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An dem Tag, an dem der Professor in mein Café kam, begann ein neues Leben. Als er mich verließ, zerbrach ich in 1000 Teile. Doch die Liebe findet immer einen Weg.
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Seitenzahl: 126
Veröffentlichungsjahr: 2021
WARUM ICH?
Juliette Marqu
© 2021 Anjelika Leonhard
Umschlaggestaltung: Rando Geschewski
978-3-347-33379-6 (Paperback)
978-3-347-33380-2 (Hardcover)
978-3-347-33381-9 (e-Book)
Verlag & Druck: tredition GmbH, Halenreie
40-44, 22359 Hamburg
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen
Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.
PROLOG
Die Liebe saß am Tisch. Sie war sehr schön, aber auch sehr böse. Um sie herum schien eine dunkle Aura zu wogen. Sie legte die Karten aus und spielte mit menschlichen Schicksalen. Die Liebe selbst war immer eine Karte gewesen. Sie war mit dem Glück nicht vertraut. Um sie herum herrschte nur Stille. Einsamkeit umgab die Liebe und in dieser Einsamkeit krochen die Schattenarme der Dunkelheit auf sie zu. Bei schrecklichem Wetter hörte sie durch den Donner, dass Glück zu ihr kam. Ganz in Weiß mit weißem Hut betrat das Glück das Zimmer. Daraufhin begann die Liebe plötzlich zu strahlen. Die Wärme füllte den Raum und die dunkle Aura verschwand leise durch die Tür.
Das Glück setzte sich an den Tisch neben der Liebe und lächelte leise.
»Komm schon, Liebes, du bist müde, genug ist genug! Genug von dieser Qual! Jetzt bin ich da, bei dir, dein bester Freund!«
Die Liebe umarmte das Glück. »Oh, wie lange habe ich auf dich gewartet! Wo warst du denn? Ich existierte ohne dich nicht! Ich lebe ohne dicht nicht. Stattdessen versuche ich nur zu überleben …«
Das Glück umfasste die Schultern der Liebe. »Ich bin jetzt bei dir. Liebe, lass uns gehen!
Wo ich lebe, ist es einfacher. Wir werden menschliche Wege gehen, allen Menschen Glück und Liebe geben! Wo ich bin, dort freuen sich alle auf mich!
Liebes, gib mir bitte dein Hand.« Die Hände von Glück und Liebe vereinten sich daraufhin. Und seitdem gehen Liebe und Glück einen geraden Weg, ohne Hindernisse. Sie gehen durch Schmerz und Leidenschaft. Und sie suchen Frieden für die Liebe.
TANZENDES LICHT
Ich öffne meine Augen und sehe meinen Mann, Professor Doktor AJR.
Staub tanzt in den Lichtsäulen, die die Jalousien auf dem Boden zeichnen. Der Raum ist weich in den ersten Stunden des Tages. Ich wende mich ihm zu und betrachte still seine Züge, die ich so sehr liebe.
Seine Augen sind geschlossen, er schläft. Auch wenn er schläft, verliert er nichts an seiner Stärke. Ich sehe ihm gerne beim Schlafen zu, beobachte, wie sich sein Körper regelmäßig hebt und wieder senkt. Ich achte auf jedes Atemgeräusch von ihm.
Er strahlt so eine immense Ruhe und Zufriedenheit aus. Ich fühle mich wohl und geborgen in seiner Gegenwart. Ich weiß, dass mir mit ihm an seiner Seite nichts passieren kann. Er würdest es nicht zulassen, dass jemand mir weh tun würde. Seine Brauen sind seine Markenzeichen, sie sind dunkel und zusammengewachsen.
Schwarze Haare umranden sein Gesicht. Seine Gesichtszüge sind sehr kantig, das verleihet seinem Gesicht Männlichkeit und Attraktivität. Ich schaue ihn gerne an und denke an die Zeit meiner ersten Begegnung mit ihm zurück oder genauer gesagt an unseren ersten Blickkontakt. An diesem Abend begann unsere Geschichte.
DER AUGENBLICK
Ich erinnere mich an jedes Detail unserer ersten Begegnung. Ich arbeitete damals in einem französischen Restaurant. Das Restaurant teilte sich auf zwei Etagen auf. Auf der ersten Etage befanden sich der Gastraum und die Küche. Auf der zweiten Etage folgte ein weiterer Gastraum, die Gäste-Toilette, das Getränke-Lager und Personal-Räume. Mein Bereich befand sich auf dieser zweiten Ebene.
