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Warten auf das Glück? Wenn man seiner persönlichen Vorstellung von Glück eine Gestalt gibt, wird man wohl auf dieses Glück warten müssen, vielleicht das ganze Leben. Das Glück lässt sich nicht von unseren Vorstellungen bestimmen, nicht in Gewünschtes pressen. Es zeigt sich uns in seinen eigenen vielfältigen Erscheinungsformen, manchmal sogar in der Maske des Unglücks. Die Kunst ist, das Glück zu erkennen und es anzunehmen.
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Seitenzahl: 59
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Die Autorin Beatrice Fabricius-Kaán
Die Künstlerin Wanja Hauser, geb. Koéwa
Vorwort
Bild »Willkommen«
Frühlingssehnsucht
Bild »Warten auf das Glück?«
Abgeerntet
Abschließen
Abschließen 2
Abstellgleis
Adressbuch
Alles oder Nichts
Alt und Jung
Nikolaus
An der Kasse
Bemühen
Beweis
Blatt
Bratwurst
Busfahren
Dachpfannen
Das Beste
Bild »Masken«
Das Haus am Fluss
Bild »Fischerhütte«
Das Kind
Das Tennisturnier
Das Tor zur Hölle
Der Frisör
Glasflügelfalter
Der kleine weiße Kiesel
Der rote Mantel
Der Stern
Diagnose
Die Amsel ist ein einfacher Vogel
Die böse Schwiegermutter
Die Fichte
Die Kugel
Die weiße Wand
Du merkst nicht
Eigentlich
Ein Cent
Eisbecher
Bild »Venedig«
Erfüllung
Bild «Mein Atlantik«
Der kleine Tiger
Ersatz
Bild »Katzenglück (Ersatz)«
Ermahnung
Es ist nie zu spät
Fehler
Feige
Bild »Vor der Klavierstunde«
Fenster
Fliege
Geburtstagsfahrt
Geburtstagswunsch
Geduld
Gehen
Gehorsam
Gepäck
Gitter
Glaube
Glück
Glücksbringer
Heißhunger
Horoskop
Ihr seid das Salz der Erde
Indisches Springkraut
Integration
Ja, aber
Jahresende
Knopf
Kater Moritz
Lassen
Luftblase
M
Masche
Mathematik
Michael und sein Engel
Morgengruß für mein Kind
Multikultur in einem schwäbischen Städtchen
Mystik
Netz
Nichts
Nichts, oder Humor des Schicksals
Noch etwas?
Oft gehört
Ordnung
Recht haben
Plötzlich
Ratten
Requisiten
Rosengarten
Schallplatte
Schatten
Schirm
Schnee
Schön
Selbstbestimmt
Sensation
Sessel
Sich orientieren
Spiegel
Stift
Staub
Bild »Träumerei«
Stufe
Talsohle
Tasse
Tür
Tüte
Und
Verbuchung
Vorbei
Warten
Warum
Weit
Wichtig
Ziel
Zwillinge
Bild »Zwillinge«
Altersweisheit
Bild »Wenn du glaubst du hast das Glück verloren«
Verzeichnis der Bilder von Wanja Hauser
Beatrice Fabricius-Kaán studierte Musik an den Musikhochschulen in Karlsruhe und in Basel. Nach dem Studium spielte sie als Geigerin in großen Symphonieorchestern, in Kammermusikensembles und solistisch. Vor ein paar Jahren tauschte sie den Bogen gegen die Feder und beschreibt seitdem die Spiele des Lebens.
Die in Bulgarien geborene Künstlerin, Wanja Koéwa Hauser, ist Konzertpianistin und erkannte vor fünfzehn Jahren ihre zweite Leidenschaft: die Malerei.
Beeinflusst wurden ihre Bilder durch die klangliche Vielfalt der klassischen Musik.
Noch ein Buch über das Glück!
Darüber gibt es doch schon unzählige.
Warten auf das Glück?
Wenn man seiner persönlichen Vorstellung von Glück eine Gestalt gibt, wird man wohl auf dieses Glück warten müssen, vielleicht das ganze Leben. Das Glück lässt sich nicht von unseren Vorstellungen bestimmen, nicht in Gewünschtes pressen. Es zeigt sich uns in seinen eigenen vielfältigen Erscheinungsformen, manchmal sogar in der Maske des Unglücks.
Die Kunst ist, das Glück zu erkennen und es anzunehmen.
Vielleicht entdeckt es die Leserin oder der Leser auch in den kurzen, meist vom Leben diktierten Texten dieses Buches und in den Bildern von Wanja Hauser, von denen manche in Bezug zum Text, andere ganz frei für sich stehen.
