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Reisen Sie mit Elias Goldstern in die physische, mentale und geistliche Freiheit. Panamá-Papers – das mitreißende Abenteuer beginnt in Europa mit der Flucht aus einem Hochsicherheitsgefängnis - Freiheit. Schwächen der Justiz werden schonungslos aufgedeckt. Nichts ist unmöglich! Mentale Vorbereitung für den Weg in die Freiheit durch Aristoteles und Attila. Das Christentum wird schwer erschüttert. Wo liegt die Wahrheit? Die Flucht endet in Argentinien, während ein Brief an die Kanzlerin – der Verrat Deutschlands – die Unfähigkeit deutscher Politiker und Behörden beleuchtet. Die Reise öffnet Ihnen Türen in eine neue Dimension von Freiheit. Diese brauchen wir, denn unsere Gesellschaft steht vor einem völligen Umbruch.
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Seitenzahl: 361
Veröffentlichungsjahr: 2020
Misserfolg ist lediglich eine Gelegenheit, mit neuen Ansichten noch einmal anzufangen.
Henry Ford
Für alle, die aus den Fehlern anderer lernen wollen.
Für alle, die Ihre geistlichen Begrenzungen sprengen wollen.
Für alle, die tiefere Hintergründe im Finanz- und Justizbereich suchen.
Für alle, die glauben, dass im Leben nichts unmöglich ist.
Für alle, die eine neue Hoffnung brauchen.
Für alle, die Panamá und Südamerika aus der Praxis erfahren wollen.
Für alle, die auf der Suche nach dem Sinn des Lebens sind.
Für alle, die an der geistlichen Wahrheit interessiert sind und sich nicht mit einer Religion zufrieden geben.
Für alle, die dringend eine umfangreiche Renovierung Ihres Lebens benötigen.
Für alle, die sich mit den tiefgreifenden Änderungen in Deutschland und Europa beschäftigen.
Ein erfolgreicher Weg bei internationalen Firmen ermöglichte dem Autor ein wohlhabendes Leben in verschiedenen Ländern mit unterschiedlichen Kulturen – u. a. Dubai (V.A.E.), Südafrika, Argentinien und Panamá. Fehlentscheidungen führten den in Deutschland geborenen Autor in tiefgreifende Krisen, während Entschlossenheit und spirituelle Erkenntnisse einen Neuanfang ermöglichten – Wege der Freiheit.
Vorwort – Überraschung in Wien
Panamá - Schweiz
Die Entscheidung
Schwierige Besuche - Korruption
Attila und Aristoteles
Freiheit
Die Heimat
Eine Reise mit Schrecken
Spirituelle Erkenntnisse - Neuanfang
Abenteuer in Südamerika
Überraschende Rückkehr
Argentinien – Endstation?
Spirituelle Erneuerung – Frieden
Nachwort – Brief an die Bundeskanzlerin
Sommeranfang 2006: Ich verließ die Wohnung gemeinsam mit meiner damaligen Freundin, um mit der Straßenbahn in das Stadtzentrum von Wien zu fahren. Das Appartement lag in Döbling, ein schöner Wohnbezirk am Fuße der Weinberge des Wiener Waldes. Noch am frühen Morgen war ich in die nahe gelegenen Hügel gejoggt. Dort kündigte ein Warnsignal das drohende Unheil bereits an!
Eine Schlange versperrte den schmalen Pfad, der am höchsten Punkt meiner Laufstrecke einen herrlichen Blick auf Wien bot. Ich betrachtete das unheimliche, bunt schimmernde Lebewesen, das regungslos in der wärmenden Morgensonne lag. Die Schlange schien sich noch in der Aufwärmphase zu befinden. Ich warf einen kleinen Stein in ihre Richtung, in der Hoffnung, dass sie rasch im Dickicht verschwinden würde. Das war leider nicht der Fall. Nach kurzer Ratlosigkeit fasste ich mir ein Herz und sprang über sie hinweg. Nach einigen Metern tauchte ich wieder in die schattigen Hänge des Wiener Waldes ein. Jetzt begann der angenehme Teil meiner Laufstrecke. Bis auf zwei oder drei leichte Anstiege ging es nur noch bergab. Leider sollte sich dieser Abwärtstrend auch noch in meiner Lebenssituation fortsetzen.
Nach insgesamt eineinhalb Stunden erreichte ich erschöpft, jedoch ganz zufrieden mit der vollbrachten Aktivität, meine Wohnung. Ich stärkte mich mit einem deftigen Mittagessen ohne zu ahnen, dass es für längere Zeit die letzte wirklich wohl schmeckende Mahlzeit sein würde. Gegen 14 Uhr machte ich mich mit meiner Freundin gut gelaunt auf den Weg zur nicht weit entfernten Straßenbahnhaltestelle. Der Tag zeigte sich von seiner besten Seite und ließ mit sommerlichen Temperaturen den langen, strengen Winter vergessen.
Wir waren kaum hundert Meter gegangen, als uns ein Mann mit sportlicher Kleidung den Weg versperrte. Mit energischer Stimme verkündete er: „Kriminalpolizei Wien! Sie sind festgenommen!” Dabei hielt er mir seine Dienstmarke entgegen. Sofort legte er mir Handschellen an und durchsuchte meine Hosentaschen, in denen sich etwas Bargeld und die Wohnungsschlüssel befanden. Diese Gegenstände nahm er gleich zu sich.
Wir befanden uns auf einem schmalen Gehweg zwischen einer Hausmauer und einem geparkten VW-Bus, aus dem mittlerweile die Kollegin des Kriminalbeamten ausgestiegen war. Sie sprach mit meiner völlig fassungslosen Freundin, deren Augen sich bereits mit Tränen füllten. Auch ich war völlig geschockt und niedergeschlagen. Nicht einen Augenblick lang dachte ich daran, die Flucht zu ergreifen.
Eine Szene wie diese kannte ich, wenn überhaupt, dann nur aus dem Fernsehprogramm. Doch jetzt war es traurige Wirklichkeit. Die Beamtin schloss die Tür des Fahrzeugs. Sie ging mit uns und ihrem Kollegen zu unserer Wohnung, deren Lage sie bereits seit längerer Zeit ausgekundschaftet hatten, wie ich später erfahren sollte. Ich fühlte mich gedanklich vollkommen leer, als ich mit den äußerst unbequemen Handschellen und in Begleitung der Polizei den Rückweg zum Appartement antrat. In der Wohnung wurde mir von dem Beamten sofort der schriftliche Haft- und Hausdurchsuchungsbefehl präsentiert. Gleich danach beschlagnahmte er mein Notebook und praktisch alle Unterlagen, die sich in meinem Schreibtisch befanden. Die Beamtin, die mit meiner schluchzenden und zitternden Freundin am Esstisch saß, verständigte mit ihrem Mobiltelefon weitere Polizeikollegen. Die
beiden Herren, ebenfalls in Zivilkleidung, trafen nach ungefähr einer Viertelstunde ein.
