Wenn morgen mein letzter Tag wär - Ulrike Scheuermann - E-Book
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Wenn morgen mein letzter Tag wär E-Book

Ulrike Scheuermann

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Beschreibung

Was für ein Glück, dass wir nicht unsterblich sind ... … denn das würde uns erst recht dazu verleiten, viel zu viele Stunden, Tage, Jahre zu vergeuden. Über den Tod nachzudenken, hilft uns beim Leben. Denn erst die Begrenztheit macht das Leben wertvoll. Wir tun nicht mehr alles – sondern das, was für uns wirklich zählt. Und das ist der Schlüssel zu einem wirklich erfüllten Leben. Die erfahrene Psychologin Ulrike Scheuermann inspiriert mit sieben existenziellen Perspektivenwechseln zu einem Weg, der in die Tiefe und direkt zum Wesentlichen führt. Überarbeitete Neuausgabe des Titels "Das Leben wartet nicht".

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Seitenzahl: 244

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Ulrike Scheuermann

Wenn morgen mein letzter Tag wär

So finden Sie heraus, was im Leben wirklich zählt

Knaur e-books

Inhaltsübersicht

Ein Tabu brichtWenn morgen mein letzter Tag wärEndlich endlich!Das TabuWie Sie mit diesem Buch Ihr Leben verändern könnenEmpfehlungen zum Lesen1.  Der Fluss – Überblick gewinnenIm Mai 2007 machen [...]Aus dem Alltag heraustretenDie Kerbe setzenStell dir vor …Inneres Bild findenDen Fluss malenErweitern und beschriftenSätze formulierenResümee ziehenVerstehenEmpfehlungen zum Sehen und Lesen2.  Die Ozeanfahrt – Werte gewichtenSamstagmorgen: Sie haben gerade [...]Sätze vervollständigenStell dir vor …Aus der Werteliste wählenSieben wichtige Werte auswählenWerte beschreibenDie wichtigsten drei Werte findenWerte in den Alltag mitnehmenVerstehenEmpfehlungen zum Sehen, Hören und Lesen3.  Die Frist – Den Fokus findenAlle paar Monate strahlt [...]Zukunftswünsche aufschreibenWünsche auswertenStell dir vor …Erste Ideen schreibdenkenDie sieben Monate planenReduzierenAuf den Kern fokussierenVorausblickenVerstehenEmpfehlungen zum Sehen, Lesen und Hören4.  Die letzte Vorlesung – Weisheit entdeckenNach einem Jahr Krebstherapie [...]Stell dir vor …Einen Zuhörer kennenlernenLebenserkenntnisse sammelnFünf Darstellungsideen auswählenErkenntnisse in den Alltag übertragenVeröffentlichenVerstehenEmpfehlungen zum Sehen, Hören und Lesen5.  Die menschlichen Spuren – Selbstbewusstsein entwickelnVor vielen Jahren unterhielt [...]Eine Person mit deutlichen Spuren findenDie Spur der Person wahrnehmenStell dir vor …In Gedanken weit weg reisenEin Storyboard skizzierenDen Film vorführenDie stärkste Spur erkennenSpuren mit der Lebenszeit verknüpfenVerstehenEmpfehlungen zum Lesen6.  Die drei Briefe – Beziehungen heilen»Ken ist der liebevollste [...]Eine Beziehungslandschaft entwerfenStell dir vor …Die Briefempfänger auswählenJeden Brief gestaltenDie drei Briefe schreibenDie Absicht erkennenBeziehungsveränderungen wahrnehmenDie Form des Absendens planenVerstehenEmpfehlungen zum Lesen7.  Der Eintrag im Tagebuch – Liebe geben»Glücklich bin ich vor [...]Den wichtigsten Menschen skizzierenStell dir vor …Sich in jemanden hineinversetzenEinen Tagebucheintrag schreibenMöglichkeiten des Gebens erkundenUmsetzen, prüfen, fragenVerstehenEmpfehlungen zum Lesen, Sehen und HörenWollen und LassenImmer weiter wollenDie andere SeiteZwei letzte Empfehlungen zum Sehen und LesenDankBücher, Filme, Links und weitere Empfehlungen
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Ein Tabu bricht

Eines Tages werden Sie sterben. Jederzeit, auch schon heute früh, kann der letzte Tag Ihres Lebens beginnen. Das ist eine schlichte Tatsache, die Sie im Alltag aber meistens verdrängen. Dabei hilft es sehr beim Leben, sich zumindest hin und wieder intensiv mit dessen Begrenztheit auseinanderzusetzen. Mit diesem Buch will ich Sie genau dazu ermutigen.

