7,49 €
Liebe, es gibt so viele Formen davon in dieser Welt. Es gibt so viele Formen der Liebe wie es Formen der Lieblosigkeiten gibt. Manchmal halten wir die Lieblosigkeiten der anderen für Ängste die sich in den tiefen unseres Gegenübers tummeln, bloß um uns selbst die ein oder andere Tatsache schön zu reden. Es gibt Menschen, die Liebe dem Besitztum gleichsetzen und jene die sich anderen unterwerfen aus Angst nicht zu genügen. Es gibt Liebe die ist recht schaffend und aufopfernd. Es gibt Liebe die ist beständig und verlässlich. Es gibt Liebe die ist aufregend und fesselnd.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2014
DIANDRA VOIGT
was ich
über die
Liebe
weiß
DIANDRA VOIGT
was ich
über die
Liebe
weiß
Roman
Das einzige das uns begrenzt
ist der Tod.
Liebe, es gibt so viele Formen davon in dieser Welt.
Es gibt so viele Formen der Liebe wie es Formen der Lieblosigkeiten gibt. Manchmal halten wir die Lieblosigkeiten der anderen für Ängste die sich in den tiefen unseres Gegenübers tummeln, bloß um uns selbst die ein oder andere Tatsache schön zu reden.
Es gibt Menschen, die Liebe dem Besitztum gleichsetzen und jene die sich anderen unterwerfen aus Angst nicht zu genügen.
Es gibt Liebe die ist recht schaffend und aufopfernd.
Es gibt Liebe die ist beständig und verlässlich.
Es gibt Liebe die ist aufregend und fesselnd.
„Das Internet,“ sagte ich neulich zu meinem Mann, „dass macht die Jugend heutzutage doch ganz krank.“ Er nickt verständnisvoll, hat er doch schon lange beobachtet, wie unsere Tochter, im Internet nach der großen Liebe gesucht und immer enttäuscht wurde und unsere Enkelin nicht länger als fünf Minuten das Handy das sie jetzt smart oder so nennen aus der Hand legen kann.
„Immer gucken die jungen Leute nur noch auf diese Dinger,“ sagt er zu mir, „als würde ihr Leben davon abhängen.
„Sie nennen ein Leben ohne die Teile kompliziert und merken gar nicht wie schön die Ruhe sein kann, wenn man sie kennt.“
„Ja,“ seufze ich und blicke meinen Mann an, der schon so lange mein Mann ist das ich gar nicht mehr weiß wie es ohne ihn gewesen ist, ich erkenne in ihm immer noch die Jugendlichkeit wie vor 50 Jahren. „Das Internet macht Liebe zu einer Ware und die Singleseiten machen Menschen zu Maschinen. Es ist so unsagbar traurig aber sie merken es nicht.“
„Weißt du noch wie wir uns damals kennengelernt haben?“ Fragte er. „Ich habe dich angesehen und du hast mir gefallen und dann sind wir zum Tanzen gegangen. Damals gab es doch immer diese Tanzabende in der Teestube in deiner Nachbarschaft, heute gehen sie in Diskotheken in denen sie sich anfassen aber nicht reden können, weil die Musik so laut ist.“ Ich beginne zu lächeln, denn in meinem Kopf tanzen die Bilder unserer ersten Begegnung Walzer.
„Ja ich erinnere mich, wir sind von da an nie mehr getrennte Wege gegangen. Du bist bei mir geblieben und hast nie nach einer anderen gesehen.“
„Stimmt, weil du das beste bist was mir passieren konnte und weil ich wusste was für ein Glück ich mit dir habe. Heute suchen sie doch immerzu nach einer alternative, nach der Auswahl und noch mehr unbedeutenden Dates die ins Leere Laufen.“
„Ich bin froh das ich nicht mehr in diesem Alter bin,“ sagt seine Frau, „mir ist das alles zu kompliziert ich komme da gar nicht mehr hinterher und ich bin froh das ich dich habe und das wir wissen was wir aneinander haben.“
- 3 Tage, 4 Stunden und 24 Sekunden später hat mein Mann für immer die Augen geschlossen. Seine Arme hatte er um mich geschlungen und als der Tod in Lebensgröße vor ihm stand, war er bereit zu gehen, weil er nicht alleine war und weil er wusste, dass ich nachkommen werde, eines Tages. Ich vermisse ihn jeden Tag, aber ich bin dankbar für die Zeit mit ihm.
Wie lange sie sich schon kennen, weiß sie gar nicht mehr und es ist ihr auch egal, genauso wie er ihr immer schon egal gewesen ist, wenn sie ihn nicht gerade aus der Tiefe ihres Herzens gehasst hat und so egal war er ihr eigentlich auch nie, er hat sie genervt, gestört, angewidert.
Sie sind zusammen in eine Klasse gegangen, sie haben Referate miteinander halten müssen und sich dabei keines Blickes gewürdigt. Warum sie sich nicht leiden können wissen sie beide nicht. Aber es gibt diese Menschen, die man ohne Grund auf den ersten Blick abgrundtief scheiße findet.
Er hasst ihre Art zu lachen und er kann es nicht leiden, wenn sie da im Kreis ihrer Freundinnen gestanden hat und über dieses Mädchenzeug geredet hat, als würde es die Welt bedeuten.
Sie findet alles was er liest langweilig und er findet alles was sie hört zu weich gespült.
Er mag es nicht wie sie genervt ausatmet, wenn irgendwer etwas sagt, das sie nicht interessiert, sie mag es nicht, wie er die Augen verdreht, wenn er irgendetwas nicht versteht.
