Was soll das für ein Pärchen sein? - Grigory Nefedov - E-Book

Was soll das für ein Pärchen sein? E-Book

Grigory Nefedov

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Beschreibung

Nikolai Archipov ist verheiratet und eigentlich ziemlich beschäftigt mit seiner zunehmend erfolgreichen Karriere. Als wesentliche Führungsperson trägt er eine große Verantwortung in seinen Projekten und nicht zuletzt aufgrund seines hartnäckigen Charakters gelingt es ihm immer wieder neue Herausforderungen zu meistern. Wenn seine Arbeit es doch einmal zulässt, verlässt er Nürnberg für ein paar Tage, um seinem Hobby, dem Jagen, nachzugehen. Doch an so manchem Tage tragen seine Beine ihn wie von selbst in den duftenden Le Salon, der Isabel, einer spanischen Immigrantin, gehört. Seit seinem ersten Besuch geht sie ihm nicht mehr aus dem Kopf.

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Seitenzahl: 127

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Buch

Nikolai Archipov ist verheiratet und eigentlich ziemlich beschäftigt mit seiner erfolgreichen Karriere. Als Führungsperson trägt er eine große Verantwortung in seinen Projekten und nicht zuletzt aufgrund seines hartnäckigen Charakters gelingt es ihm immer wieder, ständig neue Herausforderungen zu meistern. Wenn seine Arbeit es doch einmal zulässt, verlässt er Nürnberg für ein paar Tage, um seinem Hobby, dem Jagen, nachzugehen.

Doch an so manchem Tage tragen seine Beine ihn wie von selbst in den duftenden Le Salon, der Isabelle, einer spanischen Immigrantin, gehört. Seit seinem ersten Besuch geht sie ihm nicht mehr aus dem Kopf.

Autoren

Grigory Nefedov, der Hauptautor, immigriert Anfang 2000 nach Deutschland. Als junger, frisch promovierter Naturwissenschaftler gründet er dort eine Familie und wechselt in die IT Branche. Hier trifft er auf Kolleginnen und Kollegen verschiedener Nationen. Physiker, Mathematiker und Informatiker arbeiten hier zusammen. Einige von ihnen haben die Autoren zu den Romanfiguren inspiriert.

Karina Nefedov ist die Co-Autorin und Grigorys Tochter.

Danksagung

Die beide Autoren danken Nina Nefedov für die Unterstützung bei der Buchpublikation.

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Epilog

1

In der Altstadt von Nürnberg, hinter der Stadtmauer, herrschte heute reges Treiben. Der Altweibersommer war der Grund dafür. Zwei Tage Hitze hatten dazu geführt, dass die Bewohner der Stadt hinter den massiven Steinmauern Abkühlung suchten. Trotz der zahlreichen Restaurants gab es kaum freie Tische im Außenbereich. Es war Anfang September und ein ganz normaler Freitagabend. An der Ecke des Hauptplatzes, in einem Café an der Fleischbrücke, saßen zwei Männer am letzten Tisch und unterhielten sich freundschaftlich. Kollegen, alte Bekannte, fast zu Freunden geworden, hatten es während der langen Arbeitswoche nicht geschafft, ein heikles Thema zu lösen: die Entlassung einer Mitarbeiterin. Darum trafen sie sich hier, um das Für und Wider noch einmal zu diskutieren und eine endgültige Entscheidung zu treffen. Nikolai Archipov, ein in IT-Kreisen bekannter Softwarearchitekt, saß mit dem Rücken zum Gang, trank seinen Kaffee aus und fuhr mit offensichtlich unzufrieden fort:

„Ich möchte dich noch einmal daran erinnern, Mike, dass es zwei große Programmmodule gibt, die zu entwickeln sind. Und keiner weiß es besser als du, dass das Schicksal des Projekts direkt von diesem Ergebnis abhängt. Ich weiß nicht, wie ich einer Person sonst sagen soll, dass sie zu weit gegangen ist und damit die Arbeit meiner Abteilung eindeutig gestört hat.“

„Das bleibt natürlich dir überlassen, aber vergiss nicht, wie lange wir schon mit ihr zusammenarbeiten. Schließlich haben wir ja gemeinsam angefangen“, antwortete Mike.

