausgewogen wirkt und durch den dezenten Auftrag von Lippenstift, einfühlsam unterstützt wird. Die nicht zu kleine Nase, bekommt durch den leicht angedeuteten Höcker und den kaum merklich, nach oben gezogenen Nasenlöchern, eine klassische Form, die durch die betonten Wangenknochen unterstützt wird. Der Abschluss dieser Vollkommenheit, wird durch den zarten, natürlichen Braunton vollbracht, der erkennen lässt, dass diese Haut noch nie unter einer Sonnenbank, den schädlichen Strahlen ausgesetzt war.
Vor diesem „Traum“ steht eine Tasse, mit noch dampfenden Kaffee, die wohl anzeigt, dass die Pause, mit einer ruhigen Gelassenheit, zu Ende gebracht werden soll. Ihr Blick bleibt an der Essensausgabe hängen und sie bemerkt eine große, stabile, um den Bauch und um die Hüften herum gut gepolsterten, ihr unangenehmen Person: Professor Dr. Neihus, Karl Neihus. Sie lässt ihren Blick schnell weiter gleiten und hofft, dass der bittere Krug an ihr vorbei geht und Herr Professor Dr. Karl Neihus nicht auf den Gedanken kommt, sie mit der Anwesenheit seiner Person, an ihrem Tisch zu beglücken. Prof. Dr. Neihus, der Platzhirsch der ganzen Klinik, der von sich so sehr eingenommen ist, das ein Rad schlagender Pfau wie ein Sperling, der auf einem Herbstlaubweg sitzt, wirkt.
Das Institut des Professors besitzt eine große Gewichtung, da es in die Klinik intrigiert ist. Durch die Gehirnforschung des Prof., die in der Fachpresse von einer Genieleistung, bis zu einer zweifelhaften, nazistischen und menschenverachtenden Beurteilung geführt hatte, war er zu einer hochgradig, zwielichtigen Berühmtheit geworden, dass mittlerweile auch den Bekanntheitsgrad der Klinik vergrößert. Was macht ein Professor Dr. in dieser Kantine, da doch für die Ärzte und Professoren eine eigene, luxuriöse Wohlfühlkantine eingerichtet wurde?
Der bittere Krug geht nicht an ihr vorbei, der Herr Professor Dr. Karl Neihus tritt an ihren Tisch heran und fragte von oben herab, ob noch ein Platz frei sei, um sich dann im gleichen Atemzug, sich ihr gegenüber, in den Stuhl wuchtet und gleichzeitig seine Kaffeetasse so energisch auf den Tisch abstellt, dass ein Teil des Inhalts überschwappt und sich ein kleiner See auf der Untertasse bildet. Mit einem süffisanten Lächeln, schaut er sie mit seinen kalten, kleinen, mehr rund als ovalen Augen an und säuselt ihr zu: „Es freut mich immer wieder, sie zu sehen, Schwester Natascha und heute um so mehr, da ich ihnen eine wunderbare Neuigkeit mitzuteilen habe.“ „Guten Tag Professor Neihus, ich wüsste nicht, was sie mir Neues erzählen könnten.“ „Oh doch Schwester, sie werden in mein Institut versetzt, um sich intensiv um meine Objekte zu kümmern.“ Bei diesen Worten wurde sein Lächeln, in seinem fast kugelrunden Gesicht, zu einem breiten, kaum hörbaren Lachen, das durch seinen kleinen, schwarzen Oberlippenbart und den unregelmäßig stehenden und gelben Zähnen, zu einem noch diabolischeren Ausdruck wird. Nataschas Augen werden noch größer, als sie schon sind und sie kann ein trockenes Schlucken nicht verhindern. „Professor, ich bin nur eine Krankenschwester, aber sie wissen, dass ich ihre Forschungen nicht gutheiße und ihre so genannten Objekte sehr bemitleide, für mich sind sie keine Objekte, sondern Lebewesen.“ „Ja, ja Schwester Natascha, ich kenne ihre Einstellung sehr gut.