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Für Dr. Norden ist kein Mensch nur ein 'Fall', er sieht immer den ganzen Menschen in seinem Patienten. Er gibt nicht auf, wenn er auf schwierige Fälle stößt, bei denen kein sichtbarer Erfolg der Heilung zu erkennen ist. Immer an seiner Seite ist seine Frau Fee, selbst eine großartige Ärztin, die ihn mit feinem, häufig detektivischem Spürsinn unterstützt. Dr. Norden ist die erfolgreichste Arztromanserie Deutschlands, und das schon seit Jahrzehnten. Mehr als 1.000 Romane wurden bereits geschrieben. Die Serie von Patricia Vandenberg befindet sich inzwischen in der zweiten Autoren- und auch Arztgeneration. Es war Carola Heidebrink nicht an der Wiege gesungen worden, welche Höhen und Tiefen ihr Leben einmal haben würde. Sie war, wie man sagte, in eine goldene Wiege gelegt worden, hatte eine glückliche Kindheit und Jugend, liebevolle Eltern, und war auch mit äußeren Vorzügen ausgestattet, die sie zu einer umschwärmten jungen Dame machten. Aber sie hatte immer Sinn für Realitäten, wie es ihr vom Vater anerzogen worden war, und das sollte ihr letztlich immer von Nutzen sein. Sie war neunzehn Jahre alt, als ihre Eltern auf tragische Weise ums Leben kamen. Ein Sportflugzeug war auf ihr Haus gestürzt und in Flammen aufgegangen. Zum ersten Mal traf Carola ein solcher Schicksalsschlag. Sie war zu dieser Zeit zu Besuch bei ihren Großeltern in Bamberg gewesen. Als einziges Kind erbte sie ein beträchtliches Vermögen, aber wie hätte ihr das den Verlust der geliebten Eltern ersetzen können! In dieser für sie so unendlich traurigen Zeit lernte sie Jochen Heidebrink kennen, einen jungen Rechtsanwalt, der es verstand, ihr die Freude am Leben zurückzugeben. Sie heirateten bald, und ein Jahr später wurde der Sohn Lutz geboren. Dank Carolas Vermögen hatten sie keine Geldsorgen, denn viel verdiente Jochen noch nicht, bis er Sozius seines schon bejahrten Chefs wurde. Sie kauften ein hübsches Haus am westlichen Stadtrand von München, für das dann aber ein Großteil von Carolas Erbe angelegt wurde. Sie waren glücklich und zufrieden, drei Jahre später wurde Anemone geboren und wieder zwei Jahre später Jasmin. Für Carola war das Leben wieder hell und fröhlich. Sie waren fünfzehn Jahre verheiratet, als der nächste Schicksalsschlag Carola traf, denn Jochen verunglückte bei einem schweren Verkehrsunfall tödlich. Für sie stürzte die Welt zusammen. Lutz war noch nicht ganz vierzehn, Anemone elf und Jasmin neun Jahre. Aber die Kinder brauchten sie, und sie brauchte auch die Kinder, um sich wieder aufzuraffen. Die Lebensversicherung, die Jochen abgeschlossen hatte, war nicht gerade hoch, die Rente auch nicht, da er ja nur knapp vierzig Jahre alt geworden war, und da die Kinder sie auch brauchten, konnte sie keine Stellung annehmen, um zum Lebensunterhalt beizutragen. Wer hätte denn auch eine Frau mit drei Kindern, die keine Berufserfahrung hatte, eine Stellung gegeben?
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Seitenzahl: 121
Veröffentlichungsjahr: 2021
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Es war Carola Heidebrink nicht an der Wiege gesungen worden, welche Höhen und Tiefen ihr Leben einmal haben würde. Sie war, wie man sagte, in eine goldene Wiege gelegt worden, hatte eine glückliche Kindheit und Jugend, liebevolle Eltern, und war auch mit äußeren Vorzügen ausgestattet, die sie zu einer umschwärmten jungen Dame machten. Aber sie hatte immer Sinn für Realitäten, wie es ihr vom Vater anerzogen worden war, und das sollte ihr letztlich immer von Nutzen sein.