Das Schlimmste in der schrecklichen Situation war für mich der Anblick meiner traurigen Freundin. Ihre Welt war wohl vollständig zusammengebrochen. Ich riet ihr, die Wohnung zu verlassen, um ihre vorher bereits geplanten Termine in der Innenstadt wahrzunehmen. Doch dazu war sie nicht zu bewegen. Ich fragte die Polizistin, ob ich das bei der Festnahme beschlagnahmte Bargeld, ungefähr 300 Euro, meiner Freundin geben dürfte. Sie antwortete mir, dass ich das Geld im Gefängnis sicherlich besser gebrauchen könnte. Nie wäre ich darauf gekommen, dass man in einer Haftanstalt Geld verwenden kann. Ich stimmte dem Vorschlag der Beamtin zu, die sich damit auf jeden Fall besser auskennen musste.
Die beiden telefonisch verständigten Polizisten trafen ein. Sie sollten mich ins Gefängnis bringen. Sie rieten mir, schnell eine Tasche mit Kleidung zu packen, da mein Aufenthalt im Untersuchungsgefängnis wohl einige Zeit in Anspruch nehmen würde. Meine Bewegungsfreiheit war durch die Handschellen ziemlich stark eingeschränkt, deshalb bat ich meine Freundin, ein paar Sachen in eine Sporttasche zu geben. Sie bestückte meinen Kulturbeutel mit Parfüm, elektrischen Rasierapparat und packte meine Badehose ein, gerade so, als würde ich auf eine vergnügliche Urlaubsreise gehen. Nach wenigen Minuten war die Tasche fertig, und ich musste sie mit meinen durch die Handschellen verbundenen Hände aufnehmen. Die beiden Polizisten führten mich zu ihrem Dienstfahrzeug, ein alter ziviler Mercedes. Meine Freundin blieb mit der Beamtin und deren Kollegen in der Wohnung. Das erschreckende Ereignis war für mich bereits gedanklich das Ende unserer eineinhalbjährigen Beziehung. Wie ich später erfuhr, verhörten sie die beiden Kriminalbeamten bis gegen 22 Uhr, außerdem durchsuchten sie die gesamte Wohnung.
Ich nahm auf dem Rücksitz des Fahrzeuges Platz. Wir fuhren ungefähr 20 Minuten durch eine mir unbekannte Gegend von Wien. Tausend Gedanken gingen mir durch den Kopf. Die gesamte Situation kam mir wie mein eigenes Begräbnis vor. Das Gefühlschaos ließ keine Fluchtgedanken zu. Dadurch prägte ich mir die Wegstrecke nicht ein und leider auch nicht die unmittelbare Umgebung des Gefängnisses. Es war gegen 15 Uhr als wir an diesem schicksalhaften Donnerstagnachmittag dort ankamen. Die Polizisten führten mich in das Gebäude. Ein Beamter nahm mir meine Tasche ab und protokollierte die übergebenen Sachen. Den Gürtel meiner Hose musste ich ebenfalls abgeben, um einen Selbstmordversuch zu vermeiden. Die Schnürsenkel meiner Schuhe vergaß man zu entfernen. Anschließend befreite man mich endlich von den Fesseln aus Stahl, den einschneidenden Handschellen.
Eine in der Nähe befindliche schwere Eisentür wurde geöffnet. Ich betrat die übel riechende, enge Zelle. Sofort verriegelte der Beamte hinter mir die Tür. Solch einen schlimmen Raum hatte ich vorher nur auf einer Museumstour gesehen, als ich das legendäre Gefängnis “Alcatraz” besichtigte. Es befindet sich auf einer Insel vor San Francisco, in den Vereinigten Staaten von Amerika. Nicht im Traum hatte ich jemals daran gedacht im Gefängnis zu landen. Der strenge Geruch kam vom Urin, der am geteerten Boden stand. Ein Holzpodest mit einer dreckigen Plastikmatte war der einzige Gegenstand in dem Verlies. Ein winziges, vergittertes Fenster befand sich unerreichbar in Deckenhöhe. Das Licht kam von einer grellen Neonröhre, die meinen Augen wenig Freude bereitete. Neben der Tür befand sich ein unscheinbarer Klingelknopf. Darunter war sinngemäß folgender Wortlaut hingekritzelt: Nicht drücken, sonst sind die Beamten sehr verärgert. Es drohen Prügel!
Die gesamten Wände waren mit zahlreichen Sprüchen und Zahlen verschmiert. Deprimiert setzte ich mich auf das Holzpodest. „Wie wird es jetzt wohl weitergehen?”, fragte ich mich seufzend. Ich dachte, dass ich in der stinkenden, kleinen Zelle bis zum Abschluss der Untersuchungen bleiben müsste – ein grauenhafter Gedanke! „Die Nachforschungen könnten tatsächlich eine Weile in Anspruch nehmen, da meine letzten Wohnorte in Dubai, Panamá-City und Johannesburg, Anlass zu zahlreichen Spekulationen geben würden“, reimte ich mir zusammen. Es galt, neue Ansichten und Gedanken zu erhalten, um nicht jetzt schon zu resignieren!
Ein Jahr zuvor: Meine Lebensgefährtin und ich saßen in einem angenehmen Wiener Kaffeehaus. Unsere Melange, eine gute österreichische Kaffeespezialität, wurde von einem Apfelstrudel begleitet. Die Atmosphäre war entspannt und wir widmeten uns den zahlreichen Tageszeitungen, die aus verschiedenen Ländern stammten. Ein guter Service, der die erhöhten Kaffee- und Kuchenpreise rechtfertigte.
Ein Artikel über die BAWAG-Bank weckte mein besonderes Interesse. Die österreichische Gewerkschaftsbank hatte doch, sage und schreibe, einen Kredit über 350 Millionen Euro für eine nordamerikanische Firma namens Refco in den USA genehmigt, und sogleich das Geld auf deren Konto überwiesen. Obendrein war das Ganze noch in einer eiligen Wochenendaktion erfolgt. Wir alle wissen, wie lange es dauert, bis man einen kleinen Kredit genehmigt bekommt. Und nun hatte diese Bank auf die Schnelle einen Kredit beschlossen, der, sollte er nicht zurückbezahlt werden, die Bank vor existenzielle Probleme stellen würde. Man kann sich vorstellen, welche Zeit es in Anspruch nehmen würde, eine Summe in dieser Größenordnung über Gebühren und Zinsgeschäfte wieder hereinzuholen. Das roch von weitem nach Betrug!
Und so bestätigte es sich auch sehr bald. Die enorme Summe war überwiesen worden, als der Empfänger, die Firma Refco, bereits pleite war. Doch man konnte das Geld nicht mehr zurückholen. Wie ein abgeschossener Pfeil nicht mehr zum Bogen zurückkehrt, so ist auch ein Überweisungsbetrag verloren, wenn er erst einmal beim Empfänger gut geschrieben ist. Doch wie sagt man so schön: „Geld ist nie weg. Es hat nur ein anderer!“ Ja, das traf jetzt auch in diesem Fall zu. Wer hatte jetzt das Geld? Wer war Refco, die Firma, die so reich beschenkt worden war?
Refco war ein nordamerikanischer Broker, Makler. Zudem war die Gewerkschaftsbank in abenteuerliche Spekulationsgeschäfte in der Karibik verwickelt, deren enorme Verluste über Jahre hinweg verschleiert wurden. Die Vermutung lag nahe, dass es eine der BAWAG-Bank nahe stehende Verbindung war, die die Gelder der Bank in verschiedene graue Verbindungen umleitete. Wie sonst sollte jemand auf die Idee kommen, einen Eilkredit in dieser Höhe, praktisch ohne Prüfung, zu genehmigen?
