Weltenwanderer - Artis Miril - E-Book

Weltenwanderer E-Book

Artis Miril

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Beschreibung

Der Kontinent Efferia, die Heimat der magischen Reiche, droht von Konflikten überwältigt zu werden - alte Streitereien flammen auf, die Magier sehen sich nicht länger an der Seite der Sterblichen und während die Reiche in Unruhen versinken, wandeln Schatten durch ihre Länder. In dieser Welt erwacht Iliphas, der letzte Spross eines Hauses von Magiern, einst Schüler eines der größten Helden des Kontinents. Ihm wird auf erschreckende Weise deutlich, dass diese Welt seit zwei Jahrhunderten nicht mehr die seine ist – seine Heimat zerfiel, sein Name wurde vergessen und nur noch ein Titel blieb für jenen, der einst alles vor dem Abgrund bewahrte: Zerstörer von Welten. Auf der Suche nach Antworten wandert Iliphas durch Licht und Schatten dieser Welt, nur um zu erkennen, dass Schrecken existieren, die nicht zwischen hell und dunkel unterscheiden und ihre Hände auch bald nach ihm ausstrecken - jenem, der im Nebel wandelt.

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Seitenzahl: 1146

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Prolog
Echos der Vergangenheit
Der Rat der Vier
Der Wanderer aus dem eisigen Wald
Rot zu Grau
Die Gruppe vom Grenzposten
Aller Pflicht
Geschichte der Sieger
Frauen in Rot
Verloren
Mond und Rabe
Ein Verhör
Tunkali
Unter Freunden
Ein Angebot
Wahre Träume
Sareths Urteil
Ankunft der Großmeister
Leere Schatten
Abseits der Wege
Dunkelheit
Grau zu Rot
Das Mädchen von Mitternacht
Etikette für den Edelmann
Nachtspaziergang
Obus Liver Äon
Zehn
Neun
Acht
Sieben
Sechs
Vier
Eins
Aus
Vor Brále
Furcht und Ehrfurcht
Grau
Zubergespräche
Die Klänge des Alten Rotik
Wahrheit
Epilog

Impressum neobooks

In der Klarheit des Nebels

Band I - Weltenwanderer

Von Artis Miril

Für die Erbauer, für die Wanderer.

Für die Gejagten, für die Verlorenen.

Für die Furchtsamen, die dennoch über die Schwelle treten.

Willkommen hinter dieser Tür.

Prolog

Nebel. Alles, was ich sah, war Nebel.

Ich streunte in seinen Gefilden, trieb ziellos durch den Dunst. Ein Gedanke, der schwebte oder war dies ein Körper, der lief, oder nur ein Bild, das der Nebel mir gab?

Was ich auch war, wohin ich auch schwirrte, ich wusste es nicht. Ich sah nur den grauen Boden aus behauenem Stein, den Staub, der in Schichten auf ihm lag. Es knirschte laut, der Mahlstein der Gezeiten, das Abtragen eines Berges in einem einzigen Klang, während ich vorüberkam. Wind kreischte an mir vorbei, wie der Klagechor für einen innig Geliebten.

An meiner Seite trieb der Nebel sein eigenes Spiel. Er umgarnte Säulen, hoch wie drei Männer, mit Schnörkeln versehen und mit Rissen, die sie wie Narben zierten. Ihre Kanten waren glatt geschliffen von Sonne, Wind und Regen.

Einige strahlten stolz in hellstem Stein, andere waren zu traurigen Haufen aus Schutt verkommen. Ich erkannte Schönheit an diesem Ort. Großartige Handwerkskunst und feinstes Material. Aber alles davon schien schon lange gegangen.

Verging es durch mich? Ging es, als wir kamen? Wir wollten es nicht, aber was brachten wir letztlich hierher? Weder Ruhe noch Erhabenheit. Wir brachten anderes, weil wir es mussten. Nur wer „wir“ waren, fiel mir nicht mehr ein und was wir bringen sollten floh ebenso hinaus in den wandelnden Brodem. Zurück blieb nur ich allein.

Der Nebel umspielte den Stein, sog ihn an und ließ ihn los. Er trieb vor und zurück, an Seiten über den Boden und in die Höhe. Er war überall und so war er letztlich auch bei mir. Mit dunstenen Fingern tastete er vor, bis er mich berührte. Dort wo wir zusammenkamen, war Nässe. Ich spürte Hitze, einen Atem, schwer und gehetzt: Meine eigene Hitze, mein eigener Atem. Plötzlich war ich mehr als ein Blick, mehr als ein schwebender Gedanke im Nebel. Und ich war nicht länger allein.

Vor mir lichtete sich der Brodem, zog sich zur Seite und schälte eine Gestalt aus sich heraus. Zwei Beine, zwei Arme, ein Kopf, ein Torso und das alles eingebettet in eine Robe aus grauen Stoff, nicht heller als der Nebel. Mit jedem Schritt wandte sich der Dunst, warf Zeichen auf, die mir vertraut erschienen.

Ich las sie und wollte sprechen. Aber mein Mund gehorchte nicht. Kein Schall erklang und die Stimme schwang stumm. Nicht einmal die Gedanken blieben bei mir. Sie jagten einander rundherum in jeder Ecke und jeden Winkel. Nur damit sie letztlich wieder zu ihrem Anfang zurückkamen, ohne jemals ein Ende zu finden. Alle Ideen flossen zusammen, formten einen dunklen Strudel, der mich zu der grauen Gestalt sog.

Langsam strich sie ihre Kapuze zurück. Der Nebel folgte, half mit grauen Fingern, als wäre die Last des Stoffes alleine nicht tragbar und ließ von ihm ab, sobald sich das Antlitz offenbarte.

Dem Nebel präsentierte ein sich ein Mann mit runden Zügen. Sein vormals schwarzes Haar wurde von Grau dominiert, die Stirn von tiefen Furchen umrahmt. Die Augen waren klein und dunkel.

Dennoch brannte in ihnen ein Feuer, das mich zu versengen drohte. Ein hitziger Wahnsinn, der auch auf dem schiefen Lächeln dünner Lippen lag. Der fremde Mund bewegte sich, warf Falten in die blassen Winkel. Dann fletschte er die Zähne und spie Worte aus. Aber ich hörte nichts, ich fühlte nichts. Nichts außer Bedauern.

Und während ich noch in Gedanken bei diesem Unbekannten war, stieß er vor. So plötzlich, dass es kein Schritt und kein Gang war. Einzig ein Auftauchen direkt vor mir, die Bewegung in nur einem Blinzeln. Ich riss die Arme nach vorne, hinauf zum Bauch. Es wirkte. Denn schon stoppte der Unbekannte.

Sein Leib bebte, das Grinsen fror ein und kurz darauf drangen rubinrote Flüsse zwischen seinen Zähnen hervor, flossen hinab, trafen auf meine Hände im Griff hungrigen Stahls. Warmfeuchte Fäden umsponnen mich.

Der Mann versuchte sich nicht zu entwinden, erst blieb er starr, reglos den Blick durch mich hindurch in die endlose Leere gerichtet. Doch als das Leben in ihm erwachte, wollte er es umso schneller abgeben. Er schritt vor, drückte sich weiter, noch tiefer in meine Klinge und nährte damit das eigene Ende.

Seine Augen sprachen in milderen Tönen, ihre Flammen wichen Wärme und sein Grinsen erstarb, bis nur schwaches Lächeln übrig blieb. In ihm sah ich Gefühle: Bedauern, Trauer. Jene, die ich einst trug, die wir alle trugen. Ich wusste nichts von „wir“. Aber das Herz schmerzte Mir bei diesen Gedanken.

Warum ließet ihr es so weit kommen? Hörte ich einen Schrei, der nur in mir erklang. Doch meine Antwort blieb die Leere und der röchelnde Mann vor mir.

Er zitterte heftiger, spuckte dunkles Rot aus. Ein Fluss, dessen Damm brach. Die tiefe Klinge hatte ihn gebrochen und so, hilflos der Flut Herr zu werden, fiel er vor, direkt gegen meine Schulter, weiter in den Stahl hinein. Ich spürte seine Wärme schwinden, als sie über meine Brust lief.

Damit kam ein Wispern, gleich dem Wind, weiter Ebenen. Die Lippen des Sterbenden bewegten sich. Nur im Hauch ohne Worte, sodass ich meine nicht länger still halten konnte.

„Verzeiht mir“ hörte ich mich sagen, schwach und unter Trauer erstickt, während meine Augen brannten. „Bitte, bitte verzeiht mir“.

Aber der Mann ließ sich nicht beirren, nicht verstummen. Er selbst formte Worte, die nur für mich waren. Und während er verging, der Nebel ihn und mich mit warmen Fängen umgarnte, den Rest der Säulen davon nahm, hörte ich ihn sprechen.

„Wach auf“ sagte er.

Der Eisige Wald war kein Wald wie die anderen. Sein Name ließ es zwar vermuten, aber hier regierten keine strahlenden Farben des Lebens, kein saftiges Moos, frohes Grün von Laub oder Nadel. Selbst Tiere waren hier nicht beheimatet. Einzig der Schnee und das Eis. Und selbst diese führten einen unerbittlichen Krieg gegen das, was außer des Namens noch an Wald übrig war. Die Bäume, mächtige Pfeiler, die den Himmel trugen, in ihren Rümpfen so breit, dass mehr als drei ausgewachsene Männer nötig wären, um sie zu umgreifen, begehrten mit aller Kraft dagegen auf. Die schwarzen Stämme, die knorrigen blattlosen Äste und selbst das vertrocknete Werk von Busch und Kraut stemmten sich hinauf, gegen die Gewalten, die das Graue von oben unablässig hinabwarf. Wenngleich die Schneeflocken langsam fielen, als wehrten sie sich ebenfalls davor, hinab auf die Decke von Schnee zu fallen, so schien der Sieger hier gewiss. Der Himmel würde triumphieren und das Gehölz wäre lang genug Herr dieses Ortes. Der Eisige Wald würde nur noch als Eisiger zurückbleiben, wenn der Rest vergessen wurde.

