Inhaltsverzeichnis
Impressum 2
Widmung 3
1 4
Schlangenwesen auf Färöer 14
Auf die innere Stimme hören 53
Baum-Stein-Wurzel 64
Gespräch mit dem Wasser 112
Zwei Vögel am Strand (ein Austernfischerpaar)121
Gespräch mit Kobolden 134
Wind- und Steinhexen 142
Wesen unter der lockeren, weichen Erde 166
Die Melancholie des Winters 175
Algen- und Wasserwesen 183
Verspielte Gesellen 223
Mit leichtem Gepäck 241
Gespräch mit Elfen am Elfenhügel 255
Epilog 266
Hammerhai 268
Danke 271
Impressum
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie.
Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.
Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fernsehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.
© 2020 novum publishing
ISBN Printausgabe: 978-3-99107-080-1
ISBN e-book: 978-3-99107-081-8
Lektorat: Alexandra Eryigit-Klos
Umschlagfoto: Elke Geiger
Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum publishing gmbh
Innenabbildungen: Bild 1, 2, 30: © Walda Schenk
Restliche Abbildungen: © Elke Geigner
www.novumverlag.com
Widmung
Dieses Buch möchte ich von ganzem Herzen Walda widmen, die mir den Einstieg in Island sehr leicht gemacht hat.
Danke für die wunderbare Zeit mit dir und für die Freundschaft, die daraus entstehen durfte.
1
Es geschah in den frühen Morgenstunden. Es war noch dunkel draußen, als ich ganz leicht in meinem Bett vor mich hinschlummerte. Da war sie da, die Nachricht, klar und deutlich:
Komm zu uns nach Island!
Ich musste gar nicht lange überlegen, wer da mit mir Kontakt aufgenommen hatte. Es waren die Naturwesen von Island.
Es gibt Träume und Nachrichten, die vergisst man wieder. Vielleicht wirkten sie im Unterbewusstsein noch nach, aber bewusst kümmerte man sich nicht mehr darum.
Aber diese Nachricht, diese fünf Worte hatten sich bei mir ganz tief eingeprägt.
Zuerst einmal war ich erstaunt über die Nachricht selbst. Auch wenn ich mit Tieren, Pflanzen und Steinen in Kontakt war, war mir diese Art der Kontaktaufnahme im Traum, und dann noch von mir ganz unbekannten Wesen, noch völlig fremd.
Und diese Nachricht wirkte. Ja, sie wirkte nach, und zwar tief und eindrücklich. Immer wieder hörte ich sie, oder ich spürte sie einfach als Aufforderung.
Auf der einen Seite war ich auch sehr berührt, von den Naturwesen eines fremden Landes angesprochen zu werden. Da fühlte ich ganz tief innen in mir eine ganz große Freude und Dankbarkeit. Eine Art Sprachlosigkeit und Rührung legten sich von da an über meinen Alltag.
Auf der anderen Seite wusste ich über die raue Natur, die Kälte und Dunkelheit dieses absolut faszinierenden Landes. So war es ein Unterschied ob ich mir einen Film oder eine Dokumentation eines Landes anschaute oder ob ich selbst dorthin reiste, also Tag für Tag die Impulse ganz direkt und unmittelbar zu verarbeiten hatte. Und ich bin nun mal ein Warmduscher. Ich liebe die Wärme, das Meer und das Baden im Meer. Aber bitte bei angenehmen Temperaturen ohne Regen und starken Wind. Bei niedrigen Temperaturen beginne ich sofort zu frieren. Wenn also kalte Temperaturen, Schnee, Regen und Wind, dann bitte nur durch die Scheibe beobachten. Wenn dann noch eine heiße Schokolade bereitsteht und schöne Musik aus den Lautsprechern ertönt, dann kann ich mich entspannen, bin wunschlos glücklich und genieße.
Aber ich wusste, ich konnte tun oder lassen was ich wollte, diese Botschaft war eine Aufforderung, und ein Ignorieren wäre einer Missachtung eines Gelübdes oder eines Versprechens gleichgekommen.
So nahm ich immer wieder Kontakt zu diesen besonderen Wesen auf, von denen ich noch gar nicht wusste, welchen Ursprungs sie waren, in welcher Ecke des Landes sie zu finden waren, geschweige denn was sie genau von mir wollten.
Ganz bald merkte ich aber auch, dass es ihnen am liebsten wäre, wenn ich sofort anreisen würde. So war es nun ganz wichtig für mich, die Rahmenbedingungen so zu stecken, dass sie zu mir und meinen Lebensgewohnheiten passten.
Schließlich kannte ich mich mit dem Leben und den Bedingungen der Naturwesen genauso wenig aus, wie sie scheinbar über das der Menschen hier in Deutschland wussten.
Also schaute ich im Internet. Die Bilder, die sich mir hier boten, waren wirklich traumhaft. Doch es war Mitte November und sehr dunkel und kalt auf Island. Wollte ich auch ein bisschen Freude an der Reise haben, brauchte ich mehr als drei bis vier Sonnenstunden am Tag und Minustemperaturen. Obwohl die Polarlichter auch eine magische Anziehungskraft ausübten, war bald klar, dass ein Aufbruch vor Mai für mich nicht infrage kam.
Auch der Reiseweg und das Transportmittel vor Ort wollten gut durchdacht werden. Da für mich ganz früh klar war, dass dies keine kurze Reise von zwei bis drei Wochen werden würde, fragte ich mich immer wieder, welchen Auftrag ich dort zu erfüllen hätte. Davon hing natürlich auch ab, was ich mitzunehmen hatte und möglicherweise auch die Art des Reisens.