Es stellte sich sehr schnell heraus, dass der Sohn eines ehemaligen BAWAG-Generaldirektors in die dubiosen Geschäfte verwickelt war. Die Gelder wurden über verschiedene Finanzinstitute und Firmen in der Karibik verteilt und warteten auf Ihre neuen Besitzer – von der Bank in die eigene Tasche! Das war schon ein sehr dreister Coup, einerseits die enorme Summe, und andererseits auch noch die Gewerkschaftsbeiträge abzuräumen. Das kennt man sonst nur in Zentral- und Südamerika, oder von Diktatoren, die ihre Familien auf Kosten des Volkes großzügig bereichern. Selbstverständlich blieb auch hier die Politik nicht ganz außen vor. Dar damalige österreichische Finanzminister saß im Aufsichtsrat der Bank. Doch sicherlich waren seine Augen in der Zeit bereits von den Swarovski-Edelsteinen geblendet, die sich in Form einer günstigen Heirat näherten. So war angeblich bei den gründlichen Prüfungen nie etwas aufgefallen.
Meine Augen wurden auch geblendet. Jedoch nicht durch funkelnde Steine, sondern durch den Zeitungsartikel über die BAWAG-Affaire. Sofort erinnerte ich mich an meine guten Zeiten in der Finanz- und Investmentbranche. Zahlreiche Luxusreisen mit den besten Hotels und Restaurants in den USA, Irland, der Schweiz und Österreich, aber auch in Deutschland, bereicherten mein Leben. Viel Geld wurde verdient, doch auch viel verloren. Oftmals hatte es ein anderer, der es nicht, wie versprochen, für mich vermehrte, sondern es einfach behielt. Ja, das soll vorkommen, denn nicht alle Freunde bleiben Freunde, wenn es um Geld geht.
So hatte ich in der Finanzbranche noch einige Rechnungen offen. Zudem erinnerte ich mich an meine Arbeit in einer deutschen Großbank. Bei einem Wertpapierseminar wurde ganz deutlich gesagt, dass es nicht in erster Linie darum geht, dass der Kunde gute Erträge mit seinen Anlagen erwirtschaftet, sondern dass die Bank möglichst hohe Gewinne erzielt. „Wir kaufen Geld billig ein und verleihen es so teuer wie möglich. Im Einkauf liegt der Segen!“ Klare Worte! Die Anlageformen, bei denen es relativ wenig Zinsen gibt, sollten möglichst bestehen bleiben, oder verlängert werden, z. B. das klassische Sparbuch und Festgelder im 30, 60 und 90 Tagesbereich. Das ist die Basis für den günstigen Geldankauf. Dagegen waren und sind im Zinsgeschäft die Kontoüberziehungen die besten Einnahmebringer für die Bank. Hohe Schuldzinsen sorgen dabei für gute Erträge, selbst in Zeiten niedrigster Zinsen.
Auch wurden wir im Seminar angewiesen, die angelegten Kundengelder möglichst häufig umzuschichten, da die Bank Einnahmen aus Gebühren benötigt. Ein konstantes Liegenbleiben des Geldes in einer Anlageform, z.B. Aktie oder Fonds, bringt für das Finanzinstitut wenig Ertrag. Wechselt man dagegen häufig hin und her, ergeben sich ständig neue Gebühren zu Gunsten der Bank. Natürlich schmälert das den Gewinn des Kunden.
Nicht umsonst sagt man: „Hin und her macht Tasche leer!“ Doch es geht, wie bereits angesprochen, um den Gewinn der Bank und nicht in erster Linie um den Kunden.
Diese Geschäftspolitik und die Heuchelei zwischen Mitarbeitern und Führungskräften enttäuschten mich sehr. Bald zog ich meine Konsequenzen. Als ich mein Fernstudium im Finanzbereich erfolgreich abgeschlossen hatte, wechselte ich in den Bereich der betrieblichen Altersversorgung, der durch neue steuerliche Gegebenheiten einen hohen Beratungsbedarf zur Folge hatte.
In Wien häuften sich nun die Artikel über die vom Untergang bedrohte BAWAG-Bank. Die Kunden bildeten lange Schlangen vor dem Finanzinstitut, um ihr Geld noch schnell abzuheben. Der Finanzminister stellte sich mit Leuten aus der Bank für ein Foto und für besänftigende Worte gegenüber den verärgerten Kunden zur Verfügung. Bald fahndete man nach dem inzwischen verschwundenen Vorstandsvorsitzenden. Doch das Kind war bereits in den Brunnen gefallen. Der Staat musste die Bank vor dem Konkurs retten. Einmal mehr wurden Steuergelder verschwendet, um das Versagen von hoch bezahlten Managern und ihrer Betrügereien auszubügeln.
Mein schwelender Ärger und meine offenen Rechnungen in der Finanzbranche entzündeten die Idee, der Bank eine kleine Lektion zu erteilen und ihnen zu beweisen, dass sie gar nicht so schlau sind. Hinzu kam auch die Versuchung, damit schnelles Geld zu erwerben. Die Zeitungslektüre mit ständig neuen abenteuerlichen Berichten über die Gewerkschaftsbank, nährte beständig meine verwerfliche Idee. „Wie könnte ich diese nun endlich in die Praxis umsetzen?“, war die entscheidende Frage.
Meine jahrelangen Erfahrungen in der Finanzbranche halfen mir, eine Lösung zu finden. Ich wollte sie mit ihren eigenen Waffen schlagen. Sie hatten einen sehr großen Kredit genehmigt, um sich zu bereichern. So würde ich ebenfalls ein Darlehen beantragen, um ihnen zu beweisen, dass auch eine Bank nicht unverwundbar ist. Allerdings war das natürlich nicht annähernd in der gigantischen Höhe möglich, wie es für die Firma Refco geschehen ist. Dafür muss man schon in der vordersten Reihe sitzen. Was ich nicht tat. Auf jeden Fall mussten erst einmal Einnahmen her, möglichst aus Gehaltszahlungen, um Vertrauen bei den Bankern zu schaffen. „Doch wie sollte ich das in die Wege leiten?“
Zur Zeit lebte ich noch von den Geldreserven, die mir mein Firmenverkauf, und vor allem die Wohnsitzauflösung in Dubai (Vereinigte Arabische Emirate) beschert hatten. Der Verkauf meines Bootes und anderer Dinge erbrachten die erforderlichen US-Dollar. Die umfangreichen, rund um die Uhr ausgeführten Baumaßnahmen in dem Scheichtum, hatten mich im Jahre 2004 zum Verlassen der Wüstenregion veranlasst. Diese grenzten schon an Verrücktheit, wie ein Schneepark inmitten eines riesigen Shopping-Centers. Man kann sich vorstellen, welche Klimaanlagen dafür notwendig sind. Denn im Sommer nähert sich die Temperatur in der dortigen Wüste der 50 Grad-Celsius-Marke.
Ich zog nach Panamá um. Dort befand sich am Panamá-Kanal die zweitgrößte Freihandelszone der Welt, nach Hongkong. Zudem ist Panamá keine Wüstenregion, sondern dicht bewachsen. Ausgiebiger Regen im tropischen Klima sorgt für herrlichen Pflanzenwuchs mit besten Früchten, wie Mangos, Bananen und Ananas. Panamá ist vielen in erster Linie durch seinen Kanal ein Begriff, eine der wichtigsten Verkehrsverbindungen der Welt. Doch auch die zahlreichen Banken und Offshore-Firmen zogen zahlreiche internationale Besucher an. Das sorgte später durch die sogenannten Panamá-Papers für große Schlagzeilen in der internationalen Presse, die mancher Politiker nicht gerne las. Offensichtlich musste ich nun wieder nach Panamá-City fliegen, um meine Idee in die Tat umzusetzen.