 

Seit der ersten Auflage des Buches, das damals noch Das Leben wartet nicht hieß, hat sich viel getan. Dass es nun einen neuen Titel trägt – Wenn morgen mein letzter Tag wär – spiegelt den schrittweisen Bruch eines Tabus wider: Immer gesellschaftsfähiger wird es, laut nachzudenken über eine Gewissheit, die jeden betrifft und dennoch so schwer zu akzeptieren ist: die tägliche Möglichkeit zu sterben. Die ernsthafte Auseinandersetzung mit Tod und Sterben ist natürlich immer schwierig. Aber es lohnt sich, sich dem zu stellen! Denn dann verliert die Unausweichlichkeit des Todes ihren Schrecken, und wir erfahren eine der wichtigsten, tiefsten Lebensrealitäten. Der tägliche Nutzen davon: Wir können viel leichter entscheiden, was uns wirklich wichtig ist.

 

Dass sich in unserer Gesellschaft hier etwas bewegt, können Sie auch an dem ablesen, was die Medien als Spiegel gesellschaftlicher Strömungen in den letzten Jahren dazu publizieren: Die Heftreihe SPIEGEL WISSEN etwa titelte im April 2012: »Abschied nehmen: Vom Umgang mit dem Sterben«. Das Wissensmagazin GEO WISSEN warb im Mai 2013 mit dem Aufruf: »Zeit, um Abschied zu nehmen: von einem Tabu« und widmete sein Heft dem Thema »Vom guten Umgang mit dem Tod«.

Die Sterbebegleiterin Bronnie Ware stürmt mit ihrem Buch 5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen gerade die Sachbuch-Bestsellerlisten. Und auch die jährliche, groß angelegte ARD-Themenwoche beschäftigte sich 2012 unter dem Motto »Sie werden sterben. Lasst uns darüber reden« mit dem Thema »Leben mit dem Tod«. Eine Woche lang boten die öffentlich-rechtlichen Fernseh- und Hörfunksender sowie Internetseiten Reportagen, Interviews, Spielfilme, Talkshows und Videoclips für Erwachsene und Kinder an.

Die Woche war ein Riesenerfolg: Sie erzielte den höchsten Aufmerksamkeitswert aller ARD-Themenwochen der letzten sieben Jahre. Fast zwei Drittel aller Deutschen und deutschsprachigen Nachbarn über 14 Jahren haben etwas darüber gehört, gesehen oder gelesen. Vor allem über das Fernsehen erreichte die ARD rund 37 Millionen Menschen – mit 85 Prozent positiver Resonanz. Für eine Woche war die Decke über einem besonders hartnäckigen Tabu in unserer Gesellschaft gelüftet, und viele Menschen haben sich mutig gefragt, was ihre endliche Zeit für sie bedeuten soll.

 

In der nachfolgenden ARD-Themenwoche 2013 dreht sich übrigens alles um »Glück«. Ein starker Gegensatz? Gerade nicht. Viele denken zwar bei »Glück« erst einmal an die hellen Seiten: Freude, Verliebtheit, Begeisterung, Erfolg. Schönheit, Kraft und Stärke. Ich meine eine andere Art von Glück – eine, die die Kehrseiten einschließt: Schmerz, Wut, Angst, Neid, Verzweiflung. Mitleiden und das Ringen um Verstehen. Loslassen und Trauer. Auch wenn wir sie lieber nicht hätten, auch wenn viele Menschen ihr Leben lang versuchen, ihnen auszuweichen: Nicht die Zahl der Erfahrungen oder der Jahre lassen ein Leben wesentlich werden. Ein Leben aber, das aus der Tiefe und mit allen Seiten gelebt wird, ist erfüllt. Und dann ist es Glück. Diese umfassende, andere Art von Glück eben.

 

Auch ich suche das Glück. Für mich finde ich es beruflich in einer Haltung des Schaffens: Bücherschreiben, Vorträgehalten, Entwicklung begleiten; und ganz allgemein im Gefühl der Verbundenheit im Zusammensein mit meiner Familie, mit Freunden und anderen mir wichtigen Menschen, in der Natur. Für andere sind andere Dinge wesentlich: Für eine Lehrerin mag es der Moment sein, wenn sie die Begeisterung in den Augen ihrer Schüler aufblitzen sieht. Für einen Architekten das fertige Bauwerk. Für einen Vater die Gewissheit, seiner Tochter den Rücken stärken zu können.

 

Dieses Buch soll Sie daran erinnern, dass Ihr Leben endlich ist und dass jeder Tag zählt. Das macht Sie hellwach – und genau das wünsche ich Ihnen.

Ulrike Scheuermann

im Juli 2013

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Wenn morgen mein letzter Tag wär

»Das ist ja interessant. Worum geht es denn in Ihrem Buch?«

Das Büfett ist schon reichlich abgeräumt. Der Small Talk braust über den Köpfen der Kongressteilnehmer. Die Frau mir gegenüber stellt ihr Sektglas auf den leergegessenen Teller und klemmt eine graue Haarsträhne hinters Ohr.