An diesem Tag verlief die Arbeit ohne besondere Ereignisse, es war Routine. Ich begrüßte die Gäste und begleitete sie zum Tisch, nahm ihre Bestellungen auf und hielt hier und da Smalltalk.
Ein Pärchen saß in der Nähe des Fensters, ihre Liebe umgab sie wie ein heller Lichtschein.
Er war ein Franzose und sie war eine Deutsche. Fasziniert betrachtete ich sie, während ich die Gäste an den benachbarten Tischen bediente. Sie sah zauberhaft aus mit ihrem langen blonden Haar, so zerbrechlich in ihrem Wesen und doch zeigte sie viel Stärke durch ihre Haltung. Ihre makellose Haut erschien ungewöhnlich glatt.
Ihre Hände mit langen Fingern waren so grazil, man könnte annehmen, sie spielte Klavier.
Sie erinnerte mich an eine Fee.
Ihr Mann sah aus wie der französische Schauspieler Pierre Louis Baron Le Bris.
»Welchen Wein können Sie uns empfehlen?«, fragte er mich und seine dunklen, durchdringenden Augen richteten sich auf mich.
Ich geriet in das Stottern, vielleicht weil er Franzose war und ich nicht und dieser Umstand am Ende mehr wog als meine Weinkenntnisse.
Ich ratterte die Weinliste herunter und sie schenkte mir ein bezauberndes Lächeln und sagte: »Wir nehmen den süßen Roten. Mir ist heute so danach …«
Er strahlte sie an und griff nach ihrer grazilen Hand und auf einmal schien es nur noch die beiden auf der Welt zu geben und ich fühlte mich so einsam wie nie zuvor.
Ich ging zur Kasse, um die Bestellung einzugeben, und sah einen Mann am Fenster stehen. Er unterhielt sich mit einem anderen Mann.
Unsere Blicke trafen sich und mir stockte der Atem. Feuer loderte in seinen nachtschwarzen Augen, verschlang mich, nahm mich in sich auf und entrückte mich der Welt. Ich versuchte, mich auf meine Bestellung zu konzentrieren, aber etwas Mächtiges hielt mich zurück. Ich konnte meinen Blick nicht von ihm lösen. In diesem Moment nahm ich nichts mehr wahr. Es war wie in einem Film, wenn dieser angehalten wurde und niemand sich bewegte. Dieser Moment hielt einige Sekunden an.
Mit zitternden Händen nickte ich ihm zur Begrüßung zu und hielt die Luft an, ohne es zu merken.
Irgendwann schnappte ich wieder nach Luft.
Er lächelte. Es war ein dezentes, höfliches Lächeln.
In den Moment kam es mir so vor, als würde ich ihn schon Ewigkeiten kennen, aber ich wusste nicht woher!
Er war mindestens 1.90 m groß. Seine breiten Schultern verengten sich zu schlanken Hüften, die in muskulöse Beine übergingen.
Seine Hände waren lang und wirkten dabei überaus grazil und sehr gepflegt, was irgendwie nicht zu einem so großen Mann passen mochte.
Wie alt er wohl sein mochte? Die feinen Falten um seine Augen vermitteln mir einen Hauch von Alter, doch in seinem Blick liegt eine so jugendliche, kraftvolle Energie, dass er seltsam alterslos erscheint.
Während meine Augen ihn von Kopf bis Fuß abtasteten, lag sein Blick beständig und fest auf mir.
Ich ertappte mich bei der Frage: Warum hatte ich so ein vertrautes Gefühl bei seinem Anblick?
Es gab zwei Möglichkeiten.
Die Erste: Ich träumte von diesem Mann, immer und immer wieder und deswegen kamen mir seine Züge so bekannt und die Augen so vertraut vor! Die zweite Möglichkeit war: In einem anderen Leben waren wir ein Paar gewesen!
Egal, welche der beiden Möglichkeiten stimmte, eines stand fest: Wir beide gehörten zusammen.
Er ist mein Mann, mein Löwe, mein König, schoss es mir durch den Kopf, ein beunruhigender Strudel aus Gedanken, den ich kaum zu kontrollieren vermochte.
Ich habe ihn schon immer geliebt – nicht weil ich ihn lieben will, nein, dieser Weg war uns sicher vorherbestimmt, dachte ich weiter, während ich meine Augen nicht von ihm abwenden konnte. Das Herz verlernt zu schweigen, es bleibt niemals still, denn mit ihm habe ich so viel Schönes dazugewonnen.