Gegen das Flugzeug sprach nicht nur das Auslassen oder Überspringen ganzer Regionen, sondern auch, dass ich nur wenig Gepäck mitnehmen konnte. Denn bald war klar, dass ich die Kommunikation mit diesen Wesen, wenn sie denn tatsächlich zustande kommen sollte, dokumentieren wollte.
So wusste ich bald, dass ich die Fähre von Dänemark aus nehmen würde, egal ob mit oder ohne Fahrzeug. Dann gesellte sich so langsam die Reisedauer von acht bis zwölf Wochen dazu, was mich dann doch veranlasste, nach Reisemobilen in Deutschland Ausschau zu halten. Denn über diese lange Zeit immer im Zelt zu schlafen, schied schon ganz früh aus. Da in Island permanent mit wechselhaftem Wetter zu rechnen war, wollte ich nicht bei Regen und niedrigen Temperaturen im Zelt sitzen und womöglich nasse Kleider trocknen müssen. Und auf die Dauer gesehen, war das Mobil in Deutschland mit Fähre billiger als ein Flug und ein Wohnmobil auf Island zu mieten.
Ja, ich bin nicht mehr die Jüngste, und ein gewisser Luxus musste jetzt sein. Denn es ging ja auch darum, mich selbst bei Laune zu halten, und ich weiß, wie ungemütlich ich werden kann, wenn ich keine trockenen Kleider am Körper trage oder mir länger kalt ist. Und wenn man alleine reist, bekommt man die schlechte Laune von sich leider auch immer eins zu eins ab.
Und nun, nach monatelanger Vorbereitung und Abwägungen, was ich mitnehme und auf was zu achten ist, stand ich nun auf der Fähre und wusste: Es ist vollbracht!
Ich bin normalerweise nicht der Mensch, der den Urlaub bis ins Detail plant, aber diese Reise war definitiv mit viel Vorbereitung verbunden.
Das stellte mich auch vor die eine oder andere Herausforderung, da ich Planung nicht unbedingt als meine größte Stärke bezeichnen würde; selbst bei „guter“ Planung, zum Beispiel von Festen, taten sich immer wieder Löcher auf, mit denen ich absolut nicht gerechnet hatte.
Und das war ja erst die Vorplanung! Also, diese Reise würde definitiv eine große Herausforderung für mich darstellen! Es ist auch meine erste Reise ganz mit mir alleine.
Und nun stand ich also auf Deck 8, schaute in die Ferne, atmete bereits Meeresluft ein und freute mich einfach auf das, was kommen wollte.
Das Einparken auf diesem Riesenschiff hatte ganz gut geklappt. Davor hatte ich wirklich ein bisschen Bammel gehabt. Aber im äußersten Notfall hätte ich dem Bordpersonal den Autoschlüssel in die Hand gedrückt und hätte mir zeigen lassen, was sie eigentlich von mir wollten.
Meine Schlafgelegenheit für die nächsten drei Nächte, ein Stockbett, oben in einer Sechs-Frau-Kabine, hatte ich bereits besichtigt und das Bett bezogen. Mein Schlafsack lag noch im Camper, da ich mit bezogenen Betten gerechnet hatte. Schließlich war die Fähre als Kreuzfahrtschiff deklariert worden.
Kurz versuchte ich noch zu meinem Fahrzeug vorzudringen, aber das war ein Ding der Unmöglichkeit. So mietete ich mir an der Rezeption Bettwäsche, und das Schlafen war gesichert.
Hier auf Deck 8 würde das Ablegen gut zu beobachten sein. Der Tag war sonnig und an Land war es für Anfang Mai angenehm warm.
Nachdem ich dieses Deck mit zwei großen Hot Pots, Picknick-Area, Bar und Fußballplatz mit Kunstrasen und mit Netzen umhüllt besichtigt hatte, wanderte ich über Backbord nach vorn. Hier saßen Reisende auf dem Boden und ließen sich die Sonne ins Gesicht scheinen. Ich tat es ihnen gleich und merkte, dass der Boden richtig warm war. Neben mir saß eine Dame, die sich bereits die Schuhe und Socken ausgezogen hatte. Das gefiel mir natürlich sehr gut und ich sprach sie an. Während ich mich meiner Schuhe und Socken entledigte, erfuhr ich, dass sie aus Berlin kam und mit ihrem Mann reiste. Sie wollten in der Hauptstadt Reykjavík ihren Sohn besuchen, der dort studierte.
Hier konnte man es aber auch aushalten. Angelehnt an den großen Schiffskamin, den Blick auf das Meer und eine Brise im Gesicht. Alle um mich herum hatten gute Laune und freuten sich wie ich auf eine wunderschöne Zeit und zahlreiche neue Eindrücke.
Als ich am frühen Abend in Richtung Speisesaal unterwegs war, fiel mir auf, dass das Publikum ganz anders war, als ich es mir vorgestellt hatte. So waren zwei oder drei Reisebusse mit Senioren unterwegs, während diese dynamischen, zum Teil allein reisenden Individualisten hier nur einen kleinen Teil ausmachten.
Nun freute ich mich aber auf das Abendessen in Büfettform, das ich bereits mitgebucht hatte. So saß ich also an meinem Tischchen ganz für mich allein, genoss das Essen im Takt und manchmal in Disharmonie der Wellen. Es herrschte leichter bis mittlerer Seegang und gerade beim Essen oder beim Transportieren der Speisen war Achtung geboten.