»Ich zeige, wie man sich mehr auf das fokussieren kann, was im Leben wirklich zählt«, erkläre ich.

»Ach! Genau das Richtige für mich.« Sie schweift nicht mehr mit dem Blick über die Gesichter der Menschen und schaut mich endlich an. »Erzählen Sie mal mehr!«

»Dabei stellt man sich vor, man würde vom Ende seines Lebens zurückblicken. Im Angesicht des Todes erkennt man leichter, was einem wirklich wichtig im Leben ist.«

»Aha«, erwidert sie. Ihr Blick fällt nach unten und wandert durch den Saal, als suche er jemanden zum Festhalten, den er nicht findet. Sie möchte jetzt noch von dem Salat nehmen und bedeutet mir, dass sie gleich vom Büfett zurück sein wird. Sie bleibt beim Büfett.

Immer wieder erlebe ich diese Ambivalenz. Der aufstrahlende Blick, wenn ich davon erzähle, dass ich über »Das Wesentliche« schreibe. Die sich verschließenden Gesichtszüge, das Zurückweichen des Körpers, die versiegenden Worte, wenn ich einen Schritt weitergehe und das »Wie« erkläre. Zwei Wörter sind der Auslöser, selbst wenn ich sie umschreibe, aus Rücksichtnahme, ich will ja nicht brüskieren: »Sterben« und »Tod«.

Und doch: Öfter sind meine Gesprächspartner nicht ablehnend, sondern erleichtert, wenn ich erzähle, wie wichtig ich es finde, den Tod als sichere Grenze mitzudenken, um sich an seinen Lebenssinn zu erinnern. »Wie gut, dass ich mit Ihnen darüber sprechen kann, Sie klammern das Thema nicht aus«, sagte neulich eine Klientin in den Fünfzigern zu mir. Aber nicht nur ich persönlich erlebe Menschen mit dem Wunsch, sich dem Thema zuzuwenden. Auch im öffentlichen Interesse rückt das Thema nach vorn, wie im Vorwort beschrieben. So prangte zum Beispiel auf dem Titel des Stern die Frage: »Hat der Mensch wirklich eine Seele?« In dem Artikel dokumentiert der Wissenschaftsautor Stefan Klein, wie Menschen darüber nachdenken, wohin die Seele geht, wenn wir sterben. Zeitungsthemen ebenso wie Bestseller bilden gesellschaftliche Trends ab. Und so ist das Thema auch bei Büchern präsent: Der Journalist Georg Diez erzählt in Der Tod meiner Mutter sehr direkt vom Sterben – und landet damit in den Sachbuch-Bestsellerlisten, ebenso wie Christoph Schlingensief mit seinem Tagebuch einer Krebserkrankung.

Jeder Mensch stirbt am Ende seines Lebens. Ganz schlicht. Das gehört zu den normalsten Dingen der Welt, denn der Tod ist todsicher. »Wir müssen nichts, außer sterben«, sagt meine Schwiegeroma manchmal. Ob jung und zu früh, genau zur richtigen Zeit oder zu spät. Auch wenn das Thema Angst macht, aufwühlt und Schmerzen mit sich bringt: Reden, denken, lesen wir darüber! Sich in dieser Weise der Realität zu stellen heißt für mich, erwachsen und verantwortlich auf sein eigenes Leben zu blicken. Deshalb tue ich es in diesem Buch. Es geht mir dabei immer um den Blick auf Ihr Leben heute, in dem der Tod noch viele, viele Jahre entfernt sein mag. Nur der Blickwinkel ist anders gewählt als gewöhnlich, nur das Lebenszeitgefühl wird ein anderes.

»Wo soll mein eigener Weg sein, wenn ich doch jeden Weg gehen könnte? Ich brauche eine Bande«, sagte einmal ein Seminarteilnehmer in kleiner Runde. Der Gedanke an die eigene Endlichkeit kann so eine Bande sein. Und für manche ist er sogar eine existenzielle Notwendigkeit. So etwa für Gunnar, einen meiner Klienten. Gunnar redet schnell, lebt schnell und schafft viel. Zu viel, denn längst hat er Schlafstörungen. Er wird umgetrieben von seinen hohen Ansprüchen und ehrgeizigen Karriereplänen. Und morgens, lange vor dem Aufstehen, ist da auch diese Wolke in seinem Kopf. Die Gedanken wabern grau und schwerfällig dahin, diffuse Angst ist daruntergemischt, und Gunnar kann sich kaum rühren. Das dauert ungefähr anderthalb Stunden. Sobald er aufgestanden ist, funktioniert er wieder, und das Leben läuft. Denn mit Mitte vierzig ist Gunnar noch jung genug, um über seinen Körper zu entscheiden. »Ich und krank werden? Ich fühle mich kräftig, ich war immer gesund«, sagt er in einem Gespräch. Zugleich sieht er, dass er über seine Kräfte geht.