Es wäre nur Erinnerung. Erinnerung von Wald und Bäumen, ehe auch das Übrige in seinen Totenschlaf gelegt werden würde. Seit zwei Jahrhunderten war dieses Bild kein anderes mehr. Und die Namen zweier großer Nationen teilten sich nun diesen Ort, der nur den Frost kannte.

Aber heute war er mehr als das. Mehr als eine Grenze und mehr als weißer Forst. Heute war der Wald aufgeregt. Der Schnee fiel, vom Wind getragen nicht hinab, sondern wehte an Ästen und Sträuchern vorbei. Er tobte und wanderte, riss kräftig an allem, was dem Eisigen noch nicht vollkommen zum Opfer gefallen war. Hinweg über weiße Lichtungen, vorbei an den Baumriesen und die verdorrten Büsche. Nur um an einen Ort zu kommen, der fern von all dem Tod und dem Starren wirkte, wenngleich er selbst nicht viel mehr Leben in sich trug. Aber hierher kam der Wind und hier blieb er, fuhr kreiselnd herum.

„Wach auf!“ Schien er heute zu flüstern.

Er streifte den Schnee zur Seite und fuhr weiter. Neben Holz und Geäst war er nun bei Stein angelangt. Blankem Gestein, das so fern von den großen Gebirgen verlassen schien. Aber doch waren sie hier: drei Findlinge, fünf Fuß hoch und zwei breit. Ihre Ecken waren glatt, nicht geschliffen, sondern behauen, keine Arbeit, die Gezeiten oder Wald verrichteten. Auf ihrer dunklen Oberfläche lag kein Schnee. Vielmehr suchten die Flocken heillos das Weite. Im Licht der Sonne, einer Sonne, die irgendwo hinter dichten Wolken grauen Schleiers verborgen war, erschienen sanfte Schnitzereien. Es waren Symbole von Monden und Sternen, Sonnen und anderen archaischen Zeichen, deren Sinn der Verstand deuten konnte, aber der Körper, der Geist, der so weit hinter aller Vernunft versteckt lag, fühlte sie sofort. Sie glühten, als hätte man sie erst vor kurzen aus flüssigem Kupfer gegossen. Seit jeher ruhten sie hier, unberührt vom Schnee, inmitten des Eisigen Waldes. Aber heute waren sie nicht allein.

„Bitte Wach auf!“

An einem von ihnen hatte der Wind etwas entdeckt, das nicht hierher gehörte. Nicht zu den vergessenen Steinen und nicht zu den Bäumen. Der Wind fuhr herum und umgarnte die Gestalt eines Menschen. Er lehnte am Stein, war in einen grauen Mantel gehüllt, so grau wie der Himmel über den Baumkronen. Der Wind machte sich einen Spaß daraus, durch die kleinen und großen Löcher zu fahren, vorbei an Säumen, die vor langer Zeit Riss und Schnitt abbekamen. Er kitzelte den Körper darunter, kühlte und biss ihn, aber dieser blieb reglos. Fast hätte man meinen können, er sei so tot wie alles in diesem Wald. Aber sein Atem verriet ihn. Ruhig und gleichmäßig trat er als warmer Dunst unter dem Stoff hervor.

Der Wind stob auf und nun wurden auch die Flocken mutiger. Schnee erkundete den hier so fremden Körper und so gut es dies konnte, legte sich das Weiß auf die Gestalt. Aber weder Mantel noch die unzähligen Bandagen aus hellem Leinen sollten seine Hitze zurückhalten. Die Flocken schmolzen, dort wo sie den Körper berührten. Doch sie gaben nicht auf. Der Wind gab nicht auf. Er fuhr erneut an. Nun noch grimmiger und brüllte an den Bäumen vorbei.

„Iliphas, bitte Wach auf!“

Mit einem Ruck erstarrte der Körper. Er verkrampfte und ein dumpfer Schrei, wie beim Erwachen aus einem Albtraum drang durch den Stoff hindurch. Der ruhige Atem wurde hektisch, panisch und die Gestalt tastete wie wild an sich herum. Der Mantel nahm ihm die Sicht, machte dunkel was sonst hell, grau und weiß wäre.

Solange bis seine Hand an die richtige Stelle griff, ihn erkennen ließ, dass da nur Stoff war. Er riss ihn zur Seite und das erste Mal sog er die eiskalte Luft ein. Endlich durfte der hier zurückgelassene Eindringling den Wald in all seiner Kälte sehen.

Es war ein junger Mann, den der Schnee in seiner Mitte fand. Jemand, der die dreißig Sommer so nahe bei sich hatte, wie die zwanzig fern waren. Er versteckte seine Jugend nicht, weder die Stoppeln an den weichen Zügen, noch die welligen Haare im Ton alten Goldes, die ungestüm in alle Richtungen strebten. Aber seine Augen zeugten nicht von Jugend. Eher war es sein eines Auge. Denn das linke war so wie Arme und Hände von hellen Bandagen verdeckt.

Der Eindringling nahm einen tiefen Zug und die Ruhe kehrte in ihn zurück. Langsam drehte er den Kopf, sah sich um. Vorsichtig und so bedächtig, wie jemand, der sich nach einer durchzechten Nacht in einem unbekannten Bett wiederfand.

„Bei den Geistern“ sagte er mit offenem Erstaunen. „Iliphas, wo bist du hier nur hingeraten?“ Seine Stimme war tief und doch sanft, ruhig. Sie legte sich in die dumpfe Stille des Waldes ohne zu scharf oder zu eindringlich zu sein. So wie der Schnee.

Iliphas wandt sich zur Seite. Er stütze sich mit einem Arm ab und versuchte, sich zu erheben. Langsam, den Mantel dabei fest umgriffen, dass er ihn sogleich enger umlegte. Die Kälte ließ ihn schnell bereuen, dass er es nicht gleich getan hatte. Doch als er auf den Beinen war, bereute er, überhaupt aufgestanden zu sein.

Er stöhnte, presste den Kiefer so fest aufeinander, dass ihm die Zähne schmerzten. Seine Sicht verschwamm. Alte Bilder, Vergangenes, zogen so schnell an ihm vorbei, dass ihm übel wurde. Hinzu kam der Schmerz und senkte die Fänge wie ein Raubtier scharf und stechend in seinen Körper hinein. Iliphas umfasste seinen Bauch. Auch hier spürte er Verbände. Überall dort, wo der Schmerz pochte.

Die Übelkeit wuchs an und übermannte ihn. Und kaum, dass er überhaupt einen Schritt aufrecht gegangen war, stürzte er vor.

Er würgte bitter und erbrach sich in den Schnee. Aber außer Wasser und Gallensaft sollte nichts den Boden erreichen. Er hatte nichts, was er hier auswerfen konnte. Wann habe ich überhaupt zuletzt gegessen? Schlich sich die Frage zu ihm.

Mit schwerem Atem, dem allmählichen Sieg über seine Übelkeit und dem strengen Geschmack von Magensäure im Mund ließ er sich wieder zurück und wieder zu Boden fallen. Er schloss einen Moment die Augen, aber wenn er das tat, wollten nur die Bilder zu ihm zurück. Er wehrte sich, zwang sich die Lider zu heben, kämpfte dafür aufzusehen. Iliphas schlang seine Arme um sich, rieb sich die Schultern. Er zitterte, während er über die schneebedeckten Äste spähte. Er kannte nichts hiervon. Nicht den Schnee nicht das schwarze Holz, die mächtigen Bäume oder großen Findlinge. Er wusste nicht, wo er war.

Aber er durfte ihn nicht aufhalten, sagte er sich. Er schüttelte den Kopf, nur soweit es seine Übelkeit erlaubte und wagte einen neuen Versuch, um wieder auf die Beine zu kommen. Mit einer Hand stützte er sich an einem Stein ab. Er streifte über alte Linien, die Steinschnitzereien von den Anfängen der Welt und Gestirne. Unter seiner Hand war der Mond, die Sonne, der Zersprengte. Aber in erster Linie war dort das Eis und es zerrte gierig an seinen Fingerkuppen. Iliphas kam auf die Beine, schwankte. Noch fiel er nicht, also ging er voran. Und von schwarzen groben Stiefeln getragen, deren gute Zeiten schon vor langer Zeit vorbei waren, stapfte er durch das tiefe Weiß.

Er erreichte gerade einmal den nächsten Baumriesen, als ihn der Schmerz erneut in fremden Halt trieb. Das Holz stütze ihn zwar, ließ ihn nicht fallen, aber er fühlte sich elend.

Iliphas Odem fuhr als Dampf in Richtung Himmel. Er ging schwer und tief aber im nächsten Moment verkam das bloße Atmen zu Schluchzen.