Ein lange Reise, die sich aus mehreren Flügen zusammensetzte, brachte mich in die Hauptstadt der Republik Panamá, Panamá-City. Beim Verlassen des Flughafens erwartete mich Hitze, verstärkt durch die übliche, sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Ein Taxi brachte mich in die Innenstadt. Mein auserwähltes Hotel lag an der Küste, unweit eines bekannten Shopping-Centers. Die günstige Lage sollte es ermöglichen, die erforderlichen Wege zu Fuß zu bestreiten, da der Straßenverkehr meist in Bewegungslosigkeit verharrte. Mein geräumiges Zimmer in einem der oberen Stockwerke bot eine gute Aussicht über den Pazifik in Richtung Altstadt, die in einiger Entfernung ins Meer ragte. Man hatte dort begonnen, die baufälligen Häuser zu sanieren. Die ersten schönen Restaurants waren entstanden und kündigten einen Neubeginn des sehr schwierigen, armen Wohnviertels an. Ich räumte meinen Koffer aus und erledigte nach einer wohltuenden Dusche die ersten Wege. Eine Woche hatte ich zur Abwicklung aller Formalitäten vorgesehen.
Als erstes stattete ich dem Mieter meiner Eigentumswohnung einen Besuch ab. Ich hatte ihn bereits per E-Mail über meine Ankunft informiert. Er war einige Mieten im Rückstand. So wollte ich meinen Aufenthalt hier in Zentralamerika auch nutzen, um diese Angelegenheit zu regeln. Doch ging es in erster Linie um die Gründung einer Offshore-Gesellschaft, die als Arbeitgeber Gehaltszahlungen für mich tätigen sollte. Das wiederum sollte die Grundlage für Kreditgespräche mit der auserwählten BAWAG-Bank werden, die sich sicherlich über einen Neukunden freuen würde. Viele Kunden hatten ihr Geld abgehoben und ihre Konten aufgelöst. Das Vertrauen in die krisengeschüttelte Bank war zerbrochen.
Ich machte mich auf den Weg ins Bankenviertel. Unweit davon lag meine bereits verkaufte Wohnung. Ich war gespannt, wie ihr Zustand sein würde. Benny öffnete die untere Hauseingangstür. Mit dem Lift fuhr ich in den fünften Stock. Es begrüßten mich sein Sohn Juan, Alicia, seine Ehefrau, und schließlich Benny, das Familienoberhaupt. Erfreulicherweise war das Appartement im guten Zustand. Der große Teakholztisch, den ich mit den anderen Möbeln und Gegenstände aus meinem Büro in Dubai auf ein Schiff verfrachten ließ, leistete auch hier gute Dienste. Wir nahmen Platz und freuten uns, trotz des ernsten Gesprächsthemas, über unser Wiedersehen. Juan übersetzte meine Ausführungen vom Englischen ins Spanische. Das war sehr hilfreich, da meine kleinen Spanischkenntnisse durch den Aufenthalt in Südafrika und Europa praktisch vergessen waren. Irgendwie hatte ich die kolumbianische Familie von Anfang an in mein Herz geschlossen. Der dickliche Benny strahlte eine angenehme Ruhe aus, während seine hochgewachsene, schlanke Ehefrau stets elegant gekleidet war und vor allem immer positiv wirkte. Sie servierte uns guten Kaffee aus Kolumbien, das nicht nur für Kokain bekannt ist, sondern auch als dritt größter Kaffeeproduzent der Welt eine bedeutende Rolle spielt.
Ich schnitt nun das unangenehme Thema der ausstehenden Mietzahlungen an. Benny war darauf gut vorbereitet und hatte auch schon entsprechende Unterlagen vorbereitet. Er erklärte die Mietschulden mit noch ausstehenden Geldeingängen für seine bereits abgewickelten Geschäfte. Er wartete angeblich selbst seit einiger Zeit auf ausstehende Gelder für seine umfangreichen Geschäftstätigkeiten, wie er mit zahlreichen Unterlagen und Dokumenten darlegte. Juan versuchte mir die spanischen Schriftstücke durch seine Übersetzung zu erklären. Es ging um Immobiliengeschäfte in verschiedenen Ländern. Ich wusste von meinem Besuch in Kolumbien bei Andi, dem zweiten Sohn von Benny und Alicia, dass Benny früher als Architekt ein erfolgreicher Geschäftsmann in den USA war. Jetzt schien er wieder an frühere Erfolge anzuknüpfen. So schlug er mir sogar den Kauf meiner Wohnung vor. Das nahm ich erfreut zur Kenntnis, da ich damit das Problem einer inzwischen weit entfernten und schwierig zu verwaltenden Mietwohnung los werden würde. Ich versprach Benny, mir Gedanken über einen realistischen Preis zu machen. Wir vereinbarten einen neuen Gesprächstermin für den nächsten Tag.
Ich suchte die Anwaltskanzlei auf, die ich bei meinem ersten Aufenthalt in Panamá bereits kennengelernt hatte. Sie waren auf die Gründung von Offshore-Gesellschaften spezialisiert und erledigten die Formalitäten bei den Behörden zügig. Zudem war mit den zuständigen Personen eine Verständigung in englischer Sprache möglich. Das erleichterte die Sache erheblich. Nach einer kurzen Wartezeit konnte ich das Anliegen einer zu gründenden Gesellschaft vortragen. Es gab dabei verschiedene Kostenmodelle und Gesellschaftsformen. Die Anwälte waren natürlich in erster Linie an laufenden Einnahmen interessiert, die durch eine Firmenadresse bei der Kanzlei zum Tragen kommen würden. Eine dort gegründete Gesellschaft oder Stiftung ist in Panamá steuerpflichtig. Der Betrag ist einmal im Jahr fällig und die Höhe der Steuerzahlung ist pauschal festgelegt. Sie erhöht sich jedes Jahr. Damals betrug die jährliche Steuer um die 300 US-Dollar. Bei über 500.000 registrierten Gesellschaften kommt damit für das kleine Land eine nette Summe zusammen.
Der Anwalt benötigte von mir den gewünschten Namen der Gesellschaft, der aus drei oder vier Buchstaben bestehen sollte. Darüber hatte ich mir bereits Gedanken gemacht. Ich nannte ihm die Buchstabenreihe OPEC. Das erinnert an die bekannte Erdöl-Organisation mit Sitz in Wien. Das war auch der Sinn der Sache. Der Anwalt akzeptierte die Benennung der Gesellschaft und erläuterte die weitere Vorgehensweise. Mein Teil bestand in der Bezahlung der Rechnung, die um die 1.000 US-$ betragen würde. Das beinhaltete die gesamten Eintragungskosten bei der entsprechenden Behörde und die Dienstleistungen der Kanzlei, die die Verträge ausfertigen und bestätigen musste. Zudem wickelte sie auch die Steuerzahlung und den Postverkehr ab. Die gesamten Formalitäten sollten innerhalb weniger Tage erledigt sein. Ich erhielt meinen Reisepass zurück und machte mich zufrieden auf den Rückweg zum Hotel.