Doch das sei nicht der Grund, warum er sich von mir beraten lasse, erzählt er. Seine Frau sei der Grund. Sie spreche neuerdings von Trennung. Sie halte es nicht mehr aus, ihm zuzusehen, wie er sich zugrunde richte. Sie wolle mit ihrem Mann alt werden und nicht in zehn Jahren an seinem Grab stehen. Gunnar will seine Frau nicht verlieren. Er bekommt Angst. Und im Verlauf unserer Gespräche durchdringt er immer mehr die verschiedenen Schichten seiner Angst: Was liegt hinter der Angst, seine Frau zu verlieren? – Angst, einsam zu werden. Ja, und dahinter? – Angst vor der Leere. Gut, und was ist diese Leere? – Hm. Also reden wir über andere Themen, seinen Arbeitsstil und wie er seine Lebensbereiche mehr ausbalancieren könnte. Mit der Zeit werde ich unruhig, denn ich habe den Eindruck, wir treten auf der Stelle.

In einer unserer Stunden geht es um seine Zukunft. Da steht er abrupt auf und tritt ans Fenster. Stille, nur sein lautes Atemgeräusch. Als er wieder zu seinem Sessel zurückkehrt, sprechen wir lange über seine Gedanken an den Tod. »Wissen Sie, wie ich immer an das Lebensende gedacht habe? Dunkelheit, Abgrund und lauerndes Grauen. Alte, abgemagerte Leute in Krankenhausbetten. Doch nicht ich. Nur die anderen.«

Ich frage ihn: »Wie könnte, wie sollte denn Ihr eigener Tod aussehen?«

Und Gunnar begibt sich auf eine Gedankenreise – eine Übung, bei der man innere Bilder entstehen lässt. Er sieht sich auf Managerart mit einem Herzinfarkt einfach umkippen: keine Worte mehr, kein Abschied. Und damit ist endlich die Grenze da, die vorher gefehlt hat, und ich fühle mich irgendwie erleichtert. Gunnar erschrickt zwar erst, aber bald schaut er wieder dorthin, und seine Vorstellung macht einer ebenso konkreten wie schlichten Idee von Abschluss und Abschied Platz. »Ich sitze in meinem Bett und habe noch drei Tage Zeit, um mich von den wichtigsten Menschen zu verabschieden. Friedlich und ausgesöhnt bin ich da, und ich sehe fast ein wenig erwartungsvoll aus.«

Gunnar sieht jetzt eine Grenze, wo ihm vorher alles möglich schien, und das ist gut für ihn. Er wird langsamer, ruhiger, und die dumpfe Morgenangst lässt nach. Er redet mit seiner Frau über ihre gemeinsame Beziehung. Es geht nicht mehr um den nächsten Karriereschritt, jetzt gibt es Wichtigeres in seinem Leben. Dieser Prozess ging natürlich nicht geradlinig voran, und einfach war er schon gar nicht. Doch er zeigt auch, dass bei Gunnar funktioniert, was fast immer klappt, wenn eine diffuse Angst umherspukt: Sobald man den Mut aufbringt, der Angst ins Gesicht zu schauen, erhält der bedrohliche Schatten Konturen und schrumpft zu dem zusammen, was er ist: eine sichtbare Gestalt, der sich gegenübertreten lässt.

Stellen Sie sich einen Fluss vor, der in seinem Bett dahinströmt. Plötzlich gelangt das Wasser zu einer Staumauer. Und da wird aus dem Fluss ein weiter, tiefer, stiller See. Angesichts der Endlichkeit Ihres Lebens werden Sie ruhig und sehen das für Sie Richtige und Wichtige. Die Angst schrumpft wie bei Gunnar. Die Rennerei hört auf, die hohen Ansprüche flachen ab. Die eigenen Werte verändern sich. Der Lebenssinn wird klarer. Und all das strahlen Sie auch aus. So können Sie stark wirken und viel geben – eine der besten Voraussetzungen für echtes Glück.

Endlich endlich!

»I was blessed. I was told, I had only three months to live«, schreibt Eugene O’Kelly in seinem ersten und letzten Buch: Er empfindet die Aussicht auf seinen Tod als Geschenk. Er entwickelt sich in rasantem Tempo. Er setzt sich mit sich selbst, seinen Mitmenschen und dem Sinn seines Lebens vollkommen neu auseinander. Er findet zu einer Lebensintensität, die ihn in den letzten Monaten zutiefst beglückt. Er schreibt: »Ich fühlte mich, als lebte ich eine Woche an einem Tag, einen Monat in einer Woche, ein Jahr in einem Monat.« Kurz vor seinem Tod berichtet er von einem Tag, den er mit den Menschen verbracht hat, die er liebt: »Es war ein perfekter Tag. Ich fühlte mich vollkommen. Verbraucht, aber vollkommen.«

