Wer hat Angst vorm weißen Mann - Dominique Lorenz - E-Book

Wer hat Angst vorm weißen Mann E-Book

Dominique Lorenz

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Beschreibung

Als der rassistische Münchner Metzgermeister Franz Maisacher nach einem Schlaganfall vom Krankenhaus nach Hause kommt, stellt er entsetzt fest, dass seine vollkommen überarbeitete Tochter Zita Alpha, einen Asylbewerber aus dem Kongo illegal beschäftigt. Der "Neger" muss sofort wieder weg! Alpha will seinen Job behalten und versucht mit einem Voodoozauber, die Freundschaft mit Franz zu erzwingen. Er scheitert allerdings. Bei einer Rangelei bekommen Franz und Alpha einen Stromschlag. Franz stirbt, sein Geist hängt für alle unsichtbar auf der Erde fest. Nur einer kann ihn sehen. Ausgerechnet Alpha. Ein Münchner in der Hölle. Denn der Franz braucht Alpha ganz dringend, um seiner Tochter Zita zu helfen. Zitas Bruder Alfons hat nämlich das Testament verschwinden lassen, will seine Schwester über den Tisch ziehen und aus Franz´ geliebter Metzgerei eine schicke, chillige Lounge machen. Franz muss über seinen Schatten springen und mit dem von ihm gehassten Alpha gemeinsame Sache machen, wenn er Zita, sein Gschäft und seine von der DLG (Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft) prämierten Weißwürste retten will.

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Seitenzahl: 71

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Dominique Lorenz

WER HAT ANGST VORM WEISSEN MANN

Eine Komödie

Bühnenfassung nach dem gleichnamigen Drehbuch

Ausführliche Informationen über unsere Autoren und Theatertexte finden Sie unter www.dreimaskenverlag.de

Copyright © Drei Masken Verlag GmbH, Herzog-Heinrich-Straße 18, 80336 München

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden. Sämtliche Rechte der öffentlichen Wiedergabe (u.a. Aufführungsrecht, Vortragsrecht, Recht der öffentlichen Zugänglichmachung und Senderecht) können ausschließlich von der Drei Masken Verlag GmbH erworben werden und bedürfen der ausdrücklichen schriftlichen Zustimmung. Nicht genehmigte Verwertungen verletzen das Urheberrecht und können zivilrechtliche ggf. auch strafrechtliche Folgen nach sich ziehen.

3 D | 4 H

Personen

FRANZ MAISACHER, 60, mehrfach ausgezeichneter Metzgermeister. Witwer, Tyrann, Rassist.

ALPHA KITENGE, 32, aus dem Kongo. Asylbewerber im laufenden Aufnahmeverfahren.

ZITA MAISACHER, 36, Franz Maisachers Tochter, Metzgermeisterin, hat die Metzgerei nach dem frühen Tod ihrer Mutter Herta mit ihrem Vater zusammen geführt. Ihr Sohn Claudio ist auf Ibiza.

ANTON MAISACHER, 34, Franz‘ Sohn, Lieblingskind seiner verstorbenen Mutter, hat, nachdem es mit der Karriere als Profifußballer nicht geklappt hat, versäumt etwas Gescheites zu lernen, hält sich mit „Gschäftln“ über Wasser.

MIREILLE MAISACHER, 33, Antons attraktive Frau, arbeitet halbtags bei einer Zeitschrift in der Anzeigenabteilung und träumt von einem glamouröseren Leben.

Ein Schauspieler spielt:

DR.HELMUT KIRSCHNER, 65, Franz‘ bester Freund, ehemaliger Notar.

LUDWIG HACKL, 40, Physiotherapeut bei München 1860, Zitas Verehrer.

Alphas Mitbewohner FARIM in der Asylbewerberunterkunft. HERR KONRADI im Arbeitsamt. Ein POLIZIST. Herr RUPPRECHT von der Gewerbeaufsicht.

Eine Schauspielerin spielt:

FRAU HARTMEISER (60), Kundin. FRAUSIMMERLING (55), Kundin. TANTE MITZI (60), Schwester der verstorbenen Herta. Alphas BETREUERIN (40) von der Caritas. Die BEAMTIN KUGLER (45) im Arbeitsamt. Eine RICHTERIN (50).