Sie sind sich aus dem Weg gegangen aber das Leben wollte es anders, sie arbeitet in der Firma gegenüber von seiner. Mia sieht ihn in jeder Mittagspause. Sie hat für eine Weile aufgehört rüber in das Bistro zu gehen nur um ihn nicht sehen zu müssen, aber er hat im selben Moment beschlossen ebenfalls nicht mehr dorthin zu gehen und schon sahen sie sich wieder. Wenn Blicke töten könnten...
...können sie aber nicht...
Aber da war dieser Hass, diese abgrundtiefe Abneigung.
Sie ist mit zu seinem Auto gegangen und er hat sie gefickt als wollte er sie zerstören.
Danach wusste sie gar nicht wie es überhaupt dazu kommen konnte, was ist in der Zwischenzeit passiert? Nach dem Blick und vor dem Sex? Sie wissen es nicht. Es war eine Kraft die nichts mit ihrem wollen zu tun gehabt hat. Es war Zerstörung und Leidenschaft und Abneigung und diese Mischung war so gut, dass sie ihre Mittagspause von nun an mit der Zerstörung des anderen verbrachten ohne sich zu schaden.
- Es lief über vier Monate so, dann war das Feuer erloschen der Hass war aufgebraucht. Plötzlich fanden sie sich sympathisch und es verschreckte sie, sie wollten sich nicht mögen, sie hatten nie wieder diesen Sex der beinahe an Gewalt grenzt und dann blieb nichts weiter außer nett. Wenn sie sich heute begegnen nicken sie sich zu. Es ist neutral. Alles was geblieben ist.
Wenn du mir erzählst, dass ich die 5, 10, 20 Frau in deinem Leben sein würde, werde ich es wohl nie sein können.
Du kannst nicht beliebig oft deine Partnerinnen wechseln. Du kannst ein „Ich liebe dich“ nicht unzählige Male an völlig andere Frauen richten und dann erwarten, dass ich dir jemals glauben könnte, wenn du es zu mir sagst.
Mit der Liebe ist es doch so wie wenn man Drogen nimmt, je häufiger man sie nimmt, desto schwächer wirkt sie.
Die erste Liebe ist eigentlich immer die Bedingungsloseste. Man ist unvoreingenommen. Man hat keine Erwartungen und das Herz ist noch nicht von einer Reihe an Blessuren geprägt. Man sammelt gemeinsam die ersten Erfahrungen, wenn es darum geht, jemanden einen großen Platz in seinem Leben einzuräumen. Man wurde noch nie von einem Menschen, der einem die Welt bedeutet betrogen oder belogen. Noch nie zu sehr beengt. Noch nie nicht genug zurück geliebt wurden. Noch nie so sehr verletzt, dass die Wunde nicht mehr heilen konnte.
Die zweite Liebe ist dann vielleicht die Erwachsenere, die in der man aus den Fehlern der ersten gelernt hat. Zumindest, wenn man in der Lage dazu ist, sich selbst zu hinterfragen und wenn man es schafft ein ehrliches Bild der vergangenen Zeit zu zeichnen.
Doch man ist geprägt, man hat sich verändert. Bleiben fällt einem nun etwas schwerer und vertrauen baut sich langsamer auf, der Platz im Leben des anderen wird nach und nach in immer größere Radien abgesteckt, aber man muss sich mehr Mühe geben, weil man nicht mehr sofort alles hergibt.
Wenn es nach mir geht, dann sollte es das gewesen sein, doch vielleicht braucht man noch einmal jemanden an dem man scheitern kann, weil man doch noch nicht genug gelernt hat. Aber irgendwann muss Schluss damit sein. Irgendwann sollte man an den Punkt kommen, an dem man begreift, dass dies der Mensch ist für den man durch die Hölle gehen würde und zurück. Barfuß und wenn es sein muss auch nackt.
Wenn man es schafft mit sich alleine zu sein, dann macht es das leichter, weil man auf den einen warten kann, mit dem es sich richtig anfühlt und so sollte es auch sein, denn ich bin lieber alleine als bei irgendwem.
Ich will nicht irgendwer sein, ich will die sein die tatsächlich etwas in dir berührt hat. Ich will das du vorm einschlafen an mich denkst und morgens wenn du aufwachst, ich will das da eine Vorfreude in dir ist, wenn du weißt, dass wir uns gleich sehen werden. Doch das entsteht bloß dann, wenn einem ein Mensch wirklich etwas bedeutet. Wenn da ein Gefühl ist, dass größer als eine Momentaufnahme ist.
Das Leben ist kein Supermarkt in dem man an jeder Ecke etwas besseres finden kann. Du kannst nicht ständig nach einer Steigerung suchen und ich möchte auf keinen Fall nur eine alternative zu deiner letzten Freundin sein, bis du eines Tages eine weitere alternative für mich gefunden hast. Ich möchte nicht täglich von dir hören wie sehr du mich liebst, ich will es spüren jeden Tag und ab und zu, in einem ganz besonderen Moment darfst du es mir sagen und wenn du es mir dann sagst, dann werde ich dir glauben.
Bedingungslos.
Aber wenn du es mir jeden Tag zum Abschied, zur Begrüßung, vorm schlafen gehen und beim aufstehen sagst, dann verlieren die bedeutendsten drei Worte, die wir Menschen zur Verfügung haben an Bedeutung, und was, sag mir welches Wort würde dann noch zählen?