Wovon O’Kelly schreibt, das geht auch bei jedem von uns, und auf eine Krankheitsdiagnose muss nun wirklich niemand warten. Jeder kann den Endlichkeitsgedanken wie einen freundlichen »Erinnerer« mit sich tragen, an jedem Tag. Ich kenne diesen Erinnerer zum Beispiel, wenn mein Arbeitspensum überhandnimmt, was mir immer mal passiert. Dann setzt bei mir – wenn es gut geht – ein gesunder Mechanismus ein: Mir fällt wieder ein, dass ich kleiner Mensch irgendwann sterben könnte, vielleicht schon bald. Oder dass ich krank werden könnte. Dadurch fällt es mir leichter, abzulassen von meinen Arbeitsplänen. Dann wende ich mich nach innen, werde mitfühlender mit mir selbst, mache mehr Sport in der Natur, schlafe ein paar zusätzliche Stunden pro Nacht, verarbeite Erlebtes. Ich werde dankbar für das schlichte Dasein und demütig, wenn ich bedenke, was mich schicksalhaft treffen kann. Das klappt natürlich nicht immer, man kann so etwas schließlich nicht auf Kommando abrufen – aber ich versuche, mich wieder und wieder daran anzunähern. Denn wenn es mir gelingt, geht es mir gut. Ich nenne diesen Prozess »Erdung«. »Verlangsamung« oder »Loslassen« könnte man es auch nennen; und Achtsamkeit und Nachhaltigkeit entstehen daraus. Jeder kann seine eigene Form der Erdung finden. Rose Ausländer, eine meiner Lieblingsdichterinnen, schreibt: »Ich trage meine Urne / verläßliche Uhr / die meine Zeit / von Tag zu Tag / kürzt.«

Und dennoch: Kaum jemand wird alle Angst vor dem Tod loslassen können. Eine »Restangst« wird wohl bleiben und fordert dazu heraus, sie schlicht auszuhalten in einer persönlichen Meisterschaft. Wenn Ihnen das gelingt – der Angst standhalten, mit ihr leben, anstatt sie zu betäuben oder vor ihr davonzurennen –, können Sie vielleicht noch einen Schritt weiter gehen zu einer tieferen Erkenntnis: »Im letzten Grunde bin ich sicher. Es wird immer einen Weg geben. Mein Selbst ist unverletzlich.«

Vor ein paar Wochen hielt ich ein dickes Buch in den Händen. Darin geht es um nichts anderes als die Hinwendung zweier Liebender zueinander, die sich gewiss sind, bald durch den Tod getrennt zu werden. In dem Buch sind Briefe gesammelt: Liebesbriefe, Alltagsbriefe, Briefe zur Fortführung des Widerstands. Alle geschrieben und geschmuggelt in den fünf Monaten, in denen der Widerstandskämpfer Helmuth James von Moltke als Hochverräter angeklagt im Tegeler Gefängnis in Berlin einsaß, während seine Frau Freya in Freiheit für ihn, für ihre Familie und für andere Menschen weiterkämpfte. Die beiden schreiben sich in dem Wissen, dass Helmuth hingerichtet werden wird. Freya schreibt einmal: »Wenn man mit dem Tod im Angesicht lebt, dann kommt man tiefer und höher zugleich.« Und Helmuth äußert an anderer Stelle: »Ja, mein Herz, unser Leben ist zu Ende. Die volle Dankbarkeit für dieses Leben habe ich erst in diesem Jahr gelernt. Wie war es möglich, dass ich es nicht immer so wusste?«

Das Tabu

»Bei den Viktorianern durfte man nicht Unterhose sagen, heute darf man nicht Tod sagen«, lässt Ulli Olvedi ihre Protagonistin Nora in dem Roman Über den Rand der Welt äußern, der von der Vorbereitung einer Frau auf das Sterben handelt. Ja, es ist nicht gerade en vogue, über das Lebensende, über Sterben und Tod zu sprechen. Manche meinen sogar, das wäre ziemlich hart. Denn viele Menschen schauen immer noch weg wie Kinder, die sich die Augen zuhalten nach dem Motto: »Was ich nicht sehe, ist auch nicht da.« Und da beißt sich die Katze in den Schwanz: Gerade weil wir den Tod nicht anschauen, ist die Angst vor ihm so groß, und umso weniger trauen wir uns hinzuschauen.

Das Thema »Tod und Sterben« wird in unserer Kultur tabuisiert. Sogar in den Krankenhäusern wird gestorben, ohne dass jemand gewagt hätte, die Sterbenden auf ihren bevorstehenden Tod anzusprechen, und ohne dass die Sterbenden selbst es gewagt hätten. Vielleicht aus vermeintlicher Rücksicht auf die Angehörigen, vielleicht, weil sie nicht darin geübt sind, über das Thema zu sprechen, oder auch, weil das Thema komplett verdrängt wird. So funktionieren Tabus: Worüber nicht gesprochen wird, darüber denkt man nicht nach. So ist für viele Menschen der Weg verbaut, eine eigene Haltung zum Tod zu finden. Unvertrautes macht Angst. Dort hinten, auf das Lebensende zu, steht alles in trüben Schatten. Dann kann es sein, dass jemand erst im letzten Moment sein Sterben realisiert – was für ein Schock!

