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Rose-Marie Braun hat seit 1962 verschiedene europäische Länder, sowie Teile der Türkei bereist und sich auch mit der Geschichte und Kultur dieser Staaten befasst. Ihre erste Reise führte sie als Schülerin in die Schweiz und weiter nach Italien und Frankreich. In den folgenden Jahren reiste sie u.a. nach Prag, Istanbul, Rom, Venedig, San Sebastian und unternahm eine Rundreise durch Irland. Sie erzählt auch von dem gescheiterten Versuch per Autostopp nach Marrakesch zu gelangen. 1972 arbeitete sie als Hostess bei den Olympischen Spielen in München, wo sie den Terroranschlag miterlebte und versuchte die Hintergründe zu finden, sowie Antworten zu geben.
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Seitenzahl: 62
Veröffentlichungsjahr: 2022
Inhaltsverzeichnis
Impressum
Zitat
Vorwort
Sion/Sitten
August 1962 6
Prag/Praha
Ostern 1963 12
Marrakech/Marrakesch
August 1963 14
Stambul/Istanbul
August 1964 16
Venezia/Venedig
Januar 1966 22
Roma/Rom
Ostern 1967 26
Guipuzcoa/S. Sebastian
August 1968 29
Eire/Irland
August 1969 33
Kriti/Kreta
August 1970 41
Salzburg
Dezember 1970 45
Salzburg
Juni 1971 46
München
August/September 1972 48
Amsterdam
August 1974 54
Carcasona/Carcassonne
August 1990 57
Atha Cliath/Dublin
August 2002 59
Dank
Notiz
Impressum
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
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© 2022 novum publishing
ISBN Printausgabe: 978-3-99107-936-1
ISBN e-book: 978-3-99107-937-8
Lektorat: Melanie Dutzler
Umschlagfoto: Stockcube | Dreamstime.com
Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum publishing gmbh
Innenabbildungen: Rose-Marie Braun
www.novumverlag.com
Zitat
„Wann wird man je verstehn“
Vorwort
Geprägt durch den 2. Weltkrieg und die Auswirkungen danach ist der Freiheitsdrang der jungen deutschen Studentin groß.
Die Ära der organisierten Reisen hat noch nicht begonnen und so macht sie sich allein oder mit einer Freundin auf, Europa und seine Menschen zu erkunden.
Es fehlt ihnen zwar an Geld, doch nicht an Unternehmungsgeist, Flexibilität und Anpassungsfähigkeit.
Ihr Interesse gilt der Kultur, der Sprache, den Menschen.
Noch nicht überschwemmt vom Massentourismus und seinen Folgen auch für die Einheimischen, gelingen ihr überraschende Einblicke in das Leben und die Mentalität der Bewohner.
Und es sind die kleinen, ganz persönlichen Erlebnisse und Begegnungen mit den vielen liebenswürdigen und hilfsbereiten Menschen, die sie zur überzeugten Europäerin machen (auch Istanbul, geprägt durch seine tausende Jahre alte Geschichte, gehört zu Europa).
Es bleiben ihr aber die Auswirkungen verfehlter Machtpolitik in der Vergangenheit nicht verborgen und sie frägt sich, warum dies nicht zu Einsicht und Umkehr führt.
Aus den vielfältigen Gesprächen und Erfahrungen bildet sie sich ihre Meinung.
Sion/Sitten
August 1962
Mit 17 hat man noch Träume, da wachsen noch alle Bäume – zwar nicht in den Himmel, aber doch in die Ferne.
Genauer gesagt in den Teil des französisch sprechenden Kanton Wallis mit dessen Hauptstadt Sion.
Sie hat sich mit ihrer Freundin aus Kaufbeuren, der Urheberin des Plans, verabredet.
Als oberbayerisches Mädchen, katholisch, vom Lande, war es anno 1954 nicht einfach, ein Gymnasium zu besuchen. Kaum Fahrverbindungen nach München, wenige Gymnasien.
Eines der wenigen Mädchengymnasien mit katholischem Internat: Kaufbeuren im Allgäu.
Mit ihrer Freundin hat sie Französisch und Latein bevorzugt und während der Studierzeit im Internat heimlich Briefe geschrieben. Sie auf Französisch „Mon cher général“, die andere auf Latein „Ave Caesar“.
Nun hat ihre Freundin über ihren Cousin, Braumeister in Sion, eine Unterkunft besorgt.
Gott sei Dank war es nicht schwierig, die Eltern zu überzeugen, wie wesentlich ein Aufenthalt dort wäre, ein Jahr vor dem Abitur.
Sie treffen sich im Zug in Kaufbeuren, in Zürich steigen sie um. An einem Kiosk im Bahnhof fällt ihnen das Titelblatt einer Zeitung auf. „Marilyn Monroe tot!“ Sie soll Suizid begangen haben. Die bewunderte blonde amerikanische Filmschauspielerin, Sexsymbol einer Generation.
Sie sind fassungslos. „Ist Schein doch nicht Sein?“
Kopfschüttelnd steigen sie in den Zug nach Sion.
Cousin Karl holt sie am Bahnhof ab, bringt sie in das ferienbedingt leere Internat, in dem sie von nun an wohnen. Ein Zweibettzimmer, ein großer Waschsaal und ein Speisesaal, in dem sie ein reichhaltiges Bircher Müsli genießen und ein üppiges Proviantpaket bekommen, jedes Mal mit „Schoki“, sprich Ovomaltine, versehen.
