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Wenn der Sturm dich findet ist ein atmosphärisch dichter Psychothriller mit übernatürlichen Elementen. Nach Jahren kehrt Clara in das alte Herrenhaus ihrer Kindheit zurück – ein Ort, an dem Regen, Wind und Wände Erinnerungen wachrufen. Dort trifft sie auf Leon, den Mann, der sie kennt wie niemand sonst, und auf die Schatten, die sie nie besiegt hat: den unheimlichen Beobachter, ein bedrohliches Zeichen ("Du gehörst mir"), und den totgeglaubten Bruder. Während draußen der Sturm tobt, beginnt im Inneren der wahre Kampf – nicht gegen einen Fremden, sondern gegen Claras eigenes Licht und ihren Schmerz. Erst als sie sich der Wahrheit stellt, findet sie die Kraft für einen Neuanfang.
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Seitenzahl: 142
Veröffentlichungsjahr: 2026
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Wenn der Sturm
dich findet
Impressum
Peter Seifert - Martin Fischer
c/o Online-Impressum.de #26515
Europaring 90
53757 Sankt Augustin
Zweiter Kontaktweg
Zuständige Regulierungs- und Aufsichtsbehörde:
Bayerische Landeszentrale für neue Medien
Sitz: Deutschland
1
Der Regen prasselte gegen die Fenster des
alten Herrenhauses, als Clara die schwere Tür
hinter sich schloss. Ihr Herz schlug schneller als
der Wind, der durch die Bäume peitschte. Sie
war zurückgekehrt – obwohl sie geschworen
hatte, diesen Ort nie wieder zu betreten.
Im Flur roch es nach altem Holz, nach
Erinnerungen, die sie jahrelang verdrängt
hatte. Und nach ihm.
Leon.
Sie hörte seine Schritte, bevor sie ihn sah.
Ruhig, kontrolliert, wie immer. Doch als er aus
dem Schatten trat, lag etwas in seinem Blick,
dass sie sofort aus dem Gleichgewicht brachte
– ein Funken, der all die Jahre überlebt hatte.
„Du hättest nicht herkommen sollen“, sagte er
leise.
Clara hob das Kinn. „Ich hatte keine Wahl.“
Ein Blitz erhellte den Raum, und für einen
Moment standen sie einander so nah, dass sie
seinen Atem spüren konnte. Warm. Vertraut.
Gefährlich. Ihre Finger kribbelten, als hätte ihr
Körper längst entschieden, was ihr Verstand
noch zu leugnen versuchte.
Leon trat einen Schritt näher. „Du weißt, was
passiert, wenn wir beide unter demselben
Dach sind.“
Clara schluckte. „Vielleicht ist es Zeit, dass es
passiert.“
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Sein Blick glitt über ihr Gesicht, verweilte an
ihren Lippen – nicht berührend, aber nah
genug, dass ihr die Knie weich wurden. Die
Spannung zwischen ihnen war wie ein
gespanntes Seil, das jeden Moment reißen
konnte.
Doch bevor er sie erreichte, krachte irgendwo
im Haus eine Tür. Beide zuckten zusammen.
„Er ist also wirklich zurück“, flüsterte Clara.
Leon nickte. „Und er wird nicht ruhen, bevor
er bekommt, was er will.“
Clara spürte, wie sich seine Hand kurz an ihrer
Taille verfing – ein Reflex, ein Schutz, ein
Versprechen. Wärme durchströmte sie, trotz
der Gefahr, die wie ein Schatten über ihnen
lag.
Der Wind heulte durch die Gänge, als Clara
und Leon dem Geräusch folgten. Das Haus
schien zu atmen, als würde es selbst spüren,
dass etwas Unheilvolles zurückgekehrt war.
„Er war hier“, murmelte Leon und strich mit
den Fingern über die angelehnte Tür. „Jemand
hat sie von außen geöffnet.“
Clara spürte, wie sich eine Gänsehaut über
ihre Arme legte. Nicht nur wegen der Kälte.