Aber es hilft ja nichts, über ein Tabu zu lamentieren, das nun mal da ist. Was jedoch hilft, ist Verstehen. Wer Hintergründe und Ursachen versteht, ist ihnen weniger ausgeliefert. Also noch einmal die Frage: Warum verdrängen so viele den Tod? Warum existiert dieses Tabu in unserer Gesellschaft überhaupt, obwohl es so viel Schaden anrichtet und so viele Möglichkeiten der Selbstentwicklung verhindert?

Die Begründung klingt ziemlich simpel: Zufällig leben wir zur richtigen Zeit am richtigen Ort, um den Tod besonders einfach verdrängen zu können. Ganz anders ist das in anderen Gegenden unserer Erde, ganz anders war das zu anderen Zeiten. Wer kann den Tod verdrängen, wenn dieser sich in jedem Babybett, an jedem ausgetrockneten Wasserloch, auf jedem Minenfeld in Erinnerung bringt? Der Tod war auch bei uns noch bis in die 1940er Jahre präsent. Meine Schwiegeroma, frisch verliebt und verheiratet, musste während des Zweiten Weltkriegs nur den Dorfvorsteher mit schweren Schritten zum Haus hinaufsteigen sehen, da wusste sie schon, es war wieder so weit, und sie drückte ihre kleine Tochter an sich. Bis er wegen ihres Mannes kam, war es nur noch eine Frage der Zeit. Die meisten Nachkriegsgeborenen in unserem Land dagegen haben seit sechzig Jahren nie etwas anderes kennengelernt als Frieden, Sattheit und Freiheit bei wachsendem Wohlstand und medizinischer Premiumversorgung.

Keine Frage: Die moderne Medizin vollbringt Großes und ist ein Segen für jeden, der dadurch ein weiteres glückliches Leben geschenkt bekommt. Und dennoch hilft sie kräftig mit, den Tod leichtherzig zu verdrängen. Denn sie suggeriert uns, wir könnten dem Tod immer wieder von der Schippe springen. Sie verlockt uns mit ihren Versprechen, jede Krankheit sei reparabel. Gleich, ob durch den Griff ins Ersatzteillager der Nieren, Lebern und Herzen oder ins homöopathische Kügelchenarsenal: Krankheit lässt sich beheben. Sterben? Das tun nur die anderen.

»Jetzt jeden Tag jünger werden«, lese ich auf dem Flyer einer bekannten Sportclub-Kette. So absurd ist der Satz gar nicht, wie er zunächst klingen mag. Wir bleiben nicht nur immer länger gesund, sondern auch immer länger faltenlos, fit und zeitlos wohlgeformt. Denn heute gibt es Botox und kosmetische Chirurgie, Training für jeden Muskel und ausgeklügelte Anti-Aging-Therapien. Damit können wir ein Jahrzehnt oder gar zwei – je nach Geldbeutel – herausschlagen. Aber mit den Mühen ums Jungbleiben schiebt sich eben nicht nur der Alterungsprozess um ein paar Jahre nach hinten, sondern auch die persönliche Entwicklung. Kürzlich stand ich vor dem Spiegel und sah, wie müde und erschöpft ich aussah. Ich spannte meine Augenpartie nur ein kleines bisschen in Richtung Schläfen. Sah besser aus. Könnte man da nicht …? Und mit dem Gedanken an kosmetische Tricks merkte ich sofort den Sog, der sich aufs Jungbleiben richtete. Ich versuche an solchen Tagen dagegenzuhalten: Falten hin oder her – ich werde Jahr für Jahr kräftiger, verstehe mehr, wachse innerlich. Ich will meine eigene Vergänglichkeit mitdenken, um weiter ganzheitlich zu wachsen. Wenn ich meinen Fokus aufs Jungbleiben richte, geht das nicht.

Das eigene Leben: ein Wimpernschlag in der Geschichte der Menschheit. Die Geschichte der Menschheit: ein Achselzucken in der Geschichte der Welt. Das Gefühl für die Kostbarkeit der kurzen Lebensspanne, die jedem von uns zur Verfügung steht, möchte ich Ihnen mit diesem Buch nahebringen, verbunden mit den Möglichkeiten, das Wesentliche in Ihrem Leben aufzuspüren. Denn ein Leben, das vom Wesentlichen aus geführt wird, ist erfüllt. Viele Jahre lang habe ich in Berliner Beratungsstellen Menschen in seelischen Krisen beraten, und seit langem arbeite ich mit Menschen, die herausfinden wollen, was für sie das Wesentliche ist. So habe ich einen pragmatischen Ansatz entwickelt, um sehr direkt zum Wesentlichen zu finden.