„Oh ihr Geister, was ist dies hier “ gab er kläglich von sich. „Ist dieser Albtraum noch immer nicht vorbei! Haben wir nich schon genug getan?“

Seine Stimme hob an, gefüllt mit Kraft und Ernst, die nicht in diesem Körper passen wollten. Er rief in den Wald, als wäre dort im weißen, toten Dickicht jemand, der ihm Antwort geben könnte: „Wir taten was wir sollten, also warum ist es nicht vorbei? Warum lasst ihr uns nicht in Frieden ziehen?“

Der dumpfe Klang fallender Schneemengen blieb die einzige Erwiderung. Der Rest wurde von der eiskalten Hölle verschluckt. Iliphas sah kurz zurück zu den Steinen, die zuvor seine Wächter waren. Jetzt wo er von ihnen gegangen war, stoben die Flocken zielgerichtet dorthin. Auf dem dunklen Glanz legte sich feiner weißer Film, machte sie wieder zu einem Teil dieses Waldes.

Iliphas drückte sich weg vom Holz und stolperte weiter. Sein Blick ging nach vorne, aber wo vorne genau war, konnte er nicht sagen. Hinter ihm war nur hinter ihm, weil dort die Steine waren, ansonsten war da nur Schnee. Dagegen entblößte sich über ihm das graue Oben. Es starrte hinab mit gehässiger Unberührtheit, warf Schnee und Wind hinunter, die den Wanderer dieses Waldes bereuen lassen sollten hierhergekommen zu sein.

Iliphas erkannte dort weder Wolken, noch Himmel. Keine Sonne, weder Mond noch Sterne oder die Scherben des Zersprengten. Wo die Gestirne hängen sollten, war einzig nur dieser pulsierende graue Schleier.

Doch etwas trieb ihn weiter. Auf die Fragen des Wo oder wohin erhielt er nur eine Antwort: Voran. Und wenn dieses Licht, das er dort hinter dem Grau zu glimmen meinte, sein einziger Ansatz war, sein einziger Punkt, während er alles andere um sich verlor, so folgte er ihm. Mehr hatte er nicht.

Iliphas lief weiter. Stöhnend, zitternd. Er wackelte, schwankte oft, aber er fiel nie.

Waden und Lunge schmerzten ihm, als wäre er ewig gelaufen. Unter den Bandagen spürte er es stärker und stärker Pochen. Heiß und brennend, als würden entgegen dem Schnee hier draußen, eintausend Sonnen sein Inneres verzehren. Schweiß stand ihm auf der Stirn, aber er biss die Zähne zusammen.

Ich muss hier raus, war der einzige Gedanke, der es wert war verfolgt zu werden. Nur schnell hier heraus. Sein Blick verschwamm für einen Moment, aber er stapfte vor. Weiter durch den Schnee. Nach einer Zeit, unzähligen Schritten durch ewiges Weiß erfüllte ihn erneuter Schwindel und die Hitze in seinem Innern drohte ihn zu verbrennen. Er stoppte, lehnte an einen der Baumriesen, keuchend vor Anstrengung. Er sah zurück und ein grimmiger Blick, der alle Verzweiflung fortspülen wollte, huschte über seine Miene. Ihn trennten keine hundert Schritt von den Steinen. Ebenso gut hätte er auch kriechen können. Aber sein geschundener Körper sah dies anders. Er schrie und brüllte in jedem Körperteil in jedem Nerv. Iliphas atmete hektischer. Etwas Dunkles, Festes krabbelte an ihm hinauf. Er schloss die Augen, brauchte nicht hinsehen, was es war. Denn Panik kannte er und diese kroch gleich tausend kleiner Käfer in seinen Geist hinein.

Du wirst hier sterben, ließ sie ihn denken. Dahingerafft von der Kälte oder gerissen von Schrecken, die du nicht besiegt hast. Dabei hofftest du es so sehr. Du hofftest so sehr, dass es vorbei sei. Aber ist es dieses Ende, was du wolltest?

Kalter Schweiß legte sich in seinen Nacken und seine Hände zitterten wie Espenlaub. Iliphas ballte sie zu Fäusten, versuchte, sie ruhig zu halten.

Ruhig, nur ruhig, dachte er. Panik wird mir nicht helfen, Angst wird mir nicht helfen, ermahnte er sich. Das hatten sie nie getan.

Er lehnte den Kopf an den Baum und richtete die gesenkten Lider nach oben. Schneeflocke um Schneeflocke landete auf seiner Haut. Er spürte, wie sie zu winzigen Tropfen verkamen, noch ehe sie ihn überhaupt berührten. Sie blieben eiskalt, und doch brachten sie mit jeder Landung und jedem Atemzug die Ruhe in ihn zurück.

Iliphas ließ die Augen geschlossen und dachte an zuhause. An die Stadt Rotik, die er im Feuer verlassen musste. Er sah sie zu besseren Zeiten, ging mit den anderen, damit er sie wieder so sehen würde. Vielleicht bin ich schon dort, dachte er, wenngleich ihn doch der Vorwurf trügerischer Hoffnung ereilte. Dies hier war vielleicht nur ein Traum, ein Albtraum. Und wenn er jetzt die Augen öffnete, würde er wieder in seiner Heimat erwachen. Zuhause. In Rotik, der Stadt der Geister.

Iliphas lächelte unter süßesten Versprechungen. Nicht länger wollte er nur in ihnen schwelgen. Er wollte selbst sehen, selbst erwachen und schlug die Lider auf. Doch hier war kein warmes Gemach zu finden. Keine feinen Decken, kein dunkler Baldachin und keine wunderschönen Wandteppiche. Nicht einmal Sonnenschein begrüßte ihn durch hohe Fenster.

Hier waren nur der graue Himmel und die schweren Flocken – die schwarzen Bäume und die Kälte. Seine Heimat und ein warmes Bett blieben in weiter, weiter Ferne. Dennoch weckte es nicht erneut die Verzweiflung. Vielmehr war es Trotz, der in ihm brannte zusammen mit dieser unnatürlichen Hitze.

Ich muss dieser Schneehölle entkommen, sagte er sich. Dann würde er sein Zuhause wiedersehen. Er straffte die Schulter und ließ wieder von dem Baum ab. Kraft hatte ihn berührt und Hoffnung ließ ihn vorankommen.

Er wusste, dass er vorangehen musste. Denn ansonsten, ahnte er, war das Ende schneller bei ihm, als er kommen sehen würde.

Also folgte Iliphas dem Licht hinter dem monotonen Grau, nicht mehr als ein dumpf glimmender Ball. Aber es war das Einzige, das ihn hier führte.

Und Iliphas ließ sich führen, denn er wollte nur noch zurück. Rotik würde auf ihn warten, so hatte man es ihnen versprochen. Er wollte nur noch nach Hause. Endlich nach Hause.

Echos der Vergangenheit

„Unseren Kontinent kennt man unter vielen Namen: Land des Nordens, Weltenachse. In alten Tagen war es das Goldene Land, oder auch das Imperium der Tausend Sonnen, das Reich der gefürchteten Magierkönige“.

Der gewaltige Hörsaal warf jedes Wort von Großmeister Ramon Yberion mit machtvoller Bedeutung zurück. Hätte dies nicht gereicht, seinen Worten eine Richtung zu weisen, so tat es dann der weite Ärmel seiner Robe. Goldener Samt und goldener Saum auf heller dichter Wolle fuhr herum und deutete hinauf in eine Ferne, die nur die Geschichte erreichen konnte.

Yberion sah hinunter und lächelte seinen Zuhörern entgegen.

„Aber für uns trägt er den Namen Efferia. Es ist die Heimat der Elementaren Reiche. Wie auch unser Itherien eines ist“. Er wandt sich um und breitete die Arme so aus, als würde das ganze Land umarmen wollen.

„Dies ist das Reich des Geistes, und dies seine Hauptstadt. Kitor ist das Zentrum, sein schlagendes ätherisches Herz, aber wir Magier werden es sein, die diesen Geist in die Welt hinaustragen“.

Yberion genoss die aufkeimende Stille. Das stumme Staunen von zweihundert Novizen, Kindern, die das erste Mal die Geschichte des Landes kennenlernen würden. Niemand unter ihnen war älter als zehn Sommer - und sie lauschten jedem Wort.

„Ihr habt das Glück jene vom Äther berührten Kinder zu sein, die das Schicksal hierhin verschlug. Ihr seid hier, wie der Knochenturm es befiehlt, um an dieser Akademie eure Ausbildung zu Nutzern der Magie zu beginnen. Euch werden sich Pfade eröffnen, die sich kaum einer von euch im Traum vorstellen kann“.

Er machte eine kurze Pause. Lächelte, strahlte die ersten Reihen an. „Magie entspringt dem Geist, Zauber enspringen den Gedanken, unserer Vorstellungskraft. Was ihr euch vorstellen könnt und was ihr versteht: das könnt ihr mit Magie bewirken“ er grinste. Niemand von ihnen konnte sich so etwas vorstellen. Selbst er hatte er erst viel später wirklich begriffen.

„Ihr werdet mit Mächten hantieren, die jede menschliche Stärke bei weitem übertreffen. Ihr werdet lernen sie zu beherrschen – die Macht des unmöglichen – ihr lernt und studiert, ihr entwickelt Fähigkeiten, sammelt Wissen und wenn ihr dann den Titel eines Magiers tragt, werdet ihr sehen, dass die Grundfesten dieser Welt nicht mehr so unergründlich und fern sind. Sie liegen in euren Händen, wenn ihr sie denn offen haltet“.