“ Der Prof. macht eine kleine Pause und streicht sich theatralisch über seine schwarzen, seitlich gescheitelten, mit Pomade geglätteten Haare, die durch die Geheimratsecken schon sehr weit zurück gedrängt sind: „Aber das wäre doch für sie eine Möglichkeit, etwas Gutes für meine Objekte zu tun und ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass sich die Lebewesen sehr gerne von ihnen verwöhnen lassen. Außerdem ist ein diskutieren überflüssig, da bereits alles mit der Personalabteilung abgesprochen und beschlossen wurde. Morgen, um 8 Uhr 30 melden sie sich in meinem Büro!“
Bei diesen Worten, stößt er energisch den Stuhl zurück, ignoriert seine nicht benutzte Kaffeetasse und geht mit einem stechschrittähnlichen Gang davon, der seinen inneren Zorn nach außen sichtbar werden lässt. Ein Professor Dr. Karl Neihus, lässt nun mal zu seiner Meinung, keine gegenteilige Meinung zu. Natascha schaute dem Prof. mit einem unverständlichen Blick hinterher. Sie fühlte sich wie vor den Kopf geschlagen und kann es noch gar nicht fassen, was sie da gehört hatte. Da schritt er dahin, in seinem füllig wirkenden, weißen Doktorkittel, das Stethoskop demonstrativ, seitlich herausragend.
Von ganz unten, aus dem Bauch heraus, wird ihr klar, dass sie nichts machen kann. Es wäre auch völlig zwecklos, bei dem Personalbüro vorzusprechen, da es sowieso nur Anweisungen des Prof. befolgt. Die Forschungen der Prof. sind, auch wenn sie noch so umstritten diskutiert werden, für die Klinik einfach zu wichtig, da sie auf die Forschungsgelder nicht verzichten kann.
Ich werde das Beste draus machen, sagte sich Natascha und kümmert sich um ihren, noch warmen Kaffee, denn den gleichen Fehler wie, Professor Dr. Karl Neihus, wird sie nicht begehen, sie wird nicht auf ihren Kaffee verzichten. Ein zartes Lächeln legt sich auf ihr Gesicht, denn warum sollte sie nicht etwas Gutes tun und sich um die armen, so genannten Objekte kümmern, denn sie ist eine Krankenschwester, sie ist eine gute Krankenschwester und sie ist gerne eine Krankenschwester! Sollte der Prof. sich außerhalb der Arbeit intensiver für sie interessieren wollen, würde sie sich schon seiner erwehren können. Ihr Lächeln ist verschmitzter geworden, als sie sich locker auf den Stuhl zurücklehnt und genüsslich den restlichen Kaffee aus ihrer Tasse geniest. Danach erhebt sie sich und mit dem Bewusstsein, dass ihr einige Augenpaare nachschauen werden, verlässt sie, mit einem wiegenden Schritt, die Kantine.
„Weißohr.“
Ein schwach wahrnehmbarer Hauch von Ton, der kaum meine Gehörnerven erreichte, schwebte zitternd durch die Luft zu mir und noch einmal:
„Weißohr.“
Ich schaue zu ihr rüber, in ihre trüben, verwirrten und ängstlichen Augen. „Hey, Blümchen, mache dir keine unnötigen Sorgen. Wie fühlst du dich?“
Ihre Augen werden riesengroß und ihr Atmen heftig und hektisch, so dass ihr Brustkorb sich bis in den Grenzbereich auf und nieder bewegt. Noch einmal tief durch atmend, schleudert sie mir entgegen:
„Ich soll mir keine Sorgen machen, wo ich auf demRücken liegend, mich nicht bewegen kann, da ich ja offensichtlich mit Riemen an einem Bett, oder was immer das sein soll, gefesselt bin und da fragst du auch noch, wie ich mich fühle???“
Oh, oh, Frauen, warum müssen die immer gleich so hysterisch werden!
