Watt soll dä Quatsch - Etti Ruhöfer - E-Book

Watt soll dä Quatsch E-Book

Etti Ruhöfer

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Beschreibung

„Watt soll dä Quatsch Ruhrpöttisch oder watt?“ Ich find, datt sich de Zeit orntlich vaändert hat und unheimlich schnell an vagehen is. Und je älter datte bis, je schneller geht se um, datt bisken, datte noch has. Alze klein was, ging allet viel zu langsam, da wurze und wurze einfach nich erwachsen, wodet doch so schnell sein wolz. Abba datt is in Alter anders gewoden... Humorvolle und besinnliche Geschichten aus dem Revier. Allerdings auf „Ruhrpöttisch“, also frisch von der Leber weg, so, wie den Leuten dort – und ganz speziell der Autorin – der Schnabel gewachsen ist…

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Seitenzahl: 86

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Inhaltsverzeichnis:

De Zeit is nich mehr datt, watt se ma wa

Datt krisse kaum in dä Kopp...

Dä letzte Kampf von uss Henry

Besuch bei Adele

Oma, dä Schreck vonne Karl Lehr-Straß

De Gewöhnung isset

Ja, Matthes, getz kuckse dumm...

Und datt an Silvester...

Watt macht datt denn schon?

Zockerrunde

Da steckt mein Herz drinne

Auße Fotokiste

Witz

Watt is dich lieber

Wennet et doch gut tut

Wenner doch nur nich immer ausrasten tät!

Von... An...

Weihnachtseinkauf

Wennet einen trifft

Datt, watt für dä Mann so wichtich is

Freitach, und de Muse kitzelt...

Blutrache

Getz brat mich doch einer en Storch!

Getz muss ich watt von en Freund erzählen

Ja, ja, die Verwandtschaft...

Außen Clubleben

Discoabend

Clubausfluch

Datt is noch echte Musik

Hallo, Leute

Auße Presse

De Zeit is nich mehr datt, wattse ma wa

Ich find, datt sich de Zeit orntlich vaändert hat und unheimlich schnell an vagehen is. Und je älter datte bis, je schneller geht se um, datt bisken, datte noch has.

Alze klein was, ging allet viel zu langsam, da wurze und wurze einfach nich erwachsen, wodet doch so schnell sein wolz. Abba datt is in Alter anders gewoden...

Watt sind denn heut noch zwölf Monate? Kaum is datt Jahr angefangen, zappzarapp, schon iss de Hälfte widda um. Und de andere Hälfte von datt Jahr geht dann genauso schnell um wie datt de erste Hälfte schon iss. Als wenne dä Berch an runterfahren wärs, is datt – immer schneller und schneller. Eh de dich vasiehs, stehse sozusagen vor die Ausmusterung. Irgenzwann werden datt alle merken. Datt is nu ma dä Lauf von datt Leem. Und wie se sich vaändert hat, de Zeit. De Jungen merken datt nich, die wachsen ja mit se. Abba de Alten!!

Watt wa datt doch früher schön. Wennze da ma fürn Vatter watt kaufen wolz, en Sonntachsanzuch oder sonzwatt, gings dahin, wo „Herrenbekleidung“ übern Eingang stand. Und egal watte brauchtes, ob ne Windjacke, oder fürn Sommer en sportlichet Sakko, de Vakäufer ham dich vastanden und du hass de Vakäufer vastanden.

Heut isset doch so, wennze ma en neuen Zwirn brauchs, wie ich neulich für mein Matthes. Da steht nich mehr über die Tür Herrenbekleidung, nä, da steht getz „Men’s Wear“ oder watt anderet Englischet. Und ene Windjacke, heißt getz „Windbraekers“, und en sportlichet Sommer-Sakko heißt „sportivet Jackets in Summer-Styling“. Vonne Vakäufer krisse dann en mitleidigen Blick, weilze deutsch sprichs.

Muss datt denn sein? frach ich mich.

Da wirse doch, wennze alt bis, ganz ramdösich, weilze manchma nich mehr weiß, in watt von Land de eintlich bis. Und dann die Technik. Gegen die hab ich ja nix. Fortschritt muss ja sein. Abba va-such doch nur ma ne Gebrauchsanweisung zu lesen, oder mach, wennze alt bis ma en Computerkurs, willz ja auch auffen Laufenden sein. Nix is in Deutsch. Unsere schöne Sprache is total vaenglischt.