Yberion ließ hier eine gewichtige Pause. Ihm war bewusst, welch entscheidender Moment dies im Leben dieser Kinder war. Aber es war noch ein weiter Weg zum Verständnis. Und einige von ihnen würden erstmal Wort und Schrift der efferischen Runen erlernen müssen, ehe sie wirklich zu lernen begannen.

„Itherien ist auf dem ganzen Kontinent bekannt die höchst geschätzten Lehrmeister zu haben. Es sind Meister der Magie und ihr könntet keinen besseren Ort und keine besseren Herren haben, die euch in dieser Kunst einweisen.

Ich weiß, bei vielen von euch wird das erste Element an die Oberfläche getreten sein, sonst hättet ihr nie bemerkt, dass ihr Magier seid. Vielleicht war es nur ein Versehen, ein Luftzug während des Spiels, ein Funke von den Fingerspitzen, als ihr eine Kerze entfachen wolltet – aber es ist Magie und dies war nur ihr erster Eindruck“. Die Kinder sahen ihn mit großen Augen an. Die in den hinteren Reihen, jene auf den theaterartigen Tribünen, die von der Sonne die in die hohen Fenster des Nordens fiel, erhellt wurden, glänzten voller Begeisterung. Yberion konnte niemals beschreiben, wie viel Freude ihn dieser Moment brachte. Es war etwas Reines in ihnen. Etwas, was Magie erst noch kennenlernen würde. Ein Teil von ihm beneidete sie.

„Bei manch einem von euch haben sich vielleicht schon andere Elemente manifestiert und ihr seid euch mehr als bewusst nun Magier zu werden. Lasst mich euch aber sagen: es schlummert noch mehr in euch. Jeder Magier trägt nicht nur eines oder zwei, nein er trägt drei dieser Elemente in sich. Dies ist das Gesetz der magischen Trinität. Aus dem Äther selbst ist es in unsere Welt getreten. Merkt es euch gut. Ihr werdet da keine Ausnahme sein!“

Yberion achtete auf jede Regung in den Novizen. Viele dieser Kinder waren noch nie mit Magiern in Berührung gekommen, ganz zu schweigen mit Meistern dieser Zunft.

Nur ein halbes Dutzend unter den Neulingen waren Nachfahren von Magierhäusern. Alle anderen kamen aus den Dörfern, den Handel-, Festungs- und Fährstädten. Noch gestern mag mancher von ihnen auf engstem Raum mit unzähligen Geschwistern zusammen gewesen sein. Anderer lebte in geräumigen Gemäuern hoher Eltern oder am Hofe eines Adligen. Egal ob als Spross, Zögling, Diener oder Knappe. Mit einem Schlag hatte sich ihrer aller Leben geändert. Als man die Kräfte des Äthers in ihnen ausmachte, war ihnen ein neues Schicksal vorbestimmt worden. Sie sollten nun Magier werden – Itheriens Elite. Welche Herkunft sie zuvor auch hatten ob hoch oder niedrig geboren – Kitors große Familien, die alten Häuser der Magie würden sich ihrer annehmen.

„Ich verspreche euch, dass ihr noch als Novizen, all eure Elemente entdeckt haben werdet. Ihr werdet sie erkennen, beherrschen und meistern. Und wenn ihr nach viel Arbeit, Fleiß und Studium erst einmal Magier werdet, seid ihr gut genug, um euch mit jedem anderen, der diesen Titel trägt, messen zu können. Ihr werdet Wunder beherrschen, wie sie sich kaum ein Gemeiner vorstellen kann. Denn nur wir sind es, die die Realität selbst kontrollieren. Niemand außer uns Magiern hat die Macht dazu, die Kräfte des Äthers zu nutzen“.

Mit einer einfachen Geste – zwei Fingern seiner Rechten – zeigte Yberion hinauf. An der Wand hinter ihm hatte man am Vortag große Banner in weiter Höhe angebracht und zusammengerollt.

Wie Yberion sagte, entstanden Zauber durch Gedanken. Bei ihm war es eine Idee von Wind, der so schnell und so komprimiert war, dass er in seiner Schärfe einem Messer glich. Er schnitt durch die Luft, pfiff durch den Saal und durchtrennte ein Band, das das Banner zusammenhielt. Offene Münder und vor Begeisterung leuchtende Augen strahlten ihn an, als diese Kinder das erste Mal professionelle Magie erlebten, wenngleich Yberion es nur einfachste Effekthascherei nannte.

Aber sogar er musste sich ein Grinsen verkneifen, während sich das Banner entrollte.

Fein gewebter, schwerer Stoff in der beigen Farbe Kitors zeigte mit silbernen Stickereien, acht Runen auf zwei Ringen. Fünf Elemente auf dem Äußeren und drei auf dem Inneren Ring, Magie die jeder Magier in sich tragen konnte. Während weit über einhundert kleinere Runen außen erschienen.

„Ob ihr nun die Kräfte der elementaren Materie wie von Feuer oder Wind oder die Kraft des Geistes, vielleicht gar jene des Immateriums von Licht und Dunkelheit in euch tragt – ihr werdet lernen sie zu beherrschen. Vielleicht liegt noch mehr in euch“ seine Stimme nahm einen leiseren geheimnisvolleren Ton an. Man sollte ihn noch bis zu den letzten Reihen hören, aber er genoss es, zu sehen, wie einige der Kinder vorlehnten, um seinen Worten weiter zu lauschen.

„Denkt an die Trinität! Drei Elemente, sie trägt jeder in sich. Und wenn sie sich vermählen, in Magiern vermählen, kann so viel mehr entstehen: Blut, Stahl, Rauch und Dampf sind nur einige der Kreationen, die Magie erlaubt. Was ist ist es in euch, fragt ihr euch scherlich? Nun das wissen nur die Elemente selbst“.

Yberion grinste breit.

„Ihr werdet erkennen, ihr werdet lernen und wachsen und zu Meistern eurer Schule werden. Dann werdet ihr verstehen, warum Kinder wie ihr, dieses Land so groß gemacht haben“.

Der Großmeister stoppte und ließ Stille folgen, nachdem solch mächtige Worte in diesem Saal widerhallten. Die Erklärungen der Magie und der Elemente waren unzählig und Yberion wusste, dass es mehrere Jahre dauern sollte, bis die Novizen überhaupt die Tiefe der zwei Ringe begriffen. Aber sie hatten Zeit zu lernen und sie waren aufmerksam. Das konnte Yberion nicht zerreden. Denn alle Blicke – vierhundertacht Augen, und sogar noch mehr, berücksichtigte man jene der anwesenden Lehrmeister – waren ihm zugewandt.

Das ist gut, dachte er. Seht mich ruhig an. Mancher von euch wird mich noch oft sehen. Er lächelte breit. Bis ihr Adepten seid und noch darüber hinaus. Sowar es umso besser, wenn sie sich sein Aussehen an dieser Stelle gut einprägten. Denn an sich war da doch mehr am Großmeister als die prunkvolle Robe, die weite ausladende Kleidung in der hellgrünen Färbung eines Windmagiers, mit ihren golddurchwirkten, losen Ärmeln.

Auf den ersten Blick mochten sie Yberion vielleicht für alt halten, für einen der hohen Meister der Akademie und in ebensolchem Alter. Das taten viele, nicht nur Adepten, sondern sogar Magier und einige Lehrmeiste. Aber wenn man ihn einmal genauer betrachtete, waren ihm die fünfundvierzig Sommer eher zu glauben.

Seine Statur war groß und stattlich, wenngleich das lange, gemächliche Dasein an der Akademie ihm so langsam den Wohlstand um die Hüften legte. Aber es war gar nicht sein Körper oder irgendwelche Falten, die ihn alt wirken ließen.

Vielmehr war es sein Haar. Weiß wie Schnee war es und hatte seine natürliche Schwärze lange verloren in Wellen reichte es ihm bis zu den Ohren. An den kurzen Bartstoppeln war ihm ebenso wenig von ihrer Farbe geblieben. Einzig die Augenbrauen verrieten durch gräulichen Schimmer noch etwas von ihrem dunklen Ursprung. Wie er dazu kam, war eine interessante Geschichte. Aber er würde sie den Kindern erst später erzählen, dann wenn sie wirklich über Magie sprachen. Und das Element des Lichts und über die Gefahren.

Yberion lächelte so freundlich, dass selbst ein Händlerprinz aus Lafuente in Verzückung geraten wäre, und deutete mit ausgestreckter Hand nach rechts: „An meiner Seite stehen vier unserer verehrten Lehrmeister. Es sind hohe Leute, aus Geschlechtern von so alter Magie, dass überhaupt kein Sterblicher so weit zurückdenken kann!“

Die Meister trugen allesamt Akademietracht, wenngleich der goldene Saum doch zurückhaltender ausfiel als bei ihrem Kollegen. Sie waren Spezialisten ihres Elementes und zeigten dies stolz durch ihre Kleidung. Neben jenem Grün, wie es auch Yberion trug, standen sie dort in feurigem Rot, azurnen Blau und der Farbe von hellstem Gold – den Farben von Luft, Feuer, Wasser und Licht.

„Dies sind Meisterin Jaory, Meister Haleb, Meisterin Wartum und Meister Dheat - einige von euch kennen ihre Namen. Ihre Häuser sind machtvoll und ihre Familien hoch geachtet. Ihr könntet keine besseren ersten Schritte auf dem Weg zu Magiern gehen, als unter der Obhut dieser vier. Also begegnet ihnen mit Respekt und Achtung, so wie ihr mir begegnen würdet. Ihr werdet sie noch oft zu Gesicht bekommen“.