Wie Sie mit diesem Buch Ihr Leben verändern können

»O lerne denken mit dem Herzen, und lerne fühlen mit dem Geist«: Schon Theodor Fontane wusste um den Reichtum, der aus der Verknüpfung von Denken und Fühlen erwächst. Wenn Sie dieses Buch also gemächlich und mit Platz für schweifende Gedanken und aufkommende Gefühle lesen, so werden Sie umso mehr Gewinn daraus ziehen. Entwicklungen brauchen Zeit, und in diesem Buch begegnen Ihnen sieben umfangreiche Übungen, die einen Prozess des inneren Wachstums voranbringen. Diesen erfahrungsbasierten Ansatz habe ich für das Buch sehr bewusst gewählt: Praktische Erfahrungen durch didaktisch ausgeklügelte Übungen wirken wie ein Entwicklungskatalysator – neben dem rein gedanklichen Nachvollziehen beim Lesen. Geduldig sein, ausprobieren, erleben, verstehen und den eigenen Impulsen nachfühlen gehören dazu.

Sich nicht nur gedanklich, sondern auch mit Gefühlen neu auszurichten – das kann Ihnen mit Hilfe der verschiedenen Elemente dieses Buches gelingen. So tauchen Sie zum Beispiel in jedem Kapitel für einen emotionalen Zugang in eine fiktive Geschichte ein. Sie tauchen aber auch wieder auf und können mit einer Übung sich selbst befragen, nachdenken und nachspüren sowie in Ihrer Innenwelt nach Antworten suchen. Ich gebe Ihnen wenige Tipps und stelle dafür umso mehr Fragen. Das ist mir wichtig, denn wie könnte ich bei tiefergehenden Themen Rat geben, wenn ich Sie gar nicht persönlich kenne? Die Wahrheit liegt in jedem selbst verborgen, und Fragen sowie Übungen können sie in einem Buch am besten hervorlocken. Sie lesen zudem viele Beispiele von meinen Coaching-Klienten und Seminarteilnehmern. Und Sie finden Illustrationen von mir im ganzen Buch, die Ihnen die Idee des jeweiligen Kapitelthemas vermitteln und den Überblick über die Übungen erleichtern. Aber auch das Einlassen auf kulturelle Beiträge wie Romane, Spielfilme und Musik fördert die ganzheitliche Auseinandersetzung. All das soll dazu dienen, dass Sie später das Buch zuklappen und nicht trübe auf dem Sofa sitzen bleiben, sondern die Ärmel hochkrempeln und sieben Wochen oder sieben Monate später statt »Ja und?« lieber sagen: »Ja. Endlich!«

Der Aufbau jedes Kapitels ist fast immer gleich – damit Sie gut orientiert sind und sich dadurch umso besser auf den Inhalt einlassen können: Zuerst lesen Sie einen Einstieg, in dem ich Sie mit dem Thema des Kapitels vertraut mache, Beispiele erzähle und Sinn und Nutzen der Übung erkläre. Dann folgt das »Aufwärmen«, denn wie es sich beim Sport leichter übt, wenn die Muskeln für das Training aufgewärmt sind, so stimmen Sie sich mit dieser kleinen auf die spätere umfangreiche Übung ein. Daraufhin erzähle ich eine kurze Geschichte als weitere Möglichkeit, sich ganzheitlich dem Kapitelthema und der Übung zuzuwenden. Dann sehen Sie einen Überblick über die Übung als Schaubild, und es folgt die Übung. Anschließend vertiefe ich im dritten Teil jedes Kapitels unter der Überschrift »Verstehen« einzelne Themen aus dem Kapitel – Themen wie »Weisheit«, »Würde«, »Selbstwert« oder »Echtes Geben«. Zum Schluss empfehle ich Ihnen in jedem Kapitel noch passende Bücher, Links, Spielfilme, Musik oder Fotos. Ich möchte möglichst direkt Ihr Interesse an dem einen oder anderen Werk wecken, deshalb kommentiere ich die Werke oder zitiere Textstellen, die mich beeindruckt haben.