Den Abend ließ ich angenehm ausklingen mit Lesen, während ich den Klängen eines Alleinunterhalters lauschte. Immer wieder beobachtete ich den Wellengang und das blaue Meer. Es war so beruhigend und entspannend, dieses Schauspiel durch die großen Scheiben zu beobachten. Genau auf dieses Sein, hier auf weiter See, hatte ich mich im Vorfeld so sehr gefreut! So lange war ich bisher noch nie auf einer Fähre unterwegs gewesen. Auch dieses Schäumen des Wassers am Heck des Schiffes faszinierte mich immer wieder. Hier konnte ich einfach nur sitzen und verweilen. Sitzen und schauen, warten und ahnen, ohne zu wissen, was mich erwarten würde. Irgendwann brach ich dann doch meine Zelte hier ab und ging schlafen.
Ja, es war tatsächlich etwas gewöhnungsbedürftig. Mit den Wellen mitzuschaukeln, war ja kein wirkliches Problem. Aber die lauten, kratzenden Geräusche, die immer wieder klar und deutlich zu hören waren, erinnerten mich eher an die Titanic als an einen „Luxusdampfer“. Vor allem kamen sie unangemeldet und hielten unterschiedlich lange an. Da wir unter dem Maschinenraum schliefen, war es auch recht warm. Aber das kam mir absolut entgegen. Also versuchte ich die Geräusche zu integrieren und schlief meistens genauso schnell wieder ein, wie ich aufgewacht war.
Sonntag, 05.05.19
Heute Morgen bemerkte ich bereits vor dem Frühstück, dass der Wellengang deutlich zugenommen hatte, oder ich war es einfach noch nicht gewohnt. So tat ich es den meisten meiner Kabinen-Kolleginnen gleich und legte mich nach dem Frühstück noch mal ins Bett. Ja, so war das inzwischen doch recht starke Auf und Ab des Schiffes am besten zu verkraften.
Als ich am Spätnachmittag wieder aufstand, war es noch stürmisch und mein Magen war immer noch nicht auf „normal“ eingespielt. Ich wusste jetzt ganz genau, dass es besser wäre, das Abendessen einfach ausfallen zu lassen. Da ich es aber bereits gebucht hatte und ich ein absoluter Genussmensch bin, entschied ich mich gegen die Vernunft. Das Positive daran war, dass ich mich auf mein Gefühl verlassen konnte. Denn jetzt, während des köstlichen Essens, konnte die Toilette nicht nahe genug am Speisesaal sein.
Montag, 06.05.19
An diesem Tag kamen wir um 6.00 Uhr in Tórshavn auf den Färöer-Inseln an.
Da ich auf der Rückreise auf den Färöer-Inseln Aufenthalt haben würde, beschloss ich, in Ruhe zu duschen und nicht an Land zu gehen. So beobachtete und genoss ich das Treiben im Hafen von hier aus. Auch auf der wartenden Fähre war eine leichte nordische Lebenskunst zu spüren.
Kurz vor der Weiterfahrt der Fähre hatte ich dann Kontakt mit zwei oder mehreren Schlangenwesen, die sehr viel positive und schwungvolle Energie hatten und sich hier vor Ort aufhielten. Sie sprühten nur so vor Elan und Lebensfreude. So spürte ich bereits hier im Hafen von Färöer die Kraft, Macht und Energie der so anderen Wesen. Sollte dies ein Vorgeschmack darauf sein, was noch kam? Wollten mir die Wesen damit sagen, dass die Kommunikation auf jeden Fall zustande kommen würde?
Ganz entspannt saß ich auf dem Schiff, das noch nicht abgelegt hatte, und spürte eine Vorfreude, einen positiven Aktivismus in mir aufsteigen. Diese Energie hüllte mich einfach nur ganz sachte und liebevoll ein in eine kuschelweiche Decke aus Geborgenheit, Ruhe und der Gewissheit, dass alles zur richtigen Zeit präsent sein würde.
Inzwischen hatte sich das Publikum verändert. Es waren nun eine Menge nordisches Publikum, Kinder und junge Menschen unterwegs. So zog ganz viel Lachen und Humor auf der Fähre ein.
Als das Schiff von den Färöer-Inseln ablegte, war ich wieder oben auf Deck 8, um die traumhafte Aussicht zu genießen.
Es waren circa zwei Stunden Fahrt durch die Inseln. Wo man hinsah, nur Berge, teilweise weiß verschneit, teils grau und manchmal vernebelt. Und zunehmend wurde es windig und kalt. Und immer wieder schneite es leicht. So stand ich mit meiner warmen Wolljacke, die unbedingt mit auf große Fahrt wollte, die Kapuze mit dem geflochtenen langen Bändel mit verfilztem Bommel am Ende tief ins Gesicht gezogen. Mein Winterschal um den Hals und die Handschuhe in den Jackentaschen. Es war grau in grau, bewölkt, und immer wieder tauchte eine neue Insel, teils wie aus dem Nichts, auf. Manchmal waren sie auch schon von Weitem zu sehen mit ihren hohen Bergen. Teilweise kamen sie direkt auf uns zu und ich überlegte, welchen Weg der Kapitän wohl einschlagen würde, um sie kunstvoll zu umfahren.
Auch das Berliner Paar war an Deck und wir tauschten Bewunderung und Fernglas aus. Immer wieder zeigten wir auf eine imposante Stelle, die wir gerade neu entdeckt hatten. Denn Reden machte momentan hier oben gar keinen Sinn. So ging oft ein Finger in die entsprechende Richtung, dann folgten ein oder zwei Augenpaare und das Fernglas wechselte die behandschuhten Hände. Und so ganz nebenbei mussten wir wirklich richtig aufpassen, um uns nicht umblasen zu lassen. Als ich dann irgendwann ganz überwältigt und gut gekühlt von Deck ging, empfand ich große Dankbarkeit und einen tiefen inneren Frieden in mir.Ja, die Kälte und der Wind haben etwas Klärendes an sich, sie kamen mir manchmal vor wie ein überdimensionaler Staubsauger, der alles mitnimmt, was nicht niet- und nagelfest zu sein scheint. Und das Schöne daran, kam mir gerade so in den Sinn, ist, dass wir selbst entscheiden können, was wir dem Staubsauger überlassen wollen und was bei uns bleiben darf.