Man bespricht den Aufenthaltsplan. Der gutmütige Karl schlägt vor, sich abends zum Essen zu treffen. In der Zwischenzeit könnten sie Sion und Umgebung erkunden. Da er tagsüber arbeitet und also das Auto nicht braucht, bietet er ihnen sogar dieses an.
Die Freundin, inzwischen Externe, hat zu Hause mit 18 den Führerschein gemacht. Volljährig ist man mit 21. Ihre Mutter aber überlässt ihr öfters den Mercedes.
Der bescheidene Karl dagegen verfügt über einen VW Käfer.
Die nächsten Tage werden Stadt und Umgebung erkundet. Sion, von Felsen und Bergen umgeben, weist eine lange Geschichte auf. Die idyllische Stadt wird überragt von zwei mit Burgen bebauten Felsen. In der Stadt gibt es vieles zu besichtigen: die Cathédrale Notre Dame du Glarnier, das prächtige Renaissance-Rathaus, das Maison Supersaxo und die St. Theodul-Kirche, die nie vollendet wurde. Kardinal Schirner, der Bauherr, wünschte, in dieser Kirche beigesetzt zu werden. Er wollte sich auch zum Papst wählen lassen, doch wie so oft in der Geschichte hat eine Schlacht, hier die von Marignano 1515, die Pläne zunichte gemacht. Übrigens erhielten unter Mitwirkung dieses Kardinals die Schweizer damals das bis heute gültige Privileg, die Schweizer Garde in Rom zu stellen.
Im nahegelegenen Sierre, dem schwefelhaltigen Naturbad, kühlen sich die beiden öfters ab, erhitzen sich aber beim Anblick der gutgebauten männlichen Jugend wieder. Diese, auch nicht uninteressiert, führen Kunstsprünge ins Wasser vor, nähern sich eines Tages an und werfen die Mädchen gegen ihren Willen ins Wasser. Zwei französische Schimpfwörter, die sie gerne benützen würden, wenden sie vorsichtshalber nicht an.
Am 1. August erleben sie den Nationalfeiertag der Schweiz. Ganz ungewohnt für die zwei Deutschen wird dieser Tag sehr ausgelassen und fröhlich begangen. Abends sind die Straßen von Sion voll mit gutgelaunten Menschen.
Deutschland begeht seinen Nationalfeiertag am 17. Juni. Kein Grund für Ausgelassenheit und Frohsinn. Nein, jedes Jahr Anlass für viele politische Reden.
Im Wallis lassen sich die beiden „Maitschlis“, so werden sie öfter angesprochen, von der fröhlichen Stimmung mitreißen.
Eines Tages reift der Gedanke, mit dem Auto nach Genf zu fahren. Der Cousin stellt seinen VW Käfer zur Verfügung, obwohl seine Cousine erst seit einem Jahr den Führerschein besitzt und sehr wenig Fahrpraxis hat.
Gutgelaunt setzen sich die beiden am frühen Morgen ins Auto und fahren ohne Straßenkarte los. Sie wissen nur so viel, dass es immer „geradeaus“ geht, ohne Abzweigungen. Die Beifahrerin verträgt normalerweise das Autofahren nicht. Ihr wird häufig schlecht. Aber diese Fahrt ist so spannend, dass sie an Übelkeit nicht denken kann. Außerdem ist sie damit beschäftigt, der Fahrerin fachkundige Ratschläge zu erteilen.
In Montreux ein Augenblick der Unaufmerksamkeit! Gott sei Dank, der Verkehrspolizist kann sich noch mit einem beherzten Sprung zur Seite retten. Einfahrt in Genf. Prachtvolle Bauten! Sie sind beeindruckt und lassen sich in einem Café am See, in der Nähe der großen Fontäne nieder.
Im Café bestellen sie ein Cola für beide. Der Ober schaut pikiert. Aber viel Geld besitzen sie ja wirklich nicht. Gott sei Dank haben sie nur ein Getränk bestellt, denn beim Bezahlen ist der Schreck groß. Fünf Franken für eine Cola! Ist das menschenfreundlich und völkerverbindend? Sie legen das Geld auf den Tisch. Der Ober murmelt etwas auf Französisch, das sie nicht verstehen. Der Ober wiederholt, was wieder nicht verstanden wird. Dann spricht er Deutsch. „Das ist ohne Trinkgeld“. Doch die beiden rührt das nicht. Bei diesem Preis muss das Trinkgeld dabei sein, denken sie und verlassen das Lokal. Sie bummeln noch etwas an der Uferpromenade, sind begeistert von dem großartigen Panorama und den prächtigen Gebäuden.
Die Rückfahrt verläuft problemlos. Der Beifahrerin wird nicht schlecht. Spät nachts sind sie wieder in Sion.
Am Wochenende beschließt der Cousin, mit ihnen nach Turin zu fahren. Romeo, sein Studienfreund aus Weihenstephan, ist dort Braumeister. Er wollte ihn schon lange besuchen. Diesmal dauert die Fahrt dreieinhalb Stunden. Turin beeindruckt sie mit den breiten, prachtvollen Straßen: Corso Carlo, Corso Roma, Corso Emanuele, ganz anders als die italienischen Städte, die sie kennen.