Dort angekommen, widmete ich mich den Unterlagen von Benny bezüglich seiner Geschäfte. Ich konnte in den auf Spanisch verfassten Schriftstücken wenig Brauchbares erkennen. Einzig und allein fielen mir die hohen Beträge auf, um die es dabei ging. Es waren ausschließlich Projekte mit Werten von mehreren Millionen US-Dollar. Wie weit das realistisch war und tatsächlich zu Einnahmen für Benny führen sollte, war ohne eine genaue Untersuchung der Dinge vor Ort nicht einschätzbar. Dafür fehlte mir die Zeit. Außerdem waren die Projekte fast alle in anderen Ländern angesiedelt. Dennoch vertraute ich auf Benny. Dafür war auch unser freundschaftliches Verhältnis ausschlaggebend, das sich in der Zeit der Wohnungsübergabe entwickelt hatte. Als er meine Wohnung bereits mietete und nutzte, konnte ich noch ein paar Tage darin im Gästezimmer verbringen. Das war nicht gerade selbstverständlich.
Zudem treffen wir Entscheidungen meist gefühlsmäßig anstatt mit nüchterner Betrachtung von Fakten und Tatsachen. Deshalb sagt man in der Finanzbranche: „Trennen Sie Ihre Finanzen von Ihren Gefühlen, sonst trennen Sie Ihre Gefühle von Ihren Finanzen.“ Die Zeit würde beweisen, ob sich das bewahrheiten sollte.
Am nächsten Tag avisierte ich Benny meine Bereitschaft die Wohnung an ihn mit den gesamten Möbeln und Gegenständen zu verkaufen. Wir einigten uns auf einen Kaufpreis von 65.000 US-Dollar, da die Wohnung nicht sehr groß und auch schon einige Jahre alt war. Zusätzlich sollte er die ausstehenden und alle weiterhin anfallenden Mieten bis zur vollständigen Kaufpreisbegleichung zahlen.
Wir vereinbarten einen Termin bei dem Rechtsanwalt, den ich bereits für die Gründung der Offshore-Gesellschaft in Anspruch nahm. Ich war erleichtert, dass nun diese Last von mir genommen werden sollte.
Ich nutzte den Rest des Vormittags, um bei den Banken Auskünfte über eine mögliche Kontoeröffnung im Namen der in Gründung befindlichen Offshore-Gesellschaft zu erhalten. Das erwies sich als unerwartet schwierig. Es zeichnete sich sehr schnell ab, dass eine Kontoeröffnung nur in Verbindung mit einer sehr hohen Einzahlungssumme akzeptiert werden würde. Man sprach dabei von Erstanlagen ab einer Million Euro oder US-Dollar. Das lag weit über meinen finanziellen Verhältnissen. Enttäuscht beendete ich meine Bemühungen eine geeignete Bank zu finden. Obwohl Panamá-City den Ruf der Zentral- und Südamerikanischen Schweiz hatte, war weder die Beratungsqualität noch der Service mit den schweizerischen Bankern vergleichbar. Allein die hohe Anzahl der Finanzinstitute und die enormen Summen, die dort investiert sind, rechtfertigen den Vergleich mit der Schweiz. Ja, der Weg in die Schweiz blieb mir nun nicht erspart! Denn unbedingt brauchte ich ein Girokonto im Namen der OPEC Inc., wie die neue Firma nun benannt war, um die geplanten “Gehaltszahlungen“ auf mein noch zu eröffnendes Konto bei der BAWAG-Bank zu tätigen. Inc. ist dabei die Abkürzung für incorporated, ein Begriff für US-amerikanische Firmen, die rechtmäßig eingetragen sind.
Jetzt war der Stein ins Rollen gekommen und die Sache musste nun auch vollständig zu Ende geführt werden. Noch vor dem Wochenende erhielt ich die umfangreichen Dokumente der Offshore-Gesellschaft, die Bestätigung der Steuerzahlung und natürlich die Rechnung der Anwaltskanzlei, die ich sofort begleichen musste. Zudem war auch der Wohnungskaufvertrag für Benny ausgefertigt. Der enthielt eine Generalvollmacht für seinen Sohn, um alles weitere abzuwickeln. Damit hatte ich als Sicherheit nur noch den unterschriebenen Kaufvertrag. Dennoch freute ich mich, dass auch diese Sache abgeschlossen war. Zufrieden trat ich mit den gesamten Dokumenten meine Rückreise nach Wien an.
Eine Fahrt nach Zürich diente zur Kontoeröffnung im Namen der neu gegründeten Offshore-Firma. Die schweizerischen Banker prüften meine mitgebrachten Originalunterlagen und händigten mir die Kontonummer für die OPEC Inc. aus. Selbstverständlich fragten sie nach dem Ursprung der zu erwartenden Geldeingänge. Gegen eine damals geringe Einzahlung, unter 500 Euro, wurde das Konto aktiviert. Heute ist das für ausländische Staatsbürger nicht mehr so einfach. Als ich im Jahre 2016 in der Schweiz war, wurde von Kunden, die keinen Wohnsitz in der Schweiz haben, eine Mindesteinzahlung von einer Million Euro oder US-Dollar verlangt. Dabei hatte ich mehrere Banken besucht. Es ist also nun auch dort wie in Panamá. Eventuell gibt es noch Banken, die eine Ausnahme machen. Ich habe diese allerdings nicht entdeckt.
Nach der erfolgreichen Kontoeröffnung in Zürich im Namen der Offshore-Gesellschaft eröffnete ich ein Gehaltskonto bei der krisengeschüttelten BAWAG-Bank auf meinen Namen. Als Arbeitgeber gab ich die OPEC Inc. an, die eine Verbindung mit der wohl bekannten Organisation in Wien vermuten ließ. Anschließend veranlasste ich per FAX an die schweizerische Bank eine Überweisung von etwas über 10.000 Euro auf das neue BAWAG-Konto. Der Verwendungszweck lautete: Gehalt. Zuvor hatte ich Geld auf das Konto der Offshore-Gesellschaft transferiert. Nach drei Gehaltseingängen gewährte mir die BAWAG-Bank einen Kontoüberziehungskredit in der Höhe von 20.000 Euro und gab mir zusätzlich mehrere Kreditkarten. Ich ließ ein paar Tage verstreichen und hob dann die Summe vom Konto ab, die den gewährten Überziehungskredit in voller Höhe ausschöpfte. Zudem nutzte ich die Kreditkarten für verschiedene Einkäufe und Bargeldauszahlungen.
Im Vergleich zu dem Kredit, den die BAWAG-Bank für die Brokerfirma Refco genehmigt hatte, war die Summe natürlich lächerlich. So dachte ich, dass der Kontoüberziehungskredit, den ich, wie geplant, bislang nicht zurückzahlte, keine großen Aktivitäten der Bank mit sich bringen würde. Doch weit gefehlt! Die Bank schaltete die Polizei ein und erstattete Anzeige wegen Kreditbetrug und Geldwäsche. Bald darauf fiel mir meine Racheaktion auf die eigenen Füße! Ich wurde auf den Straßen von Wien verhaftet. Es begann für mich die schlimmste Zeit meines Lebens, die Untersuchungshaft im streng gesicherten Gefängnis von Wien-Josefstadt.
