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Die gewaltigsten Gefühle blieben unempfunden ohne die Liebe. Nichts ist so stark wie sie. Und nichts entfaltet solch eine zerstörerische Kraft, wenn wir enttäuscht werden. 6 Kurzgeschichten erzählen von den Schattenseiten erotischer Anziehung, von Zurückweisung, Lüge, Eifersucht und Gewalt.
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Seitenzahl: 34
Veröffentlichungsjahr: 2021
6 Kurzgeschichten über die Schattenseiten der Liebe
Die gewaltigsten Gefühle blieben unempfunden ohne die Liebe. Nichts ist so stark wie sie. Und nichts anderes entfaltet solch eine zerstörerische Kraft, wenn wir enttäuscht werden. Die Geschichten erzählen von den Schattenseiten erotischer Anziehung, von Zurückweisung, Lüge, Eifersucht und Gewalt.
Babette Stein unterrichtete 20 Jahre als Grundschullehrerin. 6 Jahre arbeitete sie als Fachleiterin im Studienseminar für die Primarstufe in Essen und bildete Lehrkräfte im Fach Deutsch aus. Sie lebt mit ihrem Sohn in Witten (Nordrhein-Westfalen). "Was hast du je versucht?" ist ihre erste Veröffentlichung.
Mit sanftem Rauschen glitt das Kanu in dem schmalen Wasserarm dahin. Flussabwärts fiel das Paddeln leicht. Die Äste der Bäume ragten links und rechts weit bis auf das Wasser, sodass sich ein Dach aus grünem Laub bildete. Gabriela schaute sich an, wie die Sonne im Blätterwerk spielte. Endlich Ruhe! Zuhause stapelte sich die Arbeit auf dem Schreibtisch, doch es war höchste Zeit, dass ihr Mann und sie wieder einmal ein Wochenende für sich hatten.
An einer seichten Stelle, kurz bevor der Wasserarm in den Fluss mündete, lichtete sich der Bewuchs. Sie legten an und bauten ihr Kuppelzelt auf einem Stück unbewaldeter Wiese auf. Als es dunkel wurde, saßen sie auf ihren Isomatten und vor ihnen knisterte ein kleines Feuer. Nach einem ganzen Tag an der frischen Luft schmeckte das einfache Abendessen aus Brot, Käse und rotem Landwein wie eine Delikatesse. Gabriela war danach, sich bei Dirk anzuschmiegen. Fast hätte sie es getan, aber sein Anblick ließ sie zurückweichen. Außer den tanzenden Flammen, die sich in seinen Augen spiegelten, regte sich nichts in seinem Gesicht. Sie fröstelte und hüllte sich fester in ihre Decke.
„Die Tour ist wunderschön“, flüsterte sie, um ihn aus seiner Versteinerung zu wecken.
Ihr Mann drehte sich zur Seite, griff nach einem dünnen Ast und legte ihn ins Feuer.
„Wenn wir nicht gefahren wären“, sagte Gabriela, „würde ich jetzt Klassenarbeiten korrigieren und du wärest mit deinen Freunden unterwegs.“
Er nickte nur. Dann packte er die restlichen Lebensmittel zusammen.
Eine halbe Stunde später lagen sie im engen Zelt. Gabriela fühlte die Wärme, die Dirks Körper ausstrahlte. Das tat so gut. Sie griff unter die Decke, um seine Haut zu spüren.
„Schatz, morgen ist ein anstrengender Tag“, sagte er.
Gabrielas Magen krampfte zusammen. Sie drehte sich wortlos um und schloss die Augen. Früher konnte ihr Mann nicht genug von ihr bekommen, Aber jetzt? Arbeit, Kinder und Haushalt! Ein reibungsloser Ablauf, das war anscheinend alles, was er von ihr erwartete. Gabriela strengte sich an, sich zu erinnern. Hatte er genervt ausgesehen, als sie ihn mit der fertig geplanten Paddeltour überrascht hatte? Begeistert war er auf jeden Fall nicht gewesen. Vergeblich versuchte sie, die Gedanken aus ihrem Kopf zu vertreiben und Ruhe zu finden.
„Ich kann so nicht weitermachen.“ Dirks Stimme durchschnitt die Stille.
„Ich weiß.“, antwortete Gabriela schnell. „Wir haben zu wenig auf uns geachtet. Lass uns wieder öfter etwas zusammen unternehmen. Die Kinder übernachten manchmal gerne bei Freunden. Wir könnten ein Wellnesswochenende machen, ja? Nur wir beide.“
„Gabriela, ich… ich liebe dich einfach nicht mehr.“
Sie starrte ins Dunkele. Die Hand, mit der sie ihn eben noch so gerne berühren wollte, fühlte sich an, als gehöre sie nicht zu ihr.
Er richtete sich auf. Seine Stimme klang gepresst. „Ich habe alles versucht. Wirklich! Aber...“ Er sprach den Satz nicht zu Ende.
Gabriela betrachtete die Silhouette, die sich vor dem hellgrauen Stoff des Zeltes schwarz abzeichnete. Er saß kerzengerade und angespannt da. Dann streifte er ruckartig die Decke ab, klemmte sie sich unter den Arm und packte die Isomatte.
„Wir haben morgen noch etwa drei Stunden Tour vor uns bis zur nächsten Station. Dort können wir das Kanu zurückgeben und uns abholen lassen. Ich schlafe draußen.“
