Welt in Angst - Michael Crichton - E-Book

Welt in Angst E-Book

Michael Crichton

3,9
9,99 €

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Beschreibung

Der Millionär und Lebemann George Morton kommt einer unglaublichen Verschwörung auf die Spur. Die Umweltorganisation NERF, die er mit großzügigen Spenden unterstützt, macht gemeinsame Sache mit skrupellosen Ökoterroristen. Ihr neuester Plan: Durch ein künstlich ausgelöstes Seebeben wollen sie ganz Kalifornien überfluten, um die Aufmerksamkeit der Welt auf die von NERF organisierte Klimakonferenz zu lenken. Morton setzt alles daran, diesem Wahnsinn ein Ende zu bereiten, doch die Terroristen sind ihm immer einen Schritt voraus …



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MOBI

Seitenzahl: 762




Inhaltsverzeichnis

EinleitungI. AkamaiII. TerrorIII. Los AngelesIV. BlitzV. SnakeVI. BlauVII. ResolutionNachwortAnhang
Warum politisierte Wissenschaft gefährlich istAnmerkungenDatenquellen für die GrafikenKommentierte Bibliografie
Copyright

»Wissenschaft hat etwas Faszinierendes an sich. So eine geringfügige Investition an Fakten liefert so einen reichen Ertrag an Voraussagen.«

Mark Twain

»Bei wichtigen Themen gibt es immer Aspekte, die keiner erörtern möchte.«

George Orwell

Einleitung

Der pazifische Inselstaat Vanutu gab auf dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung in Johannesburg die Absicht bekannt, aufgrund der globalen Erwärmung gegen die Umweltschutzbehörde der USA einen Prozess anzustrengen. Vanutu liegt nur wenige Meter über dem Meeresspiegel, und den achttausend Einwohnern der Insel drohe die Evakuierung aus ihrem Land, weil der Meeresspiegel infolge der globalen Erwärmung ansteige. Die USA, die größte Wirtschaftsmacht der Welt, seien auch der größte Produzent von Kohlendioxid und trügen somit am stärksten zur globalen Erwärmung bei.

Der National Environmental Resource Fund (NERF), eine Gruppe amerikanischer Umweltaktivisten, erklärte, er werde Vanutu bei der Klage, die im Sommer 2004 eingereicht werden sollte, unterstützen. Die geschätzten Prozesskosten von über acht Millionen Dollar würden Gerüchten zufolge von dem reichen Wohltäter George Morton getragen, der sich häufig für den Umweltschutz engagierte. Da die Verhandlung vor der bekanntlich liberalen Neunten Kammer in San Francisco stattfinden würde, wurde der Prozess mit einiger Spannung erwartet.

Doch die Klage wurde nie eingereicht.

Weder Vanutu noch NERF hatten je eine offizielle Erklärung abgegeben, warum von der Klage Abstand genommen wurde. Selbst nach dem plötzlichen Verschwinden von George Morton blieben die genauen Vorgänge um diesen Prozess aufgrund eines unerklärlichen Desinteresses seitens der Medien ungeklärt. Erst Ende 2004 äußerten sich einige ehemalige Mitglieder von NERF öffentlich darüber, was innerhalb ihrer Organisation passiert war. Darüber hinaus lieferten Enthüllungen aus Mortons Umfeld sowie von ehemaligen Mitarbeitern der in Los Angeles ansässigen Anwaltskanzlei Hassle & Black weitere Einzelheiten der Geschichte.

Somit ist heute bekannt, was sich zwischen Mai und Oktober 2004 im Zusammenhang mit dem Vanutu-Prozess ereignete und warum so viele Menschen in entlegenen Teilen der Erde sterben mussten.

MC,

Los Angeles 2004

Auszüge aus einem internen Geheimbericht des AASBC an den Nationalen Sicherheitsrat. Gemäß Informationsfreiheitsgesetz 3/4/04.

I. Akamai

Paris Nord

Sonntag, 2. Mai 2004, 12.00 Uhr

In der Dunkelheit berührte er ihren Arm und sagte: »Bleib hier.« Sie bewegte sich nicht, wartete einfach. Es roch stark nach Salzwasser, ein schwaches Gurgeln war zu vernehmen.

Dann gingen die Lichter an, spiegelten sich auf der Oberfläche eines großen, mit Wasser gefüllten Beckens, das etwa fünfzig Meter lang und zwanzig Meter breit war. Es sah aus wie in einem Hallenbad, wenn man sich die vielen elektronischen Geräte drum herum wegdachte – und das äußerst seltsame Gebilde am hinteren Ende des Beckens.