Ein offenes Bühnenbild, die verschiedenen Räume angedeutet: Der Arbeitsraum der Metzgerei, Wurstverarbeitungsgerät. Der Verkaufsraum, Stehtische, eine Wursttheke. Eine Treppe nach oben zum Zimmer von Franz, dort Bett, Schrank, Fernseher, Tisch, darüber eine große Lampe. Auf der Vorderbühne wechselnde Räume: Alphas Zimmer in der Asylbewerberunterkunft. Das Arbeitsamt. Ein Park. Helmuts Wohnung. Gefängnis. Gericht.

Mit großem Dank an Wolfgang Murnberger für alle Anregungen und Ideen.

Bitte an einen Toten bei seinem Begräbnis:

Sei glücklich im Reich der Unsichtbaren.

Schicke uns Regen zur Winterszeit.

Schenke uns reiche Ernten.

Der Wind möge von Westen, von Osten,

von Norden oder von Süden kommen,

er möge uns immer ein günstiger Wind sein.

Ihr jungen Leute, schaufelt das Grab richtig mit Erde zu

und keinem bösen Medizinmann,

keiner Hyäne, keinem wilden Tier

soll es gelingen, den Leichnam auszuscharren!

1.Bild

Ein großer Wurstkutter läuft. Wurstverarbeitungsgeräte, Metallschränke, ein Arbeitstisch. Vorn rechts eine Theke mit Wurstwaren. Stehtische. Franz humpelt durch den Zuschauerraum auf die Bühne zu, er hat Mühe mit der Krücke. Er zieht das rechte Bein nach, der rechte Arm hängt runter. Zita trägt seinen Koffer.

ZITA

Du, Papa, i wollt…i muss dir was sagn.

FRANZ

Hm.

ZITA

Es is nur…weil. I hab…es geht um…ah…

FRANZ

Jetzt red halt.

ZITA

Wegen der Aushilf im Gschäft. I schaff die ganze Arbeit ned allein und –

FRANZ

Mir brauchen kei Aushilf! I hab an Enkel, der is 18 Jahr alt! Warum hilft der dir ned, wenn i ausfall?

ZITA

Der Claudio is Vegetarier. Du kannst doch ned von am Vegetarier erwarten, dass er Weißwürst und Leberkäs macht.

FRANZ

Warum ned. Dann kummt er vielleicht wieder aufn Gschmack.

ZITA

Der Alpha is –

FRANZ

Alpha? So heißt ma doch ned bei uns. Wen hast´n du mir in mei Gschäft nei gestellt?

ZITA

Er is sehr fleißig und was du noch wissen solltest –

FRANZ

I will überhaupt nix mehr wissen.

Franz ist am Bühnenrand angekommen, schaut rauf zu seiner Metzgerei, lächelt.

ZITA

Da simma. Willkommen daheim, Papa.

Franz geht auf eine kleine, steile Treppe zu.

ZITA

Komm, i helf da.

FRANZ

Finger weg. Des geht scho.

Franz hievt sein lebloses Bein auf die erste Stufe.

ZITA

Kumm, Papa, geh ma außen rum, des is leichter.

FRANZ

Na! I geh durch mei Gschäft.

Verbissen kämpft sich Franz die Treppe hoch. Zita kommt ihm nach. Die Türglocke.

ZITA

Da simma…

Franz

(glücklich) Ja.

Zita

Komm, mir gehen in d´Wohnung nauf.

Franz geht auf den Wurstkutter zu, in dem Moment taucht Alpha hinter einem Schrank auf, Werkzeug in der Hand. Franz schreit auf.

FRANZ

Des is a Neger. In meiner Metzgerei.

Zita

Papa, des…des is da Alpha. Die Aushilf, von der ich dir grad –

Alpha geht auf Franz zu.

ALPHA

Gute Morge.

FRANZ

Was macht der da herin?

ZITA

(zu Alpha) Es tut ma leid, Alpha. I hab doch gsagt, dass´d di im Hintergrund halten sollst! (zu Franz)I brauch jemand, der mir des Fleisch tragt.

FRANZ

A Neger in meiner Metzgerei? Ham´s dir ins Hirn einigschissen?

ZITA

Hör jetzt auf, Papa! Mir wär a lieber, dass dir des ned passiert wär! Des is wirklich a gute Übergangslösung.

FRANZ

Mir brauchen kei Übergangslösung! I bin wieder da!

Zita

Jetzt bring i di erst amal rauf.

FRANZ

Gar nix bringst du mi!

ZITA

Reg di ned so auf, Papa! Bitte! Sonst kriegst glei no an Schlag!

FRANZ

A Wunder wärs ned.

