Wendy Traum wird wahr - Friederike von Buchner - E-Book

Wendy Traum wird wahr E-Book

Friederike von Buchner

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Beschreibung

Diese Bergroman-Serie stillt die Sehnsucht des modernen Stadtbewohners nach einer Welt voller Liebe und Gefühle, nach Heimat und natürlichem Leben in einer verzaubernden Gebirgswelt. Auf sehr spezielle, romantische Weise findet Toni, der Hüttenwirt seine große Liebe in einer bezaubernden Frau, die aus einer völlig anderen Umgebung stammt als der markante Mann der Berge. Sie lernt durch ihn Schönheit und Idylle seiner Heimat kennen und lieben. Gemeinsam eröffnen die beiden allen Besuchern die Werte und Besonderheiten ihres Lebens auf der Alm. Romantik, Beschaulichkeit, dramatische Spannung und feinsinnige Gespräche: Das ist die Welt von Toni, dem Hüttenwirt, der sich niemand entziehen kann. Rita Mahler kam aus dem Haus gelaufen, als Bernd auf den Hof fuhr. Bernd breitete die Arme aus und fing seine Verlobte auf. Sie bedeckte sein Gesicht mit Küssen. »Oh, Bernd, welch großartige Idee!«, sagte Rita. »Und dir macht es auch wirklich nichts aus, den Familiennamen Weißgerber anzunehmen?« Bernd hielt Rita ganz fest. »Nein, Liebste, im Gegenteil. Es ist nicht nur eine gute Idee. Ich kann Albert dadurch auch meine Verbundenheit und meine Dankbarkeit ausdrücken.« »Du bist großartig, Bernd!« »Vielleicht lässt du Rita mal los, ich möchte mein Madl auch umarmen«, schalt Albert Weißgerber scherzhaft. Er hatte Doktor Martin Engler drei Stunden Ausgang abgetrotzt. »Dann wirst du im doppelten Sinn eine Weißgerber, Rita. Ich bin gespannt, was deine Mutter dazu sagt. Ist Marie im Haus?« »Nein, sie wollte dich besuchen. War sie nicht gekommen? Dann wird sie unterwegs wieder irgendwo hängengeblieben sein.«

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Seitenzahl: 127

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Toni der Hüttenwirt Extra – 12 –Wendy Traum wird wahr

Friederike von Buchner

Rita Mahler kam aus dem Haus gelaufen, als Bernd auf den Hof fuhr. Bernd breitete die Arme aus und fing seine Verlobte auf. Sie bedeckte sein Gesicht mit Küssen.

»Oh, Bernd, welch großartige Idee!«, sagte Rita. »Und dir macht es auch wirklich nichts aus, den Familiennamen Weißgerber anzunehmen?«

Bernd hielt Rita ganz fest. »Nein, Liebste, im Gegenteil. Es ist nicht nur eine gute Idee. Ich kann Albert dadurch auch meine Verbundenheit und meine Dankbarkeit ausdrücken.«

»Du bist großartig, Bernd!«

»Vielleicht lässt du Rita mal los, ich möchte mein Madl auch umarmen«, schalt Albert Weißgerber scherzhaft. Er hatte Doktor Martin Engler drei Stunden Ausgang abgetrotzt.

»Dann wirst du im doppelten Sinn eine Weißgerber, Rita. Ich bin gespannt, was deine Mutter dazu sagt. Ist Marie im Haus?«

»Nein, sie wollte dich besuchen. War sie nicht gekommen? Dann wird sie unterwegs wieder irgendwo hängengeblieben sein.«

»Sie wird bestimmt bald kommen. Als sie kam, war Fellbacher zu Besuch. Er hat sich Marie geschnappt. Sie wollten zum Rathaus gehen und sich die Bewerbungsunterlagen von dem Krankenpfleger ansehen. Fell­bacher sagte, dass er von medizinischen Dingen nichts verstehe. Deshalb wollte er die Papiere zusammen mit Marie durchgehen. Dass das aber so lange dauert?« Albert Weißgerber sah auf die Uhr. »Wenn es noch lange dauert, rufe ich Fellbacher an.«

Rita schlug vor, dass sie sich ins Freie setzen. »Es ist so ein schöner warmer Abend. Und ich nehme an, dass du lieber drinnen als draußen bist, Albert.«

»Ja, das stimmt. Komm, Bernd, wir holen noch einen Tisch und Stühle!«, sagte Albert.