Und der Aufbau des gesamten Buches? In sieben Kapiteln durchlaufen Sie in sieben Schritten mit sieben existenziellen Übungen einen Reifungsprozess, der Sie zum Wesentlichen führt: Im ersten Kapitel, »Der Fluss«, überblicken Sie Ihr ganzes Leben. Im zweiten, »Die Ozeanfahrt«, gewichten Sie Ihre persönlichen Werte und finden die für Sie wichtigsten heraus, seien es nun Freiheit, Sinn und persönliches Wachstum, seien es Loyalität und Hingabe oder was auch immer. Im dritten Kapitel, »Die Frist«, fokussieren Sie sich angesichts begrenzter Lebenszeit auf das, was Sie als Wichtigstes in Ihrem Leben tun wollen. Im vierten, »Die letzte Vorlesung«, entdecken Sie Ihre persönliche Weisheit und überlegen, wie Sie sie anderen mitteilen können. Im fünften Kapitel, »Die menschlichen Spuren«, machen Sie sich bewusst, welche Spuren Sie hinterlassen wollen – schon heute und morgen, aber auch für nachfolgende Generationen. Im sechsten Kapitel, »Die drei Briefe«, fassen Sie unter anderem eine Liebe in Worte, bringen eine Konfliktklärung voran und heilen so für Sie wichtige Beziehungen. Und im siebten Kapitel, »Der Eintrag im Tagebuch«, finden Sie heraus, wie Sie durch echtes Geben glücklicher werden können.

In vielen der Übungen kommt mein Ansatz des »Schreibdenkens« vor, bei dem man das Schreiben nutzt, um damit weiterzudenken und Schicht für Schicht immer tiefer bis zum Kern zu gelangen. Denn Schreibdenken ist eine der besten Selbstcoaching-Methoden: Sie halten inne, sinken in sich selbst zurück, werden langsam und still. Diejenigen unter Ihnen, für die Schreiben nicht der passende Zugang ist, können die Übungen natürlich auch anders bearbeiten, etwa »im Geiste« oder im Gespräch mit einem vertrauten Menschen. Wie tief Sie dabei gehen, entscheiden Sie ohnehin selbst, ob Sie nun nachdenken oder schreiben. Überhaupt sind alle Übungen zum Abändern geeignet für den Fall, dass Ihnen eine andere Variante mehr entspricht. Wenn Sie ungern zeichnen, entwerfen Sie eben im fünften Kapitel kein Storyboard, sondern stellen sich einfach eine Szene vor. Und vielleicht ist die eine oder andere Übung lediglich eine Anregung, die Sie zum Entwerfen Ihrer eigenen Übung inspiriert.

Kaum jemand verlässt gern seinen Wohlfühlbereich. Um sich jedoch zu entwickeln, muss man gerade die schwierigen Gefühle aushalten oder gar aufsuchen. Deshalb zwingen uns manchmal äußere Umstände aus dem Wohlfühlbereich in eine Erschütterung, die dann eine Entwicklung kräftig anschiebt. Auch mit diesem Buch haben Sie die Chance, solch einen Schub zu machen, nicht zuletzt mit Hilfe einer Denkweise, die die Endlichkeit des Lebens einbezieht. Dafür benötigen Sie innere Stärke.

Die folgenden sieben Hinweise helfen Ihnen, diese Stärke aufzubringen – und das war’s dann auch schon weitgehend mit den Tipps in diesem Buch:

Stellen Sie sich auf unkonventionelles Denken ein. Wenn Sie sich mit einem Thema beschäftigen, das gemeinhin noch häufig tabuisiert wird, so bringt Sie das in eine Position, die jedenfalls keine Mitläuferhaltung ist. Gegen den Strom zu schwimmen kann anstrengend sein, aber nur so kommt man zur Quelle. Überprüfen Sie, ob Sie etwas tun, nur um sich anzupassen.

Erkunden Sie Ihre Beweggründe, wenn Sie an einem bestimmten Punkt des Buches nicht mehr weiterwollen. Denn oft sind gerade diese Stellen die besonders entwicklungsfördernden.

Lernen Sie, schwierige Gefühle auszuhalten und in Ruhe zu betrachten, anstatt sie gleich wegzudrängen.

Spucken Sie den Schnorchel weg und steigen Sie in einen Taucheranzug. Verlassen Sie die Oberfläche. Sinken Sie auf der Suche nach Ursachen und Zusammenhängen bewusst in die Tiefe.

Kultivieren Sie das Alleinsein. So gelangen Sie möglicherweise in eine Tiefe, die Sie im Zusammensein mit anderen Menschen kaum erreichen würden. Vermutlich werden ohnehin nicht viele Menschen bereit sein, mit Ihnen über Endlichkeitsthemen zu sprechen.

Werden Sie langsam und bleiben Sie langsam. Versuchen Sie nicht, angesichts der eigenen Endlichkeit rasch noch möglichst viel zu erledigen.

Setzen Sie zumindest ab und zu eines der besten Mittel ein, die es gegen Angst und Melancholie gibt: Humor.

Die Frau vom Büfett, von der ich Ihnen eingangs erzählt habe, traf ich zwei Monate später noch einmal. Sie lief mir auf einem Bahnsteig über den Weg.

»Sie haben mir doch von diesem Buch erzählt, das Sie schreiben. Bitte nehmen Sie mich in Ihren E-Mail-Verteiler auf, und benachrichtigen Sie mich, wenn es erscheint. Das ist so ein wichtiges Thema, das kann man nicht zwischen Tür und Angel besprechen.«