Die Kinder sahen mit offenen Mündern zu ihnen. Yberion wusste, dass dies alles viel des Eindrucks war. Dabei würde das richtige Begreifen erst noch folgen. Vielen kam dies möglicherweise noch als Abenteuer, als ein Ausflug vor, der sie am Ende wieder in gewohnte Gefilde, zurück zum Vertrauten, zu den Eltern und Verwandten bringen würde. Die meisten wussten noch nicht, dass der Knochenturm nun ihre Heimat war und seine Magier ihre Familie. Sie werden schon früh genug verstehen, dachte der Großmeister und ließ seinen Blick weiter über die Novizen wandern.

Neben all dem kindlichen Staunen, der Furcht und Erwartung, der Abenteuerlust und der unschuldigen Freude, bemerkte Yberion allerdings drei Zuhörer, die nichts von dem vorigen aufwiesen. So leise wie möglich waren sie in den Raum getreten – am anderen Ende des Saales, weit hinter den Novizen, wo sie nicht sofort gesehen werden konnten. Zwei von ihnen trugen goldene Brustpanzer über ihren Roben, dazu goldene Helme. Schwertlanzen mit kunstvoll geschwungenen Klingen lehnten an ihrer Schulter. Wie die Novizen wandten sie ihren Blick zu Yberion. Aber er wusste, dass sie niemals aus dem gleichen Grund kamen. Keiner der drei wollte seine eröffnenden Worte hören. Auch die abschließenden waren ihnen egal.

Yberion lächelte, ließ sich nichts anmerken. Er atmete tief durch und nahm sich noch einen Moment der Ruhe, um seine Rede zu einem Ende zu führen: „Eins möchte ich euch noch sagen. Merkt euch dies, nicht nur für diese Meister, sondern auch für die Zukunft: Haltet euch mit euren Fragen nicht zurück und gebt ebenso wenig eure Neugierde auf.

Glaubt mir, wenn Magie uns eines gelehrt hat, dann, dass ihr nie alles erfahren könnt.

Aber fragen könnt ihr, und forschen könnt ihr, auf dass ihr irgendwann einmal selbst die Antworten vor euch findet. Denn ob es uns nun bewusst ist, oder nicht: Magie steckt in allem und so wird uns die Magie auch irgendwann einmal die Antwort zu allem offenbaren können. Hört also nie auf Antworten in der Magie zu suchen!“

Meisterin Jaory nahm dies als Zeichen, um nun das Wort zu ergreifen. Sie war um die zehn Jahre jünger als der Großmeister und begann so frisch und lebhaft, dass Yberion zu Recht meinte, an dieser Stelle nicht länger gebraucht zu werden. „Hört her Novizen, hört gut zu. Damit meine Worte euch für die nächsten Tage geleiten!“

Als die Meisterin in hellem, wohlklingendem Ton damit begann den Ablauf der ersten Tage zu erklären, entfernte Yberion sich still von den Rednern. Unauffällig wie ein Spaziergänger im sonnigen Park lief er zur Rückseite der Tribünen. Er kam dabei an einigen Novizen vorbei, erhielt aber nur kurze, schüchterne Aufmerksamkeit, ehe diese wieder nach vorne wanderte. Yberion freute sich wirklich über so eifrige Schüler. Er hoffte inständig, dass dies noch lange anhielt und nicht schon nach den ersten Lehrjahren in die infame kitorische Arroganz umschlug.

„Ein guter Abschluss. Vom Sucher der Weisheit kaum anders zu erwarten“ flüsterte man ihm entgegen, sogleich Yberion die Neuankömmlinge erreichte. Die beiden gerüsteten Gestalten – ein Mann und eine Frau aus der Ehrengarde des Erzmagiers – nickten ihm anerkennend zu. Die Frau meinte Yberion dabei schon einmal gesehen zu haben. Sie war hübsch, kaum an die dreißig mit feinen aristokratischen Zügen, hellen grünen Augen und strohgelbem Haar unter dem goldenen Helm. Als sich ihre Blicke trafen, formte sie schwaches Lächeln, was kurz darauf aber wieder hinter der neutralen Miene der Disziplin verschwand.

Der Dritte im Bunde war ein rundlicher, dunkelhaariger Mann in einer kitorischen Robe, die ihn als Magier des Dampfes – gefärbt in einem Ton von Grau und durchwirkt von blassem Rot – auswies. Allerdings deuteten die Stickereien an seinem rechten Ärmel auf eine Instanz der Verwaltung hin.

„Draußen“ flüsterte Yberion. „Wir wollen nicht noch für einen Aufruhr unter den Neuzugängen sorgen. Das ist so schon genug der Eindrücke für sie“.

Die hohe Pforte aus dunkelrotem Holz war noch einen Spalt weit geöffnet und sogleich schob man sich hinaus.

Draußen war dann der glänzende Boden aus rotem Granit der Erste, der einen hier begrüßte. Doch sogleich wurde der Blick weiter gelenkt, hin zu der Verkleidung aus Quarzglas, die jedem sofort zeigen sollte, wie weit oben sie doch im Knochenturm waren. Yberion trat langsam vor, die drei Begleiter im Schlepptau und blickte über die von der Mittagssonne geküsste Hauptstadt des Geisterreiches. Wie viele tausende Male er bereits diesen Anblick genossen hatte, konnte er nicht zählen, aber jedes Mal erfüllte es ihn mit Ehrfurcht. Sein Blick wanderte über Türme und Häuser aus hellem Stein mit roten Dachziegeln, die sich wie die Halme eines penibel gepflegten Rasens in die Höhe streckten. Keines war in Größe und Macht mit dem Knochenturm zu vergleichen und doch buhlten sie untereinander um den zweiten Platz, als gäbe es nur diesen. Yberion ließ seinen Blick weiter schweifen und wanderte über kunstvoll angelegte Lustgärten und marmorne Plätze mit Wasserspeiern, Statuen alter Helden und großen Springbrunnen hin nach Westen. In weiter Ferne wusste er, lagen dort Rotik, das verblasste Juwel des Landes und schließlich der eisige Wald und die Grenze zum Land Sonorow. Es waren Wochen der Reise bis dorthin und doch war es alles eins. Ein geeintes Itherien.

„Immer wieder beeindruckend, wenn ich hier oben bin“ bemerkte der rundliche Magier ehrlich. Er trat neben Yberion und sah vorsichtig hinab zu der Stadt dort unter ihnen. Auf seinen vollen Wangen hatte sich leichte Röte gelegt und seine Stirn nahm sanften Glanz an.

„Ihr seid oft hier oben, Vas. Auch wenn ich befürchten muss, dass der Rat euch wohl nur meinetwegen über die hohen Ebenen schickt“.

Vasimilian, ein Mitglied des vielgerühmten Magierhauses Wartum, verbeugte sich leicht. Anders als so viele seiner Verwandten war er dabei kein Magier der Lehranstalt, wie Yberion oder die anderen Meister. Nach Vas´ eigenen Worten war er ein schlichterer Diplomat, oder ein etwas besserer Botenjunge. Je nachdem, an welchem Tag er Yberion aufsuchte.

„Ich kann mich nicht beklagen, Großmeister“ meinte Vas lächelnd, den Kopf demütig geneigt. Die beiden Wächter warteten regungslos hinter ihm.

„Und wie ihr richtig vermutet habt bin ich auch wieder im Auftrag des Rates unterwegs. Offenbar haben euch eure Pflichten als Lehrmeister von jenen des Großmeisters abgelenkt“.

Yberion beäugte ihn skeptisch.

„Euch kam nicht in den Sinn, dass ich nicht vielleicht aus bewusstem Entschluss heraus fernblieb? Die Stellung im Rat mag ich innehaben, aber in erster Linie bin ich immer noch Meister der Akademie; ein Lehrer“. Für Yberion war ganz klar, welcher Instanz eher seine Aufmerksamkeit galt.

„Gewiss, gewiss, Großmeister. Leider ist die heutige Sitzung keine gewöhnliche und somit ist euer Fernbleiben unmöglich. Erzmagier Torin nahm eure Entschuldigung zur Kenntnis. Allerdings tat er nur dies: er nahm sie zur Kenntnis. Ehe er mich sandte, euch zu holen“. „Zumindest habt ihr die Begrüßungszeremonie abgewartet“ grummelte Yberion.

„Also begleitet ihr mich zum Rat?“ Vas bedachte den Großmeister mit außerordentlich freundlichem Lächeln, sodass Yberion es nicht über das Herz brachte, seine Frage zu verneinen.

„Ihr kennt die Antwort bereits! Es ist nicht so, dass ich mich solch drängenden Angelegenheiten lange enthalten kann“. Yberion hätte auf die Schnelle hunderte, wichtiger Gründe gefunden, die ihn vom Beiwohnen des Rates abhielten. Die Initiation der Novizen, Forschungen der Magie oder das Studium alten Wissens – es war alles angenehmer.

Innerlich fluchte er schon. Sollte es wieder einmal um Nichtigkeiten gehen, schwor Yberion, einen Großteil der Puderquasten, die sich da Adel schimpften, die Nacht in den niedersten Gaststuben verbringen zu lassen.