»Du musst dich schonen«, rief Rita.

»Madl, packe mich nicht in Watte! Ich muss herausfinden, wo meine Grenzen sind. Wenn ich es nicht schaffe, kurz einen Tisch anzuheben und einen Stuhl zu tragen, dann mache ich Martin Engler die Hölle heiß. Dann muss er sich schleunigst eine neue Therapie einfallen lassen. Es sind nur noch wenige Wochen bis zu deiner Hochzeit. Da will ich fit wie ein Turnschuh sein. Ich will tanzen, bis mir die Füße wehtun«, sagte Albert.

Rita ging ins Haus. Sie nahm einen Korb und packte für alle Bier und Gläser ein. Dann taute sie in der Mikrowelle Brezeln auf und legte sie in einen anderen Korb, den sie mit einem frischen Handtuch ausgelegt hatte. Eine Schale mit Butter stellte sie in den anderen Korb.

»Wo steckt meine Schwester?«, fragte Bernd Lechner, als er ihr die beiden Körbe abnahm und auf den Tisch stellte.

Rita grinste. »Laura ist hinten in der Halle. Ich gehe sie holen. Hat jemand etwas dagegen, wenn ich Emil und Harald mitbringe?«

Albert und Bernd schauten sich fragend an.

»Harald, Harald Schlosser, ist der Krankenpfleger, der sich um die Stelle beworben hat, die durch Maries Weggang frei wird. Und Emil ist sein Bub. Er ist so herzig.«

»Wer ist herzig? Sprichst du jetzt von diesem Harald oder von Emil?«, fragte Bernd. »Ich dachte, du findest nur mich herzig?« Er tat, als wäre er eifersüchtig.

Rita lachte laut. Sie gab ihrem Verlobten einen Kuss. »Natürlich finde ich nur dich herzig. Du bist doch mein Herzbube. Aber deine Schwester findet beide herzig, Vater und Sohn.« Rita eilte davon.

Bernd Lechner rieb sich das Kinn. Für einen Augenblick sah er nachdenklich und verwirrt aus. »Albert, ich glaube, ich habe etwas Wichtiges verpasst, während ich bei dir war. Laura hat noch nie einen Burschen herzig gefunden.«

»Ja, das scheint mir auch so. Laura erweckte nie den Eindruck, als würde ihr jemand gut gefallen. Hier müssen unerwartete, ja, ungeheuerliche Dinge passiert sein, Bernd. Vielleicht haben Ritas und dein Glück deine Schwester zum Nachdenken gebracht? Wenn sie euch so sieht, muss ihr klar geworden sein, dass ihr in ihrem Leben etwas fehlt.«

»Das ist gut möglich. Aber nach Ritas Andeutung muss Laura ziemlich aufgekratzt sein. Also herzig, herzig fand sie bisher niemanden.«

Albert Weißgerber schmunzelte. »Es soll so etwas wie die Liebe auf den ersten Blick geben. Jedenfalls habe ich davon gehört. Sie wird in den Romanen der Weltliteratur immer wieder beschrieben. Bei mir und Marie war es nicht ganz so. Oder anders ausgedrückt, ich war mir über meine Gefühle nicht gleich im Klaren. Vielleicht tut man sich damit schwerer, wenn man kein junger Bursche mehr ist?«

»Immerhin habt ihr euch gefunden und seid glücklich. Bei den einen ist es eben eine Urgewalt, die über sie hereinbricht. Bei andern kommt die Liebe auf leisen Sohlen. Bei mir und Rita hat es auch etwas gedauert.«

»Das stimmt. Ich würde mich für deine Schwester freuen, wenn sie jemand gefunden hätte. Warten wir es ab! Vielleicht übertreibt Rita auch wieder. Bräute neigen wohl zu Superlativen. Sie schweben in höheren Sphären und sehen überall Liebesluftballone.«

»Gut gesagt, Albert«, schmunzelte Bernd Lechner.

Es dauerte nicht lange, dann kam Rita mit Laura, Harald und Emil zurück.

»Albert, Bernd, das ist Harald Schlosser. Er hat sich auf Maries Stelle beworben. Und der niedliche kleine Bursche ist Emil«, stellte Rita die beiden vor.

Albert Weißgerber begrüßte zuerst Harald, dann Emil.

Harald Schlosser erkundigte sich sofort nach Alberts Wohlbefinden.

»Du wolltest doch nicht immer über Krankheiten reden!«, schmollte der kleine Emil.