Watte heut, nur rein technisch gesehn, für datt ganz nomale Leem brauchs, watte dafür allet in dä alte Kopp kriegen solis, datt geht auf keine Kuhhaut. Et is ne Qual wennze mit se gehn wilz – mit de Zeit, mein ich, und wennze mitreden willz. Vadammich noch ma! datt Leem is echt problematisch geworden...

Datt krisse kaum in dä Kopp...

Jedenfalls bin ich getz endlich drin! – In Internet, mein ich. Hätt ich doch nie gedacht, datt ich datt aufen alten Tach noch in mein Kopp rein kriegen tu. Viele sagen ja, datt son Computer watt schlimmet is. Na ja, einfach iset nich, abba watt ich bis getz von die Technik vastanden hab, find ich supa. Zugegeben, de grauen Zellen machen da schon manchma Probleme. Und mein Matthes geht mich auch ganz schön auffen Wecker. Imma wenn ich ma watt nich finden tu, sacht dä: „Ohne Kurs schaffse datt nie.“

Ja, mitte Theorie habbet ich et eben nich so. Praktisch klappt datt abba schon. Und dann bin ich ja auch nich so wie mein Matthes, von wegen ‘Fragen nee, lieber valofen’. Ich frach mich durch bei Nachba Harm. Richtich heißt dä Harm ja anders, abba watt so die richtigen Computer-Heinis sind, die geben sich so komische Namen. Brauch ja nich jeder wissen, mit wemer vakehren tut und so, ne?

Also, Nachba Harm tut mich datt allet ganz toll erklären, und so anschaulich. Und en bisken davon behalt ich soga.

En „Explorer“, sacht Harm, is sozusagen datt Surfbrett mit datt man durch datt weltweite Datenmeer surfen kann. Datt vasteh ich schoma. Und en „Provider“, sachter, is en Vasorger dä datt Internet mit Daten vasorcht.

Ha! genau wie mein Matthes, der vasorcht mich ja auch, abba nich mit Daten, nää, mit Kohle. Dann is dä also mein Provider, denk ich ma, oder?

Schade, datt dä sich nich für Computer interessieren tut. Dä nimmt sich lieber sein Explorer und surft anne Nordsee.

Pö! anne Nordsee, ää! Dä müsste doch eintlich, wenner nur anne Nordsee rumsitzen tut, neidisch auf mich sein, datt ich so ganz bequem auf mein Stuhl sitzen und in weltweite Datenmeer rumsurfen tu.

Datt hatter nu davon. Warum isser auch nich drin – in Netz, mein ich. Datt iss doch so praktisch. Man brauch nirgenz mehr hinzugehen und hat trotzdem Spaß. Jede Menge Kontaktaufnahmen durch „Cyberspace“. Ich glaub, so heißt datt.

Man ää, datt sind Worte, die kamma kaum schreiben und dann soll man se auch noch behalten. Da bin ich echt immer in Kampf mit meine grauen Zellen. Abba datt iss mich dä Spass wert. Ich hab nämich gern viel Kontakte. Bein Computer geht datt allerdings nur elektronisch. Dafür isset abba auch günstich, wennze willz. „Call by Call“ nennt sich datt, glaub ich, da kannze jede Menge Billichanbieter wählen, sacht Nachba Harm. Toll, watt? Datt merkt sich doch jeder, oder? Wann und wo hattet für Bekanntschaften jeder Art auch schoma Billiganbieter gegeben?

Getz weiß ich auch, warum Harm gesacht hat, datt man Ordner anlegen muss. Klar, damit man dä Überblick nich verlieren tut. Könnt doch peinlich werden, und datt will doch keiner, oder?

Da gibbet noch sowatt, aumann!, datt heiß „Cybersex“. Datt hab ich allerdings nich von Nachba Harm, datt weiß ich vonne Freundin. Sowatt lässt sich besser von Frau zu Frau übermitteln. Abba, wenn ich ehrlich bin – nää, da will ich nix von wissen, datt is mich einfach zu abstrakt. Hat sich damit schoma einer beschäfticht? Nä? Lasstet, lasstet sein. Ich hab mich datt ma ganz kurz nur vorgestellt: Da hasse, sagen wer ma in England en Kontakt. Dann ziehse dich son komischen Anzuch an mit Sensoren dran. Dann fängse an, dich zu bekrappschen. Kann ma einer sagen, watt dadraus werden soll? Datt nennen die Fortschritt. Eingeschänkte Lebensqualität is datt, und sich auße Verantwortung stehlen, is datt. Und datte Bevölkerungszahlen an Absacken fangen, datt kümmert keinen. So sieht datt aus! – Wenn ich datt richtich vastanden hab.