Jonathan Marshall kam zu ihr zurück und hatte ein idiotisches Grinsen im Gesicht. »Qu’est-ce que tu penses?«, fragte er, obwohl er wusste, dass seine Aussprache furchtbar war. »Was meinst du?«

»Es ist toll«, sagte die Frau. Sie hatte einen exotischen Akzent. Eigentlich war alles an ihr exotisch, dachte Jonathan. Mit ihrem dunklen Teint, den hohen Wangenknochen und dem schwarzen Haar hätte sie ein Model sein können. Und in dem kurzen Rock und mit den Stöckelschuhen hatte sie auch den Gang eines Models. Sie war Halbvietnamesin und hieß Marisa. »Ist denn sonst niemand hier?«, fragte sie und schaute sich um.

»Nein, nein«, sagte er. »Heute ist Sonntag. Da kommt keiner.«

Jonathan Marshall war vierundzwanzig, Physikdoktorand aus London, und arbeitete den Sommer über in dem hochmodernen Laboratoire de Mécanique Ondulatoire Appliquée – dem Labor für Wellenmechanik – des französischen Marine-Instituts in Vissy, nördlich von Paris. Da in dem Vorort überwiegend junge Familien wohnten, war es bislang ein einsamer Sommer für Marshall gewesen. Deshalb konnte er sein Glück kaum fassen, dass er die junge Frau kennen gelernt hatte. Diese unglaublich schöne Frau, die so sexy war.

»Zeig mir, was sie macht, die Maschine«, sagte Marisa. Ihre Augen glänzten. »Zeig mir, was du machst.«

»Mit Vergnügen«, sagte Marshall. Er ging zu dem großen Bedienungsfeld und schaltete die Pumpen und Sensoren ein. Die dreißig Anzeigetafeln der Wellenmaschine am hinteren Ende des Beckens erwachten nacheinander zum Leben.

Er warf ihr über die Schulter einen Blick zu, und sie lächelte ihn an. »Das sieht ganz schön kompliziert aus«, sagte sie. Sie trat neben ihn an das Bedienungsfeld. »Nehmt ihr alles mit Kameras auf?«

»Ja, wir haben welche in der Decke und seitlich am Becken. Die machen optische Aufzeichnungen von den erzeugten Wellen. Und im Becken sind Drucksensoren, die zeichnen die Druckparameter der vorbeikommenden Wellen auf.«

»Sind die Kameras jetzt an?«

»Nein, nein«, sagte er. »Die brauchen wir nicht, wir machen ja kein Experiment.«

»Vielleicht doch«, sagte sie und legte ihm eine Hand auf die Schulter. Ihre Finger waren lang und zart. Sie hatte schöne Finger. Sie schaute eine Minute zu, dann sagte sie: »Das hier sieht alles sehr teuer aus. Ihr habt bestimmt jede Menge Sicherheitsvorkehrungen, was?«

»Eigentlich nicht«, sagte er. »Bloß Magnetkarten, um reinzukommen. Und nur eine Überwachungskamera.« Er deutete über die Schulter. »Da hinten in der Ecke.«

Sie wandte sich um. »Ist die jetzt an?«

»Oh ja«, sagte er. »Die ist immer an.«

Ihre Hand streichelte ihm sanft den Nacken. »Dann beobachtet uns jetzt jemand?«

»Leider ja.«

»Dann sollten wir uns anständig benehmen.«

»Wär wohl besser. Was ist denn überhaupt mit deinem Freund?«

»Ach, der.« Sie schnaubte verächtlich. »Der kann mich mal.« Am Morgen hatte Marshall wie jeden Tag sein kleines Apartment verlassen und war in das Café in der Rue Montaigne gegangen. Wie immer hatte er zum Lesen einen Fachartikel mitgenommen. Dann hatte sich diese Frau zusammen mit ihrem Freund an den Nebentisch gesetzt. Und prompt waren die beiden sich in die Wolle geraten. Marshall fand gleich, dass Marisa und der Typ schon äußerlich nicht zueinander passten. Er war Amerikaner, ein bulliger, rotgesichtiger Kerl mit der Statur eines Footballspielers, längerem Haar und einer Nickelbrille, die in seinem fleischigen Gesicht völlig fehl am Platze wirkte. Er sah aus wie ein Schwein, das einen auf Akademiker macht.

Er hieß Jim, und er war sauer auf Marisa, weil sie anscheinend den Abend zuvor nicht mit ihm verbracht hatte. »Ich kapier nicht, warum du mir nicht sagen willst, wo du warst«, wiederholte er mehrmals.