Ehe Yberion weitere Gedanken an mögliche Themen der Sitzung verschenkte, war er bereits auf halbem Wege zur Ratskammer. Die Leute, welche den Turm bauten, hatten seine Ästhetik über jede mögliche körperliche Einschränkung gestellt. Um auf Höhe des Rates zu kommen, mussten sie drei weitere Ebenen und damit zweihundertzweiundzwanzig Stufen nehmen. Ihre Wachen schienen mit dem Marsch kein Problem zu haben. Sie liefen gerade und aufrecht, wie in Gold gegossene Bilder der Kampfmagier vor ihnen her. Die Schwertlanzen an der Schulter und in zügigem Schritt. Die Stiefel prallten im Gleichschritt auf den Marmor und Yberion hätte jedes damastische Uhrwerk nach diesem Tempo stellen können.

Jene Magier, die an ihnen vorbeigingen, gaben der goldenen Statur der Kampfmagier ehrfürchtig Platz. Sie grüßten ordnungsgemäß und dennoch gebar jede Miene Sorge, denn Vas war in diesen Momenten eine mehr als jämmerliche Gestalt, mit rotem Kopf und schweißnasser Stirn. Ab der zweiten Ebene schnaufte er so laut, dass Yberion befürchtete, womöglich noch nach einem Heiler rufen zu müssen. Umso dankbarer war er dann, als sie ihr Ziel letztlich erreichten.

„Endlich da“ keuchte der Magier, hielt seine Stimme aber bewusst leise, um in Anwesenheit des Großmeisters ja keine Etikette zu verletzen.

Vor ihnen wandt sich der Gang in halbrunder Perfektion, wie sie sonst nur im Reich des Stahls zu finden war. Am Boden war der gleiche Granit verbaut worden, den man schon von den anderen Ebenen kannte. Aber die sonst hellen glatten Wände, wichen Steinschnitzereien. Yberion ließ einst verlauten, dass eine schwindelerregend hohe Zahl dabei herauskommen würde, könnte man die Stunden zählen, die an diesen Kunstwerken gearbeitet wurden. Allein die Details hätten Generationen in Anspruch genommen.

Im Stein erkannte Yberion Figuren von Magiern und Städtern. Soldaten, Bauern und Händler – sie alle führten ihr eigenes Leben in steinernen Abbildungen manchmal nur so groß wie ein Finger. Man sah Wälder, Felder, Häuserreihen; Schmiede vor ihren Werkstätten, ebenso wie Tischler, Müller, Priester und gar Krieger im Kampf. Aber über jedem Bild thronte der ferne, blasse Monolith des Knochenturmes. War dies die Aussage dieser Schnitzereien, fragte sich Yberion mit grimmigem Lächeln. Kitor wachte über alles. Oder wie manch einer etwas anmaßender formulieren würde: Der Knochenturm war die Mitte Efferias.

Auf der anderen Seite des Ganges waren die Quarzglasfenster an manchen Stellen graviert. Feine Ornamente, die sich an den Rändern wie Wurzelwerk wanden, sich in die Höhe streckten und ein Blätterdach aus filigranen, weißen Kerbengebilden formten, rahmten ein Bild Kitors ein, das noch eindrucksvoller war als jenes in den Schnitzereien. Dies war der Ostteil der Stadt und sie sahen ihn aus einer Höhe heraus, wie es sonst nur die vergessenen Götter konnten.

Ein geneigter Besucher hätte erstaunen und bestaunen können, aber er hätte keinen Unterschied zum Rest Kitors gesehen. Hier war es wie auf der anderen Ebene: Erhabene Bauten, soweit der Blick reichte. Strahlendes Gestein und glänzende Dächer überall. Und doch stach ein gewaltiger Bogen heraus. Weiß war er, wie der Turm und die hohe Sonne ließ einige der kleinsten Verzierungen an ihm aufblitzen - feine metallene Spitzen und bronzeverkleidete Säulen. Vas musste unweigerlich blinzeln.

Yberion machte solcher Glanz nichts, aber seine Miene verhärtete sich dennoch. Er spürte, wie sich seine Hände zu Fäusten ballten.

Dies war der Triumphbogen, ein Denkmal an die alten Zeiten und den Großen Krieg, der vor zwanzig Jahren sein Ende fand. So wie er dort strahlte, bewies er mehr Erhabenheit, als alles, was der Krieg sonst aufzeigte.

Acht Nationen waren damals in den Krieg gezogen, doch gewonnen hatte keine davon. Orte wie die Quarzsandwüste oder die verheerte Hundertbrücke sollten Mahnmal für einen Konflikt sein, der beinahe kein Ende fand. Aber Kitor ließ es sich nicht nehmen sich ein eigenes Denkmal zu setzen. Mit den Namen all seiner Gefallenen auf den Vertäfelungen.

„Großmeister wärt ihr dann soweit?“ Yberion schreckte auf. Sein Herz hämmerte, als wäre er den Turm gerade so schleppend heraufgekommen, wie Vas. Aber dieser hatte seinen Atem offenbar wiedergefunden. Er tupfte sich die Stirn mit einem Tuch und wartete geduldig auf eine Antwort des Großmeisters.

Bei den Elementen, es ist lange her, dass du solche Gedanken hattest, dachte Yberion. Er bat Vas um einen Moment und sah noch einmal über die Stadt. Aus irgendeinem Grund lag heute etwas Aufbrausendes in der Luft. Es umgarnte und lockte ihn und trieb seine Gedanken in die Vergangenheit. Der Äther ist unruhig, hatte sein Meister dieses Phänomen einst zusammengefasst. Yberion lächelte traurig. Denn dieser Mann hing so eng mit dem Großen Krieg zusammen, wie der Triumphbogen mit seinem Ende.

„Ich danke euch, Vas“ begann Yberion nach kurzer Besinnung. „Von hier aus werde ich alleine gehen. Wir sehen uns erneut, wenn der Rat das nächste Mal ruft!“ Selbst über die Erschöpfung hinweg lächelte Vas.

„Es wird so sein, Großmeister. Ich freue mich schon darauf“ er warf einen zweifelnden Blick in Richtung der Treppen, ehe er sich wieder dem Großmeister zuwandte. Er verbeugte sich tief. „Ich empfehle mich“ waren dann die letzten Worte des Magiers, ehe sich dieser ohne die Begleitung der Ehrenwache entfernte. Die Gardisten nahmen dicht hinter dem Großmeister ihre Positionen ein, damit er auch die übrigen Schritte mit aller Ehrbekundung überstand.

Das Portal der Ratskammer maß zwölf Fuß in der Höhe und acht in der Breite. Ihr pechschwarzes Holz war ein Geschenk des Reiches Neram. Die Schnitzereien waren auch hier so aufwendig wie im Stein und zeigten ebenso den prachtvollen Knochenturm und seine beherrschten Ländereien. Einzig die hellen Eisenringe mochten hier nicht so recht passen. Allein die Elemente konnten sagen, was zuvor dort hing, wo heute klobige metallene Konstrukte angebracht waren.

„Nun denn, gehen wir“ meinte Yberion zu sich selbst. Jetzt gab es nicht länger einen Moment der Ausflüchte.

Zwei Kampfmagier in der vertrauten, goldenen Montur standen zu beiden Seiten des Portals Wache. Sie beäugten die Neuankömmlinge mit professioneller Distanz und drückten den Rücken durch, sobald sie den Großmeister erkannten. Anders als die vorigen Magier stützten sie den glänzenden Korpus von Bolzengewehren - „Magiertöter“ genannt – vor sich auf dem Boden. Es waren gewaltige Schusswaffen, mit einer Länge von fast drei Ellen und Geschossen so dick und lang wie Daumen. Einzig das Reich Damast kannte das Geheimnis ihrer Fertigung, was sie ebenso tödlich wie selten machten. Ihr Spitzname verriet genug über ihre Effizienz und das Verbot ihrer Verbreitung tat Selbiges. Yberion lächelte bitter. Fragte sich nur, warum Itherien sie noch immer in Gebrauch nahm, natürlich nur in Händen von Magiern. Er kam nicht herum, den Witz daran zu sehen. Leider konnte er nicht darüber lachen.

Sobald Yberion sie erreichte, änderten die Wachen ihre Haltung. Sie umfassten die schweren Messingringe und schoben sogleich die Tür auf.

„Hinein in die Grube“ flüsterte Yberion, ehe sich die vorige Welt des Ganges in jene des äußeren Ratssaales ergoss.

Der Rat der Vier

Hinter Yberion waren die Ausläufer Kitors, die Bezirke, die Stadtmauer und die Viertel des Gesindels im Wirkungskreis und Schatten des großen Turms. Aber direkt vor seinen Augen offenbarte sich das schlagende Herz. Nicht einzig jenes von Kitor, sondern vom ganzen Geisterreich. Yberion trat ein, aber er wünschte sich lieber ganz woanders hin. Dies hier war der Vierer-Rat, es war Politik und Herrschaft. Alles davon hatte so wenig mit Magie zu tun, wie Brotbacken mit einem Schuster.

Der Großmeister trat über mit Obsidian und Peridot versehenen Marmor. Die Sonne warf ihren Schein aus hohen Seitenfenstern und fluteten den Boden in Schwarz und Grün, einem Schimmer, welcher an die Schuppen einer Schlange erinnerte. Hinter Yberion schloss sich die Pforte und die Ehrenwache hatte gerade ihre Position eingenommen, als man ihn schon begrüßte:

„Großmeister Yberion, habt ihr nun auch den Weg zu unserer Unterredung gefunden. Welch Freude nun nicht länger der Warterei verpflichtet zu sein“.