„Glaubst du, er beobachtet uns?“
Leon drehte sich zu ihr um. Sein Blick war
ernst, aber da war auch etwas anderes – ein
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Funken, der sie gleichzeitig beruhigte und
beunruhigte. „Er beobachtet dich. Das hat er
immer getan.“
Clara wich einen Schritt zurück, doch Leon
folgte ihr, langsam, als wolle er ihre Zeit
geben, wegzugehen. Sie tat es nicht.
„Du bist nicht allein“, sagte er leise.
Seine Stimme war warm, tiefer als sie sie in
Erinnerung hatte. Und als er ihre Hand nahm,
war es, als würde die Welt für einen Moment
stillstehen. Seine Finger waren rau, vertraut,
und die Berührung schickte eine Welle von
Wärme durch ihren Körper.
„Leon…“ Ihre Stimme war kaum mehr als ein
Hauch.
Er trat näher, so nah, dass sie die Wärme
seines Körpers spüren konnte. Sein Duft –
Holz, Regen, ein Hauch von etwas Dunklem –
umhüllte sie. Ihre Gedanken verschwammen,
und für einen Moment vergaß sie die Gefahr,
die im Haus lauerte.
„Ich habe dich nie vergessen“, flüsterte er.
Claras Herz schlug schneller. Sie hob den Blick,
und ihre Augen trafen seine. Da war so viel
unausgesprochen zwischen ihnen – Jahre
voller Schweigen, voller Sehnsucht, voller
Fehler.
Sein Daumen strich über ihren Handrücken,
langsam, fast zärtlich. Ein Versprechen, ein
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Risiko, ein Rückfall in etwas, das sie beide nie
ganz hinter sich gelassen hatten.
Doch bevor sie antworten konnte, ertönte ein
dumpfer Schlag aus dem Obergeschoss.
Schwer. Bedrohlich.
Leon spannte sich an. „Er spielt mit uns.“
Clara löste ihre Hand aus seiner, obwohl es ihr
schwerfiel. „Dann lass uns das Spiel beenden.“
Leon nickte. „Gemeinsam.“
Sie gingen die knarrende Treppe hinauf, Schritt
für Schritt, während der Sturm draußen tobte.
Clara spürte Leons Nähe hinter sich – ein
Schutz, ein Schatten, ein Feuer, das sie nicht
mehr ignorieren konnte.
Oben angekommen, blieb sie abrupt stehen.
Die Tür zu ihrem alten Zimmer stand offen.
Und auf dem Bett lag ein einzelner
Gegenstand.
Claras Atem stockte. „Das… das kann nicht
sein.“
Leon trat neben sie. „Doch. Er war hier. Und er
will, dass du es siehst.“
Auf dem Kissen lag eine Feder. Schwarz.
Glänzend. Und darunter ein Zettel, auf dem
nur ein Satz stand:
„Du gehörst mir.“
Clara starrte auf die schwarze Feder, als wäre
sie ein lebendiges Wesen. Ihr Atem ging flach,
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und für einen Moment hörte sie nichts außer
dem Pochen ihres eigenen Herzens.
„Er war in meinem Zimmer“, flüsterte sie.
„Hier… wo alles begann.“
Leon trat einen Schritt näher, sein Blick scharf
wie ein Messer. „Er will dich verunsichern. Er
weiß, dass dieser Ort dich verwundbar macht.“
Clara wandte sich ihm zu. „Und dich nicht?“
Leon hielt ihrem Blick stand, doch in seinen
Augen lag etwas, das sie nur selten gesehen
hatte – ein Hauch von Angst. Nicht um sich.
Um sie.
„Ich habe dich damals nicht beschützt“, sagte
er leise. „Aber diesmal lasse ich nicht zu, dass
er dir auch nur einen Schritt zu nahe kommt.“
Clara spürte, wie sich etwas in ihr löste. Ein
Knoten, der jahrelang festgesessen hatte. Sie
trat näher, so nah, dass ihre Schultern sich fast
berührten. Der Sturm draußen schien sich zu
beruhigen, als würde er ihnen Raum geben.
