Beschreibung

Der praktische und kompetente Naturführer für unterwegs – empfohlen vom NABU. Ausführlich: sicheres Erkennen der 34 heimischen Fledermausarten. Überzeugend: alle typischen Merkmale auf einen Blick. Treffsicher: eindeutiges Bestimmen mit dem bewährten KOSMOS-Farbcode.

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Seitenzahl: 40


Inhalt

Ein Erfolgsmodell

Fledermäuse beobachten & schützen

Der Kosmos-Farbcode teilt die Fledermäuse in drei Gruppen ein:

Hufeisennasen

Glattnasen

Bulldoggfledermäuse

Beobachten und bestimmen

Impressum

Abkürzungen im Bestimmungsteil

Foto: König

Ein Erfolgsmodell

Mit über 1200 Arten sind die Fledermäuse und Flughunde nach den Nagetieren die zweitartenreichste Säugetierordnung. Ihre Entwicklungsgeschichte lässt sich inzwischen 52,5 Millionen Jahre zurückverfolgen.

Parallel zu den Vögeln entwickelten kleine Säugetiere damals die Fähigkeit zum aktiven Flug. Als Flügel dienten ihnen dünne, hochelastische und sehr reißfeste Häute, die sie zwischen den extrem verlängerten Fingerknochen ausspannten und die sich noch weiter vom Arm über den Rumpf bis zu den Hinterbeinen fortsetzten. Dass die Fähigkeit zum Fliegen auf gewölbten Tragflächen eine Erfolgskonstruktion war, beweisen die heute lebenden, sehr zahlreichen Vertreter der zoologischen Ordnung der Handflügler (Chiroptera).

Fransenfledermaus auf Jagdflug.Foto: König

MIT DEN OHREN SEHEN

Während die im Westen von Wyoming/USA gefundene, primitivste aller bisher bekannten Fledermäuse noch an allen zehn Fingern Krallen wie ihre vierfüßigen Vorfahren trug und auch noch über kein Echoortungsystem verfügte, waren alle sieben in der ehemaligen Ölschiefergrube im hessischen Messel bei Darmstadt gefundenen 47 Millionen Jahre alten fossilen Fledermausarten bereits aktive Echoorter. Durch die Entwicklung eines ausgefeilten akustischen Echoortungssystems gingen sie ihren gefiederten Flugkonkurrenten aus dem Weg. Die Messeler Fledermausgesellschaft konnte schon in der Dunkelheit auf Nahrungssuche fliegen. Mithilfe dieser Echoortung konnten die nächtlichen Räuber sich nicht nur orientieren, sondern auch kleine sich bewegende Beuteinsekten lokalisieren und identifizieren. Das belegen die Konstruktion ihrer knöchernen Gehörorgane des Innenohrs und die gut erhaltenen Mageninhalte, die ausschließlich aus Insektenresten bestehen.

Große Mausohren im Winterquartier.Foto: Nill

BEGABTE JAGDSTRATEGEN UND SCHLAUE BEUTE

Bis heute praktizieren die meisten Fledermäuse den Insektenfang. So unterschiedlich wie ihre Beute und ihre Jagdgebiete sind dabei die Ortungslauttypen und die Jagdstrategien der Nachtjäger. Einige Hufeisennasen-Arten sind perfekt für die Ansitzjagd spezialisiert: An kleine Zweige kopfunter geklammert, orten sie vorbeifliegende Insekten, hechten ihnen kurz hinterher, um wieder zum Ansitzplatz zurückzukehren und dort nach dem Verzehr auf die nächste Beute zu warten.

Große Hufeisennase beim Ausflug aus dem Wochenstubenquartier.Foto: Stephan

Aber auch die Beutetiere verfügen über Strategien, durch die sie sich erfolgreich schützen: Als Schutz vor den räuberischen Fledermäusen haben einige Insekten Gehörorgane entwickelt. Trifft sie der Ultraschall-Peilstrahl eines Feindes, schlagen die Verfolgten Haken oder tauchen einfach in die Vegetation ab. So leicht lassen sich einige Fledermausjäger allerdings doch nicht austricksen. Sie verzichten einfach bei der Verfolgung ihrer Beute auf Ultraschallortung und verlassen sich ganz auf die Qualität ihrer meist riesigen Ohren. Schon leiseste Krabbelgeräusche weisen ihnen den Weg zu einer leckeren Mahlzeit. Den drei in Südamerika beheimateten Vampirfledermäusen, die sich als einzige Warmblüter ausschließlich von Blut ernähren, reichen sogar schon die gleichmäßigen Atemgeräusche ihrer Blutspender – Säuger und Vögel – aus, um zu ihrem Aderlass zu gelangen. Manche tropischen Frösche stellen ihr Tümpelkonzert ein, wenn die südamerikanische Froschfressende Fledermaus die Gegend unsicher macht. Weil diese gelernt hat, giftige von ungiftigen Froscharten an ihren Rufen zu unterscheiden, tarnen sich einige potenzielle Beuteopfer mit perfekt imitierten Rufen ihrer giftigen Verwandtschaft, um sich so vor dem Gefressenwerden zu schützen.

Große Hufeisennase im Winterschlaf.Foto: Stephan

ÜBERZEUGTE VEGETARIER UND GENIESSER

Immerhin 30% aller Fledertiere leben nicht von Insekten, Wirbeltieren oder deren Blut, sondern vegetarisch. Dazu gehören alle altweltlichen Flughunde und in Südamerika auch noch viele Arten aus der formenreichen Blattnasenfamilie. Die Fruchtliebhaber quetschen ihre Nahrung an Ort und Stelle aus oder verzehren sie im Flug. Durch das »Verschleppen« von Früchten und das Ausscheiden der Samen tragen tropische und subtropische Fledertiere ganz wesentlich zur Pflanzenverbreitung bei.

Fledermäuse beobachten & schützen

Fünf Prozent der Flugsäuger ernähren sich sogar von Nektar. Langzungenflughunde in der Alten und Blattnasen-Fledermäuse in der Neuen Welt übernehmen die Rolle von Bestäubern. Um sie anzulocken, verströmen fledermausblütige Pflanzen besondere Düfte, erblühen nachts zur rechten Flugzeit und bilden ihre Blüten an gut erreichbaren »Landeplätzen« am Stamm oder an langen Stielen aus. Während die meisten Fledertiere auf den Blüten landen müssen, können die südamerikanischen Langzungen-Fledermäuse als »Kolibris der Nacht« vor den Blütenkelchen rütteln, um dabei mit ihrer überlangen Zunge blitzschnell an den Nektar zu gelangen. Eine ganze Reihe tropischer Pflanzenarten – von der Wildbanane bis zum Balsaholzbaum – ist auf die Fledertierbestäubung angewiesen.

Die Welt unserer einheimischen bzw. europäischen Fledermausarten ist längst nicht so arten- und anpassungsreich wie die in den Tropen. Bis auf zwei Ausnahmen ernähren sich alle bei uns von Insekten und Spinnen. Dennoch hat jede Art ihre Besonderheiten, die das Beobachten und Erkennen spannend und erlebnisreich machen.

Fledermausforschung mit Infrarotscheinwerfern, Monitor und Nachtsichtgerät.Foto: Stephan

FLEDERMÄUSE BEOBACHTEN