„Blümchen, ich weiß wie es dir geht, mir geht es im Moment genauso, aber ich bin glücklich, dass du wieder unter den Lebenden weilst. Leider kann ich dir nichts Erfreuliches mitteilen, denn ich habe selber keine Ahnung wie wir hier hergekommen sind, noch weiß ich, was uns hier geschehen ist.“
Waldblumes Blick verändert sich und ihre Augen, bekommen einen herzerwärmenden Blick: „Es tut mir leid, Weißohr, ich weiß,dass du nichts dafür kannst und du immer zu mir stehen wirst und mir nie, in keinster Weise, etwas Böses tun wirst. Puh, eigentlich kann ich gar nicht so viel reden, bei den Kopfschmerzen und der Übelkeit.“ Dabei schließt sie die Augen und um ihren Mund entsteht ein kaum sichtbares, ein flüchtiges Zucken.
„Blümchen, mein Vorschlag wäre, die Augen geschlossen zu halten, uns fallen zu lassen und versuchen uns zu entspannen, da wir im Moment nichts unternehmen können, außer abzuwarten.“
„Ja Weißohr, ich will es versuchen.“
Irgendetwas ist mit mir, wahrscheinlich mit uns geschehen. Ich sehe Waldblume, trotz meiner geschlossenen Augen vor mir, als würde sie direkt vor mir stehen, sie ist in meinem Kopf und lässt sich nicht mehr heraus bekommen und das ist mit so viel Liebe und Zärtlichkeit verbunden, wie ich sie so noch nie empfunden habe. Jedes Detail von ihr, Ihre Augen, ihre Ohren, ihr Mund, ihre Hüften, ihre, ja alles, jede Einzelheit, die an ihr zu finden ist, sehe ich vor mir und alle diese schönen Einzelheiten berühren und küssen zu dürfen, erfüllt mich mit so viel Wärme, dass allein der Gedanke daran, ein wohltuendes Schaudern, durch meinen Körper laufen lässt. Dieses Aufwallen der Gefühle, diese liebevollen, warmen Gedanken, kannte ich vorher nicht. Waldblume war da, sie gehörte zu mir und ich gehörte zu ihr und das war so in Ordnung. Sex zu haben war auch in Ordnung, es wurde getan und das war es dann, aber jetzt ist alles anders. Liegt es an meinem, unserem Kopfverband, haben die Flachlandbewohner, mit den weißen Kitteln, etwas in unseren Köpfen angestellt, haben sie unser Gehirn manipuliert? Es scheint so und es macht mir Angst, oder sollte es mich freuen, da es mein zukünftiges Leben, vielleicht total umkrempeln wird? Das zu erfahren würde bedeuten, erst einmal hier heraus zu kommen und damit wären wir wieder an unserem Ausgangspunkt angekommen. Wieso mache ich mir nur soviel Gedanken? Die habe ich mir vorher auch nicht gemacht, da war das Leben für uns ganz einfach gestrickt.
„Waldblume, Waldblume, ich liebe dich.“ flüstere ich.
„Oh mein Stoppelbärtchen, das hast dunoch nie zu mir gesagt, aber obwohl es mich wundert, gefällt es mir. Auch ich habe dich schon eine Weile beobachtet und ich finde Gefallen daran, dich anzuschauen, etwas, das neu für mich ist.“
Plötzlich höre ich Geräusche, die nach Schritten auf einem harten Fliesenboden klingen, auf die Tür zukommen. Ich kann Waldblume noch schnell signalisieren, dass wir uns schlafen stellen sollten, da öffnet sich schon die Tür und durch meine fast geschlossenen Augenwimpern sehe ich einen Engel, einen Engel in einem weißen Kittel hereinschweben und im gleichen Moment hör ich diesen Engel, mit einer freundlichen, melodischen Stimme sagen:
„Hallo ihr Lieben, ich bin Schwester Natascha, wie geht es euch?“ Dann wird sie stutzig, schaut verwundert und spricht zögernd in einem Ton, als wenn sie zu sich selbst sagen würde, "ja spinn ich denn", weiter: „Ihr könnt mich ja gar nicht verstehen.“ Sie kommt zu uns, krault und tätschelt erst Waldblume und dann mich. Irgendwie spüre ich, dass sie es ehrlich meint, dass ihre kleine, herzliche Geste voll Wärme und Mitgefühl, nicht vorgetäuscht ist. Wieso kann ich ihre Sprache verstehen? Bisher konnten wir ihre Worte nicht sinngemäß wahrnehmen, aber wir kannten die unterschiedlichen Tonlagen für Stimmungen, Zorn, Befehle, Traurigkeit und so weiter, jetzt aber verstehe ich den Sinn jedes Wortes, es ist unfassbar, es ist unheimlich,…....oder wunderbar?