Franz stützt sich auf seine Krücke, schnappt nach Luft.

ZITA

Um Gottes Willen, Papa. Ruh di erst amal aus.

Zita schiebt Franz zur Treppe, sie gehen rauf.

FRANZ

Kaum bin i weg, draht die durch. A Bimbo da herin. Madl, du bist ja nimma gscheit…

Alpha schaut ihnen fassungslos nach. Zita kommt wieder runter. Alpha zeigt ihr, dass sich die Schranktür wieder öffnen und schließen lässt. Auf dem Kasten liegt ein Wörterbuch und ein Heft, in das Alpha gelernte Wörter schreibt.

ALPHA

Geht wieder… (er schaut in sein Heft)…das Scharnier.

ZITA

Und des Brät? Wie lang lafft des jetzt? (sie schaut auf die Uhr) Herrgott! Des Brät wird kurz! I find´s ja guad, dass du ois reparierst, aber i brauch a Hilfe für´d Metzgerei!

ALPHA

Ah! Okay, okay! Sorry!

Alpha stellt den Kutter aus, öffnet ihn, schüttet die Masse in den Wurstbefüller. Zita befestigt den Darm am Ausgang der Maschine. Alpha beginnt vorsichtig die Kurbel am Wurstbefüller zu drehen, die Wurstmasse drückt sich langsam in den Darm. Alpha macht ein angeekeltes Gesicht. Zita sieht das.

ZITA

Jetzt stellst di ned so an! Des is ned giftig! Mach´s wie ich´s dir zeigt hab!

Zita beginnt, einzelne Würste abzubinden. Alpha kurbelt schneller.

ALPHA

Alles gut? Problem wegen (deutet auf seine Haut) Farbe?

ZITA

(nickt betreten) Für mein Papa is einer aus am anderen Viertel scho a Ausländer.

ALPHA

Bitte, Zita! Ich arbeiten! Wir machen zusamme.

ZITA

Komm, jetzt mach amal weiter.

2. Bild

Franz sitzt auf seinem Bett, hat einen gerahmten Stehaltar von seiner verstorbenen Frau Herta auf dem Schoß. Er öffnet den Rahmen, holt einen dicken Packen 500-Euro-Scheine raus.

FRANZ

Gut…brav…

Er legt das Geld zurück, schließt den Rahmen, stellt das Stehbild auf den Nachttisch, nickt seiner Herta zu.

FRANZ

Mei Herta (streichelt traurig das Bild)… Pack mas.

Er zieht die Hose aus, holt seinen Kittel und seine Arbeitshose aus dem Schrank und versucht mit einer Hand die Arbeitshose anzuziehen. Das linke Bein kann er einfädeln, aber das unbewegliche rechte Bein nicht. Franz versucht es im Liegen, fängt an zu schwitzen, wird wütend.

FRANZ

Herrgott, no amoi. I werd doch… (zerrt am Hosenbein)…jetzt kumm her, du Luder!

Franz versucht hüpfend das unbewegliche Bein durch die Hose zu manövrieren, fällt, knallt mit dem Kopf gegen das Bett.

FRANZ

A geh…

Franz versucht, wieder aufzustehen, gibt auf. Zita kommt ins Zimmer, stellt einen Topf mit Weißwürsten ab, kniet sich zu Franz.

ZITA

Papa? Papa? Mei, was machst denn!

FRANZ

I mach, was i immer gmacht hab und jetzt zieh i mi an. Hast was dagegen?

ZITA

Natürlich nicht…du blutest ja.

Zita hilft Franz aufs Bett, will seinen Puls fühlen. Franz zieht die Hand weg. Zita nimmt die Arbeitshose und den Kittel.

FRANZ

Stellt die so an schwarzen Gorilla ein! Hast du dacht, i hock da heroben und merk des ned?

ZITA

Papa, du musst di erst erholen. Du kannst so ned in Laden. Mir müssen schaun, dass die bei der Physiotherapie dei rechte Seite wieder hinkriegn. Und a Freundin von der Mireille hat a ganz a nette polnische Hilfe, die kann sich a bissl um dich kümmern.

FRANZ

I hab ned mei Leben lang für euch gearbeitet, dass mir jetzt so a polnische Trutschen den Hintern abwischt!

Er versucht vergeblich, ihr die Arbeitshose und den Kittel aus der Hand zu reißen.

ZITA

Jetzt hör amal auf mit dem Schmarrn! I mag di da heroben ned allein lassen.

FRANZ