Sie war neunzehn Jahre alt, als ihre Eltern auf tragische Weise ums Leben kamen. Ein Sportflugzeug war auf ihr Haus gestürzt und in Flammen aufgegangen. Zum ersten Mal traf Carola ein solcher Schicksalsschlag. Sie war zu dieser Zeit zu Besuch bei ihren Großeltern in Bamberg gewesen. Als einziges Kind erbte sie ein beträchtliches Vermögen, aber wie hätte ihr das den Verlust der geliebten Eltern ersetzen können! In dieser für sie so unendlich traurigen Zeit lernte sie Jochen Heidebrink kennen, einen jungen Rechtsanwalt, der es verstand, ihr die Freude am Leben zurückzugeben. Sie heirateten bald, und ein Jahr später wurde der Sohn Lutz geboren. Dank Carolas Vermögen hatten sie keine Geldsorgen, denn viel verdiente Jochen noch nicht, bis er Sozius seines schon bejahrten Chefs wurde.
Sie kauften ein hübsches Haus am westlichen Stadtrand von München, für das dann aber ein Großteil von Carolas Erbe angelegt wurde. Sie waren glücklich und zufrieden, drei Jahre später wurde Anemone geboren und wieder zwei Jahre später Jasmin. Für Carola war das Leben wieder hell und fröhlich. Sie waren fünfzehn Jahre verheiratet, als der nächste Schicksalsschlag Carola traf, denn Jochen verunglückte bei einem schweren Verkehrsunfall tödlich.
Für sie stürzte die Welt zusammen. Lutz war noch nicht ganz vierzehn, Anemone elf und Jasmin neun Jahre.
Aber die Kinder brauchten sie, und sie brauchte auch die Kinder, um sich wieder aufzuraffen. Die Lebensversicherung, die Jochen abgeschlossen hatte, war nicht gerade hoch, die Rente auch nicht, da er ja nur knapp vierzig Jahre alt geworden war, und da die Kinder sie auch brauchten, konnte sie keine Stellung annehmen, um zum Lebensunterhalt beizutragen. Wer hätte denn auch eine Frau mit drei Kindern, die keine Berufserfahrung hatte, eine Stellung gegeben?
Aber nachdem sich Carola gefangen hatte, machte sie das Bestmöglichste aus ihrer Situation. Sie kratzte alles Geld zusammen und übernahm ein Kindermodengeschäft, dessen Besitzerin aus familiären Gründen von München wegzog. Dadurch kam sie auch preiswerter zur Kleidung für ihre Kinder, und sie konnte sich auch über Zulauf nicht beklagen. Ihr natürliches und liebenswürdiges Wesen und ihre mütterliche Ausstrahlung waren ihr Erfolg.
Jochens Kanzlei wurde von seinem Sozius Dr. Jonas Hamann übernommen, und von ihm bekam Carola auch einen Zuschuß für die Kinder, die er so gern hatte und die ihn auch mochten.
Jonas Hamann war verheiratet, hatte aber keine Kinder. Erst mit der Zeit erfuhr Carola, daß diese Ehe ein Drama war, denn Ilse Hamann litt an Knochenkrebs und mußte lange leiden, bis sie dann im Alter von vierzig Jahren starb.
Leid läßt sich gemeinsam besser ertragen, und dadurch entstand eine enge Freundschaft zwischen Jonas Hamann und Carola Heidebrink. Zu einer Heirat hatte sich Carola aber nicht entschließen können, obwohl Jonas sie von Herzen wünschte. Erst sollten die Kinder auf eigenen Füßen stehen können, das war Carolas Wille.
Lutz studierte Jura und brauchte noch zwei Semester, wenn er auch sehr fleißig und zielstrebig war. Anemone hatte die Meisterschule für Mode besucht, und sie wollte auch eigene Modelle für Kinderkleidung auf den Markt bringen. Für Carola war das Geschäft ein Jungbrunnen, meinte sie, und zu Hause würde sie sich jetzt nur langweilen. Später können sie es ja immer noch übernehmen, wenn sie nicht den Erfolg hätte, den sie sich versprach. Doch Carola war überzeugt, daß sie Erfolg haben würde.
Jasmin dagegen war verspielt. Sie hatte die Schule mit Mittlerer Reife verlassen und nicht recht gewußt, welchen Beruf sie ergreifen sollte. Fotomodell, ja, das hätte sie gereizt, aber sie war klein und zierlich, und auch als Stewardeß war sie nicht geeignet. Sie besuchte die Handelsschule, wenn auch lustlos, aber diesbezüglich war Carola streng, denn aus eigener Erfahrung wußte sie, daß man eine Berufsausbildung brauchte.
Jasmin hatte zwar ihren eigenen Kopf, aber sie fügte sich und bekam dann sogar recht gute Zeugnisse.