Aber insgesamt war jetzt alles weg, was ich nicht bewusst bei mir behalten wollte. Alle Ängste und Zweifel bezüglich der Reise, die eventuelle Sprachbarriere, meine zum Teil grandiose Orientierungslosigkeit in Städten und so manches mehr hatte jetzt das Meer oder der Wind bei sich. Oder hingen meine grauen Gedanken nun an einer Bergspitze? Egal. In diesem Moment war ich der Natur so richtig dankbar dafür, dass sie mich so großartig unterstützte.
Der Rest des bereits angebrochenen Abends verlief bereits in einer gewissen Routine. Das Abendessen bekam mir heute wieder bestens, und auch heute gab ein Alleinunterhalter sein Bestes. Aber immer wieder war mein Blick nach draußen auf die Wellen gerichtet. Denn wirklich dunkel wurde es auch hier schon nicht mehr. Also konnte ich mich so ganz langsam in die Gegebenheiten vor Ort einschleichen. Konnte mich so Schritt für Schritt beziehungsweise Seemeile um Seemeile herantasten. Ja, das fühlte sich wirklich gut an, mich für den Seeweg entschieden zu haben. Und dieses Schaukeln hatte auch einen ganz besonderen Reiz. So richtig gleichmäßig wie auf einem See waren sie, die Wellen, nun wirklich nie. Man musste immer, bei jedem Schritt, darauf gefasst sein, geschoben oder auch mal ausgebremst zu werden. Besonders wenn Speisen oder Getränke transportiert werden wollten, war oberste Vorsicht geboten.
Schlangenwesen auf Färöer
Die Schlangenwesen von Färöer leben mit ihresgleichen in Höhlen. Diese wechseln sie immer wieder, wegen der Flora und Fauna.
Ich: Wie ist euer Wesen?
Sie: Wir sind sehr sanftmütig und haben eine starke, positive Energie.
Ich: Ich spüre eine warme, rote und sehr aktive, liebevolle Energie. Es fühlt sich so an, als wärt ihr uns Menschen auf eine ganz besondere Art und Weise zugetan. Als wärt ihr unser persönlicher Schutzpatron.
Sie: Ja, wir sind euch Menschen sehr positiv gestimmt. Wir bringen euch sehr viel kraftvolle und lichte Energie.
Ich: Was ist eure Aufgabe hier auf Färöer, und was wollt ihr uns Menschen mitteilen?
Sie: Wir wollen euch mitteilen, wie freundlich die Welt von Grund auf ist. Ihr macht die Welt ganz oft „schlecht“. Dabei ist sie sehr positiv und gut, auch wenn das Wetter ab und zu verrückt spielt, wie ihr Menschen es gern bezeichnet. Das spiegelt aber ganz oft nur eure Stimmung wider. Wenn ihr ganz bei euch seid, macht euch das „Rumoren“ im Außen gar nichts mehr aus.
Ich: Wie können wir denn besser bei uns bleiben, wenn die Welt um uns tobt? Wenn starker Seegang herrscht und der Magen rebelliert, ist es nicht einfach, ganz entspannt zu bleiben.
Sie: Ja, das stimmt (sanftmütiges Lächeln). Aber ihr seid auf einem sehr guten Weg. Immer mehr Menschen begreifen, dass das Glück bei ihnen selbst liegt. Ihr müsst nicht jeden Tag euer Sonntagslächeln präsentieren. Aber das Wissen, dass alles aus euch selbst kommt, und niemand im Außen für euer Seelenglück zuständig ist, ist schon ausreichend. Ihr seid Menschen und seid mit Gefühlen ausgestattet. Und das soll auch so sein. Wenn es euch gut geht, dann lacht und zeigt das. Das ist ansteckend und tut allen gut. Aber wenn es euch nicht so besonders geht, dann macht das mit euch aus und schiebt es nicht auf andere. Und vertraut euch, dass ihr dieses Tal wieder aus euch selbst heraus verlassen könnt. Habt Vertrauen in euch. Das ist das Wichtigste. Euer Leben ist ein ständiges Auf und Ab, wie der Wellengang auf dem Meer. Mal stürmisch, mal gemäßigter. Und immer wenn ihr an einem Tief angekommen seid, zweifelt ihr und macht euch für alles verantwortlich. Denkt nicht so viel darüber nach, tut, was zu tun ist, damit es wieder aufwärtsgeht. Und wenn ihr gerade nichts ändern könnt, dann lasst es so stehen, ohne es zu bewerten. Das fällt euch Menschen wirklich nicht so leicht, macht euch darüber bitte keinen so großen Kopf.
Lächelt, vor allem immer mehr über euch selbst, dann urteilt ihr automatisch nicht mehr so streng in Bezug auf andere und euch selbst.
Geht in die Natur und spürt den Wesen nach, die um euch herum sind. Es ist nicht wichtig, wie sie heißen, wo sie wohnen und vieles mehr. Wichtig ist, dass ihr euch immer mehr dafür öffnet, dass es sie gibt und dass sie euch sehr gerne unterstützen.
