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Wenn Tannenbäume und Lichterketten die Stadt schmücken, ist für kleine und große Kinder die aufregende Adventszeit mit geheimem Hoffen, gemalten, geklebten oder auch geschriebenen Wunschzetteln und jedes Jahr schwebt etwas Geheimnisvolles, aber nicht Greifbares, in der Luft.
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Seitenzahl: 57
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Inhaltsangabe:
Advent
Winterfreuden
Annas Wunschzettel
Nur noch ein paar Tage
Elenas Reise zur Rentierwiese
Weihnachtsmarkt
Arbeitsreiche Tage
Oh du fröhliche Weihnachtszeit
Warten auf Weihnachten
Oh Tannenbaum
Süßer Schnee
Sternenkalender
Freundschaft
Lichtergefunkel
Unvorhergesehenes
Gerettet
Warten auf die Bescherung
Glück gehabt
Heiligabend in der Großfamilie
Konrads Familie
Der erste Weihnachtstag
Weihnachten
Es schneit
Weihnachtliche Sinnbilder
Leuchten in Fenstern und Vorgärten
Erfreuen die Herzen
Strahlen in die dunkle Nacht
* * *
Liebe Lina,
danke für Deinen Brief. Ich freue mich, dass es Euch gut geht.
An Pauls oft zitierten Ausspruch: „Man muss die Feste feiern, wie sie fallen!“, erinnerte mich meine Erkältung nach unserer Party im winterlichen Vorgarten. Jetzt ist jedoch wieder alles ok.
Dass sich ein Elsternpaar Euren Garten als Kinderstube aussuchte und ihr die „Familie“ den Sommer über beobachten konntet, finde ich ganz toll. Junge Elstern habe ich noch nie gesehen.
Seit es geschneit hat, frühstücken allerdings Meisen, Spatzen und Co. mit mir. Obwohl bei uns im Vorgarten ein Futterhäuschen steht, hänge ich Meisenknödel an mein Balkongitter und streue Körner in die Blumenkästen. Zuerst glaubte ich, dass die Vögel die Futterstelle nicht annehmen würden; nun erscheinen sie, sobald es hell wird und „rufen“ mich. Sie schwirren zwar weg, wenn ich die Balkontür aufmache, um ihnen Futter zu bringen, kommen aber bald zurück und lassen es sich schmecken.
Ihr Tschilpen, wenn sie sich „nur unterhalten“, und ihr Gezanke, wenn sie nicht miteinander einverstanden sind, ist gut zu unterscheiden.
Verhaltensweisen sind ebenfalls zu erkennen. Eilige lauern im Ilex oder im Rhododendron und fliegen sofort nach dem Ausstreuen der Körner herbei. Streithähne suchen nicht nur Futter sondern hacken nach anderen Vögeln und Ängstliche warten bis alle weg sind.
Für den Winter schmückte ich die Balkonkästen mit Tannengrün. Die Zweige bieten den Tieren Schutz, doch wenn der Wind ihre Federn hoch bläst, habe ich Angst um sie. Ich weiß, dass diese „Federbälle“ sich gut festhalten und dass das Aufplustern die Körperwärme speichert, aber trotzdem ...
Als in diesem Jahr der erste Schnee gefallen war, er kam diesmal sehr früh, bauten Jungen einen Schneemann auf der Wiese und stellten ihn zu den Tannen. Mit Kieselsteinen modellierten sie Augen, Mund und Jacke und verpassten ihm eine lange Möhrennase. Zuletzt stülpten sie ihm eine alte Schüssel als Hut auf, tuschelten miteinander, besorgten sich Vogelfutter und streuten es in den hohlen Fuß der Schüssel. Schon bald entdeckten die Spatzen die neue Futterstelle, pickten eifrig und das Bild ähnelte einer Horrorszene.
Nachts schneite es wieder. Am folgenden Tag rollten die Bergerkinder drei weiße Kugeln und wälzten sie neben den Schneemann. Ihr Vater kam und half ihnen beim Aufeinandersetzen. Er formte noch einen Arm, drückte ihn an den mitgebrachten Reisigbesen und dann an den neuen Weißling. Ein kleiner Junge rannte mit Möhre und Tuch herbei. Herr Berger hob den Kurzen hoch und ließ ihn die „Möhrennase“ selbst einstecken. Die anderen Kinder drückten noch Kiesel für Augen und Mund ein und banden ihm das Kopftuch um. Herr Schneemann hatte nun auch eine Frau.