So verlief Carolas Leben wieder in recht ruhigen und zufriedenstellenden Bahnen, wenn es in ihrem Geschäft in der Vorweihnachtszeit auch recht turbulent zuging. Sie hatte jetzt auch durchgehend geöffnet und beschäftigte eine Aushilfe. Jasmin sprang auch manchmal ein.
An diesem kalten Dezembertag kam sie mittags ins Geschäft gewirbelt, als Carola gerade eine kleine Pause einlegen wollte.
»Zwei Neuigkeiten gibt es, Mami«, platzte sie gleich heraus. »Stell dir vor, ich kann bei einem Film mitspielen. Morgen muß ich zu Probeaufnahmen.«
»Wieso denn das?« fragte Carola verblüfft.
»Felicias Vater ist doch Filmregisseur, und er hat mich auf einem Foto gesehen, und heute hat mich Felicia ihm vorgestellt.«
»Und wer bitte ist Felicia?«
»Die Neue in der Sprachschule.«
Jasmin besuchte diese seit zwei Monaten. Aber Carola konnte sich nicht erinnern, schon mal von einer Felicia gehört zu haben.
Jetzt wurde die Unterhaltung durch das Läuten des Telefons unterbrochen.
Carola meldete sich. »Frau Dr. Norden, gut daß Sie anrufen! Ich bin noch nicht dazu gekommen, aber die Sendung ist da. Am besten wäre es, wenn Sie gleich am frühen Nachmittag kommen würden. Selbstverständlich mache ich das. Auf Wiedersehen.«
»Sie ist anscheinend eine gute Kundin«, meinte Jasmin.
»Meine beste, aber bei fünf Kindern braucht man auch allerhand. Und Frau Norden ist wirklich froh, wenn sie nicht in die Stadt fahren muß.«
»Für dich ist es gut, daß du das Geschäft hast, Mami, da triffst du nette Leute.«
»Alle sind nicht nett, Lütte. Also, du willst Filmstar werden.«
»Nicht gleich ein Star, Mami, aber vielleicht haut es hin. Talent habe ich ja, wie du selber oft gesagt hast.«
»Aber gedacht habe ich nie daran. Bekomm bloß keinen Höhenflug. Und was ist die zweite Neuigkeit?«
»Felicia hat mich zu einer Party eingeladen. Sie findet schon am Samstag statt, auf Schloß Traven. Ist das nicht toll?«
Nun kam wieder Kundschaft. »Wir reden heute abend weiter, Jasmin. Machst du bitte die Besorgungen? Den Einkaufszettel habe ich schon auf den Küchentisch gelegt.«
»Wird gemacht, Mami, bis dann.«
Liebe Güte, ist sie gutgelaunt, dachte Carola, denn das war nicht immer so. Aber sie wandte sich nun der Kundschaft zu, und da konnte sie wieder ein gutes Geschäft machen.
*
Daniel Norden war mit Verspätung zum Essen gekommen. Es war Grippezeit, und dann gab es auch schon verdorbene Magen von zu frisch genossenem Weihnachtsgebäck. Er wußte schon aus Erfahrung, wann das losging.
Er sagte es auch seinen Kindern zur Warnung, denn sie hielten sich jetzt auch doppelt gern in der Küche auf, wenn Lenni beim Backen war. Fee hielt sich da raus, denn gegen Lennis Backkünste hatte sie keine Chance. Aber die Vorbereitungen und die Vorfreude aufs Fest waren herrlich, wenn der köstliche Duft durchs Haus zog.
Als Fee ihre Stiefel anzog, waren die Kinder schon wieder bei Lenni in der Küche angekommen, um zu fragen, was denn heute gebacken würde.
»Hast du was vor, Fee?« fragte Daniel, als sie ihre Handtasche holte.
»Ich bin mit Frau Heidebrink verabredet. Sie hat Verschiedenes für die Kinder besorgt.«
»Erinnere sie mal daran, daß ihre Vorsorgeuntersuchung fällig ist«, sagte er. »Sie nimmt auf sich zu wenig Rücksicht.«
»Sie macht einen ganz gesunden Eindruck…«
»Sie ist fünfundvierzig.«
»Sie ist doch jetzt im Streß, Daniel. Wie sieht das aus, wenn ich sie ermahne, in die Praxis zu kommen.«
»Ich meine ja nur. Sie hatte vor ein paar Wochen schon mal Beschwerden. Sie ist eine so tüchtige und liebe Frau.«
»Ich werde ihr sagen, daß du dich eingehend nach ihr erkundigt hast«, sagte Fee.