Weißgerber lachte und beugte sich zu ihm hinunter.

»Da hast recht, Emil. Die Leute reden viel zu viel über Krankheiten. Die meisten geben damit an. Jeder will kränker sein als der andere. Sie sollten darüber reden, dass sie gesund sind und sich darüber freuen. Das ist wirklich so, Emil. Da kannst du deinen Papa fragen. Der kennt sich damit aus.«

Emil warf seinem Vater einen fragenden Blick zu.

Dieser nickte.

»Papa hat mir erzählt, dass du schlimm krank gewesen bist. Bist du wieder ganz gesund?«, fragte Emil.

»Das bin ich«, nickte der Sägewerksbesitzer ernsthaft dem Bub zu.

Der kleine Emil strahlte über das ganze Gesicht. Er klatschte in die Hände und hüpfte auf der Stelle. »Das ist gut, dann kannst du bald wieder Bäume zersägen. Laura hat mir die große Säge gezeigt. Wenn ich groß bin, will ich auch Bäume zersägen.«

»Wenn du das machen willst und es dir Freude macht, dann kannst du das tun. Aber es dauert noch etwas, bis du groß bist«, lachte Albert.

»Ja, ich weiß. Das ist doof. Papa hat gesagt, ich darf nicht doof sagen. Aber es ist wirklich doof. Nicht schimpfen, Papa!«

Harald Schlosser schmunzelte. »Gut, ich lasse es dir ausnahmsweise durchgehen. Aber du sagst es nicht wieder!«

Emil sah seinen Vater an und nickte.

»Du hast schöne Lederhosen an«, versuchte Albert vom Thema abzulenken.

»Ja, die sind neu. Sie sind schön. Aber Arbeitshosen, wie sie die Männer anhaben, die in der Halle arbeiten, gefallen mir besser.«

Laura strich dem Kleinen übers Haar. »Ich werde mich umsehen, ob ich Hosen in Kindergröße bekomme. Dann bekommst du sie von mir zum Geburtstag, Emil.«

Der kleine Emil schrie vor Begeisterung auf. »Papa, Papa hast du das gehört?«

»Ja, ich habe es gehört. Aber es wird schwierig werden, passende Hosen zu finden.«

»Ach, das wird Laura schaffen, Papa.«

»Was macht dich so sicher?«

»Wer so schöne, bunte reisende Häuser bauen kann, der kann alles«, sagte er.

Diese Anerkennung rief allgemeines Lachen hervor.

Laura Lechner strahlte förmlich.

»Er ist wirklich ein herziger kleiner Bursche, der Emil«, sagte Albert leise. »So einen Enkel zu haben, das wäre schön.«

Rita lächelte ihren Stiefvater an. »Lieber Albert, Bernd und ich haben die Botschaft klar und deutlich verstanden. Du wirst schon noch Großvater werden.« Dann bat sie alle, sich zu setzen.

Bernd schenkte ein.

Albert trank alkoholfreies Bier und der kleine Emil bekam gespritzten Apfelsaft.

»So, dann trinken wir auf den neuen Namen ›Sägewerk Weißgerber‹«, sagte Albert feierlich.

Sie prosteten sich zu und tranken.

Albert bedauerte, dass seine liebe Marie noch nicht gekommen war.

»Albert, sei nicht so ungeduldig. Hauptsache ist doch, ob sie Fellbacher davon überzeugen kann, dass Harald Schlosser der Richtige für den Posten ist«, sagte Rita.

»Mir ist jeder recht, der Maries Posten übernimmt. Ich will in Zukunft meine Marie ganz für mich alleine haben«, kommentierte Albert. Dann wandte er sich an Harald Schlosser. Dem konnte man die Anspannung ansehen. »Das wird schon. Ich werde bei meiner Frau ein gutes Wort einlegen. Außerdem sitze ich im Gemeinderat. Der Gemeinderat muss über die Einstellung abstimmen. Meine Stimme hast du, Harald.«

»Danke, Herr Weißgerber!«, antwortete Harald Schlosser.

»Albert! Ich bin der Albert. Stoßen wir darauf an! Wir sind hier in Waldkogel alle eine große Familie.«

»Gern!«

Die beiden Männer prosteten sich zu und tranken.

»Au prima, wir sind jetzt nicht mehr allein, Papa. Wir haben jetzt auch eine große Familie«, rief Emil begeistert.