Er war schon immer mein Glück und ich war immer schon seine Liebe gewesen, dachte ich. Das war der Augenblick, in dem ich mich in ihn verliebte und er ist mir kostbarer als alles Gold dieser Welt. Ich kann mich kaum beherrschen, ihn nicht zu berühren …
Voller Liebe und Zuneigung streichele ich ihm durch das Haar und über das Gesicht. Mit seinen 59 Jahren sieht sein Gesicht noch glatt und strahlend aus.
Ich zeichne mit den Fingerspitzen die Konturen seines Gesichtes nach und küsse ihn auf die Stirn. Ich küsse seine Augen, Wangen, seine Lippen und seinen Mund. Ich beobachtete, wie er langsam erwacht. Er öffnet kurz seine Augen, um mich anzuschauen. Ich küsse ihn auf den Mund und er erwidert den Kuss.
Ich schmiege meinen Körper an seinen. Mit meiner Hand gleite ich an seinem Körper seitlich entlang nach hinten, um dann seinen Schenkel streicheln zu können. Ich spüre seine Haut unter meinen Fingerspitzen, fahre weiter nach hinten, bis ich seinen Po erreicht habe. Ich drücke ihn sanft und kraule dann mit den Fingernägeln über die Haut. Ich spüre seinen heißen Atem leicht keuchend an meinem Hals.
Ich spüre seine zärtlich fordernden Hände. Ich massiere sanft seinen Schaft, umfahre den Rand der Spitze mit den Fingern und nehme die andere Hand hinzu, um auch seine Kronjuwelen streicheln zu können.
Seine Lippen berühren meine und wir beginnen die Reise ins Wunderland …
Wir haben beide die Augen geschlossen und genießen diese Momente der absoluten Erfüllung.
Nur langsam beruhigt sich unser Atem und auch unseren Herzen schlagen wieder ruhiger, als er seine Augen öffnet und mich betrachtet.
Der Professor sagt nichts. Er küsst meine Lippen erneut, bevor sich seine Augen schließen und er erschöpft wieder einschläft.
BEGEGNUNG
Ebenso detailreich erinnere ich mich noch genau an unser zweites Date.
Nach vier Wochen voller Absagen und Verschiebungen traute er sich doch noch, ein Treffen auszumachen.
Der Tag war wunderschön, die Sonne hatte mich den ganzen Tag begleitet. Und ich freute mich riesig auf den Abend.
Die ganze Zeit versuchte ich, nicht auf mein Handy zu schauen. Der Professor schrieb nicht so gerne und wenn schon, dann ging es nicht um Small-Talk. Seine Nachrichten waren stets kurz und sachlich.
Ich stand schon seit Stunden vor dem Kleiderschrank und wusste nicht, was ich anziehen sollte. Hose oder doch Kleid? Ich wollte beim Professor durch meine Kleidung eine gewisse Zurückhaltung demonstrieren und trotzdem sexy aussehen.
Am Ende entschied ich mich für ein Seiden-Minikleid in Blau von Dorothee Schumacher und dazu passende dezente Sandalen, die meinen Look komplett machten.
Meine Freundin sagte immer zu mir, ich könne alles tragen. Und wenn ich mich eines Tages für einen Sack entscheiden sollte, würde ich trotzdem fabelhaft aussehen.
Der eine oder andere hätte schwören können, dass ich viel Ähnlichkeit mit Angelina Jolie habe. Ich lachte immer darüber.
Die Haare hatte ich zu einem Pferdeschwanz gebunden und so kamen meine Wangenknochen noch mehr zu Geltung.
Mein Herz begann zu flattern.
Mit einem nervösen Kribbeln im Bauch ging ich durch die Straßen und näherte mich seinem Haus. Das Wetter war wechselhaft, Sonne und Regen folgten binnen weniger Minuten aufeinander, so als fühlten die Elemente, was in meinem Inneren vorging. Sein Haus lag in einer der besseren Gegend der Stadt, vornehm, aber nicht dekadent, stilvoll, aber nicht exaltiert, ganz wie die Persönlichkeit des Professors, die ich zu jenem Zeitpunkt nur mit sehnsüchtigen Blicken erahnen konnte.
Mir wurde kalt und mein Körper fing an zu zittern. Das Herz blieb mir fast stehen, als Professor die Tür öffnete.
Von mir stand Professor, groß und schneidig wie ein Märchenprinz.
Schnell riss ich mich zusammen.
Ich versuchte, mir meine Aufregung und Freude nicht anmerken zu lassen. Mit einem Lächeln trat ich ein.
Ich hätte laut schreien können vor Glück, dass ich das erleben durfte, das ich ihn erleben durfte! Professor stand einfach da. Er war so real.
Dieser Mann strahlte Klasse und Stil aus.