Mit den Ausführungen können Sie nachvollziehen, warum die sogenannten Panamá-Papers weltweit für großes Aufsehen gesorgt hatten und es immer noch tun. Denn was ich im kleinen Rahmen vollzogen habe, funktioniert selbstverständlich bei hohen Summen, ohne Kreditbedarf, noch viel reibungsloser. Denn die Banken verdienen an großen Geldbeträgen wesentlich mehr, und sie setzen damit alle Hebel für eine unbürokratische Abwicklung in Bewegung. Regierungs- und Militärflugzeuge werden am Zoll meist nicht kontrolliert, oder erfasst. Die Geldscheine werden vom Flugzeug aus direkt zur Bank gefahren. Dort erwartet die wohlhabenden Kunden eine angenehme Betreuung, auch wenn die Gelder oftmals aus Regierungskassen illegal entnommen wurden. Hohe Summen von Drogen- und Mafiabossen werden auf die Konten bereits vorbereiteter Offshore-Gesellschaften einbezahlt. Höchst selten wird ein Strafverfahren eingeleitet. Bei Politikern ist das praktisch ausgeschlossen.
So häufen sich Millionen- und Milliardenbeträge im Namen von Offshore-Gesellschaften auf Konten in Panamá, der Karibik, in der Schweiz und an sonstigen, relativ geschützten Steueroasen. Viele dieser Gelder stammen aus illegalen Geschäften, aus Raubzügen, aber auch hin und wieder aus legalen Quellen.
Allmählich kam ich ein wenig zur Ruhe. Ich begann nun meine Gedanken zu ordnen. Dennoch fühlte ich mich wie ein gefährliches Raubtier, das man zum Schutze der Bevölkerung in einen Käfig sperren musste. Dabei hatte ich doch niemals jemanden körperliche Gewalt angetan, sieht man von den Fouls bei verschiedenen Ballsportarten ab.
Ein enormer Freiheitsdrang breitete sich in mir aus. Ich konnte nicht verstehen, dass man mich ohne jegliche Vorwarnung weggesperrt hatte. Und ich wollte es nicht akzeptieren! Verzweifelt blickte ich auf das winzige, nicht erreichbare, vergitterte Fenster. Bei allem Optimismus war leicht zu erkennen, dass es nicht das Tor zur ersehnten Freiheit war. Mittlerweile erwachte auch wieder mein natürlicher Bewegungsdrang aus dem Schockzustand.
Mein Leben war geprägt von zahlreichen sportlichen Aktivitäten. In meiner Zeit auf dem Gymnasium beteiligte ich mich an zahlreichen Schulmannschaften. Als Ziel hatte ich mir ein Studium für die Lehrfächer Englisch und Sport gesteckt. Jedoch war bei meinem Abiturzeugnis ein Schreiben des Kultusministeriums beigefügt, das aufgrund einer Lehrerschwemme davon abriet, für ein Lehramt zu studieren. Ich folgte dem Rat und schlug den Weg einer finanzwirtschaftlichen Ausbildung ein. Doch begleiten mich bis heute sportliche Aktivitäten, die einen wichtigen Beitrag zu meiner Gesundheit und Fitness leisten.
So begann ich mit einem Kopfstand auf der speckigen Matte meiner Zelle, die Situation aus einer neuen Perspektive zu betrachten. Die Übung führte zunächst einmal zu wahnwitzigen Vorstellungen.
In den vergangenen Jahren hatte ich mich mit umfangreicher Literatur der sogenannten “Neuen Ära” beschäftigt. Darin wird Gott als positive Energie dargestellt, mit der so ziemlich alles möglich ist. Man könnte, beispielsweise durch Meditation, Joga und anderen Praktiken, Energie aufnehmen und diese für sich nutzen. Es sollte dadurch ein spezieller Körperzustand erreicht werden und man könnte dann Gegenstände oder Situationen gedanklich materialisieren, bzw. herbeiführen. Damit würde der Mensch zum Schöpfer werden und könnte sich als kleiner “Gott” fühlen.
Der Wunsch wurde bereits Adam und Eva zum Verhängnis. Das Böse, in Form einer Schlange, überzeugte Eva davon, vom verbotenen Baum der Erkenntnis von Gut und Böse zu essen. Sie würde damit wie Gott werden, gaukelte ihr die listige Schlange vor. Daraufhin pflückte Eva die Frucht vom verbotenen Baum und aß sie. Das führte zu weit reichenden Konsequenzen, auch für Adam, dem sie die verhängnisvolle Frucht gab.
Auch Personen in der jüngeren Geschichte fielen dem Wunsch, Schöpfer zu sein, zum Opfer und endeten im Größenwahn. So beschäftigte sich ebenfalls Adolf Hitler, der selbst ernannte “GröFAZ” (Größter Führer aller Zeiten) mit dieser Materie. Gemeinsam mit seinen führenden Nazi-Kollegen praktizierte er verschwörerische Rituale, dessen Theorien er angeblich einem Geheimbund, der sogenannten Thule-Gesellschaft, entnommen hatte. Damit führte er viele Millionen Menschen in Leid, Verderben und in den Tod.
Selbstverständlich ist es möglich und wichtig, dass wir durch positive Gedanken und Sprache positive Dinge in unser Leben bringen. Denn negative Ausdrucksweisen und Gedanken führen uns durch eine Negativspirale mehr und mehr in eine Frustration, oder gar in eine Depression hinein. Allerdings sind wir keine kleinen Götter und werden es auch niemals sein. Wir bleiben Menschen, mit beiden Beinen auf der Erde, die jedoch Zugang haben zu ihrem Schöpfer und zu dessen positiver Energie, die auch oft als Licht bezeichnet wird.
Eines der “Gott-als-Energie-Bücher” beschrieb Mönche, die durch Wände gehen konnten. Das erscheint auf den ersten Blick ziemlich zweifelhaft und utopisch. Betrachtet man jedoch den physikalischen Aufbau von Gegenständen genauer, am besten durch ein sehr starkes Mikroskop, kann man durchaus in Versuchung geraten, das Phänomen zu testen. Die Abstände innerhalb von Atomen, aus denen u. a. Gegenstände bestehen, sind relativ groß. So kam mir der Gedanke, dass sich die Atome meines Körpers durchaus durch die Abstände der Atome in der dicken Zellenwand mogeln könnten, um damit in der Freiheit zu landen. Zudem hatte ich genügend Zeit, die Sache auszuprobieren. Und Alternativen gab es momentan keine!