Die Stimme, die ihm entgegenkam, war tief und mächtig. Yberion wusste sofort, von welchem Platz diese Worte kamen, auch wenn er erst nur zwei der vier hohen Tribünen erkennen konnte, die sich um die runde Mitte wie um eine Theaterbühne hoben.

Der Großmeister trat in den steinernen Kreis, der unter sich die beiden Ringe der Elemente zeigte. Strecken aus weißem Marmor formten den inneren Kreis, während Granit den äußeren in Rot glänzen ließ. Den Gebräuchen des Rates entsprechend streckte Yberion seine Arme mit offenen Händen zur Seite. So präsentierte er sich jeder der vier Instanzen und verblieb dann bei der letzten. Er musste hinaufsehen, um den Grüßenden direkt anzusprechen.

„Gewiss, mein Herr. Es war ein weiter Weg, voller Irrungen. Aber jene, die die Magie kultivieren, wissen von solchen Episoden. Ebenso wie wir wissen, davon nie ewig aufgehalten zu werden! Der Weg nahm seinen Lauf und nun stehe ich vor euch. Ich grüße Euch“.

Vor sich sah Yberion Erzmagier Vahlren Erodan Torin auf einer einzelnen Tribüne, die in Größe und Imposanz einem Thron glich. Sein Ausdruck war grimmig, das Gesicht wie aus Eiche geschnitzt. Seine ausladende Robe wurde in kräftigstem Rot gefärbt und trug die goldenen Runen des Hauses Torin. Sie stand dem Gewand eines Königs in nichts nach und dennoch vermochte sie nicht mehr Größe und Erhabenheit auszustrahlen, als der Erzmagier selbst.

Torin trug eine Kopfbedeckung in ebensolchem Rot und überdeckte seine Haarlosigkeit schmeichelhaft. Es war eine Kappe aus Stoff, zylindrisch geformt und ließ den Mann dadurch weit größer erscheinen. Reichte das nicht, verriet das silberne Gitter auf der Stirnseite die Wichtigkeit ihres Trägers. Denn dort prangte das Wappen von Kitor. Den Knochenturm aus Elfenbein in seiner Mitte.

Dunkle, durchdringende Augen sahen zu Yberion hinab. Es war eine gefühlte Ewigkeit, der Blick eines Richters, den er über sich ergehen ließ. Er blieb ruhig, aber er konnte spüren, dass manch anderer in diesem Raum nervös wurde. Als dann ein Lächeln über Torins Lippen huschte, musste selbst Yberion aufatmen.

„Gesprochen wie ein Sohn Kitors“ gab der Erzmagier zu. Seine Stimme nahm dabei nicht an Kraft oder Eindringlichkeit ab. „Nun nehmt euren Platz ein, Großmeister. Dann beginnen wir. Herr Ruthert tragt vor, wer hier heute zusammenkam!“.

Yberion verbeugte sich, in höfischer Manier. Er trat aus dem Kreis, während die einzige andere Person an der Tribüne des Erzmagiers, der Schreiber Ruthert seine Stellung einnahm. Auch er zeigte die Hände offen zu allen Seiten.

Derweil suchte Yberion seinen eigenen Sitz, an der Tribüne zur Linken Torins auf. Die anderen Plätze waren bereits besetzt: allesamt von Großmeistern wie ihm. Durch ihre Verdienste im Großen Krieg allseits bekannt.

Der Erste unter ihnen war Vizor Malcath. Eine Koryphäe auf dem Gebiet der destruktiven Feuer- und Erdmagie. Er saß am nächsten zum Erzmagier und würdigte den Großmeister nur keines Blickes. Für Yberion galt er schon immer als Sinnbild eines kitorischen Magiers: schlank in Zügen und der Statur, die Nase höher als ein Anwender der Lüfte und mit scheinbar uneingeschränkter Begabung. Und ebensolcher Arroganz.

Zu seiner Linken saß Sevilla Ari. Für Yberion war sie eine verkannte Schönheit. Sie trug schwarze, geflochtene Zöpfe und wies eher runde, als schmale Züge auf. In ihrem Gebaren sollte sie kaum der Eitelkeit Kitors entsprechen und brachte seit jeher eine Natürlichkeit mit sich, die man sonst am Knochenturm vergeblich suchte. Sie war die beste Windmagierin in Kitor. Allerdings gab es in der Welt so viel mehr als diese Stadt, um dies zu messen - das Reich des Sturms Mangan, zum Beispiel. Doch davon wollte sie nichts wissen. Sie war die beste Windmagierin in Kitor, sagte sie wieder. Und das reichte ihr aus.

Neben ihr lehnte Amana Dheat in strahlend gelber Robe auf der gepolsterten Bank. Sie war zu Recht die Herrin des Lichts. Doch nicht nur dieser Titel war ihr eigen. Meisterheilerin der Akademie war ein anderer. Und es gab keine Krankheit und kein Gebrechen, dessen sie nicht Herr wurde. Auf Medizin, auf Anatomie und ebenso auf Heilkräuter und Tinkturen verstand sie sich vortrefflich.

Sie warf ihren goldenen Zopf zurück, rümpfte die feine Nase, sobald sie den Neuankömmling erblickte. Eine Verspätung hätte ebenso gut auch der Gestank der Gosse sein können, den der Großmeister hier mit sich brachte.

Yberion fühlte sich schäbig, kaum wie ein großer Magier. Dennoch drängelte er sich unter einem kurzen abfälligen Blick von ihr, an seinem Freund Shaw vorbei, um zwischen ihm und der Tochter des Hauses Dheat Platz zu nehmen.

Shaw war der Einzige, den Yberion auf gleicher Ebene betrachtete, auch wenn er auf anderen wandelte. Ein Dupel und der Neffe des vorigen Erzmagiers.

Er war hoch gewachsen und sein Gesichtston schwankte zwischen blass und hager und blass und weniger hager. Seine kleinen grauen Augen lagen verträumt in ihren Höhlen, da er nur in größter Not die Lider vollkommen anheben konnte. Er trug immer Müdigkeit im Gesicht. Dabei wusste Yberion, dass es seinem Element und nicht etwa einem besonderen Lebenswandel geschuldet war. Träume und Schlaf waren für ihn ebenso Anstrengung, wie das Beschwören von Flammen für einen Feuermagier. Dunkle Bartstoppeln wucherten über Kiefer und Wangen. Nur die kurzen Haare hatten Pflege erfahren. Wobei der Großmeister hier das Eingreifen engagierter Dienerschaft erahnte.

So waren sie zusammen – „Kitors Wächter“: Malcath, Ari, Dheat und Dupel. Doch Yberion war mehr als das, obwohl er nicht den Namen eines großen, mächtigen Hauses trug. Er lächelte, als er so über seine langjährigen Kameraden blickte. Er würde nie vor ihnen prahlen, aber er war der Einzige, der von Erzmagier Dupel einen anderen Titel neben jenen des „Wächters“ erhielt.

„Sofern nun alle verehrten Mitglieder des Rates der Vier anwesend sind. Beginnt Herr Warendeyn in Vollmacht Königs Dorlyns II., der leider nicht an dieser Tagung teilnehmen konnte, das gewichtige Anliegen seiner Majestät und der Majoris Itheriens darzulegen“ begann Ruthert in kräftigem Ton. Der Schreiber trug eine purpurne Livree und hohe Stiefel, wie jeder Diener am Knochenturm. „Der Majoris zur Vertretung sind heute anwesend:“. Er entfaltete eine Rolle Papier und fing an, eine lange Liste von Anreden Titeln und Stammbäumen aufzuführen. So wie es die Etikette gebot.

„Warum ist der König nicht in Kitor?“ Flüsterte Yberion so leise wie möglich zu Shaw.

„Hast du es noch nicht gehört? Seine Tochter ist vor Tagen verschwunden!“ Nahmen fremde Worte in den Gedanken Yberions ihre Form an.

Shaw sprach nicht. Er war Ätheriker, der erste nach so vielen Jahren seit dem großen Unglück des Weltenbrandes, und konnte über andere Ebenen, außer jener des Materiums kommunizieren. So sandte er seine Antwort direkt in den Kopf des Großmeisters. Yberion beschlich eine Gänsehaut, jedes Mal er dies spürte. Sicher war es eine nützliche Technik, vor allem, wenn man so wie jetzt in der hallenden Rede eines Abgesandten keine unnötige Aufmerksamkeit hervorrufen wollte. Doch fremde Magie in sich selbst zu spüren, war etwas, auf das Yberion gerne verzichtete. „Ich vermute Herr Warendeyn wird uns noch in aller königlichen Autorität darüber aufklären“ witzelte Shaw und lauschte weiter.

Ruthert trug eine äußerst ausführliche Vorstellung der anwesenden Magistraten vor. Die meisten, ob Männer oder Frauen, waren nach Yberions Meinung, nicht mehr als eitle Hofschranzen. Wenn sie konnten, kleideten sie sich mit teuren Gewändern. In schrillen Farben, an allen nur möglichen Stellen mit wertvollem Geschmeide behangen und nur aus den erlesensten Stoffen von Seide und feinster Wolle. Weiße Handschuhe verdeckten ihre Finger, helle Cremes die Gesichter und gepuderten Perücke ihre Haarpracht. Yberion fand, dass sie den Porzellanpuppen, welche durch die Kunsthandwerker aus Toregas Wacht so berühmt waren, von Mal zu Mal ähnlicher sahen.