„Waldblume, verstehst du auch die Worte der Krankenschwester?“
„Ja, ich verstehe sie und es ist mir schleierhaft, wieso? Weißohr, ich habe Angst, was ist mit uns geschehen?“ „Ich habe auch Angst, aber Schwester Natascha ist bestimmt keine Gefahr und ich werde jetzt versuchen sie anzusprechen.“
„Schwester Natascha!“ Natascha schaut überrascht über ihre Schulter zur der Tür, sieht aber niemand, blickt zurück zu mir, mit einem verwunderten Gesichtsausdruck.
„Ja Schwester Natascha, ich bin es, ich bin in Ihrem Kopf.“ „Wie ist so etwas möglich, wie kann das sein?“
„Das ist ganz einfach, wir Waldbewohner haben telepathische Fähigkeiten.“ „Ha, ha, ganz einfach und wieso Waldbewohner?“
„Wir nennen unsWaldbewohner und euch bezeichnen wir, mit Flachlandbewohner. Soll ich Ihnen erzählen, warum es für uns so einfach ist, mit der Telepathie?“ „Ja, ich bitte darum.“ Sagt sie etwas kurz angebunden.
„Also gut, wie Sie ja als Krankenschwester wissen, wird unser Gehirn von elektrischen Strömen beherrscht und die haben wir uns zunutze gemacht. In einer kleinen Eckeunserer Schaltzentrale, befindet sich eine Art Sender, der unsere Gedanken als Stromwellen durch den Äther schickt und bei Ihnen kommen sie wieder als Worte an und umgekehrt geht es genau so. Jetzt wird es etwas schwieriger, da jedes Gehirn individuell ist, sind auch die Gehirnströme verschieden. Man könnte sagen, jedes Gehirn läuft mit einer anderen Frequenz und wir können diese Frequenzen erkennen und stellen unseren Sender darauf ein. Zwischen uns Waldbewohnern ist es kilometerweit möglich, aber zwischen euch und uns wahrscheinlich nur eine kurze Distanz, weil ihr über keinen eigenen Sender verfügt.“ Natascha schaut mich immer noch sehr verwundert an und fragt: „Wieso versteht ihr unsere Sprache?“
„Das weiß ich auch nicht. Ich vermute, ihre Arztkollegen haben in unseren Köpfen einige Veränderungen vorgenommen.“ Natascha hält sich an meinem Lager fest, als würden ihr die Knie weich werden, holt tief Luft und sagt: „Ich kann es noch gar nicht fassen, es kommt mir vor, als wäre ich in einem schlechten Film. Habt ihr auch Namen?“
„Ja, da drüben liegt meine liebe Frau Waldblume und ich werde Weißohr genannt. Du kannst dir sicher vorstellen warum. Übrigens, du brauchst nicht laut reden, sondern kannst uns die Worte wie wir, über deine Gedanken zu uns schicken.“ „Ihr könnt unsere Gedanken lesen?“
„Nein, nein, so ist es nicht, denn die Gedanken bleiben in eurenKopf, aber wir können sie nur lesen, wenn sie euer Gehirn verlassen und das geschieht nur, wenn Ihr es so wollt uns also mit euren Gedanken direkt ansprecht.“ „Da bin ich ja beruhigt.“ Sagt sie leicht sarkastisch.