»Ach, bist du herzig!«, lächelte Laura. »Komm her zu mir!«

Emil eilte um den Tisch herum. Laura nahm ihn auf den Schoss.

Er strahlte sie an. »Du bist nett, Laura!«

Sein Vater räusperte sich. »Er muss noch lernen, seine Spontaneität zu kontrollieren«, sagte er verlegen.

»Kindesmund tut Wahrheit kund, Harald«, erwiderte Albert. »Und recht hat er, der Emil. Laura ist wirklich nett.«

»Nun reicht es aber«, lachte Laura. »Ihr macht mich ganz verlegen. Erzählt lieber, wie es jetzt weitergeht mit Ritas Adoption, damit sie den Namen Weißgerber tragen kann.«

Albert erzählte von seinem Gespräch mit Bürgermeister Fritz Fellbacher. Dieser hatte ihm versprochen, behördlich alles in die Wege zu leiten.

Sie sprachen ausführlich darüber. Währenddessen schlief Emil an Lauras Schulter ein.

»Gib ihn mir, ich bringe ihn ins Bett!«, sagte Harald.

Als er Emil auf den Arm nehmen wollte, wachte dieser auf. Er klammerte sich an Laura.

»Ich will bei Laura bleiben«, wehrte er sich.

»Lass ihn, Harald! Er wird gleich wieder einschlafen«, sagte sie. Harald gab nach.

Albert Weißgerber schaute immer wieder auf die Uhr.

Er war froh, als Marie endlich kam. Als sie mit dem Auto auf den Hof fuhr, eilte er ihr entgegen. »Da bist du endlich. Ich habe so auf dich gewartet. Wir feiern. Es gibt eine Neuigkeit.«

Marie lächelte. »Ich weiß. Martin hat sie mir verraten. Rita und Bernd nehmen den Namen Weißgerber als Familiennamen an. Ich gratuliere dir! Ich weiß, was es für dich bedeutet.«

Sie gaben sich einen Kuss.

»Entschuldige, dass ich so spät bin. Ich bin nach der Unterredung mit Fellbacher zu Martin gefahren. Dort habe ich mich dann aufgehalten und mit ihm über meinen Nachfolger gesprochen. Okay, ich sollte sagen, meinen möglichen Nachfolger. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass er mein Nachfolger wird.«

Albert fasste seine Marie um die Taille und sie gingen zum Tisch.

»Ich soll Grüße übermitteln«, wandte sich Marie Weißgerber an Harald Schlosser. »Ich habe mit unserem Doktor Engler ausführlich gesprochen. Morgen gehen wir zusammen zu ihm. Ich habe ihm deine Zeugnisse gezeigt. Er hat keine Einwände, wenn ein Krankenpfleger, statt einer Krankenschwester, meine Stelle übernimmt.«

Harald Schlosser strahlte.

Albert staunte: »Marie, das klingt so, als hätte irgendjemand etwas dagegen?«

Marie zog die Augenbrauen hoch. »So kann man das nicht sagen, Albert. Direkt dagegen, eigentlich nicht …«, seufzte sie, »für Fellbacher war es ein ganz neuer Gesichtspunkt, dass es künftig einen Leiter, statt eine Leiterin, der Gemeindehelferinnen geben könnte. Er war überrascht, sehr überrascht. Wie sagt man so? Er hatte es nicht auf seinem Bildschirm.« Sie lachte laut. »Ich habe ihn da auf den neusten Stand gebracht. Und ich werde mir jedes Gemeindemitglied persönlich vorknöpfen, wenn es sein muss.«

»Ich hoffe, es gibt deswegen keine Schwierigkeiten im Gemeinderat?«, bemerkte Harald.

Jeder sah ihm die Verunsicherung an.

»Darüber mache dir mal keine Sorgen!«, sagte Albert Weißgerber. »Ich werde mein Möglichstes tun. Ich habe dir doch gesagt, du hast meine Stimme.«

»Emil ist jetzt fest eingeschlafen«, flüsterte Laura. »Ich bringe ihn ins Bett.«

»Danke!«, flüsterte Harald. »Ich komme gleich nach.«

Laura stand vorsichtig auf und ging mit Emil auf dem Arm davon. Er hatte beide Arme um Lauras Hals gelegt.

Harald sah den beiden nach. Es sah nicht so aus, als missfalle ihm die Anhänglich seines Buben.