„Leon… du hast mich nie losgelassen“, sagte
sie. „Und ich dich auch nicht.“
Sein Atem stockte. Für einen Moment war er
nicht der kontrollierte, unerschütterliche
Mann, den sie kannte. Er war verletzlich.
Offen. Und gefährlich nah.
Seine Hand hob sich, zögernd, als würde er
prüfen, ob er das durfte. Dann strich er mit
den Fingerspitzen über ihre Wange. Warm.
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Sanft. Ein Hauch von etwas, das sie beide viel
zu lange verdrängt hatten.
Clara schloss die Augen, nur für einen
Herzschlag. Seine Berührung war wie ein
Versprechen, das sie nie ausgesprochen
hatten.
Doch dann – ein Knacken.
Holz. Direkt hinter ihnen.
Leon riss sie an sich, schützend, instinktiv. Sein
Körper war fest an ihrem, sein Herzschlag
spürbar gegen ihre Brust. Die Nähe war
überwältigend, elektrisierend – und doch war
die Gefahr so real, dass ihr die Luft wegblieb.
„Er ist noch hier“, murmelte Leon, seine
Lippen so nah an ihrem Ohr, dass ihr ein
Schauer über den Rücken lief.
Clara öffnete die Augen. Im Spiegel gegenüber
sah sie eine Bewegung. Ein Schatten, der sich
zurückzog. Schnell. Lautlos.
„Er spielt nicht mehr“, sagte sie. „Er jagt.“
Leon löste sich ein Stück von ihr, aber seine
Hand blieb an ihrer Taille, als könnte er sie
nicht ganz loslassen. „Dann jagen wir zurück.“
Clara nickte. „Gemeinsam.“
Sie griff nach der schwarzen Feder, und als
ihre Finger sie berührten, spürte sie etwas
Kaltes, Unheimliches. Ein Echo aus der
Vergangenheit. Ein Versprechen aus der
Dunkelheit.
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Leon sah sie an, und in seinem Blick lag eine
Mischung aus Entschlossenheit und etwas
Tieferem – etwas, das sie beide nicht mehr
ignorieren konnten.
„Bleib bei mir“, sagte er.
Clara antwortete, ohne zu zögern. „Immer.“
Clara hielt die schwarze Feder fest in der Hand,
als könnte sie ihr Halt geben. Doch sie zitterte.
Nicht vor Kälte – vor der Erkenntnis, dass die
Vergangenheit sie eingeholt hatte.
Leon beobachtete sie. Sein Blick war wachsam,
aber da war auch etwas anderes darin, etwas,
das er nicht mehr verbergen konnte. „Er will
dich brechen“, sagte er. „Aber du bist stärker
als er glaubt.“
Clara schnaubte leise. „Stärker vielleicht. Aber
nicht unverwundbar.“
Leon trat näher, so nah, dass sie seinen Atem
an ihrer Stirn spürte. „Ich lasse nicht zu, dass
er dich noch einmal verletzt.“
Seine Worte trafen sie tiefer, als sie erwartet
hatte. Sie hob den Blick, und ihre Augen trafen
seine. Für einen Moment war die Welt nur ein
schmaler Raum zwischen ihnen – warm,
gefährlich, vertraut.
„Leon…“ Ihre Stimme war brüchig, aber
ehrlich. „Ich weiß nicht, ob ich das hier noch
einmal durchstehe.“
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Er hob die Hand, legte sie an ihre Wange.
Seine Berührung war fest, aber sanft, als
würde er sie daran erinnern wollen, dass sie
nicht allein war. „Du musst es nicht allein
durchstehen.“
Clara schloss die Augen, nur für einen
Herzschlag. Seine Nähe war wie ein
Schutzschild – und gleichzeitig ein Feuer, das
sie beide längst wieder entfacht hatten.
Doch dann hörten sie Schritte.
Langsam. Bedacht. Direkt über ihnen.