»Weil es dich nichts angeht, deshalb.«

»Aber wir wollten doch essen gehen.«

»Jimmy, ich hab dir gesagt, dass das nicht klappt.«

»Nein, hast du nicht. Und ich hab im Hotel auf dich gewartet. Den ganzen Abend.«

»Na und? Das hat keiner von dir verlangt. Du hättest ausgehen können. Dich amüsieren.«

»Aber ich hab auf dich gewartet.«

»Jimmy, ich bin nicht dein Eigentum.« Sie war entnervt, seufzte, warf die Hände in die Luft oder schlug sich auf die nackten Knie. Sie hatte die Beine übereinander geschlagen, und ihr kurzer Rock war hochgerutscht. »Ich mache, was mir passt.«

»Das hab ich gemerkt.«

»Ja«, sagte sie, und im selben Augenblick sah sie zu Marshall hinüber und sagte: »Was liest du da? Das sieht ziemlich kompliziert aus.«

Zuerst war Marshall verunsichert. Sie sprach ihn ganz offensichtlich an, um ihren Freund zu ärgern. Er wollte sich nicht in den Streit der beiden hineinziehen lassen.

»Es geht um Physik«, sagte er knapp und drehte sich leicht weg. Er versuchte, nicht auf ihre Schönheit zu achten.

»Was für Physik?«, hakte sie nach.

»Wellenmechanik. Ozeanwellen.«

»Dann bist du Student?«

»Doktorand.«

»Also einer von den ganz Intelligenten. Bist du Engländer? Wieso bist du in Frankreich?«

Und ehe er wusste, wie ihm geschah, unterhielt er sich mit ihr, und sie stellte ihm ihren Freund vor, der Marshall matt angrinste und ihm schlaff die Hand schüttelte.

Es war alles ziemlich peinlich, aber die Frau ließ sich dadurch nicht beirren.

»Arbeitest du hier in der Gegend? Was für Arbeit? Ein Wasserbecken mit einer Maschine? Echt? Kann ich mir gar nicht vorstellen. Zeigst du’s mir?«

Und jetzt waren sie hier, im Labor für Wellenmechanik. Und Jimmy, der Freund, schmollte draußen auf dem Parkplatz und rauchte eine Zigarette.

»Was machen wir mit Jimmy?«, fragte sie, während Marshall am Bedienungsfeld hantierte.

»Hier darf er nicht rauchen.«

»Ich pass schon auf. Aber ich will ihn nicht noch wütender machen. Kann ich ihn nicht reinlassen?«

Marshall spürte Enttäuschung in sich aufsteigen. »Schön. Meinetwegen.«

Dann drückte sie seine Schulter. »Keine Sorge, er kann ohnehin nicht lange bleiben.«

Sie ging zur Tür im hinteren Teil des Labors, öffnete sie, und Jim kam herein. Marshall schaute sich kurz um und sah, dass Jim hinten stehen blieb, die Hände in den Taschen. Marisa kam wieder zu Marshall an das Bedienungsfeld.

»Alles klar«, sagte sie. »Und jetzt zeig’s mir.«

Die Elektromotoren am hinteren Ende des Beckens surrten, und die Paddel erzeugten die erste Welle. Es war eine kleine Welle, sie plätscherte gleichmäßig über die gesamte Länge des Beckens und lief dann auf einer schrägen Platte am vorderen Ende aus.

»Und das soll eine Flutwelle sein?«, fragte sie.

»Es ist die Simulation eines Tsunami, ja«, sagte Marshall, während seine Finger auf der Tastatur tippten. Am Bedienungsfeld zeigten Displays die Temperatur und den Druck an, lieferten Fehlfarbenbilder von der Welle.

»Eine Simulation«, sagte sie. »Und was heißt das?«

»Wir können Wellen von bis zu einem Meter Höhe erzeugen«, sagte Marshall. »Echte Tsunamis sind dagegen vier, acht, zehn Meter hoch. Manchmal sogar noch höher.«

»Eine Welle im Ozean, die zehn Meter hoch ist?« Ihre Augen wurden groß. »Echt?« Sie schaute zur Decke hinauf, versuchte es sich vorzustellen.

Marshall nickte. So hoch wie ein dreistöckiges Gebäude. Und die Welle würde mit einer Geschwindigkeit von achthundert Kilometern pro Stunde an Land donnern.

»Und wenn sie dann an Land kommt?«, fragte sie. »Ist das die Schräge da vorn? Die Oberfläche sieht aus wie Kies. Soll das der Strand sein?«

»Genau«, sagte Marshall. »Wie weit die Welle an Land spült, hängt von der Neigung des Strandes ab. Wir können jeden beliebigen Winkel einstellen.«

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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