»Tu das, mein Schatz, dann bis heute abend.«
Die Kinder kamen angelaufen. Sie mußten ja dem Papi auf Wiedersehen sagen.
»Du gehst auch fort, Mami?« fragte Anneka vorwurfsvoll.
»Ich muß ein paar Besorgungen machen.«
»Nikolaus holen?« fragte Jan treuherzig.
»Sind doch brav«, plapperte Désirée gleich hinterher.
»Aber er kommt bald«, sagte Danny warnend, »dann werdet ihr gucken.«
»Nich’ Angst hab’«, erklärte Jan, und schon lief er wieder zur Küche.
»Auch nich’«, schloß sich sein Schwesterchen an und folgte ihm.
»Sie sind zu niedlich«, sagte Anneka zärtlich. »Heuer erleben sie Weihnachten doch zum ersten Mal richtig. Darauf freue ich mich am meisten.«
Ihr konnte man das glauben. Anneka war so selbstlos, sie hätte den Zwillingen alles gegeben. Die Buben waren doch ein bißchen anders, wenngleich sie die Kleinen auch liebten.
Es war gut, daß Fee so früh bei Carola war, denn der Betrieb ging erst richtig los, wenn alle Geschäfte, die die Mittagszeit einhielten, wieder geöffnet hatten. Fee konnte in Ruhe aussuchen. Sie kannte sich aus. Carola brauchte sich um sie nicht zu kümmern und konnte die anderen beiden Kundinnen abfertigen.
Schwer fiel Fee die Wahl dennoch, denn die Sachen waren durchweg entzückend. Bei den Buben mußte sie mehr auf das Praktische bedacht sein, aber Anneka und die Kleinen konnten so richtig hübsch angezogen werden. Bei ihr dauerte es nicht lange, bis sie alles ausgesucht hatte, was gebraucht wurde. Es kam wieder eine ganz beachtliche Rechnung zusammen. Da waren sie zum Glück ein paar Minuten allein, denn man war etwas neugierig, was die Arztfrau wohl für ihre Kinder ausgeben mochte.
»Wenn Sie die Sachen, die zu klein geworden sind, verkaufen wollen, ich wüßte jemanden«, sagte Carola.
»Ich wollte Sie gerade fragen, wem man zum Fest damit eine Freude machen könnte«, entgegnete Fee.
»Da gibt es mehrere, die sich narrisch freuen würden. Ich kann Ihnen ein paar Adressen geben. Manchmal holen sie Sonderangebote, wenn sie recht billig sind, und da helfe ich dann auch ein bißchen nach, weil sie immer so betrübt auf die hübschen Sachen schauen. Aber ich muß ja auch ziemlich teuer einkaufen.«
»Gegen Ihre Preise ist nichts zu sagen, Frau Heidebrink. Übrigens hat sich mein Mann eingehend nach Ihnen erkundigt.«
»Das ist nett. Mein Gewissen rührt mich, ich muß zur Kontrolluntersuchung.«
»Schieben Sie es nicht zu lange vor sich her«, sagte Fee, »aber ich weiß ja, wie das ist, wenn man so im Streß ist.«
»Bis nach Weihnachten muß es jetzt noch Zeit haben«, sagte Carola. »Es geht mir gut, ich habe nur müde Beine, wenn der Tag zu Ende geht.«
»Das kann ich mir gut vorstellen. Kann Jasmin nicht ein bißchen helfen?«
»Ab und zu schon, aber auf der Sprachenschule sind sie streng. Sie hat es jetzt wenigstens begriffen, daß man sich auf die Hosen setzen muß, wenn man etwas werden will. Aber anscheinend hat man ihr wieder einen Spleen in den Kopf gesetzt.«
»Inwiefern?« fragte Fee.
»Sie hat morgen Probeaufnahmen für einen Film, das hat sie mir vorhin verkündet.«
»Hat sie sich beworben?« fragte Fee erstaunt.