»Guten Abend, Professor, es ist schön, Sie zu sehen. Ich habe uns Wein mitgebracht«, sagte ich leise. Seit jenem Moment sprach ich ihn nie wieder mit seinem Namen an, sondern nannte ihn stets »Professor« und er ließ es sich gerne gefallen.
»Hallo«, seine Lippen verzogen sich zu einem Lächeln. »Perfekt!«, hörte ich seine vertraute Stimme.
Seine Blicke glitten über meinen Körper, doch ich tat so, als würde ich das nicht bemerken.
Der Professor sah sehr gut aus, einfach hinreißend! Jedes Wort, das er sagte und jede Bewegung, die er machte, waren einfach perfekt. Ich war hin und weg.
Sein Zuhause war voll dezenter Eleganz, ein zeitloses, dunkles Ledersofa, ein teurer Designertisch, ein Schreibtisch aus antikem Tropenholz. Gierig sog ich jedes Detail in mich auf, in der Hoffnung, seinem Zuhause so all seine Geheimnisse entlocken zu können.
Nervös nestelte ich an meiner Kleidung herum. Unruhe erfasste mich, durchdrang mich ganz und gar und ich konnte es kaum erwarten, das erste Glas Wein zu trinken.
Ich setzte mich, während Professor die Flasche Wein aufmachte. Er schenkte zwei Gläser ein, ohne auch nur einen Tropfen zu verschüttet, und dann setzte er sich zu mir auf das Sofa. »Sehr nett«, befand er schließlich und lächelte mich an.
»Sehr nett?«, wiederholte ich. »Was wollen Sie damit sagen?«, fragte ich überrascht.
»Der Wein schmeckt fantastisch!«, erwiderte er. Wir genossen den Wein und versuchten beide, nicht nervös zu wirken.
Ich stellte viele Fragen, mein Interesse galt ihm, ich wollte mehr über ihn erfahren. Wir unterhielten uns, der Inhalt unserer Worte spielte keine Rolle, es ging nur darum, in seiner Nähe zu sein, seine Stimme war so kraftvoll und charismatisch, ich konnte ihm stundenlang zuhören.
Für den Abend hatte ich mir etwas vorgenommen und wollte unbedingt meinen Plan durchführen. Wer weiß, vielleicht würden wir uns niemals wiedersehen, dachte ich.
Ich fragte Professor: »Was denken Sie, Professor, nach was würde ich schmecken, wenn Sie Gelegenheit hätten, mich zu kosten?«
Seine dicke, schwarze Braue hob sich zu einem angedeuteten Fragezeichen. Ein Lächeln flatterte um seine Mundwinkel. »Ich weiß es nicht!«, sagte der Professor und sein Blick war immer noch auf mich gerichtet.
»Professor, lassen Sie Ihre Fantasie spielen!«, sagte ich mit breitem Lächeln. Professor sagte nichts. Unsere Blicke trafen sich.
Nach einer halben Ewigkeit flüsterte ich: »Ich würde Sie jetzt küssen, Professor!«
Ganz heiser, fast kaum zu hören, sagte Professor: »Aber nur einen kleinen Kuss …«
Schließlich trafen sich unsere beiden Münder zu einem sinnlichen Kuss.
Ich küsste seine Lippen ganz zart, um dann mit der Zungenspitze darüberzustreichen. Mit leisem Seufzen erwiderte er die Küsse. Seine Zunge suchte sich einen Weg vorbei an den Zähnen in die heiße und feuchte Höhle. Dort wartete meine Zunge auf die seine und sie begannen sich leicht kreisend zu umspielen.
Dann begann unsere Reise – wir küssten uns, seine Küsse waren bereits voller Leidenschaft.
Der Professor konnte sehr gut küssen, ich denke, er ging von Natur aus mit allem sehr vorsichtig um, das erkannte man auch daran, wie seine Lippen meine berührten.
Daran, wie seine Zunge vorsichtig meine Zunge berührte. Ich berührte sein Gesicht, nahm es zärtlich in meine Hände. Mit meiner Hand fuhr ich nun liebevoll die Konturen seines Gesichtes nach – strich dann zärtlich über seinen Lippen. Hingebungsvoll küsste ich seine Fingerspitzen. Schließlich schob ich meine Hand zu seinem Nacken und zog ihn zu mir heran, um leicht über seine Lippen zu fahren.
Immer und immer wieder küsste ich ihn.
Ich tastete mit meinen Fingern seine Brauen und seine Nase sowie seine Lippen ab. So ein markantes Gesicht hatte ich in meinem Leben noch nie gesehen.