Leon erstarrte. „Er ist im Dachboden.“
Clara öffnete die Augen. „Der Dachboden…
dort hat alles angefangen.“
Leon nickte. „Und dort wird es enden.“
Sie folgten den Geräuschen, die Treppe hinauf,
die in den schmalen, dunklen Dachboden
führte. Jeder Schritt knarrte, als würde das
Haus selbst warnen wollen. Clara spürte Leons
Hand an ihrem Rücken – ein leiser Druck, der
sagte: Ich bin hier. Oben angekommen, blieb sie abrupt stehen.
Der Dachboden war dunkel, nur vom
flackernden Licht des Sturms erhellt, der durch
ein zerbrochenes Fenster drang. Staub
wirbelte in der Luft, und irgendwo tropfte
Wasser auf den Boden.
„Siehst du das?“ flüsterte Clara.
Leon folgte ihrem Blick.
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In der Mitte des Raumes stand ein Stuhl.
Darauf lag ein altes Fotoalbum. Ihr Fotoalbum.
Das, das sie vor Jahren verbrannt hatte.
„Das ist unmöglich“, hauchte sie.
Leon trat vor, doch Clara hielt ihn zurück.
„Warte.“
Sie öffnete das Album mit zitternden Fingern.
Die Seiten waren unversehrt. Und auf der
ersten Seite klebte ein neues Foto.
Ein Bild von ihr.
Aufgenommen vor wenigen Tagen.
Leon spannte sich an. „Er war näher, als wir
dachten.“
Clara fühlte, wie ihr die Luft wegblieb. „Warum
tut er das? Was will er?“
Leon legte eine Hand an ihre Schulter, seine
Stimme tief, warm, aber voller
Entschlossenheit. „Dich. Er will dich
kontrollieren. Und er weiß, dass er mich damit
trifft.“
Clara sah ihn an. „Dich?“
Leon wich ihrem Blick nicht aus. „Ich habe dich
geliebt, Clara. Ich liebe dich immer noch. Und
er weiß das.“
Die Worte trafen sie wie ein Schlag – und
gleichzeitig wie eine Befreiung. Ihr Herz raste,
und für einen Moment vergaß sie den Sturm,
den Dachboden, die Gefahr.
Doch dann hörten sie ein leises Lachen.
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Hinter ihnen.
Ein Schatten löste sich aus der Dunkelheit.
„Ihr seid spät“, sagte eine Stimme, die Clara
bis ins Mark erschütterte.
Clara fuhr herum. Der Schatten stand am Rand
des Dachbodens, halb im Licht, halb im
Dunkel, als würde er selbst entscheiden, wie
viel von ihm sichtbar sein durfte. Der Sturm
war plötzlich nur noch ein fernes Rauschen.
Alles konzentrierte sich auf diesen einen
Moment.
Leon stellte sich sofort vor Clara, sein Körper
angespannt wie ein Bogen kurz vor dem
Schuss. „Zeig dich“, sagte er mit einer Stimme,
die tief und gefährlich klang.
Der Mann trat einen Schritt vor. Das Licht des
Blitzes erhellte sein Gesicht – scharf
geschnitten, die Augen dunkel, ein Lächeln,
das mehr Drohung als Freude war.
„Ihr zwei seid ja rührend“, sagte er. „Fast hätte
ich euch den Moment gelassen.“
Clara spürte, wie Leon sich noch fester vor sie
stellte. Doch sie legte eine Hand an seinen
Arm. „Ich will ihn sehen“, flüsterte sie.
Leon zögerte, aber er wich einen halben
Schritt zur Seite. Gerade genug, dass sie den
Mann ansehen konnte. Ihre Knie wurden
weich, doch sie blieb stehen.
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„Warum tust du das?“ fragte sie. Ihre Stimme
war ruhig, aber in ihrem Inneren tobte ein
Sturm, der lauter war als der draußen.