Mike war bereits seit einem Jahr als technischer Projektleiter tätig. Bei der Einstellung von Mitarbeitern war er in der Regel ebenfalls beteiligt. Mike fuhr fort:

„Und die Folgen für ihre zukünftige Karriere sind alles andere als rosig. Sprich noch einmal ernsthaft mit ihr; vielleicht hört sie dir zu.“

„Wird sie das? Das hält dann vielleicht eine Woche an. Francies Hauptproblem ist, dass sie zu launisch ist. Ich setze nicht mehr viel Hoffnung in sie. Ich glaube, sie wird uns in dieser letzten Phase im Stich lassen.“

„Ich weiß, was du meinst, Nikolai, deshalb bestehe ich nicht weiter darauf. Ich kann für Dienstag eine Personalversammlung einberufen. Dort werden wir es dann bekanntgeben.“

Sie schwiegen, beide dachten nach und bestellten eine weitere Tasse Kaffee. Nach ein paar Minuten rutschte Nikolai sichtlich unruhig auf seinem Stuhl hin und her. Er war unzufrieden mit der übereilten Entscheidung. Schließlich wandte er sich an Mike:

„Ich habe mich gerade daran erinnert, wie Francie und ich vor einem Jahr eine nicht ganz einfache Lösung für das Problem der Assoziationen im Domänenmodell gefunden haben. Du erinnerst dich? - das Projekt des Bildungsministeriums. Das war damals die einzig mögliche Lösung; da bin ich mir ziemlich sicher. Es ist zu einem großen Teil ihr Verdienst.“

Archipov schwieg, Mike spürte den Stimmungswandel und erwartete schon einen neuen Vorschlag. Schließlich traf Nikolai eine Entscheidung für sich und wandte sich erneut an Mike:

„Geben wir ihr noch eine Chance. Vielleicht kannst du mit ihr reden und sie warnen.“

„Ich denke, sie wird es verstehen. Wenn sie auch dieses Mal zu viele Einwände vorbringt, werden wir sie kurzerhand rauswerfen.“

„Gut, abgemacht.“ - Archipov lehnte sich zufrieden in seinem Stuhl zurück und lenkte das Gespräch auf ein anderes Thema.

Eine Kellnerin kam auf sie zu und fragte, ob sie noch etwas bestellen wollten. Doch sie entschieden, dass es Zeit war, nach Hause zu gehen.

Nachdem er sich von Mike verabschiedet hatte, ging Archipov zu Fuß in die Altstadt. Er war mit dem Ergebnis dieser langen und stressigen Arbeitswoche zufrieden und wollte jetzt einfach nur weg von der Arbeit, entspannen, aber auf eine besondere Art und Weise. Vielleicht etwas Neues erleben. Seine Füße trugen ihn wie von selbst zum LeSalon. Er war schon einmal dort gewesen; die Besitzerin des Salons hatte damals einen besonderen Eindruck auf ihn gemacht.

Und so war es gewesen: Vor ein oder zwei Monaten hatte der Friseursalon, den Archipov früher besucht hatte, geschlossen. Er musste sich etwas Neues suchen.

An den Besuch von teuren Friseursalons hatte Archipov sich längst gewöhnt. Er gehörte nicht zu dem Kreis von IT-lern, die ausschließlich T-shirts und Turnschuhe trugen. Seine verantwortungsvolle und anstrengende Arbeit brachte ihm nicht nur eine große geistige Befriedigung im Falle eines Erfolges beispielsweise ein, oder umgekehrt einen drückenden Stress im Falle eines Fehlschlags. Auch Geld brachte die Arbeit ein, gutes Geld. Der Kauf des Hauses, teurer Autos und das üppige Familienbudget fraßen einen großen Teil des Einkommens auf, aber es blieb doch noch so einiges übrig. Archipov kleidete sich ausschließlich elegant, bevorzugte Schuhe und Kleidung hochwertiger Marken. Er besaß eine wunderbare Sammlung von Jagdwaffen, darunter auch seltene, historische Stücke, kurz gesagt, er liebte die schönen Dinge.

Es ist nicht schwer zu erraten, dass die Aufmerksamkeit der Frauen Archipov nicht ganz unwichtig war.