Nee, sowatt will ich einfach nich kapieren. Brauch ich auch nich. Datt, watt ich kann, reicht für mein Alter – bisken elektronisch Kontakt aufnehmen und so... Is zwa gewöhnungsbedürftich, abba datt schaff ich so grad noch.

Übrigens, in mein Internetbuch hab ich gelesen, datt die, die per E-Mail vakehren viel schneller auffen Punkt kommen, weil datt ganze Drum und Dran watt man sonz so macht, wegfällt.

Datt die abba auch allet rationalisieren müssen. Kamann getz nur hoffen, datt sich nich irgendwann ma Ausfallerscheinungen bemerkba machen, wenn die sich alle nur noch elektronisch vagnügen tun. Ganich auszudenken war datt!

Und noch watt hab ich gelesen in datt Buch, watt mich fast umgehauen hat. Datt muß man sich ma vorstellen, man kann soga bei datt ganze elektronische Getue seine Gefühle emotional untermalen. „Smileys“ nennt man die Dinger.

Z. B. Lächeln: „Doppelpunkt, Bindestrich, Klammer. Hab ich vasucht. Als ich dann auffe Klammer drückte, kam son kleinet lächelndet Gesichtken. Ich mein, datt vasteht man, und datt macht auch fröhlich. Obwohl, en Lächeln von Angesicht zu Angesicht, datt lässt sich numa nich durch Doppelpunkt, Bindestrich und Klammer ersetzen, mein ich, oder?

Dann, lautet Lachen: „:-D“. Ich frach Sie, watt hat datt mit lautet Lachen zu tun. Also datt Symbol find ich ja total doof. – Doof? Jawoll! Datt isset! Et gibt ja so viele, die bei jedet Bissken laut lachen. En Zeichen von Inteligenz is datt ja nu ma nich. Wennet abba datt ausdrücken soll, dann könnt ich mich mit „:-D“ einvastanden erklären. Ganz schön raffiniert, muss ich sagen.

Watt glaubter wohl, wie datt Symbol für Kuss aussieht? Ganz mager, sachich nur, ganz mager! Watt so Schönet wie en Kuss nur mit en schusseliget „:-x“ zu bezeichnen, und dann noch erwarten, datt man et auße Ferne genießen tut. Watt einfallsloseret gibbet nich.

Ich mein, in mein Alter kamann sich ja notfalls noch übba en „:-x“ freuen und zufrieden geben. Abba... Neee, alo ehrlich, da fällt mich doch nix mehr ein. Da kann ich doch nur noch „:-D“, abba ganz ganz laut.

Wie gesacht, wenn ich datt allet richtich vastanden hab...

Dä letzte Kampf von uss Henry

Abens tun mein Matthes und ich uns immer einigen watt datt Fernsehprogramm betreffen tut. Matthes is dann immer unheimlich großzügich. „Such du watt aus“, sachter dann.

Meistens sach ich ja: „Egal. Bin ja nich so heiß drauf.“ Aba manchma tu ichet, nur um zu kucken, obbet watt nützt. An dä bestimmte Tach, dä ich getz mein, da hattet auch nix genützt. Da wa nämien dä Henry abens in Fernsehn.

Gesacht hab ich nix, obwohl Sport nich so mein Ding iss. Bin nur en Zufallskucker, bissken MSV, bissken Borris und Steffi. Beiet Boxen hab ich sonz immer die Kurve gekratzt. Ich konnt datt einfach nie ab, dem Matthes sein Stöhnen, sein Zucken und wenn dä immer Löcher inne Luft an hauen wa. Aba an dä Abend blieb ich brav neben mein Matthes sitzen. Und obbert glauben wollt oder nich, bein Henry fing auch ich an zu zucken, und dä arme Matthes krichte dann so manchen Puff inne Seite.

Seid doch ma ehrlich, son schönet Boxergesicht wie datt von uss Henry, datt lässt doch jedet Herzken höher schlagen. Dä Mann iss ja sowatt von estetisch, datt hälze in Kopp nich aus! Dä hat auch allet, watt sich Frauen wünschen tun.