»Nein, man ist an sie herangetreten.«
»Sie ist ja auch ein sehr apartes Mädchen«, sagte Fee. »Sie haben sehr nette Kinder, Frau Heidebrink, und die können stolz auf ihre Mutter sein.«
»Ich hoffe, daß es auch weiterhin gutgeht. Danke für den Einkauf, Frau Norden, und wenn etwas zum Umtauschen wäre, Sie wissen ja, daß Sie jederzeit kommen können.«
»Umzutauschen brauche ich nichts, aber brauchen werde ich wohl laufend was, so, wie die Trabanten wachsen.«
»Ich kann Sie nur immer wieder bewundern.«
»Sie verdienen mehr Bewunderung. Drei Kinder allein zu erziehen, das ist schon eine riesige Aufgabe.«
»Aber es ging gut.« Carola lächelte.
Und wie bezaubernd diese Fee Norden immer noch ist, dachte Carola. Fee dagegen dachte, welch attraktive Frau Carola immer noch sei, und warum sie wohl nicht wieder geheiratet hätte. Bestimmt hätte sie doch wieder einen netten Mann finden können.
Jonas Hamann dachte an diesem Tag auch wieder ganz intensiv, daß es nun wirklich an der Zeit wäre, diese Beziehung zu legalisieren. Er liebte Carola, er konnte ihr auch ein sorgenfreies Leben bieten. Er mochte es nicht, daß sie sich im Geschäft abrackerte. Sie hatte für ihre Kinder genug gearbeitet und für sie vorgesorgt. Wann hatte sie schon mal an sich gedacht, und wenn er das sagte, hatte sie nur gelächelt. Sie sei nicht die einzige Mutter, die so denke und handele, hatte sie gesagt.
Jonas griff zum Telefon. Er wählte Carolas Nummer. Sie meldete sich atemlos.
»Ich habe schrecklich viel zu tun, Jon«, sagte sie hastig. »Ruf doch am Abend zu Hause an.«
»Ich werde kommen. Ich muß mit dir sprechen«, erwiderte er.
»Okay, dann komm zum Essen.«
»Nein, wir werden essen gehen. Kein Widerspruch.«
Es war halb sechs Uhr, und es waren noch fünf Kundinnen im Geschäft, die lange herumsuchten und sich nicht entscheiden konnten.
Ein paar Kinder tobten dazwischen herum, und Carola war tatsächlich geschafft, obgleich sie äußerlich ruhig wirkte. Es wurde halb sieben Uhr, bis sie alles zusammengeräumt hatte. Am nächsten Tag würde Frau Wiesner kommen, ihre Aushilfe, dann konnten sie richtig Ordnung machen. Aber der Gedanke, mit Jonas noch Essen gehen zu sollen, entrang ihr einen tiefen Seufzer. Sie wollte ihn aber nicht vor den Kopf stoßen. Er meinte es gut, und es bedeutete ihr auch wirklich viel.
Na gut, das werde ich auch noch überstehen, dachte sie.
*
Jasmin hatte die Besorgungen gemacht und alles auf den Küchentisch gestellt, was nicht in den Kühlschrank gehörte. Dabei lag ein Zettel.
Bin mit Jens ins Kino gegangen, Mami. Ich habe mir zehn Euro von Dir geliehen. Du bekommst es zurück von meinem ersten Honorar. Ruhe Dich aus, Jasmin.
Na also, dann brauche ich mich nicht ums Abendessen zu kümmern, dachte Carola und ging gleich unter die Dusche.
Sie war mit dem Ankleiden immer noch nicht fertig, als Jonas kam. »Laß dir nur Zeit«, sagte er, nachdem er ihr einen Kuß auf die Wange gedrückt hatte. »Wie es aussieht, ist niemand sonst zu Hause.«
»Anemone ist auswärts bis Freitag, Lutz ist im Konzert und Jasmin ist mit ihrem Freund ins Kino gegangen.«
»Ist es noch Jens?«
»Sie hat noch keinen andern. Ein netter Junge.«
Sie kleidete sich dabei an. Jonas hatte in einem Journal geblättert.
»Wann bist du aus dem Geschäft gekommen, Carola?« fragte er.
»Wie immer.«
»Also kurz vor sieben.«
»Halb sieben.«
»Das muß anders werden.«
»Ich mache derzeit ein sehr gutes Geschäft.«
»Und Weihnachten liegst du auf der Nase.«
»Habe ich Weihnachten schon mal auf der Nase gelegen?«
Er seufzte in sich hinein. »Dir ist nicht beizukommen, aber du kannst nicht mehr so weitermachen.«
»Wer sagt denn das?«
»Ich«, erwiderte er lakonisch. »Gehen wir?«
»Damit du Ruhe gibst«, erwiderte sie lächelnd.
*