Seine markanten Gesichtszüge und sein athletischer Körperbau sorgten für ein attraktives Erscheinungsbild. Nicht zuletzt das Turnen in der Studentenzeit hatte dazu beigetragen. Obwohl man unter zehn Männern sicher zwei, drei finden konnte, die rein äußerlich attraktiver waren. Nein, Frauen fanden ihn nicht nur wegen seines Äußeren interessant. Willensstark, aber gleichzeitig auch flexibel, hatte er einen freien Geist und war gelegentlich sogar abenteuerlustig. Außerdem hatte er ein besonderes Charisma, dass es ihm zum Beispiel erlaubte, schnell im Zentrum der Aufmerksamkeit einer Gruppe zu stehen, die Männer und Frauen um sich herum unbemerkt auf seine Seite zu ziehen, wobei sich seine Stimmung auf die anderen übertrug. Er schätzte diese Fähigkeiten an sich und konnte sie mit der Zeit immer besser einsetzen, um die Sympathie von Frauen und Männern zu erwecken.

Also kam Archipov, auf der Suche nach einem exklusiven Friseursalon auf Empfehlung eines Bekannten in den Le-Salon. Die Rezeption des Salons sah beeindruckend aus; ein historischer Friseurstuhl und eine Vitrine mit den Siegerpokalen verschiedener Friseurwettbewerbe dienten als Dekoration. Die signierten Fotografien prominenter Persönlichkeiten an den Wänden harmonierten mit dem sorgfältig gestalteten Interieur des Salons.

Die Besitzerin des Salons ließ es sich nicht nehmen, Nikolai persönlich zu bedienen, und so kam es zu einem Gespräch. Diese schlanke, auf den ersten Blick zerbrechliche Frau strahlte nur so vor Energie. Die südländische Schönheit mancher Frauen kann außerordentlich beeindruckend sein. Ihre schwarzen, samtenen Augen berührten und zogen einen in ihren Bann. Ihr Gesicht war besonders schön. Vielleicht waren es ihre Nase, die etwas größer als durchschnittlich war, und ihre stark ausgeprägte Mimik, die ihr diese besondere Einzigartigkeit und Anziehungskraft verliehen. Ihre besondere Art wirkte keinesfalls gespielt, nicht theatralisch, vielmehr wie eine natürliche Reaktion auf die Ereignisse um sie herum. Auch durch ihre Körpersprache konnte sie mit einer Geste selbst das Interesse Fremder auf sich lenken. Ein Mensch mit tausend Gesichtern. Schon an diesem ersten Tag ihrer Bekanntschaft bemerkte Nikolai, dass er und Isabell sich sogar in gewissen Dingen ähnlich waren. Es ist schwer zu erklären, was konkret es war, aber irgendetwas zog ihn vom ersten Moment an sehr stark zur Salonchefin hin.

Nach gerade einmal zwei Wochen besuchte Archipov den LeSalon zur Überraschung der Salonbesitzerin erneut.

„Sie schon wieder?“ - Sie betrachtete das ordentlich gestylte Haar ihres Kunden: „Es sieht doch gut aus, glauben Sie mir. Es sollten mindestens drei Wochen zwischen den Friseurbesuchen liegen. Dann wird Sie eine meiner Mitarbeiterinnen bedienen.

„Was meinen Sie mit ‚eine Mitarbeiterin‘? Ich habe erwartet, dass Sie mich bedienen.“

„Nein, das letzte Mal war eher eine Ausnahme von der Regel. Ich betreue meine Kunden nur sehr selten persönlich. Ich kümmere mich um das Management des Salons und auch um die Planung einiger Designprojekte. Nichts für ungut, aber ich stehe ständig unter gewaltigem Zeitdruck.“

Die Inhaberin des Friseursalons erwartete Zustimmung und war schon bereit, den Termin für den nächsten Besuch zu vereinbaren, aber Archipov zögerte absichtlich mit seiner Antwort. Er war es gewohnt, seinen Willen durchzusetzen. Nach einer kurzen Pause, antwortete er:

„Schade, beim letzten Mal hat es mir bei Ihnen gefallen. Ich wollte sie eigentlich weiterempfehlen. Aber ich verstehe Sie und werde natürlich nicht darauf bestehen.“

Er nickte zum Abschied, wandte sich langsam dem Ausgang zu und wollte gerade einen Schritt nach draußen machen, als Isabelle, so hieß die Salonbesitzerin, ihn aufhielt:

„Warten Sie einen Moment. Wo gehen Sie denn hin? Ich werde versuchen, ein freies Zeitfenster in meinem Terminkalender zu finden, aber ich warne Sie, es wird nicht so bald sein und der Zeitpunkt ist vielleicht nicht günstig für Sie.