Einer der feinen Herren wedelte sich mit einem aufwendig gearbeiteten Fächer Luft zu, während eine der Damen ein in der Form an Pfauenfedern erinnerndes Exemplar vor sich hielt und ausgelassen tuschelte. Geschminkte Münder verzogen sich zu Entzücken oder offener Abscheu, als der Schreiber die Liste der Namen abarbeitete. Yberion blickte grimmig hinüber. Sie taten groß und erhaben, vornehm und über alle Maßen höflich. Aber trotz der vielgerühmten Etikette verachteten sie ebendiese.

Der Großmeister konnte sich nie für sie erwärmen. Hinter ihren gepuderten Perücken blieb nicht viel, was in ihm Achtung hervorrufen wurde. Kaum einer von ihnen hatte die Position durch eigene Verdienste erreicht. Vielmehr war es die Erbfolge, die sie dazu brachte. Ios Orak aus der Fährstadt Sidehn stach dabei etwas heraus. Er war als einziger der dort Sitzenden nicht einmal von annähernd edlem Geblüt. Yberion vermutete, dass er diesen Mann gerade deshalb sehr achtete.

Im Gegensatz zu den anderen war Ios bullig. Er trug tiefe Narben in dem breiten Gesicht und auf dem blankrasierten Schädel. Seine Nase glich einem breitgedrückten Kuchen. Hinzu kamen dunkle Tätowierungen an seinen Unterarmen, die auf einen Lebensweg abseits des Hofes hindeuteten. Aber er war äußerst wohlhabend, durch welche Form des Erwerbs auch immer. Als Magistrat der Fährstadt Sidehn war er zudem einer der wichtigsten Einflussnehmer am Blauzweig und damit im westlichen Reich.

Der Schreiber hatte seine Anreden beendet. Dem beschwichtigten Gemurmel der Magistraten nach zu urteilen, hatte er dies zu ihrer Zufriedenheit erfüllt. Ruthert verneigte sich vor allen vier Tribünen und verließ dann die Mitte.

Derjenige, dem er das Wort überreichte, einem gewissen Herrn Warendeyn kannte Yberion recht gut. Es war ein Gesandter des Königs, ein schlanker älterer Herr, der schon so lange im Dienst der Höfe St. Cralins stand, dass Yberion vermutete, er habe nie etwas anderes getan.

Warendeyn trug eine dunkle offene Robe, die mit den hoheitlichen Symbolen des Königs silbern glänzte. Darunter kamen eine helle Tunika und eine Weste aus weichem Leder zum Vorschein. Bis auf die Robe wirkte er noch bescheidener als der Schreiber.

Warendeyn vollführte den Gruß und fuhr dann mit feierlicher klarer Stimme an:

„Unser geliebter König Manslauf der II. Dorlyn, Sohn Von Reoktar dem I. Dorlyn, Herrscher über St. Cralin, Kurfürst von Tränlingen, Baron von Alltügel und Gürtberg, sieht sich zu seinem Bedauern außerstande an dieser Ratsversammlung teilzunehmen“.

Die Adligen waren wenig überrascht, wenngleich man hier und dort Bestürzung vorgaukelte. Weit besser informiert als ich selbst, dachte er missmutig.

„Das gewaltsame Verschwinden seiner letztgeborenen Tochter zwingt ihn zur Begrenzung der allgemeinen Unruhe am Hofe der heiligen Stadt. Zudem die Vermutung naheliegt, dass es sich hierbei um eine Tat von Akademielosen handelt!“

Innerhalb eines Wimpernschlags war jedes Getuschel und jedes unruhige Fächergewedel verstummt. Yberion war überrascht, dass der König fortblieb, dennoch hatte er bei diesen Versammlungen schon weit Gewichtigeres erlebt. Aber bei diesem Wort versagte selbst ihm einen Moment der Atem.

Akademielose, dies war ein Begriff, den er zutiefst verabscheute. Verlorene, Abtrünnige, Hexen. Sie beschrieben alle das Gleiche: einen Anwender der Magie, der ohne Anleitung und Aufsicht des Knochenturms Zauberei erfuhr.

In Itherien war dies das größte Verbrechen, das man begehen konnte: kein Teil Kitors zu sein, obwohl man doch der Zauberei mächtig war. Andere Länder mochten anders vorgehen. Damast hatte seine Stahlmagier, Sonorow seine Grauen Armeen und Forente sein Matriarchat, in denen sie ihre Magier einten.

Aber seit dem Weltenbrand ist es in Ihterium anders. Er hatte hier seinen Ursprung und fand hier seinen Höhepunkt. Um solche eine Katastrophe nicht wieder zu beschwören gab es nun einzig und allein den Knochenturm. Genau deshalb gebot die Akademieordnung, dass jedes Kind bis zu seinem zehnten Lebensjahr zum Knochenturm müsse. Zu einem späteren Zeitpunkt, so sagt es das Gesetz, seien diese Wesen verloren. Ohne Anleitung gebaren sie nur Böses. Akademielose – es waren die Dämonen ihrer Geschichte.

Yberion erhob sich langsam von seinem Platz. Amana warf ihm einen spitzen Blick zu.

„Großmeister Yberion“ Warendeyn sprach in offenem Respekt vor seinem Titel. Er richtete sich zur Tribüne der Großmeister und nickte demütig. „Ihr habt etwas zu meinen Worten hinzuzufügen. Bitte sprecht“.

Der Großmeister dankte, wie es die Etikette gebot.

„Werter Herr Warendeyn, ihr sprecht von Akademielosen. Dies ist eine gewichtige Behauptung, gerade im Herzen des Reiches und in der heiligen Stadt höchstselbst. Deshalb frage ich mich: welche Umstände bringen euch zu dieser Annahme?“

Der Abgesandte antwortete unverzüglich. Offenbar hatte er sich die Antwort auf solche eine Frage schon zurechtgelegt.

„Ich danke euch Großmeister. Ihr habt recht es ist eine gewichtige Behauptung und diese würde nicht leichtfertig von unserem geliebten König aufgestellt werden. Aber in den Gemächern der Prinzessin, fand man einige Hinweise, die sich nur durch Magie erklären lassen: Spuren von Schnitten, wie sie keine Klinge schneiden könnte und geradewegs durch eine Tür brachen. Zudem wurden zwei Wachleute verletzt, die an jenem verhängnisvollen Abend einen Schatten im Zwielicht verfolgten.

Es war Feuer was sie verletzte, ohne dass eine Fackel, oder eine Kerze im Spiel waren! Des Weiteren fand man noch einen Fetisch“ Herr Warendeyn hielt ein helles Pergament hoch. Der Schreiber am Pult des Erzmagiers erhob sich sofort, lief hinüber zu dem Abgesandten, nahm ihn das Stück ab und überbrachte es dem Großmeister, damit dieser es genauer betrachtete.

Auf dem hellen Stoff war mit dunkler Kohle ein Dreieck gezeichnet. Es bestand offenbar aus drei blanken Ästen. Helles, hartes Holz vermutete Yberion, als er die Zeichnung so betrachtete. Ihre Ecken schienen mit Draht umwickelt und an den Kanten, wo die Äste sich überschnitten, prangte etwas Verschrumpeltes, Unförmiges. Yberion stellten sich die Nackenhaare auf, als er schon vermutete, was der königliche Redner jeden Moment bestätigte:

„Dies sind Finger, verehrter Großmeister. Drei Zeigfinger. Ihre Besitzer sind uns nicht bekannt. Aber wir wissen um ihre Bedeutung: Sie sind das Zeichen von Achtung. Befehl und und Herrschaft. Ein Fetisch dunkelster Magie, offensichtlich gegen die königliche Autoriät gerichtet. Wir verbrannten ihn sofort, sobald wir diese Zeichnung beendet hatten!“

Yberion spürte seinen Mund trocken werden. Er dankte freundlichst, rollte das Pergament zusammen und gab es Ruthert zurück, der es umgehend wieder Herrn Warendeyn überreichte.

Erst dann setzte Yberion sich. Er hätte mehr als ein Argument dafür, dass nichts davon auf Magie hindeutete. Für alle drei Fälle gab es Erklärungen abseits des Äthers. Aber spätestens bei dem grausigen Symbol, war keine Diskussion mehr möglich und genau das war für ihn die größte Gefahr solcher Zeichen. Aberglaube über die Macht des Ätherischen herrschte vielerorts und solch dunkle Fetische erweckten genau diese alten Geschichten wieder zum Leben.

„Euer Erzmagier hat uns bereits weitreichende Unterstützung zugesichert. Wir wollen die geliebte Tochter des Königs schnellstmöglich aufspüren und wieder gesund nach St. Cralin zurückbringen! Wenn auch ihr der Krone behilflich sein wollt, so danke ich vielmals und bin sicher, eure magische Erhabenheit wird euch alle Informationen zukommen lassen, die ihr benötigt“.

Yberion nickte, setzte sich wieder und lauschte dann weiteren Ausführungen. Wobei der Abgesandte hier nicht weiter auf das Verschwinden der Tochter aufging, sondern eine Liste mit allen Folgen aufzählte.

„Wir haben die Grenzen nach Damast, Funtahi, dem Reich des Schattens Neram, Forente und Sonorow verstärkt. Kein Abtrünniger wird es aus Ihterien herausschaffen. Weiterhin sandten wir ein Gesuch an den Städtebund! Wir sind uns sicher, dass mit Hilfe des Knochenturms und der Anstrengungen des Königs, seine geliebte Tochter schon bald gefunden sein wird!“