Die praktische Vorgehensweise des verrückt anmutenden Weges in die Freiheit war mir nicht ganz klar. Etwas zögerlich trat ich an die Wand mit dem winzigen Fenster, das vermutlich in den Innenhof des Polizeigebäudes führte. Ich konzentrierte meine Gedanken auf die großen atomaren Abstände innerhalb der Mauer. Dann versuchte ich gedanklich meine Atome durch die Mauer hindurch zu bewegen. Es tat sich nichts, absolut nichts! Ich blieb mit allen meinen Atomen innerhalb der zermürbenden Zelle. Einige werden jetzt denken: „Logisch, dass der Schwachsinn nicht funktionieren konnte.” Andere wiederum werden der Meinung sein, dass mir der nötige Glaube an das Gelingen fehlte. Wie auch immer, der erste Fluchtversuch war gescheitert. Inzwischen meldete sich meine Blase und bat dringend um Erleichterung. Im Gegensatz zu den vorherigen Insassen, wollte ich nicht den Fußboden als Toilette benutzen. Also blieb mir nichts anderes übrig, als den Klingelknopf mit der warnenden Aufschrift: “Es drohen Prügel!“, zu benutzen. Nach ein paar Minuten öffnete ein Polizeibeamter die schwere Eisentür. Er fragte kurz angebunden, was ich wolle. „Meine Freiheit zurück!“, schoss es mir sofort durch den Kopf. Doch das lag sicher nicht im Ermessen des Bediensteten. So antwortete ich, dass ich das WC aufsuchen müsste. Er willigte ein und begleitete mich die wenigen Schritte zur entsprechenden Örtlichkeit. Er blieb vor der Toilette stehen, während ein anderer Beamter eiligst die Tür neben dem WC absperrte. Im Hintergrund hörte ich die Geräusche eines Fernsehapparates. Es lief die Übertragung eines Spiels der Fußballweltmeisterschaft, die gerade in Deutschland stattfand. Die Beamten ließen sich das Großereignis nicht entgehen, auch wenn die österreichische Nationalmannschaft die Qualifikation für das Turnier wieder einmal nicht geschafft hatte.
Um die gedrückte Stimmung ein wenig aufzulockern, fragte ich den Polizisten auf dem Rückweg zur Zelle, welches Spiel gerade übertragen wird. Er gab mir bereitwillig Auskunft. Nachdem ich noch einen Becher mit Wasser erhalten hatte, wurde die Zellentür wieder verriegelt.
Sofort beschäftigten sich meine Gedanken mit der Tür, die der Beamte so eilig verschlossen hatte. „Ist sie der Weg in die Freiheit?” Es musste einen Grund gehabt haben, warum der Bedienstete sie gleich absperrte, als er mich erblickte. Ich nahm mir vor, beim nächsten WC-Besuch alles genau zu beobachten, zum Beispiel, ob die Beamten Waffen tragen, welche Personen ich erblicken kann, gibt es Fenster ohne Gitter, usw.
Zudem werden immer Fehler gemacht. Das ist menschlich und lässt sich bestimmt auch im strengen Polizeialltag nicht ganz vermeiden. „Warum soll mir nicht ein kleiner Fehler zur Hilfe kommen?”, fragte ich mich und freute mich über meine ersten optimistischen Gedanken. Allerdings wurden die in dem Verlies schnell wieder zunichte gemacht.
Ich setzte mich auf die alte, schäbige Plastikmatte und wunderte mich, wie schnell sich doch das Leben ändern kann. Am Vormittag joggte ich noch froh gelaunt in den Weinbergen und freute mich, dass jetzt endlich der warme, sonnige Sommer begonnen hatte. Genau einen Tag lang konnte ich ihn genießen. Jetzt saß ich bei Neonlicht in dem winzigen Bunker und wusste nicht, wie es weitergehen würde.
Nach drei Wintern in Folge, war meine Vorfreude auf den Sommer besonders groß gewesen. Die beiden Winter in Europa waren lang und streng. Dagegen war der dazwischen gelegene Winter in Johannesburg relativ mild und ein halbes Jahr lang ohne jeglichen Niederschlag gewesen. Herbst und Frühling kennt man in Südafrika nicht. Dorthin wollte ich im Oktober wieder zurückgehen. Allerdings nicht mehr nach Johannesburg, sondern an die wunderschöne Ostküste. „Was soll jetzt aus diesen Plänen werden?“ Zweifellos waren sie in weite Ferne gerückt. Nun war das Wichtigste: Der schnelle Weg in die Freiheit. Bereits nach wenigen Stunden in der Zelle wurde mir bewusst, wie lebenswichtig und unersetzlich die Freiheit für den Menschen ist. Viele Dinge weiß man leider erst so richtig zu schätzen, wenn man sie nicht mehr hat. Irgendwie hoffte ich darauf, dass einfach die Tür aufgehen würde und man mir mitteilte, dass alles nur ein großer Irrtum war.
Meine Blase meldete sich erneut und ich drückte den Klingelknopf. Diese Mal musste ich länger warten, bis der Beamte die Tür entriegelte. Mürrisch fragte er, was ich schon wieder wolle. Dabei waren inzwischen ein paar Stunden vergangen. Er konnte sich also nicht über zu viel Arbeit beklagen. Allerdings wurde er offensichtlich bei der noch andauernden Fußballübertragung gestört.
Ich nutzte die Gelegenheit um zu fragen, wie die ganze Angelegenheit weitergehen würde. Er antwortete, dass ich auf das Eintreffen des Kommissars warten müsste, der mich dann verhören würde. Weitere Auskünfte gab er nicht. Er begleitete mich zum WC und erstaunlicherweise war die Tür, die beim ersten Mal schnell verschlossen wurde, jetzt einen Spalt breit geöffnet. In dem kurzen Moment beim Eintreten in die Toilette konnte ich einen Raum mit zwei an Schreibtischen sitzenden Beamten erkennen. Sie waren mit Pistolen bewaffnet. Ein großes Fenster war weit geöffnet und nicht vergittert. „Ist es der mögliche Weg in die Freiheit?”, fragte ich mich wieder. Die Stimme des Beamten drängte mich zur Eile und riss mich aus meinen Gedanken. Ich betrachtete ihn genauer und stellte fest, dass er keine Waffe trug. Schnell gingen wir den kurzen Weg zum Verlies zurück. Der Beamte verriegelte die Zellentür hinter mir.
Meine Gedanken kreisten um das offene Fenster. Soweit ich mich erinnern konnte, führte es auf die Gebäudeseite, an der ich bei meiner Einlieferung angekommen war. Damit war es ein möglicher Weg in die Freiheit. Leider hatte ich mir nicht gemerkt, wo die Straße hinführt und in welchem Stadtteil ich mich befand. Das wäre an den Straßenschildern zu erkennen gewesen, die ebenfalls die Nummer des jeweiligen Stadtbezirkes ausweisen. Doch in dieser Zeit hatte ich noch nicht an eine Flucht gedacht. Jetzt könnte ich die Informationen gut gebrauchen. „Wie hoch liegt das Fenster?”, begannen meine planenden Gedanken. Bei einem möglichen Sprung ins Ungewisse wollte ich nicht verletzt auf dem Gehweg liegen bleiben. Bei der Ankunft waren wir nur ein paar Stufen hinaufgegangen. Damit konnte die Entfernung hinunter zur Straße höchstens zwei Meter betragen. „Das ist durchaus zu bewältigen!“, dachte ich. „Und dann müsste ich nur noch laufen! Der Überraschungseffekt würde für einen kleinen Vorsprung sorgen.“ Gerade die Sprintstrecken gehörten während meiner Schulzeit zu meinen Stärken, während ich die letzten Jahre nur noch Langstrecken lief. Ich hatte zwar keine Laufschuhe an, doch immerhin leichtes, sportliches Schuhwerk. Das sollte gegenüber den schwer erscheinenden Schuhen der Polizisten vorteilhaft sein.