Beatrice Fabricius-Kaán
Ich warte auf das Glück.
Heute kam es nicht,
vielleicht morgen?
Ich sehe die Knospen an den Bäumen.
Die ersten Blumen wiegen ihre weißen und gelben Blüten
in der klaren kühlen Luft.
Es atmet die Natur in seliger Erwartung.
Ich warte auf das Glück.
Heute kam es nicht,
vielleicht morgen…
Was tun, wenn man die Früchte seines Lebens gegeben hat,
die Kindheit in Träume gleitet und die Zukunft schwindet?
Ich betrachte die Bäume in ihren farbigen Gewändern,
Sonne trinkend, hingegeben an das Leben,
schenke die bunt beschriebenen Lebensblätter dem Herbstwind
und atme Freiheit.
Warum?
Das Fahrrad, aus Angst, dass es jemand wegnimmt
Das Haus, aus Angst, dass jemand einbricht
Das Tagebuch, aus Angst, dass es jemand liest
Immer ist es die Angst,
die abschließen lässt,
die mich abschließt,
mich mit den Dingen in sich einschließt
Geht es anders?
Mir fehlt der Mut.
Was für ein wunderbares Wort! Fertig sein, fertig mit etwas, für das ich mir die größte Mühe gegeben und Tag und Nacht gearbeitet habe. Nun ist es erfolgreich abgeschlossen. Ein so glückliches, erhebendes Gefühl! Auf dem Siegertreppchen ganz oben!
Und jetzt?
Ich schaue aus dem Zugfenster und sehe auf einem Abstellgleis einen verrosteten, ausrangierten Wagen, auf den jemand »I keep running« gesprüht hat.
Ein alter Mann geht mühsam, auf seinen Rollator gestützt am Gleis entlang, liest es, lächelt und setzt seinen Weg mit gestärkter Haltung und mutigen Schritten fort.
Ich schaue in mein Adressbuch, um niemanden bei der Weihnachtspost zu vergessen. Soll ich Mira schreiben? Mira und ich haben uns auseinandergelebt. Wenn wir uns treffen, erzählt sie nur von ihren Problemen, immer die gleichen! Nein, Mira will keine Lösungen. Die Probleme gehören zu Miras Leben und sie kämpft dafür, sie zu behalten. Ein selbst gestaltetes frohes Leben verbannt sie aus ihrem Denken.
Ich blättere weiter. Die vielen Namen, die nicht mehr existieren, die ich aber nicht aus meinem Adressbuch ausstreichen wollte, zeigen mir, wie kurz das Leben ist.
Ich schreibe Mira nicht, ich schreibe ein neues Adressbuch.
Alles oder das Gegenteil Nichts? Für den Menschen gibt es beides nicht. Er kann unmöglich alles haben, erkennen, wissen, und er kann ebenso unmöglich nichts haben, nichts erkennen oder wissen. Das Alles oder Nichts ist also meist partiell gemeint.
Lassen wir deshalb das Alles oder Nichts bei den Worten. Strahlen, wenn wir das Wort »alles« hören und lassen die Schultern und Mundwinkel hängen bei dem Wort »nichts«.
Ansonsten leben wir wie bisher, mit wenig oder mit viel.
Von ihrem Sohn ständig darauf angesprochen, was sie in ihrem Alltag alles besser machen könnte, antwortete die Mutter: »Mein Sohn, ich war schon einmal jung, aber du warst noch nie alt!«
Nach diesem Satz wandelte sich die Ungeduld des Sohnes in Aufmerksamkeit.
Er hatte mein Nikolauskostüm in der Kommodenschublade gefunden, mein kleiner Sohn Sascha. Mit wechselndem Gesichtsausdruck von Fragen, Enttäuschung, Wut und Tränen verlor er den Glauben an den heiligen Mann. Verlor auch ich meine Glaubwürdigkeit Sascha gegenüber? Zärtlich nahm ich Sascha in die Arme, erklärte ihm, dass ich mich zu Ehren des heiligen Nikolaus verkleidet hatte, um an diesen gütigen Mann zu erinnern, der zu Lebzeiten die Bewohner einer ganzen Stadt vor dem Verhungern gerettet hatte und besonders die Kinder liebte. Erst wenn man fünf Jahre alt ist, so wie Sascha es bald sein wird, können Kinder die Geschichte begreifen. Für jüngere Kinder spielt man den Nikolaus, denn Erleben kommt vor dem Verstehen.