Wenn ihr offen für uns Naturwesen seid, wird sich genau das Wesen „zeigen“, das ihr gerade benötigt oder du spürst einfach dasjenige, das dich in diesem Moment am besten unterstützen kann.
Es gibt so viel zwischen Himmel und Erde, wovon ihr (noch) nichts wisst, oder ihr wollt es nicht wahrhaben. Ihr macht fast alles mit dem Verstand. Und der sagt: Was du nicht siehst, gibt es nicht. Aber inzwischen merkt ihr immer mehr, dass dem nicht so ist. Viele Menschen halten sich selbst für verrückt oder werden von anderen als verrückt angesehen, weil sie diese Dinge bewusst wahrnehmen.
Lasst euch keine Angst machen, ihr seid deswegen nicht verrückt. Freut euch stattdessen lieber, dass ihr offen dafür seid.
Momentan wandelt sich ganz viel auf unserer Erde. Seid stolz auf euch, dass ihr dabei sein und aktiv mitgestalten dürft.
Ganz wichtig ist, dass jeder von euch an sich glaubt und diese Dinge, die er wahrnimmt, als wahr anerkennt und dies auch so weitergibt. Alles ist im Wandel. Und je mehr Menschen davon erzählen, umso selbstverständlicher wird es werden. Dann werden die Kreise, in denen von diesen Dingen erzählt wird, immer größer.
Und Menschen, die nur noch mit dem Verstand arbeiten, werden immer weniger werden. Einfach deswegen, weil sie merken, dass es noch viel mehr gibt. Ganz viele Menschen werden sogar erfreut sein, wenn sie endlich wieder mehr Gefühl zeigen dürfen.
Wir Naturwesen, oder wie immer ihr uns bezeichnen wollt, wollen euch mit den Pflanzen, Tieren und allen Elementen dabei unterstützen, kraftvoll und in Fülle euren Weg zu gehen. Seid mutig und offen für Neues. Nur weil ihr etwas nicht kennt, muss es nicht gleich schlecht sein.
Spürt in euch hinein. Dort liegt die Antwort. Nicht in Büchern oder im Außen.
Wir unterstützen euch sehr gerne. Aber öffnen dafür müsst ihr euch selbst.
*DANKE*
Dienstag, 07.05.19
So langsam hatte ich mich sehr gut an das Schlafen unter Deck gewöhnt. Also integrierte ich die Geräusche in meine Träume und wachte mehr oder weniger ausgeruht und entspannt auf.
Nach dem Frühstück beobachtete ich wieder voller Begeisterung die Berge, die wir passierten, durch das Fenster. Auch hier dachte ich immer wieder fasziniert: Das hört ja gar nicht mehr auf! Als wollte die Natur sagen: Schaut mal weniger ins Fernsehen und auf den Laptop, schaut mal wieder mehr zum Fenster raus! So rückte die Zeit des Anlegens in Seyðisfjörður in Island immer näher. Und meine Spannung und Erregung stieg. Aber es war ja nicht angebracht, als erwachsene Frau vor Freude jubelnd über das Schiff zu tanzen. Also jubelte ich innerlich und von ganzem Herzen.
Nun war es auch schon Zeit, auf das „Car-Deck“ zu gehen. Das rote Deck hatte ich mir eingeprägt, aber ob das Deck auch wirklich stimmte? Auf den ersten Blick sah es nicht ganz so aus. Also begab ich mich einen Stock tiefer, und da sah ich ihn auch sofort, meinen Camper, in der Ecke stehen.
Ganz in der Nähe meines Fahrzeuges stand auch der VW-Bus aus Berlin. So verabschiedete ich mich noch mal von dem netten Mann. Wir wünschten uns eine gute Reise, und schon ging es los. Die Fahrzeuge um mich herum fuhren in Richtung Ausgang, sodass ich einsteigen konnte. Da ich ganz eng, Stoßstange an Stoßstange, stand, wartete ich, bis jemand vom Personal erschien und mich auswies. Als ich nun nach drei Tagen wieder festen Boden unter den Rädern hatte, war nur noch die Zollkontrolle zu passieren. Es gab viele verschiedene Auskünfte, was eingeführt werden dürfe und vor allem wie es zu beschriften sei. So war ich dann doch sehr erleichtert, dass das Einzige, was die Dame wissen wollte, war, wie lange ich auf der Insel bleiben wolle. Danach war die Fahrt frei.
Nun atmete ich ganz bewusst die ersten Atemzüge in Island ein. Es lag eine Ruhe, Einsamkeit und ein Hauch von Spirit über dem Land und ich konnte noch die Winterruhe riechen, die das Land sanft einhüllte.
An dem Campingplatz, nach dem ich suchte, war ich wohl gerade eben vorbeigefahren. Ja, es war wohl alles so unscheinbar und übersichtlich hier vor Ort. Es gab eine Tankstelle, einen Supermarkt, eine Kirche und einen Campingplatz in dem Siebenhundertseelendorf.
Da ich ja gerne mal den Überblick verliere, kam mir diese ruhige Atmosphäre, eingebettet in viel Natur, gemischt mit dieser Übersichtlichkeit, sehr entgegen. Also checkte ich für zwei Nächte ein, um in Ruhe ankommen zu können.
Der Platz war sehr karg. Die Stellplätze für die Fahrzeuge waren unregelmäßig gekiest. Ein paar kleine Wiesen waren für die Zelte reserviert.
Das Wetter war etwas diesig, kalt, aber im Moment niederschlagsfrei. Zumindest regnete es nicht und der Wind hielt sich auch zurück. Also absolut gut für mich zum Eingewöhnen.