Der Mann lachte leise. „Weil du mir gehörst,
Clara. Du warst immer die Einzige, die mich
verstanden hat.“
Clara schüttelte den Kopf. „Ich habe dich nie
verstanden. Ich habe dich gefürchtet.“
„Angst ist auch eine Form von Nähe“, sagte er
und trat noch einen Schritt vor.
Leon spannte sich an. „Noch ein Schritt, und
ich—“
„Und du was?“ Der Mann hob spöttisch eine
Augenbraue. „Du konntest sie damals nicht
schützen. Und du kannst es heute nicht.“
Clara sah, wie Leon die Fäuste ballte. Sie
spürte die Hitze seiner Wut, die sich mit ihrer
eigenen mischte. Doch sie wusste: Wenn Leon
jetzt die Kontrolle verlor, würde alles
eskalieren.
Sie trat vor.
Zwischen die beiden Männer.
Leon griff nach ihr, wollte sie zurückziehen,
doch sie legte ihre Hand auf seine Brust. Ein
kurzer Druck. Ein stummes Vertrau mir. Dann sah sie dem Mann direkt in die Augen.
„Du hast keine Macht mehr über mich.“
Sein Lächeln erlosch. „Oh doch. Mehr denn
je.“
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Er zog etwas aus seiner Jacke. Ein kleines,
schwarzes Notizbuch. Clara erkannte es sofort.
Ihr Atem stockte.
„Das… das ist meins.“
„War deins“, korrigierte er. „Jetzt gehört es
mir.“
Leon machte einen Schritt nach vorn, doch
Clara hielt ihn zurück. Ihre Finger krallten sich
in seinen Arm – nicht aus Angst, sondern aus
Entschlossenheit.
„Was willst du?“ fragte sie.
Der Mann trat so nah, dass sie seinen Atem
spüren konnte. „Dich. Ohne ihn. Ohne
Vergangenheit. Ohne Flucht.“
Clara spürte, wie Leon hinter ihr die Luft scharf
einzog. Seine Hand berührte ihren Rücken –
ein leiser, schützender Kontakt, der ihr Kraft
gab.
Sie hob das Kinn. „Ich werde nie wieder mit dir
gehen.“
Der Mann lächelte. „Dann werde ich euch
beide zerstören.“
Ein weiterer Blitz erhellte den Raum – und in
diesem Moment hörten sie unten im Haus
eine Tür zuschlagen. Laut. Gewaltig.
Leon flüsterte: „Wir sind nicht allein.“
Der Mann lächelte breiter. „Natürlich nicht. Ich
habe jemanden mitgebracht.“
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Clara spürte, wie ihr Herz raste. Der
Dachboden schien sich zu verengen, die Luft
wurde schwerer, dichter. Leon stellte sich
wieder schützend an ihre Seite, seine Hand an
ihrer Taille, warm, fest, ein stilles Versprechen.
„Clara“, sagte der Mann leise. „Es beginnt
jetzt.“
Der Mann trat einen Schritt aus dem Schatten,
und Clara spürte, wie sich die Luft im
Dachboden veränderte. Schwerer. Dicker. Als
würde der Raum selbst den Atem anhalten.
Leon stellte sich wieder ein Stück vor sie, sein
Körper angespannt, bereit, jeden Moment zu
reagieren. Doch seine Hand blieb an Claras
Rücken – ein stiller Kontakt, der ihr Mut gab.
„Wen hast du mitgebracht?“ fragte Leon, seine
Stimme tief und gefährlich ruhig.
Der Mann lächelte. „Jemand, der Clara sehr
gut kennt.“
Unten im Haus knarrte eine weitere Tür.
Schritte. Langsam. Bedacht. Nicht hastig –
selbstbewusst. Als würde derjenige genau
wissen, dass sie ihn hören konnten.
Claras Herz schlug schneller. „Wer ist da
unten?“
Der Mann neigte den Kopf. „Jemand, der dir
helfen wollte. Jemand, der dachte, er könnte
dich retten.“
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Clara spürte, wie ihr die Kehle trocken wurde.