Bei der nun folgenden Schneeballschlacht trafen einige Bälle den „Hut“ des Schneemanns. Nach dem ersten Treffer saß er schief, später rutschte er ihm über die Augen und die lange Nase verhinderte den Absturz. Doch dann verhalf ein Volltreffer der Schüssel zu einem Flug über den Zaun. Der Übeltäter lief zum Schneemann, rückte dessen Möhrennase gerade und setzte ihm seine eigene Mütze auf.
Im gepflasterten Karree des Vorgartens hatten sich nach und nach immer mehr Nachbarn getroffen. Groß und Klein redete durch- und miteinander, lachte und gestikulierte. Es fehlten zwar die Bänke wie im Sommer, doch zum Sitzen war es eh zu kalt.
Jemand holte aber einen Stehtisch raus und stellte einen Campingkocher nebst Topf auf einem Hocker nach draußen. Rotwein, Kandis und Gewürze wurden gebracht, erhitzt und der Glühwein in Bechertassen gefüllt, die auch wunderbar die Hände wärmten.
In die Tanne flocht man heute schon die Lichterkette, zündete kleine und große Kerzen an und verteilte sie.
Die vielen strahlenden Lichter hielten die Dunkelheit fern, ließen den Schneeteppich glitzern und die Kälte vergessen.
Leider handelte ich mir bei der Party, trotz Mütze, Stiefel und warmer Socken, eine Erkältung ein. Mehrere Tage lief ich mit roter Schnüffelnase herum und trank Tee, abends mit einem Schuss Rum. Selbstverständlich nur damit ich besser schlafen konnte und nicht weil es schmeckt! Jetzt geht es mir jedenfalls wieder gut.
Ich wünsche Euch eine schöne Adventszeit mit erfolgreichen Einkäufen und vor allem, dass Eure Weihnachtsüberraschungen Freude bereiten und vielleicht „geheime“ Wünsche erfüllen.
Kommt mir auch gut ins neue Jahr und seid herzlich gegrüßt von
Eurer
Lisabeth
* * *
Anna stellte das Liebesperlenfläschchen auf den Tisch und nahm Isabellchen hoch.
Mit der an der Schulter liegenden Babypuppe spazierte sie unter der Lichterkette, die Papa vor ein paar Tagen aufgehängt hatte, hin und her und hickste dann.
„Kleines, das war gut.“ Sie legte Isabellchen in die Wiege, deckte sie sorgfältig zu und gab ihr noch einen Kuss auf die Nasenspitze. Danach setzte sie sich zu dem geduldig wartenden Teddy an den Tisch, fasste seine beiden Vorderpfoten und sagte: „Du weißt ja, das ein Bäuerchen wichtig ist.“
Zotti brummte leise und Anna kraulte sein linkes Ohr, dass seit der Rauferei mit dem Dackel des Nachbarn etwas schräg stand.
„So, jetzt kleben wir unseren Wunschzettel.“ Anna legte eine Schere neben den Klebestift und blätterte im Spielzeugkatalog.
„Ah, da ist er.“
Sie schnitt einen rosa Puppenwagen aus. Bei den Rädern erschien die Zungenspitze zwischen ihren Lippen.
„Ob der Wagen Isabellchen auch gefällt?“
Zotti brummte Zustimmung.
Bei der Seite mit den Mänteln sah sie zu der neben der Wiege stehenden Laufpuppe Livi, schob den Katalog zum Teddy, zeigte auf einen lila Mantel mit weißen Knöpfen und flüsterte: „Kuck‘ mal, der würde Livi bestimmt gut stehen und in den Fellstiefeln hätte sie immer warme Füße.“
Zotti brummte. Anna schnitt beides aus.
„Und hier der Roller!“
Der Teddy antwortete nicht. Er hatte sich auf den Bauch gelegt und weg gedreht. Schnell schnitt sie den Roller und eine Baseballkappe aus.
Aus der Küche rief ihre Mama: „Ich backe Spekulatius. Willst du helfen, Anna?“
„Ja. Ich kleb‘ nur eben den Wunschzettel fertig.“
Anna bestrich mit dem Klebestift die Rückseiten der ausgeschnittenen Bilder und drückte sie auf ein Blatt Papier. Zuerst klebte sie den Regenschirm auf, den sie gestern schon ausgeschnitten hatte, malte dahinter ein „A“ und sagte: „Der ist für mich, damit ich nicht nass werde bei Regen.“
Hinter den rosa Kinderwagen malte sie ein „I“ für Isabellchen, hinter den Mantel und die Fellstiefel ein „L“ für Livi und zu Roller und Baseballkappe ein „Z“ für Zotti.
Nachdem Anna die Schere in die Schublade gelegt und dem Klebestift den Hut aufgesetzt hatte, ergriff sie den Wunschzettel.