Ich frage mich, ob ich ihr vertrauen kann, soll ich sie um Hilfe bitten? Ich sehe zu Waldblume rüber, sie schaut mich an und nickt mir zu und ich lächle zurück:
„O. K., du bist also auch der Meinung, dass wir ihr trauen können.“
„Schwester Natascha, können Sie uns helfen, diese Anstalt zu verlassen?“ Verblüfft schaut sie mich an. „Wie stellt ihr euch das vor?“ Platzt es aus ihr hervor.
„Befreien sie uns von den Fesseln und den Rest der Flucht schaffenwir allein.“ Natascha sieht mich an und schüttelt den Kopf:
„Nein, nein, so geht es nicht, ihr würdet nicht weit kommen, da ihr überall im Hause auffallen würdet. Ich möchte euch ja helfen, da ich meinen Beruf gewählt habe, um für die Patienten da zu sein, egal welcher Rasse sie angehören, was ich überhaupt nicht möchte, mit zu helfen, dass Patienten zu Experimenten und seelischer Folter missbraucht werden. Bitte habt etwas Geduld, ich werde mir etwas überlegen. In der Zwischenzeit besorge ich etwas zum Essen und Trinken, denn ich könnte mir vorstellen, dass ihr in dieser Beziehung, als Objekte, sehr nachlässig behandelt werdet. Noch etwas, es wird in Kürze eine Visite mit Professor Dr. Karl Neihus stattfinden und der Prof. hört sich sehr gerne reden, vielleicht könnt ihr, bei der Gelegenheit, einiges darüber erfahren, was mit euch geschehen ist, aber lasst es keinen wissen, dass ihr uns versteht.“
Ich sehe wie Waldblume dankbar zu ihr rüber schaut und mit einer warmen Stimme zu ihr sagt:
„Danke Natascha, ich darf Sie doch so nennen?“
„Ja, natürlich, sehr gerne und tschüss bis bald.“ Mit diesen Worten und einem Lächeln, dreht sie sich um, stutzt, schaut noch einmal zu uns zurück und sagt mit einem noch wärmer werdenden Lächeln:
„Ein Du wäre auch sehr gut angebracht.“ Mit diesen, leicht unsicher ausgesprochenen Worten, wendet sie sich wieder der Tür zu und eilt aus dem Zimmer.
„Ich hoffe sie kann uns irgendwie helfen.“
„Ja, das hoffe ich auch.“
Es ist die bürgerlichste und bekannteste Gaststätte in der ganzen Stadt. Ihr Name „Springender Hirsch“ und da ist es nicht verwunderlich, dass sich in ihren Räumlichkeiten ein Jägerstammtisch befindet. In einer Ecke des Schankraumes, in der Nähe des Tresens, steht ein großer, massiver, runder Tisch, „Eiche rustikal“. An den Wänden, auf einer beige Leinentapete, hängen Ölschinken mit Jagdszenen und ausgestopften Jagdtrophäen. Diese Trophäen, würden sicher noch viel lieber in der freien Natur umher streifen, als sich hier, im ausgestopften Zustand an einer Wand zu befinden und das nur teilweise, wie der imposante Kopf eines Keilers es demonstrativ dokumentiert.