Im Aufenthaltsraum angekommen, versuchte ich über meinen Laptop ins Internet zu kommen, denn auf der Fähre hatten mein Handy und meine Powerbank aufgrund der Kälte komplett versagt.
So versuchte ich, zu meiner Freundin und Nachbarin in Deutschland Kontakt aufzunehmen. Aber auch das klappte nicht wie gewünscht. Denn mein Laptop wollte, dass ich WhatsApp über das Handy aktiviere. April, April, dachte ich da nur und sprach eine Italienerin an, die auch auf der Fähre war, und die schrieb dann Christel per WhatsApp an. Zum Glück hatte ich ein paar wichtige Nummern und Adressen auf Papier notiert. Ich benötigte die PIN, und die lag gut geschützt zu Hause. Nun gab es einen regen Austausch zwischen mir und Christel über das Handy der hilfsbereiten, netten Italienerin. Obwohl ich die richtige PIN erhielt, klappte das Einloggen auch nach mehreren Versuchen nicht. Ja, hier in Island war das so eine Sache mit der Technik. Dinge, die woanders problemlos funktionierten, klappten hier auf der Insel und bei mir eben nicht. Ich versuchte es locker zu nehmen. Und ganz insgeheim hatte ich da so eine klitzekleine Ahnung – oder war es bereits eine Befürchtung?
Wenn mich die Wesen der Natur gerufen und hierher beordert hatten, hatten sie dann vielleicht auch die Möglichkeit und Macht, hier „konstruktiv“ bis „störend“ einzugreifen?
Das Problem war nur, dass momentan nicht nur das Internet auf meinem Handy nicht funktionierte, sondern alle Funktionen wie Fotoapparat, Währungsrechner und vieles mehr. So hatte ich mir das nun wirklich nicht vorgestellt! Aber ich würde jetzt nichts überstürzen, sondern erst einmal hier ankommen. Was dann zu machen wäre, würde sich schon noch zeigen.
Als ich so im Aufenthaltsraum saß und mich über die Wärme hier freute, betrat eine Niederländerin den Raum. Sie unterhielt sich lange mit dem Mann an der Rezeption, bevor sie eincheckte.
Ich kann gar nicht mehr genau sagen, wie wir ins Gespräch kamen, aber bereits bei den ersten Worten bemerkte ich die besondere Schwingung, die von ihr ausging. Eine leichte, kaum spürbare Distanz, gepaart mit ganz viel Wärme, Interesse und Intelligenz, zeigte sich in ihren braunen und sehr wachen Augen. Es schien, als würde sie alles um sich herum erst einmal vorsichtig aus einer gewissen Distanz aus mustern, während sie gleichzeitig allem gegenüber sehr aufmerksam und offen zugewandt war.
Walda arbeitete in der Landwirtschaft und las gerade ein deutsches Buch von Rudolf Steiner über biologisch-dynamische Landwirtschaft. Da sie nicht alle Begriffe verstand, fragte sie mich das eine oder andere.
Wie nun war „Aue“ zu übersetzen und wie viel Kilogramm beinhaltet ein Doppelzentner? Da musste ich doch schallend lachen. In der Landwirtschaft aufgewachsen, hatte mein Vater oft versucht, mir die damals gängigen Bezeichnungen beizubringen. Dass ich aber gerade zu Beginn meiner Islandreise damit konfrontiert werden würde, damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet.
Gemeinsam haben wir uns dann die Begriffe erarbeitet, nebenher einen Tee beziehungsweise Kaffee getrunken und immer wieder schallend gelacht. Dann verabschiedete ich mich und machte mich auf zu einem Spaziergang. Zuerst besichtigte ich das knapp Siebenhundertseelendorf. Hier gab es doch tatsächlich ein Schwimmbad, ein Freibad, mit einem Hot Pot wohlgemerkt. Beim Blick auf die Öffnungszeiten musste ich feststellen, dass es heute geschlossen war. Die alten Häuser an den Straßen hatten eine gastfreundliche Ausstrahlung. Auch die blaue Kirche wirkte mit ihrem hellen Täfer und der leicht verspielten Bauweise locker und einladend. Im Inneren war ebenfalls alles in Hellblau gehalten, was mich dazu verleitete, eine gewisse Zeit zu verweilen. So wirkte alles sehr hell und leicht.
Anschließend wanderte ich durch einen niederen Kiefernwald, durch das von Schnee angehauchte Gras und über kleine Bäche hinweg. Da sah ich im Hintergrund, oben am Berg, einen großen runden Stein, inmitten eines Wasserfalls, der mir sofort wie eine Tür in den Berg vorkam. Jetzt war mein Interesse geweckt. Es ging eine ganz besondere Faszination von diesem Ort aus. Trotzdem ging ich weiter und erkundete den Weg. Ich wollte einfach in Bewegung bleiben und alles auf mich wirken lassen.
Es war spannend, diesen Wanderwegen zu folgen. Im Boden waren immer wieder kurze Stöcke verankert, die den Weg markierten. Mal lagen sie in regelmäßigen Abständen, sofort ersichtlich, manchmal konnte man den Weg nur erahnen. Aber von Wanderwegen, so wie wir sie kennen, konnte nun wirklich nicht die Rede sein. Die Stöcke gaben lediglich eine Richtung an, aber da es keinen ersichtlichen Weg gab, war das Suchen des nächsten bemalten Stockes schon reine Meditation.
Es hatte nun leicht zu schneien begonnen und ich beschloss, mich auf den Rückweg zu begeben. Als ich wieder auf der Höhe der „Steintür“ war, sprach sie mich an und meinte, ich solle verweilen. Ich wollte sie auf den Abend vertrösten, aber sie blieb standhaft. Also setzte ich mich auf einen Stein, holte Block und Stift hervor und sah, wie ganz sachte leichte Schneeflocken meinen Block berührten.