Sie schaute etwas auf ihrem Smartphone nach und verglich es mit den eingetragenen Terminen im Notizbuch. Mit einem zufriedenen Nicken nannte sie Archipov einen neuen Termin.

„Das passt“, erwiderte Archipov zustimmend, ohne nachzudenken, „dann bis nächste Woche.“

Er ging in Richtung Ausgang. Sie lächelte, neigte leicht den Kopf und sah ihm hinterher.

Eine Woche verging, Nikolai war wieder zurück in der Altstadt. Die Pflastersteine wurden nicht mehr von der Sonne gewärmt und der Wind fegte durch die Risse der mittelalterlichen Häuschen. Nach einer Weile endet die aus bedrückenden und trostlosen Ruinen bestehende Gasse. Kurz vorher hatte es geregnet. Nun kam die Sonne wieder heraus. Ihre Strahlen spiegelten sich auf faszinierende Weise auf den nassen Fassaden der Gebäude. Mit großen, hellen Schaufenstern und dem Duft frischer Blumen begrüßte Nikolai der Le-Salon.

Isabelle winkte zur Begrüßung mit der Hand und lächelte. Mit einer Geste deutete sie ihm an, dass er sich etwas gedulden müsse. Sie war offensichtlich in ein Gespräch mit einem Kunden vertieft - einem eleganten Mann mittleren Alters. Die beigefarbene Hose und das Jackett passten so gut zu der wundersamen Gestalt des Besuchers, dass man sich nur schwer vorstellen konnte, dass er je etwas Anderes trug. Archipov empfand jedoch sofort eine gewisse Antipathie gegenüber dem neuen Besucher. Die „beige Wolke“ drehte sich ganz unerwartet um und schaute zum Fenster, offenbar in der Erwartung, jemanden am Eingang zu sehen. Archipov erkannte sofort das einprägsame Gesicht mit Bart, das er so oft im Fernsehen gesehen hatte. Er fragte sich, wie dieser Prominente aus der Hauptstadt in seine Region gekommen ist.

Nikolai hörte dem Gespräch aufmerksam zu und erkannte, dass es um eine bevorstehende Modenschau irgendwo in Süddeutschland ging. Isabelle selbst würde aktiv an dieser Modenschau teilnehmen und im Erfolgsfall einen beachtlichen Gewinn erhalten. Nikolai war überrascht, dass dieses Geschäftsgespräch mehr auf einer freundschaftlichen als auf einer geschäftlichen Ebene verlief. Es fühlte sich an, als würden sich die beiden schon lange kennen. Etwa zwanzig Minuten später verließ der „beige Promi“ den LeSalon und Archipov nahm seinen Stuhl ein.

„Wie ist er hierhergekommen?“ - Archipov wandte sich neugierig an Isabelle. Ein selbstbewusstes, leicht verschmitztes Lächeln huschte über ihr Gesicht, bevor sie antwortete:

„Er ist mein Freund und teilweise mein Geschäftspartner. Die Zusammenarbeit mit ihm hat mir bereits große Vorteile gebracht. Diese Leute sind reich. Aber die Hauptsache ist, dass es interessant und die Arbeit kreativ ist, dass wir nicht stillstehen.

„Das sind also die Kreise, in denen Sie sich bewegen!“, stellte Archipov mit einem Hauch von Ironie fest, „Prominente, Elite, …“

„Ja, so ungefähr.“, antwortet sie und es fiel ihr schwer ernst zu bleiben. Im Einklang mit seinem Tonfall und seiner Stimmung fuhr sie fort:

„Nun, was wünscht sich Herr Archipov heute?“

Allmählich ließ die Anspannung nach. Isabelle erzählte von ihrer Sehnsucht nach Spanien, ihrer Kindheit und ihren Eltern, die dortgeblieben waren. Während sie erzählte, wurde ihre Stimme ganz ruhig und es war unschwer zu erkennen, dass ihr viel daran lag.