Um den Tisch herum sitzen 7 Honoratioren der Stadt. Der Herr Bürgermeister Dr. Günter Behrens, ein untersetzter, pausbäckiger Mann, mit einer rötlichen Hautfarbe, die von vielen, kleinen, bläulichen Äderchen durchzogen ist. Seine kleinen, listig blickenden Augen, huschen wieselflink von einem Tischnachbarn, zum nächsten. Seine dicke Hornbrille wird scheinbar allein von der Nase getragen und seine dicklichen Lippen, lassen von Zeit zu Zeit ein leises, schmatzendes Geräusch hören. Seine großen, abstehenden Ohren, ragen aus einem fast kahlköpfigen Schädel heraus. Sein Körper ist in einem weißen Oberhemd, mit einer lila Krawatte verziert und in einem anthrazitfarbenen Sakko gezwängt. Der Optiker Georg Fischer, ist wohl das absolute Gegenteil des Herrn Bürgermeister, er könnte Willhelm Busch als Schneider Böck, Modell gestanden haben und so bedarf es wohl keiner weiteren Beschreibung. Der Schulrektor des Heinrich Heine Gymnasium, Dr. Heinz Janssen, strahlt eine Gelassenheit aus und sein herablassender Blick verdeutlicht, dass er sich in diesem Kreis für den intelligentesten hält. Für Ihn ist der Herr Professor Dr. Karl Neihus kein Genie, sondern nur ein Fachidiot. Durch seine kalten, grauen Augen, den schmalen Lippen und der blonden Kurzhaarfrisur, wirkt die ganze Person sehr dominant. Der Polizeipräsident Marcel Pierer, ist eine imposante Erscheinung, mit den wohl breitesten Schultern in der ganzen Tischrunde. Alles an ihm wirkt grobknochig, seine Wangenknochen, sein Kinn, seine vorstehende Stirn und dies alles wird durch den starkwüchsigen, schwarz glänzenden Harrschopf und den buschigen Augenbrauen verstärkt. Die dunkelblaue Polizeiuniform rundet die ganze, befehlsgewohnte Persönlichkeit ab. Der Förster Eduard Grünwald, ist der sportliche Typ In dieser Runde. Seine braun getönte Haut, ist ein Indiz für häufigen Aufenthalt in der frischen, freien Luft. Seine hageren, aber gleichmäßigen Gesichtszüge, werden durch tiefe Falten zerfurcht, die seinem smarten, freundlichen Erscheinungsbild keinen Abbruch tun. Seine grünen Augen scheinen ständig zu lächeln. Sein Lodenjanker, erinnerte nur ansatzweiße an eine Jägeruniform, gibt seinem Auftreten aber eine elegante Note. Der Industrieunternehmer Stephan Bartels, ist ein hagerer, blassheutiger Typ, in einem teuren, Anthrazit Maßanzug, einem hellblauen Seidenhemd und einer silbergrauer, anthrazitstreifigen Seidenkrawatte. In seinem Gesicht dominiert die große Brille, mit ihrem robinroten Horngestell. Seine ergrauten Haare, werden mit Pomade flach an seinen Kopf angelegt. Seine blauen, stechenden Augen, in Verbindung mit seiner schmalen Nase, geben ihm ein adlerhaftes Aussehen. Der Professor Dr. Karl Neihus, ist bereits allen bekannt.
Diese ehrenwerten Herren, treffen sich zweimal im Monat, einmal abends und einmal, so wie heute, mittags, zu einem ausgiebigen Mittagessen, mit anschließendem Plaudern und in dieser Phase befand sich jetzt die Runde. Der Bürgermeister lässt seinen Blick über jeden einzelnen streifen und fragt: „Was haltet ihr von der unsinnigen Demonstration gegen die Treibjagd?“
„Überhaupt nichts Günter, dass sollten Sie doch wissen“. Meinte Stephan Bartels. „Ihre Einstellung kenne ich zur genüge, aber wie ist es mit euch anderen, zum Beispiel mit Ihnen Eduard?“
„Für mich wurde es höchste Zeit, dass etwas gegen die Treibjagden unternommen wird.“ „Hört, hört“, mischt sich der Polizeipräsident ein. „Haben Sie nicht auch einen Jagdschein?“
„Natürlich habe ich als Förster einen Jagdschein, aber ich habe noch nie an einer Treibjagd teilgenommen, da ich sie grundsätzlich ablehne. Vielleicht komme ich irgendwann einmal mit zu eurem Spektakel und kann bei der Gelegenheit, ein paar Kreaturen vor euren Büxen retten.“ Eduard konnte nicht ahnen, wie bald die letzten, ironisch gemeinten Worte, Wirklichkeit werden sollten.