Also sprach ich die Türe an.
„Was möchtest du mir sagen?“
„Ich nehme dich mit nach innen, hinter diese Türe“, war die Antwort. Da bedankte ich mich gerührt.
Anfangs ist es sehr dunkel, das Loch scheint kugelrund. Ich werde durch den Tunnel geführt. Ich kann so gut wie nichts sehen. Immer wieder geht es um eine Kurve. Obwohl es dunkel bleibt, werde ich sicherer und gehe etwas schneller weiter. Ich frage, wer mich begleitet. Da spüre ich einen leichten Windzug, es wird ansatzweise heller. Es scheint die Kraft des Wasserfalls beziehungsweise der Höhle zu sein. Die Energie wird leicht rötlich, angenehm. Jetzt bin ich an einem runden Platz angekommen. Der Boden ist ganz glatt und wie leer gefegt. Ich merke, dass dies einen Grund hat, und frage nach.
„Es ist ein heiliger Platz.“
Ehrfürchtig bedanke ich mich, dass ich an diesen Ort geführt wurde.
Da werde ich aufgefordert, mich auf die Erde zu legen. Es riecht nach Salz vom Wasser, aber ich spüre auch ein sehr geerdetes Gefühl. Es durchströmt meinen ganzen Körper. Ich höre das Wasser draußen, als würde es um mich herumfließen. Das Licht wechselt in ein schwaches Orange-Grün. Die Farben gehen ineinander über, wie leichte Nebelschwaden.
Wie in einem unsichtbaren Aufzug werde ich im Berg nach oben gefahren, es ist wie in einem Traum. Alles fühlt sich ganz leicht an und trotzdem bin ich ganz tief mit dem Berg verbunden. Ich weiß nicht, wie lange ich hier oben bin.
Wieder am Boden liegend, öffne ich meine Augen und stehe auf. Ich fühle mich total aufgetankt, frisch und frei. Es kommt mir vor, als hätte ich hier eine Art Einweihung erfahren, eine heilige Zeremonie, eine Segnung bekommen.
Ich verneige mich vor der Erde, dem Berg und den Naturwesen hier und frage, wie ich ihnen danken kann.
Die Antwort kommt prompt: „Arbeite mit uns zusammen, gehe deinen Impulsen nach, dann bekommst du alle Unterstützung, die du benötigst. Für dein Buch – dein Baby – sowie für alle Menschen, die deinen Impulsen lauschen.“
Inzwischen sind die Hafengeräusche wieder in den Vordergrund gerückt. Der Wasserfall mit seinem Rauschen ist wieder ganz weit im Hintergrund zu hören.
Ich verabschiede mich mit einem tiefen und herzlichen DANKE.
Mittwoch, 08.05.2019
Heute bin ich sehr früh aufgewacht, da es für meine Verhältnisse doch sehr hell war.
Gestern Abend brauchte ich sehr lange, bis ich eingeschlafen bin, weil mir wirklich kalt war. So war ich froh, dass ich zu meinem Schlafsack noch meine warme Winterbettdecke mitgenommen hatte. Und mein „sleeping bag“ (Schlafsack) sollte bis minus zehn Grad Celsius ausreichen. Da merkte ich wieder die individuelle Empfindsamkeit der einzelnen Erdenbürger. Und ich gehöre nun wahrlich nicht zu denen, die ein Schweißtuch benötigen. Aber ich kenne ja meine Eigenheiten und hatte entsprechend vorgesorgt. Und für den größten Notfall hatte ich noch eine Wärmeflasche dabei.
Ich begab mich in den Aufenthaltsraum und versuchte, bei einer Tasse Tee ganz langsam bei mir und dem anbrechenden Tag anzukommen. Es war für mich immer noch nicht ganz klar, auf welchem Weg ich in Richtung Westfjorde fahren sollte.
Ursprünglich wollte ich südwärts fahren, auch weil es momentan einfach noch recht frisch war, und im Süden erhoffte ich mir ein paar Grade mehr. Andererseits verstand ich mich mit Walda immer besser. Da sie aber gen Norden, nach Langanes, wegen den dort heimischen Vögeln, wollte, berieten wir uns miteinander. In diese Richtung wollte ich ja auch, aber eben erst auf dem Rückweg. Im Aufenthaltsraum habe ich mich dann mit Walda und dem Angestellten des Campingplatzes unterhalten, auch in Anbetracht der Route. Er meinte, es würde keinen großen Unterschied bezüglich der Temperatur machen, wenn ich es richtig verstanden hatte, wegen der Berge. Dann verabschiedete ich mich noch einmal in Richtung Bett. Diese Informationen wollten nochmals in Ruhe und am besten in der horizontalen Lage nachwirken, bevor ich eine Entscheidung treffen würde.
Nach einem ergiebigen Nickerchen spazierte ich heute einmal in die andere Richtung des Dorfes. Hier waren gestern von Weitem wilde Islandponys auf der Weide zu sehen gewesen. Heute verweilten sie wohl woanders.