Marie berichtete ausführlich von dem Gespräch mit Bürgermeister Fellbacher. Sie betonte immer wieder, dass sie zuversichtlich sei, dass Harald Schlosser die Stelle bekomme. Wichtig ist es, Doktor Martin Engler als Fürsprecher zu gewinnen.

»Und Pfarrer Zandler«, sagte Albert, »und seine Haushälterin Helene Träutlein. Morgen nach der Unterredung mit Martin stellst du Harald unserem Pfarrer vor. Ihr nehmt den kleinen Emil mit. Ich bin sicher, der Bub erobert sofort des Pfarrers Herz und seine Haushälterin wird ihn verwöhnen.«

Harald Schlosser lachte. »Hier in Waldkogel arbeitet man wohl mit allen Tricks. Aber mir soll es recht sein. Ich hätte die Stelle wirklich gern. Sie interessiert mich. Aber es wäre auch für Emil gut, auf dem Dorf aufzuwachsen.«

»Das wird schon, Harald«, sagte Albert. »Sei unbesorgt! Wir haben hier so unsere Art, Dinge zu regeln.« Er schaute auf die Uhr. »Oh, wie schnell drei Stunden um sind. Ich muss fahren. Sonst wird unser guter Doktor ärgerlich.«

Marie wollte ihren Mann zurück in die Praxis fahren.

Albert lehnte ab. Er bestand darauf, selbst mit seinem Auto zu fahren und es auf dem Hof der Praxis zu parken. »Ihr müsst verstehen, dass ich meinen Fluchtwagen bei mir haben will«, lachte er.

Marie brachte ihren Mann zum Wagen. »Ich bin so glücklich, dass es dir wieder besser geht, Albert.«

Sie nahmen sich in die Arme und küssten sich. »Noch ein paar Tage, dann bin ich wieder zu Hause. Ich werde Martin schon überzeugen, Marie. Nächste Woche bin ich mit dem Medikamentenplan durch, – zumindest mit den hoch dosierten Mitteln. Dann hat er keinen Grund mehr, mich bei sich auf der Bettenstation zu halten. Außerdem wirst du auf mich aufpassen.«

»Das werde ich, Albert. Bernd wird seine Sache gut machen. Du wirst dich aus der Arbeit im Sägewerk zurückziehen!«

»Ja, Marie, das habe ich dir versprochen und das werde ich halten. Schlafe gut!«

»Ich schlafe erst wieder gut, wenn du neben mir liegst«, flüsterte Marie leise.

Marie kuschelte sich an ihren Mann. Sie sahen sich tief in die Augen und küssten sich innig. Dann stieg Albert ins Auto und fuhr ab. Marie winkte. Albert winkte aus dem offenen Autofenster zurück.

*

»Wo ist Harald Schlosser?«, fragte Marie, als sie zum Tisch kam.

»Er sagte, er müsse kurz nach seinem Jungen schauen. Ich nehme nicht an, dass er wiederkommt. Denn er meint, Emil könne verwirrt sein, wenn er in einer fremden Umgebung aufwache, dazu noch in einem Hochbett, in einem Mini-Haus«, sagte Rita.

»Hat er etwas über Emils Mutter erzählt?«, fragte Marie.

Bernd und Rita schüttelten die Köpfe.

»Entweder ist er verwitwet oder geschieden«, sagte Rita. »Er scheint jedenfalls ein guter und fürsorglicher Vater zu sein.«

»Ja, den Eindruck macht er«, sagte Marie nachdenklich.

»Mutter, warum legst du die Stirn in Falten? Es muss doch etwas in seinem Lebenslauf stehen.«

Marie stand auf. »Ich gehe schlafen. Gute Nacht!«

Rita und Bernd sahen ihr nach.

»Bernd, da stimmt etwas nicht«, flüsterte Rita. »Warum fragt Mutter, ob Harald etwas über Emils Mutter erzählt habe?«

Bernd zuckte mit den Schultern. »Ja, merkwürdig ist es schon. Aber Marie wird schon ihren Grund haben.«

Rita gähnte. »Lass uns auch reingehen, Bernd.«

Er nickte.

Sie räumten zusammen den Tisch ab und trugen die leeren Bierflaschen, Gläser und das leere Brezelkörbchen in die Küche. Dann gingen sie hinauf in ihr improvisiertes Schlaflager, in der ersten Etage. Nach den Renovierungsarbeiten, und nach der Hochzeit, würden sie dort wohnen.

Harald ging leise durch die abgedunkelte Halle. Laura saß auf einem Klappstuhl vor dem Mini-Haus.