„Was hast du getan?“
„Nichts“, sagte er. „Noch nicht.“
Leon machte einen Schritt nach vorn. „Wenn
du ihm etwas angetan hast—“
„Oh, Leon.“ Der Mann lachte leise. „Du glaubst
immer noch, du wärst der Einzige, der sie
beschützen kann.“
Clara spürte, wie Leon sich anspannte. Seine
Wut war wie ein Feuer, das sie fast körperlich
spüren konnte. Sie legte ihre Hand auf seinen
Arm, ein kurzer Druck, der ihn zurückhielt.
„Sag uns, wer unten ist“, sagte sie.
Der Mann trat näher. So nah, dass Clara die
Kälte spüren konnte, die von ihm ausging.
„Jemand, der dir sehr nahestand. Jemand, der
dich verraten hat.“
Clara schüttelte den Kopf. „Ich habe
niemanden—“
Doch dann hörte sie eine Stimme.
„Clara?“
Eine Stimme, die sie seit Jahren nicht mehr
gehört hatte.
Eine Stimme, die sie nie wieder hören wollte.
Claras Blut gefror.
Leon flüsterte: „Wer ist das?“
Clara brauchte einen Moment, um Luft zu
holen. „Das ist… mein Bruder.“
Leon fuhr herum. „Dein Bruder ist tot.“
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Clara schloss die Augen. „Ich dachte es.“
Der Mann lächelte breit. „Er hat nie aufgehört,
nach dir zu suchen. Und jetzt… hat er dich
gefunden.“
Die Schritte kamen näher. Langsam. Schwer.
Und dann erschien eine Gestalt am oberen
Ende der Treppe.
Clara wich unwillkürlich zurück, bis sie Leons
Brust spürte. Seine Hände legten sich an ihre
Schultern, fest, schützend.
Der Mann im Treppenaufgang trat ins Licht.
Claras Bruder.
Blass. Abgemagert. Die Augen dunkel, leer und
doch voller etwas, das Clara nicht einordnen
konnte.
„Hallo, Schwester“, sagte er.
Clara fühlte, wie ihr die Knie nachgaben. Leon
fing sie sofort auf, seine Arme um sie gelegt,
warm, stark, ein Anker inmitten des Chaos.
„Das… das kann nicht sein“, flüsterte sie.
Ihr Bruder lächelte. „Doch, Clara. Ich bin
zurück. Und du wirst mit uns kommen.“
Leon stellte sich vor sie, sein Körper wie ein
Schild. „Über meine Leiche.“
Der Mann im Schatten lachte leise. „Das lässt
sich einrichten.“
Ein weiterer Blitz erhellte den Dachboden –
und in diesem Moment sprang Claras Bruder
vor.
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Claras Bruder sprang vor, schneller, als sie es
je von ihm gekannt hatte. Leon reagierte
instinktiv – er riss Clara zur Seite, sein Arm fest
um ihre Taille, während der Körper ihres
Bruders nur knapp an ihnen vorbeischoss und
gegen einen alten Schrank prallte.
Das Holz splitterte. Der Dachboden erzitterte.
Clara keuchte, ihr Herz raste. Leon hielt sie
noch immer, sein Atem warm an ihrem Hals,
seine Stimme ein raues Flüstern. „Bist du
verletzt?“
Sie schüttelte den Kopf, unfähig zu sprechen.
Seine Nähe war ein Anker – und gleichzeitig
ein Feuer, das sie kaum kontrollieren konnte.
Ihr Bruder richtete sich langsam auf. Sein Blick
war leer, aber etwas darin flackerte – Schmerz,
Wahnsinn, Erinnerung. „Clara… du hättest
mich nicht allein lassen dürfen.“
Clara trat einen Schritt vor, obwohl Leon sie
zurückhalten wollte. „Ich habe dich nicht
verlassen. Du bist verschwunden. Du hast uns
alle zurückgelassen.“
„Weil er es wollte!“ Ihr Bruder zeigte auf den