Auch hier spürte ich diese spezielle, wilde Energie der Natur. Immer wieder atmete ich tief durch. Es war, als würde mich immer wieder ein Atemzug innerlich so richtig durchschütteln. Äußerlich war einfach nur zu erkennen, dass ich tief japsend einatmete. Oft blieb ich stehen, weil diese Luft in alle meine Poren eindringen wollte. Es kam mir so vor, als würde eine Reinigung von innen und von ganz weit unten heraus stattfinden. War diese Tour hier meine ganz persönliche Reise zu einem heiligen Ort, zur inneren Einkehr, zur Wandlung und stand für Wachstum und Erneuerung? Auf jeden Fall wollte ich für alles offen sein und immer wieder in mich hineinspüren. Dann dürfte ja nichts passieren, wenn ich den Worten des Wasserfalls und der Steintüre Glauben schenken wollte. Und das wollte ich. Denn ohne das Vertrauen in meine innere Führung, in welcher Form auch immer, hätte ich diese Reise bestimmt nicht angetreten.
Für den Abend hatte ich mich mit Walda zum Abendessen verabredet. Gestern hatte ich ein nettes Restaurant ausgemacht, wo ich eine heiße Schokolade genossen hatte. Die Gaststube war mit dunklem Holz ausgekleidet und einige stützende Balken verbanden den Boden mit der Decke. Alles war etwas rustikal, was ich aber als absolut stimmig empfand.
Bei heimischem, dunklem Bier und einer leckeren Lammhaxe mit Ofenkartoffel und Salat genossen wir den Abend. Wir spürten beide, dass wir auf einer Ebene sehr harmonisch miteinander „schwangen“.
Es gibt Menschen, bei denen merkt man sofort, dass eine starke Verbindung herrscht, dass man sie oder ihn einfach so stehen lassen kann, mit allen Eigenheiten. Da war so ein tiefes Grundverständnis, ein nährender Boden. Ein Gefühl, als würde man sich schon sehr lange kennen und einfach da wieder anknüpfen, wo man das letzte Mal aufgehört hat. Da lag eine Toleranz gepaart mit sanfter Leichtigkeit in unserem Tun und Handeln.
So sagte ich ihr, dass ich mir gut vorstellen könne, sie mit dem Camper mitzunehmen, sodass wir die Halbinsel Langanes gemeinsam erkunden könnten. Wo man sich wieder trennen würde, das würde sich dann zeigen.
Sie war mit dem Zelt unterwegs und wollte ursprünglich ein Auto mieten. Da sie aber keine Kreditkarte hatte (was Grundvoraussetzung der Vermieterfirmen war), hatte sie beschlossen, mit dem Bus zu reisen.
So kamen wir überein, den Weg gemeinsam fortzusetzen, die Kosten zu teilen und in unseren mitgebrachten „Behausungen“ zu nächtigen. Mit diesen Grundbedingungen im Gepäck war ich voller Zuversicht und ging voller Vorfreude und Dankbarkeit in mein Camper-Bett.
Donnerstag 09.05.2019
Heute ging die Erlebnistour Island nun also so richtig los. Als Walda ihr Zelt abgebaut hatte und wir beide startklar waren, verstaute sie ihr Gepäck in meinem Camper und nahm auf dem Beifahrersitz Platz.
Es war schnell ausgemacht, dass ich für das Fahren und Walda für die Route und die Karte zuständig war.
Zunächst wollte ich aber erst tanken. Im Dorf gab es eine Tankstelle, und diese steuerte ich nun an. Mir war klar, dass hier in Island das Tanken mit Karte üblich ist. Aber an dieser Tankstelle wollte es auch mit Karte nicht funktionieren. Das Geschäft, das der Tankstelle angeschlossen war, hatte noch nicht geöffnet. Da es der Tank noch erlaubte, fuhren wir also weiter in Richtung der nächsten Stadt.
Die Straßen waren mancherorts durch Schneeverwehungen leicht gepudert. So fuhr ich langsam, um mich so langsam an die Straßen und die Wetterbedingungen zu gewöhnen. Überdies hatte mein Fahrzeug keine Winterbereifung, was mich weiterhin zur Vorsicht mahnte. Und fröhlich ging es bergauf, mal in lang gezogenen Kurven, mal wieder relativ gerade. Ich war so beeindruckt von der Natur, dass ich mich gar nicht daran sattsehen konnte. Immer wieder hielt ich bei Gelegenheit an und ließ die Schönheit der Natur auf mich wirken. Bilder konnte ich momentan leider keine machen, weil ich nur mein Handy als Fotoapparat dabeihatte. Aber da musste ich nun wohl einfach durch, bis ich wissen würde, wie ich dieses Problem beheben konnte. Und irgendwie tat es ja auch mal gut, weder erreichbar zu sein noch dieses Gerät in irgendeiner anderen Weise zu nutzen.
Walda genoss es gleichermaßen, wie es schien, denn ich hörte sie nie protestieren, wenn ich eine Pause einlegte oder einfach nur ganz langsam fuhr.
Oft saßen wir einfach nur ganz ruhig da, jeder mit seinen eigenen Gedanken und Eindrücken beschäftigt. Wenn ich zu meiner Beifahrerin hinübersah, schaute ich in ein entspanntes Gesicht. Dann lächelten wir einander an und sagten uns ohne Worte, dass alles einfach nur gut ist. Auch sprach aus ihren Augen die Dankbarkeit, diese Natur hier erleben zu dürfen.
Auf einmal stimmte sie ein Lied auf Niederländisch an. Sie sagte, sie wolle es für mich singen. Das fühlte sich dann an wie ein ganz persönliches Geschenk. Als würde sie sich vor mir verbeugen und mich huldigen. Ich war einfach nur gerührt. Eine zarte Gänsehaut legte sich über meine vom Pullover bedeckten Arme.
Es war einfach nur stimmig, dass wir zwei uns zusammengeschlossen hatten. Mit ihr spürte ich wieder, wie schön es ist, wenn man Freude und schöne Erlebnisse miteinander teilen kann.