Seitdem besuchte Archipov den LeSalon oft und immer bediente ihn Isabelle persönlich. Ihre Gespräche liefen wie von selbst. Inzwischen duzten sie sich und die gegenseitige Sympathie war offensichtlich geworden.

An einem Abend kam er kurz vor Ladenschluss bei ihr vorbei. Die letzten Kunden und Mitarbeiter waren bereits gegangen, die beiden waren allein. Das Gespräch wurde zunehmend intimer. Isabelle erzählte:

„Ich lebe jetzt seit einem Jahr nicht mehr mit Jürgen, meinem Ex, zusammen. Wir waren nicht verheiratet, aber wir lebten einige Jahre als Paar. Er arbeitete als Ingenieur und verdiente gutes Geld; wir mieteten ein großes Haus. Wir hatten viele gemeinsame Freunde; im Haus war es immer laut und lustig. Aber alles hat sich geändert.“

Sie schwieg eine Sekunde, dann fuhr sie fort:

„Weißt du, nicht zu vergessen ist, dass er meine Tochter aus der ersten Ehe immer gut behandelt hat, wie seine eigene Tochter. Sie verstehen sich immer noch gut.“

„Wer hat es also vermasselt, du oder er?“, fragte Archipov direkt. Sie fuhr fort:

„Ich weiß nicht, es ist viel passiert; ich erzähle dir irgendwann davon. Vor allem aber hat sich Jürgen, seitdem er nicht mehr als Ingenieur arbeitet, sehr verändert. Derzeit jobbt er irgendwo. Obwohl wir schon lange kein Paar mehr sind, wohnt er noch immer in meiner Wohnung. Darüber bin ich nicht gerade begeistert. Aber er tut mir leid. Desshalb sage ich nichts, obwohl ich müde davon bin, aber für ihn ist es anscheinend völlig in Ordnung.

Sie sah Nikolai verlegen an. Er lächelte mit einem Blick, der sagte: „Na ja, das kommt vor.“ Sie fuhr fort:

„Erzähl mir lieber von deinem Russland oder frag mich nach meinem Leben. Ich möchte über etwas Entferntes und Schönes sprechen.“

„Dann lass uns über dein Leben vor der Immigration sprechen.“, Archipov ging auf ihre Bitte ein, „Du sagtest mir, dass du an der Universität von Madrid studiert hast, aber nicht aus der Hauptstadt stammst. Wie hast du es damals geschafft, durchzukommen?“

„An der Universität angenommen zu werden war nicht so schwer, das Studieren schon. Mathe, Informatik - das war alles furchtbar schwierig für mich. So kommt es, dass ich keinen Universitätsabschluss gemacht habe.“, sie lächelte leicht beschämt. Die Zeit verging langsam, während sie ihr einfaches, ruhiges Gespräch fortsetzten.

Nikolai lag fast auf dem Stuhl, den Kopf nach hinten auf das Waschbecken gestützt. Sie stand hinter dem Waschbecken, bereitete eine Gesichtskompresse vor; dann hielt sie einen Moment inne. Nikolai sah auf und schaute sie an; ihre Blicke kreutzten sich. Für einen kurzen Moment verharrte sie in ihrer Position. Er spürte das Aufblitzen eines besonderen Funkens zwischen ihnen. Ob so ein Funken der Beginn einer Beziehung ist, weiß man in dem Moment nicht.

Zwei Wochen später fand Nikolai einen erneuten Grund, Isabelle zu besuchen, doch dieses Mal wurde er enttäuscht. Es geschah ganz unerwartet. Das angenehme Gespräch, das sich mit der Zeit entwickelt hatte und das beide genossen, wurde durch ihre plötzliche Frage abrupt beendet: „Während ich dir alles über mich erzähle, sprichst du nur über deine Arbeit und deine Interessen, aber nie über persönliche Dinge. Hast du eine Familie?“

Archipov wurde klar, dass er antworten musste und zwar jetzt, so sehr er sich auch davor drücken wollte.