Eine Frage bereitete mir jedoch erheblichen Kummer: „Würden die Beamten von ihren Schusswaffen Gebrauch machen?“ Da es sich bei mir um die Untersuchungen von Bankverbindungen und Dokumenten handelte, ging ich nicht davon aus. Doch sicherlich kann man nie genau sagen, wie einzelne Personen in Notsituationen reagieren. „Wie wird es weitergehen, wenn mir der Sprung aus dem Fenster gelingt? Soll ich versuchen, eine möglichst große Distanz zu laufen, oder wäre es klüger, mich schnell irgendwo zu verstecken, beispielsweise in einem Hauseingang, oder Restaurant?” – viele Fragen, jedoch keine passenden Antworten.
Ich ärgerte mich, dass ich mir die Strecke zum Gefängnis nicht gemerkt hatte. Außerdem fehlte mir jegliche Vorstellung von der unmittelbaren Umgebung des Gebäudes. Mir war als wäre ich nach dem Abführen aus meiner Wohnung erst wieder in dem Gefängnis aufgewacht. Die gesamte Fahrstrecke fehlte meinem Erinnerungsvermögen.
Herannahende Schrittgeräusche rissen mich aus meinen aufregenden Planungen. Die Tür wurde aufgeschlossen. Ein Beamter reichte mir eine Art Abendessen mit dem Kommentar, dass es fast nicht zu genießen sei. Damit hatte er leider Recht! Es handelte sich um eine Fertigmahlzeit, Reis mit einer undefinierbaren Beilage, die das Militär hin und wieder auf ihren Manövern verwendet hatte. Ich aß ein paar Bissen. Schließlich hatte ich in meiner Bundeswehrzeit gelernt, dass man nicht wegen des Genusses isst, sondern nur zum Überleben - genau darum ging es momentan, vor allem psychisch! Meine neue Lebenssituation, mit einem ungewissen Ende, zerrte erheblich an meinen Nerven. Der Begriff “Gefängnis” war mir nur aus dem “Monopoly-Spiel” bekannt. Zog man die entsprechende Spielkarte, oder landete man auf dem Feld des Gefängnisses, musste man eine Runde aussetzen. Es bestand auch die Möglichkeit, sich sofort frei zu kaufen. Damit durfte man sofort wieder weiterspielen. „Wie lange werde ich wohl aussetzen, oder besser gesagt, aussitzen müssen? Bestünde die Möglichkeit sich frei zu kaufen, sprich eine Kaution zu zahlen, bis die Untersuchungen abgeschlossen sind?”, auch auf diese Fragen hatte ich momentan keine Antworten.
Doch vielleicht gab es schon bald einen schnellen Weg zum Weiterspielen – die Flucht. An dem kleinen Fenster konnte ich erkennen, dass es bereits dunkel war. Die Zeit für das Drücken des Klingelknopfes war erneut gekommen. Ich nahm mir wieder vor, alles genau zu beobachten, vor allem die Polizisten in dem Raum mit dem offenen Fenster. „Wird es überhaupt noch offen sein?“, fragte ich mich. Die sommerliche Hitze, die selbst hinter den dicken Mauern des Gefängnisses spürbar war, stimmte mich diesbezüglich optimistisch.
Mit erhöhtem Pulsschlag klingelte ich. Ein anderer Beamter öffnete die Tür. Offensichtlich hatte ein Schichtwechsel stattgefunden. Er fragte mich nach meinem Anliegen. „Ein Gang zum WC!“, war meine Antwort. Zu meiner Überraschung stand die Tür zu dem angrenzenden Raum weit offen. Ich konnte durch den Raum und durch das offene Fenster hinaus in die finstere Nacht blicken. Dort erkannte ich nur die Umrisse eines gegenüberliegenden Gebäudes. Die Tiefe zur Straße hinunter konnte ich nicht einschätzen. Der Polizist wartete nicht unmittelbar an der WC-Tür. Er hatte sich, den Schrittgeräuschen nach zu urteilen, ein paar Meter entfernt. „Soll ich jetzt einfach in den Nebenraum rennen und aus dem Fenster springen?”
Ich zögerte. Leider hatte ich nicht gesehen, ob sich Personen in dem Raum befanden. Es blieb nur eine kurze Zeit für Überlegungen. Einerseits war mein Freiheitsdrang sehr groß und ich wollte mich nicht einfach wegsperren lassen, andererseits wusste ich noch gar nicht, was man mir vorwarf und wie es weitergehen würde. Es siegten die Vernunft und die Angst vor dem Sprung ins Ungewisse.
Ich ging mit dem Beamten zurück zu meiner Zelle. Enttäuscht setzte ich mich auf die Plastikmatte. Erneut ärgerte ich mich über mich selbst. „Hatte ich eine große Chance verpasst?” Mein Ärger steigerte sich zur Wut. In entsprechenden Fernsehsendungen sieht alles so einfach aus. Ein schneller Sprung aus dem Fenster, ein kurzer Sprint und schon sind die überraschten Polizisten abgehängt. „Hätte es so funktionieren können, oder wäre es eine schmerzvolle Selbstüberschätzung gewesen? Würde sich eine weitere Gelegenheit zur Flucht bieten? Ist meine Festnahme nur ein Irrtum, ein Versehen, und ich werde sofort entlassen?” Diese Fragen kreisten in meinem Kopf, als plötzlich ein lautes Geräusch die schwere Eisentür entriegelte.
Ich erkannte den Kriminalbeamten wieder, der mich festgenommen hatte. Er legte mir erneut die einschneidenden Handschellen an. Anschließend führte er mich in den ersten Stock des Gebäudes. Dort saß seine Kollegin bereits an einem Schreibtisch. Er teilte mir mit, dass aufgrund der vorgerückten Stunde nur meine Personaldaten aufgenommen werden. Es war mittlerweile 23 Uhr. Das Verhör wurde auf den nächsten Morgen vertagt. Die Beamten waren bis jetzt in meiner Wohnung gewesen, um meine Freundin zu vernehmen. Ich wunderte mich, was sie wohl alles zu erzählen hatte, denn sie wusste absolut nichts über meine Bankverbindungen und Kontobewegungen.
Der Kommissar sagte mir, dass sie einen Nervenzusammenbruch erlitten hatte. Das stimmte mich sehr traurig. „Warum sollte sie leiden, wenn man etwas von mir wissen will?” Vielleicht wollte man mich damit auch nur einschüchtern. Nach ein paar Minuten war die Aufnahme der Daten erledigt. Der Beamte teilte mir mit, dass er gleich am nächsten Tag um sieben Uhr mit dem Verhör beginnen würde. Danach brachte er mich in die Zelle zurück.
Es begann meine erste Nacht in dem Verlies. „Wie viele Nächte und Tage werden folgen? Sicherlich hing das u. a. von meinen morgigen Aussagen ab.“ Ich machte mir darüber Gedanken und versuchte mögliche Fragen im Vorfeld zu erahnen. Trotz meiner Erschöpfung, die anscheinend dem psychischen Stress zuzuschreiben war, schlief ich sehr wenig.
Um 7:30 Uhr holte mich der Kommissar zum Verhör ab. Er beklagte sich über eine kurze Nacht. Mit Handschellen ging es in den ersten Stock. Sie schnitten äußerst unangenehm in meine Handgelenke ein. Ich bat den Beamten, sie ein wenig zu lockern. Das tat er glücklicherweise. Auf seinem Schreibtisch lagen Unterlagen und Visitenkarten, die er aus meiner Wohnung entnommen hatte. Auf einem Nebentisch erkannte ich mein Notebook. Der Kommissar reichte mir eine Tasse Kaffee. Das war mein Frühstück.
